Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 349 (11.1.1920)
- Date
- 1920-01-11
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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i ©«ic iu Sinen, LOlimag Wiener Morgenzeitnng LI. Jänner 1920 -Nr. 349 ' i ■— —--- -----»r-M . ......... ----- - — -> ---— .....-.1 .ft..; .... ..... Der Reichsbaukausweis. i Der Ausweis der DruWeii Reichsbank vom 31. Dezember 19i9 weist ein in der Geschichte der Bank bisher in diesem Umfange während einer Woche nicht beobachtetes Anschwettcn der Änlagekonten aus. Diese gewaltige Neninanspruchnahme ist weniger auf vermehrte Anforderungen seitens des Reiches Zurückzuführen,, als, vielmehr darauf, daß, wie es zum Jahrcsschlnß/ üblich ist, im freien Berkehr untergebrachte Schatzanwetlungs" heträge bei der Reichsbank cmgereicht wurden, um .mm Zwecke. der- Ullimozahlungen und Bllanzaulstetlung auf den Konten der fremden Gelder gutgeschrieben zu weiden. Die gesamte Kapttals-- anlage stieg um 6880 Millionen Mark auf den zuvor niemals ansgewiesenen Höchststand von 41.916 Millionen'Mark. Frankreich und die Ansqeftattrrng der Donauschiffahrt. - - In, einem Gespräche, das der Redakteur des „Az Est" nur dem m Budapest weilenden französischer Admiral F a t o ux halte, wies dieser auf das hohe wirtschaftliche Interesse der Franzosen an dem Ausbau dcr Donauschifsahrt hin, da die Donau iw der Zukunft einer der wichtigsten Faktoren im wirtschaftlichen Leben Europas sein wird. Besondere Wichtigkeit erlangt die Donau für. die Franzosen durch den Ausbau des Donau-Rheinkanaks, durch welchen Frankreich eine direkte Schiffahrtverbmdung mit Osteuropa erhält, so daß die französischen, Waren auf billigem Wasserwege ohne Umladung in jede beliebige Donaustation werden gelangen können. Der D o n a u - R h ei n k anal wird in naher Zukunft ausgebauk werden, da Frankreich mit aller Kraft daran arbeiten wird, daß Deutschland seiner Bertragsverpflickrung, diesen Kanal zu bauen, so bald alsmöglich Nachkomme.' Einen noch größeren Ausblick bietet der gleichfalls bald durchzuführende Plan des Ausbaues des Dona u - O d e r k a n a l s. Die wirtschaftlichen Interessen Frankreichs decken sich also in dieser Richtung mit denen der Donauftaatrn so, daß Frankreich keinen Grund habe, den einen Donaufiaat gegen den änderen zu bevör- .Mgen. Der Admiral, bestätigte, daß vorläufig Budapest als Sitz des Donan-Generalsekretariats ,in Aussicht genommen fest Eine neue Anleihe rn Paris^ Paris» 9. Jänner. Die zum Parikurse erfolgende Ausgabe der neuen, mit ISO Franken m spätestens 60 Jahren "r L ckzahlbar e n, eine jährliche Rente von 5 Franken abwerfenden neuen Anleihe wird a m 19. F e b r u ar l. J. b e g i n n e'u. Die Losziehungen werden am 1. Mai und 1. November jedes Jahres stattfinden. Die Einzahlungen der Zeichner können staffrlweise durchgeführt werden. . . Eintinb Ausfuhr in Polen. Interessenten erhalten im Zollbureau der mcderöfierreichischen Handels- und Gewerbekammer