Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 366 (28.1.1920)
- Date
- 1920-01-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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f««te Htütk Hß»Ln«meratio«vpreise: sie»: A«n Wtzale» ftt der mebitiajt, 2. Bezirk, **bt)s- Klße! biS H, oder i» einer Rttschleißstelle (Trafik): «„»atlick . . Kronen 1».- Wlerteljührlich »«.— Wtt Postvrrsand für Wien und. Oesterreich: KovatUch .. Krönet« l».-~ Tichech»-Slowakei: Konatttch .. Krone« 5.— »terteljiifirltw 1k».- « ts6)rcho-flowattscherWährung Nnaarn: Koncktlich .. Kronen 18.— Stertektährltch .. so.— in nugarischer Währung A»a»fka«ie«r Wonutlich .. Krone« 9*m «MÄjich-ttch m »7.- D» insofla»ksch« rener Nr. 36V Wien, Mittwoch, den 28. Jänner 1S2V V«te »» Se>» «MMMmmnnn» preise ffte > frftr. . V ««nntNch .. Kronen HM WUrteljährfW» « St3 in polnischer Mih««» Dentschland: . . < Monaiktch ...Murk«^ Frankreich: I Monatlich . . Frank- 8o-4 Italien: i Monatlich . . . . Lira Monatlich^ f%'vant9 ®«4 Redattto« v. <kd«rnißtrattoG Wten.rr.B ez.»raborstr«l—S Telephon« AdminiftratioW 446»»». Redaktion 488^ ob 6 Uhr ndend- Kr. 16«» vulinMi'iincimiif 2. Jahrgang Der Revolver. > , —y. ,5B t e tt, 28 'jämiei.! Bee Krieg hat in die politische Diskussion das krgument der Gewalt hineingetragen. Wenn die Diplomaten aus ursprünglich einfach und klar liegenden dingen einen Knoten gemacht haben, den zu entwirren hpe geistige Potenz nicht mehr.hinreicht, dann überleben sie die Fortführung der Angelegenheit den Generalen. Fortan entscheidet nicht mehr die Erwägung ier Rechtsansprüche der einzelnen Beteiligten, sondern mr die bessere Bewaffnung, nicht die bessere materielle jder moralische Begründung, sondern die Anzahl der tanonen und Maschinengewehre. An die Stelle der ge- Pölich geregelten Beziehungen zwischen den Staaten tritt em Ausnahmszustand, "der die Tötung von Menschen, die Zerstörung der Verkehrswege und. Verlichtung des Eigentums als Mittel zur Wehrlosmachung ies Feindes benützt. Es ist eine ganz besondere Art von kkecht geschaffen worden, die völkerrechtliche Grundütze normiert, . die im Falle des Krieges in Krafthefat, aber jedesmal an der Brutalität des Egoismus Ditern, weil eben der Krieg an sich die Rechtlosigkeit hlhst ist und eine Stimmung erzeugt, die sich schließich auf das Leben der einzelnen überträgt und sie 'lehrt, n Zwesfelsfällen einfach die . Gewalt anzuwenden. Im Politischen Leben Westeuropas hat. man diese. Kethode bis zum Krieg kaum gekannt, weil durch die konstitutionelle Verfassung, durch die Zulassung der Völker zur Gesetzgebung die Möglichkeit gegeben war, Streitfragen durch Ueberzeugung, , Ueberredung und chließlich Abstimmung zu lösen und eine halbwegs haltbare Uebereinstimmung' "der politischen Meinungen zu Haffen. Nur. in dem autpkratisch regierten Rußland lriffen die unterdrückten Leidenschaften zur Waffeals ite Hach' einer / europäischen' Entwicklung ^-strebendem'- 5lemdnte immer wieder auf das starre Nein des Zarismus stießen. Von dort her kam die Anwendung des Wentats und öfter, als es der Bewegung des Politiken Denkens gesund war, veiluchte der Revolver, eine Aystemänderung zu-erzwingen. Die russische Methode fand bald Anklang aus dem Balkan, wo die Verschwörer- Taktik Hon den europäischen Mächten mit allen Mitteln gefördert wurde, um den morschen Bau der Türkei für 5ett endlichen Zusammenbruch reif zu machen. Die ^olgewirkungen des Krieges sind aber jetzt um di? eine, eicht sehr schätzenswerte