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Wiener Morgenzeitung · 1920-01-17 · Heft 355 (17.1.1920) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 355 (17.1.1920)
Date
1920-01-17
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 35? Wien. Samstag Wiener Morgenzettung iqndeZgrrichtSra'eZ Dr. Frau enfeld wegen Kettenhandels m verantworten. Die Anklage vertrat Staatsanwalt Doktor dbertimpfler, als Verteidiger fungierten Dr. Friedrich Wanek und Dr. Franz Körner. Die Angeklagten erklärten gestern, es seien vpn den tzebensmitleln einige Waggons für Klagenfurt bestimmt ge vesen, die aber dorthin nicht abgeschafft werden konnten, veil die Stadt von Pen Jugoslawen besetzt war. Da diese Lebensmittel verdorben wären, hätten sie den Verkauf vorzenommen und den Erlös an die Kasse des Verbandes abzesührt. Diese Verantwortung bezeichnet aber dis Staats-' mwaltschaft als nicht zutreffend. Nach mehrstündiger Dauer beschloß der Gerichtshof, die , Verhandlung zu vertagen und die Akten an den Untersuchungs- Richter zum Zwecke neuer Zeugeneinvernahmen zurückzuleiten, j Ueber Beschluß des Gerichtes wurde der Angeklagte I Danza enthaftet, während der ehemalige Präsident Kotschara / »och mindestens solange in der Untersuchungshaft zu verbleiben . fat, bis die von seinem Verteidiger vorgebrachten neuen oeweiSanträge durchgesührt sind. ' AlS Kotschara, der noch heute an seinen im Felde erhaltenen schweren Verwundungen leidet und sich sitzend »Lrantworten durfte', dies vernahm, sagte er zum Borsitzen- >en mit gefalteten Händen: „Ich bitte, Herr Präsident, mich in das Spital bringen zu lassen. Ich halte es vor Schmerzen richt mehr aus und muß operiert werden. Ich habe ja nichts letan, als mich für mein« Kameraden aufgeopfert!" Vorsitzender: „Ich kann gegen die Strasprozeßorbnung nicht »orgehen. Melden Sie sich heute beim Primarius unseres Zpitales. Wenn Sie operiert werden, müssen, wird das ge- . ichehen. Ich sehe auch ein, daß Sie Ihre Pflicht als Soldat ufüllt haben und wünsche Ihnen, daß Sie freigesprochen >»rden. Enthafien kann ich Sie nicht." Ganz gebrochen wurde hierauf der Angeklagte abgeführt. Wenn man im Lastwagen reist. . , Ein in Rechtskraft erwachsen^Urteil des W-encr HarrdckS« Gerichtes befaßt sich mit drr anarsickttS der gkgenwäriiycn Peronenb^ördeiungSMande auf deu Ersendahnen aktliellen Frage, >b für Unfälle beim Reisen im Lasizuae die Unfallversichemngsulrlltchaiien bastvflichtrg sind. Der Kläger war noch während rts Kr-egcs in militärischem Auftrag in einem Lastzüge gefahren rnd hatte durch einen Zusammenstoß dieses Lastzuges mir emer ieeren Zugsgarnitur schwere Verletzungen erlitten. Die Unialllelstcherungsgesestschait lehnte bte begehrte Rentenmhhrng ab, veil sie nach den Verstcherunysbedingunpen nnr für Unfälle „des Fahrgastes m einem Eärnbahnwagqon", aufmkommen bade. lLrr aber in crnem Last-uae rem, sei weder .Faliraast* roch reue er in rmem E senbahnwaggon. Der Kläger lrwidenen, brr Lastzug habe damals mich dem P.rsonenveikchr jcbicnt, er ser daber tatsächl'ch „Fahrgast in einem Eisenbahnvaggon" arw-scn. Das Hand ls^'rriche wresdreKlageab, lvrü die Uttsaüvcrslchelungsgcscllschaft nur für Gefahten. dre rm : c g e l m 8 ß r g e n Elsenbahnverkebr für den .Lussagier besteh n. zu haften habe. Lastzüge aber nicht dem öficntiichcn Pe sonrnverlehr dienen, auch wenn Ausnahmen hirrtür statuiert seien. Kläger