Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 358 (20.1.1920)
- Date
- 1920-01-20
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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i.y.P «L 358 Wien. Dimsta- 48Utt«* Morgenzettunst iwi.«vari>a»TiaBrra7i«t|f nrjVi 20. sännet 1920 ecinir Halbjahr 1918 erreicht. Im Srptrmbrr und Oktober pmdcn diese mit je 79.000 Waflen überschritten. 'Nun hätte nnS jur Erlösung auS unserem wirtschaftlichen Elend und zur Entlastung neuen wirtschaftlichen Lebens gttehst. daß wrr in den folgenden Monaten die Verladung um mehrere zehntausend Pagen Uber die Mimntalleisiung deS Meldenden SUerreichischen Staates gesteigert hätten und wenigstens halbwegs an die Friedens Mern herangekommen wären. Diese befreiende Entwicklung trat Mt ein, eS kam dafür ein R U ck s ch l a g. Der November ergab nur 72.000, der Dezember, trotzdem nur rin kleiner Streik in Falkenau daZ Ergebnis beeinflußte, 76.900. Die EritwicklungS, furve zeigt also nicht mehr nach oben, sondern vorlänstg nach snten.Wenn auch zu hoffen steht, daß es in den nächsten Monaten jvieder aufwärts gehen wird, so ist Koch nach den Erfahrungen rmsereS ersten FriedenSiahreS nicht zu erwarten, daß dies raich geschehen wird. War daS Jobr'1919 ein Jahr der Stagnation so wird das Jahr 1020 bestenfalls ein Jahr der l a n g s a m en Gesundung werden. Eine Erreichung der Friedeusleistung poch in diesem Jahre ist a u S g e s ch l o s s e n» denn die haubtursache, welche die Leistungsfähigkeit der Reviere 1914 drosselte, der Wayeumgngrl, kann in einem Jahm nicht behoben werden. Die 80.000 Eisenbahnwagen, die unsere Volkswirtschaft mehr braucht, kann unK niemand auf der Welt geben «nd wir selbst können jährlich bestenfalls rin Veertel davon bauen. Die Reviere zeigen einzeln folgende Ergebnisse: Brüx verlud 60.700 Wogen,. uni 4700 mehr als im Streikmonat November, aber noch 700 weniger als im Oktober, 8000 weniger als im September,-6000 weniger als im August. Das ist, wenn man November als künstlich bcemflußt auSschließt. eine stetig fallende Kurve. Das Revier hätte viel mehr liefern können. Es fehlten ihm in der ersten Monatshälfte 32°/».' in der zweiten Hälfte UV« der bestelltere Wagen, trotz PrrsonmverlehrZsverre und trotz der Feiertage. Im ganzen Monat fehlten in Brüx 15.0 0 o Wage n. — F a l k e n a u verlud 16.200 Magen, genau. so viel wie rm November, aber 1300 weniger als im Nekordmonat Oktober, in dem das Revier bekanntlich feine FriedenSförderung überschritten batte. An dem Ausfall war im November die Weittrkatosirophe schuld, im Dezember die Nachwirkungen derselben — in eine Reihe von kleinen Tggbanon war bei dem Plötzlichen Schmelzen der Schnee» meffm der Abraum hereingebrochev und batte die Kohle verschüttet — jn der Hauptsache aber der zweitägige Streif. Wie ein Streik die Verladung beeinflußt, laßt sich an den Tagesversand» Jiffein genau verfolgen. Am 8.. 