Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 401 (4.3.1920)
- Date
- 1920-03-04
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2979076-2979416-2979479--03541-2989182- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
beite'8' l8!?itr*5)ontterstö^' Wiener MörgenzeitnnA , .... I. Wi—1 ■ II» — —. .11 Minr.wn ---!-—- nchtet wurde, daß in dem Stundenhotel Zenit Polizei Ache Revisionen vorgenommen worden seien. Das Hotel Zenit sei übrigens ein bezirksbekanntes Stnndenhvtel. Es kam schließlich ein Ausgleich zustande, auf Grund dessen sich der beklagte Hotelier verpflichtete, einen Schadenersatz von 1500 Kr. der Klägerin zu zahlen. Hiervon wurde das Vormundschaftsgericht (Bezirks- Hernals) verständigt, welches in den letzten Tagen zu diesem Vergleich seine Zustimmung erteilt hat. . ROHATYN | BankgescHKft ,! Wieiij I. Maria Theresiensfr. IO: | * Telephon 20-3-62 I empfiehlt sich zur kulantesten DWchfBhrung aller bankmässigen Transaktionen, Belehnung von Waren, Finanzierungen etc. i | Spezlalabtellung VQr Polen?o«s | tinaniiimuliiuiiniiimiiinniiniinmiiniiniiiiiiHaMuniiii» Der Volkswirt. . Eine Krone --- 2.40 Centimes. Gestern stellte sich in Zürich dir vsterrrichlsche Krone auf.2.40 (2.40 am 2. März^ die tschechische Krone auf.6.30 i6.80 am 2. März) die Mark auf. 6.20 (6.25 am 2. Mär-) Agram.*4.40 (4.50 am 2. Mär^) Krakau.2.60 ,2.65 am 2. März) Budapest . 2.30 (2.20 am 2. März) Es ist erfreulich, endlich seststellen zu können,- daß sich der KurS der österreichischen Krone stabilisiert hat und im Verhältnis W den Notierungen der Wahrungen in den Nationalstaaten eine ansehnliche Höhe zeigt. Der KurS der tschechischen Krone von 6.80 und besonders derjenige der Mark von 6.20 sind überaus niedrig. Neu» neue Steuer«. Die vom Staatssekretär Dr. Reisch in seiner Wen Rede ausführlich behandelten neun 1 neuen Steuergesetze liegen nun, nachdem die passive Resistenz in der Staatsdruckerei beendigt ist, im Druck vor. Die Debatte wird heüte in der Nationalversamm!" beginnen. Für den freien Handel in Frankreich. Pari», 3. März. Der Bund der Detailtaufleute Frankreichs halt gestern eine von etwa 10.000 Kaufleuten aller Art besuchte Versammlung ab, in der die Redner die Freiheit e S Handels verlangten und gegen die staatlichen Organisationen, welche die kaufmännischen ersetzen solle», »rrtestirrten. Die Versammlung nahm eine Entschließung an, worin die Aushebung der in den DetailgrschSfken verfügten Beschlagnahmungen, die Erlassung eines Gesetzes über das kommerzielle Eigentum, die Aushebung der Luxusstruer und die Einsetzung riuer beratenden Körperschaft vkrlangt werden, die a»S dem Präsidenten der kaufmännischen Vereinigungen zusammen' gesetzt und damit beauftragt werden soll, im Einvernehmen mir der Regierung den Zertpunkt der Wiedereinsührrmg deS fteien Handels ftstzusetzen. Eine internationale Kontrolle über Lebensmittel und Rohstoffe? Paris, 3. Marz. Aus Kreisen, die der Londoner Konferenz nahestehen, verlautet, daß k e i n e H o f f n u n g besteht, daß Einschränkungen und Kontrollmaßlahmen in der Ernährung, welche während des Krieges in den alliierten Ländern eingrsührt wurden, aufgehoben werdm könnten.) Im Gegenteil deutet alles darauf hin, daß diese Maßnahmen eher noch verschärft werden. Der Oberste Rat soll in London bereits beschlossen haben, durch mehrere Jahre eine internationale Kontrolle über Lebensmittel und Pohstoffe auS-uüben. Diese Kontrolle wird möglicherweise aus g e w i s s» R o b st o s f e ausgedehnt, die nach Abschluß des ' (!’" -adrs bereits freigegeben wurden. tzandeksnachrichten aus der Tschechow-Slowakei. Prag, 3. März. (Privat.) .Die Kommission für UebcrgangS- Wirtschaft hat die Aufhebung deS TranSportscheinzwanges für alle Warm bis auf Getreide. Mühlenerzeugnisse, Malz, Kartoffeln, Zuckerrübe sowie Futtermsttel aus Getreide, Kartoffeln und Zuckerrübe beantragt. Die Freistädter Stahl- und Eisenwerke A.