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Wiener Morgenzeitung · 1920-02-15 · Heft 383 (15.2.1920) · p. Seite 10

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 383 (15.2.1920)
Date
1920-02-15
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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fette 10 ffllm, Sonntag Wiener MovgenzeltuiK 1b. Fevm« ISA . /Wtnas* : toßerte sich Mirristerpräfideut Tufav, die Regierung werde Ich bei der Lösung der Frage der Kriegsanleihe ausschließlich jvn wirtschaftlichen Erwägungen leiten lassen.- Finanz- Ninister Sontag erklärte, bei den Beratungen über diese krage seien bloß wirtschaftliche und finanzielle Erwägungen fsx die Regierung maßgebend. Aus die -Frage, was mit »en Privateigentümern von Anleihen geschehen soll, erklärte »er Finanzminisker. vorläufig keine bestimmte Antwort geben St können. Handelsnachrichten aus Tschechien. Pray, 14. Februar. (Privat.) Der Handel mit R o hinwmitfi freigegeden worden. Dre Eisen- und Emailwerke Barteln « s L C o. A.-G. i n P l l s e n haben ihre Werke in K i s- Nara m in der Slowakei an die tschecho-slowakische Republik rm den Betrag von K 1,750 000 verkauft. .Die tschecho-slowakische Handelskammer in k h r c a g o, dre 800 Mitglieder zählt, wird demnächst gemeinsam mit der tschccho-slowatn'chen Handelskammer in New-Uork rnd mit Unterstützung der amerikarr-scheu nationalen Handelskammer ihre Tätrgkeil aufncdmen. Die amerrkantsche nationale Handelskammer hat bererts Vertreter rn Prag. »Z.v o n" A.-G. für^denGuß von Glocken tirddieFabrikatrorivonMetollwaren in Prag w rd der ^Narodni Listv" zufolge mit emem Kapital jvn K 1,000.000 gegründet. Aktien zu K 400 Nominale. Rene Tariferhöhungen in Deutschland. Berlin» 14. Februar. Der preußischen Landesversammlung ft rin Entwurf über die Erhebmrg neuer Zuschläge zu den Tarifen der Sraatsbahnen. zugegangen. Darnach tollen vom f. März an zu den Frachtsätzen 100 Prozent Zuschlag erhoben md dre Personeufahrpreise verdoppelt werden. Staatliches Kohlenmonopol in der Tfchecho- Slowakei. Prag, 14. Febrnar. ,CeskeSlovö" meldet: Die Koalition tor Regierungsvarteren hat gestern nach den von Seile des lativnalsoz'alist'schcn und des sozraldemokr ätschen Klubs abgezebrnen Erklärungen beschlossen, daß an Stelle der Kohlensteriec ras staatliche Kohlenmonopol emgeführt werden soll, so zwar, tot? der Staat jeden Ertrag, den er aus der Kohlenstcuer ziehen sollte, im Wege des Handelsmonopols mrt Kohle gewinnen oerde. Der Kohlenpreis für das Ausland kann auf Grund der Lalulaernwertung ziemlich bemessen werden. Dre sich sodann ergebende Diffcr^r? zwischen den inländischen Kohlenprers und jenem für das Ausland wird dem Staate zugutekommen. Ausprägung von Hartgel'? Wie wir erfahren, wird Dr. Reis ck-unmittelbar nach ju...: Rückkehr aus Paris « der Nationalversammlung emr Vorlage übcf dre Ausprärung von H a r t g e l d, und zwar 20- und 5<:-Heller-Stücken vorlegen, ks soll sich habet um eine Legierung handeln. Die Zarenrubel werden aus dem amtlichen Gelds verbehre gezogen. Aus Warschau wird uns berichtet: Der Kommissär für dre Ostländer Polens hat an alle staatlichen stirranz-nstüirte und Fiuanrkassen die Weisung gerichtet, in Zukunft -owohl die Einals auch die Auszablung nur rn der polnischen Markvaluta durchzuführea. Dre zarrschcn Rubel »ürien im amtlichen Geldverkehre nicht angenommen werden. — Dre »Reue Zürcher Zeitung" veröffentlicht eme Meldung tzres Warschauer Korrespondenten, wonach die dortige Regierung in den nächsten Wochen zur K o n v e r t i e r u n g der rm Lande