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Wiener Morgenzeitung · 1920-02-28 · Heft 396 (28.2.1920) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 396 (28.2.1920)
Date
1920-02-28
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Wien. Samstag Wiener Morgenzermng 28 Februar N* *20 9b|i 8B9 Schieber in einem Kehricht zu fegen. Es gab und gibt im vstjüdischen Proletariat beispielsweise diele Handwerker, durch deren Aufnahme wir nur gewinnen könnten. Die Juden haben in Polen vor dem Krieg die zuverlässigst-'n Schuster vie diegeschleusten Schneider gestellt. Eine Torheit ohne» zleichen ist es, diese Leute mit'Gewalt und Verhetzung eiligst sus Deutschland her-uSzn' äugen. Man erwehre iich nach Kräftenvermittels des Strafgesetzbuches.und der dielen Zn» satzgesehe dieser Zeit der schlechten und unehrlichen Klaffen »nd Kreise unter den eingedrungenen Ostjuden. Sie in Lausch und ■ Bogen zu verdammen, ist ebenso töricht .vie niedrig. Azich ist es irrig, wenn man glaubt, unter dem ojV Wischen Proletariat, da§ 10.000 b*s 15.000 Köpfe stark seit dem Krieg nach Deutschland gekommen ist, seien lauter liolsckevikisch.gesinnte Seelen zu finden. .Fast alfa willen heute vor rllem endlich Ruhe, haben. Mxm gewähre sie ihnen auf chrer meist nur kurzen Käst bei uns nach Möglichkeit. Diejenige«, die als Landrrbeiter,oder.im Bergbau verwendet worden sind,rndiaoaiten haben sich, nach vielfachen Zcugnisten, die über sie veriregen, recht gut etngeführt. Da die jüdischen Arbeiter grötztertter.4 zewerkschaftlich organisiert sind, ist natürlich auch eine Lohn- »rückerei von ihnen, nicht zu befürchten. Die nredrige Verhetzung gegen die Ostjüden und Galizier, die nur ein Teil der allgemeinen Judenfcindschaft ist, dre heute bei uns bewieben-.wrrd,. ist. leider fast schon gedankenlose.Gewohnheit in Deutschland-geworden. Ohne sich jemals um die Ostjuden smb ihr schweres Grenzdascin wie ihre wrrtschastliche und zeisiige Entwicklung bekümmert zu haben, wird auf diese Menschen losgeschimpft, als ob seit je dort der Abhub der Menschheit gehaust hätte und Russisch-Polen, Litauen und NalrziÄr-^me Verbrecherkolonie wie ehemals Tasmanien gewesen .Wäre.'Wer nur den aufstrebenden Gewerbe fleiß dieser drei vermögenden Landstriche vor dem Kriege verfolgt hat, weiß, wie'- verkehrt ein solch oberflächliches Gerede übe« das ftiedertrachüge Galiziertum ist. - Dre Liebe zur-Gerechtigkeit tnd Wahrheit trieb mich, auch der geistigen Beweglichkeit und Tiefe dieser Leute hier rühmend zu gedenken, die im allgemeinen-nicht schlechter und nicht unanständiger sind, als die ganze verfluchte menschliche-Rasse, ä qui n'onö appartenonS, zu fern pflegt. ( ttnb nun freue ich mich schon auf die dielen, natürlich meist unterschriftlosew Briefe, die mir-als «bezahltem oder bestochenem Judenknecht" auf diesen Rettungsversuch zuzehen werden." ■?',?», ■ Die holländischen streikende« Transport «rbeiter weigsrn ftch, die Getreidesendrrngen für Oesterreich zu lssck-en. * Amsterdam» 27. Februar. Der „Telegraaf" meldet zum Streik der holländischen Transportarbeiter, daß ein Verirrt« dxr französischen Regierung den Vorstand der Zweigstelle Amsterdam deS mederlandischrn Transportarbeikcrvnbandes ersucht habe, dst Löschungder GetreMendüncren für die Brotversölgüng-Oesterreichs'zwlgenehmrgen. Dir Vo> stand hat sich ebenso w:e