Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 355 (17.1.1920)
- Date
- 1920-01-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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SbtpMHttPMVt Preis SO Heller PrL«umeratio«s- •. preise: 101 nt: Aum «bhole« i» de» »tzpedltton» L. Brzirk, Tabor» »ratze 1 biS 3, ober in eint« Äerschleitzstelle (Srnjif): Monatlich .. Kronen 1»^- LierteljäyrKch „ »v — Mit Postversand für Mm und _ Oesterreich: Movailtch .. Kronen 13i<» , Tichrcho-Tlowakei: »ro«atlich... Kronen Ov— vierteljährlich „ *7.- m tschecho.slowMcherDährung feien im» Ungarn: Monatlich ». Kronen 18.— » «tipreamder Währung de» betreftmdm Lande- R«. SSS rener •rnatian, <awra«w»wi Wien, Samstag, den 17. Jänner 1S2V §' SJ -r itv ■ i>£ VS: Breis SO gelte«. Prünnmeeatiouss preise fti« Mouatlt^E^ranrS 8,*. Italien! : _ Monatlich .... Lire Schweiz: Monatlich... Krank- »*-*-' Redaktion u. Administration Wirn.ir.Be-.,Tabvrstr,1-L Telephone: Administrativ» 44M*. Redaktion 4831». ad 0 Uhr abeuvs Nr. 16301 RostsparkasleükonO^öc,.«» 2. Jahrgang Das ungarische Judentum erwacht. -' kr. W i e n, .17. Sännet.. £ Im Lager der ungarischen Juden treten jetzt Erscheinungen zutage, die von größerer Bedeutung sind, als der Fernstehende auch nur zu vermuten vermag. Die Panikstimmung, von der die Juden gegen Ende der Räteherrschast und in den ersten Wochen des neuen Regimes ergriffen wurden, macht allmählich. einer Besinnung und ruhigeren Ueberlegung Platz. Man beginnt mit den Tatsachen zu rechnen imb sich nach ihnen einzurichten. Dies geschieht'in zweierlei Form.. Eine glotze Zahl derjenigen schwachmütigen Juden, lie in iyrem ersten Schreck ihr Leben und ihr Habe nur durch die Abschüttelung ihres Glaubens und ihres Volkstums in Sicherheit bringen zu können glaubten, kehrt zur Fahne, die sie im Stiche gelassen haben, zurück. Der inoralis ^e Wert dieses Teiles der hei^ä^-hrton Täuflinge -soll- Nicht unterschätzt werden, wenn wir uns auch vor stebertr^.bungen in ihrer. Bew"rtung: "uten möcen. Sie bilden eine Art Naranesitusn der Neuzeit. Sie- .haben, wie mancher charakterschwache, schlimme B'nb, der aus dem Elternhause durchgeht, erfahren, wie es in der Fremde aussieht, wo man für Durchgeher und Aden- - teurer kein wärmeres Verständnis ausbringt, . und. kehren null, geheilt und in der festen Absicht ins Eltern» haus zurück, gemeinsam mit der Familie den.Kampf vms Dasein zu führen. Solche Heimkehrer aus seelischer Gefangenschaft können für unsere große Familie von großem Nutzen sein, vorausgesetzt, daß ihnen das . Leben daheim' Ziele steckt, die wirklich eckä'n'chfenswert. sind. Bedeutungsvoller als diese Erscheinung ’ ist eine Andere im ungarischen Judentum: -Die t Haltung der Mischen Intelligenz, der Vertreter der freien Berufe. Von niemandem mehr geleugnet.wird',' .1 ff;' nrrmffff yiehr.als 60 Prozent der geistigen Arbeit und materiellen Leistung' auf dem.- Gebiete , wissenschaftlicher Forschung: br Ungarn bisher von Juden geliefert wurden. Das erwachende Ungartum will nach dem jetzigen Kurs aus °; ese Leistungen -der Jlchen verzir.". 'Die erwachenden Jud -r quittieren diese.Herallsforderung, indem sie darangeben,, in.