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Wiener Morgenzeitung · 1920-02-04 · Heft 372 (4.2.1920) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 372 (4.2.1920)
Date
1920-02-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Eäiwüz: ' ■ \ Ntonatttch... ß-rmrkS L.-^!Refcottfimu;9tbnttntftr4it0K: Wte«,L.Bez.,TaborstrU.-S reletzhou« ^d«inist*atio« 0403«, Redaktion 4381». t» «IIÄ« «*ettb*4&t630l Vostftrar kaffe« konto L50.6QS Nr 372 Wie», Mittwoch, den 4. Februar 1020 2. Jahrgang Oesterreichisches Soldatenfpiel. Vom Abgeordnete» Robert Stricher. W i e», 4. Febru»«. * t Im ameAkanischml Senat ist anläßlich der Debatte kbtzr die Kreditgewährung an europäische Staaten sei-, Ms der Anleihegegner darauf hingewiese« tvorden, daß iöö ,Mitleidenden" Brüder sich einen unerhörten nMürischen Luxus erlauben. Statt Zinsen zu Zahlen, weren Luftflotten gebaut und auch die Rüstungen zu Lande »'Aost'Pieligster Weise betrieben und übertrieben. Die nienden Männer der Republik Oesterreich, deren Bejölkerung sehnsüchtig pach dem reichen Ämerika blickt vch von dort die einzig mögliche Rettung erhofft. &tfe» solche Aeußerungen nicht unbeachtet lassen. Sie jürjie« es nicht dahin kommen lassen, daß auch gegen Österreich der Vorwurf erhoben werden könnte, daß Deinerseits um Darlehen bittet und sich andererseits »mühe militärische Ausgabe,: leistet. Mn geht aber «e österreichische Regierung daran, eine Armee aufzu- Wen. N Hab« schon, vor drei Wochen im Parlamente m dftftm Unternehme» gewarnt und daraus hinger^ftn, daß diese Armee — der Friedensvertrag erlaubt atr eine» Stand von 30.000 Söldnern mit leichtester Sjewafstrung —> für die Verteidigung der Republik gegen «tzepe Feinde nie und »immer in Betracht komme« Snd i» ihrer Schwäche höchstens aufreizend wirken WtKe, Ich M die. ftät als besten .Schutz OesterMichs MpfvhW vnd davor ^varnt, «ine neue Milttärkaste zu züchten. Ich habe -aranf aufmerksam' gemacht, daß diese Äruree ohne /che» militärischen Wert «ach innen nur zersetzend wirken ttw-ber ewige Zankapfel, um welche» sich, die großen härteten ranfen, sein wird. \ß ', Die Tatsachen haben mir nur zu bald recht g*f De«. Roch ist die Vorlage nicht in Behandlung gekommen und schon ist ein erbitterter Streit zwischen kk Regierungsparteien darüber int Gange, ob der Sozialdemokrat Leuthner oder der Christlichsoziale Maiaja als Berichterstatter fungieretr soll. An dieser gewiß Donsächlichen Frage kann die heute so notwendige Koalition zerschellen. Wie wetten sich erst die Dinge galten, wenn diese Armee aktiviert und von Leiden ssarjeien für sich reklamiert werden wird? Ewiger, gif-- liger ^Hader wird ins öffentliche Lebe» getragen sein. ksine ehrliche Einigung ist ausgeschlossen, denn es geht Parteien weniger darum, eine Armee zu schaffe», als sie nur so schaffen, daß . der andere Teil jö? nicht in die Gewalt bekommen kann. Angesichts dieses Kmstandes ist der Verzicht auf jede Solbatenspielerei . sie gesündeste Lösung. Ich habe aber auch festzestellt, daß , die Armee trotz ihrer Kleinheit enorme, für Oesterreich unerschwingliche Arsten erfordern wird. Sie wird pro Jahr mindestens soviel kosten, als die Vermögensabgabe, in der jetzt projektierten Form dem- Staate jährlich einträgt!. M scheint ausgeschlossen, daß dieser Umstand von Geldgebern übersehen werden könnte. Wenn auch die Amerikaner'auf kein ausgezeichnetes Geschäft mit Oesterreich rechnen und uns in erster Linie nur Helsen wollen, werden sie doch den größten Wert darauf legen, daß Oesterreich, ihnen eine rationelle, Verwendung seiner Staatseinkünfte ga-an'iert. Die eingangs erwähnte Debatte im amerikanischen Senat ist ganz in diesem Sinne gehalten und sollte von unseren regierende» Parteien als unabweisliche Mahnung gewertet werden. Roch ist die Armee nicht errichtet. Innerlich find die Träger der großen Parteien, die christlichsozialen Dauern und sozialistischen Arbeiter, jedem Militarismus abhold, die Armee bedeutet für-diese Kreise gewiß keine. Herzenssache. Das Fallenlassen des ganzen ui* seligen Projektes würde nirgends Enttäuschung oder gar Erregung Hervorrufen. Es würde lediglich einen tre iig scherzhaften Verzicht auf parteipolitisches Prestige erfordern. Zu diesem