Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 406 (9.3.1920)
- Date
- 1920-03-09
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/2979076-2979416-2979484--03582-2989228- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
eite 2 fiten, Dienstag ÄZiener Morgenzektung S. Mrz 1920 DaZ ist eine derartige Belastung unseres Vudg^S, daß S außerordentlich schwierig sein wird, dafür annähernd eine, Deckung zu beschaffen. Ohne Deckung kann man fortdauernd viederkehrende Auslagen naturgemäß nicht auf sich nehmen, Venn man nicht in, eine unverantwortlich leichtsinnige Schuldenwirtschaft geraten will. V . j Wir müssen Eie daher dringend bitten, sich mit Liefert Jugeständnissen, die wir uns nach schwersten Kämpfen ob-< gerungen haben, zu bescheiden. . Nachdem b S wist uachtS eine Bcen^i'flmig dcr Verhandlungen Mcht rrzült werd:n konnte, wurde eme E mgung dahin getroffen, - daß das Erekutivkomuee heute nachts ziiffimmciitütt, daZ Ergeb- MS seiner Beratung morgen volNiittagZ um 9 Uhr der ssohnkpmMission untcrbrcittt, die mit den Beratungen morgen vyr-- yliilags zu Ende zu kommen hofft und das Resultat soscnt der Regierung m'.Ueilen wird. Das Plenum selbst wird morgen um B Ubt nachmi.lags zusammentrcten. PsLiLffchL^MuNLschM. D'e H'ndenburg-KanÄidatnr. Ein monarchistisches Manöver. » - Der „Vorwärts" wendet sich in schärfster Weise gegen die Präftdentschaftsk-mrdidatur Hindenburgs und sagt: Hindenburg habe sich vpn den Helfserichs Md Lndendorfss zu mancher Dummheit treiben lassen. Die Präsident'chastskaudidatur war die größte. Das mögen jetzt schon di: Deutfchnaiicmalen zur Kenninis nehmen, schreibt das Blatt, daß wir altes zu tun gesonnen sind, um ihren plumpen und frechen Schwindel zu entlarven. Niederträchtiger ist seit Juli 1914 nicht mehr mit dem Schick'al des deutschen Volkesgespielt wordene als durch »diesen H indenburgrummel.. Das Sßolf wird aber »nicht hereinsallcn. Dis „Freiheit" führt aus: Wegen der Konsequenzen ihres TunS machen sich die deutschnationalen Ka Last rvphenpolitiker keine Sorgen-, Ihnen sei es vielleicht sogar willkommen, daß das gesamte Ausland den neu inszenierten Hindenburgrummel als eine- Herausforderung betrachten werde, weil es eine etwaige Präsidentschaftskändidatur Hindeuburgs als einen Sieg der nationalistischen Revanchepolitik in Deutschland auffgsfen müßte. - ' Im „Berliner Tageblatt heißt es, in Wahrheit handle es sich um eine schon vor einiger Zeit zwischen Deutschnationalen und Vollspartcilern vevabreöete rein Wv nar chi st i s che, an d.ida tu r. Das neue tschecho - slowakische Pressegesetz. Bor einigen Tagen gewährte Ministerpräsident Tusar dem Prager Berichterstatter,des „Az Est" eine Unterredung. Unter anderem richtete der- Journalist dm den Ministerpräsidenten auch die Frage, ob die ungarische Presse in der Slowakei, die naturgemäß und pflichtschuldig die Interessen des Magyarentums verteidigt, daraus zählen könne, daß sie diesen ihren Perus frei von den Fesseln der Zensur werde ausüben Zkönnen. Ministerpräsident Tusar erwiderte: „Die Regierung hat den Entwurf des Pressegesetzes bereits ausgsarbeitet und wird ihn den Vertretern der Presse ohne Unterschied der Nationalität, und der politischen Parteirichtung zur Stellungnahme.vorlegsn. Wir wünschen eine Pressefreiheit ohne Vorbehalt.und vhne jede Einschränkung. Wir wollen der Arbeit dxr -ungarischen Presse, soweit sie die gesetzlichen Ansprüche Ihrer Nation vertritt und verteidigt, keine Hindernisse Ln den Weg legen. Bestrebungen, die sich gegen die terris- Vorrale Einheit und die Interessen des Staates richten,. -können allerdings unter keinen Umstanden auf die Liberalität des Gesetzes rechnen." Bezüglich