Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 405 (8.3.1920)
- Date
- 1920-03-08
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. feien» Montagfeiener Morgerizeikrmtf -6' Marz 1920 mrs? -- PoMsche^Pundscharr. . Die Teilung der Türkei. ' AuS London wirb gemeldet: Die Minister beS lentzeren schien heute ihre Beratungen im Foreign Office ort und beschäfttgten sich mit det endgültigen Fertigstellung .^es FriedensvertrageS mit der Türket sowie nit den noch offen gebliebenen Fragen beS ungarischen Siedens Vertrages. Die türkischen Delegierten dürften den ^-riedensvectrag am 82. Mätz in Paris erhaben. Die «rritenifchen Delegierten sind von dev Aufnahme ihrer Äechwerden bei den Älliietten befriedigt. , Nach Meldungen der Blätter ist die diplomatische Sektion »es.Obersten Rates in der türkischen.Frage zn folgendem Beschluß gelangt: WaS> die territorialen Bestimmungen des §ri«densvertrageS betrifft» wird die Türket auf Konstantinopel rnd .den größeren Teil Anatoliens beschränkt werden» Die!Zcvölkeru„gszifser der neue» Türkei wird vonPO auf 6 vis * Millionen finken. Dia Grenzen find noch nicht geuan eftgesetzt, doch ist sicher» daß alle Gebiete jenseits des raurus, wie Syrien, Palästina, Mesopotamien tnd Arabien, künftig n icht mehr einen.Teil »es türkischen Reiches,bilden werben. Ditz irmeyische Republik wird durch die drei VttajetS Van, Bitlis md Erzerum vergrößert. Griechenland erhält ein Mandat ür Smyrna» Frankreich für Cilicten nnd Italien für Aoalia. Llttyrna wird mit seinem Hinterlands vorläufig unter Souveränität des Sultans belassen und erst nach zwei Jahren mdgülttg an Griechenland Men. Berliner Enthüllungen Mer dieKriegsschulb der Monarchie. 'i Vevlin. 7. März, Uebe« Wunsch des ersten knterausschllsseS der parlamentarischen Üntersuchungskkvmmifflon veröffentlicht in der ^Deutschen Allg. Zrg." Kras Max MontgelaS das von Hm in der gestimen Sitzung vom 4. d. M. erstattete Neserat. - Danach habe am b. März 1914 Giolitti in »er italienischen Kammer erklärt, er sek während des Dalkankrieges aür^ 9. Altglist 191B vom Minister des ,Äeußem MarcheseX di San Ginlano telegraphisch »enachrichtigt worden, „OesterteicksiUngartt habe Italien Md Deutschland die Absicht mitgeteiltgegen Serbien wrzngehen, und diese Aktion als eine defensive MaM ,ahme bezeichnet". , Durch eine Anfrage in Wien sei mnn sestgestellt worden, daß er sich um einen anfangs Mi 1813 unternommenen Schritt Oesterreich-Ungarns -nudle. . Der deutsche Bvtschaster in Wim meldettz darüber: , i; Die Erklärung GivliM ist nach Mitteilungen des Arafen^ Berchtotd und des Grafen Forgach im tanzen^ nicht unrichtig. Der Sache liegt augencheiulich folgender Tatbestand zugrunde: Am 14. Juli 1913 sar ein Telegramm von hier nach Berlin gegangen, in oelchem der Fall erörtert wurde, 'wenn durch einen Sieg ZtzrblmS chie völlige Vernichtung Bulgariens etiitrften Mde. Dies würde für die Monarchie die Notwendigkeit '.ims Eingreifens bedingen und möglicherweise enro- Esche Verwickümgm nach sich ziehen. Die deütsche Regierung wurde deshalb gebeten, in Bukarest dahin zn uirken» baß man sich' nicht völlig auf die serbische Seite Wage. Dieses Telegramm ist an Herrn..von Merey 'k. u. k. Botschafter beim Qairinül) zur vertraulichen Mitteilung on die dortige Negierung gegangen. Dieser bat sich leider nicht auf me Mnteilung beschränkt, ondem sich aus eine, wie es in einer hiesigen Erolderrng an - ihn Heists n e r w ü n s ch t e Erörterung ü b e r d i e B ü n d n i s p f l i ch t e n Italiens eingelassen", die allerdings von talienischer Seite hervorgerUsen war. Marchese di San Äiuliano. hat damals sofort erklärt, wenn die Monarchie ufülge einer Zertrümmerung Bulgariens uNd einer noch o erheblichen Vergrößerung