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Wiener Morgenzeitung · 1920-02-09 · Heft 377 (9.2.1920) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 377 (9.2.1920)
Date
1920-02-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Gtoffleronptar: Dtrels 30 AM« . Prim»«eratio»»- . preise: Gien: An« «Ih-ken in der ktzpedlti»«. 2. vezkrk» Tabor» Irafit 1 bi» H, oder in einer ■ B-rs«,leißstr«e <Trafls>: Monatlich . . Kronen IS.— vterteNLHrNch »»- Vttt Postversand sstr Wien und ■_ Oesterreich: Vionatltch .. Kronen 13.— «ichecho-Slowakei: «onatttch .. Kronen 3.— vierteljjjnrlich „ 13.— te tschechoslowakischer WSHmng Ungarn: Monatlich .. Kronen 13.— Vierteljährlich .. 30^- in Ungarischer Währung B Jugoslawien: onatlich .. Kronen S — ierteljährlich „ «7in jugoslawischer «Shrnug rener Mnrerspemplewr Urei« 30 AM« ^vönumeroHott»« Preise für Polen: t Monatlich .. Krone» I»#- vierteijährlich ,, 80,-» in polnischer SSHrung Deutschland: Mouatiich . . . Mark 5*-»i Frankreich: Monatlich . . Frank» 8«r-n Italien: Monatlich .... Lire 8^-i Echweiz: Monatlich... Frank» ftp-» Redaktion n. Administration ' Wten.S.Bez.,Tadorstr.I-S Telephone: Administration 440 k^. Redaktion 4?»ly, ad 0 Uhr abend» Rr. 10301 Postsparkassenkonto 150.6R wes» Nr. 377 Wien, Montag» den S. Februar 1920 2. Jahrgang Die Volkshilfskonferenz ht i Phttadelpbia. j Die Konferenz der jüdischen Volkshilfsorganisation, welche vor kurzem in Philadelphia stattgefunden hat, ist von eminenter Bedeutung für das ganze jüdisch- - rmerikanische HilfZwerk und damit auch für die Milli- »neu europäischer Juden, welche auf die amerikanische Hilfe angewiesen sind. Die Volkshilfe (peoples relief) ist die Hilfsorganisation der jüdischen Arbeiter, welche sie gegründet haben und auch führen. Außer ihr gibt es als zweite große jüdische Hilfsorganisation in Amerika das Zentralhilfskomitee, gegründet und verwaltet von bürgerlichen Juden. Als zentrale, Körperschaft, an welche beide erwähnten Organisationen angeschlossen sind, fungiert das Joint Distribution Committee, iks hat den Zweck die Hilfsaktion zu vereinheitlichen, sie auf breiter Basis zu führen und einheitlich zu kontrollieren. ’, Nun ist das Joint Distribution Committee, da es hoch Strömungen gibt, welche die ganze Hilfsaktion als philanthropische Angelegenheit betrachten, in der letzten Zeit Gegenstand einer heftigen Kritik der sozialistischen i\xb kleinbürgerlichen jüdischen Kreise Amerikas gewesen, imier denen übrigens die Volkshilfe und das Zentral- Hilfskomitee große Popularität genießen. Die Kritik, welche besonders in der geistig, sehr regsamen sozialistischen Presse Amerikas mit Elan betrieben wurde, richtete sich hauptsächlich gegen den philantbropischen Geist der HWarbeit. Sie fand nun in der Konferenz der VolkshiAe in Philadelphia besonders starken Ausdruck. Ja Volkshilfe, deren Organisation sehr kräftig, und gut fundiert ist, gänzlich von dein Joint Distribution Corn> miitee loszulösen, wenn dieses seine Methode nicht gründlich ändere. „Keine milden Gaben, sondern konstruktive, anfbanende Hi'fe!" — war die Losung der Konferenz. Einmütig stellten die Delegierten auf der Volkshilfs- Konferenz folgende Forderungen:. Durch die Hilfsaktion mutz das ruinierte jüdische Leben Europas wieder tzergestellt. der Handel, die Industrie der Juden wieder belebt werden; die Hilfe der amerikanischen Inden darf nicht bloße Hilfe fein, sondern mutz den Hilfsbedürftigen die Möglichkeit geben, sich auf