-G. vermehrt ihr Kapital von 15 ans 20 Millionen Kronen und dient zur Bestreitung der durchgesührlen Investitionen (Ncuäufstellung von Martinöfen, Errichtung eines Preß- und' Hammerwerkes, Blechwalzwerkes rc.). Die vorhandenen Anlagen ermöglichen bei vollem Betriebe eine Produktion von 12.000 Waggons Stabeisen per Jahr. Aus der Kapitalsvermehrung ist der Gesellschaft ein Agio von 32'5 Millionen Kronen zugeflossen. Nach durckgeführter Kapitalsvermehrung betragen das Aktienkapital 20 Millionen Kronen, die offenen Reserven zirka 50 Millionen Kronen. Wie verlautet, gründet die Depositenbank eine Porzellanfabrik in Karlsbad. Die CeskaBanka erhielt im Verein mit den Herren Boh. Rosenkranz und Zentraldiirktor C a p e k die Bewilligung zur Errichtung eitffr neuen Ellenindustrie-A.-G. unter der Firma „Zelezo P r u m y s l A.-G.* in P r e l o u c. Das Aktienkapital beträgt 1 Million, erhöhbär aus 2 Millionen. In der 'außerordentlchen Generalversammlung der Mährischen Agrar- und Zndustrialbank in Brünn wurde die Erhöhung des Aktienkapitals vou 60 auf 120 Millionen Kronen durch Ausgabe we'terec 150.000 Aktien' zu K 400 Nominale einmütig beschlossen. Don den neuen Aktie» erhalten die bisherigen Aktionäre 37.500 Srück im Verhältnis von 4:1, während ein ausländisches Bankeukonsortlum 112.500 Aktien übernimmt. Die vor einiger Zeit angekündigte Erhöhung des Aktienkapitals der Bergmannschen Lederfabrik in N e n b yxd s ch o w soll, wie in finanziellen Kreisen verlautet, kurz nach Beendigung der Subckriptwn auf die Prämienanleihe, zur Durchführung gelangen. Das Kapital soll von zwei auf vier Millionen Kronen erhöht werden, so daß den Aktionären daS BezugSrecht im Verhältnis von 1:1 zustehen wird. In der Generalversammlung derMonopol-Seifenf a b r i k s - A. - G. wurde die Veräußerung des Fabrikseigent«ms und dessen Uebergabe an die nmgegründrte Gesellschaft S a p » x i e geurhmigt. Wirtschaftliche Nachrichten. Do« unsere« Korrespoudenteu. Der Oberste Gerichtshof in Washington hat die Auflösung de< sogenannten ,fo t e n Stahl-TrvstS* verweigert;4. März 1920 s. Nr. 401 **■-■■■-- ---u und das bisherige Einschreiten der Regierung gegen den Trust mißbilligt, Der Ausfuhrzoll für Wein aus Kroatien, Slawonien und dem Murinfelaebiete ist bis zur Erlassung neuer Bestimmungen zeitweilig aufgehoben worden. Die Budapester Korrespondenz berichtet: Die Meldung einiger ungari'cher Zeitungen, wonach die E r st < Dona u - D a m P f s chiffahrtgesellschaft der tschechischen Regierung eine Option auf einzelne ihrer Fahrzeuge erteilt hätte» wrrd von maßgebender Seite als unrichtig bezeichnet Aus Krakau wird uns berichtet: In der letzten Sitzung der Krakauer Handelskammer wurde der bisherige Präsident Epstein zum Präsidenten wicdergewählt. Nach Meldungen aus Agram Hat die südslawische Regierung die Schiffbarmachung der Savebi-Agra« beschlossen. ' Kapitalserhöhungen. Die Oesterrei ch i sche WasfensabrilS-Ges e l l s ch a f t vermehrt ihr A k t i e n k a p i 1 a l um 62.500 neue, ab 1. Jänner 1920 dividendenberechtigte Aktien zu K 300.—' von K 15,750.000 auf K 81.500.000. Auf diese neuenAktien wird vom 4. bis einschließlich 17. d.M. ein B e z u g s r e ch t, und zwar nach je einer alten Aktie auf eine neue Aktie zum Preise von K 2800.