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Wiener Morgenzeitung · 1920-01-29 · Heft 367 (29.1.1920) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 367 (29.1.1920)
Date
1920-01-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Redaktion 483ML ab 0 Uhr abends Nr. 10801 Poftsparkaflenkonto lSOiBB -üü—smi,,1 ■„'■füBg Nr. 367 Wie«, Donnerstag, den 2S. Jänner 1920 2. Jahrgang \ Die bedrohte Entente , -y. i!;? i c n, 29 Jämrei. Die.Noichrrchten über das konzentrische Vorgehen der öolschewrkischen Gruppen gegen Mitteleuropa, gegen den. Kaukasus und Zentralasien haben in der Eutentepresse.. Mt allem aber in der Englischen, viell Staub aufgewirbelt. Polen, ist bedroht und in England befürchtet «an-schon, daß sich die Bolschewiken und die aufständischen indischen Parteien die Hand reichen könnten, was für Englands Herrschaft eine große'Gefahr bedeutet, ja Ägar ihr Ende herbeisühren könnte. Die Entente im!ß .gunrnehr dieser'.Gefahr ins Gesicht sehen und es ist ihr heute weniger möglich als früher, ein Desinteressement;u zeigen, wo der ganze Bail der stolzesten Mächte- Gruppierung, die man je gesehen hat, in seinen.Grundfesten erschüttert wird. Delrn das,'was heute England ruf - dem asiatischen Boden entgege'niritt, : kann sich morgen, in' Afrika ergeben und das ganze Kolonial- -ystem der europäischen - Staaten zum Zusammenbruch -ringen. Aber auch in Europa selbst wird der: Sieg der Entente über Deutschland in Frage, gestellt, wenn zwischen. Sowietrußland- - mch dem gedenuitigten Deutschen Reich ein Bündnis zustande kommt, das "zunächst den 7U)t allerlei 5iriseu kämpfenden polnischen Staat von der Entente abschnürt, dann aber das ganze künstliche'Gewebe, das die Entente.-durch ihre'Staaten- Gründungen in Mitteleuropa errichtet hat, .gefährdete Die Entente kann den Bolschewismus auf Zweier^ «ei Art bekämpfen: militärisch und - wirtschaftlich. Aber zu einer. kriegerischen.Aktion.reichen, die .Kräfte„• der Die Entente Will Mit Nutzland Frieden schließen. B e 11 i ttr 28. Jänner. Der „LoÄstmrzeigsr" meldet aus Karlsruhe: Nach einer Meldung aus Paris hatte Frankreich bei deH Brrhandlnugen des Obevften- Rates, der sich mir der Annäherung an Nußland befaßte, die Bereitwilligksit. ausgesprochen, mit Rußland so f ort Fri edon zn sch ließ en, wenn die Sowietregisrung die Ein l ö s u « g der f r a nz ö sLs che u F o vde r u « ge n a u R « tz! and g e w ähr l e r ft s. Ms Garantie verlange Frankreich, daß R u ß° Land in Zukunft seine n e r s Li g b * t e n GeldLestände bei der Bank von Frankreich hinterlegen muffe. i AmeriKarrrsche Berichte über die Lage j ' irr Ärrtzlarrd. Washington, 28. Jänner. (Funkspruch.) „Worll/' imldet aus Ekatermodarvorn 20. Jänner,. daß die; Leitung der Don- und der Kubankosakenverbände die > Lage -als ernst betrachte. Nur .schwache Kräfte'der^frü-!, Heren , Freitvilligenarmee seien noch vorhanden. Die chKnbankosaken weigern sich, unter Denikin weiter zu ] kämpfen, weil seine Zivilverwaltung beispiellos.schlecht f gewesen sei. Denikin sei mit seinem Stäbe in Nowo- \ rofshsk.' In No stow seien. 