Wien, l-, Stubenring 8/10, Auskunft über die Verordnung der polnischen Regierung betreffend die E i nu n d A u sf ü h r v o m u n d i n s A u s l a n d sowie den Trän s i 1-- Handel. Nach dieser Verordnung können künftighin eine Reihe von Warm ohne besondere Bewilligung der staatlichen Ein- und Äusfuhrkommission ein-, beziehungsweiseaus- und durchgeführt werden. Nach dem Kriege erworbene Guthaben int ehemals feindlichen Auslände. Die Schutzstells für seutschösterreichifche Vermögen im Auslande versendet folgende Mitteilung: Gelegentlich der Beroffemüchung des Frredensoertrages hat das britische Handelsamt bekanntgegeben, daß die M Artikel 249 vorgesehene Beschlagnahme der bei Inkrafttreten des Friedens in Großbritannien befindlichen österreichischen Ver-- mögenswerte sich nicht auf solche Rechte erstreckt, die auf Grund Der vom Board of Trade erlagenen Generallizenz vom 12. Juli 1919 zur Wiederaufnahme des Handels mrt Deutschland und Oesterreich erworben worden sind. Auch die italienische Negierung har bekanntgegeden, daß sich die Beschlagnahrnebestimmungen nicht auf Rechte ans Handelsbeziehungen zwischen italienischen and österreichischen Staatsangehörigen, die nach Abschluß des Friedensvertrages getätigt wurden, beziehen. Hiernach dürsten affo Guthaben in E n g l a n d und I t a l i e ir, dre aus Nachkliegsgeschäften stammen, nicht der Gefahr der Zurücksehaltung unterworfen sein. ' Eine schwinrmende WaoenausfteLmrg Englands. Lus L o n d o n wird telegraphiert: DaS brmsche Uebetseehandelsamt wird cm 10.000 Tonnen-Schifs unter dem Befehl des Kommandeurs Noderich D a-y als schwimmende Warenausstellung zunächst nach Südamerika senden/ wo alle bedeutenden Häfen angelaufen werden sollen. Das Schrff' wird 360 Reisende an Bord führen. Batik- und Wechselcesrfeäit Wien, II., Taborstrasse 8 b, Allo bankmüssigen und börsengoschilftliclien Transaktionen im In* und Auslande. Geldeinlagen in lanfonder Rechnung. Kostenlose Verwahrung von Depots, Vermögensverwaltungen, Losrevisionen. S222£2!sWarenabteilttng: Ä Kulanteste Bedingungen, er Informationen kontenlos. Telegramm-Adresse} ,Bankmayer Wien“. 5039 5= '= ------ Börse für landwirtschaftliche Produkte. Wien» 10. Jänner. (Orig.-Ber.) Die überseeischen Meldungen lauten neuerlich fest. Die Preise in Amerika, Algenlinien und Kanada haben eine weitere Erhöhung erfahren. DreBezugsmögllchkriten für uns werden dadurch von Tag zu Tag geringer und dre von amtlicher Stelle angeregte Annäherung-an die Wellparität. müßte für das Gros der Bevölkerung angesichts der Unerschrvingbarkeit der Preise den Hungertod bedeuten. Der Ma;ktverkehr im Wochenlanfe bietet der Berichterstattung nur wenig Stoff,' da nur vereinzelt Warenpofichen zirm Austausch gelangten. Die heutige Wochenbörse verzeichnete besseren Besuch, ohne daß die Umsätze eine Vermehrung erfuhren, da nur aermges Offert in greifbarer Ware zur Verfügung stand. Reges Interesse zeigte sich für Sämereien, aller Art; das Geschäft ist vorläufig noch unentwickelt, * da 1' die P-cjsfordnungen zu hoch sind. v Dre ländwirtschastlichen Meldungen lauten, gleichwie m der Vorwoche.?günstig, , . Innsbrucker Warenbörse. 