Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 400 (3.3.1920)
- Date
- 1920-03-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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«Httfetevemptar» Preis @ö Äellrr tfchecho-Slowakei: Einzeln 44 Heller i. tfch.A). pranumerationspreise Sie»; Zum Abhoken <« der Spedition. 2. Bezirk. Labor. Naß« 1 bi» 3. ober t« einer VeesOileitzsteNe Grafit»- S^natllch. . Kronen SO.— iertelinhrlieh „ 00- Ktt Postversand fftt Wien und Oesterreich: monatlich .. Kronen S0.- Lichecho-Slowakei: Monatlich .. Kronen »ierteljitstrltch „ S1m tschrcho-slowakischrr WShMug Ungarn: 6>onaMq .. Kronen SO.— terteljäyriich ,, 00,— ta ungarischer Währung Ingoslawten: BMonatlich .. Kronen 18^* ier»eliahrk«ch „ »».- ta jugoslawischer «Lhruug rener ViN7tzl»s^»pl«U, Dreis SV, Helle» Tschecho.Tlorvakeii Einzeln 44 Helle* i. Isch. LS. Prannmerationspreise t Polen: s Monatlich .. Krone» SN«-» Vtericljähriich ,» OS--- tu polnischer Wahrung. Deutschland; . , » Monatlich . . . Mart «A Frankreich: J Monatlich . . Frank» 0«^ StalirN;... . J Monatlich . . . .Lire Schweiz: Monatlich... Frank» S! edaktion n. üldministrattoN Wten.S.Bez..Taborstr.1-ll Kelephonrr Administrativ» 440.«*, Stedaktion 4»:it0, ab G Uhr abends Ar. lO^Ol Postsvarkasseutonto.150.099 *1 M Nr. 400 Wien, Mittwoch, den 3. Mörz 1920 2. Jahrgang Gin Manifest des Obersten j Nates. tzuropa als wirtschaftliche Einheit. P a r i s, 2. März. Der Londoner Verichteeftatter des „<£ cf) o d e Parimeldet, daß die Wirtschaftssektion des Obersten RateS ein Manifest ausgearbeitet habe, das heute veröffentlicht wrden durfte. Die Grundgedanken dieses CommuniquSs feien: . 1. Sämtliche alliierten Staaten müssen trachten, ihre produktiven Kräfte zur vollen Entwicklung zu bringen und Höchstleistungen zu erzielen. D'e zur Erleichterung der Lebensführung der Arbeiter beschlossenen Gesetze mühten in diesem Sinne Anwendung finden. Man dürfe nicht mehr zu dem wahrend des Krieges geschaffenen System zurückkehren, sondern als Grundsatz habe zu gelten, datz in jedem Lands das Problem der Produktion kein nationales, sondern ein internationales Interesse darstelle. Daher dürfe in der Frage der Austeilung der Rohstoffe und ihres Transportes kein Staat nur das eigene Interesse vertreten, foudery mühte geneigt sein, Opfer im allgemeinen Interesse zu bringen., 2. Auf dem Gebiete der KriegSrroduktion müffs die größte Spar- « m l* i t walten. Unter diesem Titel sei eine ernstliche Warnung an d i e k l e i n e « Staaten Mitteleuropas zu richten, die den Willen erkennen taffen,- ihre Sonderwünsche durch Waffengewalt zu unterstützen, nötigenfalls mühten gegen sie gewisse ZwangSmatzregeln ergriffen werden. 3. Europa bildet eine wirtschaftliche Einheit. Damit Europa wieder gesunde, sei also notwendig, daß alle europäischen Staaten wieder anfgerichtet werden. Die wirtschaftliche Produktion werde entweder überall oder nirgends normal fein Können und man müffe daher Deutschland und Rußland instandsetzen, znm Wirtschaftsleben der Gesamtheit beizutragen. Der Korrespondent fügt hinzu, daß der letzte Absatz Gegenstand einer längeren Debatte gewesen sei und gewisse Vorbehalte Vorgebracht worden seien. - " •< »Petit Parisien" berichtet Über die Beratungen