Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 390 (22.2.1920)
- Date
- 1920-02-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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K«el« SO jldn preise: lest Ami ftbtmfni 1» tcv «Mil«*, «. Bezirk, r«b«r^!»e I dt» S, «er t» «l«r» vrrstvlet-Kevk «Trafik»; Monatlich. . Kronen «».- Vierkeltöyrltch ,, . 00 - «U Peftrersend t», «„« «nd tJCftvTfnRr 1 .. Krone« *0.~ richrche-Elowakel: Monat»» . . Kronen O.- ivtertekimirttch .» <S4.- t» tfchrcho-sl»wonschrrWS-r»ng Uaiarar. - ■ «onotUch .. Krone« 20.- Vtrrteltttzrttch », 00.— 1» MS«ris»er WLtzra-s viertel,atzrltch „ «.- ta tmolloMliO«* Wchnm» l?- '■ ’?%JL ‘ «,f-i. l, GiKsekOUemPiKUt rirek» S« Heile» Prannmeratto»» preise für — Polen: Monatlich .. Kro«e» MM »ter,«lt<tt,rllch - «Q*tf i» 0»l»ts»rr VShrMß Deutschland; Monatlich . . . ültark M** .. ffrenkrelchr Monatlich . . Arank» S»°, Monatlich Lire r«-a Monatliq^^FrankS Redaktion «. Sldmtnlstratlo» Wten.S.B e»..radorftr.I -8 Telephone: Slvmintstratto» 440 k". Redattlon Et», ab 0 Uhr avend» Str, 10301 vostsparkaslenkonto 150.999 •ZSP Ssr. 390 Wien, Sonntag, den 22. Februar 1920 2. Jahrgang W» Der Gang nach Moskau. —V.' W i e n, 2*>. ftfbrirr Das Hetz von geheimen Abmachungen, Vertragen «nd Versprechungen, das von den Gewaltpolitikern der Entente über Europa gespannt wurde, wird jetzt durchrissen. Amerika wendet sich mit dem scharfen Mitte! der llbstinenzdrohung gegen die Ententepolitik, die alle klugenblicke die Gefahr neuer Konflikte bringt und in keiner Frage zu einer halbwegs befriedigenden Lösung gelangen kann, weil sie nicht imstande ist, den Zusammenhang der Weltprobleme zu erkennen. Daran hat die Arbeit der Friedenskonferenz von allem Anfang an gelitten und in dieser Feststellung ist auch zugleich der Nrund zu erblicken für die von Stunde zu Stunde sich vergrößernde Not Europas, die sich nicht mehr auf den kaum zwischen Donau und Wolga beschränkt. Die Völker der Entente und viele, ihrer führenden Persönlichkeiten haben schon seit geraumer Zeit die Notwendigkeit wahrgenommen, diesem Zustand auf dem raschesten Wege ein Ende zu machen und alle Kräfte aufzubieten am dem politisch-sozialen Radikalismus, das - erste und f Achtbarste Ausdrucksmittel des Massenhungers, das Gebiet abzugraben. Aber die Regierungen lieben, 'wie Jets in der Geschichte, so auch jetzt, ein. bedächtiges Tempo und wollen die ihnen bertraut gewordene . Methode der langsamen Abwicklung der Konferenzen und .Expertisen nicht ausgeben.' Sie sind zudem, in ihren gegenseitigen 'Streitereien, die sich in Kleinigkeiten -der in GeschastspaLriotismus ergehen, ait sebr befangen, ÜS daß sie. sich zu einer freien, und gerechten Beurteilung Gesamtlage aufrasfen könnten. Die nur zu sehr ße* rn und -beseitigen konnte^. legt sich wie ein schwerer »mmschlch vor den Wagen Europas. Aber da die-Ent. jvicklung stärker ist als die Manschen, so ist heute die zesamte internationale? Weltvon einer Unruhe erfaßt wrden, wie sie sich in früheren Jahren immer nur in rhr schweren, politisch bedrohten'Tagen gezeigt hat und Aie aus der. Uneinigkeit resultiert, mit der die allmächtigen- Weltenlenker in Paris die nächsten Dinge trachten. $ In der durch den. Condottiere-Streich des Herrn L'Annnnzio aufgewirbelten Fiumefrage, die durch ein« Hache Volksabstimmung so leicht-zu'lösen wäre, zeigt sich -?por allem die Unfähigkeit dieser Diplomatie. Dann aber, -förmlich im grellsten Sonnenlicht, tritt sie in der Be- Handlung der Russischen . Frage heraus. Man will Rußland schlagen und sich mit ihm vertragen; man muntert, Polen zum Krieg auf, verweigertihm aber jede Unterstützung. Dadutch ist zunächst , die internationale Stellung der Leninregierung außerordentlichgestärkt und die einheitlich und unter dem Gesichtspunkt der Eroberung der Welt für eine den jetzigen Zeitläuften entsprechend magnetisch wirkende Idee aeleitete Politik Moskaus zieht ganz Europa in ihren-Bannkreis., Sie ist in Rußland selbst in einem an die Zeiten Napoleons Erinnernden, Siegeszug begriffen