Verzichte sollten sich aber die Führer u)n so leichter entschließen, als es gar nicht ausgeschlossen erscheint,, daß unsere allmächtigen Gläubiger ejnes Tages lein Machtwort sprechen und uns den Luxus der Erhaltung einer überflüssigen Armee verbieten werden. Dann allerdings könnte man mit. voller Berechtigung eine ungeheure Blamage verzeichnen. Ein österreichischer Protest «egen Westungarn. PariSß L Februar. (Havas.) Die heute unter dem Borfitze - Mil l e r a u d s zufammeuaetretene Botschafterkonferenz hat infolge Einspruche s der öftere eicht scheu Regierung wegen der nicht erfolgten Räumung der tveft ungarischen Komrtate seitens der Angarn beschlossen, die ALreise vergegenwärtig in B « d apest weilenden, mit der Aederwachnng der B esetzung dieser Ged L e t e durch österreichische Truppe» betrauten militärischen Kommission nach diesen Komi- Laten, zu beschleunigen. Dir Bolschewiken an der rnmänifchen Grenze. Berlin, 3. Februar. Die „BörsenzeiLung" meldet aus Hamburg: Dem „Hamburger Frembenblatt" zufolge meldet Affoeiated Pretz auS Bukarest, datz starke bolschewMsche Streitkröfte an der rumänischen-Greuze stehe«. Die Bolschewiken beabsichtigen, Rumänien den Frieden anznbieten. Falls dieser von Rumänien «iM> angenommen werde« sollte, würde« die Bolschewiken sofort in Rnmänien einmarschieren, Die Prager KohlenverhLUdLuagen. . Dolle Einig»«-. Prag» S. Februar. Heute fand unter Vorsitz des MinisterprasideMe» T u s a r eine Beratung der permanenten K o h l e n- und B e r k e h r § k o m m i s s i o « statt, au der seitens der tschecho-slowakischm Regierung Eisenbahnminister Dr. Frauke, Staatssekretär B u r g e r, Staaissrkretar Müller und SektionSches Dr. Peters, für die. österreichische Regieruug Staatssekrelär P a u l, Ministerialrat Dr.. K l o ß und Srktionsrat Dr. L a u g e r sowie der österreichrsche GeschästSlräger Dr. M a r .e k teilnahmeu. Nach längeren- bis in die Abendstunden dauernden Verhandlungen wurde schließlich eine volleEinigunginjen enF ttgtnet ziel t, deren L 8 suug zur . gedeihliche» Fortsetzung« der nnterbrocheneu Komp ens a t i o n s v e r h a » dlungen notwendig war. Die Kompensationsvechandlungen selbst werden am Mittwoch fortgesetzt »«de». Staatssekretär Paul reist «och heute abmds nach Wim zurück. Ungarn »ach den Wahle«. Bon unserem Bnvapester Kvrrespondeulen. Man sollte glauben, daß die Wahlen zur Nationalversanrmlmung glerchsam den Anfang der Konsolidierung Ungarns darstellen werden, doch zeigen sich schon jetzt gewifle Anzeichen dafür, daß das neue Parlament, über besten Zu. ständekommen man nirgends ohne Mißtrauen sprechen Hort, ein PauS des wüstesten Zwistes sein dürfte, obzwar eS Leine Sozialdemokraten zählt, also ein Fünftel der Bevölkerung ntfolge der Art, wie die Wählen durchgeführt wurden, ohne Vertretung geblieben ist. Der sogenannte christliche Block, dessen radikaler Exponent der KriegSminister Friedrich und dessen gemäßigter Führer der gegenwärtige Ministerpräsident Karl HuSzar sind, hat nur mit Mühe für die Zeit der Wahlen seine Eintracht zu bewahren vermocht; jetzt sieht man bereits die verschiedenen Richtungen und Fraktiönchen ihre Fronten gegeneinander austollen und deshalb käyn niemand Zurzeit mit Sicherheit sagen, ob der christliche Block tatsächlich auch die relative Mehrheit im neuen Hause innehaben wird. Friedrich will, unbedingt wieder ans Ruder kommen; er arbeitet hinter den Kulisse«- um schon jetzt, noch bevor die am 16. Februar zusammentrpiende Nationalversammlung ihr entscheidendes Wort sprechen wird, die Regierungsgewalt in die Hand zu bekommen. HuSzar wird chm in diesem Bestreben gewiß nicht entgegenkommen. Die?