Serbiens in letzteres Kand nnmarschiere. man in NoM das nicht als genügenden Ätund zur Wahrung vitales Interessen der Monarchie »nsehm könnte und darin ein aggressives Vorgehen er» Men müßte, bei welchem der ÄÜudnlssallfür Italien rieht vorliege. tnU* MistsrtkStSeechfs für die Juden lit Saloniki.; De« „TempI" meldet aus Saloniki: Der Güneralzoubel.nme von . Saloniki. wurde von dev griechischen siegherung bevvllmächligt, mit der jüdischen..Gemeinde «vtzgen ihrer Forderungen bezüglich natiönaler und. relipöser Sondecr^chie zu verhandeln. Die griechische Neuerung hat sich bereit erklärt, 'im Parlament ein Gesetz betreffend die nationale und vechtliche Stellung -er Juden einzubringen. ' « ■ \^ * Die Stadt Saloniki, nächst Odessa de« bedeutendste Hafen in -Südosteurop«, zählte vor dem Kriege unter ihren zirka. 160,009 Einwohnern 90.000. Juden (vorliegend Sephardiin). Die Inden sind der für die Wirtichastliche Entwicklung der Stadt maßgebendste Teil >er-Bevölkerung. Im letzten Jahrzehnt» da im Bakkün- >lnd im Weltkrieg der Besitz Salonikis vtelumstritten oar, hat die Stadt sehr gelitten. Die jüdische Oevölkerung wurde von^den Griechen, welche die jüdische, saufmänicische Konkurrenz mttchllen Mitteln ausschälten M)lltrn, arg bedrückt, ist auch zu nicht kleinem Teil rusgewandert. Es. scheint, daß nunmehr die griechische Regierung biö? wirtschaftliche Wichtigkeit des jüdischen Aementes in Saloniki begreift u^tckdiK MeftunL de« Mitglieder der Berliner französischen Mission von Prinz Joachim Markiert. Die Franzosen mitzhandelt. — Der Prinz verhaftet. — „Er erinnert sich nicht.« Berlin, 7.'MSk,. (WM.) 8« «ne« schweren Ansammenstotze ist es in Vev vergangenen Nacht im Hotet Adlon zwischen dem Prinzen Joachim, einem So -/ne des Prinzen Älbrecht von Preutzen, sotvle anderen deutschen. Gästen und drei Mitgliedern der französischen Mission gekommen. Als die Kavelle „Deutschland, Deutschland Über alles" spielte, erhoben sich die deutschen Gäste, während l.le F r a n z o s e n sitzen blieben. Der Prinz» der bereits einige Flaschen Löein get r un k e n hatte, forderte die französischen Herren znm Äufstehen auf. Da diese der Ausforderrmg keine Folge leisteien, warfen dev Prinz und andere Gäste Blumenvasen, Gläser und andere GrgenstLnde nach den Franzosen. Es kam zn Tätlichkeiten, bei denen die f r a,n z 8 s i f ch e n Herre n Gsulen u n d Ö. u e L f ch u n q en Ldavontrngen. Der Prinz wurde ans dem Hotel entfernt. Der Vorfall wird jedenfalls auch ein gerichtliches Nachspiel haben» Berlin, -7. Mrz. (Privat.) Ueber den Zwischenfall im Hotes. Adlon wird berichtet: Während die Kapelle „Deutschland, Deutschland Über alles" spielte, blieben dir Franzosen, darunter Kapitän Klein von der sranzösischen Mission, zwei Hauptleute und ein Attacho sttzeu. Prinz I o a ch i m rief: ^Ausftehen oder 'raus 1" Dieser Nus wurde von anderen wiederholt. Als die Franzoseu daraus nicht reagierten, wars de« Prinz Blumen, nach anderer Darstellung Gläser nach den Franzosen. Auch der nähesitzmde Rittmeister v. Platen warf sein Glas nach den Franzosen. Das war das Signal ru einem allgemeinen Angriff, wobei die Franzosen Verletzungen am Gesichte erlitten und ihnen die Kleider zum Teile zerrissen wurden. Kellner traten dazwischen und trennten die Streitenden. Rach einer Version soll Prinz Joachim den Franzosen mit einem Leuchter an den Lew gerüüt'.sein. Kapitän Klein erlitt leichte Verletzungen. Rach dem Nenlontre im Saal kam eS noch zu einem Nachspiel in der Halle des^ Hotels, da auf eine Ansprache des Prinzen deutsche Gäste sich gegen ihn wandten und sein Verhalten schärfstens kritisierten. Die fremden MilitärMtsstonen hielten heute eine Sitzung äb. Kapitän Klein sandte spsort einen Bericht an die