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Wiener Morgenzeitung · 1920-02-12 · Heft 380 (12.2.1920) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 380 (12.2.1920)
Date
1920-02-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Mry-»M»mprarr örei« SO Helle» Präuumeration»- preise: Nie»; Zmn Mkiolm tu der frtKMflon, L vezirf, Tabor- 1 bi» 8. «der In einer ■ Serfldlrihstelke iTrafik»: WomtfUrf». . Kronen Iß.— vierteNShrlich ,. 8*- SfiU Postrerkand 'ür Wien und Oefterrelib: Monatlich . . Kronen 18.— Tilbecho-Slowakei: RvttnMch . . Kronen 8.— visrtelsiibrttlh »» l*.— d tschechoslowakischer Dührnng , Hnflarn: pronnttich. . Kronen 18.- VierteljSnrlich 8«.— in Ungarischer Währung r^gostawien: Monatlich .. Kronen 0<- vterteUSHrkich „ *7.— ta jugoslawischer Währung Nr. 380 ik'l rener «BimsiBMUBHi wmim 11 » »oiBn piMimi ii it~btii w wiw rw wna/yu i igr *n>y «yMNnTffnaJft ©liijfWfj mpttüf i Vrrks SO Helle» Pränumeration»»! preise für Polen: Monnirich .. Krön« er. Vierteljährlich .. 8», in polnischer Währung _ Deutschland: Monatlich . . . Mark Frankreich: Monatlich . Frank» _ , Jtallrnr j Monätlich .... Lire 8*4 Schweiz: '» Monatlich. . . Frank» *«-»? Nedaktionn. Administrativ» Wien.S. Bcz.,Taborftr.1-S Telephone: A^mlntstratto» 44«» «. «kedaktion 4881K ab 8 Uhr abend» Nr. 10» Postsparkassenkonto 180/ --—Sl Wien, Donnerstag, den 12. Februar 1920 2. Jahrgang « 3sa Slawische Parteiströmungen. ' —1c. W i e n. 12 Febrnnr. Innerhalb aller Völker und nicht in letzter Linie innerhalb der slawischen Volker macken sich in der jüngsten Zeit immer schärfer die Gegensätze zwischen jenenPolittkern ^merkbar, von denen die einen ihre vor dein Kriege betriebene Politik fortsetzen möchten, und die anderen lne Notwendigkeit eines neuen Kurses begreifen. Be. jönders prägnant trat dieser Gegensatz in der großen Debatte über die äußere und innere Politik des tschechoslowakischen Staates zutage, in welcher Dr. Kramar,ch rls Vertreter des alten Kurses, der Minister desAeußern, Dr. Benesch, als Vorkämpfer einer Neuorientierung kur eine Verständigung und für den Frieden Zwischen Yräg und Wien, Warschau und Budapest eintrat. Don dem Siege der einen oder der, anderen Nicktnng in Tschecho-Slowakien wird es nnn znm großen Teile abhängen, ob die langjährigen Kämpfe, die in Böhmen und seinen angeschlossenen Gebieten seit Jahrzehnten dauern, in verschärftem Maße ihre Fortsetzung finden und den Staat seinem politischen wie wirtschaftlichen Nmn entgegentreiben oder aller zu seiner Umwandlung in einen modernen Rechts-, Kultur- und Wirtschaft?- staat führen werden. Man muß nickt mit allen Ein-clholten der Ausführnngen des Ministers Dr, Benesch sich identifizieren: immerhin muß man den großzügigen Gesichtspunkten, unter denen er die gesamtslawische und.' gesamteuropäische Politik betrachtet, Verfall zollen, und . wenn er seine Anschauungen in der nationalen FMe>rn die PtaxiS, ..umsetzt und auch, auf die Juden anwendet, dann kann man einer solchen Politik, insbesondere wenn sie ans den Ausgaben der neuen Demo. kMie die richtigen Konsequenzen ans sozialwirtschaft, sichern Gebiete zieht, die Sympathien nicht versagen. Die Punkte, in welchen die zwei Hauptstromungen der tichechftchen Politik sich trennen, haben eine über den Rahmen des tschecho-slowakischen Staates und seiner Bevölkerung siinansreickende Bedeutung. Dr. Kramarsch vertritt da? Ideal, eines tschechischen Nationalstaates mit der Vorherrschaft der tschechischen Nation oder noch genauer präMert: der tschechischen Bourgeoisie. Dr. Benesch