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Wiener Morgenzeitung · 1920-01-23 · Heft 361 (23.1.1920) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 361 (23.1.1920)
Date
1920-01-23
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nk. 361 Wen, Freitag Men» Morgenzett«»- LS, ISmee ISA» . » .. ... 'Mt ti t ©er Verkitt trocfjtet, mit allen Mitteln vorzubanen. Anfangs Nkärz veranstaltet er eine ßrofjc MaSkenredome int Hotel Con mental, bet der er tttohl die Mitglieder fämlk cher jüdischer Turn- und Sporlvtre ne als Gäste bearüßcn dü-lte. In der letzten Zeit wmde viel von einer Fusion Ml Makkabi X aelvrockun. ohne daß darüber etwas bestimmtes verlautbart worden wäre. Aber wie dem auch sei. daS Piogramm kür die kommende Saison kann nur heißen: .Et lerne Ä r d e i 1 s ii r Ä l l e! Dann wird der Bere>n imstande sein, seiner Pflicht, der jüdischen Regeneration zu diene«, gerecht zu werden. Ernst. Das Auswahlspiel gegen Süddeutschlarid. Mit Rücksicht auf die Absage mehrerer Rapidsvieler war der Verbunds-- apltän geMnugen, die Mannschaft ummsiellen. Bei der neuen Ausstellung wurde Jszo Gans l als Mmelstürmer berücksichtigt. DaS neue Team lautet: Tor: Paciska (Simmering; B e rteidittttng: Rusche (Nipid^ Popovich (Amateure); Deckung: Ptthendopler (Rapid), Neubauer (Floridsdorfs Kurz (Amateure); Angriff: Körner (Amateure). Fischera- Germania', Gausl tHakoaP, Bauer (Napid^ Köck (W. A. C.> Die Slawen und die Olympiade 182V. Während die Russen und die Balkanslawen bei der noch inimer recht verworrenen politischen Lage auf der Amw-iprier Olympiade nicht vertrpten sem werken, steht es anders um die T'checho-Slowakei und Polen. Die erstere dal sich iukanntl'ch knundsabllch für eine Beschickung dp' Olympischen Spiele ansgespt vchrn. Run hat auch Präsident Masr-yk eine Sta'ue als Elnenpiris ßeftiUet. Aus Krakau kommt j.tzt die Meldung, daß^dte polnischen Sportvereine auf einer eigens dam emberusenen Taanng die Teilnahme Polens unter der Voraussetzung der geldlichen Unterstützung durch die Ncgiertmg beschlossen hätten. Eine Automobilrennbahn in Frankreich. Mit dem Bau einer Automobilrennbalm bei Paris fofl in Kürze begonnen werden. Es nt dort eine Ge'ell'chatr gegründet worben, der alle führ enden Aniomobtlindustriellen und maßgebenden Persönlichkeiten der Pariser Sportwelt be getreten sind und d>e über das ansehnliche Kapital .von 85 Millionen Franks verfügt. Das Autodrom soll zirka 15 Kilometer von Paris zwischen den Ortschaften Vrllevinte und Vrllepar.sts errichtet werdn Neben der Hauvtrennbahn. deren Gesamtlänge 7 bis 8 Kilometer betragen soll und' die vornehmlich mr Abhaltung von Schnelligkeitsprüfungen drepen soll, wird noch eine zweite Bahn für Probefahrten erbaut. Man hofft, du Bahn noch in diesem Jahre fertigstellen zu können. Gerichtssaal. Ver Tiefstand unserer Valuta — nicht die Haupiursache der Teuerung. Ein im schriftlichen Wege ergangenes Urteil des Oberkandesger chtes ,en1hüt crne bemerkenswerte, von der Entscheidung des Handelsgerichtes abweichende Anschauung über die Ul'ache der Teuerung. Die Firma Maximl an Friedmann und Gebrüder Schiel (Verernip'e Serdenwarenfabriken) brachte gegen das Eiscttbahnürar eine Klage auf E say von K 25!.727.40 für in Verlast geratene Seidenwarcn im Gew chte von 300 Kilozramrn ein. Bei der Verhandlung vor dem. Wrener Handelsgericht Pesirirt die Finanzprokuratur ' namens des. peklagten BurrauS die Haktpfleckr des letzteren. , weil ' mit Mck icht auf den 'ehr