und hat jetzt Archangelsk erobert, wodurch. alle in Nordrußland stehenden ’ Armeetrümmer der: Gegenrevoltttionären rettungslos ab geschnürt sind. Sie ist zum Herrn, der Ukraine geworden, stützt ihre Flanke unangreifbar an das Schwarze Meer, und geht in einem .aufreizend langsamen, aber sicheren Vormarsch gegen Mittel- und Düdostenropa. Wenn sie, wie sie-selbst verbreitet, die genügenden militärischen Kräfte besitzt, so kann sie das ganze auf Schwimmsand gebaute Staatenkonglomerat ententistischer Marke bis ins Innerste erschüttern. - Mit dem russischen Problem hängt die Ernährungssicherung Europas, ferner aber auch die staatliche E"tjoirflimg der Polen. Tschechen, Oestcrreicher und Rumänen zusammen; an das-russische Problem ist. die Zukunft Vorderasiens, der Mittelmeerländer und der Indien'vorgelagerten Gebhete gekettet; die russische Frage steht im engsten Kontakt mit der innerasiatischen, chinesischen und japanischen, dadurch, aber auch mit der amerikanischen Politik. Kurz,, wie immer-man die Dinge betrachtet, stets bleibt Rußland und sein Verhältnis zur übrigen Welt der Angelpunkt aller ans den Frieden znfiihrenden Anstrengungen. ... . - Und wie ist doch diese Kardinalangeleoenheit. der ganzen weißen Welt perpsiischt worden? Wie ist das ganze Friedenswerk verstümpert Wörden? Man br aucht mir die Behandlung der, vom Standpunkt des Weltgeschehens aus aesehen. armseligen österreichischen Frage Die Sitzung des Großen zionistischen Aktionskomitees. Die bisherigen Debatten. London» 19. Febnrar. (Tel. der ,Wr. Morgenzeitung.") D Große Aktionskomitee hat disdie erste Hälfte der Tagesordnung erledigt. Es wurden die Debatten üer die all- 1 em eine p o l itif ch e L a g e im Anch^ntz an die R ferate Dr. Weizmanns und Sokolows über die Kolo u i ätion in P äläftin a (Referenten Julius Sims n, Dr. Artur R u p d i n und Boris Goldber g> und über die Kulturfragen (R ^reuten Dr. Sch'marlabu L e w i n und Dr. W e i z m a n «) zu Ende geführt, Sodann folgten die Berichte der terren Hillel A l a t o p o l s k h über die ulturarbeit in Rußland, Adolf Böhm Über die K u l t n r a r b e 11 inO e ft e rr e ich und P o d l i s ch e w s k h Über die Kulturarbeit in P o l e n. JAdische MMenversaMmlnAg. Eine Rede. Strickers- Am 17. Februar fand in der Great Wembly Hall eine von mehreren ' tausend jttd^cher Bürger besuchte Der samm lu»g zu Ehren der in London anwesenden Führer des jüdischen Belkes statt. Den Vorsitz führte Herr S o lr o l o m. Er bestr'rtzte unter großem de eisterten Beifall dis 'Repräsentanten detz zionistischen Bewe ung. Sn der Berfainmlung, die einen erhebenden Verlaus nahm» spräche« Dr. B e r n st e i n - K o q a n (Kischinew^ Dr. Israel Ea l e b (Konftantinopey, Abraj b ams (Südafrika), Sprinzak (Hapoel Hazair), Po d lis ch ewsth, Dr. Le« M o tz k i n, Dr. W e i z m a n n, Dr. Schemarjahtt L r w i n, Dr. Alsred Klee (Berlin) und Abgeordneter Robert Stricker» Stricker überbrachte die Grütze deS'' Wiener Judentums, öas, obwohl selbst in Rot. die vor dem v Krieg geflüchteten ostjüdische« Brüder bei sich ausgenommen und geschützt hat. Im Judentum Wiens hat sich der national- Gedanke siegreich dnrchgesetzt, die bi«»s fini en assimilatorischen Führer wurden zu«, Brrzicht auf ihre Stellung gezwungen. Das? jüdische Volt in Wien trete für. ein geschlossenes jüdisches P a l ä st i u ai ein. Die Rede wuyde mit stürmisches Ovationen für Stricker ausgenommen. dsm. WirtschWUcheu-.- Zufammem beuch. - Eine ErÄlärung der deutsche« BalutaLommMon. Berttr;.. 