der künftigen Gestaltung der politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der Tschecho- Slowakei und Ungarn sagte Tusar, daß diese sich aus -en Lebensnotwenbrgkeiten der beiden Staaten ergeben würden. Schon jetzt zeigen sich, wenn auch nur theoretisch,- die Symptome künftiger handelspolitischer Beziehungen 'zwilchen hüben und drüben und umgekehrt -und diese vorerst noch vereinzelten dünnen Fäden werden mit der Zerr häufiger und fester werden. Im übrigen werde alles von der Haltung jener abhängen, düe gegenwärtig in Budapest an der Macht sind. Me errierrtzrr«sche, Propaganda für den Palö.stlna-Mederaufbauso-nds.' Zürich, 3. März. (I. P.-Z.) - Unter Vorsitz des ehemaägen amerikanischen Gesandten 'in der Türkei,' Äbraham Elkus, fand in New-Aork das Bankett für den WieL-erausbausvnds statt, an dem Minister Daniels die bereits mitg-eteilte N.de hielt. Seine Ntde war der Auldruck seiner Liebe und Achtung zum jütischen Volle. Mit b.e sauberem Enthusiasmus lourde Jakob Schiff angenommen, der erklärte, di: Juden würden so lange von der Welt nicht geachtet werden, biö sie sich selbst nicht respektierten. Wir müssen ein giiüige^ Znrtrum Haien und ein eigenes Homeland, -sonst w.r, rn lub nie glücklich sein. Die . ganze Hillsarbeit jii wer^.oa, .ails die Juden nicht ein gesichertes 'Heim, und ein i, 1: weulr-ati-'n pun-t }&'. i-rwu Geniys finden. A-lle V rtc'i r ind 4a Pach:r, au' de.n sie ge» schri ben wurorn, nicht wert, salir die Jüden ni:ht i.'w Dccht als. n c i,i o na »e Minderheit erhalten. Srlstsi .schloß: Es e-nstiert keine ziou'stisch-: Frag: mehr, nur noch ein-.. P a i ä it i na fragwie Juoen müji'ew diese •ftktxm» /ri>u me,. fci,\ ijaiUü lüLCO auli^tmen- John R ockefeller und Sohn haben 75,000, Dollar für. den Pa'äsiina-Äi.de. üuiba'.chondZxgespendet. Die Kampagne des MiSrachi für den 2 MillionenfondZ ist sehr lebhaft. Die jüdische Orthodvrie kommt »dem Appell sehr warm entgegen und spendet täglich int Miö'vtchi Office New-Nor.s größere Summen. Der nkrainische Pogrom in Permanenz. Zürich, 8. März. (I. P.-Z.) .Eine, in Kischinew ie'nge vossene'Delegation aus Reze ni"rrMes, daß die Denilinschen Banden neuerlich am 17. und.18. Februar e'nen Pogrom in Ny b nica vc-raustälhet hätten. Die Zabl der Opfer sei noch nicht festgestellt. Die-am Leben Ceblieb-enel. irren, ,vpn Hunger und 'Kalle-geplagt,, am Ufer de? Dnjestr herum und betteln, man möge -ihnen von Rezent über den Dnjestr Brot herüberreicheiü Die Delegation wandte sich durch Vermittlung des Ukrainischen Komi wes an General Popo vie mit der ' Bitte, Lebensmittel und Brot für diese Flüchtlingeüber den Dnjestr führen zu dürfen. Telegramme. ZiottWsche Konferenz in Nutzland. Zürich, 8, SOläv$. (I. P. Z) Die Konferenz der russischen Zionisten soll Mitte Mürz' statt'sinden. Die Sowi'tregierung soll die zwuistisch-e Orgaui'ation unter der Bedingung legalisiert .haben, daß sie ihre Tätigkeit auf Kultur- und Palüstinaarbejt beschränke. Wilson gegen ein türkisches Konstantinoprl- Mashing-on/ 8. März. (Funkspruch.). „New $ot! World" d'ilt mit, daß sich Prä ideut.W i l so n in seiner letzten.Note gegen den Verb leüb der Türken in Konstantiuvpel aubspricht. - i Amerika Nnd der Friede. Washington» 8. März. (Reutcr.) Der Sen a t hat merttjdmgs dm Vorbehalt zum Fricdcnsvcrirage. wonach die Vereinigen Staaten sich »ttfic r n, zu den Auslagen deß Völkerbünte-5 ohne vorherige Gutheißung durch den Kongrrß heizutragcn, mit 46 gegen 25 Stinnnen angenommen. Hilfe für die ostgalrzischen Inden. Do-ndon, 8. März. (Privat.) Mit der „Maure»« tania" ist eine Kömmifsionder „American H-ebrcw .Immigrant Aid Society" eingetrofse'n, die sich nach Osteuropa