^udavest — eine jüdische Universität zu er« tichten. Das ungarische Organ der erwachenden Juden, Mult es. Jövö" („Vergangenheit und Zukunft"), hat tzor drei Wochen die Anregung des Abonyer jüdischen Arztes - Dr. .Hirn, den Hinauswurf der jüdischen Professoren und die jüdische Prozentnorm an her Uni-! versität mit der Gründung einer jüdischen medizinisch-- naturwissenschaftlichen Akademie, etwa nach dem Muster des Berliner „Kaiserin Friedrichhauses" zu beantworten,. veröffentlicht und dieser Ruf hat-sqsvohl unter den jüdischen Professoren, als. auch unter der wohlhabenden Judenschaft.ein Echogefunden, das zu den schönsten: Hoffnungen berechtigt. .In der kürzen Zeit wurden für ^ine jüdische allgemeine Universität, nahezu vier Milli-, onen Ktvnen aufgebracht. Jedenfalls ein vielversprechender Anfang/ Das jüdische Spital der Büdape'ster . .^ultuSgemeinde wird bereits von -den aus den Hör-' fälcn und Laboratorien verdrä :gten . jüdischen - Hörern' bestürmt und ist inr Begriffe, sich als Forschungszentrum auszugestalten und - auf diese Weise der - zu. gründenden jüdischen Hochschule vorzuarbeiten. Selbst der-überzeugte-assimilatorische Politiker Paul Sandor, dessen politische'Programmrede erst jüngst in diesem' Plätte-.besprochen wurde, bekundet Marines Interesse für Liese Pläne und schlägt vor, daß die ungarischen. Juden von der ungarischen Negierung jenen viele Millionen betragenden Kontributidnsbeirrag. zurücksordern, dessen Zahlurrg den Juden im Jahre 1848 voll Haynau auferlegt und der später vom König Franz Joses für jüdische Kulturzwecke freigegeben wurde. Teilbeträge dieser Kontribution wurden den' beiden' israelitischen Üandeskänzleien, beziehungsweise für Zwecke des Budapester Rabbitterseuiinars und der Breßburger Jeschibah zur Verfügung gestellt, ein großer Betrag soll sich aber, nach Meinung Sandors, in der Verwaltung der ungarischen Negierung befinden. Diese Summe wäre nun seiner Ansicht nach als Grundkapital für die Errichtung einer jüdischen Technischen Hochschule zu verwenden. - Al . auf anderen jüdisch-kulturellen Gebieten regt «8 sich im erwachenden ungarischen Judentum. Ein von einem anonymen Spender gewidmetes Legat von 100.000 Kronen ist zum Teile für Preise für das beste jüdische Bilderbuch aus der jüdischen Geschichte und das htzste Märchenbuch bestimmt, in welchem Stoffe ans. Ein amerikanischer KreM an Oesterreich. BeLlin, 16. Jänner. Das „c&uUmv Tageblatt" meldet aus Bafel r Aus Washington wipd berichtet r Hoover hat rw Repräfentantenhause gegen die Politik E rr gl a « d s und § r a n & .r e ich s scharf S t e l lang gen ommen. Er erklärte, daß lediglich die eMopkisch?n alliierten Staaten an der v e r z w eis e l i e n Lage O e ft e r r e.i ch s s ch u l d seien And datz die Vereinigten Maaten diese Politik nicht teilen würden. Amerika habe sich im Gegeuteir entschlsffsn, in allernächster Zt»it Oesterreich, P o l e rr, mrd A r m e n r e n ..einen Kredit von.159. Milli o rr e rr Dollar zu getVähren, um diesen Saaten Gelegenheit zu geben, ibre wirtschrstliche Lage zu verbessern. Hovvsr betente abep dabs^ daß dies bis letzte Anteil-s der Vereinigten Graaten an-die europäischen Mächte überhaupt W. . -> . Wahl eSii.es PDfidkNschKftS- LmMÄKtM Sn' FraNkreSch. ^' / WM'-ÄisderLKgr'ELemMe^^ Pari s, 16. Jänner. (Havas.) Die Mit- ' Wieder des SenatsÄ und der'Kammer-find heute zu s'ns.r VsC^ersammlnna zusammen-, getreten,- um-^.sn.'P^MeNt.lch^fLsHauÄidaten' - .zu Die - GLlMNenahgabe hatte fdLqendes Ergebnis: D e s ch a n e! erhielt 408, Ele m-e n e s a n . 