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Wiener Morgenzeitung · 1920-02-05 · Heft 373 (5.2.1920) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 373 (5.2.1920)
Date
1920-02-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Giu,«lo»«mplarr preis SO Keller PvLnnmevatto«»- titeife t. Die«: S«w «bhole» fe Me meUtioüt 2. Bezirk» Tabarkriite 1 MS 3» oder in einer verschleißstelle (Trafik»: Mnmrtuch . . Kronen iS.— vierteljährlich .. 30.- MtPofiversand für Wien und Oesterreich: NvnatUch . . Kronen IS.— Achecho-Slowakei: Monatlich . . Krone» 3 — Vierteljährlich .. 13.- ^tschecho-slowakischcrWährung Ungar«: Monatlich .. Krone« 13.— vierteljährlich „ »«.- i» nngarischev Währung Jugoslawien: gionatlich .. Kröne» v.— ierteljährlich „ «V- 1» jngoflawischer Wahrung Ureis Arik'' Prömumerattvnv« presse M* Peletn.. ~ MonatlichKro»re» ia> ivierteljShrlich v. ■' 9p** in polnischer WLH«m§^ Monatlich^/ /Mark».-- Ar«Nilreich: * Monatlich . . . FrnnN 3»-^ Ztalje«: - -> Monatlich . . i . Lire S.-* ■ Echwei;:> “ 7 Monatlich... Franks _ Radaktionn.AdwiEstrattoa Wt eu,Ä.B ez.,Tub o r ftr^.—8 TeleHhon«: Admintstrati« 4403«. Redaktion 4381» ab 0 Uhr abends Skr. 188m Postfparkaffenkonto 150.699 'ii' ’■ g'ma Nr. 373 Wien» Donnerstag, den 5. Februar 1S2V 2. Jahrgang Ein neuer Konflikt zwischen Deutschland und der Entente. Die deutsche Regierung lehnt die Auslieferung von 900 Deutsche« ab. Der Streit um die Hilfe. - - . - —V-W i e n, 5. Februar. Eswar zu. erlvarten,: daß die Heranziehung der Amerikanischen Finanzen zur Hilfeleistung für Europa ju schweren parlamentarischen Kämpfen im Washingioner '.Repräsentantenhaus führen wird, dessen Parteien ich für die kommenden Präsidentenwahlen vorbereiten, der'Schatzsekretär hatte im Auftrag der^' Regierung die Summe von 160 Millionen Dollar angesprochen, von tenen 70 Millionen für Oesterreich- 80 -Millionen für Holen! und andere Notstandsgebiets, . ' insbesondere Armenien, verwendet werden sollten.' Der Finanzmsschuß will jedoch insgesamt nur 50 ^Millionen bevilligen, weshalb Präsident Wilson den Antrag auf ünen' 160 Millionen-Kredit wiederholen ließ. ' ' Die Stellung der offiziellen Kreise Amerikas ist latsächlich in dieser Frage, in die neben finanziellen auch lüßenpdlitische Interessen Hineinspielen, eine sehr, schwierige. Der Senat, der dem Präsidenten Wilson vxgen des verunglückten Völkerbundstatuts und wegen seines Geheimabkommens mit England und Frankreich srollt, leistet in der Kreditangelegenheit starken Widerspruch und will bei; der Bemessung des Vorschusses nur nenschliche Motive gelten lassen, die heute' sehr niedrig du/Kurs stehen. Der Senat will die an England verargten 144 Millionen Dollar für Polen, und Oesterkych verwenden,' hat aber damit in! England Unnrut irregt. Die „Westminster Gazette" antwortet: . »Wir bitten nickt für uns, wir sind Amerika Geld schuldig: und dieses Geld werden/wir. hiß'iruf den .letz't'eu. ..Mennig bezcchkey/ obwohl" wir es nur auMeborgt haben, sim .Unsere Verbündeten , zu unterstützen, Ke" Nour der Lage ' MW, 4.