der Dorstäüdes VerbandcZ in Rotterdam geweigert, dazu seine ZnstiüjÄiüig zu erteilen. ' / Die BrZmrer GemeinderaLswahke«. Di'e Brünner Gemeinderatswahlen, die im Mai vorigen Jahres 'stattgefunden haben, sind bekanntlich infolge der eingebrachten Proteste kassiert worden und am 29. d. M. findet!' die" neuerlich anberaumten Wahlen statt. Bei diesen Wahlen kämpfen 20 Parteien gegen-, beziehungsweise nebeneinander^ Und zwar: 1. zehn tschechische Parteien, 6.' "die meist aus Juden bestehende deutsch-bemokratifche Partei, ' die deutschen Sozialdemokraten und 7 zu einem beuLfch-ärr,chen Block zusammengeschlossene Parteien und 3.. die beiden jüdischen Parteien (Jüdischnattonale und Poale Zion). 'Sämtliche tschechischen Parteien haben miteinandür gekoppelt, ebenso alle deutschen Parteien, und im letzten Augenblicke die Poale--Zion mit den Jüdisch-' vurtionätevl,' nachdem, was erst später bekannt wurde, ihr Anerbieten,' zu koppeln, sowohl von den deutschen als auch von den rsch.echischnationalen Sozialdemokraten abgelehnt worden war. Die Jüdischnationalen entwickeln eine sehr lebhafte Agitation, und es ist zu hoffen, daß sie den Lei der ersten Wahl errungenen Erfolg erweitern werden, wiewohl die für ein Mandat notwendige Stimmenanzahl diesmal eine größere sein wird. Die am 25. d. M. in der Schwechater Bierhalle - abgehattene Wrbler.versammlmig, die von zirka ‘ ,1000' Wählern besucht war, und in welcher der Listenführer Dr. Feld mann und der Wiener Gemeinderat Dr. Jakob Ehrlr'ch sprachen,, bot einen erfreulichen Beweis von.der. Erstarkung des jüdischnationalen Gedankens. Ein klägliches Bild bietet wie überall die deutsch-assimilatorische Kahal- Clioue,'die trotz der ihr vom deutsch-arischen Block täglich ertetl'Ln Fußtritte unentwegt an ihrem Teutoncntmn festbält. Die unaufhaltsame Entwicklung der Verhältnisse .in der Tscheche-Slowakei wird auch diese Gesellschaft in Kürze vom politischen Schauplatz verschwinden lasseu. Ein blinder Weltreife«der. In der hiesigen Abteilung des American Jdtnt Disrrihutron Committee erschien bitte Tage ein junger erbimdrter Mann. gcführt von einer rw'nschen Pflegerin und har unter Anfübrung seines traurigen Schicksals um H'lt'e. Der Maun heißt Chaim S z w i d k l und stammt aus T i tliS ha Äftufoini. Er war Ciniäuier der russischen Armee und wurde nach Kriegs mtbluch nach Japan geschickt, um dort Ware eirrzukaufen. Äuf der Rückreise geriet er in die Revolution und mußte nach Kiew gehen, wo er bet stimm verheirateten Btuder Unterkunit fand. Er mackre eine Tnvhuskprdem'e mit. wurde selbst wieder ge'uns, wahrend er BiUder und Sckwrstcr verlor. Er wu'de nun als VtekonvaleSzent von den Boljchkwürn, d:: rhm eine russische O d e r st engst t r n als Pflegerin bngaben, . nach ÄJÄfcr.iiiö aMrckt.. Hier. fiel er plüMradcn Roten SOEBEN ERSCHIENEN Nr. 8 der „Jüdischen Zeitung“ AUS DEM INHALT! Die Sitzung des grossen zionistischen Aktion« Komitees. Eisik Scheftel. Zionistische Kulturarbeit Die Krise im „BiaU'Weiss“. Trennungszionismus. Zionistische Bewegung. Preis der Nummer K 1.