hat sich bereits im Sinne des Präsidenten Professor Wasäryk und des Ministerpräsidenten Tusar zur Erkenntnis des tschecho-slowakischen Nationalitätenstaates dirrchgerungen. Während Kramarsch alles Heil von einem starken Rußland erhofft und auch vor einer Intervention daselbst nicht zurückschreckt, sieht Benesch das Heil Tschecho-Slowakiens nur im nationalen Ausgleich seiner Völker, in einer Verständiaung anch mit Deutschland sowie weiters in einer friedlichen Lösung des russischen Problems im Sinne der nationalen und sozialen Gerechtigkeit gegenüber allen seinen Bewohnern. v; Die Notwendigkeit eines neuen Kurses ergibt sich für die tschechischen Politiker auch schon daraus, daß im rnrgen Zusammenhang mit dem russischen Problem äuch die polnische nnd ukrainische Frage siebt, die beide um so mehr in den Vordergrund des Interesses im tschechoslowakischen Staate treten, als sick auf fernem Gebiet äuch polnische und ukrainische Bewohner befinden, von denen die letzteren, anch eine nationale Autonomie besitzen. Es gab eine Zeitlang einen ausgesprochen polenfreundlichen KurS innerhalb der Reihen der tschechischen Ubaeo'-dns'ten im österreichischen Parlament' eS toi. dies dis Zeitperiode. in welcher sowohl die deutschen rme ^ie tschechischen bürgerlichen Abgeordneten die polurschen Stimmen zur Majorität benötiaten. Speziell die Kramarschgrnppe erblickte in den Ukrainern keine selbständige Nation, sondern nur Russen, und rechtfertigte vorwiegend damit ihren damaligen volonophilen Standpunkt. Seitdem aber durch den Weltkrieg die ganze europäische Situation geändert wurde und seitdem weiters die ungarischen Ukrainer mit dem tschecho-slowakischen Staat vereinigt wurden, hat sich das Verhältnis zwischen Tschechen und Ukrainern vielfach geändert, um so mehr, als die Tschechen in Schlesien und die Ukrainer in Ostgalizien demselben polnischen Gegner gegenüberstehen. Nach der letzten polnisch-rnmänischen Invasion in Ostgalizien. die gleichmäßig gegen Ukrainer und Juden wirtete, machte sich in ukrainischen Kreisen vorübergehend et... russische Orientierung . ltend. Man e *liirte'f daß die von allen Seiten verlassene ukrainische Nation, in deren.Reihen selbst verschi'-^ene Richtungen gegen-! einander strebten, urnter den vorhandenen liebeln das ülemtze Wählen Md M Rußland, jreUich nicht einer Gutschkow über die bolsche-! wikische Gefahr für Europa.! Berlin, 11. Februar. (Wolfs) Der frühere Präsident der russischen Neichsduma, Kriegs- Minister a. D. G » t f ch k o w, änhevte sich gegenüber einem Vertreter der Kulturlign sehr ernst über die Gefa r des Bolschewismus kür Europa. Die Lage Europas, nicht nur Deutschlands, fei noch niemals fo ernst gewesen. Rach vollkommen sicheren Nachrichten würden die Bolschewiken iw Frühiahre eine arotzeOffensive gegen Polen und Rumänien ausnehmen. Die Lage des polnischen Proletariats sei geradezu furchtbar. Polen werde bei einem ernstlichen Angriff der Bolschewiken unterliegen. So rücke auch für Deutschland die boUchewMschs Gefahr in unmittelbare Nähe. Aaterlirqen dis Polen, so würden sie mit den russischen Bolschewiken gemeinsam gegen Deutschland agieren. Gutschkow bezweifelt, daß eS gelingen werde, auf diplomatischem Wege die Bolschewiken von einem Vormarsch gegen Deutschland abLuhalten. __ Die Bolschewiken im Norden von Odessa unter starken Verlusten zurnckgeschlagen. Bukarest, 10. f^cbrttar. Der llkrain scbe Pressedienst mckdet: Die ukrain schen Truppen haben sich mich Verlassen'von gkzoaen. D e auS" 'Kr' Richiung-' voilDdesia imd Cherson vor»' dringenden