hohen Wert der zur Verirachtung aufgegebenen Warm die klägerrfche Firma verpflichtet gervcsey märe, das Frachtgut als ..brsrnders kostbar" zu deklarieren, . waS nicht gkscheyty sei. . Der Klagcv.rtrcter Dr. Mathias - erwiderte, es fei kerne Veranlassung gewr'en, die Seide als ,Kösibanert" zu dellarrcren, Werl sie nur infolge der allgemeinen Wertsteigrrung um ein Viellachcs im Preise grst egen sei. Auch alle anderen Waren seien in'olge der Kriegsv rhättnisse im Preise enorm gestiegen, ohne daß man sie deshalb als „Kostbarkeit" bezeichnen tönnre. DaS Handelsgericht gab dem Klagebegehren Folge, weil eine Ware, deren Preiserhöhung infolge Sinkens der Valuta eingetreten lei, nicht als Kostbarkeit ausgefaßt werden könne. Es Handke stch hier um ganz gewöhnliche Gebrauchsseide. deren Wert nur inwlge der allgemeinen Wrrtsteigerrmg als Krieoserkchemunp so hoch sei. Das Obeilandesgericht (Vorsitzender Hostnt Dr. K o s ch r it) bat der Bei wütig des E senbahnärarS st a 1 t g e g e b e n und d i e Klage abgewiefen. In der Btg'ündung wird gesagt: Allerdings ist dem Erstgericht dahin bnzuvst chren, daß der hohe Wert eine Folge der durch die Kriegsereigniise herv-tgernfenen allgemeinen Wertsteicurung ist. aber bei Seide wie übrigens auch bet vielen anderen Gütern liegt dieUrkachederPreiS" erhöliilnanicht bloß t tn F a l l e n d e r V a.l ut,a, m der Gelbentwertuna. sondern insbesondere darin, daß die Einfuhr behindert, das Angebot verringert wurde., die Nachfrage aber, wenn nicht gestiegen, so doch nnndestenS gleich geblieben ist. Die K'äaerm wäre dah"r vetpflichtet veto^en, das Frachtgut als besondere kostbar zu deklarieren. Da sie dies nicht getan, sei dre Haftung der Eisenbahn ausgeschlossen. Dke Geliebte eEoö'e«. Am 59. September v. I besuchte der 87jährkge Metallgießer Ludwig Freilinger mit seiner Geliebten Antonie Späta ein Fest, das aus Anlaß der Auflösung des Dolkswehrbataillons Nr. 41 ini Cafe Löbelhof in der Hütteldorferstraße abgehalten wurde. Auf dem Heimweg kam es zwischen den beiden zu einem Streit. Plötzlich schrie das Mädchen: „Jetzt hat er mich gestochen!" Antonie Späta hatte einen Messerstich in den Unterleib erhalten und starb noch in der Nacht während der an ihr vorgenommenen Operation. Gestern war Fretlinger vor dem Schwurgerichte des Totschlages angellagt. Freilinger behauptete, daß er damals mit einigen Burschen in Streit geraten war, die Spät« habe sich seiner angenommen und eitter der Unbekannten habe sie gestochen. Zwei Zeugen, die dem Paare nachgegangen waren, erklärten jedoch übereinstimmend, daß Freilinger und die Späta allein waren, als letztere infolge des MefferfticheS zusammenbrach. : Dte Geschwornen beantworteten die Schuldsrage mit; zehn „Ja" gegey zwei „Nein", worauf der Gerichtshof Ludioig ' Freilinger zu zweieinhalb Jahren schwerem Kerker verurteilte. , Der Volkswirt. eine Krone -- 1*80 Centimes. Gestern stellte stch in Zürich die österreichische Krone auf. 1*80 die tschechische Krone auf..... ..7*10 die Mark auf.8*25 Die *70 Millionen Dollar Anleihe Amerikas an Oesterreich. Die Wiener Presse schlägt seltsamerweise, anstatt die einzigeRettungsmöglichkeit,welche uns die 70 Millionen Dollar-Anleihe bietet, freudig zu begrüßen, pessimistische Töne an. Der Betrag der Anleihe ist für unsere Verhältnisse sehr bedeutend und die Anleihe selbst wird auch die Sanierung unserer zerrütteten Valuta herbeizusühren imstande sein. Diese Haltung der Wiener Presse ist geeignet, dem Hazacdspiel