389 .Stimmen, P o i« c a r ä 16,; I o n n ä v t 6, B o u rg e o i s s und F o ch 1 Stimme. P a r i s, 16. Jänner. (Korr.-Vur.) Der plZtzs liche Entfchlutz des Präsidenten der Kammer, Descharrel, für die Präsidentenwahl zu kandidieren, hat irr Paris das grötzte Aufsehen he.r.V.orgerufen. .. . - „Echo de Paris" weift hierzu zu berichten, datz abends Schritte unternommen worden seien, nm- Clrweneeau zu bewegen, daß er feine Kandidatur in der Vollsitzung offiziell aufftellen lasse. Elemeneeau habe zugeftimmt. denen nur -solche Männer werden widerstehen können,) die aus einem langen ungesunden Schlafe wirklich er-' wacht und entschlossen sind, ein Leben der klaren Wirk-' lichkeit zu führen. Unter dem. Titel: „Was wird - mit den Juden werden? Antwort auf eine Frage", versucht Mimsterialrat Adam Persian, ein bekannter katholischer Publizist,' der unt^.' dem. Regime Karolyis RegierungskommisM für katholisch-kirchliche Angelegenheiten war und gegenwärtig geschäftsführender Präsident des Christlichen. Verbandes ist, die oben geschilderten Regungen öadurHx zu unterdrücken, daß er einerseits sich bemüht, - den ungarischen Antisemitenbund abzuschütteln und anderer-' seits die Sache so darzustellen, als ob der Kampf dev vereinigten Christen Ungarns nicht gegen das Judentum überhaupt, sondern nur gegen den Einfluß gerichtet wäre, den die zugewanderten galizischen und russischen Juden angeblich auf das öffentliche Lebest Ungarns genommen haben. Nach Persian ist die Jriden«. ..frage keine religiöse, da ja der Judenhaß auch dem getauften Juden gegenüber nicht gemildert wird.. Auchj eine nationale Frage sei die Judenfrage nicht. Merk-ö würdigerweise bleibt der Verfasser hier die Beweis»! führung. schuldig, und anstatt darüber zu sprechen, wie die ungarische Nation darüber denkt, begnügt er sich mft j der Feststellung, daß die überwiegende Mehrheit der-' ungarischen Juden gegen den Zionismus sei, um darm zu dem Schluffe zu gelangen, das Judenproblem, sei eine Rassenfrage mit sozialen, ethischen und wirtschafte liehen Auswirkungen. > Diese Feststellung ist sehr wertvoll, denn sie mutz die ungarischen Juden überzeugen, daß e§ sich hier um einen Kampf von Volk gegen.Volk handelt und daß dieser, Kampf nur dann für die Juden ohne Vernichtung ettbenj kann, wenn sie ihn als Teil eines ganzen Volkes aufnehmen und zu Ende führen. In diesem Kampfe dürfen sie ffich auch nicht 'durch geständms P^stans, /.-öM-M- 'lFudett^ - wertvolle Dienste als mägyarisieren'e Pwniere M leistet haben, blenden lassen. So wie sie heute Undank für diese Dienste ernten, so verwerflich und entehren^ wäre es, wenn sie sich j-tzt wieder als Avantgarde gegest die östlichen Juden mißbrauchen ließen. Das wäre nicht irur ein diffamierendes Verbrechen, sondern auch eine pvl'üische Dummheit. Die ungarischen Juden befinden sich in einer schweren Krise. Von ihrer Lösung hängt nicht nur das künftige Schicksal der ungarischen Juden^ sondern zum Teil auch dasjenige des Gesamtjudentumh ab. Wo ist der Mann, dessen sichere Hand das unM rische Judentum aus dieser Krise