—. In allen Trafiken, Buchhandlung R. Ldwit, L, Rotenton»- Etrasse 28, Und in der Administration der ^Jüdischen Zeitung“, It, Tahorstmse 1—3. si» Truppen derukrainischenBolschewike n ut dre Hände, wurde vollständig auSgcraubt und m t seiner Pflegerin verjagt. Zu allem Unglück verlor er noch das Angenlrcht. Er tral nun die Reise nach Tiflis an. Da jedoch der direkte Weg dahm durch die ununteibrochcnkn Kriege verlegt ist. mußte er sich nach Warschau bieder,. von wo ans das dortige Joint-Commrttee ihm und seiner Pflegerin die Reise nach Wien ermöglichten. Bon Wien aus will S z w r d k i über Serbien. Bulganen und d>e Türkei den Seg nach Datum nehmen, um von dort nus Trflis zu erreichen. Vom Joint Committee wurden der Bedauernswerte und die Dame mtt allem Notigen verfbe«. Auch wurde, soweit dies jetzt mSgl.ch. für d,e Weiterreise der Beiden Sorge getragen. ,*Rückgang der Einwohnerzahl Wien*. DaS Ergebnis der provisorische« Volkszählung liegt nun vor. Darnach hat Wien insgesamt 1,836.708 Einwohner, also um nngeführ 400.000 weniger als im Jahre 1910. Unter Ziesen sind 851691 männliche und 987.014 weibliche Personen. Als Kriegsgefangene sind 7260 ausgewikfen * Bom 1. Marz wieder Vosta«t»ftnnven bi« 6 Uhr. Am 1. März werden bei allen Postämtern in Wim die normalen ÄmtSstundm Ar den Parteirnverkthr an Werktagen, und zwar tfir die Annahme von Brieiposttedungen, Telearammen und Rohrvostsendungen, iür die Aussolgung von Abholiendunaen. für den Wertzeichenverschleiß und Frmsprechdicnst diS 6 Uhr abends, fecner für dre Annahme von Postanweisungen und für Postsvarkasse-Ein- und -Rückzahlungen dir Vt® Uhr nachmittags ausgedehnt. * Vorlesungen am Wiener Beth-Hamidrasch. Samstag, 11 brs 12 Uhr Mittags, Herr siektor Dr. S. Rubin: Dre laufende Parascha; Sonntag, 6 bis 7 Uhr abends, derselbe: Midrasch m historischer Beleuchtung; Montag, 6 biS 7 Uhr abends, derselbe: Talmud diesmal tragt derselbe am Sonntag und Montag über die E''therrolle vvr>; DienStag. S bis 7 Uhr abends, Herr Gememderabbiner Dr. GclbhauS: Samvrl mit den klassischen Komentaren; Mittwoch. V-6 b'S Vr? Uhr abends, derselbe: Fortseoung; V,7 bis '/-8 Uhr abendS. Herr Dr. Kammka: More Nebuchrm; Donnerstag, 6 bis 7 Uhr abends, derselbe: Fortsetzung. * Kein Streik der Kassenärzte. Die Forderungen der Kassenärzte haben eine sie befriedigende Lösung gefunden, so daß dre Aerzte des Verbandes der Klankenkasten mit 1. März die Behandlung der Familrenanpehörigrn wieder übernehmen. Die ambulante Behandlung der Kinder vom 1. bis 14. Jahre erfolgt wie brSher ausschließlich in den Klnderamvulatsuen, die der Säuglinge in den SLuglmgsfürsorgestrllm. * DLderzüge «aü» Böhmen. AoS Prag wird ltlegravhint: Ab 1. Mai bis Ende Dezember werde» von Wien über Gmünd, Budweis. Manenbad und Karlsbad Bäderzüge auf der Franz Josefs-Bahn verkehren: b>S 15. Juni viermal wöchmtlick, vom 15. Jum b'S August täglich und vom 15. August bis Ende Dezember viermal wöchentlich. * Da» Vermöge» im Munde. Kaule falsche Zähne und Gebisse und zahle pro Zahn biS &36<—. Go! d-Karser, IX,, Lltchtenstcinstraße 19. * Zweite derrtschösterreichlsche Klafieulotterie. Der Erneuerungsterm'i« zur vierten Klaffe endet am Abend deS 1. Mätt lüS.). BiS zu diesem Tage können jene Spieler, die an der Ziehung der vierten Klaffe teilnehme« wolle», die Er» neuerungSlofe vierter Klaffe der zweiten deutfchösterreichlschen Klaffen!vtterie unter Gablung der irnsachcn Klrffeneinlage «nd Vorweisung der Lose dritter Klaffe bei jener Geschäftsstelle beziehen, bei welcher sie die Lose dritter Klaffe gekauft hab^n. Die Ziehung der vierte» Klaffe stndet DienStag den S. und