zirkulierenden Währungen schreiten werde snd zur S t a b r l i s i e r n n g der Währung den p o l n rscheuGulden erntühren wolle. * Eine Pergamentfabrik in Palästina. In Fern! oljitt gibt es eine anschnlrche Zahl von Juden, deren Berus das Tckrerben von Thorarollen. Mesusoth usw. rst. Es sind das zumeist Künstler in ihrem Fache und ihre Erzeugnisse stehen nickt nur in Palästina, sondern auch m der Diaspora in jutem Ruse. In der letzten Zeit haherr sich die Bestellungen vernehrt. Um auch auf diesem Gebiete den unlauteren Wettbewerb Baute- und Wschsekeschätt BERNHARD MAYER Wien, II., Taborstrasse 8 b, LU «.kr«?«: Alle bankmässigan nttd btfreeugeaebäftlieheo Transaktionen im ln» nnd Auslande. Geldeinlagen in laufender Rechnung. Kostenlose Verwahrung von Depots. VermficensverwaUuugeu. Losrevieionen, Auszahlungen, Ueberweisungon.!w^eWarenabteilung:v"flX"<ii'mr Kulanteste Bedingungen. 8**" Informationen kostenlos. Telegramm-Adresse: „Bankmayer Wien*. 5039 hintanzubalten, haben sich die Sophrim gewrrkschastlrch organisiert. Das wichtigste Rohmaterial, dessen die Sophrim bedürfen, ist Pergament, das nur in eigener vorschnstsmäß aer Bearbeitung sich für das Thoraschrerben eignet. Nun hat die Organisation der Sophrim, deren Sw in Jerusalem ist, beschlossen. rn Jerusalem eine Pergamentfabrrk auf genossenschaftlicher Grundlage zu errichten, um fich von dr« Pergamenterzeugern unabhängig zu machen. Polnisch-amerikanische A.-G. für Seeschisfahrt. Die Ge'ellschaft zahlt bererts über 10.000 überwiegend dem Arbeiterstande angeborige Aktionäre. Bevorzugte Aknen sind bereits für 3l/8 Millionen Dollar ausgegeben worden. Die ersten Organisatoren der GescÜschgtt haben selbst das Geld zum Ankäufe des ersten Dampfers »Kvscruslo" <7500 Tonnend aufgebracht (Ende Dezember m Danzig als erstes polnisches Schiff eingetroffen); nunmehr ist ein zweites Schiff „Wisla" (6250 Tonnen', das Ende 'Februar rn Danzig erwartet wird, angekaust worden. Dre Flotte der Gesellschaft wird weiterhin folgende Schiffe aufweisen: „Krakow" <8000 Tonnen), »Poznan" (8500 Tonnen), „Gdanski" (Passagierdampfrr. 10.500 Tonnen^. „Warszawa" (8000 Tonnen) und „Palasli" (7500 Tonnend Das Bureau, der Gesellschaft desindir^sich in New-Nork; rn anderen Städten der Bereinigten Staaten sollen Zweigburcans eröffnet werden. Privatverkehr. Im gestrigen Privatverkehr war eine Zurückhaltung der Spekulation nicht zu ve, kennen Lediglich für B a n k e n w e r t e zeigte sich einmes Interesse, wogegen die übrigen Kategorien angebolrn waren.. Zu einem Abschluß kam es nicht. Valutenkurse. Jur gestiigen freien Verkehr waren fremde "Zahlungsmittel abermals b i l l i g e r crhäl'l-ch. Es notierten: L e r n o t e n K 4.45, Rubelnoten K 3.15, Marknoten grün K 3.90, M a r k n oten rot K 4.15, Lire K 18.50, Dollars 320%- und tschechische Noten K. 3.15. „Elbemühl." Wir erhalten folgendes Comnrunigns: In der Sitzung des Bcrwaltungsratcs der „Elbemühl" Papiersabriksünd BerlagsgefcÜschafl teilte der Präsident Herr Richard Kola mit, daß der Generaldirektor der Gesellschaft Herr Ernst Prinzr o r n infolge des Wechsels der Aktienmajorität um Auttvsung seines DienftvertragkÄ ersucht habe. Es .ser .dem Präsidenten nicht gelungen, Generaldirrttor Prinrhorn zur Rücknahme seines Gesuches zu bewegen. Dag'gen habe sich der Generaldirektor über ferne Bitte bereit erilärt, im Aerwallungsrale und rm l^ckut'.vkom'tee der Gesellschaft zu verble.ben, sow'e seine Stellungen, als Präsident der Lenzinger Pavierfabriks A -G. und als Vtiwaltnngsraismllgklkd der . Kon-erngescVschafien beizubehaltrn. 