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Wiener Morgenzeitung · 1920-02-10 · Heft 378 (10.2.1920) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 378 (10.2.1920)
Date
1920-02-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
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tHltfflfVftttMii*: IM* SO Hrüer Pränumeration«- preise: SBient A»« ttftftpfm ht I*t L vezirt, Tidbor» Nrtze 1 di» 8» oder t» einer , B«s»let»ftelle tTriflk»; Monatlich . . Krone« 1*.- iert«ljShr»ch .. »S- >htt Postversand kür Wien »nd Oesterreich; Monatlich .. Kronen 13.- Lichecho-Elowakei: Uronatlich .. Kronen 8.— Vi-rteljSlirllch „ 18.- U tschecho-slowakischer Währung _ Uttgimi: MonstNch . . Krone» 13.— Vierteljährlich .. in nngarischer «Ltznm» Jugoslawien: Monatlich .. Krone» V«— Vierteljährlich „ SV.— . i« jugoslawischer «Lhru», " Slr. »78 rener i i nMmpnr<«vit Wien» Dienstag, den 10. Februar 1920 Vreks 50 Aeüeß Pränumeration«« ' preise.für Monatlich .. Krone» MM Bterteljährlich N«>» in polnischer-Währ»»« Deutschland: Monatlich ... Mark 8*4 Frankreich: ■. > Monatlich . . Franks 8*4 Monatlich^""'. Lire 8*4 Monätlich^^.^rank» lM Redaktion n.Administratio» Wte«S.vez.,Taborstr^1-» Telephone: Admlnistratio» 440 Redaktion 4»3H* ab 0 Uhr abend» Rr. >030» Postsparkassenkonto 150.58 2. Jahrgang Mauldrescher und Kriegsgewinner. —y. Wi en, 10 Febnmr. Der deutsche Nationalismus, der sich auS der Suppasitlon einer höheren kulturellen und politischen Wertigkeit des Deutschtums ableitcte, hat den von ihm ^gezettelten Lkrieg verloren. Er hat das deutsche l'olk w lange umgarnt und betäubt, bis es sich auf das Schlachtfeld führen ließ, das es geschlagen verlassen mußte, um den Weg in eine düstere und traurige Zukunft anzutreten. Aber der Nationalismus, der schon dn Versiegen war, ist von neuem erwacht und es ist Mt nur das Jammerbild der deutschen Revolution, dir Nit Trara und Trommelschlag an das System der Hohen- ^»llernschen Paradepolitik anknüpft, das den Nationalisten neue Hoffnungen gibt, sondern in einem viel Yorkeren Ausmaß die Kraft der französischen «nsenfrev'er und Gewaltgeneräle, an der sich die alldeutsche Henknngsart in ihrer bunten Hohlheit festkrampst. Nichts Zeiseres konnte zur Unterstützung der deutschen Kneg-- ichreier ersonnen werden, als der Akt der Botschafter- Inferenzder unter dem Zwang des französischen RachediklatS von den Unterlegenen die Auslieferung ihrer im %ieg. führenden Personen gefordert hat. In der Zeit vor,dem Kriege war es selbstverständlich^ daß sich an den 8?ierbünkphrasen der deutschen Welteroberer die Phantasie ihrer französischen.Gegenspieler entzündete. Der Berliner ikhcruvrmsmus war eben gefährlich, indem er im Verwüsten auf die gepanzerte Faust und -das geschliffene Zchwext mit allere Welt anbandelte, und der an und für EM Mit tedtichem'BiöniühÄr ''Fein-sMt MrK.. In der ßriegszeit hatten allerdings dtze für die deutsche Politik serantwortlichen Personen es bald eingesehen, daß sie ohne Sympathien schließlich nicht auskommen könnten. Aber ihre Beniühungen schlugen fehl, weil der Lärm der ^deutschen Hinterlandssiegcr alles übertönte. Deutschland hat den Krieg verloren und muß nun das Unglück tragen, das es über sich selbst heraufbeschworen hat. Die Lage, in die Deutschland geraten ist. ist Strafe genug und es scheint nicht nur unbillig, sonfet auch unsinnig, die physischen' Leiden durch seelische noch zu verschärfen. Die Schwäche der deutschen Regiening ist nicht in letzter Linie darauf zurückzuführen. dass das Ausland ihr mißtraut. So gerechtfertigt