Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 362 (24.1.1920)
- Date
- 1920-01-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Gky«l-»-«pK»»r Krek« K»ü« Pranumetattovs» preise: . Stent L«n vbhott» ix »et TrpMUon, L Bezirk, Labe«, »ratze 1 bis 8. oder i« «tue» Berschlritzstelle <Trafip: Monatlich.. Krouea Vi-rtellä-rttch Äv- «tt Voftvrrsand kür Me» und _ Oesterreich r MouatUch *. Kronen 13«« __ Nchecho-Slowakekt Monatlich .. Kronen Sk— Vierteljährlich „ 27.- *» tschechü-nowakischerDiillrun- _ Pole» »nd Ungarn: Monatlich. . Krone« 18«— i>» entsprechender Währung de» . ortr eis enden Lande» rener mtatjermpt**" Kreis SO Krit«^ ^rönumerotfoftf* preise füv Deutschland: - „ s Monatlich . . Mark f*« Monat« JfflR rank» tM Statten: . Monatlich ... Sire 8->a Monatlich «chveizr >. . S» rank- 9^ Stedaktion u. Udministratkoch W ten.S.B rz.,Davorstr.l-S Telephone: Admintstratio^ 440 »«. Redaktion 40810^ ad B Uhr abend- Nr. 16301 ivoftspärkaklenkont» 130.698 »a»MW»»»u»i»ioa»«u»o««>NWilWi>W»«m Nr. 3V2 Wien» Samstag, Yen 24. Jänner 1920 2. Jahrgang sä DiePragerdentscheUniverfität —y. Wien, 24 Jänner. Die tschechische Nationalversammlung hat. am 13. Jänner ein Gesetz beschlossen, welches den Bestand der alten deutschen Karl Ferdinands-Universität in Prag .in Frage stellt. Der Negierungsentwurf ist ohne Einvernehmen mit den deutschen akademischen Behörden zustande gekommen und seine Vorlage an die National- '■ Versammlung stellt also eine schwere Kränkung der deutschen Minorität dar. Dieses Verhalten der tschechischen Regierung ist um so auffälliger, als gerade jetzt so viel . von einer Aussöhnung zwischen Deutschen und Tschechen . gesprochen wird. Die deutschen Professoren und Studenten Prags haben gegen das Gesetz in einer letzten Montag stottgefundenen Versammlung protestiert und in einer Resolution im einzelnen dagegen Einspruch erhoben, 1. daß der deutschen Universität durch die im Gesetze verkügte Namensänderung ihre geschichtliche Vergarrgen- . heit abgesprochen und der falsche Schein erweckt wird, als ob die deutsche Universität nicht ebenso gut wie die tschechische die Fortsetzungder von Karl IV. gegründeten Universität wäre, 2. daß der deutschen Universität wichtige Bestandteile ihres Besitzes unter Ve.rlehung nicht nur des grundgesetzlich gewährleisteten.. Eigentumsrechtes, sondern auch des in den Friedensver-' trägen ausgesprochenen Grundsatzes entzogen werden, daß die zu den ethnischen Minderheiten gehörenden tschechoslowakischen Staatsbürger rechtlich und tatsächlich die gleiche Behandlung und die gleichen Bürgschaften genießen, wie die . übrigen tschecho-flowakischen Staatsbürger, 3. daß die deutsche Universität schon jetzt hei der Zuteilung der Unterrichts- 1 bedürfnisse, besonders des klinischen und Sektionsmaterial-?', in einer den Betrieb' gefährdenden Weise verkürzt wird. Die fortgesetzten Angriffe auf die deutsche-Universität beweisen aufs neue, wie notwendig es ist, daß das Schicksal unserer 'Kulturgüter einzig, unter Mitwirkung und nach dem Wunsche der berufenen Vertreter des deutschen Volkes bestimmt werde. Alle deutschen Parteien haben sich auf den Boden der Republik gestellt. Die Deutscher Ordern alle Rechte als Vollbürger, mithin auch das Recht. r der kulturellen SelLstbesrimmung/' - In her Versammlung sprach sich der Rekior der deutschen Universität Dr. Naegle für eine Verlegung der Hochschule nach Deutschböhmen aus. Bet der. Stimmung, die: das Gesetz in der deutschen Bevölkerung erzeugt hat, ist es also nicht unmöglich, daß es abermals, wie zu den Zeiten des Magisters Hus, zu einem Auszug - der deutschen Professoren und Studenten aus Prag kommt. Dies würde ftir die Hauptstadt der tschechischen