herausführt? Die Sanierung der Weltstnanzen. SsWSeteÄtzlKWhHehL die Todes- . strafe stW Hers' Terror' auf. Moskau,-16. Jänner. (Funkspr.) ML Rücksicht auf. den Znsammsndruch der inneren und äußeren FrLyde SowietrußlänÄs hat die allrvffifche KoMmifsio» zur Bekämpfung der Gegenrevölution die Todesstrafe und den Terror aufgehoben. , der Bibel. oder, aus späteren Epochen der jüdischen Geschichte behandelt werden.. v Diese und viele andere Regungen im ungarischen Judentum sind sicherlich noch keine Aeutzerungen eines jüdischen Nationalbewütztseins. Sie sind jüdischnational via facti und können zu einem bewußten Nationaljudentum führen, wenn sich heute in Ungarn ein Mann fände, der durch seine persönliche Integrität, durch s Energie und Zielbewußtsein und vor allem durch seine Liebe zum Jildentum das Vertrauen der ungarischen Judenschaft zu gewinnen und ohne stürmisches Vorwärtsdrängcn all jene Elemente um sich.zu scharen vermöchte,, die heute schon zzrr Ueberzeugung gelangt sind, daß des Juden Ziel im Bekennen seines Volkstums, in der Entwicklung seiner geistigen und wirtschaftlichen 51räfte, in der Hebung des Selbstvertrauens gelegen ist. Durch solche Haltung nützen wir nicht nur dem Judentum, sondern auch den Völkern, in deren Mitte wir in der Galutb leben, am besten. Ein solcher Mann müßte aber den ungarischen Juden bald erstehen, denn schon ertönen ihnen von .leiten Pes /----- christlichen Blocks scfahrliche. Lyckrnf^ Ein Memorandum der Finanziers und National» ökonomen. | Bern, 16. Jänner. (Schweiz. Depeschen-Agsntur.) Au Folge einer privaten Konferenz von Finanzvev tretern und Nationalökonomen aus Großbritannien, den Be« einigten Staaten, Frankreich, Holland, Dänemark, Schwede« Norwegen und der Schweiz, die am 2. November v. I. « Amsterdam stattgefunben hat, ist den Regierungen der ■ gq nannten Länder ein Memovandnm zur Sanierung der Well) finanzen übergeben worden. Die Eingabe weist auf die vollständige Störung des Gleichgewichtes in der Weltverfchulbunj hin und beantragt die Befreiung der Weltbilanz einer Anzahl fiktiver Posten und die Herstelluni der Uebereinftimmung der Ausgaben der einzelnen Staaten! Den an Steuerkraft bedürftigen Ländern sol ein Betriebskapital zur Verfügung gestellt werdest soweit, daß dir Produktion wieder in Gang konimt. DÄ größere Teil der Gelder ist von den Lärrdern mit günstig« Handelsbilanz und. günstigem Wechselkurs > aufzubringen. D'^ Hilfe-soll in einer Form gewährt werden, die den nationales sind internationalen Verkehr nicht mit einschränkenden Rq gierungs-Kontrollen belastet. Die Schuldner-Länder hättet die bcstversügbaren Sicherheiten für die Zahlung der Zins« und die Amortisationen zu leisten. Jru Fall« Deutschlan« hätten dir Zuweisungen von Einfuhr- und Aussuhrabgak' zahlbar zu einem GoldumrechnungSknrs, und im Falle Staaten, welche Zahlungen von Deutschland zu empfange haben, ein erstes Recht auf diese Leistungen zu umfasse das gleiche gilt von den neuen Staaten. DaS Ziel muj die Wiederherstellung deS Arbeitswillens sein, des Wille zum Sparen und die Anstrengung der höchsten persönlit Energie, sowie die Möglichkeit für jedermann, einen beträchi lichen Teil deS Ergebnisses seiner Bemühungen zu genieße^ Nur so lönny di? Katastrophe EuropaS derini«dwerde»» ' .