bereichert worden, daß auch im Zentrum Europas, der Revolver zu reden beginnt und m die politische Aussprache-einen blutigen Punkt setzen vill. Man hat einmal von einem politischen Notwehreecht sprechen wollen, das solche Attentate gewissermaßen im Namen des höheren Rechtes eines Volkes oder einer Mee sanktionieren soll. Es steht zu: hoffen, daß sich eine solche Anschauung nie und nimmer durchsetzen wird, ioerl Mord eben immer nur Mord ist. und weil Blutvergießen durch nichts rechtfertigt werden kann,/aber rüch gar keinen.Beweis für bessere Gründe ergibt. Aber rs'ist.eben' der Kriegsmentalität zuzuschreiben, daß - das Menschenleben überhaupt nichts, gilt .und - daß durch die dis zur Fieberhitze gesteigerte Epidemie der moralischen Gxippe der Mord, zu einer ständigen Erscheinung' geworden ist, sowohl der meuchlerisch, verübte als auch der mit einem gesetzlichen Schleier verhüllte des Weißen und roten Terrors. . , ./ ../ ,.Cs ist eine ganze Reihe solcher Attentate-aus die Menschheit überhaupt-zu verzeichnen: die Ermordung Ejsners, Liebknechts,- der Luxemburg, -Hugo Häases, die Anschläge aus Auer, aus Clemenceau und nun auf Erzberger: die Galgenregierungen - in dem Budapest der. Leninsöhne und der Friedrichschen Pogrombande — alle diese Entartungen des Denkens , und der Empfindung finden ihre erste und letzte Motivierung im Krieg. Die völkerrechtliche Lüge, die den gegnerischen Staat oder das gegnerische Volk zum Feind macht, der mit der ustimn rniio regis zu bekämpfen und zu vernichten ist, hat sich zur nstia-u rali«, ausgestaltet und macht das menschliche Leben auch in der neuen Zeit des angeblichen Friedens zum Einsatz- Wer gegen den Krieg war, perfiel durch vier Jahre der -staatlichen und sogar gesellschaftlichen Aechtung, wurde verfolgt, in den Kerker geworfen öder hingerichtet. Wer heute den Mut irgendeiner Ueberzeugung hat, irgendeine von dem Denken per Masse abweichende Meinung vertritt, verfällt dem gleichen Schicksal; das neue Regime hangt ihn an den Galgen oder wirft ihn in die Zelle. Und so kommt der Einzelne, den die rasende Entwicklung unserer Tage Hoover Präsidentschafts-! Kandidat. P a v i s, 27. Jauner.- (Korr.-DuW „Echo '.-v Paris* meldet: Hoover hat nunmehr die Kandidatur für die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten angenommen, ohne sich zu entscheidenober mttdenVepudliLanern oder den Demokraten gehen'werde. Die russischen Mönche als Bolschewiken. Paris, 27. Jänner. (Funkspruch.) „Echo fc-i; Paris" meldet, Latz sich m den russisch e n K l ö st e r n des Berges A L h o ö der Bolschewismus derart verbreitet habe, daß die französische Regierung auf Er.suchen der griechischen eine Anzahl Mönche nach B itz e r, L a (Afrika) deyorLiert habe, . von wo sie nicht mehr in i r Kloster» sondern nach Nutz-' Land werden zürückgesendet werden. Eine Seeoperation gegen Sowietrutzland. Berlin, 27. Männer. Wie Las „8-A-r- AbLsrdblatt" .aus Ba?rl b^ichteL, bringen „DaÜH^MM" und „Daily Chronlele" Andeutunaen über Bssprechüngen zwischen -L vyd George, Chur-chiT'und 'Dem ehemaligen Chef der britischen Marine Z el l i eö e. Es wird derstchert, der Admiräl sei mlt dem Kommando Mer einebritische Ssestreitwachk ■ ÄeLrautworden, die demnächst -Lifte Ovsratzion. geMn.. -v ' Das ist freMch nicht der Weg zur sozialen unV wirtschaftlichen Höherführung der Gesellschaft. ES ist nur der Weg zur Vertiefung und Verlängerung des. geistigen Elends, das wir dem Krieg zu verdanke» haben, nur die Ausdehnung