'Der Verwaltungsrat ualnn die Demission des Generaldirektors zur Kenntnis. Mit der Leitung des Unternehmens wurden die Mitglieder des Veiwalrungsrates Dr. Gottfried K u n w a l d und Grncraldirekior Siegmund Rosenbaum betraut. Börse für landwirtschaftliche Produkte. Wien» 14. Feburar. (Orig-Bericht.) Dre Tendenz der/ amerikanischen Werte rst von größeren Schwankungen Dadurch verschont geblöden, daß große curoparsche Karrfausträge der Wirkung sehr günstiger Witterrmgs- und Saatenstandsberichte ans den nordwestlichen Anbaugrb'etcnein Parole boten. Die Asiat aung der Spekulation rst überhaupt bescheidener geworden, da hinsichtlich de, krmfiigen wirtschaftlichen nnd politischen Entwicklung größte Unsicherheit herrscht, insbesonders darüber, wie lange noch die Preisgarantie für Weizen aufrecht erhalten wird. Denn es ist unzweifelhaft, daß sich dann dre' Betätigung i» Mais und Hase r verringern wird und auch: die Preisbildung dürfte sich dann natürlicher gestalten. Für unsere Versorgung kommen die amerikanischen inneren Verhältnis^ nur wenig in Betracht, denn unser Einfnhrhandel ist mit Rücksicht auf den Balutastand nahezu unterbunden. Den heimischen Getreidefirmen. dre über langjährige Beziehungen zu ähnlichen Häuser» auf den maßgebenden Weltmärkten verfügen, eröffnet sich eine neue Aussicht aus Geschäftsverbindungen. Wie uns mitgeteilt wird, erhielte» verschiedene Firnren seitens französischer Komritrnte» Aufträge, in den N a t i o n a l st a a t e n Getreide für sie «m° zukaufen. Im heimischen Geschäfisverkehre allerdtuas ist keine Besserung zu verze chnen, die Markttage am Wiener-Platze zeige» allgemein guten Besuch, allein der Geschäftsumkatz bleibt gering, da freiwillige Anlieferungen der Landwirtschaft nur im bescheidensten Umfange zum Markte gelangen. Immerhin konnte« heute in Sämereien, Nähr- und Futterstoffen kleinere Umsätze zustandegebracht werden, allerdings erst der Bewilligung von Preisen, welche die Borwochenhöhe bei wertem überschritten. kleb» die landwirtschaftliche Entwicklung lauten dre Berichte günstig, die Aussichten für d e künftige Ernte sind vielversprechend, falls wir vor Kälterückschlägen verschont bleiben. ' Die Devisenkurse. Wien, 14. Februar. .Kurse der osterr. Devisenzrvtrale.) Amsterdam 9475.— 9475.—). Berlin 330.— 345.—), Zürich 4875.— r4875.—), Kovenhagen 4600.— (4800.—),-Stockholm 5650.— >5750.-1, Mark-Noten 329.— <344.-), Ler-Nvte» 390.— (420.—), Ltva-Noten 345.— 845.—), Schwerzer Note» 4850.— (4850.—), Französische Noten- 2030.— (2080.—), Italienische Noten 1650.— (1700.—), Englische Noten 975.— (980.—), Dollar-Noten 275.— .280.—-.Rubel-Noten (Romanow») .260.- (260.—1. . Wien, 14. Februar. (K nr s e im fr e ren Verkehr': Agram 250.— bis 270.—, Budapest Postgeld 112.— bis 122.-. Budapests 10.000er 113.— brs 128.— Budapest 1000er 115— brs 125.-, Krakau 145.— bis 155.—, Prag 305.— bis 325.—, Tschecho-slow. Kronennoten 5000er 310.— bis 330.—, kleinere 310.— bis 330.—, S. H. S.-Krcmennoten 180.- bis 2(.0.—.' Prag, 14. Februar. kKurse der Drvisenzentrale.i Amsterdam 3898 50 389850', Wien 29.50 (29.50), Berlin 103.75 1108.75', Bukarest 14850 (148.50-, Sofia 153 50 153.50), Zürich 1748.50 1748.50. Kopenhagen 1608.50 (1608.50). Stockholm 1943 50 (1913 60 . Mailand 563.50 .563.50), Pari» 723.50 728.50 . London 354.50 (354.50), New-Mrk 105.50 (105.50), Brüssel 748.50 (748.501, Mark-Noten 100.75 -105.75), Oesterreichckche gestempelte Kronen 26.50 (28.50', Bulgarische lltoten 138.50 138.50-. Ler-Noten 133 50 (133.50», Schweizer Noten 1745.50 (1745 50), Italienische Noten 558.50 (558 50». Französische Noten 719.50 (719.50 , Englische Noten, 351.50 (351.50). Amerikanische Noten 1«-3 50 1.03.50, Schwedische Noten 1989 50 (1939.50) , Dänische Noten 1604.50 (1604.50'. Berlin» 14. Februar. (Kurse der'Dcvisrnzentrale.'i Holland 3746.