dieses Mollige Urteil über das System ist, welches die Revolution zwar begonnen, aber nicht ausgebaut und gesichert hat. so falsch ist es, die Schwierigkeiten, mit dienen die Negierung unaufhörlich zu tun hat, noch durch Gewaltrnaßregeln und Drohungen zn vermehren. Die französische Politik, die sich ganz im Sinne der Revanchestzrejer entwickelt, übersieht aber, daß da§ Deutschland von heute doch nicht ganz mit jenem von 1914 identisch ist: der Umformungsvrozeß in Deutschland hat erst begonnen und wenn er sich nicht so rasch vollzieht, als man dieS in den Ententestaaten erwartet hat. so liegt dies Ki einem großen Teil auch daran, daß die Entente Deutschland nicht die Zeit zur Sammlung seiner prodüktiven Kräfte gewähren will. Die französischen Alldeutschen ahmen das Beispiel ihrer deutschen Muster bis ins Letzte nach. Hatte bis zum Krieg Deutschland als eine Gefahr für den Weltfrieden gegolten, so rückt heute Frankreich dank der Tätigkeit seiner Militaristen sind Annexionisten an diese Stelle und die Fortführung der' Politik der Reizungen und Nadelstiche, wiesie in Paris gegenüber dem besiegten Deutschland betrieben wird, schafft neue Unruhe, und die Friedensverträge, die dem gleichen Milieu entstammten wie der Aussiefermrgsbrief, bergen tausend Gefahren für die Ruhe Europas. ES zeigt sich schon heute, daß die Entente diese Gefahr erkennt. Amerika hat sich bereits zurückgezogen. England und Italien wollen in der Ansliefei'imgsfrage einlenken /und Frankreich isolier.cn. Sie schlagen vor, die auszuliefernden Personen dem Völkerbund zu unterstellen, wollen aber auf keinen Fall den Weg der Verhandlungen mit Deutschland verrammeln. - Man darf gleichwohl nicht vergessen, daß sich auch Fwnkreich im Umlernen befindet. Die Kammerwablcn hatten eine Mehrheit der Cleiilenceanscheu Nationalisten gebracht. Aber schon die wenige Wochen später dm chgeführten Wahlen in die Gemeinderäte erwiesen eine Schwenkung der Sunnnungen. Die Linksparteien rückten vor und damit war eigentlich das Schicksal Csi menceaus besiegelt; es.bedurfte nur einer geringen Die Tschechen verlangen die Auslieferung der Erzherzoge Friedrich, Eugen und Josef. Prag, 9. Februar. Das Abendblatt des „Eeske Slovo" meidet, das Sekretariat des Verbandes der ehemaligen Internierten und Eingekerkerten in Prai hat sich im Einvernehmen mit den entsprechenden südslawischen» polnischen und i t a l i enislSie n OrLanisatronen an das Ministerium des Aeutzern gewendet, es möge unverzüglich die Auslieferung folgender Personen an das Gntentegericht verlangen: Der gewesenen Erzherzoge Friedrich, Engen und Josef, der Generale KövesS und Schwert«» v, der Kommandanten von Thalerhof und Möllers ^orf, des TtaLthaltsreirates Dr./Sieeztznski, des Kommandanten der Wachabteilung von Ober- Hollabrunn Hauptmanrr B l a s ch k e und des BezirkslommiMrs Dr.'GriM'm in Wien. Ein Finanz- und WirLschaftsprogramm für Oesterreich. Unsere Delegierten vor der Bolschasterlionfcrenz. Paris, 9. Februar. Die'Sitzung der Bot schäfte vko ns ereUz, zu der die österreichischenStaatssekretäre zugezogen werden, findet morgen statt. Obzwar daSOrganisatümskomite der Neparattoyskymmission sich in der letzten WWu.ngwixtschHAchen tznd^-singnzielM.WL-> Wendigkeiten Oesterreichs für die allernächste. Zeit zu befassen hatte, wiesen die österreichischen Staatssekretäre schon in dieser Sitzung darauf hin, daß der gegenwärtige Zustand unmöglich andauern und Oesterreich nicht immer wieder KonsumptionZlredite beanspruchen könne, vielmehr ein weiter aüSgreisendeZ F i n a