Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 349 (11.1.1920)
- Date
- 1920-01-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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jjttl* SO Heller Prünumerattons* preise; Wie«: Amu Abholen 1» der Expedition, 2, Bezirk. Tabor. »raste 1 bl» 3, oder in einer Berschleißstelle lTrafik): Monatlich .. Kronen lä^- Wterteljahrlich SV- Vltt Postversand sür Me« und Oesterrrich: . Monatltch.. Kronen 13.-. Llchecho-Slowakeir. Monatlich . . Kronen 0.— AlerteljÜbrlich „ »V.- iti tschecho-klowakilcherWahrung Bolen und Ungarn: Monatlich . . Kronen. IS.— i« entsprechender Währung debetrrikendea Landes Nr. 349 Wien, Sonntag, den 11. Jänner 1920 (BlttttliWtWpltllfi Urels SO §eUti Pränumeration»« preise für Deutschland: Monatlich . - Mart 8s* Monattt krank- Sr« Italien: Monatlich . . . . Lire 8^ . . tzchwei Monatlich. »riz: .Fr ankS Sra R edaktion «. Sldministeattoa Wten.S.Bez..Taborstr.l-S Telephone: Administration 44<» Redaktion 4831», chb 6 Uhr avendS Nr. 16301 Postsparkassenkonto M.6A -.- '..-J U 2. Jahrgang Die bedrohte deutsche Einheit. > i-'V. Wien, 11. Jänner. Das bayrische Zentrum hat den Austritt aus bei: Zentrumsfraktion des deutschen- Reichstages beschlossen und dies damit begründet, daß . es von einem i Einheitsstaat nichts mehr wissen wolle.. Damit vollendet sich -das Schicksal Deutschlands und das Unglück, das im August 1914 ins Rollens gekommen ist, findet seinen vorläufigen-Abschluß in der Gefährdung der den scheu Einheit. Der großdeutsche Traum, an dessen-Realisierung die besten Männer Deutschlands ihr ganzes Können gesetzt hatten, wird wieder zum Ideal. Die ganze deutsche Geschichte von Hermann, dem Cherusker angesangen hat'sich im Zeichen dieses Traumes abgewickelt, der niemals seine vollständige r Erfüllung finden könnte, weil, dem deutschen Volk als einer Nation von Individualisten das gesamtstaatliche Denken niemals so in Fleisch und Blut übergegangen'war, daß es die separatistischen . Eifersuchtstendenzen: der einzelnen Stämme hätte ganz überwinden können. Erst in der trüben Zeit nach der Niederwerfung Deutschlands durch Napoleon nahm das Streben nach meinem Zusammenschluß der Deutschen so greifbare Formen an,, daß es von nun an diei Geschichte Mitteleuvopas und in der späteren Zeit die des ganzen Kontinents beeinflussen konnte. Die Reformen Steins und Hardenbergs waren diesem Ziele gewidmet, das nur unter fortwährenden Kämpfen zwischen den' auf ihre Rechte pochenden Fürsten sowie zwischen- Preußen und , Oesterreich; an gestrebt werden konnte. Erst "Bismarck gelang es, die inneren und. äußeren Widerstände in drei' Kriegen zu . -über-- winden, deren -erster, die Angliedernng SchieZwig-Holpeins,. der zweite den Ausschluß Oesterreichs aus dem Deutschen Bund , und die . Annexion Hannovers an Preußen...und.., der dritte:die' Erwerbung, Elfaß-: Lothringens brachte. Das Wert,- das: mit. HHiel, Mühe, vtiL-.fs. v.ielr.Blut errichtet wurde) soll nnwPrWagen werden. Das ist eine der - schwersten . Folgen t e; Weltkrieges,. der' nicht - nur - die! militärische Machtstellung Deutschlands gebrochen, sondern^ auch - den vieler Hinsicht bösartigen, in' anderer Hinsicht. aber., sicherlich organisatorisch gut wirkenden - Einfluß- Preußenszerstört hat.- Der Prozeß: de.r Balkanisierung großer Teile Europas, der. mit dem -Zerfall Rußlands - eingel-eitet und mit der Zerstückelung.der.