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Wiener Morgenzeitung · 1920-03-09 · Heft 406 (9.3.1920) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 406 (9.3.1920)
Date
1920-03-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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WlnDlr^rttplar: Vrrls 80 Heller Tschecho-Tlowakei: Einzeln 44 Heller i. tsch. W. Pränumerationspreife r Vien: Zun» Abholen in der Expedition. 8. Bezirk, Tabor- Pratze 1 bis 8» oder in einer Berschleitzstekle (Trafik): Monatlich . . Kronen £0.-r Vierteljährlich „ 00.— Mit Postversand lfir Wie« und Oesterreich: Monatlich .. Kronen 80.— Tichecho-Elowakei: Monatlich .. Krone« 7.— Vierteljährlich „ 81.— In tschecho-slowakischerWährnng Ungarn: Monatlich .. Krone« 20.- vterteljdhrlich ,, CO,— i» ungarischer Währung Jugoslawien: Monatlich .. Kronen LS — Vierteljährlich »C.— fat jugoslawischer Währung renrr Mn?ele»enrplanr' Urels 80 Heller Tschecho-Tlowakei: Einzeln 44 Heller i. tsch. W, Pränumerationspreise i Polen: Monatlich .. Krone» 20^ Vierteljährlich 00h x in polnischer Währung Deutschland: >. Monatlich . . . Mar! »Hl Frankreich: v Monatlich . . Krank» . Italien: V Monatlich . . . . Lire 3*4 Schweiz: Monatlich . . . FrankS Redaktion tr. Ildministrati Wien,S.Bez..Taborstr Velephone: Administration! 440**, Redaktion 4331»,! ab 0 Uhr abends Str.40»VL Postsparkassenkonto 150.SA atio» .i-2 Nr. 406 Wien» Dienstag, den S. Mürz 1920 2. Jahrgang »Wenn ein Prinz von Hohenzollern..." —y. Wien, S. März. Prinz Joachim von Preußen, der im Kriege als Automobilsührer seinem Vaterland gedient hatte, hat eine neue Gelegenheit gefunden, sich herporzutun. Cr hat in einem Berliner Hotel den bei allen deutschen Donner« ivetter-Patrioten beliebten. Schlachtruf „Raus!" gegen französische Offiziere gerichtet und eine Nauferei angefangen, die mit seiner Verhaftung einen vorläufigen Abschluß gefunden hat. Das dicke Ende aber kommt nach. Die Ententemissronen verlangen Sühne und Strafe. Die Cntentepresse hat wieder ausgiebigen Stoff. Das hat gerade noch gefehlt,-um die harte Arbeit, die jetzt in den Ländern der Entente von den besten Männern geleistet wird, zu hemmen. Die Bewegung nir eine Revision der. Friedensverträge nimmt immer größere Dimensionen an. Aber so sehr sie der Volksstimmung entspricht, so stößt sie doch ununterbrochen auf den erbitterten Widerstand der fanatischen nationalistischen Presse, die mit viel Eifer und Fleiß alles zusammenträgt, was in Deutschland geleistet wird, um den Kriegsbrand nicht auslöschen zu lassen. Ihr ist alles herzlich willkommen, was' an solchen Dingen geschieht: die schmetternden Reden der Turnlehrer, Gymnasialrektoren, Generäle und Pastoren, die geschwollenen, aber völlig eindeutigen Artikel der Rechtspresse mit ihrer giftigen Kritik 'aller Unterlassungen . und Fehler der Regierung; der Skandalprozeß, in dem Helfferichs Tugend sich an den Tisch gesetzt hat, an dem Erzbergers Laster, sich erbrochen hat; die Kandidatur Hrndenburgs Effekt enden kann, daß auf Frankreichs Geheiß der Prä« sident vom Leipziger Reichsgericht abgeurteilt wird. Die feindliche Presse wird alle diese recht ernsten und schwerwiegenden Symptome mit der an sich verhältnismäßig harmlosen Frechheit des Punzen Joachim zu einem schönen Aufbau von Prügelholz verarbeiten, das man den Feinden des Friedens vor die Füße werfen kann. Aber das, was sich da bei der nächtlichen Zecherei im Hotel Adlon in Berlin zugetragen hat, ist in einem anderen Sinn smptomatisch für unsere Zeit. Das Volk Deutschlands hungert. Seine Not ist allerdings nicht so weit