der wirtschaftliche» Sektion, daß »ach ausführlichen Darlegungen Ged d e S', Marsh als und B en ed ieis über die Preissteigerung und den Mangel an den notwendigsten Rohstoffen in den verschiedenen Ländern der Oberste Rat zu dem Schluffe gelaugte, datz nur durch eine gemeinsame internationale Aktion wenn auch nicht normale Verhältnisse, so doch eine erhebliche Besserung der Lage herbergeführt werden könne. Zur Durchführung dieser Aktion sei ein Uebereinkommen besprochen worden, wonach die Alliierten ihre Einkäufe gemeinsam besorgen sollen, da ihre Konkurrenz auf dem Weltmärkte nur ein Steigen der Preise zur Folge haben könnte. Weiters solle ein Organ geschaffen werden, das die Aufteilung der angekauften Waren nach den Bedürfnissen jedes Landes vorzunshmen hätte. Schließlich müsse eine Art Kontrolle geschaffen werden, die den Verkauf der wichtigsten Lebensmittel überwachen solle. In der Abendsitzung beschäftigte sich die Sektion mit der Frage, in welchen Ländern Waren einzukaufen wären. In diesem Punkte gelangte die Sektion ' zu keinem E i nvernehmen, da ge:snü^er Amerika die ungsinst ge HauÄslsb lauz und gegenüber Rußland von Lloyd George politische Dedenken einsewendst wurden. ©h Sitzung des zionistischen Aktionskomitees. Bon gldolf Böhm. I. An die erste Vollsitzung der zionistischen Weltleitnng seit dem Kriegsausbruch, die nach großen Schwierigkeiten soeben tagen konnte, sind in der jüdischen Oefsentlichkeit begreiflicherweise große Erwartungen geknüpft worden. Zwei Fragen, waren es vor allem, welche sie beantwortet wissen wollte: Ob und in welchem Umfange die Erteilung des „Mandates" für ein jüdisches Palastina gesichert sei und welche Pläne für die Umsiedlung der Judenschaft nach Palästina ausgearbcitet worden sind. Beide Fragen können nach dem heutigen Stand der Dinge zwar noch nicht definitiv beantwortet werdcn> doch haben die Mitteilungen der Leitung wenigstens bezüglich der ersten Frage volle Befriedigung erwecken kömien. Eine formelle Erteilung des Mandates ist natürlich vor Abschluß des Frledensvertrages mit der Türkei noch nicht möglich, dennoch sind die Bvrverhandlnngen mit den maßgebenden Mächten soweit gediehen, daß die Bedingungen für die Schaffung einer jüdischnationalen Heimstätte in Palästina als gesichert, erscheinen. Es sind dafür zwei verschiedene Akte notwendig: Der eine ist die im Friedensvertrag der Mächte mit der Türkei aufzunehmende Bestimmung, datz Palästina an den Völkerbund abgetreten wird, der seinerseits das Lan§ an die Schuhmacht übergibt-mit dem Aufträge, es so zu verwalten, daß die Schaffung eines jüdischnationylen Heims: in Palästina ermöglicht wird. M;is^M,uiMHcheMHMMMan in diesech WrtragL außer" dieser allgemeinen' Klausel noch bestimmte Einzelbeiteü enthalten sein werden. Die Entwürfe sind nach langen, mühevollen Verhandlungen fertiggestcllt, sie haben im großen und ganzen die volle Zustimmung der Sitzungsteilnehmer gefunden. Die wichtige Frage der Grenzen ist noch nicht völlig erledigt, die Bemühungen wegen der Nordgrenze werden hoffentlich zu einem befriedigenden Abschluß führen. Sokolow und Weizmann haben sich in der Führung der politischen Verhandlungen Verdienste erworben, welche in der jüdischen Geschichte für immer unauslöschlich