Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 386 (18.2.1920)
- Date
- 1920-02-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2979076-2979416-2979464--03403-2989029- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Pieiü GLV §rUn greife: Wie«; Am» «chofe» bt der lS/pedM»», a Cfdlii, radokstr atze. 1 kM a »der i» einer Vers»le»»ßr«e «rafik»; N!on»tltch » . Krone» *0,- Bierteljöhrttch „ «»- Mit Vvstriersan» für Me» und j._ '. vi|i{C»tl09* Monatlich .. Krone« »Q.— i richech«.Sl»wakei: Mimatttch.. Kronen «.— Vierteljährlich „ 24.- ixetichrchr^leWakischtr Währung . Uugeni: üfibtmilUh . . Krone» 20.- Ai«te1,Lhrlich „ 00.- iM mt£tt¥vfflpC9 P»i| CTtHg . I} IliiMttAUllltt ‘ aKoMtli**.. Kronen 12«— «ttreelithrttch .. »«.- *i jg' wMtttlft ^«7386 tv •* . ,7;>'/•- ' : StnithviMftiv t Vrri« SÄ» Keiler Priin«merattv«r» |iv«Mc fi» j Vekem ' MvnnNkch .. Krone« 20« Wlerreljniirllch •„■ . 00« i» Polnischrr Währung — ■ __ Tentschlandr Monatlich . .Mark St.- Monatll Frankreich: ch . . Fr< auk» 0»-^ Italien: * Monatlich . ... Lire Sr» Dchlvelz: . » Monatlich. . . Frank- 2*— Redaktion ». Administratio» Wten.S. Bez..Laborstrüi^-H Telephone: Administrativ» 440:^. Redaktion 4»SNa ad 0 Uhr abend» Rr. 10801 Postsparkassen konto 150.621 Wien, Mittwoch, den 18. Februar 192« 2. Jahrgang Hnszars Paprika. ■ —y. Wien. 18. Februnr. ' Die ungarische Nationalversammlung von Horthy und' Henkers Gnaden hat vorgestern ihre erste Sitzung gehalten. Die Begrüßung durch-ie Regierung war dieser Versammlung würdig. So hat man einen Minister' Präsidenten noch nicht keifen gehört, der in seiner Rede allerdings zwei Wahrheiten gesagt hat: Daß Ungarn schamrot vor dem Urteil der Völker steht und, daß die Welt Ungarn nicht gekannt hat. „Die Budapester Herren" — hat vor einigen Tagen der „Temps" gesMieben „fühlen nicht, wie, komisch sie wirken." 'Und ^sachlich wirkt die Rede Huszars wie ein Chanson aus einem Budapester Nachtlokal. Eine Kuh mutz lachen> wenn sie von Huszar die folgende Darstellung der Vorgange in Ungarn vor dem Krieg vernimmt: Jahrzehnte hindurch habe eine systematisch vorbereitete innerst Zersetzung, eine von außen kommende Propaganda und eine falsche Demagogie die staatliche' Ordnung zerstört, die Autorität untergraben und eine leichtfertige Wirtschaft habe das Land materiell ruiniert. Wo hat dieser Mann die Jahre zugebracht, in denen die Tisza-Gendarmen die streikenden Feldarbeiter wie Hasen jagten, in denen das Parlament von den widerlichsten nationalistischen Phrasen widerhallte, in denen die Kerker mit deutschen, slowakischen, serbischen oder rumänischen „Agitatoren" gefüllt wurden, in denen eine Sippschaft von Börsengaunern, adeligen Hasardeuren/ Roßtäuschern samt ihrem Pmrdurentrotz in homagialer Gesinnung von dem Gewerbefleiß des benachbarten Oesterreich fette Pfründen m denen die männliche Jugend der Dörfer nach Amerika Züchtete, in denen magyarische Wahlen, magyarische Korruption, magyarische Gentry zu festen, scharf umgrenzten Begriffen wurden, die dfe ganze- Welt, mit Ekel hörte,- Dieses Land , mußte zusammenbrechen und dieser Geschichte entspricht es, daß es noch im Untergang sich N'st/Karyiyi an der Spitze^ zur Entente schlagen wollte. politische. und moralische Tod. dieser Gesellschaft war lr-ahrlich länge genüg vorbereitet worden, aber von