französische Negierung. Prinz Joachim erklärte, er könne sich nicht erinnern, provokatorisch voraegangen zu sein, dör Nus „Äuspehen oder ^raus!" ser von anderer Seite erfolgt. ^E«-hätte nur halblaut Lemerki, eS fei ein Skand al, dasi dies.eÄeute nicht aufsteh en. Der Prinz bcstrestet. auch, Gläser geworstu und sich an den PrÜgelszeneu beteiligt zu haben. Dagegen wird er von andere« Seite stark belastet. Schpn vor vierzehn Tagen hatte er mit demselben Kapitän Klein ein Renkonter. Als Kapitän Klein, wahrscheinlich unvorsichtigemeise, an dm deulscheü General Hofsmann anstreifle, äußerte sich der Prinz damals in sehr kräftigen Worten gegen die Franzosen» . Berlin, 7. März. Meldung der Deutschen Tel..Ar-.sorm.) Eine NegierungSmpldUttg besagt, daß der Priuz bereit sin Schutz hast genommen sei. »MN«»» »«„IHM i TeLegramme. gaköbus Kann über feilte Palästina-Neise. Haag» 8. März. tTrl.-Komp.) Der Haager Bankier IakobuS Kann, Mitglied des Großen AknonSkomitreS der zionistischen Organisation^ ist von einer Reise n a ch P a l ä st i n a zurückgetchtt. We aus uusereu Becichtcn Über die Londoner Sitzung des GrybrnAktionskomitreS hervorgeht, hat Herr Kann der Palästina-DcbaUe über seine Reise gesprochen. Die Redaktion.) Er tzcstarte in einer Unterredung mit ecnem Vertreter des M ieuwS C out a tt t", daß die Lage in Palästina s e h r u n 'b e f r t e d t si «*,«' b sei, da das Land vvn den Enaländun noch immer' als BrsttzMgsMrt dehandrlt werde. Alles lebe^in einem Mand des Mtvartens, der natttM sehr dtprimiecend Wicke, da kein Mensch nnfse. wie sich die Lage entwickeln werde. . Außerdem herrsche «tue aewisse Spannung zwischen bit jlld'ischeu und.arabischen Bevölkerung. Kann bedauert dies, weil man schlteßltch. auch wenn Palästina Judrnstaat werde, mit den Arabern sulatämtN-- leben müsir. WaS anderwäctS in Jahrhunderten geschah, werde in Patäisina in.wenigen Jahren sejchthsn müssen. Die AuSgahe einer P a l 8 st t!\ a -Anleihe fei dringend notwendig» aber es wesde schwierig sein, rme gute B^sis für d:e Tichrrstellnng det Kapctall'en zu flnben. (Der Wortlaut deS.JnkLvMs. wuch .wgrten, lein..Dce RMlüon,).^ Eine bedeutsame Rede Masarhks. 7 DaS humanistische Programm. — Die Minoritäteit. Soziale Aeformea. — Gegen den NadikaUomtrS. r Das Verhültnis zu Slutzland. — DaS religiöse Problem»! Prag» 8. Marz..tTschecho'slow. Prefchm.) Ans die Glücks wünsche, die Präsident T o m a s e k im Namen der Nakionat« Versammlung zum Ausdruck brachte, erwiderte Präsiden^ M a s a r h k tu einer längeren Ansprache. Unsere Reput'lik, sagt^ der Präsident, -wird in der Praxis zeigen, wie das N a t i o^c nali täten- und daS historische Prinzip durch den Pariser Fcieden vereinigt wurde. Für uuscr gegcn^ seitigeS Verhält . killt eben daS humanistische P r g r a m m. Unsere Minoritäten können ein.Organ detz wahren Jttternationalltät sein, unsere Republik soll b e z ü g) i dB deSZusa m m e n l e b e n s d e r N a t i o .n a t i t ü't e G e t n M n st e r f Ü r E u r o p a u n d d i e g a n z e M en h e i t b i l d e n. Das humanistische Programm legt uns durchs dringende sozialeResormen auf. Der Präsident wandte sich sodann in Besprechung dwi sozialen Bei hältnisie gegen!>.e n RadikaliSmu-i von rechts und' links nnd führte daS Beispiel voy. Rußland an, das in seiner alten Form von den Bourgeois, te; seiner neuen Form von der Linken ro mantisch nnd unke t t i s ch betrachtet werde. Die Note TschitscherinS gebe devt Regimmg die ofsizielle Grundlage für die Lösung der Frage dti^ künftigen Verhältnisses zu Rußland.