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Wiener Morgenzeitung · 1920-02-28 · Heft 397 (29.2.1920) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 397 (29.2.1920)
Date
1920-02-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Die Debatte erinnert ein wenig an die Aussprachen, die bei ähnlichen Gelegenheiten im österreichischen Herrenhaus stattfanden. General Caste!« tum — in, Wien wäre es ein Graf Schönburg oder General Dankl gewesen — erklärte, die Armee sei als Instrument der Polizei zu schätzen; das Land sei wegen der verringerten militärischen Kosten beunruhigt Man kann dies bezweifeln, denn das französische Land hat sicherlich nach fünf Kriegsjahren keine Sehnsucht nach einer. weiteren Aufrechterhaltung der Kriegskosten. Der Kriegsminister Lefevre sprach, wie noch jeder Kriegsminister dies getan hat, von einem vorübergehenden Zustand, der'sich aus dem Mangel an Soldaten erkläre. Die Flinte schießt, der Säbel haut. Das ist da? gcknze Alphabet der französischen Politik von heute, die sich;, wie die Abstimmung lehrt, auf einen geschlossenen Block stützt, der alle Hurrahpatrioten von den linken Bürgerlichen bis zu den rechten Monarchisten umfaßt. Die Clemenceau-Wahlen werden bestätigt und damit auch die weitere Stellungnahme Frankreichs znm Problem des Friedens festgelegt. Aber aus den offiziellen Begründungen, die zu dem Antrag geliefert wurden, geht dmh hervor, daß es-weniger die Angst vor Deutschland war,, aus der der Negierungsvorschlag entstand, als vielihr die Furcht vor der Entwicklung der inner» Verhältnisse Frankreichs, schlagen eine ähnliche Mg ein. wie die' der, besiegten' Staaten. Ein aus . zurückgekehrter Vertreter der „Baseler Nachberichtet: seinem Blatte, daß' der Eindruck, den jetzt mache, derjenige sei, den Oesterreich vor Ws Monaten machte. Man beobachte ein fortschreitendes Fallen des französischen'Franktzrlrses. Die Teuerung und Preissteigerungen seien täglich unerträglicher. Größere Geschäfte werden nur in Dollar oder holländischen Gulden abgewickelt. Frankreich werde jetzt ebenso vom Ausland ausgekauft wie Wien. und die notwendigen Bedarfsartikel feien, bereits im Zentrum der Stadt ggr nicht mehr zu finden. > - f 5 i So sieht. es in Paris aus. Die, Provinz.sieht unter hem Druck der Arbeitslosigkeit, und auf, dem , Kongreß siir Kinderhilfe, der gegenwärtig in, Genf, tagt, wurde mitgeteilt, daß die Zahl der Unterstützungsbedürftigen' ln Len.' verwüsteten.Gegenden.Frankreichs auf 4M>.000 pr schätzen sei. Das erklärt., weshalb namentlich-' die Arbeiterschaft von der Regierung die-Demobilisierung der Armee und den Beginn der Aufbauarbelt: fordert. Als erste Maßregel zur Erzwingung dieser- Forderungen ist-der. allgemeine Eisenbahnerausstanh, aufzufassen. der, düS so hoch-entwickelte VerkehrÄeben fast schon gelähmt' hat. Die Bergarbeiter, die morgen in den. Streik treten wollten, haben mit Rücksicht auf? gewisse Regierungsvorlagen, die der Kammer.ungesäumt zugehen sollen^ ihre Absicht aufgeschoben. Die übrigen Arbeiterkategorien Md ebenfalls unruhig geworden.; / . Das sollte für die Regierung und das Bürgertum Anlaß zur Nachdenklichkeit sein und ihnem zeigen, daß die? Methoden, wie sie vor - dem Kriege-inder?Behänd» .tüntz schwerwiegender sozialwirtschaftlicher - Dinge ange°. wendet wurden, heute ihre Wirkungverfehlen. -Die Welt' ist anders geworden, nicht allein in den besiegten Staaten, und' die Massen, die-man zur Verteidigung deS bedrohten Vaterlandes aufgeboten hat, lassen sicP heute - nicht mehr so willig in das Kasernierte Dasein zwängen. Das Fluidum des sozialen 'Umwertungs- Prozesses kann man mit Bajonetten nicht anfhaften und! Gewalt erzeugt wieder; nur Gewalt.,; Die französische Regitzrüng versucht also, den Zweck der>Niederhaltrmg der Mrendcn' Massen wieder-mit dem patriotischen Schlag-; Mwt' zu Erreichen. Sie redet imitier-wieder von Deutsch-- land, reißt die. fastschon verharrschmde: Wunde des! Hasses immer wieder auf und ist; eifrig bestreb^ die Ge°. fahr für die Ostgrenze so schwarz als möglich zu schildere Daß sie-damit nur die Geschüfteder 'Konjunktur- Weber besorgt, liegt'klar zt,tage^-Und'die imperialistische tkchnmermehrheik ist stur allzirsehrgeneiyftin das ihr kwrgefuntzene Lied einzustimmen. Sie entbrennt bei, lpder GeleamLest m Bewunderung M die rühm» Der neue Friedensvorschlag Räterutzlarids. Was die Bolschewiken versprechen. New-Bork, 27. Februar. Der Korrespondent der Affoeratsd P etz in Wrfhington elegraphiert, datz ein offizielles Moskauer Telegramm einen neuen. Friedensvorschlag Sowietrutzlands an bis G ostmäch e enthalte. Die Sowjets verpflichten sich, in Rußland eine demokratische Politik zur Anwendung zu bringen und eine Ko.rst'tnants einzribernfen. Sie versprechen ferner, das Dekret, welches ie russischen auswärtigen schulden aus löscht» zurück zuziehen und diese bis zu 6) Prozent anznerkennen. Sie versprechen ernor, auch die rückständigen Zinsen zu bezahlen. Dl" S )w!etregierung erklärt sich zu bedeutenden Garantien ereit, insbe ondere du ch A trerung von Konzessionen über reiche Platin- und Silberner werde an amerikanische und englische Syndikate. Dagegen verlangen die Sswiets, tzaß sich die Mach e j dsr Einmischung n die russische n An g e le g en h eiten n t h a l t e n. Gleichzeitig wird dem Wunsche Ausdruck gegeb n, die V reinigten Staaten nögen Rußland Ltredite eröffnen. D'e russischen Vorrüto. Berl'n, 2< Febmar. DäS ..B/rl ner Ta/>cl'!.ur" nidDci Uls dem Haan: Der? Mm'ü rWbö^'rh uvrhscbeu R'girrung sü „Daily-Ediön cl "Xm Moötiü:-Mi'Kben^:mr fo it i ngeh c u re' M e n g c n 26 e^i'F e n, B-'u t t t r; Alachs und' a n b c r e Ware n, an S g-e hü h r t -v e rd e n -ck ö n n i e n, aber unser Transvor wcs n'ist msolge -;r Le den bcs - jetzt noch andauernden Kr-cgcs mi-unmeugc- - - ochcn.' Wir lind also voNaui/g nicht >n der Lage, nyscre eigenen L ädie m t:Nabiunftkm-u In ru'v--r'ou>en^ünd intöjgrdcsscn'sehlp .uaenwü!'g r-ie Mögl chtei', Gü er für den TranSpott^mL Aus-' and M un'e-.e Haien vx bmarn. Wir ditten daher die.Alliierten, »ns zunächst mU vok-mot ven ynd Lokomotivbe'XnwMnl'.sowie iibrrbdnpk -m>t allein u vcrsehen, was mU d'kn EiXüchahnwcsen n'Ztlsammenhanfl sicht. -^ - - -->' Der Berchtestatr de) «R e w U o r k World'- iNart, die uuniche A mce m^boll-g H rr ümr F > bv eS; fci denn'. daß die Alliielt n nciie Un crstirtznngen schicken. Iin lleb'tigen ei die rote A-mee dre am me-sten an.