österreichisch-ungarischen Monarchie fortgesetzt wurde, zieht nun auch Deutschland in seinen Aktionsbereich und wir stehen vor einer Neuauflage der Kleinstaaterei, die , sich - in die Geschichte .Europas mit so viel Blut eingeschrieben hat. '. Allerdings hat ' der Krieg den " Zersehungsprozeß Ln Deutschland nnr beschleunigt. Innerlich war die deutsche Einheit schon kurznach dem Tod ihres jSchöpfers Bismarck, in die Brüche gegangen'."Ja schon zu Bismarcks Lebzeiten selbst konnte man aus den- Ailgrisf-n des Zentrums unter WindLhorft auf Bismarck erkennen, daß hier die Eigenart der einzelnen deutschen Stämme einem Ausgleich mit dem neuen Zustand abhold war. Der große wirtschaftliche- Aufstieg -des -Reiches ließ ln den. ersten Jahren der. Regierungstätigkeit des Kaisers Wilhelm ein deutlicheres Vorwagen dieser Strömungen nicht zu und erst den Jahren vor dem Krieg war es Vorbehalten, Lurch die. Tätigkeit des Kaisers in die deutsche Front schwere Breschen zu legen- Es gab unerquickliche Debatten im bayrischen Landtag, die scharfe RlP'lilen im preußischen Abgeordnetenhause . hervorriefen und zu einer allgemeinen Nervosität führten, die durch die Konflikte wegen der staatsrechtlichen Stellung der Reichslande noch genährt wurde- Immer, wieder trat die alte historische Mainlinie, die Grenze zwischen Nord- und Süddeutschtum in die Diskussion und erst der Krieg machte dem Streit ein. Ende. Es gab tatsächlich im Hochsommer 1944 keine Parteien mehr, sondern nur ein einiges deutsches Volk, das im blinden Vertrauen auf dir Wahrheit der Versicherungen seiner Fü.sten und Regirungen in den Krieg zog. Das dauerte so . zwei. Jahre. Im Herbst des Jahres 1916 zeigte sich bereits die Kriegsmüdigkeit; in immer weitere Kreise drang die Befürchtung, daß die entsetzlichen Blulopfer nicht den erhofften Gewinn bringen würden und mit dieser durch Zensur und Belagerungszustand nnr mühsam zurückgehaltenen Diskussion ging auch die Auflehnung gegen die preußische Diktatur Hand irr H-rnd. Die Revolution hat die Dynastien betrieben und versucht, ein neues Deutschtum zu schasf-n, das nach derf Prinzipien der Demokratie, der Rechtsgleichheit aller Bürger und Stände aufgebaut, sein neues Leben beginnen soll. Aber dieses Ziel kann, so scheint es, das Bolk nicht Der MssenkaMs ist durch Die österreichisch-tschechischen PerKaMrmae«., Prag, 19. Jänner. (Privat.) Wie das „Prager Tagblatt" erfährt, wird die; tschechische Negierung bei den Besprechungen mit Des. Nenner zunächst auf der strikten Durchführung der Bestimmungen des Friedensvertrages seitens Deutschösterreichs bestehen, worauf in die Verhandlung über"die weiteren Fragen eingetreten werden wird. Die Kohlenlieferung wird nur den Eisenbahnen und der Gemeinde Wien -bewilligt werden, während Jndnstriennternehmungen Kohle nur gegen Kompensationen erhalten werden. Die Regierung wird Deutschösterreick eventuell' Holz aus der Slowakei anbieten, und zwar derart, daß-das Holz unmittelbar dem dcutschösterreichischen Staate geliefert werden' wird, der es selbst, den Könsnmenten zuführen soll. Ein wichtiges Verhandlungsproblem wird die Frage bilden, iü welcher Weise Oesterreich Kompensationen, beziehungsweise Zahlungen leisten soll. Heute nachmittags haben im Handelsministerium und im Finanzministerium die Verhandlungen über, ha n d e.lSp ölitisch e undfinan'zp ol iti s ch p Fragen begonnen. An den Verhandlungen im Handelsministerium werden auch Vertreter des Ministeriums des - Aeuhcru, Delegierte aller Handelskammern, . des. tschecho-slowakischen Jndustrieverbandes, der Demobilrfiernngskommission, des Kompenfationsamtes sowie der Ausfnhrkommission teilnehmen; es wird kein besonderes-Referat erstattet, sondern nur eine allgemeine Debatte abgeführt werden. Bei'den Beratungen nn Finanzministerium wird vornehmlich die Heb ertra gün g der D c p o t s a n s W i e y n a ch Pr a g behandelt werden, aut welcher Forderung -dietschechische Regierung unbedingt besteht. -t------ Amerika will Europa helfen.' Ein Antrag des SchatzsekretSrs an de» Kongreß. Paris, 10. Jänner. . (Korr.