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Wiener Morgenzeitung · 1920-01-24 · Heft 362 (24.1.1920) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 362 (24.1.1920)
Date
1920-01-24
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Vk 362 Men. Samstäst Mener MorgenZettüns A:3i»~iffiKr 8ur Verstaatlichung des polnischen Erdölexportes. Wie ferftuttcf, besteht seitens der polnischen Regierung die Mcht, d^e O r g a n i s a t i o.n desExvorteS für die iolnüche Erdölindustue unter st n a t l ich e Verwaltung u bringen. Es ist noch unbest mmt, m welcher Foim dieser Lautliche Einfluß ^aut die Ervorlorganiswion die ..Polnaft", velcher die bedeutendsten Rasfineriekiesellschiisten angeboren, zur DmchMrung gelangen soll, aber es ist als sicher anzunebmen, .»aß bereits in nächster Zeit eine derartige Venindeumg beabsichtigt ei. Die Leitung d r ..Polna't* wird gegenwärtig in der'Hanvterche durch Herrn Direktor Dr. v. ^3iiat; Berwaltünpsrat der KalizischenKarvatlien'-Petrolettni-GesMcha't. söwlt durch Direktor Mr-gardebemalkgen Direktor der Galoschen Petroleum- Montan A.-G. in Ustr-ykl, besorgt. Infolge des Mute Dcznnber )rfolgten Regierungswechsels in Warschau dürfte wahrscheinlich rine kleine Bcrmgemng in der Durchführung dieses Ber- ^aatkiehungsproiektes cintr-tcn. Es ist wahrschcinllch, daß auch nn Wechsel in der Leitung des Fnmnzminrstermms keine llenderung der Tendenz zur Folge haben dürfte. Das Abrechnrmasarnt. > Die „Diener Zeitung" verlautbart eine Vollzugsanweisung res Staatsamles tür Finanzen vom 9. Jänner über Errichtung rnd Aufgaben des AbrcchnungsamteS. Das Amt, dem a> die den Vrüfungs- und Ausgleichßämtcrn (olLeos cks vöriLi-ation et äs rompensation) rm Sinne des Staatsvertragcs von Saint- Äerwain nnremiesrnen Au^gabcn, b) b e Geschäfte der Schutzstelle ür deut>sl öst^rleichiiche Vermögen im Auslände, v) andere vrrvandte Angelegenheiten, die ihm von der Staatsverwaltung überragen werden, ot liegen und dessen Organe d'e Hauvwcrsammlunfl. »rr Ausschuß und das Drrektor'nm stud, ist ein ösfeniltchrs, dem Staatsamte ssir Fnanzen unterstehendes'Amt. Der Staatss kretär für Fwanzm hat den Minister a. D. Dr. Io'es S ch e n k zum Präsidenten' des Abrrcbnungsamtes. Dr. Paul H ammerschlag. Direktor der Oesicrrercknschen lkreduanstalt, und Dr. S. M. Singer, Industriellen m Wiensm V'zepräsidemen des Abrechnungsom'es und die Oberfinanzräle Dr. Johann P a tz r u e r und Dr. Franz Bartsch Stäarsamt iur Fmanrcn' und den Minvtrnalrat Dr. Franz Z u t t e r, lStaarsamr für Handel) zu Staatskomtmssären beim elbrechnuttgsautte ernannt. Die V7rmögensahgäbe. Um eine beschleunigte Behandlung der Vermögens- » v g a b e zu erzulen, wmde gestern im Finanz- » n d k) n d g e l a u s s ch u ß der Nationalversammlung bcschloffen, wß die Regu'runaßvoilnge einem s tebeuglrcdrigen 2 n b k o m i; e e. das ans drcr Chrrstl'chsoztalen, drei Soz al- »kmolrairu und einem Gloßbrnnchen besteht, zur Bärbelatung Mgcmicsen werde. Die Chnstlichsonalen beabsichtigen, zu beanragen. daß das bisher noch nnoeröffcntlichie Protokoll der Enquete über die Bc'rmSyensabgabe. d e rm Dezemb r 1918 geführt müde, d m Aiisickusi.' als Behsts tür die Beratungen voigüegt verde. Uebrigens wollen sie azrch bearrtragen, daß noch vor der .