n zu n d W i r t s ch a f t s p r b,g t ö m m ausgestellt werden müsse. In der NeparationSkommission waren es namentlich die amerikanischen Delegterten, die sich diesen Ausführungen a n s ch l o s s e n. In der Unterredung mit dem PrSsidenien der Botschafterkonserenz, Miller and, kam das gleiche Thema zur Sprache mnd auch dieser teilte den Standpunkt der. österreichischen Staatssekretäre. Bor der Botschasterkonferenz soll nun ein weiter ausgreifendes Programm erörtert werden, dessen Ueberwachung eine Aufgabe der Sektion Autrichienne der Reparationskommission sein dürfte) die unabhängig von der-Ratifizierung des Friedensvertrages ehestens einzusetzen wäke. Der Abschluß der Prager KompensattomsverhimLlimgen. Pn»g, 9. Februar. Die seit dem 30. Jänner in Prag re, slog nen K o m p e n f a t'i o n s v' e r h a n d l u n g en znifchen der Tschechoslowakei und Oesterreich wurden heute zn End« geführt-und die Ergebnisse der Beratungen in Protokollen zusarnmeng.saßt, die nunmehr den beiderseitigen Regierungen zur Genehmigung werden vorgelegt werden. Ueber einzelne Details der Abmachungen werden die beiden Regierungen noch das Einvernehmen zn pflegen haben. Im großen und ganzen kann festgestellt werden, daß-das Ergebnis der BerHan dlungen ein durchaus positives ist und einen weiteren, großen Schritt auf dem Wege zur Durchführung des allgemeinen HandelsübereinkommenS bedeutet, dar in Prag am 12. Jänner abgeschlossen worden ist. Pvag, 9. Februar. (Tschecho-slow. Prrßbur.) Die seit längerer Zeit zwischen den Vertretern der tschecho-slowakischcn und der österreichischen Negierung in Prag gepflogenen Verhandlungen in Angelegenheit des Kompensationsverkehres haben heute in wichtigen Punkten zu einer Uebereinstimmung geführt und durch, cinvernehmtiche protokollarische Festsetzung der VerhandlungSergebnis,'« sowie durch Paragraphiernng des gemeinsam ausgearbeiteten Protokolls einen vorläufigen Abschluß gesunden. Die wenigen noch offen gebliebenen Fragen bleiben der Entscheidung der beiden Negierungen Vorbehalten. Anstrengung seines alten Gegners Briand. den Nationalisten den Posten des Präsidenten zn entreißen nnd ihn mit dem konzilianteren Deschanel zn besetzen. Hierin foiuic in dem fortwährenden Hin nnd Her der Meinungen bezüglich Sowietrnßlands zeigt sich, daß die französische Politik sich trotz allem anschicken will, dem Geist der Zeit gerecht zu werden. Freilich ist daS in Frankreich so starke Kleinbürgertum noch immer eine: leichte Beute der nationalistischen Geschäftspresse, die ihm unäufhörlich das Clemcnceausche Wort in den Ohre« lchreit, daß die Deutschen alles bezahlen müssen. Die" Negierung Millerand hat noch nicht den Mut aufgebracht,. der Bevölkerung die Augen zu öffnen und ihr beizubringen, daß die Deutschen, die der Friedensvertrag a« ' der Keble drosselt, nichts werden bezahlen können, ■ Millerand hat in der Kammer sogar gesagt, daß die Re« - gierung den Boden des Friedensvertrages nicht verlassen und Deutschland zwingen werde, alle Be* stinimungen auszuführen. Aber diese Rede ist eben vor der noch nationalistischen Mehrheit gehalten worden und' es ist sicher, daß Frankreich es wird versuchen müssen. aus der diplomatischen Isolierung, in dieses jetzt durch die Hetze seiner Chauvinisten geraten ist, ‘ herauszu, kommen und die Bedeckung seines Defizits nicht in einer nebulösen Kriegsentschädigung, sondern in einer kräftigen Besteuerung seiner Kriegsgewinnex und ähnliches Blutsauger zu suchen. Das nationalistische Geschrei ge- - schieht nicht zuletzt im Interesse dieser