-Bur.) Der Sp ezialkorrespsndent des ^Echo de Paris" meldet aus Washington r Schatzsekretär G l a h, dev ursyriinglich gegen jede europäische Anleihe SLsölung genommen hat, hat dem Kongreß zur KennLnis gebracht. Laß er feine A ns ich L g e ä n d e r L h a b e. Er erklärte, die fo rtf ch reitende Ders ch l e GL er u n g d er e u r ö p ä i s ch e n wirLs ch afLLich en Lage bilde eine ernstliche Bedrohun g Amerikas. Daher wünsche er, den verschiedenen Ausschüffen des Kouarefses Dokumente mitznteilen» die über den Stand der euroväifcheu Angelegenheiten wichtige Aufklärnngen zu bringen geei net feien sowie ein Programm, das die von Amerika zu leistende Hilfe fsstlegt. Der Korrespondent fügt kinzir, dieser Umschwung sei symptomatisch. Man gelangt nunmehr zur Aeberzeugung, daß das einzige Mittel, sich gegen die revolutionären Bewegungen zu schützen» die Stabilisierung der verschiedenen europäischen Staaten sei. die. Sprengung d:s wirtschaftlichen Unterbaues Deutschlands viel stärker geworden als je. Das Land wird durch die unsinnigsten und unverständlichsten - Streiks in fortwährender- Unruhe gehalten, die - Kriegshetzer- Partei kann die alten schönen- Tage des Hohenzollernschen Glanzes nicht vergessen und -schürt ba d zu einem neuen Krieg mit der Entente, bald zum-Bürgerkrieg- Zwar gelang cs der Reichsvertretung eine neue Bundesverfassung zu schassen, die das- Steuerwesen, Verkehrs-- tvescn und Heerwesen als gemeinsame -Angelegenheiten der Bundesstaaten seststellte- Wer das ist nur'auf dem Papier geblieben. Jeder S'aat regelt die Steuereinhebung und den Eisenbahnverkehr nach eigenem -Gut-' dünken und bewaffnet sein Heer hier nach sozialistischen, kort nach bürgerlich-scharsinach rh'chen Tendenzen. Der Föderalismus des Zentrums hat diesen Zustand benüsü,- um zu sein n alren P inzipien zurü.<znk§hren. Im Rheinland tvn': es Hrrc Dorten, derim Namen dcI Zentrumsd'.e ,Les-von-Deutich!and"-Par!0le ausgegeben hat. Jhnt folgten ähnliche Erscheinungenin Oberschlesien und nun in Bayern, wo. Pie Zlbfallbewx? gnng sich am stä'kjten geltend macht- Der Beschluß der bayrischen Z n'rumssrakti-on ist die Antwort auf fov vor kurzem von der preußisHen Landesversammlüng' ang-enow.men"n Antrag der Mehrhe'-tsparteien, wonach die R ichsrezierung'ersucht wird, mit den übrigen deutschen Ländern in Verhandlungen über die Errichtung dcs deuts^en Einheitsstaales einzut eten- Dieser Antrags hat' in Süddeutsch lantz - das Mißtrauen gestärkt und' die Furcht vor der VerpreüßunZ des Reiches hat nun zur «offenen Fronde des bayrischen- Teilsdes Zentrums! geführt. Es ist kein Zweifel, daß in Stuttgart nndi Dresden dieselbe Stimmung besteht-und daß man dort, die Erinnerung an die Herrschaftdes preußischen Junkertums und -der Adelskaste noch zu frisch vor sich hat, um den Locktonaus dem Norden anders als. mit^ Nein zu beantworten.