6 Infanterie- und 13 Ka-! välleriedtvisionen der Roftruppen. Einige tausend Mann Hütten den Don bereits überschritten * Die FreiwiMg-rrr-. teilungen der Roten hätten hen Don hundert o 5 rouicnb Mann, die Magazine^ und. Depots sind gut ausrrcuiitieh und bic Fiihrung der Armee liegt in. den Händen reichsde.istscher. Generäle- .die auf . russischem Boden mit zusmnrnengelnssenen - Zahnen gegen de;>. A'crnd ichrer Heimat., kärndfen,' Die Japaner, die Mittelch?8 Dstsibixien'besetzt halten, zeigen chemg Äüst^'Hri Lr.uppen dern bolschewikifchen:Feuer .ausznsetzen, die tschechische. Armee..-die anr Vaikalsee. steht/ hat sich für -ieuirak erklärt,' Kolischak ansgeftefert und führt nur 'nehr.'Verhandluntzen rmt den.Bolschewiken wegen des freien RüÄweges in die Ts chemo,Mowakei. Die Entente müßte.heute ein Heer von mindestens Zlyei Millionen Mänyi aufstellen, deren Verpflegung sichern und. einen »MMmein langwierigen-imd mühsamen Nachschubdienst-?iMchten. was ihr bei dem eigenen geschwächten Be-' ständen nickjt sehr leicht fallen kami. Auch eine Wirtschaftnchs- Bek'ärnpfuna der Sawietrögiexung erscheint ünaus' führbar, da Rußland seine Truppen ans eigener Kraft ernähren -kann.und die ganze Organisation des Staates mit'zäher Energie in den Dienst des Krieges gestellt-hat. Lenin Hat nach dem Muster Deutschlands das ganze Hinte/lanh für die Kriegszwecke eingerichteL, . er hat »men'Arbeitszwang eingesührt,.der an Härte, aber auch an Zielbewußtheit die im- Weltkrieg angewendeten Zivil-. diLnstgesehe. der MitEelftaäten noch - übertrifst. Die Entente hat sich ohnehin schon entschließen' müssen; die Blockade gegen. Rnsiland aurzpheben, weih.sie::unnütz geworden war, und weil die Ententestaaten selbst zu der Ueber-Leugung gelangt sind, ohne die reichen - Ernteergebnisse Rußlands nicht auskommen zu. können-- Es bliebe also für die Siegerstaaten nur der Weg eines friedlichen Abkommens mit Rußland übrig, weil nur der FriederchsMuß dein Vordringen der Bolschewiken und i hx en' Wirts chaftl r chen Ideen ein Ende setzen könnte. äMe,-innere Situation der Ententestaaten zeigt das interessante Bild, daß die radikalen Parteien nüt den Bolschewiken snnrpathisier^n und jede Fortsetzung des militarischen5?rieges eifrig bekämpfen. In dcnEntentestaaten stehen die sozialistischen Parteien außerhalb der Regierung und haben ihr natürlicheZ Gebiet, das der Kritik, nicht zu perlussen brauchen. In den Zentralstaaten sind die Sozialisten durch den Gang der revolutionären. Ereignisse dazu gezwungen worden, sich mit den-bürgerlichen Parteieil in die Herrschaft.' zu teilen. Ihre Vertreter sitzen in Berlinin Wienaund in Prag in der Leitung der politischen und administrativen Orgarie und haben dadurch den größten Teil der Verantvwrtung für Regierung und Verwaltung übernehmen müssen. .Sie haben sich auf den Boden der gegebenen Tatsachen stellen und angesichts der schweren wirtschaftlichen Vetzbältnisse. der Not an Arbeit, Kohlen, Lebensmittel und Wohmm Meilen östlich von Rostow überschritten und auch-, am Saliluß wenig " Widerstand gefunden. Aus der Aftrachangrgend seien zu Land und zu Schiff Rottruppen in das TLrekgebiet gebracht., worden, die sich Kisljars be,nächtigt und die Bahnverbindung nach Petrowsk abgeschllitLen hätten. Die Rottruppen seietl .irr der Nähe Grosnys, des Mittelpunktes der nordkaukasischen Delftlder. '' - Die tschechischen Bergarbeiter beharren arrf Ler Sozialisierung. F-oederuttg nach einem Monatsmruirr.um von svvv K» Prag, 28. Jänner. Heute hielten hier die Vertreter von Vergarbeiterverbänden leider Natilgnen-eine Beratung ab, Su cher Delegierte aus allen Revieren der tschecho-slvwäkischd'n MpEi-k ei-ngetrosfrn'-.