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Wiener Morgenzeitung · 1920-02-01 · Heft 370 (1.2.1920) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 370 (1.2.1920)
Date
1920-02-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Seine Reise vollzieht sch diesmal unter wesentlich anderen Voraussetzungen M im Dezember, wo er an der Seite Dr. Renners den Vftiqang zur Entente antreten, mußte. Damals war »och Clemenceau im Besitz der Macht'und sonnte sich in feiner Eigenschqft als Herr der Welt. Er stand mitten in' den Wählendie ihm die Bestätigung seiner Politik brachten, und kam aus London, - wo ihm die Engländer blle Versprechungen, gegeben hatten, an der Stange zu blöden. Dieser Rausch ist verflogen, Clemenceau, der darnals tu seinem Krankenzimmer Dr.. Renner gönnerhaft auf die Schulter geklopft hatte, ist, abgetan« im Abgrund verschwunden. Paul DeSchanelder. gute Paul, über: den Herzt in seinem viel zuwenig gewürdigten MüaiS Bourbon^ einem so prachtvollen Aufsatz geschrieen, ist an die Leitung deSiStaatSruderS getreten. Seine apolitische Ricksiung ist noch nicht in einer präzifen Formel ausgesprochen, aber.es.zeigt sich-doch schon m der allgemeinen Weltaufsassung der Entente eine ckifhere Lime; -man will den . Weg zu Rußland suchen und Man lenkt gegenüber den Zenktzalrnächten ein. Clemenceau hatte bei den Friedensverhandlungen Deutschland und Oesterreich wie. Sklaven behandelt, die ünfäch, ohne gefragt zu werdenverurteilt werden. Jetzt hat Apponyr, der im Namen des sündenheladenen afiatü scheu UnGW nach Keuilly kam, .joch ettycch.Melegeyhtzft Rat zu. vertreten und .in Frage und Antwort seinem Dginüng/zu sagen. Wenn sich also bei der Entente ein etwas freund. ivchererSmn zeigt, so ist das zuerst der Beseitigung des voM Greisenwahnsinn befallenen Clemenceau, in zweiter Linie aber der unheilvollen Gestaltung der internationalen Wahrungsrelattonen zuzufchreiben. Alle Valuten gehen zurück. Dies ist natürlich bei der österreichischen Krone am meisten zu sehen, die von hem internationalen Publikum gewissermaßen als Versuchsobjekt gebraucht wird, an dem zu erkennen wäre, wie weit man das Wiel treiben darf, das tausendmal blutiger ist als der Krieg, weil bei diesem doch wenigstens die Möglichkeit der Gegenwehr gegeben ist. Was soll aber, was kann dieses Oesterreich tun, um seine Krone zu halten und vm der Welt zu sagen, daß hier ein furchtbarer Schwindel getrieben wird, der sich bei der Betrachtung des Unterschiedes zwischen dem Wert der Krone in Wien und jenem in Linz oder Innsbruck ergibt? Je weiter westlich von Wien, um so höher steigt der innere Wert der Krone. Aber davon weiß das Ausland nichts, unsere Presse verschweigt das und Abgeordneter Stricker hat im Kamen von tausenden zugrunde gerichteter Existenzen gesprochen, als er m der Nationalversammlung diese Spekulanten- und Schieberpresse an den Pranger stellte. Das Währungselend zeigt sich in Oesterreich am krassesten, aber es ist überall vorhanden. Alle Staaten Europas, haben bis. zur Ausblutung ihr Volksvermögen m Form von Prüder in die Luft geblasen,, sie haben Milliarden unproduktiv in Soldatenlöhnungen, Reserviftenunterstntzrrngen und allerlei militärischen Erfordernisten vertan. Millionen von kräftigen Männern ihrem volkswirtschaftlich schassenden Beruf entzogen. Jetzt halten sie noch weiter Armeen unter Waffen, haben mit dem Problem der Arbeitslosen, der Wohnungsnot, dem Waggon- und. Kohlsnmangel alle Hände voll zu tun und müssen Zusehen, wie eben überall die Kaufkraft SeS Geldes sinkt. Die Wett steht unter der Peitsche der Internationale der Not« die wahrlich stärker ist alS jede andere. Dazu kommt noch die geradezu entsetzliche Einsichtslosigkeit der Siegerftaätsn, die das zu einer neuen Wirtfchastsäuffafsung sich sammelnde Rußland unnötigerweise Provoziert haben. Selbst wenn man prinzipiell diese Auffassung ablehnt, mutz man e "ennen, daß ein Krieg nur Propaganda für Rußland sein muß, weil er das Elend vergrößert und die Gemüter für die schillernden Seifenblasen der Leninschen Doktrinen empfänglich macht. Der Vergleich mit dem Frankreich der Sansculotten liegt auf der Hand. Die