-m>l-1ni>tnrhe. Rur ein sschntel der A-.mee belleheauS?olduen,de» R<st.msPi;st^en.m ''encn'llch auch-Trotzkii rechne- Auch ditser de:öne' >a8 d-e Sowiet» egier.ung von den Vnc nich'N Staaten'und Von Gro'chumnn'en' ine Wiedeih^llcllimg ihres TionSrortMienS-', erwa-re.. Äni-di^ ^.age, waS er über kieBe Lichtungen der brlkischen'Kon-c»vativen und anderer Engländer denk-, daß Dcn''chland racb Arr-Hebüna' d'er Blockade die russischen Märlte unter Umständen in d,e Hand '/ekommen könnte, omwoitete Trotzkl m arckgeiegt m-Tone/ das >e> lache lick. Deurschland törne Cowiei'.nßland -nickt,n die Hand! e onimen. Es sei klar, daß sich Nu!!and an die'siegreichen Raiionen, an England und bester noch an Amerika wegen des Zmvortes von Maschinen und wirlscha tl chen Geräten wenden müff-. Ge»ade die Länder.' die jetzt veriuckten. Rußland zu erdrosseln, wü-den am meisten gewinnen, wenn sie sich ans den Boten w-rtscha'tklcher Beziehungen zu Rußland stellen. Unmut der Verbündeten. In England hat Asquith E seinen mrrtigen Reden über . Volkervörsohnung und Friedensrevision das Unterhausmandät für Paisley erkämpft; in Amerika hat der, Senat den wichtigen Beschlttß gefaßt, den Fricdensvertrag unter Ausschluß aller Mandatsverpflichtungen anzünehmen. Amerika Wifi also an einer zukünftigen Allseinandersetzung der europäischen Staaten über den Frieden und seine Hartes nicht teilnehnren.' Wenn also Frankreich die inneren Schwierigkeiten durch Konflikte mit Deutschland be» schwören wollte, so würde es sich ebenso wie jüngst iy der Auslieferungsgeschichte allein finden. Auch für Frankreich bleibt nur der Weg der neuerlichen, in fried, lichem Sinne geführten Verhandlungen mit allen seinen Nachbarn über den Aufbau der Wirtschaft Europaoffen. Es gibt viele Stimmen, die davon reden, daß die französische Nasse im Krieg den Todeskeim erhalten habe. Es wäre unklltg von Frankreich, die Wahrhsi^ dieser Behauptung durch einen Krieg prüfen zu wowck. Amerika weist den ruMschek Friedensvorschtag zurAch. i W a s h i tt (| i o n, 25.Februar. Das departement erklärt» daß dies amrrikMische Regierung das Friedensangebot, der Bolschewiken nicht in B 'tracht ziehen werde. me mm geschmückte Armee,, die den TraumMyt.- Elsatz^ veMrk». licht hat, möchte sie aber solange-als ^nur möglich, der. Heimat sernhalten. Ja, sie möchte)sie noch dürch,,,neue- Kontingenteverstärken, die, ans den Reihen des Volkes ausgehoben, in-die Ferne geschickt werden, damit; bcr, heimische Chor der Arbeitslosen rrnddeshalb, sozial.und; politisch- Gefährlichen verringert werde. - , ' Mer diese "Politik, die sich aus derxVerzwelflnngr ttnd aus -der-Angst vor der großen Rechnung ergibt, dies das Volk Frankreichs eines Tages präsentieren s wird, stürzt Europa in immer neue Gefahren und erregt den Die Wilson-Noten in der A-riafrage^ London, 28. Februar. (Funlspruch.) Der Notenwechsel in Angelegenheit der Adriasrage ist veröffentlicht worden. . Präsident Wilson erklärt, daß er der Ansicht der briti» schcn und französischen Negierung, daß daS mit EtnverstandnW der Vereinigten Staaten zustandegekammene Abkomme« vmW 9. Dezember durch die nachherigen Vereinbarungen nicht boq rührt worden sei, nicht bestimmen könne. DaS Abkommvtz vom 9. Dezember sei durchwegs zugunsten Italienmit groß^L 1„.gercchtigkcit gegen Südslawien und mit Gefahr für -de» Weltfrieden. abgcändert worden. DaS ohne Vortvisterr -heg -BeroLmsttso., Staaten ^MstanüeaeksmnreAL^ AblowM^l» „ h M Anoych Hanzsi^vre der Vereinigten Staaten uydurchsührbar, da eS die Gerech keit vermissen lasten Die Tatsache, daß die Ber!retLr Süd« slawiens sich gezwungen fühlen könnten, die Ver--inbaxunA angesichts des Londoner Vertrages anzünehmen, der nachj Ansicht der-Vereinigten Staaten mchillig, (u-n f a' r) und uw»- ^dyrchführbflr. sei, könne die Ansicht-er Regierung einigten Staaten nicht ändern und sie nicht beer ft uffw» ijjt« Zusti imune zu riner l.vßelunfl zw geben, cs? ein« osirM bare Verletzung der Grundsätze darstc.lle, sür weichrp Amcrikq in /den Krieg erngctrcten sei. Mau müffe nun ^nitä'rß-rste^ Offenheit sprechen. 'Wenn jedoch, stärkere Mächte stch. untvtz Berufung aufdas-, Nationalgefühl, an kleinen und schwache«.' Völkern'schadlos halten-wollen, wenn die alte -Ord runq^deßk Dinge,« hie soviel Ucbel -über die Weltbrachte, noch? vorherrsche^ dann sei noch >- n i ch t d i,e, Z e i t - e l o «M-SM wo die Regierung dcr V e r e i n igt e n S t a u t e n j n d i tz V e r e i n i-g u ng »d e r M»ä ch t e e i nIr-eitit- 16 n>ir# Der Präsident'' müssen ernstlich erwägen, den Fr'-.' enUwrtrqch mit Deutschlünd und-den Vertrag'zwischen den Verciingtm^ Staaten und^Fränkrbich vom 28. Juni M19, die nun vor^de«' Senate .seien, iz u r ü'-ck z u z i ehe n, undl zulassen» Paß dich europäische - Neuordnung von den befreundeten Regierung«f allein aufg'Hollt:und-aufgezwunge« werde.. > - - In; der Antwort MillerondS - und i Lloyd GeorgewE unter -anderemXierklärt: Drei britisch« und die froiizösischs- RegierungLftönnen' die jetzige Haltung ber Regierung-^;bed Vereinigten Staaten nur s ch w e r v ersteh e n und höfse«^! daß angesichts der vorliegenden Erklärungen die R'«gierun>i! der ^Bereinigten Staatenihre Haltung andern wrrde. Di«' - ftanzöji sche -und die - britische Regierung wünschen keineswegs eine Negclung,M-. dem-' Präsidenten der Verein gten Staat«« annehmbarerscheint, zu' erzwingen, und werden daher 8iS zum Einsirngeü der Antwort der Negierung der-,Verei»ngt«in- Staaten^zuwarteü. > Das Nichtzustundekommeneiner Einigung i Zwischen Italien-und Südflawien würde Frankreich und'Eng«,' landi-keine ändere Wahl lassen/ als die Gültigkeit d-».s Londorf! Vertrages anzucrkcnnen. - X -f ' Die: Regierungen von Frankreich und - England ‘ sihe«! 'mit- Bestürzung, daß sich die Vereinigten Staaten auS^dcn^ Völkerbund« zurückziehen,^ Ml-i sie mit der Regelung; bfet? 8sdriafrage Nicht einverstanden sin8. ' Daß elbnog-'iöhischtj Gründea l^eck.n n i chst m a^ß g-e b e nd sind^/ist iklae zu sehenuaus -dL»n^ Einschluß^ von unöhr - als drei 'Niüiön«' . Deutschen^- ine.vie Tschecho-Slowakei- und-dem von der Deteste^! tioni der' BMinigten Staaten so warm-- befürworteten Enn^ i Muß vonwehr als dreieinhalb -Miüibnen r-Ruthen«,:i «if' j Pplen, -die? der -polnischen Regierung ftindlich gesinnt -sind.' Obwohl die britische Negierung -dagegen Ernstliche Einwäüd^ ^hatte/chatfste -gut Rücksicht >aupden>. Völkerbund nicht, auf 'eine, sr anderen^ Regelung, bestande-n.ö < Die XfrayzqstscheXi und, l-'W' ft. britische ^Regierung hoffen dgher, daß, wie; im:uevuchldift! . «ndgülttge. Lnpcht Mi 9.egie^ung'.dee..VeM«i«tsn mteMüäammmm

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