Schichten, dis ganz so wie anderwärts die Aufmerksamkeit gerne von sich ablenken möchten, weil sie mit den Kriegsgewinnern: anderer Staaten Eigenschaften gemeinsam haben, nicht gerne Steuer zahlen zu wollen. Diesen Schichten wäre es sehr angenehm, wenn der Konflikt mit Deutschland bis zur Spitze getrieben irtiö' wenn Frankreich sein« Armeen nach Rußland schicken würde. Den Kriegs« gewinnern ist niemand patriotisch genug. In ihrem Interesse wurde es liegen, Frankreich in blutige Abenteuer zu treiben. weil sie dann wieder an Lieferungen dick.verdienen könnten und weil die Stunde der 'M-' Rechnung des DolkeK mit ihnen wieder für - längere Zeit: künausgcschoben wäre. Man scheint in England diesen Schwindel zn durchschauen und daraus ist wohl die etwas vorsichtigere Behandlung der Auslieferungsangelegen, heit zurückzuführen. _’> Die Sitzung des großen zionistischeK AKLionskomiLees. Mit der heutigen Eröffnung der Sitzung des großen ztouistischen Aktionskomitees nähert sich der Exlex-Zustand de« zionistischen Weltorganisation, der vor mehreren Jahren eingetreten war und für den Fortschritt der zionistischen Arbeit ^in den verschiedenen Ländern von nicht geringem Nachteil gewesen war, seinem Ende. Das innere Gefüge des Zionismus und seine auf einem starken GemcinsamkeitSgefühl beruhende ' Einheitlichkeit in den Zielen konnte auch durch die Wirren des Krieges nicht zerrissen werden. Vielmehr ist die zionistische Organisation unter den verschiedenen zwischenstaatlichen Vereinigungen die einzige geblieben, welche dem allgemeinen Wirrsal standgehalten und keinen Moment ihre innere Einheit verleugnet hat. Während die sozialistische Internationale sich spaltete und in feindliche Gruppen zerfallen ist, während der internationale Pazifismus eine innere Krise erlebt hat, ist das innere Gefüge des Zionismus völlig intakt geblieben. Die trennenden Schützengräben schieden die jüdischen Brüder in den einzelnen Ländern, aber ' die ideelle Einheit bestand weiter, weil sie sich auf Voraussetzungen aufbaut, die jenseits von allen europäischen Macht- und Prestigekämpfen liegen und einer höheren Sphäre angehorev als diese. Der Wall von Stacheldrähten hinderte uns/ einander die Hände zu reichen, aber er schied nicht Herz von Herz. Nichts vermag die historische Naturgegebenheit des zio« nistischen Gedankens stärker zu dokumentieren, als die Tad fache, daß auch die schrecklichste der Prüfungen daS zionistisch« Jdeengebäude nicht einmal anzunagen vermochte. Aber es ist leicht einzuschen, däß die Lage der Ding« die zionistische Arbeit in schwerer Weise hemmen mutzte. Jed« einzelne Landesorganisation war genötigt, auf eigene Faust zu arbeiten und ihre Tätigkeit den herrschenden Bedingungen anzupäsien. An einen Kontakt mit den Organisationen anderer Länder, selbst mit solchen neutraler oder ..verbündeter* Staaten war in jener vom Hochverratötcufcl besessenen Zeü nicht zu denken, ein gemeinsamer Kongreß vollends ein Ding utopischer Unmöglichkeit. Die Einheit der Idee blieb unge» schmälert, aber die Einheitlichleit der Arbeit litt und zu dem sorgte der Krieg, dessen Leiden und Schrecken daS jüdisch« Volk in unerhörtem Maße zu tragen hatte, täglich für neu« Hemmungen. So ka>n es. daß der bedeutungsvollste Akt tn der G» schichte des jr'ischcn VbUeS, die Erklärung Lord Balfousl einer zionistischen Leitung gegenüber, abgegeben wurde, welch, im strengen Sinne des Statuts nicht mehr hätte fungier«, .dürfen, weil der. Termin, bis zu welchem sie gewählt wstz

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