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Wiener Morgenzeitung · 1920-03-10 · Heft 407 (10.3.1920) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 407 (10.3.1920)
Date
1920-03-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Gtiyelevemplarr Hatte 80 §tütv kschecho-Slowakei: Einzeln 44 Heller i. sich. 4V. pränunierationspreise: vir»; A»« Mtzolrn in der kxpedition. L Bezirk» Tabortraße t blS H, ober in einer DersrfileißsteUe,Trafik): Nonatiich . . Kronen SO.— vtettekjiihrktch 00 —?Ut Postversand rür Wie» und Oefterrriü,: iNopatltch .. Kronen »».- . Tichecho-EloWakri: vronatltch .. Kronen V.— vierteijührlich .. «t.- « tschech0'slowakisch<rWalMng > Ungar«: Monatlich .. Kronen SO.- vierteljährlich .. 00.- i» ungarischer Währung Jugoslawien: - Monatlich .. Krone» IS — vierteljährlich in jugoslawischer Währung Wiener Wnfelevemprarr Preis S» Zeller Lschechü-Slorvakeir Einzeln 44 Heller i. tsch. Prannmerattonspreise » Polen: 1 Monatlich .. Krone» SMW Vterleljälirlich .. 60M in polnischer Währung - Deutschland: t Monatlich ... Mark lk^ Frankreich: Monatlich . . Jrantt Italien: v Monatlich .... Lire 8-Nt Schweiz: •, Monatlich. . . Frank» 9SM " R evaktion m. Sldministratio» LLien.«.Bez..Taborste.I-S Telephone: Administratio» 440 Nedaktion 4»iUV. ad 0 Uhr aveuvs Str. l«iOt Postsparkassenkanio tSü.6A Nr. 407 Wien, Mittwoch, den 10. Mörz 1020 2. Jahrgang Vor der Entscheidung. —y. Wien. 10. März.; Das jüdische Volk sieht , sich durch die weltpolitische. Entwicklung vor eine Ausgabe gestellt, wie sie noch niesnal3 einem Volk'erwachsen ist. Cs hat zwar im g>. auen Mertum Stautengrülldungen von Volkern in der Diaipora gegeben. Deutsche Stamme setzten sich in dem Geinet an der Südküste des Schwarzen Meeres und in ftordafrika fest. schmolzen aber bald in der heißen Sonne des Orients zusammen. Die Inselgriechen haben im verzangenen Jahrhundert.. in. wunderbarem, religiös beflügeltem Patriotismus den neuhellenischen Staat ge- Paffen. Aber sie konnten an ichon Vorhandenes, an in ihrer Lebendigkeit sichtbare Traoitionen anknüpfen und wußten das griechische Land in griechischem Besitz. Sie hatten eben nur den äußeren Ausdruck dieser Tatsache, die staatliche Unabhängigkeit, zu erreichen.. Was aber das Judentum ausführen soll, ist so neu und ohne Beispiel in der Geschichte, daß man im ersten Augenblick nur die. Hindernisse und Schwierigkeiten sieht. Ein Volk, dös zwei Jahrtausend«, lang vom Mutterboden Mfernt'ist, dessen politisches Eigenrecht zu einer Mythe erstarrt ist. Las in all seinen heutigen Wohnländern düs bittere Dasein einer nur trn allgemeinen staatsbürgeriichen Sinn gleichberechtigten Minorität führt, ohne die Möglichkeit, seine nationale Kultur anders zu betonen als in dem engen Rahmen ritueller Dogmen, ein Volk, dem in generationenlanaer feindlicher Abschließrmg große weite Gebiete menschlicher Arbeit verschlossen geblieben siyd und.dadurch entfremdet wurden, das durch hie verschiedensten Kulturkreise.- in beütliHlerLmnbach^bft^M< anher mißverstehende ^eile geschnittenist ' und dessen Gemeinsamkeit eben nur und ausschließlich in Idee und Tradition besteht, das in der Mehrheit die. Muttersprache nicht mehr versteht und sie durch die Sprache der Nachbarschaft surwgieren muß -«- ein. solches Volk geht daran, aus einer leidvollen, schmerzdurchzitterten Gegenwart Fäden zu seiner längst berHungmii Vergangenheit zu spinnen und sich ein neues, eigenes Leben zu bauen' Man versuche einmal, dieses Problem ins Äuge fassen und abzii stecken. Die europäische