Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 403 (6.3.1920)
- Date
- 1920-03-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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ffiimrlmmpiart Nrris Heller Lschecho-Slowokel: Einzeln 44 Helle« i. tsch. W. Pränrpnerationspreise r Vien: Zum W>!i0fot in der * ffirtttHlon, 2. Dt'.lrk. Tovorftrahe > biß^Ii» odrr in riuer Bi-rschleitzstclle iTrafli!: Monatlich . . Krone» 20.— «vierteiiiihrlich ,. 00 r Mit Postversanr ’ftr Wie» und Oesterreich: Monatlich . . Kronen 20.- Tichecho-Slowakri: Monatlich . . Kronen V.— Vkerteljästrlian. „ 2R.- . intschecho-slowakischrrWälrruno Ungarn: Monatlich . . Kronen 20.- lviertr.'jäsirsich .. 00.— in uugarischer Währung Jugoslawien: Monatlich . . Kronen LS — lviertelja-rrktch t« jugoilawilcher Währung rener 31c. 403 Wien, Samstag, den 6. Mörz 1920 Yreks 8» Keller Tschecho-Slowakei: Einzeln 44 Helle« ktsch. W. Pränumerationspreise- Polens Monatlich .. Krone« 20^ , Bterteljälirlich „ 00*» in polMchrr Währung - Deuffchland: Monatlich . . . Mark &£ ' Frankreich: Monatlich . . Frank- Italien: > Monatlich .... Lire 9J* Schweiz: * Monatlich . . . Franks 2^ Nedaktionn.Jidministratios Wien.S.Bez.,Taborstr.1-8 Telephone: Administration 440 Aedaktlou 4»»1S, ab 0 Uhr abends Nr. 10301 Postsbarkassenkonto 150.69^ - -, ... _jjww 2. Jahrgang Die Sitzung des Grotzen Aktionskomitees. Bon Adolf Böhm.*) ll. Entsprechend dem schon gekennzeichneten Standpunkt der Leitung, die Energien völlig auf Palästina zu konzentrieren, war ihre Haltung zu den Fragen der Liquidierungsblmken, der Organisierung und Unterstützung der Chaluzim und dergleichen eine solche, daß sie die Kosten für die Durchführung dieser' Aufgaben völlig, von den Landesorgänisationen getragen wissen wollte. Die Debatte ergab, datz in all diesen Fragen unabhängig von einander alle Länder völlig identische Einrichtungen getroffen hatten, weil naturgemäß überall dieselben Probleme aufgetaucht waren. Wieder einmal hatte es sich erwiesen, dqß es. gar keiner Verständigung untereinander bedarf, damit Zionisten, wo iiümer sie auch leben und vor welche Fragen sie auch gestellt werden, aus der gleichen Idee heraus zu denselben praktischen. Folgerungen kommen müssen. Die Sitzungsteilnehmer betonten in der Frage der Liquidierungsbanken einmütig, daß ohne Mithilfe von Krediten in guter Valuta die Uebertragung von Vermögenswerten der aus Osteuropa stammenden Siedler nicht' durchführbar sei. Es wäre schwer, nachzuweisen, daß die..Unterstützung, ja die Ermöglichung der Umsiedlung keine „unmittelbare" Paläftinaqrbeit sei. Der Wunsch, einen Fonds für die Ausbildung und Ueberführnng der Chaluzim zu. schassen, war allgemein und würde der Leitung zur ernsten Erwßgung übermittelt. , Alle Vertreter derZentral- und Oststaaten vertraten übereinstimmend die Ansicht) daß die zionistische Leitung sich wegen Regelung der zu erwartenden grotzen Emigration, die nicht nach Palästina gerichtet sein wird, sich mit ta bestehenden Hilfsgesellschasten verständigen solle, Wofür die Exekutive zu sorgen versprach. Der vielfach verbreiteten Meinung gegenüber, datz heute schon für eine größere Zahl von Einwanderern in Palästna Raum wäre, konnte die Exekutive auf die gegenwärtige politische und ökonomische Lage Hinweisen, die dies als unmöglich erscheinen läßt. Immerhin wird ln Kürze eine Zahl von produktiven Elementen, namentlich von Bauhandwerkern, überführt werden können. Es ist änzunehmen, daß in rascher Folge sich die Arbeitsgelegenheiten in Palästina vermehren und damit die Einwanderung dahin wird gesteigert werden können, was hauptsächlich vom Tempo abhängt, in dem die Mittel für den Aufbau bereitgestellt sein werden. Jedenfalls konnten sich.die Teilnehmer davon überzeugen, daß die Exekutive, entgegen der vielfach verbreiteten Ansicht, sich bemüht, die Bedingungen zu schaffen, die nötig sind, um eine rasche Vermehrung der Einwanderungszahl zu ermöglichen. Daß die Juden aus den früher „feindlichen" Ländern dabei sticht ausgenommen werden sollen, hofft sie nach Mandatserweiterung zu erreichen. Gegenwärtig.sind ibre diesbezüglichen