fortleben werden. Die Sitzungsteilnehmer, denen die Einzelheiten dieser Verhandlungen Vorlagen, konnten sich dem überwältigenden Eindruck nicht entziehen, daß dem jüdischen Volke in diesen zwei Männern Führer erstanden sind, deren Größe dem historischen Momente gewachsen war. Am Schlüsse der politischen Debatte haben auch die wenigen Opponenten, denen daS Erreichte nicht völlig genügte, bekundet, datz auch sie unter diesem Eindruck stehen. Der zweite politische Akt ist der Vertrag mit der Mandatarmacht. In diesem müssen die speziellen Bedingungen niedergelcgt werden, die Verwaltung, Vodenerwerb. Stcuerfragen usw. regeln. Merkwürdigerweise erregten die Vorarbeiten für diesen Vertrag, der füp die praktische Dnrchführring der Kolonisation und die innere Gestaltung der Siedlung grundlegende Bedeutung hat, fast keine Aufmerksämkeit. Diese Vorarbeiten sind mit sehr großer Gründlichkeit gemacht worden, svobei ein ratgebendes Komitee, in dem hervorragende jüdische und englische Fachleute sitzen, wertvolle Dienste leistete. Die Entsendung Herbert Samuels als Berater des Gouverneurs von Palästina,wird für die Gestaltung dieses Vertrages von großer Bedeutung lern. Die Teilnehmer an der Sitzung konnten deshalb mit Genugtuung konstatieren, daß die Vorarbeiten für. die Lösung der politischen Fragen in ausgezeichneter Weise von den wenigen Kräften, welche der Exekutive zur Verfügung standen, durchgeführt worden sind. Klar und einmiitig ist in der Sitzung auch der feste Wille zum Ausdruck gekommen, daß die Zionisten es als ihre wichtigste Aufgabe cmsehcn. mit der arabischen Bevölkerung in Palästina zu einem herzlichen und brüderlichen Einvernehmen zn gelangen. In diesem Lande ist für inele Millionen Siedler Platz. Hat schon die bisherige Kolonisation erwiesen, daß die arabische Bevölkerung Palästinas von ihr nur Dortejle hat, so wird die nun in viel größerem Stile zu betreibende Siedlungsläpigkeit. die dem Lande einen bedeutenden Aufschwung verleihen wird, dies in noch größerem Maße erweisen. Deshalb ist es als sicher anznnehmeii, daß daS gegenseitige Verhältnis d-r beiden Brudervölker ein immer besseres werden wird, je weiter die Kolonisation fortsck>reitet. Natürlich müssen in beiden Lagern die besonnenen Elemente etwaige nationale Ultras zügeln. Daß in der zionistischen Leitung keine solchen vorhanden sind, hat die Sitzung des Aktionskomitees, her welcher auch die jüdische Arbeiterschaft PalüKnas^ver^ treten war, deutlich gezeigt. H Weniger befriedigt waren die SitzungSteist mtaf von dem Stande der zweiten Hauptfrage: derjeÄgen,, nach den Vorbereitungen für die ei: zusetzende Siedlungstätigkeit. Hierin ist die Lage der Leitung"-eine äußerss schwierige. Solange noch die speziellen ^chingungen,' unter denen kolonisiert werden kann, niöA/^cststehenq solange sie sich ferner noch kein Bild macher^ über welche finanzielle Mittel sie verfügen wird^ Wies für' sie äußerst schwer, bestimmte, klar umrissene" Projekts vorzulegen. Sie hatte deshalb einen sehr schweren Stand' gegenüber den verschiedenen Vertretern der jüdischen Massen, diemit Ungeduld nun schon seit eineinhalb. Jahren auf das Zeichen znm Aufbruch warten. Dis Sitzungsteilnehmer hatten das Gefühl, daß die LeitrmK der Schaffung der nötigen