^ ' H-uanv verlangen . Mu^^rden,'das Darlehen. zurückzuzMen. "Der britische - die Ällnerlen -mit energischen/ Werten neuerdings die Aus- Demission des deutsche« Gesandten in Paris. Paris, 4. Februar. (Havas.) Das Sekretariat der Bot-, schasterkonferenz hat heute abends dem Freiherr« von Lersner die Liste der am Kriege.Schuldigen, deren Auslieferung durch Deutschland verlangt wird, überreicht. . Wie die Morgcnblätter berichten,.besteht'die dem Fr'eiyerrn v. Lersner überreichte Note der Botschasterkonferenz aus einem Geleitschreiben - und der Schuldigenliste. ° Das Schreiben ist sehr kurz und beschränk: sich darauf, die deutsche Regierung daran, zu erinnern, daß sie sich durch die .Annahme des. Artikels 228 des Friedensvertrages verpflichtet habe, die Schuldigen auszuliefern.. Die Liste enthält endgültig 880 Namen. , . ■ ' : ' Berlin, 4. Februar. Das . Wölfffche Bureau meldet: Die Note,.in der die Entente die Auslieferung von 900 Deutschen verlangt, ist von Herrn Miller and gestern dem Vorsitzenden^ der deutschen FriedenSdelegation in Paris, Herrn von Hersner, übersandt worden..^Obwohl Herr v. LerZner bereits -am letzten Samstag die.ausdrückliche Weisung-erhalten hatte, eine derartige Nyte ohne werteres an das Auswärttge' Amt' weiterzuleiten, hat. er die Note an Herrn MWemndzurückgesanöt mit d.er' Erllärung, daß. er es mit seinem. Gewissen nicht' vereinbaren könne, hei der. Auslieferung Deutscher ,mitzuwirken.^ Herr ^v.'/Lersner hat. telegraphisch,!seine Entkrssung" aus "dem ' Rerchsdi'enst' nachgesücht und: erhalten.' '-' '' -- - ’• 'Welthandel ist wieder in der Lage,' die- Waren zu bezahlen, .die wir erhalten. Auch wir könnten! uns/vornehmen, uns -abseits.zu.halten, wie es die Amerikaner-nach ihrer eigenen Aussage, tun werden, aber wir. vermögen , nicht, alle . Verantwortung von uns abznschütteln. Amerikas Haltung zwingt uns im Gegenteil dazu, die Bürde auf uns zu nehmen und den Versuch zu machen,Europa zu finanzieren, obgleich die Last selbst für unsere Schultern einen fast schon unerträglichen Grad erreicht hat. Daher wird es uns unmöglich sein, in wirksamer Weise Europa finanziell neu zu ordnen und darum sehen wir zur Erledigung dieser Aufgabe nach Amerika hin. Wir wiederholen,, daß die Verhältnisse Amerika zum Einschreiten zwingen werden, aber dem amerikanischen Volke muß Zeit gelassen werden, um die Logik der Situation zu erfassen." . Es ist daraus, zu ersehen, daß sowohl- Amerika wie England den guten Willen haben, in Europa nach dem Achten zu . sehen, daß sie sich aber übex das Wie und Wann nicht zu einigen vermögen. Der Grund für diese Meinungsdifferenz liegt natürlich in' den finanziellen Schwierigkeiten Englands, das außer seinen eigenen Nudgetsorgen noch ununterbrochen von Frankreich und Ftglien zu Hilfe gerufen wird. Es ist deshalb zu begrüßen, daß der Plan der internationalen Währungs- Konferenz immer bestimmtere Formen annimmt und daß tm Zusammenhang damit im amerikanischen Senat bereits deutlich von einer Revision der Friedensverträge gesprochen wurde. Die internationale Valütasituation perlangt dringend nach einer gedeihlichen Besprechung. Aber ihre Lösung scheint unmöglich, solange Mitteleuropa zum Bettelri gezwungen wird und solange das Verhältnis,der.Entente zu Rußland nicht befriedigend geklärt ist. Diese Grundprinzipien einer Neuordnung Europas können nicht gelegt werden, solange Amerika nicht die volle Wahrheit über den fetanb der europäischen Kassen kennt. Es ist ja begreiflich, daß Regierung und Kapital -Amerikas davor zurückschrecken, in die europäischen Wirren hineingerissen zu werden. Aber Amerika.ist schon bisher mit großen Summen an der üsammenhrechenden Wirtschaft Europas beteiligt, die n Gefahr sind,' und selbst wenn esdiese Gelder für verloren geben, würde, konnte es sich den Wirkungen eines Allgemeinen. Bankerotts nicht. ensziehen. Der Funkeneegen des. stürzenden Gebäudes würde mich sein eigenes DaH .