- waren.- - -In der nach längerer Debatte angenommen.en Entschließung wird, dem „Pravo Lidu" zufolge, erklärt, haß die Bergarbeiter auf der Durchführung ihrer im Juni des Vorjahres unterbreitetem Vorschläge betreffend die S o z i^a-- lisiernng der BergwerksLetriebe beharren und verlangen, daß.' die Kyhlenförderung sowie^ die Tswirt-- s'chaftnng der Kohle von allen Rücksichten gegenüber Privatkapitalist tschau Interessen befreitwerten. Das Gesetz über die Betriebs- und Repierräte ist ohne gleichezeitige Annahnre<des Entwurfes^ über die Beteiligung der Arbeiter an her Verwaltung und am Reingewinn für die Bergarbeiter nicht annehmbar, : weshalb die Durchführung der letzteren Forderungen mit aller Entschiedenheit/ verlangt werden nrüsse. f D'e Bergarbeiterverbäytze werden ermächtigt, ein wciie 'es Hniaüsschieben! der Erledigung ihrer Forötzrungen mit a.llen wirk» : sam e n Mißtcln zu verhinder n. Bezüglich der wa ecie'len Besse:stellnng der Be. garbei erschaft verlangt die Tagung die Erhöhung Leö ExistenMmimmns von 60 0 auf 6 000 Kronen monatlich und protestiert gegen die Einziehung der Erwechstener ipr vorhinein, da die Löhne ständig schwanken. Die Tagung verlangt die Errichtung eines Lohnamtes, das die Löhne ' alle zwei Monate den jeweiligen Preisen anzupassen hätte. die ihnen diealte, in der Opposition erprobte Schlagkraft nähmen und sie vielfach in unlösbaren Wider- - spruch mit ihren Parteidoktrinen bringen. Davon sind ihre Gesinnungsgenossen in den Siegerstaaten frei geblieben, sie besinden sich, nach wie vor in der viel voikstünüicheren Stellung . von Oppositionsparteien und konnten ibre Handlungsfreiheit überall wahren. Dazu ....i-ran--~r-.’ ' \ elementen ausreichende politische Nahrung bieten. Auch die Siegerstaaten haben die Folgewirkungen einer fünft jährigen Berschlpuherung der Volkskraft und des Volks«« Vermögens erfaßt und wenn auch durch ihren Sieg ihre« Völkern die unmittelbaren Leiden erspart geblieben sind, so bewegt sich doch auch bei ihnen die gesamte Euft Wicklung durchaus und entschieden auf. die. absteigendes Linie zu und das, was wir und bis zu einem gewisses Grade auch die übrigen aus der Monarchie entstandenen Gebilde durchmachen, steht auch den Ententestaaten bevor und die Künste ihrer Regierungen können ta3| kommende Unheil nur aufhalten, in seinen Anfängen abschwächen, aber durchaus nicht, verhindernd Auch beA ihnen findet die Jöeenpropagandä des russischen Bol-j schewismus einen empfänglichen Bodett und günstig g«^ stimmte Seelen, da die Siegerstaaten trotz aller ver^ zweifelten Anstrengungen der Losung des Arbeitslose«^ Problems bisher nicht näher kommen konnteru Diq Friedensverträge haben in weiten und fleißigen Gä bieten Mitteleuropas die Freude an der Pro-« duktion .. vernichtet und - die. Arbeitsenergie - zer-s stört. Mitteleuropa kann sich weder durch seine rnd« strielle, noch durch seine agrarische Organisation cm nähren, weil es durch die noch immer 'fortwirkends Blockade,, durch den Niedergang seiner Währung, durch! -re Waggonnot und durch die mit. dem U»Boot-Krrea zusammenhängende Frachtraumuotvon den amerikanft scheu Lebensqnellen abgeschnitten ist. ' T ' ' Die Entente, .die heute schon erkennt, daß die. Wö? siegten nichts