Kulturwelt, deren sittlicher Bäu auf der jüdischen Lehre von den Dingen, ihrer Erkenntnis und ihrem Zusammenhang siebt, beginnt jetzt, aus dem wüsten Sumpf-des Krieges aufzutäuchen. Sie hat, nicht ohne die Unterstützung durch die jüdische Geistigkeit, me Führung der Welt errungen und wird sie voraussichtlich noch für lange behalten, wenn auckx unter amerikanischer Färbung. Diese europäische Kultvrwelt umschließt auch das Judentum. Ab^r nirgends in ibrer staatenbildenden Methodik ist ein Anhaltspunkt zu finden, an dem das jüdische Volk sich festbalten konnte, wenn.es cm die Lösung seiner historischen Aufgabe schreitet. Alle Kolonien hatten ein Mutterland. Im jüdischen Fall sollen die Kolonien dos Mutterland errichten. . Das jüdische Volk soll die Emigration regeln, Behörden aufftellen, Bekleidnngs- Ernährungs» und -V„- kehrswesen regeln^ Siedlüngsprobleme lösen, eiyen sozialen, juristischen, hvgienischen und staatlich-politischen APparcck montieren, es soll die Frage der nationalen Zusammensetzung seines Staates und die nicht minder dornige Frage seiner eigenen nationalen. Minoritäten in der Diaspora behandeln, dies alles im Verlauf einer relativ kurzen Zeit. WäS anders Völker im langsamen, logischen Aufbau organisch entwickelst'konnteN> das wird das jüdftche Volk förmlich iiber Nacht tun müssen und es wird nicht einmal die vierzig Bahre zur Verfügung iK^-rn. iu Mo "-'s biväftvvti'ch^' ^^tzsche entzogenen Sklaven an den Gedanken der Freiheit gewöhnte. Und für,dieses ungeheuerliche Werk stehen dem verarmten, von dem abgrundtiefen Haß der Welt beladenen Volk nur seine eigenen Energiequellen offen. Freilich — es sind jüdische Energiequellen, deren Jut?nfitdt und Reichhaltigkeit man staunend gewahr wird/ wenn man die jüdische Geschichte bedenkt und gewahr wird, wie das jüdischq Volk als verkörpertes „Dennoch!", als ewiger eigensinniger selbstbewußter Trotz durch die Jahrhunderte schreitet und aus seiner rein geistigen Kultur die Kraft des Widerstandes hat schöpfen können, der so beispiellos ist, wie sein Leiden. Das jüdische Volk wird viel Arbeit und v'e! Geld lebten müssen. Was es aber vor allem anderen braucht, dcw ist felsenfester heiliger Glauben an sich und seine Vitalität, Vertrauen in den auten Willen der Führung, Die Kriegsflotte der Bolschewiken in Odessa. Moskau, 9. März. (Funkspruch.) Die Kriegsflotte der Sowretrepttbllk im Schwarzen Meer, bestehend aus dem Kreuzer „Admiral Nachimow", 4 Mineuhooieu, 2 Frschdampfer, 10 Torpedobooten und 2 ArrterseeHooten, ist in Odessa eingelaufsn. Fach kommt nach Warschau. Siit tieft, 9. März. lHavas) Marschall Foch erkläre in einam Interview, daß er nach Warschau zu r?i en entschlosssü sei, nm dort die polnische Armee zu begrüßen. Aeder das Datum der Reife kbrrue er noch nichts Bestimmtes fa en, doch fei es sicher» daß feine erste Reife der polnischen Nepuölik gewidmet fein werde. ( Das WirLschKsLsprogrammLer Entente. RotterdaM» 9. Mörz. Amt „R'euwe RvWdmrchr Courant" nnlott ..Daily Ehren cle". dafr das Winschasstnumo- ^audum stolgcndk Haupipunüe rnhalien wad: Hern und Flotten müssen aus em Mindeüma'r hcrabgcsitzt wccden. -Die frenndschaft-'!,cken Btzntzunqen zwischen dm N^gierunaen sollen gepflegt und den Regierungen und den Avlicrn änsecsie EvaisamleU M Pllicht gemocht werden. Deutschland soll ZeU gelassen werden . seiW.^EMiaÜM^znAcMhkp..-. D.ese.