1 2660.7--, Nmvungar. . Koblen 2495.—, Gran-Szaszvarei 2645.—, “ Ober ungarische Kohlen ‘ 4100.—, Dräsche Ziegel 1680.—, Magnesit 3660.—, Nng. Allg. Kohlen 5700.-, Salga Kohlen 3470.-«). Urikanp Kohlen 3095.—, Ung. Waffenfabrst 980.—, Ga»; Danubius 6450.—, Ganz Elektrizität 1400.-^ Rimanturany Eisen 2390.-. Schlick Maschm. 685, Ocstew Gas 3000.—, Gutmaun 2860.—^ Clothilde chem. Fbr. 1500.—g Ungar. Gummiwaren 2380.—, Naschitzcr Tanninfabrik 9500.—i Raaber Oel 1580.—, Slavoma Holz 2160.—, Adria Seeschisff 9400--Atläntica 4900.—. Levante 4800.—, Ungar. Eisen» babnverk.1250.-, Südbahn 885.—, Staatsbahn 3730.—, Ung. Zucker 8100.—. ' . *) Gestern 3270.-. Berliner Börse. Berlin, 1Ö. Jänner. Vom Ent ritte des Friedens erhofft die Börse eine Befferung der Verhältnisse für wirtschaftliche Untere nehmungen und brachte dies durch fortgesetzte Käufe aus dem Markte der Montanwerke zum Ausdruck. Zu den infolger effm teilweise erheblichen Kurssteigerungen der einschlägigen Werttrugen auch wieder Auslandskäufe ganz wesentlich bet. So ge-; wannen Gelsenkirchen r-Aklien 15, Hobenlohe-Altien N sowie! Oberschlestsche Eisenindustrie- und Phönix-Aktien je 6°/öj Auch Farbwerte erztclken zumeist ansehnliche Besterungen. Schlffahrt-Akticn wurden gleichfalls höher ae»! wertet, da man eine Erhöhung der ursprünglich! in Aussicht genommenen Entschädigung entsprechend der Valutaveränderung erwartet.' Ausländische festverzinsliche Werte hatten i wieder beträchtliche Steigerungen zu verzeichnen, in erster Linir mexikanische Anlerl en, die bis zu 30«/« gewannen. Auf dem Markte der Kolonialwerte war die Kursbewegung nicht gleichmäßig, da znm Teile Realisationen vorgenommen wurden. Dmische und österreichische Anleihen wurden bet gut behauptete« Kursen nur wenig gehandelt. Im großen und ganzen nahm das Geschäft beule keinen größeren Umiang an, da man wegen der inneren Lage vielfach Zurückhaltung beobachtete. Tägliches Geld Wk, leicht. , ' BERNHARD MAYER Zttnsbrrrck» 10. Jänner. An der heutigen Warenbörse' waren anaeboten Zichorie, Borax) Pfeffer, Zimt, Nelken, Feigen, , Kümmel,-. Oele. Fette. Orangen. Zitronen, Mandarinen, - Kerzen, elettrische' Oesen, Stahlstaschen, Eichen- und Buchenschwellen.' Nachfrage bestand nach-Dachziegeln, Kalk, Ersendraht, Teer,, Schmttmaterlal, Bau-und Brennholz sowte nach Gips. Budapester Dorfe. Budapest, 10. Jänner. Die günstigen Berichte vom Wiener uud Berliner Markte lösten an der hiesigen Börse heute eme überaus ' feste 'Stimmung aus und fast 'n allen. Werten machte sich bei Eröffnung des.Verkehres eine kräftige Aufwärtsbewegung geltend. Besonders' stürmisch gestaltete sich das'Geschäft in Lombarden, dre mit einem Gewinne von K 60.— einsetzttzn, sich hierauf in wenigen Angenbltcken bis K 830.— erhöhten und vorübergehend sogar den Kurs von K 850.