jenen, die ihre Spitze gebildet'hatten und schamlos genug sind, ach Heute wieder an die SpitztzHU -drängen, ihren Sprecher sbg'en/zu lassen, daß „wir eine auf gesunder, moralischer/ Grundlage fußende Demokratie" vertreten. ' '' Wie sieht diese Demokratie aus? Sie hat durch be° Msfnete Banden, j die > auf. allen Schauplätzen dieses Krieges - davoNgeP^ügelt worden waren, Pogrome veräsistaltet; ihr Heer-ist nach einer Reihe glänzender Siege über jüdische Greise und Mädchen nach Budapest gekoinmen, freilich «ünbywyhlweislich'! erst nach dem Abzug der Rumänen,' -und Hat dort ein Regime, aufgerichtet, has?nup von, asiatischer Steppenmoral als Demokratie bezeichnet/werden kann. Die Henker haben alle Hände voll zurtun. (unh/die Gehängten müssen vor dem Tode noch Ansichtskarten, unterschreiben), in den vollen Kerkern herrscht eine Folter wie zw Zeiten Torquemadas, Flegel M'-Offiziersuniform./die im Krieg Wäsche und Lackschuhe gestohlen' haben, reihen jüdische.Passagiere ans der K isstnbahn r und nehmen' ihnen > die Geldtasche ab. Wenn sie so etwas wiepolitische Gesinnung oder Welt- Anschauung haben, so - ist es dümmste Scharfmacherei -Oer blutrünstigster Antisemitismus. Und sie und das Volk, das' sie'duldet,' sind wert eines Ministerpräsidenten, Ser es wagt, voü einer Pärlamentstribüne herab zu Men, daß die besten Söhne des Landes gemartert wurden, weil sie Ungarn und Christen waren. Den sozialen Umformungsprozeß, den die ganze Welt durchwacht und der sich in seinem Lauf durch die Grenzen des ungarischen Globus nicht aufhalten läßt, sieht dreier Ministerpräsident als das Werk von Personen' an, und die Idee, der sie schlecht genug gedient heben und sie heillos kompromittierten, glaubt er mit den Urteilen .fjuner" kommandierten Richter bekämpfen zu können. Bbla Kun und seine Mitarbeiter, die sicherlich arg gehaust haben, stammen eben/aus den Niederungen dieser ungarischen Politik und haben auf deren, ritterlichen Traditionen ein System errichtet, das sich von dem Geist der Horthy, Huszar und Friedrich nicht sorwerlich unters.chridet. . . . . , Ungarn steht vor dem Gericht. Nicht die Teilnehmer des Obers!?n Rates fi;:b cs, tv: ax dem ’r'eri?» vertraa das Urteil sprechen werden, sondern die zwiü- Eine Krise in dtzMAparaKorrs- Paris. 17. FebMar. :Dsrsitzende der ReparaLionsHaMrMstor^WW^x t, ist zurSckgetrrten. T " nähme des Vorsitzes a b g e l e h n t. ELrr newer ungarischer Vorschlag Budapest, 17. Februar. (Tel.-Komp.) Vezü M ^er in der iüc,ui.ujati|uKU Sröge durch den wtgarsichen Gesandten Dr. Gustav Gratz am 14. Februar der österreichischen Negierung überreichten Note wurde nach von maßgebender' Seite stammenden Mitteilungen Wiener Zeitungen.geltend gemachtdaß daß Eingehen auf das im Interesse' einer einvdrnehmlichen ^Lösung der west, ungarischen Frage gestMe- Anbot Ungarns für Oesterreich mit einem großen taktischen Nachteile verbunden wäre, weil die ungarische Friedensdelegation in diesem Falle dem. Obersten würde und eine Ungarn verlangen könnte. , ’v \ Wie der Vertreter . der; /-^leg'rLtphewHgO^gnje I von kompetenter Seite erfährt, Mt die! gierung dem /Staatskanzler Mw Wnner sie im Falle, als man in OesteMrch sicht sein sollte, daß durch erN^ , , des ungarischen Änboies 'stch^.KiDMÜsche-^^tz'. reichischen Regierung in -den vowNsigarn vWeWyALÜxM: