Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 375 (7.2.1920)
- Date
- 1920-02-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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. WÄfW(WW|il41f{ vttk» SO g*Utr Prännmerations« preise: Rie»r Au« Abhol«« in der ßKebitio«, L. Bezirk, Lab,», tröste 1 61$ 3, oder in einer verschleißstelle sLrafik»: Monatlich . . Kronen iS.— viertekjiihrlich „ 86.— Kit Postoersand für Wir» unk Oesterreich: Nnuatlich .. Kronen 13.— Aichecho-Tlowalei: Nonntlich . . Kronen fl.— vierteljüftrlich „ 1 fl. - «tschechoslowakischer WSHrung Nnaarn: BtonnNich .. Kronen 13.— vierteliahrlich .. 36.- bi «ngarischrr Währung «ONtlich .. Kronen 9.— vierteliÄrttch .. *7.- fal jugoslawischer Währung ÄspfesgUeMpichv: Imi« SO Jen«. Pranumeratio«»« preise für _ Polen: '; Monatlich .. Krone« Bier»eljästrlich 39*-. in polnischer Währung Deutschland: Monatlich . . . Mark S*-4 Frankreich: Monatlich . . Frank- Italien; v Monatlich . . . .«ire 3.-2 Schweiz: Monatlich . . . $~mf9 \ Redaktkonn.4.^ministratio» Wiens. Bez.»Lavorstr.1-3 Telephone: Administration 410 '^. Redaktion 43819. ab v Uhr abendÄ Nr. I88VL Postsparkasfenkont» 150.898 Nr. 375 Wien, Samstag, den 7. Februar 192V 2. Jahrgang Die österreichische Finanzpolitik. Wien. 7. T^niirc. Der Wiener Steuerpolitiker Dr.' Emil K oll e k, ’ der, wie gemeldet, an einer Organisation der Steuerträger arbeitet, hat sich über eine Reihe aktueller.finanzpolitischer Fragen einem unserer Mitarbeiter gegen-, über folgendermaßen geäußert: Die Frage/ ob die Vermögensabgabe trotz der Meinungsverschiedenheiten der Parteien und der sonstigen Hindernisse Gesetz werden wird,, .ist wohl zu bejahen. Die Koalitionsparteien haben einander stets gefunden. Es liegt kein Grund vor, daß dies bei der Vermögens- »bgabe nicht der Fall sein sollte. Im Grunde genommen gibt es. nur zwei gewichtige Differenzpunkte; den einen bildet die Besteuerung des bäuerlichen Grundbesitzes and den zweiten der Uebernahmskurs der Kriegsanleihe. Nach beiden Richtungen, sind bereits Ansätze zu einer Verständigung vorhanden. Die neuen Anlage des Abgeordneten Dr. Dauer im Budgetausschusseder Nationalversammlung haben hierauf keinen Bezug. Sie betreffen nur die Art der Erhebung der Vermögensabgabe. Die eigentlichen)materiellen Bedenken, welcher ein-r einmaligen Vermögensabgabe, entgegenstehen, werden deren Gesetzwerdung ebenso wenig wie im Deutschen, Reiche hindern. Im Deutschen Reiche hat die Aktion gegen die' einmalige.Vermögensabgabe noch eine Stütze in den im Nieichstage vertretenen industriellen und kapitalistischen Kreisen.gefunden,/welche'für.'Oesterreich vollständig Wegfalls ^HWrlägü/übevdie. Vermögensabgabe wird vor- Gesetz wsrd'öw Daß-Utaatsamt der Finanzen hat daran Hn um so begreiflicheres Interesse, als. sonst d?r. eine. Zweck der Abgabe,die Beschaffung größerer Kapitalien zur Deckung dringender Lebensmittelimporte, nicht, erreicht würde. Dazu ist aber auch notwendig, daß die Einzahlungen gleich zu Beginn .reichlich fließen, was noch' immer in Krage ftM. Dc;r zweite . Zweck, die Abbürdnng der Kriegsschulden/ dürfte nicht erreicht werden, weil hie . Erfüllung , des ersten' für den zweiten nichts übrig lassen wird. Es könnte nur daran gedacht werden, daß die späteren Ahstättungsraten der Vermögensabgabe zum ZinscndieNst fiir die Kriegsschulden herangezogen werden können. Mit dieser Erkenntnis ' hängt, der Vanorscbe Antrag ans Abstattung der Vermögensabgabe in zwei Halbjahrsmten zusammen. Vom Standpunkte der Realisierung 'der Vermögensabgabe zur. Erfüllung des: mit ihr. 