öcschlußsaüung des Ausschußes über dre Vermögensabgabe eine neuerliche Enquete rn dieser Angelegenheit abgehalten werde. VarimwolLimpoete in die Tschecho-Slowakei. Prag, 2!'.. Jänner. Unter dem Vorsitze des Handrlsniuisters Dr. H-itter bat gestern eine Sitzunn stattgesundm, an rer dre Be treter des Syndikates der tschrcho-slowakischen Banken, rer Baummollindustrie. des Handels- und Finanzministeriums!oEe der Geriossenschaiten teilgenommen haben. Die Konferenz iiat den Verlust gefaßt, brs zu der, wo die Neg er,mg den Valrrienhandcl srcigebcn wird, unter der Garantie des Banken- «qudlkates latb der Negierung mvna'l.ch 2» >.OUO Ballen Baumaivüe nr die R pnblik einznWrkn. Bon der von dreser Baumvolle errcugk'-rr Ware soll ein Drittel bis zur Hälfte aus-, .lejührt, der Export aber unter strenge Kontrolle gestellt werden. Gegen die Spekulation auf der Prager Börse. Prag» 23. Jänner. (Tschecho-ilow. Preßbur.i DcrVerband der tschechischen Banken hat.in seiner letzten Sitzung beschlossen, von fernen Kl ersten beim Ankauf von an der Prager Börse notierten Wertpapieren 60°/« und von an der Prager Börse ncht «lotiertcn Wertpapieren 70°/o als Deckung zu verlangen. D.ese Maßnahmen gelten als Abwehr gegen dre Spekulation an der Prager Börse, die in der letzten Zeit einen bedenklichen Umsang angenommen hat. Ausschluß der jüdisch?« kaufmännischen Vereine aus dem polnischen Jndustrierat. In Warschau wurde, wie uns von dort berichtet wird, beim polnischen Haudelsministebium ein Handelsn n d Jndustrierat geschaffen. Zur Beschickung dieses Rates wurden nahezu sämtliche christlichen kaufmännischen Vereine eingeladen, während die jüdischen kaufmännischen Vereine eine solche Einladung nicht erhielten und daher in dem Handels- und Jndustrierat keine Vertretung besitzen. Die jüdischen Kaufleute haben sich nun im Wege des jüdischen Landtagsklubs mit einer Beschwerde an das Handelsministerium gewendet, in welcher sie darauf Hinweisen, daß die jüdischen Kaufleute durch die Delegierten der christlichen kaufmännischen Vereine mit ihren ganz besonders in jüngster Zeit gegen die jüdische.Kaufmannschaft gerichteten Tendenzen nicht vertreten sein können und.daß es andererseits gerade im Interesse des Staates und des öffentlichen Kredits gelegen sei, baß in dem Handels- und Jndustrierat, welcher als. konsultatives Jnformationsorgan der Regierung gedacht ist, auch die jüdische. Kaufmannschaft eine ihrer Zahl entsprechend« Vertretung erhalte. Aus diese Eingabe erwiderte der Handelsminister, daß in dem Handels- und Jndustrierat nicht nur die christlichen kaufmännischen Vereine, sondern auch der Rat der Aeltesten eine Interessenvertretung der gesamten Kaufmannschaft, also auch der jüdischen, Sitz