— <3721.—), Dänemark 1'468.— (1448.50), Schweden 1868 - (1848.-1. Schweiz- 1648.25, (164825), Wien altes 39.46 (37.86), Wien abgestempelt 82.97 (29.97), Prag.98.90 06.90). Budapest 3496 (33(71), Italien 549.50 (544.50) , London 340.65 (839.65), New-York 100.40 (100,40V Paris 701.80 (699.30). Zürich, 14. Februar. (Devisenkurse.) r Berlin 6.10 6.10. . Wien 2.05 (1,901 ' 5.50 5.80, Holland 225.50 227.50', New-York 605.- (605.-1, London 20.66 <20.60;, Parts 42.50 <42.50), Mailand 33.25 (33.50), Brüssel 44.50 (44—), Kovenbagen 88.50 89,-1. Stockholm 113— <113.—', Christ,ania 104.— (103.—), Madrid 105.50 (105.50) , Buenos-Aircs 268.— (262.—), Kronennoten. östrrr. gestempelte 2.25 -225), Kronennoten. ungestempelte 2.25 (2.25). ALLGEMEINE DEPOSITEN BANK OEGRÜNDET 1871 WSEK,!., SeHOTTENOASSE 1 GEGRÜNDET 1871 Wiener Wechselstuben c h Teinkattstrasse 2 I Rotenhirmstrasae 29 JL Taborstrasse 7 UI. Hauntstrasse 10 J\*. Luisengassc 35 IV. Ralnerplata 2 VII. jMariRhiUer8tra8se74b VII Neubaugasse 44 VIII. JosefsiSdterstrasse 04 XIII. Hauptstrassc 3 XIII. Hrwenseersirasse 6 XIV. Sparkassaplaiz t Xyill. wahritigerstrasse 34 finalen s Raden bei Wien, Graz, Linz, Steyr, Oderbeig > Bahnhof, Czeniowitz 200S Aktienkapital u. Reserven: K 121,500.000. Besorgt sämtliche Barilcgeschäfte und industrielle Transaktionen. ' Zahlungen an die Wiener Vieh« und Fleischmarktkqsse werden bei siünt*, liehen Zweigstellen übernommen. ‘ Menachem Mendel. Ein Briefwechsel. Herausgegeben von Scholem-Aleschemr TnL d«m Jüdischen übertragen von Siegscied S ch m i tz. Das dritte Bündel Briefe. „Millionen." (Händler, Makler und Spekulanten.) (23. Fortsetzung.) 9. Brs es. Menachem Mendel aus Jchupez m seine Frau Schein -Sch:indel in Knsriliwke. Der teuren, edlen, tugendhaften und klugen Eüefrau Scheine-Scheindet ineinen Grus;! Äum ersten set Dir kundgetan, das; ick — dank Seinem lieben Namen! — ge,'nnd bin und mein Leben das tes Friedens,: der Herr,,gelobt sei er, möge helfen, daß eines vom anderen nur Gutes höre in guter Botschaft zu Trost und Heil — Amen. Zum zweiten wisse: Das Häusergeschäft ist lüt Dreck. Ich habe mich beizeiten auf einen anderen Erwerb geworfen, auf Güter. Güter — das ist ein ganz anderer Artikel! Erstens muß rnan dabei keine Stiefel zerreißen, man schreibt einen Brief, legt einen ,,Plan^ bei, der Käufer fährt hin, schaut sich die' Sache »n und es wird mit Gottes Hilfe ein Geschäft. Und zweitens macht man das Geschäft nicht mit Bettlern und Habenichtsen; man hat mit Gutsherrn zu tun, mit Edelleuten, Fürsten und Grasen. Du wirft natürlich fragen, wie ich zu Grafen iomnie . . . Das ist eine lange Geschichte! Du weißt ja, daß ich mich hier nicht aushalteu darf . . . und so kommt es vor, daß die Polizei einmal zur Nachtzeit im Gasthof eine Neoifion hält. Da gibt uns die Wirtin schon vorher davon Kenntnis, damit wir beizeiten verschwinden wie Salz im Wasser, der nach Boürisk, jener dahin, der dort- Mnhumut aber auck vor. . dak die..Wirtin nickt im voraus weiß, wann die Revision sein wird: das ist schlimm! Düs-: Woche nun liegen wir alle Gäste ruhig und schlafen; da hören wir es klopfenl Die Wirtin - springt herern, zittert am ganzen Leib und ruft uns zu: Hilden, Leute, krieckt ins Stroh!" — Das war ein Huschen- und' Verstecken! Der in den Keller, der in den Hof und