Republik einen sehr schweren wirtschaftlichen Schaden bedeuten, vor allem aber einen Schatten auf den guten < Ruf. des. tschechischen Volkes werfen, das sich mit solchem Enthusiasmus seine Freiheit geschaffen hat. Jede Verletzung des Selbsibestimmungsrechtes der Völker ist eine Verletzung des Begriffes der nationalen Freiheit, und hie Tschechen müßten aus ihrer Geschichte zur Genüge wissen, wie bitter sich solche Verstöße gegen das natürliche Recht eines Volkes rächen. Die deutsche Universität gehört geschichtlich zu Prag und ihr Verlust würde auch kulturell sehr schwer in die Wagschale fallen. Es ist also verständlich und unterstützenswert, wenn; sich die Deutschen gegen den ihnen zugefügten Schlag mit allen Mitteln zur Wehr setzen. Aber die Geschichte des Hochschulwesens in Oesterreich zeigt, daß den Deutschen in Prag nunmehr dasselbe geschieht,, was sie durch .Jahrzehnte selbst getan haben. Ihre Hochschulpolitik entsprach vollkommen ihrem sonstigen politischen Verhalten gegenüber dem Staat und gegenüber den^nderen Völkern. ' Oie Deutschen haben es verhindert,, daß man den kul- - turell so rasch aufstrebenden Tschechen die Universität in Brünn bewilligte. Sie haben die Gründung einer slowenischen Universität in Laibach verhindert und die Rechts fakultät der Italiener in Mitten bei Innsbruck durch besoffene Studenten demolieren lassen. Die deutsche Hochschulpolitik ist immer reaktionär bis in die Knochen gewesen, die Hochschulen.waren stets die Brutstätten der schlimmsten Nnckschrittsideen und aus diesem Milieu , .sind alle die Männer hervorgegangen, die an der Fiktion der deutschen Vormachtstellung in Oesterreich so lange sesthielten, bis der Staat zugrunde ging und das deutsche 'Volk in den Vettelwinkel gedrängt wurde. Die Prager .'deutsche Universität ist im Krieg ein Sammelpunkt .aller kriegshetzerischen und siegfriedlerischen Elemente Prags gewesen und aus ihren Kreisen ist eine Menge ^ener entsetzlichen Denunziationen hervorgegangen, auf .die sich dann die Henkersknechte des Armeeoberkomruandos berufen konnten. ' . An der Prager Universität hat es im Kriege unzählige reränschvolle alldeutscheDemonsirationen gegeben, die durch die taktlose Art ihrer Inszenierung die. tschechische Majorität ununterbrochen verletzen mußten. Kann man sich darüber wundern.. daß die tiMitöm L-G^ätWeu. Sorv!etrutzland verlangt von der Entente einen Waffenstillstand. B e r l r n, 23. Jänner. Ger „Abend" meldet ans Stockholm r In einem Funkspruch aus Moskau erklärt die SormeLreZierimg» sie fei iederzelt bereit, die Haudersbeziehungsn mit den Alliierten Wieder auszunehmen, müsse aber vorher den Abschluß eines W affen st i I1 st a n d e s verlangen; w i d v i g euf all s Würden alle H a n b e l Sfch 4 f f c der Entente in russischen Häfen versenkt werden. Hüllmrd Liefert Kaiser Wilhelm mcht #SI9.' ■■■■ ' V- Haag» S3. Jännrr. In ihrer ArttworuwLe auf daS Ersuchen der Alllcrten mn Auslieseiung des vormaligen deutschen Kaisers weist die uiederlündn'ä'.e^ Regierung darauf hin, daß die Berpfllchmngrn, die sich.für ^Dmtschlandausdcm Artikel 228 des Fuedensvcrtrages ereebrn-können, -nichtgebend gemacht werden ' können, um die PstMen ^der. Niederlande zn bestimmen, die an diesem Vertrage' uichr -tcllhaben. Die . niederländische Negierung könne die durch die Forderung der Mächte aufgeworfene Frage nur vom Standpunkte ihrer eigenen .Pflicht betrachten. Im vorliegenden Falle könne sie ferne anderen Pflichten gelten lasten als jene, die ihr der Gesetze des Königreiches und dir nationale Tradiilon cmsrriegen. Weder dir konstituierten Gesetze des Königreiches noch die hundertjährige Tradnion, die von jeher tne Niederlande zur Zuflucht aller derjenigen gemacht habe, die in internalronalen Konflikten unterlegen waren, gestatten der niederländischen Regieriing. dem Wunsche der Mächte zu willfahren und dem vormaligen Kaiser die Wohltaten biefer Gesetze und dieser Tradition zu entziehen. Das Recht letzten sich dem;. Das niedcrländ'.sche Bow dürie das Vertrauen derjenigen nicht verraten, die sich seinen freien Einrichtungen anvertraut haben. . Der Karserßrozeß findet Loch statt. . Paris, 23.. Jänner* t Tel.