Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 402 (5.3.1920)
- Date
- 1920-03-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Urei« S® Hrller tschechs-Elowakei: Einzeln 44 Heller i. tfch. W. Prünmnerationspreise: Pie«: 8«« Lbhile» i» »er itzpE-»- L Bezirk» Tabor, trabe 1 bl» 3» oder iu eine, verschleißstelle (trnfff): ffioKatüA . . Krone:» *0.— vterteljichrttch ., 00 — Wtt Post»>ers«nd für Lien und Oesterreich: Monatlich .. Kronen 20.— Tjcheche-Sluwakei: Monatlich .. Kronen V.— Vierteljährlich „ 21.-!n tschccho.slowak!scherWühmng Ungarn: Blonqtllch .. Krone« SO — vierteljährlich „ 00«— ta «nganscher WLhnmg Jugoslawien: Monatlich .. Kronen 12.— vterteljäyrltch „ 3«?.— lu jugoslawischer Währung Arels SO Hrllrr renrr Lschecho Sloytokei: Einzeln 44 Heller i. tsch. W. PrÜnumerationspretser Bolen: Monatlich .. Kronen SO«— Biereeljiilirlich „ OO—. in polnischer Währung Deutschland: Monatlich . . . Mart Frankreich: Monatlich . . Frank» 3«— Italien: - Monatlich .... Lire Schweiz: j Monatlich. . . Frank» 2«— Redaktion«. Administration Wten.S. Bez.,Taborstr.l-3 Telephone: Administration 440'!*', Redaktion 43310. ab 0 Uhr abend» Sir. 10301 Postsparkassenkouto 150.890 Nr. 402 Wien, Freitag, den 5. März 192V 2. Jahrgang Der Kampf nm die Vernunft. ' —V. L6 i e n. 5. Mäft Der Ausschuß für Aeußeres des englischen Unterhauses hat die jüngste Abstimmung des Plenums auf Verwerfung des. Revisionsantrages korrigiert. Er hat die sofortige Revision des Friedensvertrages mit . Oesterreich verlangt. Der Beschluß ist eine Folge des Auftretens Asquiths, der nach seiner Wahl ins Unterhaus nochmals die Wirkungen des Gewaltfriedens aufgezeigt hat. Er sagte: Die territorialen Bestimmungen der Vertrage haben zu den größten Schwierigkeiten geführt. Die Östgrenzen der mitteleuropäischen Staaten haben nur provisorischen« Charakter. Die'aus der Monarchie hervorgegangenen neuen Staaten können als nichtwirtschastlich betrachtet werden. Das Bestehen von Zollschranken ist nur verhängnisvoll. Deutschland muß den n »gerichteten Schaden wieder gutmachen, aber auf Grund seiner Leistungsfähigkeit. Es hat die Handelsn'arine verloren und ein Drittel seiner Kohlenvorräte. Es muß jedes Jahr an Frankreich irnd Belgien 26 Millionen Tonnen Kohle liefern. Durch den Rückfall, Elsaß- Lothringens an Frankreich hat es 76 Prozent s-iner Erzproduktion eingebüßt. Es besitzt weder Kolonien noch sonstiges Eigentum im Ausland, deshalb wäre es nicht billig, wenn man mehr von ihm verlangen würde, als zwei Milliarden Pfund Sterling, welche Summe ausschließlich für die Wie.derherstellungsarbeiten in Frankreich, Belgien und Serbien verwendet würde. Die Entschädigungssumme muß unverzüglich bekanntgegeben werden. Was England betrifft, so muß es auf die. Erstattung der' an seine Verbündeten verliehenen, Summen Verzicht, Die Revision steht also im Vordergrund der weltpolitischen Diskussion. Es hat über ein halbes Jahr gedauert, bis sich die Ansichten von dem schlechten Frieden so weit klären konnten, daß die feindliche Welt die Wahrheit, der Einwendungen Deutschlands und Oesterreichs anerkennen mußte. Wäre es in Versailles und in Saint-Germain zu einer den ganzen Fragenkomplex erfassenden Aussprache gekommen,' so hätte das Maß der Verelendung vermieden werden können, das heute ganze Bevölkerungsscknchten zu den Toten wirft und viele Tausende von Kindern am Leben bedroht. Diele Wahrheit