'von. seiten der Regierung,' verbundenen Zweckes ist dieser-Äntrag vollkonunen richtig, vom Standpui-kle .der wirtschaftlichen Bedeutung einer solchen i^eMictung jedcchWzulehuen/weil die rasche Kapitalseichziehung schwere -Krisen unsLrer Produktion nach sich ziehenwürde. Wenn'- man jedochden Zweck, der. der WknlögensabgcOe'-eiyeMich/zugrundd gelegt werden sollte,' ins Auge faßt, "bas - ist Erleichterung der wirtschaftlichen Lageso ist die geplante Vermögensabgabe, selbst wenn sie ' nach Bauers A: iträgin ztvei Raten bezahlt wixd. unzulänglich, weil die einfließenden Mittel nicht hinreichen,. Msere allgemeine schlechte „Wirtschaftslage zu Äp;; ' ■; .. Ob die Vermögensabgabe zu einer Hebung. der K'röneH'ihren 'lyir-, HÄigt. ston änderen ÄM'ent'e.-. ab- Die Kxone kaxsst''nstr' dann eine Hebung erfahren, wenn, rnisere.--.wirtschaftliche Lage, im Ausland, eine: günstigere-- Beurteilung findet. -Dies-könnte dürch -die'Vermögens'-' ahgabe...allein nicht,erreicht werben. .Die. .Gcsctzloeidnng ' der DermögenSakgube im Deutschen Neiche hat nicht zur Hebung de? Markkurses beigetragen, der trotzdem Nii'iter gefünfm/ist.''Die-Urfäche.M allgemeinen Valutastistzes ' liegt-In 'dtzr'-schldchten..wirMäftlichen Lage aller jener- Lander, die von diesem Uebel befallen sind. Dies ist du- . Ausdruck der passtven Handelsbilanz. -Mr Konsum »nd Jmvort' ist größer als die -Produktion und der. Export.' Dort,.ivo'sichDieses. Mißnerbö!tiii8-,am stärksten zeigt/ist auch -der Vcilntastuvz ani emvfindlicksten, wie eben in Oesterreich. Die Hebung der Valuten steht im ursächlichen Zusammenhänge mit der Hebung, der Produktion. Eine Gesundung unserer wirtschaftlichen. Verhältnisse kann. erst angebahnt werden, wenn wir genügend Nohnno Hilssstoffe zur Produktion erhalten,-die Arbeitslust zurückkehrt und bis zur Arbeitsanspastmmg gesteigert wird. Von diesem Gesichtspunkte aus ist auch die Gründung einer nenen Notenbank zu beurteilen. Sie hot eine Berechtigung nur darin, daß sie der Mittler M BeMKung ciusläudischer Rohstofskredite wird. Y Der amerikanische Kredit. Die Republikaner bewilligen nur 50 Millionen Dollar. - A m st e r d a m, 6. Februar. (Korr.-Bm.) Die „Times" meldet aus Washington, datz die Fahrer der rrpu-likanlschen Partei endgültig - es chlossrn hätten, nicht mehr als 50 Millionen D o l l a r für die A n itt* fr ü tzung Deste r r e r ch s, P o l e n s und Ar men i e n s zu bewillig en. Inzwischen versuche H o o v.e r, durch p r i v n t e Z e i ch n u n gen die für die Mseüdnng von Lebensmitteln notwendigen Summen aufzubringen. Bolfchewikische Meldungen über die Gefangennahme der tschechischen Truppen in Sibirien. Moskau, 6. Februar. (Funkspruch.) Aus Nischni-Udinsk wird gemeldet, daß die Bestciurig Dstüb'iricns mrt überraschender Geschwindigkeit vor sich fiel)«: Ein Trit der t s ch e ch i scheu Truppen sei bereits von 1>en N ech o lu t i ö n a'r e n g es a n gen g e n o m m c n. die. übrigen seien einverstanden, mit den Sowrets von I r k u t s k und Omsk zu verhandeln. „Prawda" erinnert hierbei: an das blut'ge Abenteuer 8er ischrchischen AiM'e, die, vor Noei Jahren 50.t!v0 Mann stark, heute nur noch aus veuvobrlostcn Hannen und unorganisierten Banden bestehe. Die Tschechen hätten sich jederzeit willig als Werkzeug., zuerst für die Sozialrevolutionäre, dann für die Mntcnte ^und 'MrßM.'