^En..schLdipnng... soll BE^äst^ZM^^eMW^eü^ MtE'^me^le^kllinrtch "inst Auslände rm'eilrmgen. nm das Kapnal zu beschämen, das zur Wirdecherstellung dir venviräcten Gebiete notwendig ist. Dey.schland w-'.d gestattet werden, Anleihen im AnSlande unierzutningen, und 'man wred ihm bei der Beschaffung von L benSmikleln und Rohstoffen mr Förderung seiner Erzeugung bchüslich lein Eme intern Uionale Fmanzkommimon des Völkerbundes soll gebildet werden: Zur Eniklung des Elerchgewichtes in den Wech'elkurscn soll der Äbschsütz mtcrnat onaler Handriskrcdlte gefördert werden. und brüderliches Cmverständnis, alle Volksglieder, alle Schichten und Klassen durch die Macht der Idee zu einem einheitlichen jüdischen Volk, zu einer wirklichen Nation znsammestzuschließen, die beim Aufbau ihrer neuen Existenz nur eine Politik und nur eine Zukunft kennt: die jüdische. Vergessen wir nicht daran, daß sich die Bildung unseres Heimes unter den Augen der Welt vollziehen wird, die uns im besten Fall mit Zweifel, meist jedoch mit Mißgunst beobachten wird, deren'Urteil aber für uns sehr wichtig sein mrrß, weil die verschiedenartigsten Verbindungen persönlicher, sachlicher und wirtschaftlicher Natur zwischen uns und ihr bestehen werden. Vergessen wir nicht die Verantwortung, die auf jedem von uns ruht. Unser Werk wird nur gedeihen können, wenn wir alle, jeder nach seinem besten Können und'Wissen Mitarbeiten. Dann wird eine Idee zur Wirklichkeit: der Uebergang von der Hoffnung zur Arbeit. Wir stehen vor der Entscheidung. Europa, vor allem aber das, großherzige England, das den Griechen geholfen, das uns Juden schon einmal mit dem Uganda- Angebot die Freundeshand geboten hat, will uns die Möglichkeit bieten, unserem so schwer erschütterten Volk ein neues Heim zu errichten und ' das älteste und schreiendste. Unrecht der Weltgeschichte gutzumachen. Diese Möglichkeit vertraut Europa unserer eigenen Kraft an. Noch wissen wir nicht, wie weit dev Nahmen gesteckt sein wird, innerhalb dessen wir unserem Ziel zustreben sollen. Wie dem immer sei: in unserer Geschichte liegt die Gewähr, Laß wir ohne Schwert, aber mit der Kelle unser Haus hauen werden. Die Hindernisse und Schwierigkeiten erkennen, wir. Aber sie sind nur da. um überwunden Zil werden. Das Volk, das durch seine Beharrlichkeit InPrisition und Pogrome überdauert hat, wird auS der Erinnerung an die Tausende seiner Blutzeugen die seelische Kraft schöpfen, im Boden, seiner.Väter zu derwurzeln und sein Volkstum zur vollen und wahren Freiheit zu entwickeln. Ob wir dieses größte und letzte Ziel in kürzerer oder längerer Frist erreichen, das liegt scheinbar nicht bei uns. Aber nur scheinbar. Es liegt trotz 'alledem und alledem einzig, und allein bei unserem Willen, bei unserer Entschlossenheit. Wenn wir nur an die Arbeit aeben können! v Der Terror in Budapest. Des;der Czabo, der geistige Führer der Christliche nationalen. Zu den blutrünstigsten antisemitischen Publi'sistett im christiichnationalcn Ungarn gehört der PubliM Desrder Szabv. der mit seinen wahnwitzigen Iudenausrottungsproickken selbst seine vo'.irischen ' Austra^ gcber in Schrocken versetzt. Als die Mitarbeiterm des!. Mult es Jovö", Irene Sas, ihn jüngst frug, wi«i er ich tic Lö ung der Judensrage in Ungarn eigentliH vorstelle, antwortete' der wackere Szabo, daß er die. Pogrome als gesetz1.ches Mittel zur Bekämpfung deSs Indenxnms anerkenne, und daß die ungarische' Juden» frage am. gerechtesten auf di-' Meise gelöst werden lömtte* >daß. man die Christen sowohl als auch die Juden be-. wafsnen.und beide Parteien gegeneinander losließest ,,Däs wäre eine radikale Lösung", schloß Szabo, entzückt von seiner geistreichen Idee. Man ist 'über