der Blockade auf das Emzeb Individuum. Man hat jungen Buben, die noch feuicht hinter den Ohren waren, in der Zeit des Krieges unter Musikklang und Begeisterungsrummel Gewehre, und Patronen gegeben, sie — wie der ekelhafte TerwinuS gelautet hat — abgerichtet. Nun kommen diese Buben in den Frieden, haben in den Ohren noch das Schreienihrer Opfer, im Schädel noch die Erinnerung an Märsche, Brände, Hunger und Trommelfeuer. Und da ist jemand anderer Meinung? Her mit dem Revolver! Der/Seelenanfschwung, den entzücktes Hinterlandsgesindel, /, Professoren und Heimstrategen besungen haben,- hat alle Ethik verschlagen. Und solche Menschheit soll gesundend Die unqarischen Wahlen. Die Wahlen in die - ungarische Nationalversammlung sind vorüber und wenn auch die Gesamtergebnisse -noch Nichtvorliegen, so kann doch beute schon fesigestellt werden, daUdie ungarische gesetzgebende Körperschaft von den zwei' Gruppen der Christlichnationalen und der- L.andwirtepariei. beherrscht werden wird. Dreses Ergebnis hat niemanden^ der-« die politische Entwicklung in Ungarn mit Aufmerksamkeit' ver-.- folgt hat, überraschen können. /Trotz des radikalen .Wahl--' geseyes, auf Grund dessen diese Wahlen durchgeführt wurden,' waren diese msoferne keine allgemeinen, als die soziakdemo»- kratischeu Arbeiter, einer Parteiparole folgend, -sich der -Wahl.' enthielten und wenn vielleicht ayr Wahltage selbst die Wähler unbeeinflußt ihr Votum abgeben durften, so hat doch eme' SvMeLrützlÄird M'LL-ruehmen Der AzesyerlmNsÄTr Tschechs-OloWMei. Fruanzmirrister SvAtug über die Treiber sie«-Ner ans- ^L.Lftdsi.che» Ageute». > , Pvng, 27. Jänner. :Die Nakionälvers-Lmm'lnng .setzte heute -die -Budgetdebatte fort. -Zmn-'Kavstel' ...FinayZ-i" lninisterimn" hielt. Finanzmini'ter S o n t a g eine., längere R.'de. Er verwtes -unter, anderem auf das Mißverhältnis zwischen dem ausländischen Kurs der tschechoslowakischen Krone und ihrem tatsächlichen Wert und schilderte an der Hand von konkreten Fällen, wie unter Ausnutzung des nied t igen Kro nenknrses - seitens ausländischer, besonders schweizer i-s ch e r Ägenten.Waren im großen aufgel'-auft ioeröen, darunter auch Wären, die - seinerzeit ausdemselben AnSlände eingeführi-worden find. Ja die Spekulation gehe so weit, daß die -NUN in der .Tsch'.-cho--S.'<vtLakei znrückgekauften Waren hier, ne u-erl i ch mit Gewinn zrun - Karts angevoten ioerden können. Die Tschechv-Slowakei, führte .der Minister ans, leibe unter dieser Spekulativu - ähnlich . wie Oesterreikh und' in letzter Zeit auch - Deutschland. Da. aber die. -Rohstoffe für die Erzeugung neuer Waren teurer eingekauft werden müssen üUd mit der wachs-rüden Teuerung auch die Löhne, in die Höhe'-gehen/und somit ein Mißverhältnis zwischen denhohen-'.Lohnen und' dem geringen Verkaufspreis sich, ergibt, kommen die sozialen V-'rhältnisse.in Gefahr. Eine Gesundung der Valuta ist ' nur dadurch möglich, daß man trachtetz für die eigenen Erzeugnisse die Preise des Weltmarktes zu erzielen-und auf diesem Wege sich auch genügend fremde Valuta zu beschaffen. Abgesehen von den srwähnü'n Spekulationen der schweizerischen Agenten, die außer dem direkten Einkauf von hiesigen Waren und dein Kettenhandel mit ihnen auch die Vermittlung von Geschäften -zwischen der Tsch; cho-Slowakev und ■ anderen Staaten betreiben, kommt das tschechische Exportgeschäft in die deutsche Sphäre, was der tschecbischen R. publik auch nicht gleichgültig sein kann. Hierauf rekapitulierte der Minister - bte gelegentlich der Anwesenheit des österreichischen Staatskanzlers in- Pra? -näk den Vertretern der österreichischen Regierung verhandelten finanziellen Angelegenheiten und betonte, daß das beiderseitge Entgegenkommen einergünstigen Abwicklung der strittigen Fragen sehr förderlich gewesen sei. aus Mn Geleise geworfen und um die Fähigkeit ruhigen Nachdenkens gebracht hat, dazu, den Revolver als letztes und unwiöerleglicheZ Arguhwnt zu ae° brauchen. weiße Terrornicht so 'ine!,' Zert'gehabt batte/die ^Wähler in?