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Wiener Morgenzeitung · 1920-01-07 · Heft 345 (7.1.1920) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 345 (7.1.1920)
Date
1920-01-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Krrts 55© Heller itftaYfc tihnttrtmtfän Steel« SO gell« Pranumerations» preise: «ienr Zmn Abhole« i« de» «prdltion» L Bezirk, Tabor- Draße 1 bis 8, oder in einer Bersilileitzstelle <Trafik): Monatlich . . Krone» LS — -vierteljährlich „ 86- Mit Postvrrsand iür Wien und Oesterreich: Monatlich .. Kronen 13r- . Tichecho-Elowakei: Monatlich .. Kronen V«— »tertelsShrlich »7.- tntschrcho^lowakischrrWLhrnnt f Polen und Ungarn: onatlich .. Kronen LS.— entsprechender Währung deS betreffenden Landes Pränumeratious» Preise für Denlschtand: Monatlich . . . Mark Frankreich: Monatlich. . . Frank» 8r> Italien: Monatlich .... Lire S.— Schweiz; Monatlich. . . Frank» Redaktion n. Administration Wieu,S.Bez.,Taborstr.1- 3 Telephon«: Administration 440:m, Redaktion ab V Uhr abend» Nr. 1080$ Postsparkassenkoat» 150.698 Nr. 345 Wien, Mittwoch, den 7. Jänner 1920 2. Jahrgang u Der neue Kurs in Palästina. m. W i e n, 7. Jänner. Die jüngsten Nachrichten, welche wir über den Stand der Palästinafrage erhalten, erwecken den Eindruck, Fils ob die .Periode der bisherigen Stagnation nunmehr endlich überwunden sei. Noch besteht allerdings k-ine Aussicht darauf, daß die Einwanderung in jenem großen Ausmaße, wie sie das jüdische Volk benötigt, in absehbarer Zeit freigegeben werden könnte. Das Land steht immer noch unter militärischer Verwaltung und diese ist nach den bestehenden völkerrechtlichen Bestimmungen nicht in der Lage, den engbesgrenzten Kreis militärischer Befugnisse und Maßnahmen zu überschreiten. Solange die Mandatsfrage noch nicht definitiv geregelt ist und so lange Palästina nicht'in die Zivilverwaltung übernommen wird, bleiben alle Möglichkeiten wirtschaftlich-kolonisatorischer Art auf ein Minimum reduziert. Aber selbst dieses Minimum auszunü^n, wurde nun bishet durch die zum Teil verständnislose, zum Teil auch ablehnende Hutung, insbesondere'der unteren' englischen VerwÄtungsbea'nrten' in Palästina, erschwert.. Die ' lebhafte Agitatioh : der Araber, die den Zionismus, bekämpften, tat das ihre dazu und so. kam .es in 'PalWM-."zü' einer Periode völligen Stillstandes, die in manchen jüdischen Kreisen bereits Ungeduld und' Beunruhigung hervorgerufen hat- Es bedurfte eines energischen' Hinweises des Foreign Office in London und .im Anschluß daran eines Perspnenwechsels in der.palästinensischen Verwaltung, um. diese Periode zu überwinden'. V.. r / - Lebensmittel für Oesterreich. Paris, 6. Jänner. (Havas.) Der Oberste Rat hat beschlossen, an die Vereinigten Staaten einen neuerlichen dringenden Appell zu richten, damit sie die für den Ankauf von Lebensmitteln für Oesterreich nötigen Kredite gewähren. Die RaliMatLsm des Friedensvertrages Mit Deutschland. Paris, 5. Jänner. (Agence HavaZ.) Der Vorsitzende der deutschen Friedcnsdelegation, Baron Lersner, ist von der Formel des Obersten Rates betreffend das Schiffsmaterml in Kenntnis gesetzt worden. Das liebereiukommen ist endgültig abgeschlossen, die infolge der Inkraftsetzung des Vertrages nötigen Maßnahmen wurden rus Auge gefaßt. Per Austausch der Ratifikationen ist im Prinzip aus Samstag den 10. d.M. nachmittags festgesetzt.worden. h.