eigene Füße zu stellen; cs muß eine Bank gegründet werden, welche Darlehen an Arbeitergenossenschaften gibt, Rohstoffe beschafft u. dergl. Ueber die Bank wurde von der Kon- Opium.' Bon Dr. Charles L. Hartmann (Zürich.) Ich war auf dem Wege zum Klub. Vom GrsandtichattSviertc! durch HmTamen Street, . die Hauptstraße Pe-Kings, mit ihrem unglaublichen Menschengewühl, hausierenden D ödlern, ge- Mcktr« Gerüchen und ihrer nackten Wirklchkrit des Volksleben Chinas. CH n Su Jen, der Inhaber einer der bedeutendsten iCmjuhrhäuser. begleitete mich. » Ein Chinese drückte sich g gen die Wand eines HauleS. um «r.8 Platz zu machen. Er streckie weder die Hand aus, noch berielte er in Worten, aber sein Blick war mehr als ein inbrünstiges Gebet. Ich kannte diesen Blick, in dem alle Seelenriiciiter des seit einigen Tagen ohne Opium gebliebenen vereinigt war. Und ich gab ihm die paar Cash, genügend, um ihn auf zwei Tage mit Chagdra, also Gesundheit, Seelmrulie, Glückschgkeit z» versorgen. Der mvialinsaure Bürger wird sagen: ihn in sein Elend und seine Leiden chast noch tiefer fallen lasstn, ihn dem Teufel endgültig ausmüc^ern. Auch Chin Su Am, als Reformer, schüttelte vorwurfsvoll den Kopf. Darüber wollen wir nicht strnteu. Ich hatte ihm ein Almosen gegeben, damit er sich einen G:nnß verschaffte, den er ttsryntr, sein Elend vergesse, — gerade so wie ich auch auf der Äowrrh zu Ncw-Vork einem Tramp zehn Cents für WbiSky gegeben hätte. Als ob es darauf antäme, waS uns am besten zusagt, wenn wir anderen Helsen wollen. Dies brachte unser Gespräch tin Klub ans daS Opium. Chin Su Um war einer der Führer des Kuo Ming Tang, der radikalen Partei. Er war natürlich sehr begeistert und erwartete von den neuen Gesetzen gegm den Op nnch nidel das Hl lener Welt — ähnlich wie die Abtmmtm ui Europa von dem Verbot deö AlkpholgenuffcS. Wie so viele andere Lchwäim^r und pol tisch Ititueifc war er überzeugt, daß man alle Schäden und Lechen der Mrnichhrit durch Gesetze Hecken.könne. Umschwung ln der Auslieferungsfrage. Keine sofortige Auslieferung. — Der Völkerbund soll nburteilen. — England für Milderungen. Berlin, 9. Februar. Wie das „Berliner Tageblatt" aus Basel meldet, wird aus Mailand berichtet: Angesichts der plötzlich entstandenen englisch-französischen Meinungsverschiedenheit über die Anslieserungsfrage ist, wie der Sondrrbsrichterstatter des „Corriere deüa Sera" mrldet, die Friedenskonferenz iibereingeksmmen, die AburLsilun^ der schuldigen Deutschen dem Nö lkerbun d zu übertr ag en. Nieser Ausweg ist auf Gvun^ des Artikels 19 des FriedensvertNaa.es v^n VrrsaMes möglich, der unter gewissen Anständen eine Mach- Prüfung von Vertragsbestimmungen vorsiebt. Frankreich hat diesen Ausweg auf das Drängen Eng l an d s angenommen. Dis Liste der An^efchuldigten wurde indessen gleichwohl durch den französischen Gefchastskrager in Berlin überreicht. Es wird jedoch nicht die sofortige Auslieferung dev Per'önlirb^T'ten verlangt und damit grnndsätziich die Möglichkeit einer ver st 8 n d i g e n Abänderung des Artikels 228 anerkannt. Diese v e r s ö h v l i ch e L S f n n g habe, B i r k s n h e a d kerbeigeführt, der im Aufträge des englischen Premierministers für die'M il d er u n q eintritt, um der deutschen Regierung die Befriedignug der AAnerien zu erlsichtern nnd in Deutschland einen Volksaufstand zugunsten der Reaktion zu ver- - hindern. ferenz in einer speziellen Resolution zum Ansdruck gebracht, daß sie nicht von einzelnen reichen