2'. Februar. tWM.) Die ständige B a l u t ato m m i f f i o n ersuchte die N e g i e r u n g. auf Gmnd des Artikrls 235 des Ft.rdrnHveUrak>»s ehrstmö mir der W te vergüt m a ch u ng Sk o m m i ss i ö n in Verbindung '>» treten, um aus denjenigen Beträgen, die laut Miteilung d?s Rc chsfinanzm N'ßeriums auf Grund des Friedens- Vertrages bcre.iS abg liefert sind, die M i 1 t e l z u r r h a l t e n. die zur Erna h r u n g u n d W » r t f ch a f t S s ü h r u n g d e S d e u t s ch e n B o l k e S auch bei stärker e r EinschränkunadeSKoniumSunbedlngtnötig tind. Das Re>ch ist durch Abtrennung meitovller Gebiete, durch Wegn itzme der Kolomen. der Kabel. deS gesamten Vermögens im A"slan'se so verarmt, dast ansre chende Mittel für Zahlungen im A Stand: nicht mehr zur Ve'tngnng stehen. Noch nie ist nach Niedeilegnng der Waffen e.n Volk wirtschasilich und ffnanz>ell so arausam durch Aushiinge-. nna. H npehev, Vore,'thaltung und Neberrretung der gciioffciun Abmachungen so gedrückt worden wie jetzt das deuische. Nach H e rg abedeS Goldbestandes -iS auf eine Milliarde M a r k und der ausländischen Effekten, die dem deutschen Besitze zur Be rgung standen, ist in D eu tschl a n d n r ch t.S m e h r Übrig g e d l i e b e n. Die Abnahme dieser E''ek:en wuide in unechorier Weise verzögert. Em Teil der Regieiungen, die die beveffeliden Effekten ansgrgeben hatten, benützte die Gel gmheit. um eine Verbreste Deipstichiung, m auSwärtgcr Valuta -u zahlen, n.cht anmeikennen. Durch Eilös dreier aueländi'chen Effekten konnten daher im Auslände bisher nur geringe Zahlungen geleistet werden. Eine Verfügung über dm Erlös «tz den L quidationen und Scquestrat onen war noch nicht möglich, da jede Abrechnung vorenthalten wurde, und die deutsche Regio ^ung mußte nnt ansehcn, wir ihre Oberhoheit an den G.t des Reiches' qusgeichaltct wurde und LuxuSware» i Werte von M rill ar den von Mark 4 n < Land st r 3 m t e n. Die Zahlungen in diesen eineinhalb Ja-ren mußten einem wesentlichen Telle durch Verkauf von Reichsbanknoten n Auslände und duich groüe n-ne Derpsttchtungrn ln frrmt Valuta ausgesühit werden. Der Valutamarkt mußte unter soll! Belastungen zusammcubrrchrn. Wenn Deutschland d a s g l e r ch e S ch r ck s a l b e s ch i e d r n sem soll tote' D e u t s ch 3 st e r r e i ch, so müßte ihm auS den geleistete« VirseruNiren so viel an Aktiva zur Verfügung gestellt werden» daß eS die zur Bezahlung der notwendigsten Nahrungsmittel btti nächstm Monate erforderlichen Betrage aufbrrngm kan« Ene Finanzierung auf anderem Wege »st Nicht mehü möglich. Deutschland hat durch seine Ablteferungen seinen feste« Wtllrn bewiesen, den Vertrag von Versailles zu erfüllen, «nb wird ^»ics auch weiter tun. Die ständige Valutakommifffon vertraut zuverffchilich darauf, daß die WirdergutmachmigSkommlssion i« Erfüllung deS FriedenSvertragcS der deutschen Negierung dre jetzt bcnöiigten Summen, , wie dieim Artikel 835 vorgesehen ist, fre,geben wird. Sie hält sich zu diesem Vertrauen um so meht( »str berecht gt. als sie in der Erfüllung ihres Verlangenditi Vo,aus''etzung zur A u f r e ch t e r h a l t u n g nicht nur dedeutschen, sondern auch des WeltwrchselmarktcS erblickt. Angriff der Sowiettruppen auf Rumänien? W as hington, 21. Februar. (Funkspruch.) „Sun" meldet aus Bukarest, daß die militärischen Sachverständigen Rn»näniens die gegen den Dnje^tr herannahrnveuRsttruppen ^uf 13Y.0Ü0 Manu Kampftruppen schützen. Aus der T^tsach?, daß di? rrs fische Sowjetrepublik bisher nur von einem Frieden mit zu beobachten, irm dieses-ganze System von Unkenntnis. Utteinigkcit und Dl!elwniislNt«S-zu erkennen, das sich an die ricsetchafte Mnterie des Friedens gewagt hat/ offne die gcringsten Vorkenirknisse und. vor allrin offne die Güte und Groscherzigseit niitziiffi'rngen. die allein das SB&rf hätten fördern können Man hat der Welt einreden wollen, die Macht der realen Tatsachen oder die realen Polen und den nördlichen Randstaaten sprach,' wird in politischen Kreisen Rumäniens geschloffen» d.»tz der An riff Sowieteutzlands aus Rumänien, beziehungsweise Betzarabien nutz eine Frage der Zeit fei. Tale Ionese« habe erklärt, dah Rumän en ohne Hilfe »ng mägiiH die Rottruppen aufhalten könne. ..in immaammmm—« ' Tatsachen der Macht führten znm Ziel deS Friedens) Aber die Aitbcter'der Macht, die immer und zu alle« \ Zeiten Geist und Seele als Illusionen weltfremder Träumereien vernwrfen haben, vergaßen und vergesse« doch das eine, daß^ offne beu rettenden Gedanken bet Solidarität der Völker die Mell da» ReÜ de- KrieaM t nickt entrinnen kann»