vorgeschritten wie das Wiener oder Budapester Elend'. Aber doch ist der Tisch der arbeitenden und werktätigen Menschen mager besetzt und die Konsequenz dieses Notstandes ist, wie allerwärts, ein Sinken der öffentlichen Moral, ein Uebe'rhandnehmen des . schamlosesten Schiebertums und eine arge Unsicherheit des Rechtsempfindens. Landläufige Leichtfertigkeit mag sich damit abfinden, daß solche Dinge eben zur Not gehören und daß sie Folgeerscheinungen eines verlorenen Krieges sind. Aber die. Frage, die sich das Volk recht oft gestellt hatte und zu deren Beantwortung es bisher nur keine Zeit finden konnte, taucht jetzt wieder auf, wenn ein Prinz von Hohenzollern, der im deutschen Volkslied eine nicht ganz rühmliche Rolle spielt, von sich reden macht und die bei den deutschen Monokel'Gents so berühmte Haltung vermissen läßt, Für wen hat das Volk qeblutet und gelitten, für wen und von wem ist die Ebre der deutschen Kultur besudelt worden? Von den Offizieren, deren Auslieferung die Entente wegen Diebstahls, Raubes. Schändung und ähnlicher Dinge fordert, von den Leuten, deren Patriotismus sich bei vollen Schüsseln gütlich tat, während das Volk in dem Schlamm der Schützengräben und Geschoßkratern verhungern und ersticken mußte. Von dem ganzen bunten Troß der an den Stufen des Thrones sich um ein allerhöchstes Lächeln balgenden Lakeien, von denen, die man im Ausland als Träger und Repräsentanten deutschen Wesens ansah und belachte, und die dann deriganzen Welt durch 1 ihre, in allerlei Redensarten vermummten Feigheit eine unabsehbare Katastrophe geschaffen haben. Dm Krieg haben sie verloren, aber jetzt, wo das Volk darbt und in seiner Herzensangst die Beute -der unsinnigsten Domagogie wird, wo es sich in der zerstörten Heimat im Kreise um sich selbst dreht, um aus diesem Karnssel des. Wahnsinns einen Ausweg zu finden, findet man die Führer, die Repräsentanten, besoffen beim Champagnergelage, sieht-man sie bei ihren stumpfsinnigen und leeren Vergnügungen und Orgien, Dieselben Burschen, die von, einem neuen Krieg reden, bei dem eS sich dick 'verdienen und plündern läßt, bei dem man das Volk wieder entklamMN ünd begeistern kann, daß es ßlzndwütig hirster Französische Offiziere in / Bremen mißhandelt. | Ein neuer Zwischenfall. B re men, 8. März. '(Wolff.) Heule nachmittags kam es in einem hiesigen Kasernen- Hof zu einem bedauerlichen Vorfall. Vsn der zurzeit sich hier ans haltenden EutenteMilitKrkommission, bestehend aus Italienern, Engländern und -Franzose n, begaben sich zwei h ö h e r e f r a n z S si s ch e Offiziere in Militäruni form zwecks Verhandlungen in die Kasern e. Beim B e t r e t e n des Hofes sangen die dort anwesenden Soldaten das Lied „Deutschland, Deutschland über alles". Irrolgedesien sammelte sich eine größere Menschenmenge an. Als die Offiziere aus dem KrserrrengeMuds zurirckkamen, wurden sie vo.u der Menne angehalten und mißhandelt. Die inzwischen olarmierte SicherheitsPoMer zerstreute die M nge und brachte die Offiziere in ihre Quartiere. Sine Antstfnchrrnüber diese Vorfälle ist sofort ein geleitet worden. Dir rnLernaLirsnale VLMtakmrferenz. Berlin, 8 Man. Das ^8-Uhr-Bla't" meldet aus Basel: Nach vorlügmdm Nachrichten ans Paris hat die Balmakommission dixe AllüeUen der Einberufung einer internationalen Valutakonserenz zugrstimmt, - zu der auch . dle.chemal:grn semdllchcn Ncriernngen eingeladcn wndrn. Brüssel, 8. Mürz. tTel-KonM-h Der belgMe Premier- ^minister de la C r o r x hat einen Plan zur Gründung eines internationalen Kreditinstitutes entworfen. Dieses Institut soll int-rnationiles Papiergeld