0. nnd 10. Dezember wurden täglich je 76V Waggons verladen. Am N. begann der Streik, der Versand betrug nunmehr 225 Wagen, sank am 12. auf 87 und stieg am 19., trotzdem alles wieder arbeitete, erst auf 544 Wagen. Am 14. war Sonntag, am Montag wurden ober wieder nur 600 Wagen verladen, noch immer 100 wcuigec als vor dem Streik. Der (Kesamtanssall betrug also M0 Wagen, yalkenag kann, wenn es von Streiks verschont bleibt und von den Batzem genügend Wagen erhält — mt Dezember fehlten mit 800 Wagen, überhaupt afio nur 4 Prozent—- schon im nächsten Monat seine FnedeuS'ördeiung wieder übrrschreiten. Dies kann aber keinen maßgebenden Einfluß auf hi« Kohlenversorgung der Repltbiik üben. Dazu ist das Revier zu klein, das viermal größere Schwesterrevrer in Brüx aber durch km Magenmangel dauernd in der Entwicklung gehrndert. Wirtschaftliche Nachrichten. Aus Budapest wird gemeldet: Mit Rücksicht auf die Nationale Trauer anläßlich der Ueberreichung der schweren Friedensbedingungen, hat der Börsenrat beschlossen, Heu morgigen Börsenverkehr aus fallen zu lasser;. — Menachem Mendel.;; t r Ein Briefwechsel. Ä Herausgrgebm von Scholem-Alejchem. dkM Jüdischen übertragen von Dirgsxred Schmitz. " - DaS erste Bündel Briefe. «London" lOdessarr Börse). (1. Fortsetzung.) 2. Brief. SH ein'»Scheint» el «ns Kasriliwke an ihrn Gatten Menachem Mendel in Odessa. Dem hochgeehrten, edlen unb mächtigen Herrn, dem weisen Kenner der Thora, hem Hochgelehrten Reb Menachem Mendel ehrfürchtigen Gruß. . # Erstens vermelde ich Dir, daß wir alle, Gott sei Dank, Leim besten Wohlsein sind; gebe Gott uns, das Gleiche von Dir zu hören, fürderhin nnd nie Schlimmes. Zweitens teile ich Dir mit, daß sich bei mir wieder die alten Krämpfe melden; Deii en Vetter Menasche mögen sie befallen, der Dir mit den fünfzehnhundert Fetzen Mitgift-solche Sachen aufgesührf hat. Glück soll er dafür haben Jahr um Jahr! Wr« sagt doch meine Mutter, leben soll sie: „Die Katze als Bote für Pnrimgeschenke!" Ich täte Wechsel bet ihm nehmen! Einen Schmarrn täte ich bei ihm nehmen! Und auf fünf Monate! Fieber soll er solange haben! Höre — Gott gebe, daß ich eine Lüge fagc: ich fürchte. .Du wirst den Nest des Geldes so sehen, wie Du Deine Ohren siehst, die Du bis dorthin nach Odessa geschleppt hast. Dein Glück, daß die Mutter nichts von den Wechseln weiß; sonst gäbe es finstere Zeiten! Daß Du, lieber Mendel, wie Du schreibst, Gott sei Dank, gut verdienst, kommt nnS allen sehr gelegen. Nur, zu allen Teufeln meine Feinde, wenn Du schon sch e bst, schreib', wie ein Mensch schreibt! Warum schreibst Du nicht genau, was das für eine Ware'ist, mit der Du handelt? Wieviel kostet, die Elle oaoon? Oder wird das nach Gewicht verkauft? Auf Ehre und Gewissen, ich weiß nihl, . da > ist und womit man las ißl! Und dann — ich verst>i/e nichtDu sagst, daß Dir Me auS Paris berichtet wird, hat di« argentinische Kammer einen Kredit von 206 Millionen Goldpesos für Frankreich, England und Italien zwecks Anlaufes von Äetreidil bewilligt. — Ans London wird gemeldet: Samstag erreichte die WaleS-AuSsnhrkohle den HSchsWreiS von S Pfund 10 Schilling pro Tonne, was dem elffachen Friedenspreis entspricht. — Mister Mackinder, Mitglied de» HauptauSschusse» der Spinnereien Rar d «En glaub K, der unter dem Wachergesetz« fin* vernommen wurde, gab an, haß der Gewinn an Garn« spInnereien zwischen 400 und 6300 PrvMt betrage. — Die zwischen dee deut schen »nd der Holk indischen Regierung seit einiger Zeit schwebenden Verhandlungen wegen Gewährung eines holländischere Kredits an Deutschland stehen, wie di« „B. Z. am Mittag" erfährt, vor dem Ab« sch küsse. Es harrbstt sich um ein« Summe von 200 Millionen Gulden, von denen' 140 Millionen zum Ankauf von Rohstoffe,, nnd 60 Million«« zum Ankauf von Lehensmitteln dienen -sollen. Schiedsgericht her Warenbranche an der Tyßener VSrse. In der gestern unter