— erreichten Im späteren Verläufe wurde die Bewegung m diesem Paprere.rühigM und nach mehrfachen Schwankungen ergab sich als Schlußnotierung der Kurs von K 835.—. Lebhaft umgesctzt wurden auch Ungarische Kredit- und Hyvotbekenbank-Aktien. Besonderem Jntereffe begegneten Eskomptrbank-Attren, die in großen Posten ans. dein Markte genommen - wurden, Sparkaffenwerte blieben rm allgemeinen brharwtet. Nach Mühlen- und Zregelwerten zeigte sich andauernd lchafte Nachfrage, wogegen Kobtenwerte schwächer lagen. Höher stellten sich nur Salgo-und Gran-Szaszvarer- Aktien, die K 200.—, beziehungsweise K 100.— gewannen. Von Mäschinenwerieu wurden Ganz-Danubius-, Koburg-, Schlicknnd Lrptak-Aktien.bevorzugt. Ferner wurden Schisfahrtwerte stark rn die Höhe gesetzt. Zu großen Umsätzen kam cs auch in Staatsbahw-Aktien. Von Jndustriepapiereu, dte heute gleichfalls größerem Interesse begegneten, ivmdcn Zuckerwerte durch Gerüchte über - tschechische Käufe angeregt. UnKAsche Zucker-Aktien gewannen- L 900.-, Stummer-Aktien 400.—. Uugartsche Eisenbahnverkehrsnnd Gumnli-Aktien zogen aus ausländische Käufe an. Die Börse schloß in sehr fester Hattnng. Im Privaten Valatenhandel notierten Lei K 395.—, Mark K 352.—, Pfund ll 560.—, Dollar U 161.50, französische Franken U 1410.—, Napoleons K 535.—, Luc K 1160.—, Romanow- Rubel K 228.—, Sokols K 230.— und österreichische gestempelte 5kronennoten L 78.— Es wurden folgende Schlußkurse notiert: Vaterl. Bank, 755.—, Agrarbank 1230.—. Ung. Kredit 1305.—. Ung. Bank und Hd!. 955.—, Holzbank 2195.—, Vcikehrsbank 730.—, Hypothekenbank 670.—, Eskomptebanb 793.'—, Oesterr. Kredit 855.—, Äommerzialbank 5410.—, Bosn. Agrarbank 730.—, Ung. Laudesbank 725.—, Realitütenbank 1150.—. Ung. Ällg. Spar-. kaffa .1055.—, Vater!. Sparkaffa 43.200, Concordia Dampsm. i 1030.—, I. Budapester Dampsm.- 2430.—, Beocsiner Zement Die Devisenkurse. j Wien, 10. Jänner. «Kurse der österr. Devffenzenlrale.') / > Amsterdam 7-175.— (7175.—l. Berlin 407.— (407.—), Zürich 3425.— 13125.—), Kopenhagen 8600.— (3600.—), Stockholm 4050.—? (4050.—), Marl-Noten 406.— (406.—), Lei-Noten 490.— (490.—V Leva-Notcn 310.— >310.—), Schweizer Noten 3400.—- -3100 —), Französische Noten 1740.— (1740.—)j Italienische Noten 1400.— (1400.—), Englische Noten 720.— (720.—), Dollar-Noten 193.— (193.—), Rubel-Noten (Romanows) 270.- (270.-). . S Wien» 10. Jänner. (Kurse im freien Ver< k ech r ): Agram 200^—bts.210.—» Budapest 10.000er 120.— bis 130.—» Budapest 1000er-121.— bts 131.—» Krakau 126.50 bis 136.50/ Prag- 297.50 bis 307.50, Tschecho-klow. Kronennoten 5000er 301.50 bis 316.50, kleinere 298.50 bis 318.50, S. H. S.-; «Krönennotcw 175^— bis 195.—. « Prag, 10. Immer. kZkurse der Devisenzentrale.) . Amsterdam 2158 50 2158.50', Wien 33.- (34.—), Berlin 126.75 1126.76'. Bukarest 160.50 (168.50), Sofia 1085(1 (108.50), ZLnch 1104.50 1093.50«. Kopenhagen 1098.50 ^1098.50). Stockholm 1248 50 (1248.50), Mailand 453 50 (453.50), Paris .548,50 548,50. London 224.50(224.50), New-York 52 50(52.50). Mark-Noten 123.75 (123.75), Oesterreichische gestempelte. Kronen- 32.