botsckiewikvchen Streitlüste wurden unter starken Derluilen Mückaeschligtn. Die Duiiia'nde gegen, die Bolschtw'ken in der Maine nehmen an Änsdrhnung zu. .De> Fiihrrr dcr Anfüändnischen, M a ch n o. hält mit 30.000 Mann das Gebiet zwischen Ickilowetarad und Nikolaj-w. bestimmten russischen Fraktion, paktieren müsse. Diese russische Orientierung war aber nur eine vorübergehende; selbst ein ansehnlicher Teil ihrer Anhänger wurde deshalb kopfscheu, weil rast alle russischen Parteien die Ukrainer als Russen betrachten und jene nationale Selbständigkeit, welche die Ukrainer fordern, ablehnen. Dazu trat aber noch der weitere Umstand, daß ein ansehnlicher Teil der Ukrainer der Meinung ist, daß für die Entwicklung der llkrainischen Kultur und die freie Entfaltung des ukrainischen Volkes gerade in Ostgalizien, wo die. Polen gegenüber den .Ukrainern nnd Juden eine Minorität bilden, die Polen schon darum minder gefäbrlick seien als die Russen, weil die Polen unter dem Drucke der Entente immerhin eine gewisse nationale Autonomie den Ukrainern zugcstcben müssen. Sollte dies aber nicht der Fall sein, sollte man auf polnischer Seite sich nicht zu einem weitgehenden Entgegenkommen gegenüber den Ukrainern entschließen, dann allerding" ist die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, dß selbst die einem konservativeren Kurs geneigten Elemente der Ukrainer in ein Bündnis mit den Bolschewiken getrieben würden. Aehnliche Vorgänge spielen sich auch in Jngostawien ab. Wenn man anch nicht all den Nachrichten ans Kroatien, Serbien, Südikngarn und Montenegro Glauben schenken darf, so ist eines sicher: Die Zn stände in diesen Ländern wie überhaupt in dem ganzen Balkangebiet gestalten sich täglich krisenhafter sowohl aus Gründen der äußeren wie der inneren Politik. Man ist auf der einen Seite bitter enttäuscht darüber, daß Gebiete mit ausgesprochen südslawischer Bevölkernng an Italien fallen sollen nnd damit die gefeierte jngostawische Einigung zur Phrase wird, andererseits diese Einigung unter der Hegeinonie einer großserbischen Militärpartei sich vollzogen bat, welche zahlreiche slowenische, kroatische und selbst serbische Kreise mit dem preußischen Junkertum vergleichen. Alle diese Umstände nebst den unerfrenlichetz wirtschaftlichen^ Verhältnissen ebnen in den verschiedenen jugoslawischen. Gebieten radikalsozialistischen Strömungen den Weg. Welche dieser verschiedenen Strömungen in den einzelnen slatvischen Völkern die Oberhand bebält, wird vielfach auch von der allgemeinen eiirapäischen Entwicklung abbängen, andererseits aber ans das Verhältnis der verschiedenen slawischen Völker zueinander b^liimmend einwirken. Kramarsch gegen die Politik des ' Dr. Venesch. Prag, 11. Februar. (Tschecho-slowakisches Vreßbur.)' Fm Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten wuvdL gestern die Debatte über die Erklärungen deS Ministers. des Aeußern Dr. Venesch fortgesetzt. f Dr. Kramarsch sprach über daS Verhältnis zwischen Staat und Kirche und erklärte, daß sich dieses Problem durch die hohle Phrase von der „Trennung der Kirchs vom Staate" nicht lösen lasse. Auf die Verhältnisse inl Ungarn übergebend, drückte Redner seine Freude darüber aus, daß die Alliierten so energisch gegen die Habsburger Stellung genommen haben. Nach der Einführung der monarchistischen Reaktion in Ungarn sek ein monarchistischer Unlsturz in Oesterreich nicht ausgeschlossen. Gegen diese Gefahr könne sich die. Tschecho-Slowakei am besten dadurch wehren, daß sitz ihre Republik gut ausbaue, lieber die Beziehungen