dem Vorsitze des Präsidenten Eduard Me bin gor und im Beisein des Börse« kommisskr-Stellvertreters, Ministerialrat Dvkvr Lutte r i, abgehaktenen Versammlung dos Schi.dZ'» richterrolleginms der Warenbrauch« an der Wiener Börse erstatteten dieSesretärk den Bericht Über die Tätigkeit im Geschäftsjahre 1919. Diese-erstreckte sich hauptsächlich auf dko Entscheidung der auS hem Zusammenbruche des alten Reiches ontstandenrn handelsrechtlichen Streitfragen, insbefondevr auf hem. Gebiete des Handels mit Papiergarnen - und -gewoben. Bon den behandelten 303 MchtSstreiten, bei denen den Klägsgegrustand zumeist sehr hohe GeMeträge bildeten, wurden 69 durch Urteil oder Beschluß nach strittiger Verhandlung erledigt- Von 36 an bas ÄinigungSamt für Streitigkeiten aus Lieferungsverträgen überwiesenen Rechtssachen kamen infolge Nichtrinigung der Streitteike von diesem wieder an bas Schiedsgericht zurück und wurden vor diesem weiterverhandelt. — In das - Präsidium des Schiedsgerichtes wurden die Herrn Eduard Medinger zum Präsidenten sowie die Herrn Julius Stern nnd Rudolf Moll zum ersten und zweiten Vizepräsidenten wiedergewählt. „„ Äoitlwt*, Vom Laydrsgericht Mm wmdk d« -och« krössnrt über das Rachlaßvrrmögen dr§ am 8. August 1919 MV storbenen Joachim G o 1 t e 8 m a n n. richtig Franz Ä « C f ui, m in u r fi, Filmuntermkmier in Wien. XUl., Matzmgkrstraße - 10 Noch am 9. d. M. wurden in Berlin für 100 polnische Mark 87 deutsche gezahlt, am 10. und 11. 40, am 13. 46 und am 13. 66, Palutenkuese. Im gestrigen tieien Verkehr erfuhren die fremden Zahlungsmittel nach den letzten großen Steigerungen eine A b s ch w 8 ch u n g. ES notierten: S c t n M t a K 5.55, Rudeln»len K 8,os, Markn oten 8 S.15, Lire A 18.80. Dollar K 264.-— und Auszahlung B r r l i n & 4.90. N«»e Geseklschaktr« m. k». H. in Tschechien. «Lpera". Ein-und Ausfuhrg-sellschaft G. m. d. H. m Prag. Slammkavitas K 300.000. •— „Regr o", G. m. b. H. für die Ansbesferung von Giühiamprn in Prag. Stammkapital K 740.000. •« Henri Pudosca * Co. G. m. t. H. in Prag. Kgpüal K 100.000. Die Grsegichaft wnd sich vornehmlich mit dem Handel von Meerrsschwämmen der Firma Duboscq & Co. in Paris belassen. Insolvenz eines Konterminenrs in Budapest. Seit der Wtedererösinung der Bndavester Effrllendörse erfolgte dir erste Insolvenzerklärung, und zwar die des Börsmmitgliedes Josts D a r v a S. der als Konttrm vem mfolnt der sprunglraften Autwärtsbewegung der Holzbank-Aktien in den letzten Tagen zahlungsunfähig wurde. Wiener Börse. ' llbirwohl der Mmz CstmenceanS günstige BeuEn« sank' pnhlklt sich die Spekulatron an der gestrigen Börse hMvä reserviert, da sie hie weitere Entwicklung der BechMW.ü Frankreich abwarten will. Aul emzelm-n Gebieten nm* •<«? ziemlich freundliche Tendenz wasirnchmd^r, wie k>e, Wodr,' Aktien, die ihre AniwärtSbeweautty soui>tzten, iernrr zeigst till erhöhtes Jnteresie für Salgo-Kyhlen. wach? eine Avance vor SbO.'" zu verzeichnen batten, Daakftktt landen m ttnigzr Werten Mit Rücksicht auf die B?rfyrgvng, weiche h>- m Donnerstag verschoben wurde und bet der ma» knapnen GA stand befürchtet. Entlastnnasahgahkg stau, die zu empfindliche Rückgängen führten. Älvine-Aktten wo een K 840,-rj- Staatsbahn K 140.— und deren Genuickcheme K 180.-^ billiger erhältlich. Lombarden mnäßigstn sich u» SM.« und Güdbabn-Prioritäte» um k 15».-. Von der Schrankmwrrten gabm Adria ll 650.