Verhandlungen werschlechtern wüM-'e^erMAW^Mh. , WäM wsMMD WMort auf -W Mich MchM W GrMenMerhandlungen in DÜllly in Schwebe belassen würde. vf v r Pttssrhski Über tzre Bolschewiken. Amsterdam, 16. Februar. Der Warschauer Venchterstatter der „Times^ hattew eine Unterredung mit General P i l f u dski, in : der es dieser als sehr wahrscheinlich bozeichnete, daß die^'Bolschewiken eine Offensive gegen Polen planen. Sie yerstäxken Tag für Tag ihre Streitkräste und bereiten sich zum Angriff 'vor. Man brauche Zedoch nicht besorgt zu sein, denn die Bolschewiken seien schlechte Soldaten. Es fei ausgeschlvssen, daß Polen in diesem Kampfe, unterliegen kö.nne, selbst wennes den Dylfche-,- .MMigeWg^.-^eitteN'Aeschrtznkten' Erfolg zu erzielen. Der. poMM^ 'Wer; FNedensVerhandlungerr. . Warschau, 16. Februar. (Privat.) Eine Abordnung der polnischen s o z i a wd e m o k r a t i sch e n Partei unter Führung des Abgeordneten D a s z'y n s k w wurde vom Ministerpräsidenten Skülski empfangen? um ihre Forderungen über den Friedensschlntz mit- Rrchland zu präzisieren. In seiner Antwort erklärte der Mnisterpräsident, die Antwort ctitffvben Friedensvorschlag der Sowietregierung könne erst ^anfangs März, erfolgen, da sich-die polnische Regierung -mit der Entente in Deri bindung setzen müsse. Die Forderung der Sozialdemo-.! traten, daß die Verhandlungen öffentlich geführt würden, werde erfüllt werden. Auch die Zulassung von Vertretern der Arbeiterinstitutionen zu den Verhandlungen als stimmberechtigte Delegierte sagte!der Ministerpräsident zu unter der Voraussetzung, daß die Delegierten sich auf den Boden des polnischen Staatsgedankens stellen. sierte Menschheit, die sich nicht durch die abgeklimperten Mittelchen jener Diplomatie beirren läßt, die durch ihre! Brutalität' so lange ein Schrecken Mitteleuropas gewesen ist. und die tausendmal mehr Schuld am'/Krieg trägt, als etwa der deutsche Kaiser.. Budapest ist der Herd gewesen, auf dem der Gisttrank der Kr'egs- Verschwörung gekocht wurde, deren Folgen die ganze Äelp noch durch Jahrhunderte ' zu tragen haben, wird. Wenn dieses llngarn beute keine j Schuld zu verantworten hat, so wäre es, sollte man meinen, unklug genug, daß es' seine Vertretung' und Leitung denselben Elementen anvertraut,' die sein Unglück waren. Daß aber diese Leute so sprechen,-wie dies vorgestern .HuSzar getan hat. ist zumindest eine-Dummheit, die bOannllich im V.ölkerleben schwerer wiegt wie . ein Verbrechen. Nationalversammlung. Nahezu: - debattelos erledigte gestern die Nattonak» Versammlung die von der letzten Sitzung her. unerledigt gebliebenen Verhandlungsgegenstände, die einhellig zum Beschlüsse erhoben wurden. j Im Einlaufe der Sitzung befand sich unter anderen^ eine Regierungsvorlage, durch welche die Bezüge des H o ch s ch u l a s s i st e n t e n denen der Mittelschullehrer mit Rücksicht auf das Besoldüngsübergangsgesetz angepaßt werb«tz sollen. Bor Eingang in die Tagesordnung beantwortete tJnt«* staatsselretär >G löckel eine Anfrage über den angedrohteq /Streik der Ninishen Asfistenten. \ Er verteidigte die Unterrichtsverwaltung durch die. GegeiSi Überst-ellung der Bezüge der klinischen Assistenten vor uüß nach dem Umsturz. Es bezogen die Assistenten, bis zu diesen- Zeitpunkte Remunerationen von 1700 bis 3100 Krones und erhalten riebst