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Wiener Morgenzeitung · 1920-03-08 · Heft 405 (8.3.1920) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 405 (8.3.1920)
Date
1920-03-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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» Etryrlevrmplavr ' Urei» STB Heller ^schechv-Slowakei: Einzeln 44 Heller i. tsch. Pranumerationspreise: Wie«; Zum Abhole« in der Expedition, 2. Bezirk, Toborpratze 1. biS 3, oder in einer versihlkiystrlle «TrasikN Monatlich . .Monen SO.— Aterteltährlich „ «0 — Mit Postverfand kirr Wien und Oesterreich: Monatlich .. Kronen 20.— Tichecho-Slowakei: Monatlich .. Kronen V.— Bicrteljälirlich „ 21.- tutschccho-slowakischer Währung , Ungarn: Monatlich . . Kronen 20.— ivterteljithriich .. 00.- ia ungarischer Währung - Jugoslawien: Monatlich .. Kronen.LS.— Vierteljährlich „ rro.— iu jugoslawischer Währung W v Nr. 405 Wien, Montag, den 8. Mürz 1020 %\mt\t* *tvxv\avx . Kreis 80 Heller / Tschecho-Slowäkei: Einzeln 44 Heller i. tsch. Pränumerationspreise > Pole:»: » Monatlich .. Kronen 2<W Blerteljährlich „ 60<-f tu polnischer Währung Deutschland: Monatlich . . . Frankreich: .. Monatlich . . FraulS SiH Italien: » Monatlich .... Lire S^c Schweiz:. \ Monatlich . . . Frank« S.-^ Redaktion u. stldminlstratio» Wie»r.2.Bez.,Taborstr«1—8 > Telephone: Sldmintstratlon 440'**, Redaktion 4S819, ab 0 Uhr abends Rr. t0»01 Postsparkassenkonto 150.693 2. Jahrgang Ungarn nach der Wahl des Neichsverwesers. W i e n. 8.^März. Nun ist auch das Manifest des ungarischen Reichs- Verwesers erschienen, in welchem Herr von Horthy den unabänderlichen Willen kundgibt-, die ungarische Nation auf den Weg des Heils zu führen. Die Nachbarstaaten' des neuen, allerdings selbst äußerlich noch unfertigen Ungarn könnten nur Freude empfinden, wenn'es dem ungarischen Staatsoberhaupt tatsächlich gelänge, im Innern des Landes Ordnung und Rechtssicherheit -m schaffen, die Möglichkeit und die. Kontinuität der Produktion zu sichern. Denn es ist ein unbehagliches Gefühl,- der Nachbar eines Mannes zu sein, in dessen Hause allerlei lichtscheues Gesindel verkehrt, das Gepolter keim Ende nehmen will und^von dem auch sonst alle Welp sagt, daß es darinnen nicht ganz geheuer sei. Allerdings wird man der Hoffnung auf ein geordnetes, ruhiges allen Staatsbürgern gleiche Rechte und gleiche Lebens¬ und Entwicklungsmöglichkeiten. nicht recht froh, wenn man dem Manifeste Horthys entnimmt, daß er entschlossen sei, die Herrschaft der Gesetze, zu sichern, ohne dabei die Zusicherung zu erhalten, daß er. in Hinklinit -— bisher war dies eben nicht der Fall — krasi seines Vetorechtes jedem Gesetze und selbst jeden Verordnung die Gesetzeskraft verweigern werde, wenn sie Rechtsbeschränkunß, den wirtschaftlichen Nirm einer bestimmten nationalen oder konfessionellen Gruppe pon Staatsbürgern .zur Folge haben. Zu dieser Höhe hat' «sich Horthy nicht aufzuschwingen vermocht, er spricht vielmehr ununterbrochen von christlicher Moral und von der Herrschaft. der christlicheN'.AManschainmg,. .und....