^. Dampfschiff K 000,-r Aussig Chemische K 800,»« im $uv8 ab.. M>k «imr Skeigskun: von K 800,-" wurden Buschstbraher lit. st dedachi. 1*xms -ftfr wannen Nordbahn K 700,—, WiermherM Zisgek K 5.'0 - Berg und Hüttenwerke K ICOO.-, Pptdihiitst K Waffen, kabrik K 470.--, Erhöhtes Interesir bestand % Brünn?, Maichinen^Aktren. welche sich um ff 960.»- e> höhten, fp gpL Geitschrr Magnesit, die ff 500. "" prositiertkn. Auf dem Pttrplnrm' markte war die Tendenz geteilt. Während Aarvathen-Pttroleim sich um ff 700.«- ermäßigten, wurden Galina um & 900^ höher bewertet. Lebhafter gestaltettte sich der Verkehr in Reutm die intolge von Känien stlr tschechische Rechnung wesinMi Steigerungen auszuwersen batten. llOairentr wurde u*U, llngaW' Kronenrente 5% höher bezahlt. Int übrigen verweise« wir im' nachstehende Schlußkurse; Industrie e U«tevnr-M,nne». Allgem, Baugeselllchast 1400.— t— —Wienerberger Ziegel 3550.- (4* 550,^1 Liesinger Brauerei 1900.— (— 75.—). Sarajevo Ak-Brmrmr ). Ä«p 2970^ K9mpBi 8000.- (— —Aussig Chem. 9000.— 500.» bonmdum 8<K0,— (— —i, HolzhandttSgesk (— 35.—). Siemens Schnckert 28tz5.— 188.—), Alpine 4M.« («- 340.—)« Berg- und Hütten 15.000.— (4- 1000.«-), Hütte 4900.»»- (4- 800,—), Prager Eilen 9190*** {»* «-,**) Rtmanrurany 8980.— (—* 190."»), Skodawerke 3889.— (*f* M—! Mäffenfabrck 6470.— (4- 476,—\ Sälgo Tarjaner 5880.»«* f-f 280.—1, Trifasier Kohlen 4400.— i— —vng All- Kohlen 8<120.— (— —Arikanp 4480,— (4' 150.—j Brünne« Maschinen 8850.— (4* 860.—), Heidt 1460.— (- Lokomotiv Sicgl 9200.— t— —Simmeringer 1900.« (-f 200.—), Karvathen 13.100.— (— 700.—). Galizia 15.000.— (+ 900.—), Fezfabriken 4200.— (4- 50.—), Schoeller 6950«— (4* 460.—), Dürkenlole 9720,— (— 80.—), < 19.50.- (— 45.—), Ruston 295a- <+ 80.-), 234a— (»I- 140.-), Veitlcher Magnesit 17^00 (4- Lnnnsport * Unternehmungen. Adria f- 6ßo.-), Buschtehradex Ut. B 8300,- (+ 800,-*! ,.. Dampf. 18.900.— (— 900.—), Ferdinands Nordbüvn 17,505 (-f 700.—), StaatSeffenbahn 5900.— (— 140.—), Lombardes 838.- (- 57.-), 8°/. Südbahn-Prior. 1620.— (- m.-l StagtSbabn-Genußsch. ‘3510,— (— 180.—). Rente«. Mairente 104.— (ch 6.—), FehruanMe 100.8C sch —.50)^ Oesterr. Kronenrente 88.— (ch 1.75), Oester,'. Goldrcnte ISü.— (— —Ungarische Kronenrente 120.— (ch 6,—). Banken. Snglo 1990.— (— ft.—), Bavkvera» 1060.— ich 5.—), Bodenkredit 2995.— (ch 910,—), Kredit-Anstatt 1380.— ich 6.—), Ungar. Kredit 1860.— (— 10.—j, DtpEe» 1065.— V Länderbank 1200.— (— 40.—X UnwüvoNl 1095.— (— —.—), BerkebrSbank 945.— (— —\ MwostenSk« 2100.— (ch 265.—), Bosnische LandrSbank 1000.— (ch 50.—% Innsbrucker Warenbörse. InySbrurk, 19. Jänner. An der heutigen Börse waren angeboren: Oele, Fette» Gewürze, Kaffee. Honig, Schweizer Lagevsoeben eingekanft hast — nnd schon hast Du Gewinn ' daran? Was ist das für eine Ware, aus der so mir nichts, dir nichts, Gewinn wächst? „Pilze," sagt die Mutter, „brauchen auch Regen!" Und wenn Gewinn da ist, warum verkaufst Du nicht? Worauf wartest Du? Auf eine Hungersnot? Und warum schreibst Du f mir nicht, wo Du wohnst und wie Du issest, als märe ich eine Fremde? Bin ich denn nicht Deine Frau, bis.! hundertzwanzig Jahre, sondern etwa so eine Geliebte j — Gott bewahre!? Wie sagt die Mutter, sie soll . leben: „Wenn eine Kuh auf die Milde geht, vergißt sie den Stall!" Wenn Du mir folgtest, würdest Du ' so schnell wie möglich Deine Geschäfte avwickeln und lieber mit dem bißchen Bargeld nach Hause kommen. > Du wirst hier schönere Geschäfte finden als bas bort mit den: — von Schlechtem möge ich so wissen, 'Kie ich weiß, wie das heißt! Sei gesund, wie Die von ganzem Herzen wünscht Deine wahrhaft treue Frau Scheine-Scheindel. 