ausgcbcn, das das Gold ersetzen miisue nnd zur Regelung der internationalen Wechselkurse zu dienen hätte. De la Croix schlägt die Einrichtung eines Umtausch- und Berrechnungsburcaur vor, an dem sich die vericknedenrn Linder durch Einbringung irgendeines nationalen Besitztums beteiligen könnten, zum Bcsipi l Sicherheiten großer Banken, Einbrmmmg" der Eisenbahnen usw. Für die'e eingebrachtcn Werte würben dann sogenannte VerrechnungZschrme ansgegebrn werden, aus denen der Gostwrrt angerechnet wird. Mit diesen internationalen Scheinen lonntm Zahlungen >m Auslände erfolgen, ohne daß eine Gdldverschickuiig 'notwendig würde oder dre Wechscllurse darunter leiden könnten. Die Warschauer FriedensLsuferenz. London» 8. Mlüz. (Tel.-Komp.) D e „Morumfipost" er. fahrt fvlgmde Emz'll,eiten über die Warschauer Friedenskonferenz. Die drei Destgat'onen verhandeln zunächst jede für.sich mit dem volmschen Auswärtigen Amte, um eine gemeinsame Unterlage für die FriedenSbedingungcn zu erreichen. Durch die Unterhandlungen wischen England und der Sowietregicrung ist nämlich für die Randstaalcn der Frieden notwendig geworden, sonst konnte Lenin leicht das Uebergewicht erhalten. Von einem Waffenstillstand wird keinesfalls die Rede sein, entweder Friede oder Krieg. Nur so glaubt man daS Vordringen der. Bolschewiken auchaben oder hindern zn können. Die B.ldung eines Soldatrnrates der Litauer in Szaksch und die Konzentrierung Roter Kavallcriemasicn in der Nähe der litauischen Grenze beweis n. daß die Gefahr eines bolichemikischen Vorstoßes nicht ausgeschlossen erscheint. In diesem Falle rechnet man aus das wahrscheinliche Eingreifen der 86.i'00 Mann deutscher Truppen, die in Ostpreußen stehen und das Eingreifen der Polen. Fahne und Kalbfell sterben rennt. Das sind dieselben Leute, die über die Schuld der Jilden an Deutschlands Niederlage greinen, die an allen Straßenecken, auf allen Bahnhöfen ihre von Lügen wimmelnden Reden gegen die Juden halten und dem 70-Millionen-Volk der Deutschen die sinnloseste Angst vor der Handvoll Juden suggerieren, weil sie, solange von den Juden die Rede ist, sich hübsch im Hintergrund halten und die Abrechnung hinausschieben können. . Trotzdem muß man alle. Hoffnung' irr die Besonnenheit der englischen Politiker setzen, daß sie alles aufbieten werden, um aus dieser alkoholischen Affäre keine Staatsangelegenheit werden und den Wog zum Frieden nicht blockieren zn lassen. Es wird sich schon Gelegenheit genug finden, um solchen Eltzrneisttzn das l Arbeiten 8.u lchrtzn. Die Verhandlungen über die Bes soldungsverhältniffe der öffentlich 9bu gestellten. Nie Augestandnisse der Regieruyg an die Beamter^ Ein Mehrerfordernis von 1?/,'Milliarden Kronenj In der gestrigen Beratung teilte Präsident Seitz mit> daß die Negierung bei ihrer Fühlungnahme mit maßgebenden' Mitgliedern der wichtigsten. Parteien des Parlaments den Eindruck gewonnen habe, daß die Gesetzesvorlage,.betreffend die Erhöhung der Bezüge der öffentlich Angestellten mindestens keinen unüberwindl'ichen Schwierige keite »begegnen werden. Die Beamten werdend iw ihren Beratungen Wohl auch Gelegenheit» gehabt haben, dich ungeheuer schwierige Lage zu ermessen, in der .sich sowohl^ Negierung wie Parlament gegenüber allen anderen Kreisen der- Bevölkerung befindet, die diese Lasten auf sich nehmen müssen. ES sei daher auch bei den Beamten eine gewisse! Rücksichtnahme zu erhoffen. j Staatssekretär für Finanzen Dr. Reisch: Ders Kabinettsrat hat sich neuerlich mit den möglichen Zugeständ»; mssen an die Forderungen der Angestellten ^beschäftigt und in einzelnen Punkten über