- das,. Weitestgehende Zugeständnis, das er allen anderendie unter diesem Sammelbegriff nicht subsumiert werden können, zuzubilligen " geneigt ist/besteht in dem Versprechen der Toleranz, diesem aus der Regierungsknnst' des Mittelalters stammenden Requisit, das von seinen Verkündern niemals in vollem Maße in die Tat ilmgesetzt wurde, und dort/ wo sie wirlsam wurde, .eher erniedrigend als versöhnend und ausgleichend wirkte. Nach außen'hin, für.Kreise, die ni^ht eingeweiht sind in die inneren Vorgänge in Ungarn, Pag das Manifest Horthys als die Kundgebung eines von denn Bewußtsein seiner unumschränkten Macht über eine ihn nnbetende, ihm blindlings folgende Nation klingen' in Wahrheit aber ist Horthy heute der "unfreieste Mann Ungarns, dem in Wirklichkeit weniger Macht innewohnt, als dem Führer eines der gefürchteten Offiziersdetachements oder einem der wenigen, aber einflußreichen Oligarchen, die heute ebenso die Zügel der Regierung lenken wie ehedem, bevor die von Hörthy. beklagten Revolutionen ausbrachen. Der Unterschied ist bloß der, KlMe ^Chronik. Jüdische Literatur in Sswietrutzlaud. Auf der Versammlung; des Verbandes der jüdischen Literaten in Wilna residierte Herr- E.frojkin. -Delegierter der jüdischen Hilfsorganisationen in Rußland, über die Entwicklung der jüdischen Literatur in Ruß? land unter der Herrschaft der Bolschewiken. Diesem Referat sÄen die markantesten Stellen entnommen: Trotz intensiver Tätigkeit auf dem Gebiete der jüdischen Literatur erscheinen seit längerer Zeit auf dem Büchermarkt in Rußland fast gar keine jüdischen Bücher; die Ursache sind Welri b schwierigki en im Drucke reizewerbe und Papiermangel. Die periodischen Zeitschriften, welche heute in Rußtand erscheinen, haben, keinen literarischen Wert. Die Wrch nschrift „Kuliur und Bildung", welche vom jü ischen Kommi sar a'e in Moskau heraulgegeben wird, bildet in dieser Beziehung keine Ausnahme. Außer ihr erscheinen noch zwei kommunistische Blätter, in jiddischer Sprache: Zeines „Der Stern" in Wilebs^k, 'das zweite „Der HovepaZznik" in Kowel. Alle diese Blätter vermeiden es mit geradezu k/einlicher Sorgfalt, hebräische Ausdrücke im Jiddischen zu gebrauchen; üei den hebräischen Worten, welche zum eisernen Bestand des Jiddischen gehören, benützen ste, um sie auszurnerzen, die jiddische Orthographie statt dev üblichen hebräischen. Der „Bund" gibt dreimal wöchnllich sein ln Kowel ersch inendes Parlcwrgm „Der Weckers heraus, das einzige nichtkommunistsiche Blatt in iiböi- Eine neue Note Wilsons in der Adriafragp. P a x < s, 8. März. (Funkspruch.) Die neue Note des Präsidenten Wilsen über die Adriafrage ist am Samstag am Quar d'Orsay überreicht worden. ' Der französisch2;r Presse zufolge ist die Note in ihrer Form gemäßigt. Der Präsident hält aber an seinem StandPMitrte sowohl in bezug auf Fiume als auch hinsichtlich A l b a u teits fest. Zuderchetze in München. .München, 8.-März. (Süddeutsch. Korr.-Bur.) Gestern fanden hier auf dem Lembachplatz und vor der Feldherrnhalle Kundgebungen statt, die sich vor allem gegen die Ausbeutung der Bevölkerung durch Schieber, Wucherer und I n d e n . richteten. Die Demonstranten wollten vor das Ministerium des Innern ziehen, weil dem Minister und dem Bürgermeister-in den Kundgebungen der Vorwmsi der Schwäche in der Frageder A u s I H nder gemacht wurde: doch wurden sie von der Reichswehr und der Polizeiwache daran gehindert.' Die Dorsiandsmitglieder des D e u t s ch v ö l k i s ch e u S ch ätz- und T r ü tzbitnbes teilten das Ergebnis einer Unterredung mit dem Minister mit, wonach dieserversprochen habe, die Forderungen nach. Möglichkeit-zu erfüllen. Für AusländeW n a m e n t l i ch O st j u d e n, soll ein Einreiseverbot, erlassen werden u n d d^re A zi s .w e i g v o n Juden,- sie M'sit 1918 ansässig w a-r e n. v e r f ü g t w c r d e n. . Nach . dieser Mitteilung säumten die Versammelten den Platz. * j Die keiiMm Schutz- und Trutzbündler, die dr>s Elend des deutschen Voltes .verschuldet. haben, und deren Anssetu-eitungen ststs neues Leid - für Denttchland bedeuten, wagen rS immer noch, mit frecher Stirne „Fmderunoen" xu stellen', anst.