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Wiener Morgenzeitung · 1920-01-06 · Heft 344 (6.1.1920) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 344 (6.1.1920)
Date
1920-01-06
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Wien, Dienstag Wiener Morgenzeitung 6. Jänner 192t) 'Gelte 6 >- Nr. 344 Gerichtssaal. Freispruch einer KlndesmNrderin. Vor dem Schwurgerichte war gestern die Läjährige Hilfsarbeiterin Marie Suslik aus Ungarisch-Hradisch wegen Kindesmordes angeklagt. Am 6. September vorigen Jahres erschien die Bedienerin Johanna K i n s l e ch n e r bei der Polizei und zeigte an, daß die bei ihr wohnhafte Angeklagte entbunden und' das Kind getötet habe. Der Wachmann Karl K a r g a begab sich in die Wohnung der Kinslechner und traf dort die Beschuldigte angekleidet im Bette. Dieses war ganz blutig. Nachdem die Angeklagte der Polizei überstellt worden war, gab sie den Kindesmord zu. Das Geständnis hat sie auch vor dem Untersuchungsrichter aufrecht erhalten. Sie gibt an, daß sie infolge des Verkehrs mit ihrem Geliebten, der in Ungarn zurückblieb, Mutter geworden fei. Die Kinslechner und die Stratzenbahnersgattin Hedwig Gärtner versprachen ihr, sie mit Kindswäsche zu versorgen rmL versicherten ihr, daß das Kind sie gar nichts kosten würde. Trotzdem stellte sie hartnäckig ihren Zustand in Abrede. Gestern gestand sie, daß sie gleich nach der Geburt des Kindes, im Bewußtsein ihrer Notlage und in deck Bestreben, sich des Kindes zu entledigen, diesem ein Taschentuch um den Hals gelegt und das Kind erdrosselt habe. Der Gerichts- Psychiater, Primarius Dr.Stelzl, bezeichnte' die Angeklagte als eine minderwertige, von mütterlicher und väterlicher Seite her stark belastete Person mit einem sehr leicht irritierbaren Nervensystem. Es sei möglich, daß sie sich zur Zeit der Verübung der Tat in einem Zustande befunden hat, den man zwar nicht.als Geisteskrankheit, aber doch als einen Zustand bezeichnen kann, in welchem der Angeklagten die volle Einsicht in die Tragweit ihrer Tat fehlte^ Die Geschwornen beantworteten die.Frage auf Kindesmord mit 12 „Ja", die Frage auf Sinnesverwirrung zur Zeit der Tat mit 6 „Ja". Auf Grund tzreses Verdiktes verkündete der Vorsitzende OLGR. Dr. Khittek den Freispruch der Angeklagten, was letztere mit den Worten «Danke schön" quittierte. Schicksale eines Funktionärs der NäLeregierung. Vor dem Schwurgerichte unter dem Vorsitze des Oberlandesgerichtsrates Dr. Frauenfeld hatte sich.gestern ein ehemaliger Funktionär der ungarischen Räteregierung, Artur 'Stern rekte Sereny, wegen Veruntreuung zu verantworten. Stern, der einer begüterten Siebenbürger Familie entstammt, war vor dem Kriege als Journalist in Budapest tätig. Unter der Räteregierung wurde er Kontrollor des Wohnungsamtes und als solcher eine einflußreiche Persönlichkeit. Als am 20. Juni 1919 ein Wechsel im Volkskommissariat für soziale Fürsorge eintrat, wurden alle Beamten mit höherer Bildung entlassen und das Wohnungsamt ging in die Hände der Vertrauensmänner des Metallarbeiterverbandes .üher. Die Intelligenzler wurden sämtlich innerhalb 48 Stunden zur Roten Armee einberufen und sollten' an die Front äbgehen. Stern, der infolge Besetzung Siebenbürgens durch die Rumänen von jeder Verbindung mit seiner Familie abgeschnitten war und dessen Frau schwerkrank in einem Budapester Sanatorium lag, wollte der Einberufung nicht Folge leisten, sondern flüchtete nach Oesterreich. Ein Kellner, den er im Zug kennen lernte, brachte ihn gegen eine Vergütung von 1500 Kronen über die Grenze, hat ihm aber bei dieser Gelegenheit seine ganze Barschaft von 12.000 Kronen und seinen mit Kleidern und Wäsche angesüllten Koffer gestohlen. Mit kaum 100 Kronen in der Tasche kam Stern am 19. Juli nach Wien und stieg im Hotel Wandt ab. Damals wurden die Ungarn