. ^W-WWW^MrchüMlMv um nun M' spät änzuschen/''W^M'AmMAn"K Abzug'es-- das die Sowictreg'erNng be rn Ausbruch-der deutschen Mvolntion ihnen mäch'te, ehrlich und aufrichtig gemeint war. .Zchnt.ruiende' von Toten wären erspart worden, wenn die-Tschechen auf den Bvrschlag ringegangen wären. Nun werde der Nest einer einst imposanten Macht über Wladiwostok und Archangelsk nach Hause znrückkebrcn mit der durch eigene Leiden gewonnenen Ueberzeugung. daß die selbstsüchtige Politik der Verbündeten» die die kleinen Nationen immer nur mit Worten verteidigen, zu ihrem Verderben führt. Innere Anleihen, wie die geplante Prämienanleihe, haben selbst, beim Anreiz der, Prämienanleihe meiner. Meinung nach geringe Chancen. Das Vertrauen zum Staate isterschüttert;, er. trägt durch nichts dazu bei, es zu stärken. Es. sei, hier auf den Anrechnungskurs. der . Kriegsanleihe mit 76 Prozent . zur Vermögensabgabe hingewiesen.. Das Vertrauen des Staatsbürgers' zum 'österreichischen Staate wird nur parallel mit demjenigen im Äuslande zum österreichischen Staate gesteigert werden können. Auch in Deutschland/haben dw Ergebnisse der letzten inneren Anleihe den Erwartungen der Negierung nicht entsprochen.' - '' - Ueber die Aussichten der angekündigt,en Maßnahmen gegen die - Uebertreibung' der Esfektenspekulation' ljeße' sich folgendes -sagen: Es ist kein-Zweifel,- -daß-der Effektenmarkt durch Herandrängung " unberufener ' Eleniente zum Tummelplatz bedenkenlosen Spieles gemacht - wurde. Die höhest Kurse jedoch sind nicht bloß'der Ausdruck des übertriebenen Spieles, sondern haben eine ge- - wisse Berechtigung in der sogenannten Ausgleichung der Preise. Die ängedröhtest Maßregeln sindeine Notwendigkeit/umunberufene Elementeman möchte sagen,, zu ihrem Vorteile, der Börse fernzuhalten. - Vielfach wird von der- Gefahr des Staatsbänkerottsgesprochen. Aber der Staatsbankerott ist das' letzte und schlimmste Zluskunftsmitt'el,' dessen sich ein Stadt, der'.seinen Derpslichtungen nicht Nachkommen kann,/bedient/ Während, früher bei dem territorialen Wirtschaftsshftem ein^ solcher Bankerott auf das betreffende Land beschränkt blieb, zieht die geltende Weltwirtschäftsordnung die Ausdehnung 'einer solchenMäßregell über die Ländesgrenzen hinaus nach sich. Dieser Umstand bietet hinreichend Gewähr dafür/ daß es bei uns nicht zum Staatsbankerott kommen' wird. Das Ausland^hat wegen der'.erschütternden- Mirkiingen eines Stäatsbankerotts das lebhafteste Interesse, ihn zu verhüten. Die vielfach vom Ausland in.Aussicht .gestellten und durchaus ernst zu wertenden' Kreditgewährungen sind der Ausdruck hierfür. Der Stäatsbankerott,, die vollständige Zahlungseinstellung . seitens des Staates, wird bei ur§ nach menschlichem Erme/en nicht erfolgen, Wahl aber wird der Staat genötigt sein, seine Schuldverpslichtungen in anderer Form Wie durch Kouversionen zu erleichtern. Das Anbyt an dje Besitzer der ersten Kriegsanleihe, ihre Hälfte zum Parkwert gegen die geplante vierprozentige Prämienanleihe umzutauschen, stellt schon eine derartige Konversion dar. Was die wirtschaftlichen Aussichten Oesterreichs anlangt, so dürfte die nächste Zukunft wohl noch größere. Schwierigkeiten bringen. Sie werden jedoch überwstnden werden, und zwar mit Hilfe des Auslandes das aus politischen Rücksichten und zur Vermeidung de» Uebergreifens der chaotischen Zustände alles zu ihrem! Abbail aufwenden mutz. Oesterreich, dürste trotz des! Mangels an eigenen Roh- und Hilfsstofsen dennoch^ ein Prodüktionszentrum und Wien speziell ein Handelszentrum für den Osten werden. Als unbedingte Voraus^ setzung hierfür erscheint jedoch die- Abkehr von gewisses Prinzipien, welche nicht geeignet sind, unseren Kredit! im Auslande zu heben. Auch in dieser Richtung sich bereits eine Schwenkung fühlbar. Hilfe kann nur; ausländisches Kapital