üt sich Himer ihlm Misthausin zu vertnechen. ES sann iiwlrch bezwrisisi werden, ob der Münster deS Innern rin Bcrsprcchrn grgeben hat, wie rs die „Vo-.standsm tcli der" bekannt gaben. Oder sollte her Minister sich dem Teiror eines reaktionären Klünaels gesiig« lia''rn? Sind'dennstn Bayein ait wenig Zwanakjickm % gemeingefährliche Narren und Politi'che Schieber vorhanden? , -Die Ncd. ■manawi daß, während früher die Kaste der Magnaten mit ihrem unendlichen Grundbesitz die Meinberrscher Ungarns wasien, ihnen heute die Herrschaft von den mittleren und .kleineren Landwirten und von den landhungrigett scher Sprache, welches in RußlanL erscheint. Trotz der Schwierigkeiten, welche die-Herausgabevon jüdischen Büchern nahezu unmöglich.'MKchen,- arbeilet eine gwße Zahl von Schriftstettern und Gelehrten mit regstem Eifer an der Vorbereitung vieler sehr wertvoller Werke. Nach UeberWindung der bestehenden Schwier'.gk-eilen wird es deutlich werden, daß die schöpferische Betätigung der russischen Juden auf dem Gebiete der^ jüdischen Lileratur und. Wissenschaft in der letzten Zeit sehr rege'war. Gvvße Bedeutung wtvd einem neuen Werke, .des bekannten jüdischen Historikers S.^ Dubnow, einer „Geschich e des Cl:aisi)i§mus" zugeschriebrn. Das Merk, welches-eine große Zahl weLivoller Zeit'dokimienle.und reichhaltiZeS Arch'vmaterial cnihält, wird.in ji'-discher Sprache ^'scheinen. Der Literarhistoriker I. Zinberg HÄsoeben den ersten Teil seines groß angelegten- Werkes über die jüdische Literatur in allen Sprachen seit dem Abschluß des Talmuds beendet. Die Peters- * burger Will ungsgesillschaft (Mesizeh haSka'ah) bereiter für den.Drück eine ganze Reihe wissenschaftlicher Werke in ^jidd 'scher Sprache vor, darunter eine „Jüdische Wirtschaftsgeschichte" von Ku lischer und -eine „Biologie" von Prof. London und Dr. Eliaschew (Baal Machschoiveß). Die Gesellschaft „Oze" rüstet sich - zur Herausgabe einer Reihe von medizinischen und hygienischen Merken. Die größte Bedeutung wird jedoch die „Jiddische Cnzyklopäd'e" haben,' an welcher bereits sehr eifrig gearüei'et wird. An der Spitzedieses Ünter- NchinenS steht die Gesellschaft „P ro,", welche zu diesem; Lwecke vom Kommissariat für Lotkvbiloung eine Snb- ' Bauern, die des Robots .überdrüssig geworden ftnS,. streitig gemacht wird. Die Bodenreformentwürfe dert Regierungen Karolyi und Bela Kun sind an den Bauern! und kleinen Landwirten nicht spurlos vorübergegangen, und der Appetit, der in ihnen durch dies.e Pläne erwecktwurde, ist selbst durch die Brachialformationen der Horthy-Armee nicht mehr ganz zu unterdrücken. Die Frage der Bodenreform ist überhaupt die heikelste von allen Problemen, die in dem Horthy-Ungarn zu lösen sein werden und von der die erste große Krise ausgehen wird. Zunächst dürfte es zu scharfen Auseinander-, setzungen innerhalb der -Partei der-kleinen Landwirts -kommen, da - auf dem Programm dieser Partei Viels Magnaten in die Nationalversammlung gewählt wurden,^ die mit den radikalen Wünschen der kleinen Landwirte schon deshalb nicht einverstanden sein können, weil deren Erfüllung «ur auf Kosten