ö-ge n, ist ein warmer Freund der zionistischen- JbL-, und der jetzige Gouverneur von Jerusalem vertritt seinerseits < selbst den .Standpunkt, daß nunmehr mit derwirtschaftlichen Erschlicßnngsaröei-t, welche bisher vollkommen unterbunden war, begonnen werden' wüßte. Einem Zirkular, welches die zionistische Leitung iw London sämtlichen Landesverbänden hat zugehen lassen, ist zu entnehmen, daß auch die? Organisation ihrerseits die erforderlichen Boröereltungen getroffen hat, Um die neue Situation nach h.'steu. Krästen auszunützen. Während bisher nur die früher "in Palästina ansässig gewesenen Juden, die Wieder-Einreiseerlaubnis erhielten, ist es den Bemühungen der Organisation oder Projekte für öffentliche und private Unternehmungen überprüfen, beziehungsweise vorbereiten sollen, ferner für diejenigen professionellen Kräfte, für welche gegenwärtig schon ein Bedürfnis im Lande vorhanden ist, sowie schließlich für solche . Personen, die in der Lage sind, jüdischen Arbeitern Anstellung und Erwerb zu/ sichern -7 letzteres beides .-eine Maßnahme, die insbesondere geeignet iffr, ber.= tin Lande herrschenden Arbeitslosigkeit abzuhelfen. Der Privatinitiativewerden dadurch endlich die Wege ggössttet und die zionistische Organisation will das ihrige dazu tun. um sie? so weit nur irgend möglich zu fördern. Allerdings wird sie ihre Unterstützung davon abhängig machen, daß die Unternehmer sich verpflichten, nie ' national-kolonisatorischen Interessen, insbesondere hinsichtlich des . zukünftigen Verhältnisses zwischen Arbeitgeber und. Arbeitnehmer im Sinne der zionistischen Organisation währzunehmen. Für die nächste Zeit wird es sich vor allem um Bauunternehmer handeln, da Wohnungsbau die dringendste, gleichzeitig aber, auch die aussichtsreichste und risilolofeste Aufgabe ist. Hierbei wird. die. zionisti-' sche Organisation Vorsorge trefsen.. daß Kantelen zur Sicherung einer gesunden Wöhnungspolitik geschaffen werden. Neben entsprechenden, allgemeinen gesetzlichen Vorbedingungen, deren Durchführung naturgemäß erst nach der Mandatsvertrilung angestrebt werden kann, können solche Maßnahmen insbesondere durch eine zielbewußte Bodenpolitik des Jüdischen Nationalfonds verwirklicht werden. Die Hergabe städtischen Hypothekarkrcdits, beziehungsweise seine Kündbarkeit wird an die Einhaltung bestimmter Grundsätze hinsichtlich solider hygieni'cher una ästhetischer Vanweise. der Einhaltung angemessener Mietzinse und der zufriedenstellenden Regelung des Verhältnisses zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu knüpfen sein. Dies alles setzt natüo lich die Organisierungdes Kreditwesens voraus uns diese wiederum die Regelung des Grnndbuchswesenö. Darum Lammt - der MaLriÄt bekondex«. Müeutmm, in. 289 MiLiardeR FrLirks Kredite für ' - ’ r; •; ' (gnropa. Pari s, 6. Jänner. (Korr.