Bemühungen, leider noch erfolglos geblieben, wenn auf der großen Versammlung in Whitechapel auch die zionistischen Vertreter Deutschlands und Oesterreichs (Stricker) unter dem Jubel der » vieltausendköpfigen Menge öffentlich sprechen konnten, so war dies ein gutes Omen dafür.. Bei dieser Versammlung konnten Äs Gäste Oberst Patterson, der bekannte Führer der jüdischen Legion, und der alte Zionsfreund, Reverend Hechler. begrüßt werden. Die Weitherzigkeit und GroßziHigkeit der englischen Politik, die sich bei allen Der- .Handlungen der Zionisten mit der britischen Regierung bekundet hat, und die Beweise ihrer Sympathie, welche .der Sitzung zur Kenntnis gebracht werden konnten, . bürgen für die Zukunft. Den Teilnehmern konnten auch Beweise für das unveränderte warme - Interesse - Amerikas, FmM-eicbS und Italiens an der zionistischen Sache vorgelegb werden. ' Einen breiten Raum in den Verhandlungen nahm die Frage ein, auf welche Weise die nötigen Mittel für den Aufbau beschafft ' werden» solsim. Die Exekutive (Referent Julius Simon) legtet den größten Wert daraufdie klare Unterscheidung zwischen solchen Mitteln zu machen, die ibrein' VeNvendnvgSzweck' nach Sicherheit für Kapital unb Verzinsung bieten, und solchen, bei denen diese nicht oder, besser gesagt, nicht von vornherein des Redakteurs Somogyi. Der geheime Mordbefehl. In der morgen erscheinenden Zeitschrift „Az Embcr"! wird über die Ermordung des Redakteurs Vela Somogyi folgender sensationeller offizieller Akt des ungarischen Oberkommandos mitgeteilt: Vier Tage vor der Ermordung' Somogyis wurde vom ungarischen Oberkommando, Zahl 319 4 b. F.v. streng vertraulich folgender Befehl dem Kommando des ungarischen JLgcrdetachements Nr. 2 in Budapest mitgeteilt: . ' ' . „Es ist zur Kenntnis des Oberkommandos gelangt,; daß die Führer der Fächorganisationen und Mitarbeiter ' der „Nepsz^va", weiters die Angestellten der Redaktion - und Administration im engen Kontakt mit den Wiener! Kreisen stehen. Das' genannte Kommando wird aufge-! fordert, diese Personen strenger zu kontrollieren, im Not- | falle (zwecks Beschaffung von Schriften üsw.) den Um- < ft Ln den gemäß am ge ei g n e t st e n zu! Hand ein. ' 1 Budapest, 13. Februar 1920. " Janki m. p. - . , Hnrimaün m. p." j Das ungarische. Jägerdetachement Nr. 2.ist das ve° > ruchtigte Osztenburg-Detachement. Jedenfalls ist esbe-! merkenswert, daß dieser' Befehl, der am 13. Februar > ausgcgeben wurde und znm^weckmnßigsten Handeln auffordcrt, nach vier Tagen, am 17. Februar,.die Er- «ifiwwi't'Wriy.jrtw» mordung toou Vela Sonrogyi und Bela Bacso gezeitigt hat. Horthhs „chrifflicher" Tagesbefehl. In derselben Zeitschrift wird der neueste TageS. befehl des Obcrkommandnnten Horthy, der ebenfalls streng vertraulich und an die Kommandanten der vcr» schiedencn Ofsiziersdetachements gerichtet ist, mitgeteilt. Bemerkenswert ist die Weisung dieses Tagesbefehls, wo- ' nach derselbe nur den zuverlässigen christ-lichen Offizieren , der Brachialgewalt mitzuteilen ist und folgendermaßen lautet. „Auf ein Alarmsignal sind die in größter Eile hinausznkommandicrenden Offizicrskompanicn verpfichtet, auf das erste Kommando hin sofort von d.rr Wusse gegen die Demonstranten Gebrauch zu machen und ohne übliche Alarmschüsse sofort auf die Menge zu feuern. Diese Salven sind unbarmherzig fortznseben und die Menge der Leute soll niemanden zurückschrecken." Schießt! mit diesem Bewußtsein, daß nicht Menschen sondern' wilde Tiere euch gegenübcrstehcn. Die Kommandanten sind verpflichtet, die unbarmherzige Durchführung diese-, Befehles zu kontrollieren und wer bei der Ausführung, des Befehles unschlüssig' ist oder Widerstand leistet, ist zu massakrieren." . ' ' ' ■ ' ' ■■■ -Hr*v Demsnftraironen gegen die öfter 'eichischen Delegierten in OeÄeyhwg *) Siehe Ne. 400 der ,Wr. MvigtUztg." vom 8. März O 2 tzenbur <v 6. März. (W. K.) We für LVestrmgar» ist. hier -eigkMLro'ffrn. 