enormen Mittel und dem Ausbau der Institutionen ein viel größeres Gewicht beilege, als dem Kolonisationsplan selbst. Mit Recht konnte. Rnppin deshalb sagen, daß man nicht nur Institutionen haben müsse, sondern auch Siedler, die sie nutzen können. Die Frage des Kolonisationsplans wurde trotzdem noch offen gelassen, sie wird erst beantwortet werden«, bis die Bedingungen, unter denen die Änsicdlrmg wiM erfolgen können, feststehen. Inzwischen geht Ruppin, nach Palästina und gleichzeitig werden Vorbereitungen^ für die Sammlung großer Fandst man denkt an 25 lionen Pfund, getroffm7werden. - .7- :\ | Es ist klar, daß für die Ausbringung großer Mittel vor allem Amerika in Betracht kömmt. Es'war deshalb sehr zu bedauern, daß die amerikanische Föderation nicht ihre Vertreter zur Sitzung schicken konnte. Eine Aussprache mit ihnen wäre außerordentlich, wichtig gewesen. Der Faktor „Amerika" spielt heute in der zionistisches Organisation eine sehr große Rolle, über deren Art di» Meinungen stark auseinander gingen. Der amerikanische Zionismus ist noch jungen Datums und man kann nicht erwarten, daß er, speziell in dem politischen Milieu Amerikas, schon jene Stufe der durchgängigen Nationalisierung seiner Anhänger erklommen hätte, wie ds< europäische. Speziell einige Führer scheinen noch in bet in Europa Engst überwundenen ideologischen Zweiteilung zwischen Palästina und Galuthjudentum befangen zu sein. Eine solche Auffassung negiert die natn*« nale Einheit des Judentums als Grundlage der zionr» stischen Politik. Natürlich ließe sich ein solcher Standpunkt gegenüber der Macht der Tatsachen nicht aufrecht» erhalten, und die jüdischen Massen in Amerika, die ja auS dem Osten gekommen sind, teilen ihn sicher nicht.' Es ist deshalb von den Teilnehmern der Sitzung gegen b'i Neigung der Exekutive, jenem Standpunkt aus N''ck sicht auf die Aufbringung der großen Mittel allzufehr, Rechnung zu trogen, Stellung genommen worden. Di« zionistische Aktivität kpnne nicht auf Palästina beschränkt werden. Die Vorbereitungsarbeiten in der .Galuth mutz sie in den gereich ihrer Tätigkeit ziehen. Dazu aehöre« nicht nur die Fragen der Liquidierung, die Organisierung und Schulung der Auswanderer, sondern auch die nationale Erziehung, die erst wirklich ein einheitliches Judentum schafft, und die politischen Sicherungen für di« Jndenschaft des Galrrth, sich national und zionisti-ch «nt» wickeln zu können. In diesen Punkten waren dre Vertreter der jüdischen Massen vollkommen einig und st« haben mit Nachdruck ihren Standpunkt gegenüier de» Neigungen. Palästina isoliert zu behandeln, Vertretern, j Die Jahreskonferenz, die gnfaugs Juli unter Teilnahme j der amerikanischen Delegierten stattfinden wird wird; endgültig die Richtlinien der Politik der zionistische« J Exekutive bestimmen._^ ' Der Straßburger SoZialisteirkorigrichu Berlin» 2. März. Das „8-Uhr.Abendblatt"! meldet aus S t r a ß b u r g: Auf dem Sozialisterv Kongreß wurde ein Antrag Lorriot angenommen» der die Schaffung von Arbeiter- und Soldatenräten in a l l e n S ta a t en Vorsicht. Aie radikalen Sozialisten stimmten für einen Beschluß, eine internationale General« streikparole auszugeben, um eine Machtprobe des miernauonalen Sozialisnius herbeizulübren. j 1 __