Donnerstag den 11. Märt 1&20 im Ziehung-iaate Wien, lU , Lothrmgerstraßr 20 sKon'.erthauS öffentlich statt. Der Beginn ist an de» beiden Tagen für 8 Uhr früh festgesetzt. Am DienStag den 9. Marz 1920 werden vor Beginn der Ziehung die2750R8llchen mit den spielplanmäßigen Gewinnbeträge» der vierte« Klaffe in daS Gewinnrad Wetttlich ein geschüttet werden. * Gemüse- und Gartenbaukur». An der Gartenbau« schule fßr Frauen, XIX,. Kaasgraben 19, beginnt am 8. März der für jedermann zugängliche sechSwstchiae Frühjahrskurs über Gemüsebau, Obstbau, Gartenpflege und Geflügelzucht. Dre Einschreibungen sind täglich. * Lebensmittelrativnievung tu Italien. AuS Rom wird gemeldet: Der Mmisterrat hat beichlvffen, die a l lgemeine Rationierung für Brot, Fleisch, Fett, Oel, Reis ns«, vom 1. Avril angesangen wieder einzusührcu. * In der Wüste verschmachtet. Au« M » S t« n wird ficwlbct: Rach der Einrnhme von Gmie« haben sich dre Reste des linken Flügels der ehemaligen Uralaimec KolsichakS gegen Osten zirrückgezoam. Die Meldungen der in den letzten Tagen nachgetandren ÄufklämngSti uppen besagen, daß ste in den »urkestanlschen Steppen and Wüsten auf Leichen vvn Tausenden vonSoldaten gest » ß e n seien, dre, vermutlich wcgen Wastermangek, aus dem Rückzug in den Steppen ums Leben kamen. Bom ehemaligen BesehlShabrr dieser Truppen, General Aslstsi fehlt lebt Svur. * Die BvlkSküchengäste «üsien da» Speiftesjeschir» selbst mitbringen. Sämtlichen Wiener Volksküche^ wurde bekanntgegeben, daß die Besucher sich daS S p e i i e g j IA i t * seldstmitbrinaenmüssen, bobrt tteew sich mhtoi der schwieligen Beschauung und der Hohen Prene Mi Gneift* gtschiliS leider gezwungen sicht, von der ««stell»»- mi SpeisegeschniS ad » ehen. » Purimfeier. Im Prachl^aake de« Hotel« ^LaherifchEr Hok stndet am. 1. Mar» eine groüePurimfeiier. vertunden mit der Th-'areiaustübrung .Nur a D ft-it»t* von Schalom Äl^jchem statt. Anschließend Solovorträge^ Zum Schluß Tanzkränzchen. Anfang 6 Uhr. Saaleröffuutzig '/,« Uhr. Das Reine,trägN'S ist der Talmud-Thor«schule »» gedacht. Karten in der Talmüd-Thoraschnle so»w her sämtlich« Mitgliedern. KomiMnales. Skandale im Wiener Gemeiinderal. Die Tstristir^l^ i<il«n nl« Dro sesirige Sitzung w« eine tsxajk ÄefchststSsHvntz und beinah wäre sie auch dementsprechend ruhip und würdig verkauft", wenn nicht von chrrstlichfozialer Seite «in grotesker Schwank aufgeführt worden wäre. Zun Behazrdlung ftjnb nämlich unter anderem ein Referat über die Verwertung des Säckevorrates der aufgelaffenen Stelle st des BezirkswirtfchaftSqmteS. Gemeinderat Dr. Pollak Hatte soeben in eing.henoer und sachlicher Weise auSgeführt, daß den Verkaufspreis ein viel zu geringer sei. Er nah« entgegen der AE.s'mg der christlichsozialen Presse für ftch den Erfolg in Anspruch, durch fernen RückverweisUngSoMtrag vom 14. November ISIS daS Säckegeschäft rückgängig gemacht zn haben. Aber auch die gegenwärtige» Preise seijen einfach lächerlich. Wenn die Bevölkerung die Sacke einfach zerschneiden und auS jedem Sacke drei dis vier Reibtmhee machen würde, würde die Gemeinde Wien selbst in diese« Falle einen Preis von zi^'a 20 bis 80 Kronen prp Sack erzielen und die Bevölkerung hätte etwa« davon. Redner habe damals auch den Antrag auf Einsetzung eines Komitees gestellt, dazu fei es aber nicht gekommen. Sr wiederhole bah« seinen