wertvollsten Gebiete deS Landes waren vom Feind besetzt. Pari» fast wehrlos. Aber doch Mffte das fein« politischen Kraft bewußt gewordene Volk zu einer ungeheuren, zwei Dezennien anhaltenden SbfemmM. M mutz. Par?s, 31. Jänner. „Echo ds DaviS" WM erfahren haben» daß sich folgende Namen auf ber S'fte befinden, die am 10. Februar Deutschland Überreicht wird und entgegen englischen Meldungen keine Einschränkung erfahren w?rde: Prinz Rnpp recht von Bayern, der Herzog von Württemberg, der Kommandant der 4. Armee Klnck, B Ä l o w» M a ck s n f e n, von der Lancken, Admiral Cape IXe, General von Sanders, tfieneral Stenger, General von Oftrowskh. General von Tesny, die Brüder Niemahcr, Major von GZrtz, Lutnant R'idiger, General von Cassel, Major von Bülom» cheneral von Marrteuffeh Leutnant Weruher, Major Pplentiner «nd Major Forftner. Stellen offen zu.halten,. eS ist märchenhafte Unkenntnis der treibenden Kräfte in der Weltwirtschaft, das jüdische Volk weiter in einem Sklavendasein zu halten und ihm sein Eigenrecht zu versagen, es war eine Himmel», schreiende Sünde> die Vierzehn-Punfte-Botschast Wilsons in jeder Hinsicht in ihr gerades Gegenteil zu wandeln^ und aus lebendigen/arbeitenden» strebenden, leidenhey und — hoffenden Menschen verzweifelte Existenzen.M machen, / die über das Selbstbestimmnngsrecht de« Völker hinaus zum Selbstbestimmungsrecht des Jndi*j viduums gelangen müssen. Die Entente müßte in Weiser. Erkenntnis der gesamten Lage EnropäS allen Völkern jeden, Grund zur. Klage über' Unterdrückung ihrer natürlichen Rechte" nehmen, um eben ihre Kräfte .frei m machen, die kulturelle Solidarität der Menschheit her»; zustöven und den Weg zum Weltgewissew und zur Weft^ Versöhnung zurückzufinden. . Amerika gegen eine Flnanz- ^/ Konferenz..;■-;/: Amstevd.am» 13. Jänner. (Reuter.) Wss die englifHen V^ÜSter aus New-WrL meldssü» heißt es in dem Schreiben, das Schätzs^kreM G l a.fi den Handelskammern übersandt hat, das Schatzamt fei gsgen eine inLernMonals Finanzkoukerenz» damit nicht/ die vergsMchs dürfsiffe Europas '/wiedsu auflebe. 'Gtafi er- UlLrte nachdrücklich, das wabrs Mittet gegen den schlechten Stand des Wechselkurses sei die Aufhebung des Verbotes der G o L d v e rj ch i f f n n g e n. — Dsr Amsterdamer „Tslegraaf" meldet, datz es in dem Schreiben des SchatzfekretSrs noch beißt, das Schatzamt sei ge^ en die KontroKe über den AnsranÄsbaudel und bis ausländischen Finanzen und noch mehr gegen die KontrolLs der Privatbetriebe. Das Amt ssi über§eugt» daß die Schritte» die für die WiederherfteNung des Handels notwendig seien, durch Privatleute getan werde» müßten. j Führung fast das ganze kontinentale Europa auf die Knie, trug die Ideen der Revolution bis an die russische Grenze. Ahnt die Entente, welche Gefahr für ihr politisches System die Provokation Rußlands bedeutet? Und sieht die Entente nicht die riesengroße Gefahr, die im fernen Osten ^aufsteigt, wo Japan sich festgesetzt hat und die Ausschließung Chinas vorbereitet, dessen Hilfsquellen ungeheuerlich sind und zusammen mit dem Reichtum Sibiriens dem Inselstaat der ausgehenden Sonne eine Macht in die Hand geben, die sich schlechterdings durch nichts eindämmen läßt? E§ ist nicht auszudenken, welche Gefahr für die weiße Menschheit entstehen könnte, wenn in den asiatischen, durch keinerlei Kulturhemmungen gebundenen Jurten irgendein neuer Dschingiskhan oder Attila aufsitzt und an der Spitze seines Menschengewimmels nach dem Westen reitet. Ist heute ein AetiuS oder ein Papst Leo auch nur denkbar? Wenn an keinem anderen Punkt, so ist hier zu sehen, welche» Verbrechen eS war, die weiße Menschheit in einen Krieg zu treiben, in dem sie sich selbst unter den höhnischen Augen der übrigen Rassen zerfteischt und den sie trotz aller Anzeichen einer noch wett größeren Katastrophe nicht beendigen will. DaS Ausscheiden Amerikas auS der Entente ist ein weithin sichtbarer Fanal. Amerika will alle Kräfte sammeln, um Europa zu Helsen und es nicht ganz inS Elend versinken zu lasten, weil es mit kommenden Gefahren rechnet. Aber wird dieser Fanal auch in dem von den Bureaukraten und Formelkrämern der Entente verpowerten