die gestrigen Vorschläge hinauf gegangen. Es soll der Ortszuschlag in Wien nicht auf 80,} sondern auf 100 Prozent des Grundgehaltes erhöht, in dev; zweiten Bezugsklasse mit 60, in der dritten mit 40 Prozent! festgesetzt werden. IleberdieS soll die Negierung die Ermächti«! gung erhalten, in Orten, in denen ganz besondere TeuerungS^ verhältnisie herrschen, einen Ortszuschlag von 80 Prozent ein»l zuführen. Es soll also zwischen Wien und der zweiten Bezugs»', klaffe die vielfach gewünschte Mittelklasie mit 80 Prozent! Ortszuschlag neu eingeführt werden. , Die Erhöhung der Teuerungszulage auf 100 Prozent! bleibt aufrecht, nur wird für die eben erwähnte Mittelklasse zwischen Wien und der zweiten Bezugsklasie ein , neuev Teuerungszuschlag in der Höhe von 8800 Kronen eingeführt. Die 100prozentige Erhöhung des Ortszuschlages soll bei dep 6. Nangsklasie abschließen, so daß also die Erhöhung, welche die Beamten von der 6. Nangsklasie aufwärts erhalten, mit dem Betrage von 13.400 Kronen maximiert bleibt. Die Kinderzulage wird, wie schon gestern mitgeteilt, gegenüber dem jetzigen Zustande um 100 Prozent erhöht und eine Frauenzulage mit 1200 Kronen pro Jahr fixiert. Demgegenüber verharrt die Regierung jedoch auf h Standpunkte, daß durch diese Erhöhung die gleitende Zulagekonsumiert erscheint und daher Weiterhin nicht zu gewähren, wäre. Die gleitende Zulage hat sich in ihrer bisherigen Foru^ nicht.bewährt und es besteht keinerlei Hoffnung, unter dem l jetzigen abnormalen Verhältnissen eine befriedigende Rege»} lung zu erreichen. Ist die Teuerung, die noch eintreten sollte^ nicht bedeutend, so ist in den gewährten Gehaltsregulierungen! bis auf weiteres Platz. Sollte die Teuerung in stürmisches Weise fortschreiten, dann können wir unS der Erkenntnis nicht verschließen, daß wir uns über kurz oder lang mit Jhne^ wegen neuerlicher Regulierung zusammensehen müßten, dfy wir nun die gleitende Zulage gewährt haben oder nicht. Di«j gleitende Zulage kann viellcichr kleinen Preisschwankungen} gerecht werden, aber bei Umwälzungen auf dem Preismarkte! genügt sie keinesfalls und würde sowieso neue Verhandlung gen nicht entbehrlich machen. Gegenwärtig kann als normaler Bezug eines Dieners -der Betrag von 13.000 Kronen angesehen werden. Unser Vorschlag involviert eine Steigerung dieses Bezuges im großen Durchschnitte um mehr als 6000 Kronen, so daß er auf einen Bezug von 19.000 Kronen, in seinem Endbezug sogar von 20.400 Kronen kommt. DaS ist ein Betrag, der u: Anbetracht unserer außerordentlich knappen Verhältnisse alS ein zulänglicher, unseren Verhältnisien entsprechender erachtet werden kann. i Bei dem Beamten der 1t. Nangsklasie ergibt sich eine Steigerung um 6400 Kronen, so daß der Anfangsgchalt 17.600 Kronen für den led'gen Beamten ausmacht. Wenn ich den normalen Fall eines verheirateten Beanrten mit einem Kinde anuehme, so stellt sich der Gesa.ntbezug cn.eS Beamten in der 11. Nangsklasie anfänglich auf 21.200 Kronen. Diese Bezüge steig"« entsprechend tcm bisherigen Gehyltschema bis zur 6. Nangsklasie, daß M der 10. Nangsklasie 6960 Kronen, m der 9. Na^^^kl.r'ie V.V.'C ülroiv-n, in bet 8. Nangsklasie 8640 Kronen, ttc 7. NanzS.lasse 10.320 Kronen, in der 8. und in den f-lgendcn NangS'l'rsien 13.400 Kronen an Zulagen gemährt werden. DaS find finanzielle» Zugeständmsie, welche, wenn ich berücksichtige, daß ddr Staai große Quoten des Mehrnnftvandes der autonomen Körper^ schäften ans sich nehmen muß, insgesamt einen Aufw0)»tz voll , ein und zu»ei Söcitigjl Milliarden Kronen bedeute,r. j

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