— das Stück einschließlich Zinsen gewährt. , ,! Aus Budapest wird «nS gemeldet: Die Ungarische Handelskriditbank-A-G. hat ihr Kapital von 20 auf 90 Millionen Kronen erhöht. E-—--— Auslandskredlte für die Tschecho-SlvWakrü Vor kurzem berichteten wir über eine« Kredit Amerikas an die Tschecho-Slowakei im Betrage, von 25 Millionen Dollar. Da? „Prager Tagblattschreibt hierüber: Die feit längerer Zeit geführten Verhandlungen wegen Erlangung eines amerikanische» Kredites von 2 b' M r U i o « t n $ o 11 ö x sind «unmeh, in ein aktuelles Stadium getreten. Äm HandclSministerium fand eine Beratung statt, die sich mit den Bedingungen dieses amerilamfchen Kr ed lies befaßte. Es wurde beschlossen, dm amerrkanische» Vorschlag dem dienstägigen Ministerrat zu unterbreiten und ihn zur Annahme zu empfehlen. Die Gewährung de- Kredites ist an die Bedingungen geknüpft, daß Waren auS der amerikanisch» Heeresmasse, beziehungsweise auS den nicht stornierten, aber noch nicht perfektuierten Aufträgen der amerikanischen Heeresverwaltung ermorden werden. Doch können auch Rohstoffe und Halbfabrikates wie Rohbaumwolle, Oele, Paraffin, Bmzin, Petroleum bezogen werden. Auch Waggons kollm avgrkauft werden, allerdings nur in beschränkter Zahl. Der Kredit läuft ayf fünf Jahre und kann auf weitere fünf Jahre verlängert werden» Sollte der Mmrsterrat die Zustimmung zu dieser Kreditbeschaffung geben, so wird sich eine Kommission nach Amerika begrbm, um an Ort und Stelle den Ankauf zu besorgen« Die Tschecho- Slowakei hat daS Recht, die Waren zu erwerben, ohne daß ei» Verhältnis zwischen der Menge der Fertigprodukte, Halbfabrikat, und Rohstoffe festgesetzt ist. Die z» besorgenden Warm solle» emersritS der Industrie, andererseits dem Eisenbahn-, Poffuntz ArbritSministermm zugutrkommen, ohne daß aber die Ministen» ihren Voranschlag Überschreiten dürfen. > Die vor einigen Monaten von der Böhmisch» Industrial» bank und derkRederlandschen Handel Maatschappij in Amsterdam gegründete Tschechoslowakisch-Holländische Gesellschaft ,H o lb o' beabsichtigt, der tschecho-flowakischen Regierung eine» Kredit vo« einer Million holländische« Gulden '» gewahre». DL a. x b: a. b i x:. donnerst ao- :b nxr 4. üue!Ä. ei z; (pttrim) □aoo 8000 JBIai‘t©n'vorv©i>iiax».f r SCrois'b'ureau. IX., Aulsez-Btr&sse 28 (<T xadäa. 11—1) txzid "fc©i den Xxxxia- und. Sport verein ©el 70m □ □OB Menachem Mendel. Ein Briefwechsel. HerauSgegebm von Scholem-Alejchem. AnS dem Jüdische« übertragen von Siegfried Schmitz» DaS vierte Bündel Briefe. Ein vornehmer Beruf. (Menachem Mendel als Schriftsteller.! (88. Fortir!):''. 8. Brief. Bcheiwe-Säi-iirdel «ms tkaSril'wke «u ihren Gotte« Menachem Mendel in Jehnpez. Dein ho'chge-ehrten, edlen und mächtigen Herrn/ dem weisen Kenner der Thora, dem hochgelehrten Reb Menachem Mendel ehrfürchtigen Gruß. Erstens vermelde ich Dir, baß wir alle, Gott ftl Dank, beim besten Wohlsein sind, gebe Gott unS, haS Gleiche von Dir zu hören fürderhin und nichts/ Schlimmeres. i Zweitens teile ich' Dir mit, mein teurer Ge» Mahl, baß Du, so wie Du diesen Brief erhältst, um Gottes willen sofort nach Hause fahren mußt; denn mein armer Vater ist schwer krank. ES war schon ein Kvnsolium der Doktoren; sie haben gefunden, daß er, Ach und Weh. Wasser im Bauch hat. Die Schmerzen, hie er duLen muß, sind nicht mitanzusehen. Du kannst ßegreifen, baß die^Wutter, sie soll leben, kaum zu evlennen ist. Sie richtet sich geradezu zugrunde für ihn. Sie sagt: „Wenn man im Hause einen Nachbar hat durch dreißig volle Jahre, muß man auch Mitleid haben." Du aber sitzt dort in dem schönen Jehupez und beschreibst Pechvögel, das Sühnopfer mögen sie BPWL LilUttL Mütze, wie: Dir viel GuteK wünscht und dauerndes Glück für heut' und allezeit Deine wahrhaft treue Frau Scheine-Scheindel. Ich bitte Dich, um Gottes willen: fahr' gleich weg und telegraphiere! 