und Stimme hat, so. daß es überflüssig erscheine, die Delegierten der jüdischen kaufmännischen Vereine noch besonders in den Handels- und Jndustrierat einzuberusen. Hingegen sei er bereit, der jüdischen Kaufmannschaft einen Sitz tm Rate der Aeltesten einzuräumen. Die Vestrebmtaerr der amerikanischen Bankiers. Der Vorsitzende -er amerikanMen Bankierveremigung erklärte m einer aus einer Konferenz gehaltenen Rede, die onrerikanlschrn Bankiers erstreben die Heisiellung engerer Bezieh n n g e n zwischen allen Teilen Amerikas. Sie hätten die Absicht, Europa mit genügend a e s i ch e r t e n Krediten m unterstützen, damit die m der Welt herrschende Unruhe ein Ende nehme. Beschlagnahme der Frühsahrsweizensaat in Bukarest. Bukarest, 22. Jänner. Die N.'gicrutty hat die B.es ch l r g n a h m e d e r F r ü b! a h r s w e i z e n s a a t angeordne,. da die Herbstsaat vollständ g ungenügend ist. Es wurden bloß 500.330 Hekmr Boden angebaut, so daß nur mck emer Ernte von 379 Mistwncn Kilogramm zu rechnen ist, die sür das Land u n g e n Ü g e n d sind. Vorschläge zur Förderung der Baumwollzucht in England. London, 23. Jänner. Der Ausschuß für Baumwollzucht im br't schm Reich hat an das Handelsamt berichtet, das Gioßbuitanmcn 8f)*/0 seiner Baumwolle aus den Bercmrgten Staaten bezkehe, die Vereinigten Staaten jedoch immer mehr Baumwolle tür den e penen Bedarf antordem und überdies, große Teile der bisherigen -Banmwollgcbicte für andere Knltu,pflanzen verwenden wollen. Die Bavmwollzucht im britischen Reich müßte daher geföi dert werden. Der Ausschuß schlägt vor, durch dre Baumwollmbuftiic 100.000 Piund jährlich für Unterrlchts» und ForichungSzwrcke w.dmen zu lassen» welcher Betrag durch eine Abgabe von 6 Pence auf den Ballen riugehoben werden könnte. Erwerb aller Aktien der Prager Holzgesellschaft durch zwei tschechische Banken. Tie jCeska Banka und die Bodenbank haben, wie das „Prag-r Tagblcttr" erfährt, sännlicke Aknen dcr Prager Holzgeselllchast A.-G. und dcrcn Sägewerke erworben. Neue Textil-Gxportgesellschaft unter Beteiligung von 33 Firmen. Unter der Firma „Exporrge ellschart t s ch e ch o - l l o w a k i s ch e r Textiliridustrieller G. m. b. H." wurde mrier Beteil.gung von 33Text,isi»m n eine Gesellschaft mrt ennm Kavital von ll 600 000 ins Leben geruken. Der Zweck der Wellschall besteht in der Unterstützung der Trxtilindustue und der A u f s r n d u n g von Absatzgebieten, bezrehmikisweise Anknüpfung von H a u d e l s bezieh u n gen mit solchen Staaten, dre für rschechüche Textll' Produkte Abnehmer sein dürften. Balutenkurse. Im gestrigen freien Verkehr war g r ö ß e r e N a ch l r a g e nach fremden Zahlungsmitteln . vorherrschend. Es notierten: L e i n 0 t e n ki 5.50, Rübe lnoten K 3.15. M a rkn 0 ten 5.30, L » r e K 19.80. D 0 llarll 807.50 undAuszahlungBerlin K 5.