-Bur.) Nach Meldungen aps London wird der-'Vertreter Englands für Finanzfrage», Sir Georges Pas sch,, der. jetzt .iy Amerika angekommen ist, tatsächlich einen Kredit von 280 Milliarden Franken zur Wiederherstellung des-Gleichgewichtes in Europa^ vivtlangen. >WMck!agiest vmst .internationale st OÜligasi-mM^iWechHßkUWWWMnsWGen^WchD r' die Mitglieder Asi Völkerbundes Garantie leisieN fMeru . Die Obl^aiionen. sollen vier Prozent Zinsen bringen, cm Prozent soll amortisiert werdsiu Die-Rückzahlung soll in 40 Jahren erfvlgem) Päishx glaubt, England werde eine (NarantiL von 40 Milliarden Franks leisten, j 80.Milliarden dieser Anleihe:sollen für den' Ankauf von Rohmaterial verivendet. werden, 80 Milliarden-für den \' Wiederaufbau der:• verwüsteten Gegendenundi der Rest! soll dazu diene», die ausländischeü Anleihen znrückzuvergüten. Paish glaubt, daß die von ihm vorgeschlagene Operation automatisch den normalen Stand des Wechselkurses wieder Herstellen werde. daß das Grundbuch nunmehr geöffnet werdensoll. Die Aktivierung jüdischer Finanzinstitute, beziehungsweise der Ausbau der bereits bestehenden, wird.in kürzester Frist durchzusührm sein. - Wenn man die vorliegenden Mitteilungen zu-, sammenfassend überblickt, so ergibt sich folgender Gesamteindrilck: Die Ausstellung eines-allzu detaillierten unddogmatisch biu'-eiwen Kyloniwtionsplanes ist -gegen- , wärtig nur von eng begrenztem Wert. Sowohl der Umfang wie die Art der kolonisatorischen Tätigkeithängen von den jeweilig politischen Verhältnissen ab und in dem gleichen schrittweisen Tempo, in.welchem - sich, letztere modifizieren, passen sich die zionistischen. Arbeiten an. Eine tief einschneidende Aenderung des Vertyaltungssystems in Palästina ist für die nächste Zeit scheinbar nichtzu erwarten. Vermutlich wird Sir Herbert Samuel dern Gouverneur in Jerusalem.als Berater für die Kolonisation beigegeben werden, im übrigen aber wird mau Schritt für Schritt ein Tätigkeitsgebiet nach dem anderen sreigeb-en und in dem gleichen Maße werden Arbeiter und Unternehmer die Möglichkeit zur Einwanderung undAnsiedelung erhalten. Für die kommenden Monate wird sich das Interesse vermutlich auf die Bautätigkeit konzentrieren und darüber - hinaus noch auf die Pflanzungsarbeit, da die zionistische Organisation dazu übergehen ivird, zunächst all diejenigen Bodenstrecken, die sich bereits in ihrem Besitze befinden oder die sie ohne Schwierigkeiten erhalten kann, intensiv auszunutzen. Es besteht begründete Hoffnung, daß die zionistische Organisation ihren Einfluß bei der späteren Gesetzgebung des Landes wird geltend machen können. Vorläufig wird sie sich, wenn sie ihre Prinzipien hinsichtlich des ökonomischen Aufbaues, des Verhältnisses von Arbeitern und Unternehmern, von Privat-, und Gesclsschaftsinitia'ive durchsetzen will, daraus beschränken müssen, dies ans indirekte'Weise zu tun. Daß ihr Einfluß auch nach dieser Richtung hin jetzt bereits recht weit reicht, dürfen wir nach dem vorliegenden Material annehmen . —• wenngleich natürlich noch nicht so wert, wie es in weiten Kretz'.-7: des --ndtzchea- V.olkes erbostt wurde. Das jüdische Palästina. Aeutzerungen Dr. Artur Ruppins. Der bekannte Leiter des zionistischen Palästina- Werkes, Dr. Artur Ruppin, welcher auf dem Wege nach Palästina in Wien weilt, nahm die Gelegenheit wahr, vor einem engen Kreis zionistischer Vertrauensmänner einen Bericht über die gegenwärtige Situation des Zionismus und die Lage in Palästina zu erstatten. Mit der aus seinen Schriften wie aus seiner praktischen Wirksamkeit bekannten klaren Sachlichkeit entwarf Dr. Ruppin rin Bild der jüdischen Aussichten in Palästina, das umso willkommener war, als der Kontakt zwischen der zionistischen Weltleitung