dieses Heldentum eines Antisemiten nicht verwundert, de«, übcr-engt ist. daß der Kamps der bewaffneten 95 Prozent gegen die 5 Prozent mit dem radikalen Untergang der 5 Pro-ent Juden enden müßte. * 1 Fräulein Sas suchte dann den Chefredakteur beSZ konservativen „Budapesti Hirlap" und Ehrenpräsidenten ' des .ungarischen Journalisten- und Schriststellerver-- dar.des „Otthvn", Eugen Ra k o s i, auf. Dieser sagter „Ich befasse mich nicht mit der .Judensrage, die Juden interessieren mich nicht. Ich beschäftige michs' mit Ungarn und mit der ungarischen ^Frage und sindi/ die Inden auch darunter, desto besser. Den zügellosen, tr.aulfcr. fdjori djen und unverantwortlichen Antisemitis- ..mus. tzerstrieile ich aufs Aesst.:. Der. Kampf darf nitbks u.it Worten, sondern mit Fähigkeiten, nicht mit Terror^ sondern mit Ehrenhaftigkeit gesührt werden. Das sagt« ich stinerzeit auch einer Deputation christlichnationaler Journalisten und Schriftsteller, die unter Führung Deiider S^abos bei mir erschienen waren. Niemals bat noch jemand mit christlichen Schtagworten mehr Betrug verübt als Defider Szabo. Er hat schon bei alle« Jud-en Lakaien dien ste verrichtet, bei den Hat» vany, wie auch , bei den Jaszi, denn damals war daS! das Geschäft, heute aber ist er ein entschlossener Christa wcil heute dieses ein Geschäft ist. Dabei,sind im Kultusministerium die Summen genau verzeichnet, die er auch von den Kommunisten genommen hat. Nach bent Sturze der Kommune hat irgend ein Esel auch^ vo» mir verbreitet, daß ich mein Blatt zu einem Pogrombtatt um gestalten werde. Man hat sich getäuscht iinb mich Mriannt- Ich habe auch heute jüdische Freunds die ich niemals mit^ Christen vom Schlage eines. Desidetz Szabo vertauschen möchte..." Daß di.ser S.'aüo an der Spitze der christlichnatio-i nalen Studentenschaft steht, ist bei der geistigen Verfassung dieser Blüte der Nation nicht verwunderlich!» Tie in diesen Kreisen betriebene Agitation für denj Numerus cl-rusuZ richtet sich ausschließlich gegen di« jüdischen Hörer und hat bereits solche Formen angenommen. daß sogar der antisemitische Rektor Bal»ß lagi. der Sohn des ungarischen Sprachforschers Moritz' Bloch, in einem Ausruf mit dem Rücktritt gedroht hat^ wenn hi>: Dinge so weiter gehen. . j Vor einigen Tagen hielten die antifemitifchens Studcnlen, die meist dem berüchtigten Oszenburger; MLrderie achemcnt angehören, in Ofen eine Verscunm* lung ab, inder sie dietVeiüehaltung des Rechtfertigung^ Verfahrens verlangten. Sie zogen dann durch die Stadt^ geführt von De,'ider Szabo, der unterwegs einent Staatsselrelär die Wünsche der Jugend mitteilte. j - Der Lan'esverband jüdischer ungarischer Univerfttatshörer beschwört die christlichen Komitatschls, an di« ungarische Kultur, an Vernunft und Einsicht zu denken^ * An die jüdischen Leser der „Neuen Freien Presse". Die „Neue Freie Presse", das Leibblatt so vieler Juden, die Zeitungwelche vom jüdischen Gelds lebt und ihren Lesern als Wahrerin jüdischer Jntevesseni gilt, schweigt sich über die bluligen Judenverfolgung.« in Ungarn gründlich aus. Sie ber'chiet wohlwollend übep die Vorgänge, in Gudapesk, singt das Lob der read«, tionären magyarischen Gewalthaber, verbreitet über di« > kleinsten Details im politischen Leben? der mörderischen „Ordnungsmacher" Horthy, Friedrich und Genofseni Reklaninoft-en und iglwriert beharrlich die Meldungen von Judensch ächlcreien. Nach ihren Berichten ist unte« dem „weißen" Regime noch keinem Jude» ej» £jOggj

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