—. Salpeterevzeuguug dt'rch Ausnützung der Fuckerfakrikswässer. Nach emer Meldung der „Ceska Demokratie* haben in der Zuckerfabrik Petschek durchgesührtc Vertnche der Ausnützung , der Zuckerfabrrkswäffer zur Salprtererzrngnng ein gut e s E r g e b n i s erzrelt. so daß bei einer normalen Verarbeitung von Zuckerrübe jäkrlrch etwa 600 bis 700 Waggons Salpeter gewonnen werden tonnen^ Teile 7 Ausgleich. Vom Wiener Handelsgerichte wurde die u3! Ausgl''ichsversahren dcr Fr» ma Trocknungsanlage Gesellschaft m. b. H, IV., Schönbrunncrstraße 7. auf den 29. d. M. an-l beraumte Alisgleichstagt'atzikng infolge der Verkrhrsverhältnlsse über Antrag des Ausglcichsverwalins Em'l Ncnmann auf den 12. Februar, vormittags k<> Uhr, Z'mruer 98 dieses Gericht erstreckt. —Ausgleich Edmund W a l l i s ch. Dom Wiene. Handclsa«'richte wurde das über die Firma Edmund Wallisch fadriksmüßlge Erzeugung von Kirnstblumen und Schmuckfcdrrn VH., Rlchtergasse 1», eingelettetc Ausgleichsverfahren iniolge de. eingetretenen Rechtskraft für beendet erklärt. Dre Glänbigev erhalten eine 20"/»'ge Quote, zahlbar in 8 Tagen nach rcchtÄ kräft-ger Bestiit-gung des Ausgleiches. Bei Nichteinhaltung dieses Termines, auch nur einem Gläubiger gegenüber, sollen die Forderungen in chrer nrsvrünglichen Höhe wieder austeben. ß Konkurs. Vom LandeSgerich'e Wien wurde der Konkurs! erossnet über das Vermögen des KausmannrS Adolf Karv ten» V., Greßaufaasse 5. KonkuiSkommissär Dr. Ludwig Laub, Masfa-j vrrwal'er .Di'i 'Marcel Eokal,. 1., Führichgasie 8. Termine' 11. Februar, 11 Uhr vormittags, 16. und 30. März,' 1t vormittags. ________ Wiener Börse. An der. gestrigen Börse war eine geteilte Stimmun berrschend. In Erwartung einer Besserung der wirtschaftlichen Berhällniffe waren Bankenwerte Gegenstand regerer Nachfrage^ ferner zeigte sich erhöhtes Interesse für Südbahnwcrte, wogegen', einzelne Kuliffevapiere und namcntl ch der Schran'en in schwächerer Richtung verkehrte, da die Ausfübrnngrn des Gouverneurs der Oesterrcichlsch-ungarischtn Bank, Dr. S p i tz m ü ll e r, zur ZurWalinrig veranlaßten. Alpine-Aktien gaben K 100.—, Sicmens-Schuckert K 280.— und Nuston K 248.— im Kurs ab, ferner lagen vorübergehend Staatsbahn-Aktien wesentlich schwächer und im Schranken wurden die Aktien der Ocsterreichsschungarischen Bank K bt 0.—, Adria K 600.—, Aussig-Tevliver K 200.—, Buschtchrader lit. A X 310.— und Dampfschiff K 520,— billiger abgegeben. Bon den Jndustriewrrtcn verloren Wienerberger Ziegel K 105.—, Aussig Chemische K 600.—, Berg- und Hüttenwerke K 1400 —, Poldihüttc K 445.—, Ungarisch« Allgemeine Kohlen K 10O.—. Brünner Maschinen waren um X 949.— billiger erhälrlich und Beiticher Magnesit ermäßigten sich um K 800.—. Bon den Pelroleumwrrten wurden Karpatheu» Petroleum K 230.— billiger abgegeben, wogegen Galizia ll50v.— höher bezahlt wurden. Dagegen wiesen Salgo-Kohlen, die ox Be» zugsrrcht mit einem rechnungsmäßigen Abschlag von K 1000.-* gehandelt wurden, eine Steigerung von X 505.— aus. Die Steigerung der Renten machte weitere Fortschritte und dre Titreerhöhten sich abermals um 7°/». Im übrigen verweisen wir aus nachstehende Schlnßkurse: r Industrie * Unternehmungen. Allgem. Ballgesellschaft 1550.