war schon damals bekannt, aberdie Entente hat (sie nicht hören wollen. Sie Hot sich in der Ueberfülle ihrer Macht gesonnt und hat geglaubt, daß es heute'noch angeht, das Schwert in die Wagschale zu werfen. Nie hat noch ein Kollegium so unumschränkt walten können, wie der Rat der Fünf: aber doch scheitert sein Werk an der Unzulänglichkeit der Mittelan der Unmöglichkeit, den geschwächten . Körper der Unterlegenen so an? Ölpressen, daß er die geforderte und unterschriebene, aber noch nicht festgesetzte Entschädigung leistet. Der Oberste Rat, der-jetzt an der S.ütze des WekUl'.bunals gesetzt ist, arbeitet ein Manifest aus, das alles das: enthält, was in den Ländern der Besiegten, vielfach auch bei den Siegern von allen Einsichtigen gesagt worden war: Es anerkennt die wirtschaftliche Einheitlichkeit Europas, verdammt die militaristische Ücberhebnng der kleinen Staaten und r erlangt die Einführung Deutschlands und Rußlands in das Wirtschaftsleben. Der italienische Ministerpräsident Nitti geht noch weiter: er fordert den vollen Verzicht auf eine Kriegsentschädigung. - Die ersten Schritte, die mm zu tun sein werden, müssen .Vv Freiheit des V^kehres und des Handels gelten. Die Unterlegenen haben keine geschlossene militärische Kraft, um sich irgendwie dem Willen ihrer Besieger zu widersetzen^ Trotzdem aber sind ihre Grenzen militärisch besetzt, rhr Verkehr kontrolliert; Armeen arbeitsfähiger Männer, deren Kraft auf allen Gebieten fehlt, sind im Revisions- und Paßdienst beschäftigt; in ' Wien befinden sich Kontingente fremden Militärs, um was zu überwachen? Wir haben vor kurzem einen skandalösen Prozeß mitgemacht, der die Schießerei im Wiener Arsenal betraf und ans Licht brachte, daß alle möglichen Fremdstaaten hier Spionage stellen und Werbebnreaus unterhalten und dadurch die so schwer erschütterte öffentliche Moral mit hochwertiger Valuta zu Clownsprüngen reizen. Unsere Waren wandern über die Grenzen, ohne zu Hause ergänzt zu werden. Der ganze Staat ist im Ausverkauf und unser Besitz wird bald nur mehr ans-Tollarzetteln bestehen, für die man nicht das geringste wird fctufcn können. Zu all vielen Uebeln .kommen. nock die Sckikanen. mit denen die Bureaukraten Die Rettung Europas. Paris, 4. März. Die Londoner Tagung des Obersten Rates ist beendet N i t t t reist morgen nach Italien zurück; er wird sich in Paris aufhalten. Eine Reihe von Ministem mid Experten reisen gleichfalls ab. Die nächste Tagung wird vielleicht in Paris oder in Rom stattfinden. Im Mittelpunkte des Interesses stehen die E n t s ch e i d u n g e n finanzieller und wirtschaftlich erNatur, die in einem Manifest zusammen gefaßt wurden. Dieses Manifest soll erst veröffentlicht werden, wenn es die Billigung Millerands erhält. Das Manifest ist sehr lang und zerfällt in zwei Teile. Der erste Teil beschäftigt. sich mit allge mein e n Ratschlägen an die Staaten Europas und hat historisch-politischen Charakter. Der zweite Teil geht in einzelne finanzielle und wirtschaftliche Fragen ein und trifft genau umschriebene Entscheidungen in den Fragen der Preisbildung, des Mün zwesens, des Wechselkurses und des Transports. Die Londoner Korrespondenten der Pariser Blätter berichten über den I n h a l t des Manifestes, der am besten im Londoner „E v e n i n g S t a n d a r b" zusammenqefaßt ist und hier auch auf eine autoritative Quelle zurückzusühren zu sein scheint. Hiernach wird im ersten