^ Der Präsident bekannte sich als. Anhänger eine^ evolutiven Revolution, eine soziale Revolution ganz kurzer Zeit sei unmoglichl In Besprechung des r e U g 13 s e n Problems on;- Ilacte der Präsident, der moderne Mensch fasse die R^lig!olks nrchtmehr absolutistisch auf. Darum mache et fty nicht mehr zur praktischen Grundlage der Politik des Staats Die Demokratie, stütze sich aut die Sittlichkeit; daher strebe tyi auch eine neue Abgrenzung zwischen Neligioil und Politik, zwischen Kirche und Staat" an. Dom Botfchaftekvat. Paris, 7. März. (Haoas.) Der Votschafterrati prüfte gestern die Note' des deutschen Delegiertew von G ö p p e r t überdie Bestimmungen des Ve^ sailler Vertrages. Die Konferenz nahm den Text eines Antwortnote aus die deutsche Nöte an, dis daraus htuausgeht, einen diplomatischen Schutz in de»? Abstimnmttgsgebieten zu organisieren. Waffenstillstand zwischen Finnland und 9tüte* rutzland. tzelsingfors, 8. März. (Wolfst) Zwischen FrnnO l an d und de« N ä t e r e g r e r u n g ist durch einen Notenwechsel vereinbart worden, die Feindseligkeiten in den Grenzgebieten einzustellen. Es dürstet» Friedensverhandlungen beoorstehen. Eine gvauenha'te Statistik. Paris, 4. März." (Privat.) Das Komitee deß jüdischen Delegationen teilt mit: Durch die Pogromin T s ch e r k e s s i e n im Mai und Juni 1919 wurden> 41.078 jüdische Familien in Mit-, letdenschaft gezogen. 935 Familien blieben obdachlos 748 Personen wurden getötet, 202 Personen schwee verwundet, 6 Personen starben vor Schreck. 84 Frauen wurden vErgewaltigt, 314 Kinder sind Waisen. Bvb materielle Schaden beträgt 139,938.961 Rubel. Die Ermordung Somogtzis» Wie der „Beesi Mazyak Njsog" aus Budapest mekdettz sind nach einer angeblich verläßlichen Information in best Mordasfäre Somoghi-Baeso wieder drei Berhicstungen erfolgt. Es handelt sich um Dberleutuant K v v n r t z» Leubt nant Blbo und Artillekieleutnattt Megfly, elnem Bohtttz des GeneralanditorS Oskar Megatz, die auf der Flucht nach tschecho-flowakischem Gebiete sestgenommen wurden. Sie bum tschechü-slowakischen Atttttürkommandü von Fülek den un« gükischen Behörden Übergeben worden, die sie nach Budapp dem MtlitärgesängniS am Margacetenrittg einliefeete«. ' Nsuvegelnng der KnnstanSfuhv. Das Staatsamt der Finanzen hat mit Erküst vvtst 35. v. M. dis Erledigung von Ansuchen um Ausfuhr« bswilligung für Antiquitäten und. moderkß Kunst ge gen stände wesentlich vereinfacht, indem es da^l Gtaatsbenkmalamt ermächtigte, .Ausfuhrbewilligungen sü^ Antiquitäten (Gegenstände von geschichtlicher, künstlerischer und kultureller Bedeutung» deren' Hauptwert hauptsächlich iiy ihrem Alter liegt, einschließlich altertümlicher Möbel und Schmuckgegenstände) selbständig im Rahmen der Zentrülstelsis für Ein-, Aus- und Durchfuhrbewilligungen zu erteilen unh die Mitwirkung beS' Gtaatsbenkmalamtes bei dev Feststellung der Bemessungsgrundlag« für die Balutavvrpflichtung grund»^ sützlich auch auf Erzeugnisse der modernen Kunst ausgedehnt Dia .gleiche Befugnis ommt den Landeskottservatorev in den Landeshauptstädten zu. Derartige Ansuchen sind somit von NUn an für chisn und Niederösterreich ausschließlich be'm Gtaatsdettkmalamt,' 8. Bezirk, AuerSpergpalatS, Äerchem selberstratza Nr» . 2 a, in den - Länder» bei den LandeO benkmalämtern einzureichen. Für Ansuchen um Ausfühp b'ewilltgung Von Attttqnitätxn sind die Üblichen AuSsuhSi svvmuiare der' EtaatAdruckerei (Dreikronenstempel) zu vev .wenden, bei der Ausfuhr moderner Kttttstgegeilstande dti! Vom Gtaatsdenkmvlnmt ^üUSZLgebeuen Formulare /stempetß frei). Die AuSfuhrbeiuilligüttg, beziehungsweise Äestätigunj der AuSfuhrfretheit erfolgt grundsätzlich aus Grund eine« Bsschau der Objelt« durch einen Beamten des Staütsbenkmflü amtsS, beziehungsweise der Landesdenkmalamtee, der hierLch hinsichtlich der BalNtaabgqbo die Schätzung derselben ku» vorzunehmen, beziehuugÄvaisS' den ünaeaÄAUM FolbwgMWvck I .L^W^PrütLS. köX.-