Europa auch wirklich gesehen? Eine weitausblickende Politik der Ententeftaaten müßte darauf bedacht sein, in Europa einen wirklichen und ehrlichen Frieden zu schassen, den unterlegenen Völkern Arbeit, Kohle und Brot zu geben und sie in den Stand zu setzen, an die Ausheilung der Kriegsschäden zu gehen und untereinander Freundschaft zu halten. ES ist sinnlos, mitten in Europa zwischen Deutschen, lite. MW- AsMlawM. WümsW tauMt kmM Vor wichtigen polMschen EreignMerL in England. Der Londoner „Statist" besaßt sich in sein« AuSgrAy vom 17. Jänner in zwei Artikeln „Eignung zum Regiere«^ und „Die Gewerkschaften" eingehend mit der Frage dey künftigen Regierung in England. Zum Verständnis dies«? Ausführung erscheint es notwendig, daran zu erinnernd feit der vorherrschenden Stellung des Parlaments in land, also seit Eromwell, das ganze öffentliche Lebe« auf dem 'Dualismus zweier Parteien, aüfgebaut war, Jh«$ denen die jeweils in Vorherrschaft befindliche die Regierung auS^ ihren Führern/ zu bilden pflegte. Diese zjwei Par^ieM ^rptzgrunöbeM, die fMW Schutzzöllner Und Imperialisten, Neutralsten und die AchiW welche später in die liberale Partei übergingen und ihre An« Hänger unter dem Geldadel, dem Handel, der Industrie nM dem Kleintmrgertum hatten und die freihändlerrsche Richtung vertraten. Die Arbeiter, die erst mit der Fndustriallfierung Engnl lands, ungefähr feit 1800, zu immer wachsender Bedeutung gelangten, waren meist Parteigänger d« Liberalen. Späte« organisierten. sie sich zu Gewerkschaften, den sogenanntes Trade-UnionS, welche urfvrunglich jeden politischen Charattetz und jede politische Betätigung grundsätzlich scharf ablehnten, Hernach wurden aber die Trade-UnionS doch polltisiert, eßi kam zur Bildung einer Arbeiterpartei, der Labour Parttz» Die heutigen Trade-UnionS unerscheiden sich nicht mehr vo» den kontlnontalen Gewerkschaften, und so wie dies« hab«it sie auch unter den Arbeitern eine Strömung, bestehend an» „Unabhängigen", „Syndikalisten" oder Kommunisten usw^ gegen sich. Unter Lloyd George waren vor dem Kriege die Arbeiter» pateien bereits von großer Bedeutung und die monumentale Sozialgesetzgebung Lloyd Georges lArbeitslosen- und Alters» Versicherung für. das ganze Volk, die Begründung von Klein» bauerngütern usw.) waren ganz im Sinne und in der Richtung der englischen Arbeiterparteien gelegen. Nunmehr wird bereitti über die Eignung dieser Partei zur Regierung diskutieril und eine starke Entwicklung der Arbeiterpartei auf Koste» der liberalen, aber auch der konservativen Partei liegt durAs aus im Bereich des Möglichen und Wahrscheinlichen. ‘ Der erste der beiden Artikel des „Statist" geht von hsß Aeußerung Churchills aus, daß die Gewerkschafter (das heitzil die Arbeiter überhaupt) zur Negierung ganz und gar ungeeignet feien. Daraufhin unterzieht der „Statist" ihn selbst und seine Tätigkeit während des Krieges einer vernichtende» Kritik; es werden ihm fast alle politischen und militärische» Fehler Englands wahrend der Dauer des Krieges und nachher zur Last gelegt. Der Artikel gehr dann zur Kritik dsq beiden, England abwechselnd beherrschende« Parteien' übeq und ftagt, warum eine neue Partei in England, die ht rapidem Wachsen begriffen sei, als ungeeignet zur Regierung erklärt und als ein unwissender, für die Regierung gär nicht in Betracht kommender Anwärter behandelt werden soll. J Man möge es nur mit der Arbeiterpartei versucheeh deren Mitglieder die längste Zeit eine sehr schwierige Roll« zu spielen Hütten. „Eie hatten die Gesetze, den Hof, dft Richter und das Parlament gegen sich. Und jetzt habe» sie sich eine Machtstellung erobert, datz keine Partei» kein« Regierung, welche die Gewerkschaften herausfordert, sich auch nur einen Tag wird halten können." Die Gewerffchafte» feien die emzigen, die stark, genug zur Leitung und unve« braucht wären. „Wir sagen allen Ernstes und in voll«» Vertrauen, man möge die Probe mit dieser Partei machen« man möge ihr alle Möglichkeiten geben, wenn sie wirklich unfc wahrhaft unfähig zur Regierung wäre, dann fürchten wi^ tzaß M mwft in -Mtzex .MM MsM

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