-Ko mp.) W.ie. der ^TevrvS" aus aus London hört, wird der Prozeß gegen den deutschen Exkaiser» auch wenn Holland rhu nicht ausliefert, m der letzten Februarwoche in London beginnen. Der Staatsanwalt. des, höchsten Gerichtshofes ist durch die Entente mit der Erhebung der Anklage und der Durchführung der Verfolgung - des Kaisers beauftragt worden. heute, wo sie die Herren im Land geworden sind, übers Ziel schießen und eine Rache nehmen, die letzten Endes nur ihr eigenes Volk schädigen 'kann und - den Haß zwischen den beiden Nachbarvölkern bis zur Abgrundtiefe führt? ' Diese tschechischen Heißsporne können sich bei ihrem Vorgehen inrmer auf das deutsche Beispiel berufen und ouf Wien Hinweisen, dessen Hochschule allen Traditionen -wissenschaftlicher Arbeit und ernster Forschung ins Gesicht schlägt. Die Wiener Universität ist fast bis zur Rertüngslosigkeit dem Geist der Unduldsamkeit ausgeliefert und sie erblickt ihre Aufgabe nicht darin, Bildung Zit verbreiten, sondern erschöpft sich in nationalistischen Hetzereien der schlimmsten Sorte, denen sie gerne ein preußisches Mäntelchen umhängt. Die Wiener Universität richtet sich ganz nach altem deutschen Micster ein. Sie sperrt ihre Tore vor Ausländern, unter denen sie bgld Slawen, bald Juden versteht, sie spielt mit dem ®cdanken des ^urn^l-im und ihre Professoren, die so gerne an die Jnternätionalität der Wissenschaft appellieren, haben sich ganz einer nationalistischen Ideologie ergeben, die nur geeignet ist, dem Staat ununterbrochen ZZerlegenheiten zu bereiten. Ihre Politik sollte darin bestehen, keine Politik zu sein, sondern reinste wissenschaftliche Arbeit und Anknüpfung der verlorengegangepen Beziehungecr zum Ausland, um das ihre zur Versöhnung der Volker und zum Abbau der Feindschaften . beizutragen. Aber fast jede Gelegenheit, jede Feierlichkeit, jede Semestererösfnung, wird dazu benützt, den Haß auss neue zu schüren und die Jugend wieder zu der Ansicht zu verhetzen, daß dem deutschen Volk die Herrschaft über die Welt gegeben und daß sein Wert ein höherer sei, als der anderer Stationen. In solchen: Sinn wird eine Generation erzogen, die dazu berufen sein soll, den Staat zu heilen und dem freien, vorurteilslosen wissenschaftlichen Wettbewerb die Wege zn bahnen. Die bürgerlichen Abgeordneten der österreichischen attcyalm-iamva lmm _ iv?ch. m AtmolMrs gebildet worden. An ihrem Wirken zeigt sich die Stert* lität der deutschen Politik Oesterreichs, die Gedanken» armut und die Geschwätzigkeit einer in sich selbst abgeschlossenen und gegen jeden Hauch eines freieren Geistes sich absperrenden Kaste, die hochmütig über dem Volk thront und in ihrer Betulichkeit noch immer nicht gemerkk hat, daß üe durch eine unüberbrückbare Kluft von der breiten Masse ihres Volkes geschieden ist, das sich. eine neue Zeit mit neuen Ausdrucksformen der sozialen. Struktur schaffen will, während das deutsche Bürgertum noch immer im Geist Metternichs lebt. Dieses deutsche Bürgertum, das die Ehre seines Volkes darin gesucht. hat, daß die Todesurteile in deutscher Sprache abgefaßi werden, hat Oesterreich so zugrunde gerichtet wie Deutsch» land und seine Sünhen büßen jetzt die Deutschen allere orten: ob sie nun in Deutschland unter französtschek