'GfsichzeitiK.trafen die KschverfE??dii-on Mitgliedes diefsr Müsi srr Srktionchsf De, Ren g e- .6 a u er und GAsaudtschaftSfekretar Ds?wr 'Haneu sch i L b\ hier ein. Von M^ztzKrischer Seite wurden'schon gestern aufreizende Flügzettelu verbreitet und als heute vormittags die öfterreiÄ-ischen Delegierten ankamen, erwartete sie am Vahnhofe eine hunderLKöpsi^e Menge aufgshetzter Lnrte, die gegen die Delegierten demonstrierten. Anter. starken Militär- und PoUzeischutz mußten die öftergegeben sein werden. Soweit es sich nicht um rein konunerzielleE Institute handelt, wie die . verschiedenen Kreditbanken, wird sich diese Unterscheidung erst im Momente machen lassen, wo ein^ Ueberblick über die erreichten Konzessionen und die» Art der zunächst in Angriff zu nehmenden, Arbeiten möglich sein wird. Tann wird sich auch entscheiden lassen, ob und inwieweit.die nötigen Mittel durch eine.Nationalanleihe oder durch eine „Opfergabe" aufgebracht werden sollen. Darüber wird erst die Jahreskonferenz entscheiden * können. Jedenfalls wird auch ein großer Teil jener Arbeiten, die znnächst als bloße Investitionen zum Zwecke der Erschließlmg des 'Landes als vorläufig „unrentabel" angesehen werden müssen, sich als für die Dauer produktive erweisen. Den.großen Aufwendungen der zionistischen Organisation fett Ameliorierung des Landes gegenüber wird es nur billig sein, ihr auch die Einhebnng oder ■ Zuwendung gewisser Abgaben von1 den Nutznießern dieser Verbesserungen znznbilligen. In diesem Sinne bewegen sich auch manche Vorschläge der Leitung an die Schutzmacht, während andere auf die Schaffung der gesetzlichen Grundlagen für eine gesunde Bodenpolitik, Agrar- und 'Steuergesetzgebung in Palästina gerichtet sind. All diese Stipulationen würden - nicht mir der jüdischen Kolonisation, sondern auch dem selbstarbeitcm den arabischen. Element zugute kommen und dieses instand setzen, eine höhere.Wirtschaftsstufe zu erreichen. Es kann nicht oft genüg betont werden, daß die Hebungde§ ökonowischen und kulturellen Niveaus'der arabischen Bevölkerung im eminenten Interesse der jüdischen Siedeluns namentüL. der Arbeiterschaft tat, deren reichischerr Delegierten in ihr Quartier ivH Hotel Panrronia geleitet werden. *j Die Menge .zog nun vor das Hotell Pannoma und mutzte durchdie berittene Polizei, die von der ÄZaffe gebrauch machte, zerstreut werden. Gegen 9 Ahr abends zog eine zirka LZOköpftze Gruppe von Hochfthülern vor das^ Hotel Pannonia und wollte dort neuerdingsi demoMrieren. Die Polizei verhinderte dieK« Das Militärkommando und die Polizei habe» Verfügungen getroffen, um Rnhsstörungen zu verhindern. Das Hotel wird von. Militär bewacht. ' ' Existcnzminimum von vornherein ein viel höheres $ als das der Fellachen. So weitgehende Rechte auch die-zionistische Organisation im Vertrage mit der Schutzmacht erlangen wird, so isdes doch in den Beratungen von allen Seiten betont worden, daß sie es nicht in der Hand hat, die jüdische Einwanderung und jüdisch<Arbeit vollkommen zu regulieren.^ Der Standpunkt des-Aktionskomitees ist es, daß die weitgehendste Einflußnahme der'zionistischen Organisation auf die gesamte jüdische Arbeit in Palästina in der Weise gewahrt werden könne) daß nur-jenen Juden, die sich den von ihr gestellten Bedingungen unterwerfen, die Hilfe ihrer Institutionen zukommen wird. Dies gilt auch für die Ansiedler,, die etwa ohne die zionistische Dernnttlung Boden kaufen würden. In dem Beschlüsse über die Nationalisierung des Bodens, den die Sitznng gefaßt hat, ist ausgesprochen Wörden, daß die Hilfe der zionistischen Institutionen nur solchen -Siedlern zugute kommen könne, die Pch^ den Prinzipien d.es Nationalfonds unterwerfen. ' Wie es sich schon bisher ge» zeigt hat und in der Folge auf Grund der Rechte, welche die zionistische Organisation erwerben wird, noch viel stärker erweisen wird, ist es nicht denkbar, daß sich, namentlich auf. dem Gebiete der landwirtschastliche« Kolonisation, eine größere Zahl von Unternehmungen etablieren.können wird, die auf die Dauer gänzlich der Mithilfe der zionistischen Institutionen-wicöen entratett können. Es ist deshalb jenes Prinzip vollt'onunen nu$*1 reichend, um über den Nahmen der von den Zionisten direkt geförderten Arbeit die Jugercnz der Organisation auf den ganzen lllnkreiä der LütiZleit der Juden gan^ Palästina MZLudelmea