konnte auch nur mit Rüclstcht auf semrn »esondcren militärischen Auttrag den Lastzug benützen. Der Kammerdiener des ägyptischen Ministers. Vor dem Schwurgerichte war ge'tern der 8tjährige Kammcr- ^kfl.er Heinrtck Licktenegger wegen Diebstahls angeklagt, vcil er ,m Deärz v. I. se nem letzten Dienstgeber» dem damal gen jgyptifchcn Minister M o h a m e d Mouhel Pascha! Ma K 85.000 entwendet, dann den Posten verlassen und mit idem Gelbe rin Verschwender ickes Leben gefühlt hat. Der geständige Mgeflagre wurde^von den Gr'chwornen schuldig erkannt und, vom MWAhof^jw^ i n e m Jahre.schweren! Kerker -xrüiteilt. Her Prozeß ^egen den Mörder Kurt Eisners. München, 16. Jänner. Heute vormittags begann vor dem Münchener Volksgerichtshöfe unter Vorsitz des Landes- , gerichtsrates Neidhardt der Prozeß gegen den 22jährigen Leutnant Grasen Anton A r c o - B a l l e y, der am 21. Februar um 10 Uhr vormittags den damaligen Ministerpräsidenten Kurt E i s n e r erschossen hat. Der Attentäter wurde damals von den den Ministerpräsidenten.begleitenden Soldaten durch mehrere Schüsse sehr schwer verletzt und ist seitdem auf der chirurgischen Klinik in ärztlicher Behandlung gestanden. Die Verhandlung, die mit Rücksicht auf die Bernehmungsfähigkeit des Angeklagten mehrere Male vertagt werden mußte, ist am heutigen Tage bereits soweit gediehen, daß morgen die Plädoyers gehalten werden dürften und wahrscheinlich auch dgS Urteil gefällt werden wird. Der Angeklagte verantwortet sich in zusammenhängender Darstellung. Er sprach von dem traurigen Eindruck, den es aus ihn gemacht habe, als er bei seiner Rückkehr aus dem Felde die traurigen politischen Verhältnisse in München vorgefunben habe. Cr hätte geradezu physisch darunter gelitten. Aroo gibt unumwunden zu, die Tat mit Ubbrrlegung begangen zu haben. AlS Motiv bezeichnet er keine sittliche Entrüstung über die Lage in München und über denjenigen, der die deutsche Revolution nach seiner Auffassung herbeigesührt hat, über Kurt E i S n e r. Dann erzählte der Angeklagte, wie er am 21. Februar, vormittags, Kurt Eisner aus der Promenadestraße entgegengegangen sei und ihn niedergeschofsen habe. , ' Der Volkswirt. Wiederaufbau der russischen Industrie. AuS Warschau wird unS gemeldet: Wie die „Rowiny Cvdzienny* berichtet, haben die russischen Industriellen nn Vereine mit allenrussischen Großbanken ein G a r a n t i e s y n d i k a 1 mit einem Kapital von z w«i Milliarden Rubel gekündet. DaS Syndikat erhält von dem speziell zu diesem Behuf« gegründeten englischen Syndikat „City" einen Kredit von einer Milliarde Rubel in Gold. Der Kredit ist für die Flotrmachung und den Wiederaufbau der russischen Industrie bestimmt. Hierbei wurde zur Bedingung gemacht, daß diese Industrie Kriegszwecken nicht dienen dürfe, doch wird diese Einschränkung nur als eure Formel betrachtet, die stivuliert wurde, um die Einwilligung der englischen Regierung zu sichern. Von russischer Seite find die Hauptbeteikigten die Internationale Bank und die Herren Karl JaroSrinSki und Sawinkow. Kriegsanleihe und Vorkrisgsschrrld in Tschechien. Prag» 16. Jänner. Nach einer Mitteilung des Finanz- Ministers in der gestrigen Sitzung des BudgrtausschusieZ kann die Konskription der K r i e g 8 a n l e i h e in der Tschecko-Slowakei ohne die Slowakei ans 5'? Milliarden nd die der sta atlichenVorkriegsschuldaus 21? Milliarden geschätzt werden. Die Börse und