9. Brief. ' Mewafchem Mendel aus Jehupez an feine Frau . Sche'.wc-Schcrndel in KaSrlliwke. Der teuren, edlen, tugendhaften und klugen Ehefrau Scheine-Scheindel meinen Gruß! Zum ersten sei Dir kundgetan, daß ich — dank Seinem lieben Namen! — gesund bin und mein Leben das des Friedens; der Herr, gelobt sei er, möge helfen, daß eines vom anderen nur Gutes höre in guter Botschaft zu Trost und- Heil — Amen. ZuM'Zweiten wisse: Dein Brief war wie ein Schuß ins Herz. Hätte ich Flügel, so wäre ich wie ein Adler zu Euch nach Zdasriliwke geflogen; so aber habe ich nichts und kann mich nicht vom Fleck rühren- Der Wirtin im Gasthof bin ich mehr schuldig, als ich Haare auf dem Kopfe habe. Außer dem, was ich bei ihr vcrzrhrt habe, habe ich mir von ihr auch jedesmal etwas für Papier und Tinte genommen. Immer habe ich geglaubt — jetzt . und jetzt. So viel Pavier und Tinte verbraucht, so viel schöne Dinge erfunden, die Finger wunbgeschrieben — wenn ich doch wenigstens eine Antwort von der Redaktion hätte! Sie aber hat den Mund voll Wasser und ist stumm. Das ist gar nicht schön von ihr. Mein Gott: gefällt auch meine Schreiberei nicht, so schreibt mir und ich höre auf zu schreiben. Eines andern Mühe ist für sie Luft; das sehe ick schon. Ein anderer an meiner Stelle, der hätte sie schon von oben bis unten beschimpft. Oder wenn ich Geld hätte, so hätte ich ihnen schon längst telegraphiert: «Rot oder tatl" «.. Ich bü( gar nicht i&fcuibe« Dir die Sorgen und/den Aerger zu schildern und die Mut^ losigkeit, die immer größer wird; die Feder will scho* nicht mehr schreiben. Was soll ich Dir noch sagen? Ick habe ersucht, man möge mir wenigstens die Zeitung umsonst schicken; auch darauf kriege ich keine Antwort Hätte ich die ganze Zeit Holz gehackt, ich hätte, glaub» ich, mehr verdient. Ich weiß nicht, wie es den andere* Schriftstellern ergeht — aber mit mir sind sie ärger umgegangen, als mit dem allergeringsten Kerl. Zv den Höhen hebe ich meine Augen; von wo soll dj« Hilfe kommen — vielleicht wird der Herr dort ober helfen; denn das Wasser reicht schon bis an den Hals! ärger kann es nicht sein! . . . Da ich aber sehr niedergeschlagen bin, fasse ich mich kurz: so Gott will, werd» ich Dir im nächsten Brief alles genau berichten- Jetzi gebe Gott nur Gesundheit und Glück und sende der), Sck)wiegervater völlige Genesung. Gott gebe es, daj wir alle einander gesund Wiedersehen, samt den Kin^e'n nach denen mir so bange ist, daß es mir ü*t ütc ,ui<j Leben geh! von ■ Deinem Gemahl Menschen: Richtig, das Wichtigste: Der Brief lierf schon zwei Tage bei mir in der Tasche, denn ich habt kein Geld für eine Marke. Ich habe die ganze Zeft gegrübelt, was anzufangen wäre, was man tun könnte womit beginnen. Ich glaube, daß «s keinen Beruf mjs der Welt gibt, mit d:m ich es nicht schon versucht hätis Eines aber habe ich noch nicht probiert: HeiratiHre^ mittlung. Bei uns im Gasthof wohnt ein Jude, Mt ist Schadchen; und nach seinen Reden ist er ein Vcrn'.ögender Mann. D?r Beruf ist freilich nicht s» Yyrnchm wie die Sch.iftstellerei, aber schöner als Mt Maklerei ist er sicher. Die Hauptsache ist freilich, daß der Herr der Welt ein kleines Stückchen Glück schenkt. Der Oviae.. , (FsttlktzMg lolgUl