zahlen können , und nichts zahlen werden^ ist kaum in der Lage, sich selbst, zu helfen, geschweige denn dem zahluntzsullfähigey Schuldner aufzuhelfexr, -"Sr^vermag -nichts^ vhne' Amerikcrmnd m Amerika dröttA! alles, auf eine'Ausgleichungder europäischen- Schwierige i kerten hin. Amerika hat sich von der Entente, zurück« j gezogen, weil es nicht in den Strudel -mithinein«- - gerissen werden will, und es steht den Dingen in Europa mit der kühlen Gelassenheit des objektiven Zuschäuerß gegenüber, der den Moment des Eingreifens selbst Lestimmen will. Die amerikanische Hilfe kann aber, nuk über den Weg der Revision der Friedensvertrage un« der restlosen friedlichen Liquidierung des grüßen -rusÄ scheu Problems kommen. . .. . ..rZ kommt noch, daß sich auch in den Ententestaaten wirt- ' Key K.W.Arsmisie Mt den; Mraertum schließen. MÜsseNr 11chajtljche Krisen eingestellt haben,, die den Optzosttions« stvestungar«. . Gcstern ersckien be«m Staatskanzler Dr.' R e. n - n' e r' Deputation aus Wesiungarn, um verschiedene Wünsche brzüglA des Anschlußes und Beschwerdm gegen dm Terror der ungauf Regierung vorzübrinaen. ' Staatskanzler Dr. Ren » e r erklärte aus eine Stift) rntitv anderem: Ich bin der festen Ueberzeügung, daß es nicht einer tarischen Besetzung bedürfen wird, damit Westungarn an mO gelange. Ich glaube, Ungarn wnd sich dem Spruch der hohe«' Mächte.fügen und dresen Spruch durchführen im Wege drcVer^ stLudigung. . ' 4 Ich werde mir alle Müde geben, beim Hohen Räte dahinj zu wirken, daß bei Unterzeichnung des Friedens eine De-j markationslime^ gezogen werde, wir werden dann sofort dura« gehen, ^hr Heimatland.zu konstituieren. I Wn werden Ihr Land so behandeln wie alle andere« AlvenlandschaNen: Ihr Land und Ihr Volk wird sich ßW '.egieren. Ich hoffe, daß Oedendurg dre Hauptstadt dieses Landes sem wird. - . ' Feldsberg verbleibt bei Deutschöfterrelch^ Wie wir erfahren, ist eS als ziemlich sicher - betrachten, daß die S t a d t F e! d s b e r g «i ihrem Gebiet bei Nied er oft erreich de b l e i b t, somit Deutschosterreich nicht verloren geht. Die rigent«-- liche Ursache für diese Lösung der Feldsberger Frage ist in de« Haltung des (regierenden) Fürsten Johann zu L i ch t e n st e i« zu suchen, dem bekanntlich das Eisgruber Gebiet wie auch' große Teile des Fcldsbergec Gebietes gehören. Als die Tschechen seiner^ zeit die Eisgruber Besitzungen des Fürsten Llchtenyein «nt«? Lwangsverwaltung setzten, protestierte der Besitzer dagegen ins seiner Eigenschall als souveräner Fürst, der sich während des- Kriegcs völlig nmtral verhalten habe. Die tschechische Rczittung erhielt denn auch eine entspretzende Weisung aus Paris und mußte die über die Liechtrnsteinfchm Güter verhängte Zwangs^ Verwaltung wieder ausheben. Was die Feldsberger Besitzungen | des>Fürsterr Liechtenstein aulangt» so erklärte der Fürst in bm | bezüglichen Berhandsungm mit der Tschecho-Slowakei, daß i Wert darauf lege, daß Feldsberg famtGebietbes - N ix der 8 sterreich derbleibeund erklärte sich dafür; bereit, bestimmt Teile des Eisgruber Gebietes, die von Tichechew bewohnt weiden, der ifchecho-slowakischen Regierung zur Be^ , fügnng zn stellen. Dis weiteren erklärte sich der Fürst bereit, dis * Bahn Ei Bdlle'iSlrunn auf eigene Koster^ -- bg-.'-e'.: «

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