3. B rie f. M i Mendel aus Odessa an seine Frau Scheine» ' Schrindel in Kaöriliwke.! Der terrrru. edlen, tugendhaften und klugen Ehr- Frau Scheine-Schcindel meinen Gruß! Zum ersten sei Dir kundgetan, daß ich —dank seinem lieben Namen! — gesund bin und »rein Leben das des Friedens; der Herr, gelobt sei er, möge helfen, daß eines ^vom andern nur Gutes höre in guter Botschaft zu Trost und Heil — Auren! Z u m zweiten wisse: ich wundere mich nicht, daß Du d. u Siun von „London" nicht verstehst, dum wo jüdische Mä.rner, gewiegte §kaufleute, Männer mit langen Bauen nicht wissen, in was für ein Bett sie sich da himingelrgt haben, um wie viel weniger eine Frau'. D^.'N'". wil'l ich Dir all^s erklär.'», damit Du dieses | e.WC’fi s:"'iau verstehst. 'Siehe denn und wisse: | ..ou" «lost ist ein zar..s Gebilde. Man verkauft es aufs Wort; aber mau ficht es nicht. Alle Minuten ändert eä;i: bald ist t.uer. bald ist es billig, bald! ist ..Hausse", ba^o ist „Baisse", das heißt, der Rubel dort in Berlin steigt oder er fällt; er dreht sich so in Berlin, Wie Berlin sagt, so ist eS. Die Kurse laufen auf und! nieder, wie verrückt; Depeschen flieg«» hin und zurück und' Jud.n schießen herum, wie auf einem Jahrmarkt, machen Geschäfte und machen ihr Glück; und für mich fällt auch waS ab. ES ist ein Lärm, eine Verwirrung, rein zum Berrücktwerden. So zum Beispiel habe ich gestern einen „Schluß" gemacht; einen Fünfziger Habs ich hinetngesteckt. Und heute Punkt 12 Uhr mittags war er beim Teufel. Doch Du weißt natürlich nicht, was das heißt, „einen Schluß machen", also will ich' Djir das erklären. Zum Beispiel ich gebe einen Fünfzigrr weg für einen Dag und der andere „stellt den Kurs"; da kannst Du den Schluß „zweiseitig" machen, daheißt, zweiinal „Baisse" und zweimal „Hausse"; oder Du kannst stehen bleiben und dem andern „blindvev kaufen bis nach „Börsenschluß" (Börsenschluß heißt bei uns in Odessa Nachmittag, so wie bei Elrch die Fest zwischen Muschate« und Abendgebet). Wenn nun der Kurs „fällt", so ist der ganze^ Fünfziger beim Teufel — das heißt, einen „Schluß" machen. Kränke Dich aber nicht, meine teure Ehefrau: Einen Fünfziger hin» schmeißen, das ist da gar nichts. Gott, gelobt fei,«t. wird helfen und ich werde auf die richtige Seite fallen; da werde ich. so Gott will, einen Haufen Geld verdienen! Und was Du schreibst von den Wechseln deS Detters Menasche, darin trrit Du Dich gewaltig. Er steht noch fest auf beiden Füßen und gilt hier in Odessa als gan; gut. Wenn ich ein bißchen auf „Diskont" Nachlassen will, io kann ich sie „versilbern". Doch ich will nicht Brauche ich Geld, so habe ich genug: ich brauche nur ein paar „Haussechen" oder ein paar „Baissechen", zu verkaufen. Doch daS zieht mich gar nicht. Ich komm« bester heraus, wenn ich noch einen „Schluß" einhandle Je mehr „Schlüsse", desto besser. Wenn man sich mi! so einen: „Schluß" schlafen legt, schläft man ganz anders^ Da ich jedoch keine Zeit habe, fasse ich mich kurz. S« Gott will, werde ich Dir im nächsten Brief alles ausführlich berichten. Jetzt gebe Gott Gesundheit und Glück von Deinem Gemahl ■ Menachem Mendel. (Fortsetzung solar.)