Juden kontrolliert werden dürfe, wie es das Joint Distribution Committee geplant hatte, sondern daß sie eine wirkliche demokratische Volksinstitution sein müsse; die Aufsicht habe das vereinigte Hilfskomitee (die Vereinigung der beiden bereits erwähnten Hilssorganij Chili Su Den sprach gerne und gut. Ich gebe im Folgenden seine Aus ührungen wieder:! In wenigen Jahren wird cS unmöglich fein, in ganz China j nur ein Gramm Opium zu kaufen. Das vollständige Verbot von J Errüuhr, Handel nnd Besitz dieses Gisistoffcs tritt nächstes Jahr 'J in Kraß. Dieses G-sitz dllnte, mchr a!S jede andere Neuerung» der Außenwelt die sitrliche Unterlage nnserer Bcstrebungen beweisen. Dieser Jahrhunderte alte Fluch und Alpdruck, der auf ' unserem Volke damit lastet', w rd endlich abgelöst. Es wäre längst geschehen, wenn nicht der engl sche Kau mann unter dem Schutze semei Gcsandten und Schlachtschiffe uns dieses Gift anfgedrungen und unsere Bcrgistung als Grundsatz ihrer Handels-! Politik er;wungen hätte. - Sie glauben wohl, der Opiumgenuß sei unser seit Jahrhunderten rmgcwur-rltes Volk§lastrr» ähnlich der Alkoholisirkung Europas? Wir kennen ihn kaum zweihundert Jahre und.noch lange Zeit daraus war das Opium m China nur von einem verschwindend kleinen Teil der Bevötknung gebraucht, den Reichen.! Denn nur diese konnten dessen außer ordentlich hohen Preis erschwingen. E st später, als durch dre Schiffahrtver brndiuipm der Ostindrschkn Compagnie dre Erwuhr gest egen und natürlicher' weise der Breis dadurch im umaekehrien Berhälrnis g funken, ver- ' breitete sich der Genuß allgemern unter der niederen Volksklasse. Seitdem wir in näheren Verkehr mit der weißen Rasse getreten, . seitdem man bei uns Christentnni, ScknapS und verbesserte I Schießgewehre ringeiühit hat. Tie Opiumrinsuhr wurde' uns a « s g e z w u n g-e n. \ Alle denkenden Chinesen verabscheuen daS Opium, die wenigen, welche an seinem Handel betestigt sind, ausgenomm n. Auster seinen, dm Raucher unmittelbar schädigenden Eigenschaften lnd't nn'er ganzer VollSwohtstand inner de> Op umverderlmiS. D.c zahlie chen. last alljährlichen Hangersiö^e sind laut anklageiide Zeugen da'iir. Wo Bi'ohn g psianzi wird, geht der nolwcnd gere Gctreidearban und d:c Viehwcht zurück. Mo ni ftlb verdrängt Komjeld. Und )fic das emgesühtte Opium wandert sotionen) zu übernehnten. „Sollte das Joint Distribution Committee" — so heißt es in der Resolution — „diese Forderung nicht annehmen, so wird die Volkshilfsorganisation eine solche Bank auf eigenes Risiko und unter eigener Verantivortlichkeit gründen." Eine wichtige Resolution der Konferenz befaßt sich mit den jüdischen Schulen in Polen. Die Konferenz beschloß, vom Joint Distribution Committee zu fordern,, daß es eine ausgiebige allmonatliche Subvention den jüdischen Volksschulen in Polen gewähre; sollte diese Forderung beim Joint auf Widerstand stoßen, so werde die Volkshilfsorganisation aus ihrem Fonds allein den jüdischen Schulen Polens eine Subvention gewähren. Ferners beschloß die Konferenz, daß die Volks» hilfsorgümisation alle Vorbereitungen zu treffen habe, um die jüdischen Kriegs- und Pogromwaisen aus Osteuropa nach Amerika zu bringen. Dazu müsse versucht werden, Schiffe durch Vernrittlung der amerikanischen Regierung zu chartern, auf denen Lebensmittel und Waren für die notleidenden Juden Europas verfrachtet werden; diese Schiffe hätten dann bei der Rückfahrt die Waisenkinder nach Amerika zu bringen. i Außerdem fordert