— (33.-V Bulgarische Noten 93.50 93.50), Ler-Noten 145.50 (153.50«, Schweizer Noten 1101.50 (1090.50,«.. Italienische Noten 448.50 (448.50), Französische Noten 544.50 (544.50', Englische Noten 221.50 (221.50), Amerikanische Noten 50.50 (5050), Schwedische Noten 1244.50 (1244.50), Dänische Noten 1094.5Q (1094.50V ...;. . Berlin, io. Jänner. (Kurse der Devisenzentrale.) . . .v- Holland 1918.50 (1923 50), Dänemark 916.75 (924.25)) Schweden 1071.75 (1079.25'. Schweiz 901.75 (904.25). Wien altes. 29.95 (30.95), Wien abgestempelt 23.70 (24.45), Prag 77.4Ü (77.90), Budapest 28.95 (31.20). Züttch, 10. Jänner. (Devisenkurse.) .?. ' Berlin 11.05 (11.-). Wien 2.75 (2.90), Prag 8.25 (8.75), Holland 212.— (211.7b),-New-Uors565.- (564.—), London 21.24 (21.22), Paris 5080 (50.50), Mailand 42.- (41.90), Kopenhagen 102;- (102,—), Stockholm 119.— (119.-), Kronennotcn, österr. gestempelte 3.25 (3.25), Kronennoten, unü gestempelte 3.25 (3.25). Amsterdam, 10. JLnner. (Devisenkurse.) London 10.01% (10.04Berlin 5.20 (5.22%), Paris . 23.90, (22.82‘/eV Schweiz 47.35 (47.25), Wien 1.30 (1.35), Kopenhagen 49.— (48ch0), Stockholm 56.75 (56.60), New-3)orh (265.87). Eine Studentin. Bon H. D. Nomberg. Äns beut Jüdischen übertragen von S i e g fr i e d S ch m i h. ■;£/'' (10. Fortsetzung.) Er nahm ihre 'Hand' in seine —. si«e wollta dem' Wehren nnd doch , schwieg sie. .Er ki'chtL ihr Haar, berührte mit den Lippen leicht ihre Stirn„fie tapttte? schreien nnd schwieg. Erst wenn sie heimkam und in ihrem Zimmer ihre Broschüren - las oder mit d^r Kratßivü sprach, wurde ihr das Herz schwer; wieder kreisten wirre Gedanken in ihrem Kopf nnd sie seufzte: „Schrecklich! Unerträglich!" Unerträglich, schrecklich/war alles. .Schrecklich wac. es, an das Glück zu denken, das ihrer wartete, der ungetrübte Genuß von Liebe Md Reichtum. Schrecklich war der-Gedanke, daß sie einen Mann heiraten sollte, den sie — vielleicht - nicht liebte. «Schrecklich war es, sich vorzustellen, daß er vielleicht nur mit ihr sein Spiel treibe und daß er sie verlassen werde. Schrecklich war der Gedanke an ein neues Leben' voll Not, Mangel und Langeweile, nnd schrecklich, peinigend schrecklich war'die Schande vor den Kolleginnen» vor sich,'vor ihrem Gewissen! Auf dem Kleiderhaken an der Tür ihres 'Zimüters hing eine neue, teure Seidenbluse. Diese Bluse hatte Ihre Geschichte: . I In der Oper trat «ein berühmter Gast aus. .'Sonja. l>atte eine Loge für sich, ihren Mann nnd Dr. Weinftein, die Vierte sollte Ljuba sein. Als Dr. Wein-- Mn ihr den Antrag stellte, mit ihm und seinen Lepten ,m' die Loge zu gehen, meinte sie, daß er spasse. Äl^< Lr aber wieder davon sprach, lachte sie: . >;• . „Reden Sie keinen Unsinn. Das fehlte mir^ iM. pim /gp&ft in solchem KoMm «k. Er antwortete nicht. Als jls dann über die Straße gingen nnd an einem großen Magazin für Damenkleider vorbeikamen, blieb Dr. Weinstein stehen und drang in sie, sich etwas zu kaufen. ■ ® „Sie haben