- - 1 - D/e Sprengung der deutschen'Einheit zeigt, welches Verbrechen die Provozierung des Krieges war. Für^ Deutschland - ist der Krieg nochimmer nicht zu Lnde^ Es hat an allen Grenzen Todfeinde, die das Wüten der? deutschen Generäle im Kriege niemals werden vergessen/ können;- es ist wirtschaftlich auf Jahrhunderte in derj Entwicklung -zurückgeworfen, hat die Kolonien , verlöre^ und -zerbricht -nun politisch - in. Atome. Kein auswär-l tiger Feind hätte Deutschland' und das deutsche Volks, so schwerschädigen können^wie diesmioen, die es mitz : verbundenen Augen, '>' ' ührt und sern^ beste Kraft nutzlos vergeudet haben. - KaNer Wilhelm,die Anden und BlsmVrM Die Briefe Kaiser Wilhelms an Zar Nikolaus, welches jetzt in französischen, englischen und deutschen Blättern per-- öffentlichtwerden, enthalten unzählige Beschimpfungen allep möglichen-Personen, Regierungen und Völker. Es ist daher', gar nicht, erstaunlich, daß auch bie Juden. ihr Teil ah^ bekommen, .Jy einem Briefe heißt VS: . . -. auf. Cr ', schwingt vorwärts- und' rückwärts zwischen;be& Sozialisten, die von den Juden angetrieben werden, und den ultramontanen Katholiken. Beide Parteien sind, soweit' ich sehen kann, bald reif, samt und sonders gehängt zu werden." i Die alldeutschen Verehrer Wilhelms werden in der Bewunderung dieses- Mannes, welcher sich mit seinem russischen^ Vetter in üngezwung'enster Weise über das Aufhängen ganzen Gruppen deutscher Bürger unterhält, deshalb nicht wanken^ werden. Der saftige Ausfall Wilhelms gegen -die Judest^ wird sie gewiß darin noch bestärken. Doch dürften 'sie bei ( der Lektüre des nächsten' Briefes etwas wankend werden;;' denn dort schreibt Wilhelm über Bismarck, den von' allen Deutschnationalen mit Recht vergötterten „Schmied deß Reiches": - s „Ich bin tieftraurig über »Bismarcks schreckliches Be« nehmen, das — obgleich es ein „coup" ist, der sich lediglich' gegen .mich persönlich.richtet'— nichtsdestoweniger einen Bruch der Loyalität gegen Deine Negierung darstellt und einen Flecken auf dem Gedächtnis meines geliebten Grotz-i. - vaters sowohl wie auf dem Deines geliebten Vaters zurück--. läßt. Ich habe meinen Onkel, den Kanzler bereits verständigt, was im Parlament zu sagen.ist, und 'ch hoffe» Du wirst zufrieden sein mit der Art, wie die ganze verräterische Angelegenheit behandelt wird. Ich nehme an, bei, diesem - letzten Schlag des Fürsten und' bei der schamlosen Art, mit der er mich-in seiner Preff-: behandelt — insbesondere durch den Versuch, das Volk glauben zu machen, daß ich« unter „englischem" Einfluß war und es noch jetzt bin — die klareren Köpfe werden aniangen zu verstehen»- daß ich Gründe hatte, diesen unbändigen Mann miy seinem niedrigen Charakter aus dem Amt zu schicken." . Wehmütig bemerken die stockkonservativen ' „Hamburgers Nachrichten", daß hier eine Sache vorliegt, welche in Ansehung des Respektes, den. man der gefallenen, aber hoffentlich bald wieder auferstehrnden Majestät zollen müß, nicht be'"or' i-!chtigen Namen nennen kann. Und statt Wilhelm einen UudanIbaren und Lügner zu nennen, weist sie allerergebenst darauf hin, . daß kurze Zeitspäter anläßlich des. Todes Bismarcks Deutschlands Kaiser einen Erlaß an die ganze deutsche. Nation-richtete, in welchem er: sagte: / -! j „Wir, die wir Zeugen seinesherrlichen Wirkens, waren, die wir zu ihm als dem Meister der Staatskunst, als dem furchtlosen Kämpfer im Krieg-und im Frieden, als dem hingebcndsten Sohne des Vaterlandes, als dem treuesten Diener seines Kaisers und Königs, bewundernd, '-aufülicken, sind.tief erschüttert usw." . j ES geht eben nichts über das strahlende Deutschtum in! schinnnernder Wehr, über die Reinheit der germanisches Jdcalgestalten, deren hehre Größe vom mcdrig denkendeä' Judengesindel nie begriffen werden kann. Nie l.rinen si.h jüoisch.'-Tücke» Verlogenheit und Schlechtigkeit nnt germanischer Ritterlichkeit, Treue, Gesinnungsceinheit und b.äustigrr.. Wahrheitsliebe paaren.!. DaS walle Totti