Teile empfohlen: - 1. Daß größere Mengen R o h st o f f e Deutschl a n d g e l i e f e r t werden sollen;' 2. daß die Alliierten an dem Wiederaufbau Deutschlands Mitwirken sollen, da dieser für ganz Europa von. Wichtigkeit sei Md Pflicht wie Interesse gebietenr;: 3. daß der Wiederyufoau und die Wiederherstellung der verwüsteten Gebiete Frankreichs und Belgiens als internationale und nicht als nationale Frage auf',»fassen seien, und daß alle Alliierten an diesem Wiederaufbau teilzunehmen haben; 4. daß das wirtschaftliche Gleichgewicht Europas nicht früher als hergestellt zu betrachten fei, solange Deutschland und Frankreich nicht in die Lage , versetzt sind, ihr industrielles Leben wie vor dem Kriege aufzunehmen. Die bmrptsächlichen Entscheidungen des zweiten Teiles find folgende: 1. Die Rückkehr zum direkten Taufchfyftem in jenen Ländern, deren Valuta vollständig erfchiittsrt ist. 2. Herstellung gemeinsamer finanzieller Grundlagen für die von der Pariser Karr- 1 ferenz neugeschaffeirerr envoväischsn Staaten. 3. Verschiedene interalliierte Maßregeln zur Stabilisierung der Wechselkurse. 4. Wichtige Ratschläge betreffend den Ausbau der Wasserkräfte. Die Korrespondenten fügen hinzu, daß dieser Auszug nur ein mattes Bild des großzügigen Werkes darstelle, das von den finanziellen und wirtschaftlichen Experten der Londoner Konferenz entworfen wurde und bestimmt ist, den unmittelbaren Abbau der Preise und eine neue Entwicklung des industriellen und wirtschaftlichen Lebens in Europa hervorzurufen. , Kriegsrecht in Aegypten. Paris, 4. März. iFunkspruch.) Ans Kairo wird gemeldet, daß ab 6. März Krie srecht und Vorzensur in Aegypten wieder eingeführt werde». der Nationalstaaten, früher Arbeitsgenossen oft im! selben Zimmer, einander beglücken und die eine sehr schwer zu ertragende Atmosphäre des Mißtrauens erzeugt haben. Wenn die Machtmittel des Obersten Rates' ans Grund kluger und menschlicher Erwägung der Verh. ftnisse hier Wandel schaffen, uns Eisenbahnen und Ware«! bringen würden, so würde sich das ruhige Leben sehr bald automatisch regulieren, so daß es möglich war", dem alle Volkskräfte aussaugenden Hyänentnm der Schieber an den Leib zu gehen. Der Geist des Krieges; muß ansgerottet werden. Das wäre, der Sieg der Vernunft Die Sitzung -es Großen zionistischen Aktionskomitees. Zu Beginn der Sitzung am 18. Februar wurden Begrüßungen der ukrainischen Mission in England und der zionistrschen Föderationen im -Orient, der Schweiz, Rumänien» und einzelner zionistischer Gruppen Englands sowie ein Lanktelegramm Jakob Schiffs für die Begrüßung anläßlich des durch ihn bewirkten Ankaufes des Technikums verlesen. Hierauf ergriff Dr. Schmarjahu L e w i n das Wort zum Referat über die Kulturarbeit. Die hebräische Bewegung in der ganzen Welt ist der Gradmesser, wie weit das jüdische Volk in seinem Innerste- abgesehen von allen Katastrophen, den Drang nach Oster 'in »ich trägt. Jedenfalls muß die Hebräisierungstätigkeit in der Bewegung einen, viel größeren Platz eirmehmen als bisher. DaN grlt auch in ganz praktischer Hinsicht. Irr Amerika kann man überall beobachten, daß wir dort leicht Anhänger für unsere Bewegung werben können, wo eine Gruppe von Menschen lebt, die aus Europa ihre Liebe zum Hebräischen mitgebracht haben. Wo aber kein Verhältnis zu. unserer Nationalsprache mehr besteht, da ist es ungemein schwer, Verständnis für unsere nationale Bewegung