an der Börse weiter Vorschub zu leisten. Wir können das Publikum nicht genug davor warnen, sich an dem wilden Spiel derBörse weiten: zu beteiligen. Früher oder später wird mit Naturnotwendigkeit ein starker Rückschlag eintreten, der zahllose Existenzen zugrunde richten muß. Auch die uferlosen Spekulationenin den fremden Notm sind angesichts der Anleihe von; größter Gefahr. Wir haben trotz der Unkenrufe de« Wiener Presse allen Grund, eine Besserung der Der-, hältnisse zu erwarten, wollen jedoch nicht unterlassen^ nochmals die außerordentliche Gefahr-» betonen, die in der zügellosen Börsenspekulation! unser Publikum bedroht. Es ist nicht das erstemahj daß wir unsere warnende Stimme erheben. > » Im gestrigenPrivatverKehi ging wieder b u n t zu. Auf Grund des neuerlichen Sinkens! unserer Krone nn neutralen Auslande war wieder eine: Reihe von Effektengattungen Gegenstand regerer Nach-j ftage. Depositenbank stiegen bis 1280.-- unt K160.-^ Südbahn-Prioritäten bis 1820.— um K 82.—, ferner profitierten Lombarden K 66.—. Staatsbahn wurden abermals bis 5670.*— um R 170.— und Alpine bis. 6090.-— um K 120.— in die Höhe getrieben. W M weit fo 11 .bas noch gehen? Die ELektrifizierung von Ostmähren und Schlesien. Mahr!sch-Ostrau, 81. Jänner. Dir in Bildung begriffen^ Mährisch-schrsische ElektrizitätSwerkei A.-G. wird in den ersten Tagen deS Monates Februar ihre kon» ft'tuimnbe Generalversammlung gbhallm. Sitz der Gesellschaft^ tst M ä h 11 f ch-O strau. Ihr Zweck ist die Elektrtfizterung von: ganz OstmäKren und Schkesten sowtt die Versorgung der innerhalb! dieser GebteN l«cgenden Jndusttten rckw. mit ekcktrischer Kraft und Licht. Das Stammkapttal beträgt 4 Millionen Kronen, welches jedoch nach den berrtts genehmigten Statuten auf 12 Mtllronm erhöht werden kann. Die Gefell! chaft emittiert 15.000 Aktien zn K40Ö.—. Auf diese Emisston ze'chnetbereits der Staat 18 Millionen Kronen, der Mährische Landesausschuß K 400.000.— und die Schlcstsche Fandrsverwaltungskommtfston K 800.000.—. D«i Betrag von 1'2 Millionen Kronen wnd unter die antönomeU Kötperschastr», Gemeinden usw. vergeben, während die ZetchnunK der restlichen 2'4 Mtllronen Kronen für Prtvütkapital freigegebe«. wird. Wirtschaftlrchr Nachrichtett. AuS Zürich wird gemeldet: Die f ch w e i z e r i s ch e M Bunde S b ahnen geben in den nächsten Tagen L'/?/«ise Kaffenschetne mit drei und fünsjohrmer Laufzeit aus. Die drei« iähr gen Kaffenschetne werden zum Kurse von 99*/o, die fünfjährigen zum Kurse von 98% angeboren. Drr Ausgabe der Kassenscheine erfolgt in unbeschrankter Höhe. — Aus Riw-Avrt wird gemeldet: Der Kongreß wird stch m dieser Woche mit rmee Reihe von Gesetzesvorlagen zubefaffrnhaben, die dieBeschlagnähme des deutschenVermögenS regeln sollen» — „Cesko Slovo" meldet, daß zum Clief der Exposttur der tschrcho-slowakischen Kommission für Außenhandel und Kompensationsgeschäfte in Berlin der aus Wien bekannte ehemalige Rittmeist» von Lustig ernannt wurde. Die Südbahn. Abgeordneter Dr. S ch ü t f f ersuchte den Staatssekretär! um Aufklärungen über die Südbahn. In Paris werde derzeit Über die Aufteilung des Vermögens derSüb^ bahn verhandelt und e3 verlautet, daß die sogenannte italienische Annuität für den stanzösischen Dienst beansprucht wird, während st« eigentlich die Garantie für den Zinsendienst der Südbahn» obligationen bilden soll, weiter nm Auskunft Über die gegen» wärtige Lage der Südbahn, Über die vorauSstchtliche Gestaltung der finanziellen Lage in