die Sperrmaßnahmen. Die Wiener D8rsekamrner ist gestern unker denr Eindruck der Maßnahmen wegen Emichränkung des Verkehres zn einer Sitzung zufammengetreten. m welcher der Beschluß gefaßt wurde, die Börse biS auf we'trres Dienstag, DonnerStag und Samstag a u S i a l l e n zu lasten. Am Montag, Mittwoch und Freitag findet eine'Dorfenversammluna in der Zeit von Vsll bis 12 Uhr statt. Der Kastatag bleibt unverändert für 19. d.M. aufrecht, die Effrktrnabliejerung findet am SS. d. M. statt. Die schwierige Lage des Schuhgroßhandels. Eme Deputation des BerbandeS der östeireichischen Schuhgrvßbändl^r. bestehend aus den Herren Adwokal, Otto Bauer, Brandmann, Schlaeffer, Licktensiem nnd Walkowitz, sprachen bei Unterstaatssekretär Ellenbogen vor und legten »hm die s ch w i e r l g e L a g e des österreichischen Schuhgroßhrndels und insbesondere seine Schädigung durch die letzte Schuhverordnung dar. Ferner forderte dre Deputation die F r e tgabe des Importes von Schuhen, ebenso wie die Freiade drS E x p o r t e S, da nur durch diese Maßnahmen sowohl rn Konmmenrcn als mich de» Schuhindustrie geholfen werden lönne. Smlreßkich wirS die Deputation auf die Notlage der Asen'.en hin nnd verlangte eine Berücksichtigung dre;es Standes m der Verordnung. 17. Jänner 1920 eeö* Die Währungsrelation 1« Pole». AuS Warschau wird uns telegraphiert: Die Dtßak.. über das vont Finanzm'nister G r a b S k r eingebracht« Wahrungsgesetz, m dem die Relation zwischen Mark Krom mit 70 Mark gleich l0l> Kronen festgesetzt wird, ist noch nicht beendigt. Es ist noch eine ganze Reihe von Rednern zum Work' vorgemerkt. Die Situation ist durchaus unverändert, vv« er« Verständigung der Parteien »st noch keine Rede, trotzdem ei neuer Komvromißvorschlag mit der Relation 100 Krone« gleii 75 Mark aufgetaucht ist. '_ Amerikanische Warenuotlerrmgerr. Stew-Bork, 12. Jänner. Baumwolle: Rew-VmH loko 39.?b, New-Orleans lots 4l.—, Nw-Bork per Jänner 37.68, New-Nork per Man 86.70. Petroleum: Rafst-l nade (in cass») in New-Vor k'24.75, Raffinade Standard White in New-Nork 20.—, Raffinade Standard White in Phil« delyhia 20.—. Petioleum Credit Balanceot Oil City 5.-> New-Vork Mehl (Marke ,Spring ClcarS"f 925 drS W.SS. New Vork Weizen loko Mmterweizen 887.50, Sommerweizm 237.50. New Pork M a r S per Western loko 170.25. New-Dorf Zucker Standard Granulated 15.80 bis 16.—, Raw Centn» fugal t2.54. New-Nork K a f f e e Rw Nr. 7 loko 16.50. New» Aork Getrerdetracht nach London per Bush. (60 IbS.^ nominell. New-Nork Schmalz (Marke Wilcox» per 27.—9 Schmalz Western Skeam 24.50. New-Nork Baumwolle Zufuhren in de» Häfen 83.000. e wahrend »acht «ch»i d faumwv«^ Edelmetavpreise ln London. AuS London wird vo»j 14. d. M. rin S i l b e r p r e i S von 8l7s Pence gemeldet,! was einen Rückgang von 1 Pence gegen die vor kurzem erreicht Rekordnotierung von 82'/, Pence bedeutet. Gold notirrte Unze 10» Schilling 3'/, Pence. Schiedsgericht der Sffedtenbranche «m der Wien« Börse. In der gestern abgehaltenen Versammlung deS Schirdi. richkertollegiüms der Effektenbranche an drr Wiener Börse wurde» in da8 Präsidium einhellig wiedrrgewShll: Herr Samuel Stein»! hübl als P> äsident, Herr Rudolf Bisteghi als erster Vrzepräside und Herr Gustav Sobotka als zweiter Vizepräsident. Neue Banknoten in Rumänien. Nach einer Re Meldung hat die amerikanische Regierung die Dirkarester gierung verständigt, daß die in Amerika