«ationasversammlung wird zuerst ein Staatsoberhaupt zu wählen haben. Es steht bereits fest, datz dieses Staatsoberhaupt kein anderer als Erzherzog Josef sein wird, und da dürfte Friedrich seine große Enttäuschung erleben, denn ob-, zwar er der Bannerträger Josefs war, dürfte dieser schwerlich mit .Rücksicht aus die Interessen des LalideS gerade de« gegenwärtige« 5lriegsminister, vor dessen Plänen die friedfertige Bevölkerung erschauert, mit der Regierungsbildung betrauen. Das neue Parlament ist übrigens seiner individuellen Zusammensetzung nach keineswegs hoch einzu» schätzen. Ein alter Politiker, . dessen Name in Mitteleuropa ~ immer einen guten Klang hatte,, hat eS das Parlament der Pänamisten und Pseudobauern.genannt. ES ist charakteristisch für dieses Parlaments , das angeblich den Wiederaufban des Lande« durchführen soll, daß eS keinen einzigen Ingenieur, kernen einzigen Finanzpolitiker von Bedeutung in seinen Reihen aufweist. Die Leute, die auf Len Straßen am lautesten gegen die Juden gehetzt hatzem ersteuerr sich heute eines Abgeordnetenmandats. j Der Weiße Terror hat einen völligen, Sreg errungen. Bisher — das Ergebnis der Stichwahlen ist noch ' abzuwarten —- ist Dr. B a z s o n h i der einzige Jude im Parlament. Es dürste sich in dieser, neuen politischen Umgebung kaum wohl fühlen. Dü Bazsonhi wird insbesondere in der Judenstage, die zweifellos. - den Gegenstand heißer Kämpfe in der' Nationalversammlung Hilden wird, manchen hart?« - Strauß auszufechten haben. Dabei sei entgegen allen Erklärungen Horthys, der sich jüngst wieder einmal erlaubte, seine Offiziere als Gentlenianß über den grünen ' Klee zu loben, nur - auf emen amtlich erhobenen Fall hingewiesen, der charakteristisch ist für dp» andauernd kulturwidrigen: Geist der sogenannten' nationalen Armee. Mitte Dezember reiste ein Lemberger Rabbiner mit fetner Frau nach Budapest. In Komorn wurde ep vönMeitzen Soldaten aus. dem ÄÜAr"g^chleppt/und blieb von ba an samt seiner.Frau vörschwundeik^ Dst/JNtsrveÄwue».^der Entesttemissiotten, "die' Dsckühüngch des MkmstLrpräWntwr Huszar^ / die. Schritte der polnischen Gesandtschaft blieben ergebnislos, ja, als man es wagte, einen Beamten von 'Budapest nach Komorn zur Untersuchung des Falles? zn entsenden, bedrohte chn dort der als Stationskommandatst fungierende Baron Pronay mit den Worten: .Wenn Sie nicht gleich zu Ihren Auftraggebern zurückkehren, kann e8 Ihnen passieren, daß Sw das Vergnügen habe« werden, mit dem Rabbiner und seiner Frau Gemahlin zusammenzukommen!" Der Beamte wußte sofort» was dies zu bedeuteir habe, und entfernte sich schleunigst. Selbstverständlich spielt jetzt die innere PoliK eme weitaus größere Rolle als > die äußere. Man verliert nur ab und zu ein Wort über die Bedingungen von Neurllh, von denen man behauptet, daß sie nach de« vorliegendeü, überaus günstigen Meldungen aus Paris eine beträchtliche Abänderung zugunsten Ungarns erfahren werden. Man will mich wissen, daß Ungarn einige Städte, die nach den bisherigen Bedingungen zu Rumänien gehören sollten, zurück- ' erhalten und dafür eine besonders wichtige Rolle im Kampst gegen die Bolschewiken übernehmen werde. Diplomatische Kryse sollen sich im Besitz einer Note befinden, in der Ungarn gleichsam gebeten wird, seine Delegatron unter Verzicht auf ein'e Erweiterung der. gewährten Frist raschestenS nach Reuilly zurückzusenden. Man . schließt hier daraus auf die durch die Angst , vor dem Bolschewismus immer größer, werdende Nervosität der. Botschafterkonfercrrz in Paris, die nach' weiteren.hrer vorliegenden Meldungen! Ungarn bestimmte Weisungen wegen der Aufstellung - von; Truppen zur Bekän^fung des Bolschewismus erteilen dürste. ' Die Schweiz und der Völkerbund. $ef& 3. Februar. Die vom Bundespräsiden bin Motto rn den eidgenössischen Räten zur Völkerbunds- . frage abgegebene Erklärung des Bundesrates betont zur Frag: der immerwähvenden.NeutralltaL der Schweiz:J 1. Die Schweiz «immt militärisch an keinem Kriege ' teil, auch nicht au de» durch Artikel 16 des Bölker-j Huu-b7rtrrges vorgesehene». Kriegen. 2. Die Schweiz ist unverletzlich. Sie ist .z» alle» Opfern bereit, um die Unverletzlichkeit ihres Gebietes z« verteidigen. ' 3. Die Schweiz kann keine« Durchzug und keinerlei Vorbereitung militärischer Unternehmungen auf ihrem Boden dulden. , Würden Ungewißheit oder Zweifel über Sinn und Tragweite der militärischen Neutralität der Schweiz bestehen bleiben, so würde sich das schweizerische Volk mit Recht beunruhigen und sich in seiner überwältügenden Mehrheit ohne Unterschied der Landesteile und der Sprache weigern, die überlieferte Neutralität gegen eine Unbeständige, unsichere und mangelhaft umschriebene Neutralität zu vertauschen. . B-

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