ja Stundengeld zu bekonnneu," sagte er,, „indessen lege ich die paar Rubel aus." So wurde die Bluse gekauft. Im .Theater war es Ljuba fast unheimlich unter den Blicken Sonjas und ihres Mannes, der sie fortwährend durch seine Brillengläser anstarrte und kein Wort'zu ihr sprach. ' Auf diese Bluse konnte sie nicht gleichgültig. Hinsehen; denn sie erzählte von einer Wandlung, die in ihr vor sich gegangen war. „Weißt du, was ich' tun werde?" sagte sie unvertnittclt zu der Kratowa; „morgen trage ich die Bluse inS Versatzamt, dann haben wir Geld,, unser Mittagessen zu bezahlen." „Nein, das darfst du nicht. Sie kleidet dich so schön. Du bist geradezu eine Schönheit, wenn du die Muse trägst." „Du machst dich' lustig über mich',, du hast-mich! -schon nicht mehr lieb. Nicht wahr? Sag es mir . . sagte Ljuba und bei den letzten Worten zitterte ihre. Stimme. Die Kratow'a antwortete nicht. Si«e fuhr nur langsam mit ihrer feistest'Hand über Ljnbas Stirn. Dann sagte sie still: „Du bist eine Närrin!" Und über ihr Gesicht e.rgoß sich das breite,'ruhig-sichere russische Lächeln. " VI.; i Der Winter ging zu Ende. Die Dorsrühlingstage , begannen (und durch 'die Luft hauchten die weichen, frischen .Lenzeswinde, die da wecken und «ermuntern und süße Unruhe in altes Ltzren bringen. Unruhig war die Natur, unrnhin. und sehnsuchtsvoll waren die Herzen- . Die Bäume im Stadtgarten hatten ihren Schnei von. sich geschüttelt, bewegten still ihre nackten Aestr hin und her und warteten und träumten von den^ guten Grüuenglein, das in der Nacht kommen wird und'/ sie küßt.und befruchtet. Am "Himmel eilten die Wolken rasch dahin, als flüchteten sie sich vor einem Verfolger) Und als , sie verschwunden waren, blickte der Himmelj herab und die wärmende Sonne — ein neugeborner^ blauer Himmel, eine neugeborne liebe Sonne. , Die Nächte waren voll von Sehnsucht und ü.ebelt--^ .der Hoffnung. Ein leichter Frost legte sich auf >die^ ' Erde, die Straßen wurden glatt und das dünne EK knarrte fröhlich in der ernsten Nacht unter den Tritten^ Und derckjnde Wiitd weckte jeden Nerv und bewegte dasj Blut in den Adern schneller. Am dnttklen Wald erwachte der faule Bär W' seiner Höhle und die Wölfe heulten brünstig durch die Nacht. In der Stadt zitterten die Menschenherzen nirA halb vergessene Träume woben sich, wieder zu leucl^. teichem Gespinst. ' ...: . Eine gefährliche Zeit für junge Herzen! Nach-Mitternacht war Ljuba heimgekommen, hatte" sich entkleidet und ins. Beit gelegt. Doch, sie konntc; nicht -schlafen. : Die Kratowa schlief fest. Sie hatte nicht einmal gehört, daß Ljuba kam und sich neben sie ins' Bett! ■ legte: Ein gutes, zufriedenes Lächeln lag auf ihrem« Gesicht, ihre vollen Brüste bewegten sich langsam. Ruhig war sie, ruhig! Kein Muskel ihres Gesichetsf regte sich, traumlos lag sie da und schlief. Ein Bildr Der junge blühende Leib wartet ohne'Furcht und ohne Beben, ohne Bangen und ohne Sehnsucht auf feil* I Glück, das. kommen muß und kommen wird. * i (Fortsetzung folgt.)