— l-.—), Nnronbau 950.— (-Wienerberger Z'egel 3390.— (— 105.—), Liesinger Brauerei 1920.— f— Sarajevo Akt -Brauerei 3225.— (+ 225.—), Aussig Chem. 8980.— (— 500.—), Brosche Svwitus 4500.— (— —.—), Karborundnm 4995.— Holzhandclsgescllschast 2955.-; (— 40.—), A. E. G. Union Elektr. 2295.— (-.—), Siemens Schuckert 2360.— (— 230.—), Aivme 4850.— t— 100.—), Berg- und Hü'ten 15.203.— (— 1400.—\ Poldihütte 4000.— (— 415.—), Prager Ersen 10.490.— j-s- 490.—), Rimamuranh 4400.— (— —Skodawerke 3325 — (— 140.—), Waffenfadrir 6690.— (— 10.—', Salgo Tarjaner 6900.— ex Bezug (+ 505.—\ Trifarler Kohlen 4695.— v— 5.—), Ung. Allg^ Kohlen 8300.— (- 100.—), Unkany 4680.- (+ 80.-), Brünner Maschinen 30öo.— (— 949.—), Simmeringer 1800.—; (— 100.—), Lepkam 2500.— (-.—), Karpathen 13.750.—1 (— 200.—), Galrzra 16.000.— (+ 500.—), Fezfabriken 4600.-* (-.—), Schoeller Zucker 6700.— (— 295.—), Oesterr. Ersenbahnvcrk. 30t 0.— (-Türkenlose 2755.— (+50.—), Krupv A.-G. 1900— f— 5.—). Ruston 2950— (— 248.—), Fiatwerke 2190.— (+ 10.—), Veitscher Magnesit 15.200 (— 800.-). Trauspoet * Unternehmungen. Adria 10 900.**! k-i- 600.-), Aussig-Teplitzrr 8500.— (— 200.—). Duschtehrade« lit. A, 6180.— (- 310.—), Buschlrhradcr lit. B 3490H (— 60.-), Donau-Dampf. 18 480.— (— 520.—), Staat« eisenbadn 5390.— (+ 90.—), Lombarden 920.— (+ ©5.— 3% SüdbahnPrior. 1790.— (+ 52.—), Sraatsbahu-GenußsÄ 3600.- (+ 70.-). M Renten. Mairente 120.— (4- 7.—), Februarrrnte 127.-4 (4* 7.—)» Oesterr. Kronenreute 110.— \+ 5.—), Ungarn Kronenrenle 132.— (-!- 7.—). Danken. Anglo 1170.— (— 85.—), Bankverein 1130.-^ k-i- 21.—). Bodenkredil 3650.- f+ 400.-', Kredit-Ansta« 1520.— 1+135.—.), Ungar. Kredit 2220.— (+271.—), Devositra 1275.— (+ 155.—), Länderdank 1288.— (■+ 28.—), Unionbai ‘ 1140.— l+ 66.—), Verkehrsdank 895.— (— 15.—)» ZivnostenS! 2200.— (— 88.—), Prager Börsen Prag» 23. Jänner. (Essektcnborse.) Im Vergleiche mr gestern war der Bet kehr au der heutigen Börse lebhafter. I Jndustriewrrtm kam auch Ware zum Vorschein. ES schloffen (Geldkurse): Wcltbräu Pilsen 2450.—! Petroleum Kolm 4000.—, Kaolin Sedlie 2200.—, Koliner Kunst Menachem Mendel. E!n Briefwechsel. HetauSgegebcn von Schvlem-Alejchem. Au> +m Jüdischen übcni-ageu von. Siegfried S ch m i tz. Das erste Bündel Bric^e. »London" (Odessacr Börse). ■ (b. Fortsetzung.) 9. Brief. ’ r . mrS Od:fsa an seine Frau Sch'iret Sche nk! irr Kasrilimk^. .Der teuren, edlen und tugendhaften Ehefrau Scheine-Scheindel meinen Gruß! Zum ersten sei Dir kundgetan, daß ich — bank Seinem lieben Namen! — gesund bin und mein Lebe 1 das des Friedens; der Herr, gelobt sei er, mö?e helfen, daß eines vom anderen nur Gutes höre in guter Botschaft zu Trost und Heil — Amen. - 3um zweiten wisse: Es riecht schon nach fetten Tausendern. Wenn Gott hilft und der „Ultimo" glatt abläuft, dann mache ich einen Haupttreffer. Dann kassiere ich alle meine „Differenzen" e'n, fahre nach Hause und hole Dich, so Gott will, her nach