der Zukunft und darüber, welche Garantien dem Staate für die Vorschüsse bleiben, die er d« Südbahn geleistet hat. I Menachem Mendel. Ein Briefwechsel. Herausgegeben von Scholem-Akejchem. Äuö dem I ü d i s ch e n übertragen von Siegfried Schmitz. Das erste Bündel Brieke. „L o n d o n" (Odesfaer Börse). (4. Fortsetzung.) Denn bei uns in Odessa ist es so Stile: so wie Du Dich niederseh!, kommt ein Akenich m einem Frack und befiehlt, daß Du ihm befiehl st, Dir ein GelrorneS zu bringen. Widerspiechen kannst Dn doch N'cht und mußt ihm befehlen cs zu bringen. Und wenn Dn dir Portion GcfrotneS aufgegeffen hast, so befiehlt er Dir, daß Du ihm befiehlst, noch ein Gefrornes zu bringen. Willst Dn nicht, so darfst Du dort nicht weiter sitzen. Dann mußt Du ünf der Straße herum" spazieren. Das paßt doch nicht recht für einen Sp'gukanten. Und außerdem steht dort e>n Polizist und lauert auf die Leute, welche herunisptiZieren ... Juden aber haben ds nötig, auf der Straße herumznipazieren; so überlisten sie ihn auf alle mögliche Art, laufen fort und verstecken sich, wo kS nur geht. wischt er aber schon eliien, dann saßt er ,hn wie einen Brillanten mit zw« Fingerspitzen, alls wolle er sagen: „(Int herrliches Stück — ein Jude!" .. . Und waS Du schreibst, daß Du nicht glaubst an dte großen „Schwankungen" und „Dtsserenzen", so sage ich Dir: das bewrtst nur, daß Du von der Politik nichts verstehst. So zum Bellpiel sitzt da einer bei uns im Caiö, bei Fanconi. Man nennt ihn „Gambelta". Tag und Nacht redet der von Pol tik, nur von Politik! Er beweist mit taufend Giünden. daß Kr>eg in der Luft hegt. Er hört, sagt er. jede Nacht Kanonenschüsse.; nicht hier, sondern dort, bei den Franzosen. Dre Franzosen, sagt er. können Bisntarck n'cht vergessen, solange sie leben, ES muß, sagt er, eS muß bald Krieg geben, es geht nicht anders! Wenn man den Gambetra so reden hört, dann muß man verkaufen, was man besitzt, - sogar den Nock am Leib und für das Geld „Schliisie" kaufen und „Baisse-, nur „Baisse-! Und was Du schreibst von dem Mantel, den ich Dir kauten soll, so antworte ich Dir: ich habe für Dich ein besseres Geschenx ausgewählt, teuere Gattin, nämlich ich habe eine goldene Uhr mit einem Mendeljon" an einer goldenen Kette und end Broichr und erne „Bronzelat" gesehen m einem Schaufenster nicht weit von Fancom, — ich sage Dir: prima Dtimniimat Da ich jedoch kerne Zeit habe, fasse tch mich kurz. So Gott will, werde ich Dir im nächsten Brief alles aussührlrch berichten. Jetzt gebe Gott G sundhett und Glück von Deinem Gemahl Menachem Mendel. Richtig: das Wichtigste!: Der Reichtum ist hier unberufen so groß und die Juden haben den Kopf so voll von Geschäften, daß man an Sabbat und Feiettage gar nicht denkt. Natürlich bei mir — da ist der Sabbat Sabbat. Und wenn es Steine regnete — ich muß am Sabbat in die Schul' gehen. Die Schul' in Odessa ist eine Sehenswürdigkeit. Erstens heißt sie „Synagoge", weil fi* aussteht wir e ne Tellermütze; und Ostwand gibt rö keine. Alle fitzen mit dem Gesicht nach einer Seite hin. Und der Chafen (er heißt Pini), das ist ein Chafen! Er läuft glattrasiert herum, aber vorbeten kann er ern wenig besser als nufer alter Krüppel Mvjfche Towrd! Beim „Borchi naffchr", da ist er in fernem Element. Und für fem ^Mismvr schrr ckejom haschaboß" mußte er Emtriltsgeld einheben! Alle Chorsänger stehen um ihn herum, in kleinen Talestm — cm Vergnügen! Wäre zweimal in der Woche Sabbat, ich würde zweimal hrngehen. um Prni vorbeten zu hören. Ich begreife die hiesigen Juden nicht» warnm sie eigentlich nicht beten gehen. Und die, welche doch gehen, die beten auch nicht. Sie sitzen da wie Haubenstöcke in ihren Zylindern über den fetten, ausgeirrffknen Gesichtern in kleinen Takesim und — man hört kein Wort! Wenn wirtlich ein Jude ein bißchen lauter auS dem Herzen herausbelen will, da kommt der Schameß mit ^Knöpfen am ganzen Leib, auf ihn zu und heißt ihn ruhig fein. — Soub-rdare Juden hat das Odessa! Der Obige. 