ich — in meinen alten lieb en Ort — auf den Boden. Und Hinter mir noch jemand, ein kleiner, dürrer Jude aus Kameneh. Wies wir . so in unserem Schmerz auf dem Dachboden liegen, höre ich den armen kleinen Juden schwer seufze Warum seufzt Ihr? — frage ich leisei „Ach und Weh ist mir" — sagt er — „ich habe meine Papiere unter dem Kopf- Polster liegen lassen!" —. .Mas für Papiere?" — flüstere ich ihm zu. — „Oh" — antwortet er — „sehr wichtige Papiere! Ihr Inhalt ist mehr als eine halbe Million!" Wie ich von einer halben Million höre, rücke ich leise meinen kleinen Juden nähex und frage ihn: „Wie kommen zu Euch so wertvolle Papiere und was sind das für Papiere?" „Das' sind/Güter" — sagte er mir — „ich habe Güter, im Gouvernement. Wolhynien, große Güter, mit dem besten. Inventar, mit Pferden. Ochsen und Schafen ohne Zahh mit Wassermtthleu und Almhütten, mit großen. Höfen, prächtigen Gärten und allem, was man sich nur wünschen kann!" Wie ich das höre, rücke ich meinem Mann , noch näher: „Wie kommt. Ihr zu so viel Güter mit ' 'solcher Pracht?" „Die Güter" — flüstert, er mir zu — „sind nicht auf meinem Mist gewachsen, das sind herrschaftliche Güter, doch ich habe.sie in.der Hand, das heißt, ich bin der Verkäufer; deswegen bin ich eben hcrgekommen und habe alle Papiere mikgebracht, alle Pläne-. . . Wie glaubt Ihr, werde ich nicht, Gott behüte, zu Schaden kommen?" „Gott bewahre" — sage ich — „wer braucht fremde Sachen? Der Herr möge uns nur beistehen, daß niemand zu uns auf oen Boden i hinauskriecht" — sage ich und dapn gehe ich ihn von einer anderen Seite an: „Nun. hier schon mV' OMM geWM mit Euren. „NM" i — antwortet er — „ich habe Angst vor'den hiesigen. Maklern; sie sind, wie man erzählt, große Lügner; und haben kein wahres Wort lauf der Zunge. Vielleicht wißt Ihr von einem Gütermatl^r, einem anständigen Makler, vor allem einen ehrlichen,, keinen Lügner?" „Aber" — antworte ich — „mit dem größten Vergnügen! Ich selbst" — sa.)e ich — '„bin Girermc.kler> das heißt, mit Güter habe ich in'nreinem Leben noch! . nicht gehandelt; aber ich meine, wenn nur mit Gottes Hilfe ein Kunde kvmmt, so ist es kerne Kunst, auch Jn Gütern zu machen." . „Ich. sehe" — 'antwortet er mir — „daß ich. es mit einem geschickten Menschen zu. tun habe und . einein ehrlichen Mann; gebt mir Eure Hand zum Pfands daß das, tvas wir hier sprechen, unter uns .bleibt/so will ich .Euch alles ange'be'n: tvö me.irre Güter'liegen und tvas ich habe/' Kurz uud gut, wir haben 'mit'; Gottes Hilfe ein Geschäft gemacht, das 'heißt,"wir haben Halbpart beschlossen für alle . Geschäfte; er bringt in diese Gemeinschaft alle jetue Güter ein ■ und ich" -alle meine Kunden. Doch da ich viel zu tun und keine'Zeit habe, fasse'ich mich kurz; so Gott will, -werdeith, Dir im nächsten. Brief alles genau.berichten. Jetzt gebe Gott nur Gesundheit und Glück. Grüß' hie. Mnder, sie sollen leben, und jeden besonders gar cherzlich von - ■\ c-, Deinen! Gemahl . , Menach?m. Mendel» R ich t iö; d a $ Wi ä/t t g st-p Di«. PaniE ütt Gasthvf war ein blinder Lärm. Ein^Nachbär hak in* tümltch an unser Fenster. geklopft und wir haben uns ganz unnötig versteckt. Daraus sieht man aber, daß es gut ist, wie der Herr lenkt. Denn hätte -zum Beispiel der Nachbar nicht ans Feilster geklopft, wäre keine Pauit aus gebrochen, ich wäre nicht aus den Boden gekrochen, hätte nicht den Inden aus Kamenetz kennen?- gelernt und wüßte nichts von Gütern und Grafen. Jetzt fehlt nur noch ein bißchen Glück. > ../ Mr OJ>w. u (Fortsetzung folgt.),

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