und den Landesorganisationen zußolge der herrschenden Verhältnisse noch vieles zu wünschen übrig läßt. Nach Dr.Ruppi.us Darlegungen darf man hoffen, daß die Verhandlungen mit der englischen Regierung zu einem Ergebnis führen werden, welches die Errichtung eines jüdisch nationalen Heims und die. Entwicklung . «Lines sich selüft verwaltenÄLN Gemeinwesens gewährleisten wird. Die zionistische Leitung strebe die Schaffung einer geeigneten jüdischen Stelle an, die öffentlich-rechtlich anerkannt sein und mit der Regierung Englands in allen Angelegenheiten, welche die jüdischen Interessen berühren, gemeinsam bernten soll. Es steht zu erwarten, daß England im Zusammenwirken mit dieser jüdischen Vertretung die Einwanderung und Besiedelung fördern und alle verfügbaren Länder zur Verfügung stellen wird. Die jüdische., Vertretung, -von ^Palästina soll die Möglichkeit .Lrhalten^.'im, Land^allespfür die Errichtung des jüdischnEöncHn ^HtzimssZ Erforderliche zu unternehwen; ebenso, jsoll'bei Vergebung von öfscntlichLN Arbeiten aus die Errichtung eines jüdischnativnalen Heims Rücksicht .genommen werden. Man will Vorsorge treffen, t^aß bei der Besiedelung kein. spekulativer. Mißbrauch getrieben werde. Palästina wird einen englischen Gouverneur erhalten, dem vermutlich ein jüd i sch er Berater. bei gegeben sein wird, andererseits soll die m un i z.ip äle.Selb st Verwaltung geschaffen werden, sobäld die Bedingungen dafür gegeben sein werden. In der Frage der Grenzen Palästinas * ist auf eine für uns günstige Lösung zu hoffen. Daß die Nordgrenze bis zum Hermon und.die Südgrenze bis Aegypten reichen wird, ist sichergestellt. Die Ost- . grenze, welche bis. zur Wüste reichen soll, ist noch nicht ' In den ersten Zeiten nach-der englischen.Besetzung ließ'das .Verhältnis zwischen jüdischen Bevölkerung des Landes und den englischer Behörden vieles zu wünschen übrig, da diese von dIZ jüdischen Interessen .Und dem Wesen des Zionismus.keiH'Vorstellung hatten. Seit dem bekannten Telegramm, da^P a l f 0 u r an die Okknpationsbehörde richtete und worin er die Berücksichtigung der jüdischen Interessen forderte, sind diese Mißhelligkeiten verschwunden. : Die gegenwärtige oberste englische Behörde von Palästina steht aus dem Standpunkt, daß Palästina bereits imstande ist, Einwanderer aUfzunehmen, so daß die wirtschaftliche Arbeit ehestens ausgenommen werden könnte. Sehr erschwert wird die Frage der. Einwanderung durch - die hohen Fahrpreise wtb die^im Lande herrschende Teuerung,' der übrigens durch die Errichtung großer Magazine abgeholsen werden soll, in denen Lebensmittel zum Engrospreise abgegeben werden. Dr. Ruppin wies auf die.ungünstige Valuta von Mittel- und Osteuropa hin, .welche jede Beteiligung des Judentums dieser Länder gegenwärtig sehr erschwere, da in Palästina die hochwertige Psund'.vährung herrscht. Die an iizion'.stische Haltung der Araber unw deren Preßkamvagne hat an Schärfe bereits nachgelassen, doch muß das Araberpvoblem mit der entsprechenden Vorsicht behandelt' Das kulturelle Lebenin Palästina macht güte Forischritte, unser jüdisches Schulwerk umfaßt bereits 13.000 Schüler, das Hch'ä'sche ist btrsiüs neben dem Arabischen und Englischen «fc Amtvsp r acht anerkannt und bimiu auch aus de«

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