^bedrohen. Mit Recht weist , der Straßburger Nationalökonom Suret in „L'Europe Nouvelle" auf die Notwendigkeit einer finanziellen Solidarität hin, die sich daraus ergibt, daß auf finartziellem Gebiet das Unglück d.es einen noch nicht das Glück des anderen bedeutete So wie olle Absperrungsmaßnahmen der Tschecho-Slowakei es nicht verhüten können, daß die tschechische. Währung von dem Unglück, der Wiener Valuta angenagt wird, so ist auch Amerika nicht allein kultur von dem Abgrund des Pauperismus zurücksuf -er. Wett und der OM« .istnrehx, t Mreißen, desseri MlitiM.MtfiuM der russtsch-aöMche. lieferung des fiüheren deutschen Kaisers, der das Signal zu dem blutigen Morden gegeben habe: ' ' , Paris, 4./Februar.. . »Petit Journal" meldet, 'daß das polnische.Justizministerium die Auslieferung, ron 375 deutschen Offizieren der Besatzungsarmee, die während des Krieges m Polen stand,'verlangen werde.. ', . . Paris,. 4./Februar. (Havas.) Freiherr v. Lersner hat dem Ministerprästdenten Millerand die ihm gestern - übermittelte Liste der Schuldigen mit dem Bemerken zurückgestellt, daß er auf seine Funktionen als Vorsitzender der deutschen Abordnung verzichte und nach Berlin zurückkehre. Die Konferenz der Botschafter prüft die Lage. Dev Standpunkt der deutschen Regierung. Berlin, 4. Februar. (Wolffsches Bureau.) Die am 26. Jänner dem Präsidenten der Friedenskonferenz in Paris übersandte deutsche Note sagt unter anderem: Die deutsche Regierung hat den Regierungen der alliierten und assoziierten Hauptmächte anfangs November vorigen Jahres die verhängnisvollen Folgen dargelegt, die eine Durchführung der m den Nrttkeln 228 bis 230 des Friedensvertrages enthaltenen Bestimmungen über die Auslieferung von Deutsch e n haben würden. Die deutsche Regierung hat darauf hingewiesen, daß das Auslieferungsbegehren der alliierten und assoziierten Regierungen in' Deutschland ■ zweifellos die schwer st eil E rschütterün gen Nicht1 mir‘ auf politischem, sondern auch auf wirtschaMchem Gebiete auslösen müßte.; .Die deutsche Regierung wird die deutschen Strafverfolgungsbehörden anweisen, gegen alle Deutschen, die ihr von den' alliierten und assoziierten Regierungen als eines Verstoßes gegen die Gesetze und Gebrauche des Krieges schuldig genannt werden. Unverzüglich ein Strafverfahren auf Grund des zu übersendenden Materials einzuleiten. Sie wird alle Gesetze,^ die der Einleitung eines solchen Verfahrens etwa enr- Menstehen, außer Kraft setzen, insbesondere die bestehenden Amnestiegesetze insoweit aufheben. Zuständig für das Strafverfahren soll das höchste deutsche Gericht, das Reichsgericht in Leipzig, sein. Außerdem wird der jeweilig beteiligten alliierten oder assoziierten Regierung das Recht eingeräumt, sich an dem Verfahren, unmittelbar zu beteiligen. AeberreLchuna der Note durch den französischen Geschäftsträger in Berlin. . . Pari-, 4. Februar. Die Agence HavaS meldet: . Die Botschafterkonferenz trat heute vormittags unter dem Bop- 'amimn'irtt rT'Wii ■nyiiiii ibi« Diese Logik der Tatsachen ist zwingend genug, «m auch in Ainerika die Geister aufzurütteln. Es geht heute um mehr als um Geld. Es handelt sich darum, die Weltkultur sitze Mr.llerands zusammen. Sie nahm von dem. Schreiben v. Lersners Kenntnis und beriet über die zu.'erteilende Antwort. Es wurde erörtert, auf welchem Wege, mau der deutschen Regierung -das! Schriftstück zugehen lassen - könnte, dessen Weiterleitung v. Lersner abgelehnt hatte. Vermutlich wird die. Uebe r mit t l u n g durch den - f v'a nz-ö» fischen Gesch.