freier Naturalwohnung, Beleuchtung unti Beheizung sowie die' Verpflegung gegen ein Entstell vonj täglich 7. Kronen. Ab 1. Jänner d. I. beziehen diy -^deutlichen Assistenten ein Jahresgehalt von 13.800 Kronenj die außerordeutlichen jährlich 10.300 Kronen nebst Naturabi Wohnung und unentgeltlicher Verpflegung. In Hinkunft wtthy es außerordentliche Assistenten nur ausnahmsweise gebend Bezüglich der bisher unbesoldeten Hilfsärzte, für die von ihrer Organisation ein Adjutum von monatlich 500 Kronen ver^ langt'wird, schweben Verhandlungen mit dem Staatsamtch der Finanzen. < * Staatsrmgestellte und Beamte. '' , ' Sodann wurde das Gesetz über die Verleihung de^ V e amten ch a r a k t e r s an die mit dem BollstreckungK« Linste,erhöbe«» Sohin witch man . in HinWift " nur mdhr von Beamte«, und nicht von Dienern gepfändet werden können. | Ein hierauf angenommenes Gesetz verleiht den Beamten» charakter auch den Gefangenenaufsehern. j Der sozialdemokratische Abgeordnete Zelenka «rgkerttz bei dieser Gelegenheit einen Antrag seiner Parteigenossen^ der den Aufstieg in die^ Gruppe der'Staatsb e a m t e n a l l e n sit a a t l i ch e n A n g e st e l l t e n ermöK lichen soll. I Die Kr-ditoperationen im letzte« JahrcSvkertcl ISIS. . Das Haus nahm dann die Zuschrist des Staatssekretärs für Finanzen über die. Kreditoperationen des Staates vom 1. Oktober bis 31. Dezember 1919 zur' Kenntnis. (SS tollt.cit 2i/z prozen t i g e S ch a tz s ch e i n e ausgegeben, di, einen Gesam t erlös von 6.001,285.484 Kronenev» gaben. Außerdem ist die Finanzverwaltung für die Beschaffung hollä-üischer Ka.tojf lprvdukte eine Wechselverbindlichkeit von 65,615.027 Kronen eingegangen. Die Schulden« ruckzahlung für die Berichtsperi'ode beläuft sich auf 2.374,842.983. Kronen. . , ' Das Epkdemiegcsrtz. Einen. weiteren Punkt der Tagesordnung Vilbel hls Novelle zum E p i d e,m i e g e s e tz. Darnach erhallen mittel» lose Personen, welche durch sanitäre Maßnahmen an ihrem Erwerb gehindert.werden, eine Vergütung. von 60 Prozent des üblichen Taglohnes. \ . v * Endlich wurden noch die Uebergangsbeiträge für die Volks-, und Bürgerschullehrer im gleichen Ausmaß« wie die den Staatsbeamten gewährten beschlossen. Die blutige« Borfätte in Leoben. Staatsselretär Ekdv sch beantwortete am Schlüsse dee Sitzung eine Interpellation wegen der blutig verlaufene« Hungerrevolte in Leoben. Er erklärte, daß beim Landesgerichte Graz im Zuge besindliche Gerichts» verfahren erst volle Aufklärung über die Angelegenheit bringe« werde. Getötet würden ztvei Gendarmen und drei Z ivilpersonen. Sieben Gendarmen und Vierzeh« Zivilpersonen wurden verletzt. Nach den Aussagen der Gendarmen erscheine festgestellt,'daß aus den Häuser« auf die Gendarmen geschossen wurde.' Ein Teil der Gendarmerie war nämlich vorher von den Demonstranten überwältigt und entwaffnet worden. Der herbei» eilende'Sukkurs wurde dann mit Karabinerschüssen empfangen^ worauf die Gendarmerie'das Feuer erwiderte. Die Ursache der Demonstration war eine Kürzu ng der Mehlr^ät i o n, die wegen einer kurz vorher gewährten Mehlzubuße angeordnet werden mußte. Der Staatssekretär warnt« schließlich vor Lebensmitt-elkrawallen, die zu nichts anderer« als'zu einer Verwirrung des Ernährungsprogramms führe« würden. ' - Nächste'Sitzung: Donnerstag, 3 Uhr nachmütagS» -77^