die Konferenz eine Reorgamsation des Joint Distribution Committee auf demokratischer Grundlage, wobei alle .Hilfsorganisationen gleichmäßig vertreten sein müssen. Sie beschloß auch, eine, allweltliche Hilfskonferenz einzuberufen, an welcher alle Schichten des jüdischen Volkes sich. beteiligen sollen,- um die Einzelheiten für die konstruktive Hilfsarbeit aus** 1 zuarbeiten. Schließlich wurde die Schaffung eines Hilfst fonds von 20 Millionen Dollar beschlossen. Die Konferenz hatte großen Erfolg. Das Joint' ^Distribution Committee WM wie immer, . einsichtsvoll genug, die Notwendigkeit einer gründlichen Umformung der Hilfsmethoden einzusehen. Zu diesem Zwecke wurde auch, wie bereits berichtet. Dr. Bogen mit einem großen Stab, von Mitarbeitern nach Polen entsendet und befindet sich bereits in Paris. Auch sonst wurde in eingehenden. Verhandlungen mit dem Joint ettte Einigung erzielt, so daß die Einheitlichkeit der jüdischamerikanischen Hilfsaktion, welche rinumgängliche Voraussetzung für eine wirkliche konstruktiv^ Hilfsarbeit ist^ erhalten bleibt. Jedenfalls zeigt der Verlauf der Konferenz, daß die jüdisch wertvollen 'Elemente unter der amerikanischen Judenheit die Aufgaben, welche Amerika als der einzig unversehrt gebliebene Punkt in dem durch' den Krieg hervorgerufenen jüdischen Chaos hat, zu ben greifen beginnt. 1 das ,m Lande sehr benöligte, ohnehin nicht allzu zahlreiche S.lbergcld aus. ] Ganz abgesehen von den sittlichen Gründen, war eS diese Gefahr iür die Ctaatswiitichast, wclche China von jeher zu einem so außrrordenilichen Widkrstande gegen die Einfuhr deS.OviUmS veiavlaßle. Alle iolgenten chinesischen Regierungen betrachten ch als das größte Unheil des Volkes. j Die Regierung suchte darauihin durch sehr hohe Zölle fttf E niubr wen gstens einmschränkcn. DieS begünstigte jedoch nur den Schleichhandel. Die Beamten der Ostindischrn Eompagni« arbeiteten jetzt ganz oncnckich und gemeinsam mit den Schmugglern» Der Zollbetrug wurde von Amts wegen ins Werk gesetzt. Von e.nem Hasenort vertrieben, fanden die Schleichhändler bald eine» andern. 1831 umgingen von 13S britischen Schiffsladungen mit Opium nicht weniger als 104die Hafeubehörden und den Zolh betrogen die chinesische Regierung nicht nur um die Einfuhrabgaben, sondern selbst um alle Hafengebühren; kehrten sich weder an Bestimmungen noch Verordnungen. Statt bis Kanton flußaufwärts zu fahren, ankerte« - sie außerhalb der Flußmündung, errichteten sogar, eine Etal on und Umladestelle auf der benachbarten Insel Litin, welche bald der Hanptsitz dcS Opiumschmuggels wurde. Die chlnesischen „Schnellboote" lamm alsdann brr hellem Tage längsieit der Opiumschiffe und erhielten das vrofltbringende Gift. Von da wurde es. nach dem Jnlande. gebracht und trotzdem die chinesischen Provinzregterungen' Erlaß nach Erlaß gegen den Handel und den Transport des Opiums erließen, stieg seine Einfuhr, dank der Bestechlichkeit der einzelnen Lokalbehördrn. : ' Dieser Zustand sühne nach und nach zu einer solchen Erbitterung nnd Widerstand deS denlendcn Teiles der Bevölkerung, daß der Krieg von 1810 unvermeidlich wurde. Der neu rnannre Bizelön g Lin nahm am 10. Marz IMS von selnem Posten in Kanton Besttz Kanton ist e ne der größteu und w:chtigsten Hatcnstädle Chinas. Fast der ganze Handel mit der Außenwelt ging durch diese Pforte. Lin Kar ferner bekannte* Willenskraft und Uncifduodeiüieit wegen m dieser wichtig^

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