zu begeben gedeckt, um die Verwandten der amerikanischen Jftden, die sich im Offen befinden,w ausfindig zu machen und. sie nach Amerika herüberzunehmen. Die Kommission gedenkt läugsre Zeit in Europa zu verweilen.' , EmschrLnkun<t des IMmobilienerwerHs durch Ans! Ln der in Polen. /Warschau, 8. März. (Privat.) In der letzten Sitzung der Finanz- und BudgetIommission des Landtages wurde die Frage der. Einschränkung-des Jmmo- . biliene-rwerbs durch Ausländer in Polen erörtert. Es wurde ein Subkomitee. gewählt, das mit der Aus'- arbeitung der diesbezüglichen Anträge betraut wurde. Liiwrnow mutz mit. MioMu, 8. Märzi (Funksprüch.) Die-Hauptleitung der Genossenschaftsvereinigungen hatihrer Pariser Vertretung mitgeteilt, daß sie zwar geneigt sei, dem geäußerten Wunsche entsprechend, 'der Kommission für .Westeuropa noch einige Sachverständige anzugliedern, daß sie jedoch-unbedingt darauf bestehe, daß die Kom^ Mission au§ den seinerzeit genannten fünf Mitgliedern also auch L i t w i n o w, .bestehe. Die Kommission werde erst dann nach -Westeuropa abreiscy, wenn, die Z.»?-- stimmung, daß auch Litwinow ihr Mitglied fei, in Moskau-angelaugt sein werde. Die Attacke -es Prinzen Joachim. Vorsprache des französischen Geschäststragers. Vcrlin, 8. -März. (Wolfs.) Das Auswärtige-Amt hat sich' Heutes vormi'ckags nach dem Besinden der am Samstag im Hotel Adlon Verletzten erkundigt und ihnen das Bedauern über den Vorfall aussprcchen lassen. Gegen Mitiag sprachen der französische Geschäftsträger und General Wellet in der Angelegenheit/ kirn Äüiister des Ärußern vor. Minister Müller drückte ihnen das Bedauern der Regierung aus. Cr -erklärte/ daß eine strenge.Untersuchung des Falles eingeleitet worden sei und daß die Schuldigen bestraft werden würden. v Amszars Rrden. Budapest, 8. -März. (Ung. Tel.-Korr.'-Vur.) In e'n r Versawm'uug te) Lmdesvcrban'xs drr christlichen Eewerbetr.'ibenden l^ielt gestern Ministerpräsident' Hnszar zwei Redens In der ersten besprach er die christliche I nd ust r icpvli tif,; in der ztveiten be-- konte er die Notwendigkeit.einer Weltkonferenz über die wirtschafftiche. Neorgäni'a'.tvn der Völker. In' feiner ersten Rebe führte der Ministerpräsident au3- So .iaäe.i o.r-rss. .sommunVmub uuöDik a'ur des Pwlecariatö seien mit den Jiltcre'sen de) Kleingewerbes'.! nie und nimmer vereinbar. Mit dem Bolschewismus müsse man abr:chucn- Kommunismus köunie man nur' vn':t Nonnen machen, diejegliche Vorschrift besorgen uni'i 'U-U'ftw, irwi< Mftmen,'chen auf a (c3 verzichten, I Re « r^.r-cju« csich ''o'ann gegen die S.o.zial-« t demo tratie uno erL.är^e: Wir wollen, einen v.v.liti-..j schon Kampf'gegen vo"k?v-crderüende Verirrungen und^ gegen irrtümliche-politische Systeme pnd Parteien. Der; tt.'ite.t Ncgi.rung. ha.'ren schwierige Aufgaben.- - Bisher war die Aufgabp'-der. .Regierung, die Nation auf den Weg der VcrsassungsMäßigkeit zurückzuführen. Nun -beginnt die eigeutliche Neformarbeit,- die aber nicht binnen 24 Stünden, sondern nur in einer langes Epoche geleistet wcMn ckaim: In' seiner. Schtußce^, führte der Min'sterpräsldent unter anderem auZ: Mr müssen fordern, rmd das rufe ich laut in die Welt,Daß möglichst bald eine Weltko n ferenz zu anrmen'rel-en möge, um darüber zu bcrale.n, wie dem kranken Wirifchaftsleben Europas wieder-auf die Füße geholfen werden kann. MetallarbriLersLreit in Osaka. iLZrrdon„ 6. März. (Funkspruch.) In den Aamata- Eisenwerken bei Osaka streiken 40.000 Arbeiier. AuZ verschiedenen Teilen des Landes werden Zusammen»«, stößs gemeldet. Die Versündigung des Standrechtes gilt als wahrscheinlich. Tagesbericht. Schwere ArSelterausschrettrmgen gegen eine« Fabviktzdirektsr in Neunkirchen. Zu^ der anl 6. März nach den „Deutschen Nachrichten" veröffentlich pn Mitteilung sendet un3| das Amt des Lai.desbesehlshab:rs folg nde B richligung; „Es ist unwahr, daß die in. Neunkirchen garntz< soni.r.mde Volks wehr die, Verstellung der Assistenz mit der Begründung' verweigerte, daß sie noch nicht beraten habe, ob eine Assistenz notwendig sei. Wahr ist vielmehr, baß eine Verweigerung der Assistenz durch'- das N-'unlirLner Dolkswehrhaiailloy weder mit dieser, noch mit irg-nd^iner anderen Begründung verweigert wutde, da tatsächlich die zuständig Politische Behörde keine Aufforderung zur Stellung einer Assistenz^'an das Kommando der in Neunkirchcn garnifonierendeni Volkswehrformation gerichtet hat.. — Haas, Oberst." LSbl Taubes. (Zum Jubiläum feiner dreitzigfährkgeu Tätigkeit.) In der Geschichte der Entwicklung der zionistt« schen Bewegung in Galizien und der Bukowina wird Löbl Taubes zweiftl-olne einen rühml'chenPlatz einnehmen. Man .muß diesen unermüdlichen Mann bei der Arbeit gesehen haben, um die Verdienste, die er sich im Dienste der-jüdischen Volksbewegung imLaufe von drei Dezennien erworben hat, voll einschätzen zu können. - - . ... Die Zahl der Städte und Städtchen, die Taube- ' bearbeitete, beträgt weit über 150, die Zahl der Vevsanrmlungen, in denen er referierte —- nahezu 1000., Wie kein anderer in Galizien nnd.,der Bukowina ver»-. stayd er es, die dortige Zuhörerschaft in ihrer e i g e ne n ' Volkssprachezu 'fesseln. r . ' ' Taubes war in allen Zweigen der zionistü»'" sche.n Arbeit stets der Aktivsten einer. Schon im Jahre 1890, als es eine beachtenswerte jüdischnati-onale Gep, wegu.ng noch gar nicht gab, erließ er einen, dgmalfreilich wenig beachieten ^Aufruf, sich bei der Volkszählung zur jüdischen Muttersprache zu.bekennen^ um so, was heute als selbstverständlich gilt, die- An> erkennuilg der jüdischen Naiionalität zu erkämpfen./ Taubes, war.einer der Ersten^ der auf die Not-- wenligleii einer ziouistischmpoliii'ch'n Gegenwart^ - arbeit hinwies. 19.11 wurde er von der jüdische nationalen Partei in den Reichsrat kandidiert, ohne, jedoch durch'udringen. Auch auf pub.'iz'stischem Gebiet war er vie.fach täiig; so gab er vor Jahren die^.,Vvlksk zeitung", den „Volksfreund" Ulch 1904 bis 1907 das „Wochenblatt" heraüs. Nach Ausbr/üch des Krieges war auch-Taubes gezwungen, in Wien Aufenthalt zu nehmen. Hier nimmt er in jugendlicher, Frische nam-- haften Anteil an der jüdischen Arbeit. Die Schaffung der Wiener Ostjüdischen Ziopistenorganisation ist ü, erster Reihe sein Werk. - S. P. i'i . 'r\ Ein Komitee aus der Mitte seiner^ Fvcüttde beb» anstaltet heute (Dienstag den 9. d. M.) um 5 IZhr nachmittags zu Ehren des Jubilars einen BegrüßuygS. -abend im Souterrainlokal des Cafe Rembrand, 2. Bezirk, Uniere Augartenstraße 11, wozu dessen sämtliche Freunde-hiermit tzöslichst eingelaoeu sind. Die Masaryk?:ier in Men. Irr sehr würdevoller Weise wurde 'vorgestern der 70. Geburtstag des Präsidenten Dr. Masaryk von der tschecho-Nowakischen Kolonie in Wien gefeiert. Die Feier wurde im „EeSki dum" im 1. Bezirk abgebalten, wo (H ein z'ahlreiches Publikum e'mgefunden hatte. In einer Festrede über die^ Bedeutung und das Wirken des PrL sidenten Masaryk sprach Gesandter Dr. Robert Flieder', er wies auf den Einfluß hin, welchen der Geist Masaryls'im tschechischen Volke hat. Das Scheck)», slowakische Volk müsse bemüht sein, Masaryk nicht nur als Präsidenten, sondern auch als Muster ieineZ Idealismus, seines Lebens in Recht, Wahrheit und Sitt« lichkeit zu habxn. — In allen Bezirken veranstaltete ditschecho-slowakische Wwner Arbeiterschaft anläßlich des 70. ÄLburtstoapS dtzs Präsidenten Festversammlunge^