äftsträger in Berlin - erfolgen../Die Konferenz wird heute nachmittags - neuerlich zusammentreten. Wahrscheinlich werdest der Brief v. Lersners.Und die. Antwort der verbündeten Mächte^ veröffentlicht Werdern Die deutsche NsgLerüng lehnt die Aüslrefe- Berlin, 4. Februar. Das Wolfffche Bureau meldet? - Die Reichsregierung hat sich in . ihrer , heutigen Sitzung mitder durch das Bekanntwerden der Äüslreferüngsliste geschaffenen Lagebeschäftigt.. .Durch die Weigerung des - Herrn v.. Lcrsner,; Rote und Liste entgegenzunehmen, ist sie' aller» dmgs noch-nicht im Besitz der beiden Schriftstücke,, jedoch hat die Beratung, die "aus 'der Grundlage -der inoffiziell bekanntgewordenen Liste stattfand, volle Einmütigkeit darüber ergeben, daß-an dem Standpunkte, wie er aus der am . 25. Jänner in Parisüberreichten, inzwischen, veröffentlichten Note ersichtlich . ist,, unter, allen ' Umständen f e st zm h a l>t c n sei. - Die. Reichsregierüng hat' schon bei der .Unterzeichnung des- Friedensvertrages. kssinexlef.'Zweifel darüber .geürssest»- daß die- Dürchfühvung^ 'der -MeÄÄngten ' Aüs'liefernW'' u tt*Z mo g li'ch' ist., DW' Ueberzeugung, diesie 'mit her . über- - großen' Mehrheit desdeutschen Volkes, ohne Unterschied der Partei teilt, wird sie' bei-Pen", weiteren notwendig werdenden Maßnahmen und Verhandlungen leiten. Ein Aufruf Noskes. < Berlin, 4. Februqr:' Das Wolfffche Bureau. meldet: Der Oberbefehlshaber Noske erläßt folgende Kundgebung: ’ Würde brwährenl So groß auch die Erregung in der Bevölkerung wegen des AuslieferungsbegÄhrens der'Entente» regierungen ist, muß doch der Erwartung -Ausdruck-gegeks» werden, daß van jedermann die gebotene Würde auch m»oferne bewahrt wird, als jede Belästigung von Mitglieder« der ausländischen Missionen ünd militärischen Kommissione« unterbleibt, so daß ich nicht MÄrgt bin, weitergehende Schutz» maßregeln zu treffen. ' . "i . . Berlrner-.MätterstrmMe«?/ . Berlin, 4. Februar. Unter dem Titel »Deutschland kann nicht ausliefern" schreibt der-»Vorwärts": Di.e^ deutsche. Regierung kann eisten Versuch zur Erfüllung dieses Vertragspunktes nicht unternehmenohne einen schweren i nnep-en Kampf zu entfesseln.^ Wir können die Auffassung, die auS den Beschuldigten •,Helden und Märtyrer machen will, gar nicht entschieden genug ablehOn. Sie haben.^icht. nur, wenn die gegen >.sie erhobenen-Beschuldigungen auf. Tatsachen beruhen, Taten begangen, derensich das deutsche Volk schämen muß, sondern sie haben durch diese Taten auch.die-furcht var schwere Lage verschuldet, in die das deutsche Volk heute geraten ist. Aber .auch von jenen, die den Beschuldigten mit schärfster Abneigung.- gegenüberstehen, wird die Auseinandersetzung mit ihnen -als eine innere Angelegenheit empfunden. In. Deutschland.-hat man nicht die geringste Lust, eine Katasirophenpolitik . zu treiben.; Dies: tun '-aber jene, die auf ihrem Schein, bestehen nud Forderungen stellen, ohne die Folgen-zu bedenken,: die jeder Versuch ihrer Cr- Mung mit sich, bringen müßte. Es ist zu hoffen, daß man im französischen und. englischen Volk, wo die Erkenntnis -mu allernotwendigsten ist, diesen Sachverhalt verstehen und auf ihn Rücksicht nehmey werde. , r Das »Berliner Tageblatt" sagt: Der allgemeine Eindruck ist der, daß die Liste-olles übertrifft, was selbst'-die größten Pessimisten für möglich gehalten hätten. Im »Lokalanzeiger" heW es: Die Regierung, müsse es denr Freiherr« v. Lersner gseichmachcn. Radikalismus, die ganze Mett zu verseuchen droht. W' handelt sich.um das Wohl und das Leben Mitteleuropas, dessen Rettung von der.Sicherheit der Menschheit verlangt wird,

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