Odessa. Wir mieten eine Wohnung in der „Nichelieustraße", schaffen schöne Möbel an und werden leben, wie man eben chei uns in Odessa lebt. Inzwischen habe ich -* Gott möge Dich davor bewahren — mit dem Magen tnn; wahrfchrinlich hat mir das Gefrorne geschadet . . . Wenn ich zu „Fanconi" komme, esse ich auch kein Grfrornes mehr, sondern ich lasse mir ein Getränk geben, das man durch einen Strohhalm zieht; es schmeckt süß und bitterlich zugleich, so etwa wie Salz und Lakritzen. Man kann davon auch nicht mehr vertragen als zwei, höchstens drei Gläser. Die übrige Zeit muß man halt auf der Gasse herumspazieren und sich mit dem Polizisten abgeben; angenehm ist das nicht! Seit einiger Zeit schon beobachtet er mich, doch mit Wohlwollen. Gott ist mir auch bis jetzt beigestanden' und ich entlaufe vor ihm und verstecke mich. Was muß nicht ein Jude dem Geschäft zuliebe tun? Gott möge nur helfen und die „Realisierung" in Frieden ablaufen; da werde ich Dir, so Gott will, alles hundert- Mtig kaufen, viel mehr, als Du Dir vorstellen kannst. Äas Du jedoch schreibst, daß Gambetta ein Narr ist, so sage ich Dir: Du bist im Irrtum; er ist nur ein | bißchen „verdreht". Gott bewahre den, der m\t ihm in ' der Politik nicht dieselbe Meinung hat; er ist imstande, den in Stücke zu reißen! Er ist fest überz-eugt, daß es heute oder morgen losgehen wird; und daß es 'e)t, sagt er, mit einem Male still gewordeii ist, das ist, sagt er, der rechte Beweis, daß es Krieg ce)rn wird. ...Bor einem Gewitter" — sagt er — „ist eS immer stille."... Gestern habe ich etliche Stück „Baisse" und zwei oder 1 drei „Schlüsse" verkaufen und ein schönes Stück Geld verdienen.können; Gambetta hat es nicht erlaubt. „JH schlage Ihnen den Kopf entzwei" — sagt er — „wenn - Sie in dieser Zeit ein Stückchen. Ware aus der Hand ' geben!" Es kommt eine Zeit, sagt er, da ein „Schluß^ von fünfzig Rubeln zweihundert Rubel wert sein wird i und dreihundert und sechshundert und tausend und!^auch zweitausend; warum auch nicht? . . . Wenn es. so kommt, wie Gambetta sagt, wenn es auch nur zur Hälfte eintrifft, werde ich ein reicher Mann! Ich glaube, daß ich nach der „Realisierung", so Gott will^ ' mich auf „Hausse" verlegen und anfangen werde, Rubef; zu kaufen und „London" zu geben, daß die Welt aus den Fugen geht. Ich will ihnen zeigen, was „London^ ist und was Rubel sind! Da ich jedoch keine Zeit habe, fasse ich mich kurz. So Gott will, werde ich Dir im nächsten Brief alles ausführlich berichhen. Jetzt gebe Gott Gesundheit und Glück von Deinem Gemahl Menachem Mendel. R i ch t i g: d a s Wichtigste! Was Du in Deines Brief nach Franconi (nicht, wie Du es nennst, „Fran< koni") fragst, so antworte ich Dir: Das ist kein „er" und keine „sie". Das ist ein Casä, wo man Kaffee trinkt und Gefrornes ißt und mit „London" handelt. Ich möchte das nur halb ein Bernzögen haben, was dort iy einem Tag uingcsetzt wird. Der Obige, i (Fortsetzung folgt.) -1

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