bringend Unsere politische inttfj wirtschaftliche Orientierung darf sich darum niM kapitalsfeindlich zeigen. > Die jüdische Autonomie in Litauen^ Von nnserem Berliner Korrespondenten. Berlin, 26. Jänner. Unser Korrespondent hatte Gelegenheit, mit dem Präsi»! denten des Jüdischen Nationalrates und ehemaligen litauischen! Minister, Rechtsanwalt R o s e n b a u m aus Kowno, währen^ seiner Anwesenheit in Berlin über die Verhältnisse in Litauen^ insbesondere über den letzten Gemeindekongreß zu sprechen-, Rosenbaum hatte die Freundlichkeit, mir auf Befragen' folgende Mitteilungen ^zu wachen: ' kleine Litauen ist tatsächlich .einer der , gänKk wenigen Staaten, ckn denen die jüdische Bevölkerung gegen-s wärtig nicht zu klagen hat. Unter den östlichen Staaten, big das Erbe Großrußlands angetreten haben, ist es der einziges lichte'Punkt. . Die Verhältniffe im Staate haben sich ausge^ 'zeichnet konsolidiert, es herrscht gute Ordnung im Lande, b«?: Negierung genießt allgemein Autorität. Bon inneren Kämpfen.^ wie sie sich in den benachbarten Nandstaaten abspielen, das Land verschont geblieben. Die Schivierigkeiten des ersten Stadiums sind überwunden und' es herrscht Vollkommenei;' Friede. Natürlich kommt es vor, daß untere Verwaltung^ behörden der neuen Aufgabe noch - nicht gewachsen sind, aber;! auch dies wird sich beheben lassen. Was die Sellung der Juden betrifft, so kann ge«^ sagt werden, daß die Bevölkerung,, insbesondere die Bauern, mit den Juden in gutem Einvernehmen leben. Natürlich heißt-das nicht, das es keinen Antisemitismus im Lande gibt» Vor allem mutz man bedenken, daß die Bevölkerung keineS»- wegs homogen ist, es gibt viele Polen und alte russische Beamte, insbesondere auch Offiziere und Soldaten, und unter? diesen Elementen gibt es auch viele . Antisemiten. Das Verhältnis zur Negierung aber ist ausgezeichnet. Die Juden bekleiden hohe Stellungen in der Verwaltung, der Kongreß der jüdischen Gemeinden wurde vom Ministerpräsidenten und-dem-Minister des Aeußern offiziell begrüßt und der Präsident der. Republik hat mit lebhafter Genugtuung von der Wahl des Jüdischen Nationalrates Kenntnis genommen und den Wunsch geäußert, das Präsidium deß Nationalrates möge sich ihm nach seiner Genesung » Momentan; ist. er krank — vorstellen." -j «Welches Resultat hatten die Beratungen des Gemeinde« kongrestes?" -i ..Der Kongreß der jüdischen Gemeinden war ein außerordentlich bedeutungsvolles Ereignis. Wenn auch die Verhandlungen. zuweilen recht stürmisch verliefen, so hat doch' der Kongreß einen imposanten und würdigen Eindruck ge^ macht. Die Delegierten waren durch Wahl seitens der Gemeindevorstände entsendet worden, doch konnten nicht nur Mitglieder der Vorstände, sondern alle Gemeindemitglieder gewählt werden. Auf dem Kongreß Ovaren drei Parteien vertreten: die Orthodoxen („Achduth") einschließlich der «Zeire Israel" waren unr ein Mandat stärker als die Zionisten (65 gegen 64). Zur zionistischen Gruppe gehörten auch die «Zeire Zion" und vier Misrachisten. Die -dritte -Partei bildeten die demokratischen Intellektuellen und Handwerker. Die sozialistischen Parteien «Bund" und „Poale Zion" waren nicht vertreten. Den Vorsitz führte der Minister für jüdische. Angelegenheiten Soloweitschik. ..Der wichtigste Streitpunkt war die Forderung der! Orthädoxcn. die Gemeinde solle nicht „national", sondern „national-religiös" heißen. Dieser Antrag wurde nach stürmischen Debatten, die mehrmals den Kongreß zu sprenge« drohten, abgelehnt. Die Orthodoxen haben ihrem Unmu^ dadurch Luft gemacht, daß sie die §anze Zeit unjinmge.