zq den Polen sagte Redner, solange die Polen imperialistische Bestrebungen hegen und solange sie sich nicht mit dem, was ihnen gehört, zufriedengeben wollen^ könne die tschecho-stowakische Republik mit ihnen keintz stabilen Verbindungen anknüpfen. Dasselbe gelte vons Rumänien. Redner habe nichts gegen die engsten wirtschaftlichen Beziehungen mit Deutschland einzuwenden,^ aber das Fundament der tfchecho-slowakischen Politif müsse die Treue zu den Alliierten bilden. Dem Redn«; sei die Romantik in seiner slawischen Politik vor^eworfen j worden, er sei aber der Ansicht, daß der RomantiSmuS j iir &er slawischen Politik im GWN.de genoinmen Jdea< s:lisnuls sei. Es ist vielleicht.möcstich^ sagte Dr. KramarW; daß es romantisch war, waS wir gemacht haben. Abei! j unsere Braven, die bei Zborow, in Frankreich, isi! Galizien gekämpft haben und dann nach Sibirien <je«! gangen sind, hat der reinste Idealismus geleitet. Wir wissen alle, daß unsere.Zirkunst sich bloß auf ein starkess! Rußland stützen kann. Und Rußland wird für unit stark, wenn es frei, dezentralisiert und autonom wirditz Der Bolschewismus wird infolge seiner inneren Nn< Möglichkeit znsammenbrechen. Redner fürchte ihn nichi als eine soziale Erscheinung, denn in dieser Hiw sicht sei er der beste Beweis, daß in der jetzigen Ä« staltung der Gesellschaft die Durchführung der wziaV stischen Ideen bis zu den letzten Konsequenzen absolut unmöglich sei, er fürchte aber den Bolschewismus ip bezug auf die Zukunft, denn feine Verwirklichung müsse zur Reaktion führen, und die Reaktion werde gegen den Sieg der antibolschewikischen Elemente kämpfen, West nur dieser Sieg eine Garantie für die Erstehung eineneuen demokratischen gerechten Rußland, eines slawischen Rußland, das niemals mit Deutschland ein Bündnis schließen werde, bilde. Redner wünsche also, daß di» enge politische und wirtschaftliche Verbindung des tschecho-slowakischen Republik mir allen slawischen Staaten die Grirnddirektive für die zukünftige Politik der Tschecho-Slowakei sei. Dr Kramarsch schloß Gegen die vereinigten Slawen ist jede deutsche Revanche unmöglich. nnd wenn wir politisch so Vorgehen, leisten wir für unsere Verbündeten die Arbeit, die wir zu machchi - verpflichtet sind. _______ i Rumänien nnd die jüdischen Rechte« Am 30. Jänner hat der rumänische Ministerpräsi» dent, der sich derzeit in Lo n d o n befindet, in der rumänischen Gesandtschaft mehrere Journalisten empfangen^ darunter die Vertreter der Zeitungen „Jewish Times", ,,Jewifh Chronicle" und New-Börker „Hajnt". Ans der Unterredung mit Morris Myer^ die in rumänischer Sprache geführt wirrde, geben wir folgende Aeußerungen des rumänischen Minister» Präsidenten wieder: Die jüdische Frage in Rnmänie« existiert j u r i st i s ch n i ch t m e h r. Diese Frage ist ei« für allemal mit der Unterfertignng des Minoritätenvertpagos gelöst Wörden. Was die Frage des Minori' tätenrechtes der Inden anlangt, so ist dies eine Frag« , für sich. Die Juden Rumäniens sollten sich assimiliere^! nicht hinsichtlich ihrer Religion oder ihrer Rasse, soi»! dern bezüglich ihrer Interessen und ihres Geistes. DK Inden, die ihre eigene Sprache, das Jiddische, beh behalten »vollen, schließen sich ins Ghetto ein. Cr haK» iedoch nichts gegen sie. Die rumänische Negierung werbt ihnen keine Schwierigkeiten in den Weg legen und «>l - sei überhaupt gegen jede Zwangs asiimilation. j Zum Schluß hielt der Minister eine längere Aw spräche in französischer Sprache aq alle verfayWM^

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