bestellten z v Milliarden rumänisches Pagiergeld frUiggrstellt und nach Rumänien abtransportiert wurden. Nach Einlangen dieser rumänischen Noten wird der rumänische Finanzminister an die Einziehung der Kronen. Rubel nnd jmer rumänischen Kassen»! scheine der Banque Generale de Roumaine schreite«, die wahretch. der Besetzung über Auftrag der deutsch« BesatzungSmacht gegeben wurden. Forderungen gegen die Banmwollnnd wollzentrale in Budapest. Die liquidierende B« zmtrale und die liquidierende Schafwollzentralr in Budapest fordert sämtliche Fo,dcrungsberechrigten am. ihr« Ansprüche bei ihnen anzumclden. Nähere Auskünfte erteilt die deutschöfterretchtsche Vermögen im Auslands Wi ring 8,10. Der Neichsfchutzbund dev Handettvei folgenden Aufruf: Handelsvertreter s^wcrer Zeit, am Beginn des ReuauibaueS der Industrie, dÄ Handels, kurz des gesamten Wirischottslebens ruft Euch der Bum» zu: Organisiert Euch! Kein Berns, und fei eS der geringste, ist so recht- und gesetzlos als der unbedingt notwendigkH Handelsvertreter. Keine machtvolle Organisation vertritt Und erkämvst Eure Rechte! Der Handelsvertreter ist votzellreil Männer, die jahrzehntelang als Vertreter tätig find und in Ehre» grau geworden find in diesem kaufmännischen Berufe, gehen der Gefahr entgegen, von unlauteren Elementen, bie me Kaufkeut« waren, verdrängt zu werden! Em alle-, der heutigen Zeit nicht mehr ent>f! unerledigt, menten, dl einen anderen Beruf haben! rsiücksichlslöser Kampf gegen solch« d»e d>e Ehre des Handelsvertreters entweder untergraben oder « dem Rmne preisgcben. Handelsvertreter! Wollt Ihr nicht lang« schütz-, und rechtlos sein, so meldet Euch bei de« Reichs schutzbnnd der Handelsvertreter in Deutsch» vsterreich, Wir», Ul., Jnvalidenfiraße Nr. 1. Telephon Nr. 1251< Unbedingt notwendig ist zur Aufnahme der Kategorie A die Ev> blingnng des Bewenes als Handelsvertreter durch Vorlage des Szene im Keller. (Aus den Schrrckenstaaen in Polen 1919.) Bon David Pinski.; * (Schluß? Der Mann links vom Sonnenstrahl: Weil ihr das Ge^d zu'ammenscharrt, wegen eurer Aussirulungen, wegen eu e? Ka^i alkZmu^! Der Rabbi: W.il wir an Go.t vergeben haben. Einer der Sitzenden: Wegen unsererSon'erhellen, wegen unseres G Habens a's ausrrwäh tes Volk. > Der Mann rechts vom Sonnenstrahl: Wcgen eures kriecherische Wesens, wegen eurer Assimilation, wegen eurer Selbstenläuß.'rung. Ein Weib: Jctzt gehen sie debattieren. Sucht euch eine bessere Zeit dafür aus! Sie werden noch hier zu schreien anfange-n. Stimmen: — Laßt uns lieber baS kleine Grab au§ schaufeln! — Womit denn? — £°) glaube, ich liege auf einem Spaten. — Wer hat noch K 'a't zu g-aben? Das Weib: Ich selbst- Ich selbst will das Grab stzanseln. Gleich für zwei. Wie lange kann es bei mir noch dauern? Hoffentlich noch so lange, bis ich das Grab ausgcschaü'elt habe. Ihre beiden Kinder weinen. Das Weib: Ich grab' es für v:er, schreit nicht, meine Kinder, ich grab' es für vier! (Erhebt sich und schleppt sich in der Richtung der Stimme, die vom Spaten sp ach ) Die Stimme: Du mußt den Spaien selbst hervorz'.ehen, ich Hab' nicht mehr die Kraft, mich zu rühren. DaS Weib (zieht den Spa'en he'vor, kehrt auf ihren Platz zurück und beginnt zu graben- Man hört Wcil'er schluchzen. Die M ä d ch e n st i m m e: Ach wollte sie doch die ausgehobene Erde auf mich schütten! Sie würde meine Nacktheit verdeckerr. Der unsichtbare Fragende (mit