6. B r i e f. Gchcine-Scheinbel «uS KaSrAiwre in« ihren Gatten Menachem M-ndel in Odessa. Dem hochgeehrten, edlen und mächtigen Herrn, dÄr weisen Kenner der Thora, dem hochgelehrbrrr Reb Mmachem Mendel ehrfürchtigen Gruß. Erstens vermelde ich Dir, daß wir alle, Gott ' fei Dank, beim besten Wohlsein sind; gebe Gott uns, das gleiche von Dir zu hören fürderhin und nichts Schlimmeres. Zweitens teile ich Dir mit, mein geehrter Gemahl, daß ich nicht verstehe, was das für ein Vergnügen ist. bei Frankoni brennen möge sie, zu sitzen und von F.'üh bis in die Nacht an marrnornen Tischen zu fressen, weiß der Tcusel. was. Nur. um Geld auSzugcben? Und was. ist das für ein Narr dort bei Euch. in Odessa, dem es träumt, daß man schießt — er-c scho'sen möge er werden!? Er hat Lust, Krieg zu führen! Wie sagt doch die Mutter, sie soll leben: „Des anderw Blut gilt ihm wie Wasser". Goldene Uhren und Bronzeletts hast Du in Odessa in den Schaufenstern gesehen?. Die Großmutter wird sich freuen! Was habe ich, Mendel, von Deinen Geschenken, die Du Lurchs Fenster siehst? Wie sagt doch die Mutter, sie soll leben: „Krapfen im! Traum sind keine Krapfen» sondern ein Traum!" Geh' lieber in einen Laden hinein und kauf' mir ein Stück! Webe für Wäsche und Jnlet für Polster und ein Paar Bettdecken und etlvas Silberzeug für die Stube und! sonst noch einiges. Daran denkst Du nicht, wie Blimel Zlate sich jetzt vor mir aufbläst (aufblasen soll maw sie. bis sie platzt!). Was ist geschehen? Sie trägt eine! Perlenschnur um den Hals (erdrosseln sollte man siü damit!). Ihr Mann hat sie ihr gelaust! Es gibt eben; Leute, die in allem Glück haben; nur ich bin itt einer so schlimmen Stunde geboren worden und muß den Mann um alles erst bitten! Denk' Dir, Du hättest um ein Stück mehr gekauft von der „Hof" und „Baß" samt noch dem Zeug, der Teufel weiß, wie Du es nennst! Ich sage dem Mann: Verkauf' das, was Du hast, und' halt' Dir das Geld! Nein — er kauft noch mehr ein! Fürchtest Du Dich, daß die feine Ware später nicht mehr zu haben sein wird? Ich weiß schon, was das fÜt Geschäfte find und was für eine Stadt das Odessaii wenn der Sabbat nicht. Sabbat ist und die Feiertags keine Feiertage und der Chafen läuft mit glattrasiertem Gefcieß herum; all mein Kummer möge auf seines Kopf fallen! Ich denke: so eine Stadt und solche Menschen muß man fliehen wie die Pest; und er — sitzt dort fest und will gar nicht los! Wie sagt doch die Mutter, fiel soll leben: „Der Wurm sitzt im Mehl und glaubt, esj gebe nichts Süßeres!" Darum schreibe ich' Dir, mein; geehrter Gemahl: Ueberlege Dir gut, was Du tust und höre endlich auf, ein Lotterleben Zu führen in dem süßen Odessa, auf das ein.Brand vom Himmel sallens möge, wie Dir wünscht Deiine wahrhaft treue Frau l Schcine-Schcündek. Noch waS, Mendel, sag' einmal: Wer ist die „Frankon.". von der Du mir schreibst, daß Ihr dock Tag und Nacht sitzet? Ist das ein „er" oder eine ILiUÜLlUUIL-tolL^

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