RückverweisungSantrag an den Stadtrat und seinen Antrag auf Einsetzung eines Avei- bis dreigliedrigen Komitees zur Prüfung der Angelegenheit. Die christlichsozialen Redner wenden sich in scharst» Weise gegen daß Geschäft, während der Sozialbemokraß Kokrde daS Geschäft als einwandfrei hinstellt. Da »irtz plötzlich unter allgemeiner Heiterkeit vom Sitze des Gftmeind«^ rateS Kunfchak her «Ser die Bänke ein Sack in den Saal geworfen mit den Dorten: »So schauen die Säcke a u 8!" Gleichzeitig werden auf andere« Bänken Säcke gezeigt, die ^kunstgestopft" sind. SS bilden sich Gruppen, , ein wirres, erregtes Durcheinander auf beiden Seit« lätzt die Redner nicht weiter sprechen. Mau hört Rufe: JS9 wäre interessant, zu untersuchen, woher diese Säcke startunen? Schließlich packt ei» Gemeinderät die Säcke zusammen und verschwindet mit ihnen im Hintergrund. Der Rednov kan« endlich seine Rede zu Ende führe» und bei der Abstimmung wird der Reverentenantrig angenommen. ES wird hierauf ein Antrag deS StadtrateS Doktor Grün, für die ärztliche Untersuchung sämtlicher Schub« linder zum Zwecke der Feststellung ihres tNefundhettSmich Ernährungszustandes ein Zufchutzkredit von 167.000 Kronen genehmigt. Nene 10-Heller-Kassenscheine. Ueber Antrag deS StadtrateS Breitner wird mit Rücksicht auf die fortdauernde Kleingeldnot die weitere Ausgabe von fünf Millionen Stück 10 - Heller - Kassenfchernen mit einer Gültigkeitsdauer bis 30. Juni 1020 beschlossen. Annahme eines KommuvalbarkeyenS von 20 MiMonon Kronere. Hierauf wird ein Antrag zur Aufnahme eines Kommunaldarlehens bei der Allgemeinen österreichischen Bodenkreditanstalt bis zum Betrage von 20 MMonen Kronen m Wohnungsbauzwecken ohne Debatte angenommen. Eine Rede zu« Fenster hinaus. Nach Erledigung einiger weniger wichtiger Geschäfts-/ stücke gelangt durch Stadtrat Speiser daS Referat über die einmalige Zuwendung an die städtischen Angestellten in vorgerückter Stunde — es war gegen 10 Uhr zur Behandlung. Die Höhe der Zuwendungen, mit denen die Angestellten nicht zufrieden sind, ist bekannt. Als Grund für die NichtbLwillrgung der vollen Forderungen ist die Unmöglichkeit der Bedeckung. Die Christlichfozialen haben diesen Umstand benützt, um dir Angestellte» gegen die jetzige Gemeindeverwaltung . auSzuspielen. Ihr Wortführer in der Debatte, Gemeinderaf Baugoin, hielt eine heftige AgitationSrede, währenÄ welcher es wiederholt zu heftigen Zusammenstötzen zwischen beiden Parteien kam. Unter stürmischem Widerspruch und Ge« lqchter ruft Gemernderat Baugoin den Sozialdemokraten zu: »Unter unS haben Lehrer und Angestellte nicht gehungert!" Er schlicht feine Ausführungen mit dem Antrag, daß die Zuwendungen nur als Vorschuß auf die von den Angestellten am 27. Jänner überreichten Forderungen angesehen werde». Lirmszene». Hierauf kommt es berm Schlußwort des Referenten, welcher den Christlichsozialen cm der Hand eines grche» statistischen Materials ihre Lehrer» und Angestelltenfemdschast während rhrer Herrschaft, wo ein Lehrer fdgU zu« Selbstmord gezwungen wurde» vorwirst, zu rtngeheure« * Sturmszenen, die bis zur Beerrdigung der Schlußrede a«. halten. Bei der Abstimmung werden die Referentenanträge, auch mtt den Stimmen der Christlichsozialen, angenömme« ug£ die Sitzung um einviertel 12 Uhr nachts geWosiM,

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