zu erwecken. .Wir haben uns leider um den amerikanischen Emigrationsstrom nicht genügend bekümmert. Jetzt erst beginnt mit dem Zionismus auch die hebräische Bewegung in Amerika festen Fuß zu fassen. Die Jugend lernt hebräisch und wird noch die Alten zwingen, die amerikanische Art der Assimilation aufzugeben. Wir stehen vor einer ungeheuren Aufgabe. Palästina' muß rein hebräisch sein. Wenn die Juden, die nach Amerika auswanderten, Englisch erlernten, so müssen wir von den Juden, die nach' Palästina kommen, verlangen, daß sie Hebräisch lernen. Es mutz die innere Knechtschaft verschwinden. Die Schnlen in Palästina sind aus dem Nichts entstanden, und es ist kein Wunder, wenn sie. noch nicht ganz auf der Höhe stehen. Wir kämpfen mit ungeheuren Schwierigkeiten. Unsere Schulen sind in gemieteten Häusern untergebracht, die oft den primitivsten hygienischen Forderungen nicht entsprechen. Wir müssen in Erkenntnis auch der politischen Notwendigkeit der hebräischen Schulen in Palästina sie so ausstatten, daß sie in jeder Beziehung konkurrenzfähig werden. Wir müssen durch Errichtung eines hebräische-' Institutes für die Entwicklung der Sprache in Palästir sorgen. * , Dr. Lewin ging hierauf auf die Arbeit in der Diaspora über. Hier muß die Kulturarbeit von den Landesorganisationen durchgeführt werden. Die zentrale. Arbeit muß für die Befriedigung. hauptsächlich zweier Bedürfnisse sorgen, welche die Bedingung für die ganze Hrbräisierungsarbeit dar» stellen: Lehrer und Lehrbücher. Wir müssen 20 bis 26 Lehrerseminare in der Diaspora errichten. Unter diesen Seminaren muß ein Lehreraustausch stattfinden, der das. beste Mittel für die Herstellung der geistigen Einheit sein wird. Cs gibt keine Bücher mehr auf dem jüdischen Büchermarkt. Redner sah in Whnipeg Lehrer sitzen und Bücher abschreiben, als gäbe es keine Buchdrucker. Wir müssen Bücher für die Länder; mit niedriger Valuta Herstellen. Dr. Lewin wies auf. das Beispiel der Tschechen hindenen es gelungen ist, in weniger! Jahrzehnten ein vollständiges Schulwesen, eine wissenschaftliche Literatur, eine eigene Terminologie, zu schaffen, so daß sie mit der Kultur anderer europäischer Völker. wetteifern können. Für uns ist diese Frage heute, ein Problem der Organisation und des Geldes. Unser Kampf ist ein Kampf gegen die Geographie. Wir müssen die Arbeiten, die in einzelnen Ländern unternommen werden, zentralisieren .und koordinieren. Das geistige Leben der Juden in den verschiedenen Ländern wird durch Erstarken der hebräischen Bewegung vereinheitlicht werden,.und wir werden die Diaspora geistig überwinden. Dr. Bergmann ergänzte die Ausführungen Doktor Lewins durch detaillierte Angaben ssber die Kulturarbeit« Die palästinensischen Schulen, für welche die zionistische Organisation in diesem Jahre 85.000 Pfund Sterling äusgibt, zählen gegen 12.000 Schüler. Außerdem zählt die Jka, deren Schulwesen dem zionistischen angeglichen ist, gegen 1200 Schüler. Noch besuchen 2600 Kinder in Palästina jüdische Schulen, die nicht hebräisch sind. Aber es ist -charakteristisch, daß die Alliance-Schule in Jaffa aus Mangel an Schülern geschlossen werden mußte. Er erwähnte, daß demnächst dis landwirtschaftliche Schule in Petach Tikwah eröffnet werden wird und daß dadurch.dem Bedürfnis nach lai'd:v>vtschast>- lichem Unterricht wenigstens teilweise Rechnung getragen wird. Für die Ecri^tung von 40 Schulgebäuden, die deyh