- seiner Art nächbrückkichst -.scruszrlttären". Daßdie J-udem diesmal ganz nach freiem' Ermessen über ihre' Stimmen der« ' fügten, werden - selbst die gegenwän'igen Führer des ungari».' schen Volkes nichternstlich behäüvten' wollen^ -Es sülk-hierbeti nicht alle Schuld auf die Regierung in ihrer-Gesant-thert tge« laden - werden. / Wir' wissen aus unseren eigenen- BeckhÄtnisserv in Oesterreich, daß eine Koalitionsregierung' oder toteilfie;'i» Ungarn h'eißtz eine Konzenträtidnsregierungeinen -.'schlüere«: Star'ld' hat und daß-' die- Anhänger/der einzelnen Parierem außerhalb der Regierung'oft die Mrnachüngen -üüd:.'Wünsche ihrer Vertreter in der Regierung. nicht respektieren.. Es?: solh daher ohneweiters zugegeben - werden, daß zum. Beispiel ,der Ministerpräsident' H üs-z a r mit seiner Absicht,' dü§.< politische: urrd geistige Niveauder -Ränonalversammlung. dadurch.-zw sichern, daß -eme. Anzahl deri -alten,' auch "im' AuMndean» erkannten politischen Geister gewählt werdenim großen ulld ganzen .nicht ^nur. im Lager der Majorität, sondernauch in der Oppositivtl selbst durchgefallen ist. Kriegsminister.H-r i ed^- r i ch wurde gegen W e k e 11 e ausgestellt und nach erbitterte» Kampfe auch durchgebracht. 'S z he r en y imußte nicht -«mtz gegen, den Kandidaten der christlichnationalen .Vereinigung^ sondern -auch gegen Wahlwerber aus liberales und demokratischen^ Zirkeln ankämpfen- und dre .Vereinbarungen zwischen der chrsiM-chnationalen -'Vereinigung - und der Landwirtepartek Wurden, wie-bereits-berichtet, über-den Haufen geworfen, .; Trotz alledem soll nicht geleugnet werden, daß -derüberwiegende. Teil . der. - ungarischen Wähler, der Regierung Huszar - jenes - VolkSparlainent gegeben hat,, dem die. gegeilt hrärtigen .Machthaber die Verantwortung für die künftige. Gestaltung der Dinge jn Ungarn übertragen wollen. Wird hieses- Parlament kein, anderes Pestreben haben, . als das Interessedes magyarischen Volkes zu wahren, es zu neuem, sir friedÜchem Wettbewerb erworbenen Wohlstand zu. führen, so-wird -ihm dies keür. einsichtiger , Mensch, aber, auch kein , anderes Volk mißgönnen. Mag das ungarische - Volk . seiy eigenes. Häus einrichheu, wie es. dies für gut halt/ wenA e8 dabei Nur auch die/Mitglieder der anderen Nationen,unb . Völker, die in seiner Mitte leben müssen, nicht knechtet und. - entrechtet, wenn eS nicht wieder in die alte Sünde ver-> fällt, die 'nationalen Gefühle der anderen als staatsgefähr» lich gewaltsam zu unterdrücken, verschärft durch inquisitorische Vernichtung aller, die nicht seines Glaubend sind/ Vielleicht kontmt auch in Ungarn die Zeit der Ernüchterung». Hann wird vielleicht nicht mehr eine unverantwortliche Regierung wie m den letzten eineinhalb Jahren, von KäroW bis auf den heutigen Tag, sich ein Ungarn nach eigenem Z»tt schnitt zimmern, dann wird das nüchterne, gesunde ungarisch». Volk sich eine Regierung und eine Naiionalv-rtretu^! schaffen, die ihr frommt und niemandem zu Leid ist,.