zusammen- < gepreßten?ahnen und zorniger Stimme): Warum? Wa um?! (S irre, &'oj Las Schaufeln ist Hörlar, hie und da schrvaches Stöhnen und Schluchzen.) Ein kleiner Junge: Ich kann nicht mehr lesen, mrine Augen schmerzen mich. Ein Anderer: Auch mir tun die Augen weh, wenn es aber wirklich finster wird, dann werden wir gar nichts l'sen können und dann werden wir furchtbar hungrig sein. Ein kleines Mädchen: Wenn es finster wird, legen wir uns schla'en. Der erste Jun ge: Du mußt dich auf den Magen legen und ihn fest zudrücken, dann wirst du keinen Hunger verspüren. Der zweite Junge: Wenn ich auf dem Magen liege, so lecke ich die Erde auf und Hab' dann davon ein so unangenehmes Gefühl. Die Stimme eines Weibes: Ein Krümchen Brot . . . ein Krümchen Brot ... Der Fieberkranke: Ich brenne .. .! ich liege im Feuer . . .! ich . . . (eine Hand fällt klatschend auf seinen Mund) im Feuer! Die Mädchenstimme: Und mir ist so kalt, mich f.riert's, wie soll ich nu* von hier fortkommen? Ich bin vollbommen nackt. Stimmen: — Sie rechnet wirklich damit, von hier fortzukomn^en! — Bon hier gibt eA kein HerauSbommen! — Hier lauert der Tod ringsum! Irrsinn schwebt hier allerorten in der Luft, sie krabbeln auf uns herum, Würmern gleich. Schwören könnt' ich, daß in meiner nächsten Nähe ein toter Körper liegt . . . O weh! O weh! (Schluchzen.) DaS Weib (grabend): Bis ich fertig bin, geb' ich dir die Schaufel. Der Fragende (plötzlich aufschreiend): Warum? Warum?! Stimmen (auZ verschiedenen Richtungen mit dem Ausdruck des Entsetzens): Sch. — Ich — fcht Einer neben dem Fragenden: Wir habe« schon das Schreien verlernt. Das ist's. Als die Römer sich anschickten, dem Hohepriester Rabbi Jsmael, einem der zehn von den Machthabern hingeschlachteten Mär^ tyrer, die Haut vom Gesichte abzuschinden, stieß diefetz einen so markerschütternden Schrei aus, daß ein« Stimme, vom Himmel kommend, rief: „Noch ein solcher Schrei, und ich will die ganze Welt in Trümmetz schlagen." So müßten wir heute schreien können und die ganze Welt in Staub zerfallen machen. , DerDichter (gegen den SonnenstrahlgewendW Nein, draußen scheint die herrliche Sonne,, breit und rund und glänzend. j Der Mann rechts vom Sonnenstrahl Und seine Strahlen künden uns von einem Land, dahi« alle Juden zurückkehren werden. Sie erzählen uns vo» voller Freiheit, von einem eigenen Heim, von sonnige« Unabhängigkeit, von einem Leben ohne Verfolgungen ohne feindliches Wüten, ohne Pogrome, von eine« Leben ... Der Mann 1 inkS vom Sonnenstrahti . ... ohne Herren und ohne Knechte, ohne Ausbeute« und ohne Ausgebeutete. Der Sonnenstrahl spricht zp uns von einem neuen Tag und einer neuen Welt, mU einer neuen Gerechtigkeit und n^ren Beziehungen vo» Mensch zu Mensch, von Bolk zu Volk. Der Dichter: Dann laßt uns den Sonnem strahl satteln und auf seinem Rücken hinfahren in di« sonnige Welt, denn das ist der Strahl der Hoffnungj Das ist . . . i (Eine Bombe trifft den Platz Über dem Keller, bÄ gräbt die Flüchtlinge unter den Ruinen. Ueber de» Trümmern, im hellen Tageslicht, werden der Dichte« und der Fragende sichtbar, mit den - letzten Kräftey nach Atem ringend.) D e r D i ch t e r (in Verzückung sterbend): Du breites schöne, herrliche ^onne! Der Fragende (mit entsetzlichem, baS M ütz schütterndem Aufschrei): Warum? Warum?! (Vorhang.) ' UtLerletzt von Jakob &»at»«^J

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