Okkupation leiden,, ob sie in Amerika boykottiert werden * oder ob sie in Prag zum Auszug aus ihrer allehr« würdigen Hochschule gezwungen werden. Das deutsch- Bürgertum hat-sich selbst überlebt und die Schuld daran liegt nicht zum geringsten Teil bei seinen Hockschn^ lehrern. ___ RaLiÄNslNersaMMLuRg. Die gvoßdeutschen Abgeordneten, also die Work* führer jener Kreise, welche gere t die Auslieferung, best Kaisers Wilhelm an die. Enterte 'pvotestiei^n-. . an den Staats sekretär für Inneres eine Anfrage--.Le^ zügtich der Entlassung ungarischer Kommunisteuführev aus der Internierung in Karlstem an der Thaya - ge«, richtet, in deren Begründung auf die Meldung verwiesen! wird, daß-am 15. und 16. d. M. eine Reihe unga-s rischr-p Konnnun'stensührer aus der, Internierungsstatiost in Karlstein entlassen und „nach Wien - ab reisend gev macht" wurden, woselbst sie vorläufig AusenthalL g« nommen haben. Die Unsicherheit, und die Unentschlossen^ heit der Regierung .in chen BehaMüng der ungarischem ^MchMMistenfühM N s-pr^s.:M^'MerMlng der Jyte^ pÄöän^n''H§chR''^AEnUÄH „und wird' von. her Bevölke^ rung mit dem größten Mißtrauen beobachtet. Es isi. höchste Zeit, daß die Regierung die Oefsentlichiett durck eine offene Erklärung über diese Angelegenheit beH- DiesChristlichsozialen/ die als Koälitionspartei -do'r über'die Prager Besprechungen unterrichtet sein sollten^ haben ' eine Anfrage an den Staatskanzler gerichtet»! .in welcher sie die Erklärungen des Ministers DoktoL^ Be ne sch über die mit Dr. Renner vereinbartes ge-j meinsame Defensive gegen alle Restaurationsversuchi! besprechen und sich gegen die - Geheimdiplomatie .ver^ wahren, da das Recht, Vertrage äbzüschlirßen/ detz. Nationalversammlung allein zusteht. Die Jnterpellatjvü. lehnt jede, auch. defensive,. Einmengung. in die Anneyj Politische - Entwicklung eines. anderen' Staates ab unf^ stellt sich durchaus, auf den,,Boden der, striktesten Neu^ tralität. / , ' '.', j Die chriftlichsoziale ' Interpellation. hatte eine ISe« sprechung des KabineLLsrates zur Folge, die währenb! der Sitzung stattfand und der Antwort des' Staats» kanzlers galt. In der offenen Sitzung gab sodann! Dr. Renner sine längere Erklärung ab, der aber nm ein kleiner. Teil des Hauses beiwohnte. . DU. Rennerj ist ein höflicher Mann. Er hat nach der Rückkehr auS Paris Clemenceaü' seine menschliche Bewunteurng aus» gesprochen. Gestern machte er vor den Tschechen/ ein< Verbeugung, iudenr er von dem „klugen und tüchtigen sprach, das den alten Staat mit allen Fasern seines Herzens ablehnt. Im übrigen wiederholte de« Staatslanzler seine vor dem Ausschuß für AeußereSjgemachten Ausführungen, die er als Richtlinien foM ' zeichnete, welche die beiden Außenminister vor ihren Nationalversammlungen zu vertreten haben. Sollten diese Vereinbarungen in einem der veioen Parlaments abgelehnt werden, so ucüßte der bewrsseude' Außen-« minister zurüüireten. Daraus möchten wir schließen,, daß tatsächlich ein politisches Uebereinkommen zustande» gebracht wurde, denn für bloße Richtlinien stellt man leine Vertrauensfrage.. Die Prager P-'reinbarungen —\ sagt Dr. Renner — könne man nicht als Offensivode^ Desensivbündnis ausfassen, da e^ sich,nur um die Au^ rechterhaltung d-es Friedens gehandelt hat. Das ist sehrj sehr diplomatisch gesprochen und hätte ebenso schön voml Grasen GolnchowLii gesagt werden können. ES sind» Abnrachungen getroffen wordelc, welchen sich alle Staaten anschließen können, nur nicht Ungarn, das sich! in Westnngnrn feindlich benimmt/ Ist das also ei>» politischer Vertrag oder nicht, wenn er ein Land ausdrücklich bezeichnet? Uns ist ein Bündnis mit Ungar^ fiÄ.erM ‘ •tti&t -üNLe.uMu wir. PstzrMen dir WtatwM'