des- Feudalbesitzes oderj der Kirchcngüter denkbar wäre. ' Durch diesen Interessengegensatz zwischen deri kleinen Landwirten und den Großgrundbesitzern ist der von der christlichnationalen Partei verfochtene Fusionsgedanke noch weniger durchführbar geworden, als. er schon war. Die Fusion der beiden, großen Parteien hätte für die Regierung nicht bloß die Bedeutung einer; überwältigenden-Negierungsmajorität gehabt. Viel wichtiger oder zumindest so wichtig wäre als Folge der Fusion; die. Aendenmg der Haltung der, Landwirte gegenüber der Ernährungskrise der Städte und ganz besonders der Hauptstadt gewesen. Heute werden Budapest und dis größeren Städte von den Grundbesitzern wie feindlichs Städte behandelt und die Regierung hat kein anderes. Machtmittel als die Bewilligung der wuchetischen Preise, uin von Zeit zu Zeit, einen Brocken aus den gefülltest Scheunen " der 'Landwirte heräuszulöcken. Denn ihnen gegenüber versagt die Nationalarmee, versagen dis Vrachiälformationen und Offiziersdetächements, die sich bloß für den blutigen Dienst gegen Juden, Kommunisten und Sozialdemokratey verdungen haben. j Nicht besser bestellt ist es mit den Mitteln, die dem. Staate von seinen heutigen Stützen, zur Verfügung gestellt .werden sollen. Die Magnaten, die Kirchengüter, die Landwirte treiben mit der Steuerleistung' passive Resistenz. „Nehmt es von den-Juden!" hört man sie rufen und - ihr Troß von bezahlten beschäftigungslosen Agitatoren ruft es ihnen nach. Aber die Juden haben Wohl unter geordneten Verhältnissen, übermäßig hohe Steuern bezahlt, sind jedoch heute so gründlich ruiniert, daß sie nicht mehr die-ausgiebigen Steuerquellen dar- .stellen wie früher? Die anderen hingegen sehen ihren Patriotismus nur in der „Säuberung" Ungarns -von den „Feinden des Christentums", nicht aber darin, für .das christliche Ungarn zu arbeiten und die Mittel der -Staatserhaltung aufzubringen. So mehrt sich die Zahl v-en'.i-on von zwei Millionen Rubeln erhalten hat. Dis Enzyklopädie wird 600 Druckbogen umfassen, von denen 25 bereits vollendet sind. Die Initiatoren deK Unternehmens werden'jedoch .die Enzyklopädie erst nach völliger Fer'i^st llung deZ Matex'als zum Druck geben. Gegenwärtig ist es nicht möglich, sämtliche Rubriketti des Werkes zu bearbeiten, weil Rußland von dev, übrigen Welt gänzlich abgeschnitten ist. Wie die „Jewrejskaja Schisn" mitteilt,^ ist bkr Kulturliga in der Ukraine an die Herausgabe einer gvrß n Enzyk o; ä ie in jiddischer Sprache hcrangetreten,. welche. 100 Btinde umfassen soll. Die Liga hat zu.diesem Zwecke bereits 5- Trillionen Rubel ausgebracht. Die Wilnaer und die ukrainische Enzyklopäoiekommission sind für die gemeinsame Herausgabe öes Werkes vern. einigt worden.- Das Mnstiere Jerusalems j „Haar e z" veröffentlicht einen . von Professor; Schatz und Professor G e d d e s entworfenen Plan für den Aufbau des neuen Jerusalem. Der Plan zerfällt in zwei Teile: das antike und das neue Jerusalem.. Professor Schatz wünscht das alte Jerusalem im wesentlichen erhalten zu sehen und tritt jür die Niederlegung, verschiedener störender Gebäude ein; so zmn" Beispiele müßte die häßliche Kaserne beim Davidsturm 'fallen, wodurch der Platz in eine Gartena'nlag» verwandelt werden könnte und sich das prachtvolle Pano*'l rama der Umgebung von Jernsaleni eröffnete. Hie«! müßte der M u s i k v a l a kt erlteben. dellen 2rmeu.-mW

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