polizeilich ausgewiesen und Stern meldete sich, um der Ausweisung zu entgehen, falsch unter dem Namen „Serman" als rumänischer Staatsangehöriger. Um sich in seiner bedrängten Situation Gelh zu verschaffen,, gab er einem. Budapester Bekannten, Herrn Bela Lorand, gegenüber vor, er besitze Verbindungen Mt der amerikanischen Mission und sei imstande, ihn und sein Gepäck über die Grenze nach Ungarn, zu bringen. Während die beiden Herren im Speisesaal im Hotel Waudl saßen, entfernte sich, Stern unter einem Vorwände,' holte das in seinem Zimmer befindliche Gepäck des Lorand und fuhr mit einem. Auto davon. Durch die BemÜhmlgen des Anwaltes Lorands, Dr. Jakob Beutum, gelang es, das Gepäck in der. Garderöbe..des. SWahnhofeS sicherzustellen. Der Verteidiger Wevns meinte, ein. kleines Menschenschicksal sei im Sturm einer'großen Zeit gescheitert. Der Angeklagte, der den Krieg als Kadettaspirant mitmachte und einen schweren Nervenchok erlitt, sei durch die beispiellosen politischen Wirren in Ungarn aus einer bisher ehrenvollen Laufbahn geworfen worden. Ein politischer Flüchtling, habe ec in Oesterreich ungastliche Aufnahme gefunden. Seiner ganzen Habe durch einen Gauner beraubt, wollte er sich nur auf kurze Zeit die nötigsten Subsistenzmittel sichern; die Absicht, Lorand dauernd zu schädigen, habe ihm gefehlt. Die Geschwornen bejahten die Schuldfrage mit Einschränkung der Schadenszifsor aus yinen Betrag unter [ 4000 Kronen. Auf Gruud dieses Verdiktes verurteilte der Gerichtshof Artur Stern zu vier Monaten schwören Kerke rs. Diese Strafe wurde als durch die Untersuchungshaft verbüßt erklärt und der Angeklagte sofort enthaftet. in allen Dre,?saqen. Reparaturen unter War-imte. ftnt6bänftfi für alle Systeme, erstklassiger Material Leop. Kurzer, Wien, M, Westbahustraße 23. Telelwon 31537. 363 - Der BMswirL. Die induftrieKerr GrÄtzÄungeR irr der Tschechs-SLoWakei im: Jahre 1919, 56 Aktiengeseflschafte» mit einem Gesamtst Spital von 270 Millionen Kronen. f Auf dem G'biete der industriellen. Gründungen herrschte in dem ersten Jahre der tschecho-slowalischsn Republik eine ungewöhnlich rege Tätigkeit. Durch die Einführung hoher Schutzzölle und der Abspermngspolitik überhaupt schossen die Grüirdungsprojekbe wie die Pilze'.aus der Erde, empor und diese Bewegung wurde von.den tschechischen Geldinstituten um so mehr gefördert, als ihnen die Aktien der.neu geschassenenJndustrie-Unternehinuugen, soweit sie.in den Verkehr gebracht wurden, mit hohem Agio förmlich..aus den Händen gerissen wurden. Hierbei spielte auch die Flucht vor der Krone eine gewisse N^ste, außerdem die entfachte Wpiel- , ' lust des Publikums, das sich mit Vorliebe den neuen JnLustriepatzieren zuwandie, ob schon sie mit einem namhaften Agio herauSgebracht wurden. Es handelte sich Lei den-Gründungen! nicht immer um die Errichtung./neuer industrieller Ünler-! nehmnugen, sondern auch vielfach um die Umwandlung be- : stehender Etablissements in Aktiengesellschaften. Im nach- > folgenden stellen wir die im Laufe des Jahres bekannt gewordenen industriellen Gründungen —.der zeitigen. Reihenfolge nach- — zusammen, von. denen viele bisher nur Projekt geblieben sind. Die Liste, welche aus Vollständigkeit keirikn Anspruch erheben soll, präsentiert, sich Me .folgt:! - Millionen, | i „Ferra", Enengroßbiindel'..11! j Sctchwaccn Ä.-G. Chnrel. . .......... 2/ j SviNlus- und Mescheefabrik Wolfram'. ...... v Millione» Landwirtschaitliche Maschmenfabrik Borek . ». . . . 2.40 Schuhfabrik M. Zu ag, Pilien ..1.8' Margarineiabrlk Franz Holoubck, Nusle.3 ,.U>"on", Text'l-Jnd. A.-G.. ........... 2 Siahl ederb A.-G. . . . -. . -... * . 2 Waterprooi A.-G. . . . ... -.1 Maschinenfabrik und Gießerei, Tabor.1 Platiner Schamouewarcn, Trcmoschna . ..1 Glaswerke A-G., Elbogm . ........... 1 - Tschechische Film-A.-G- - . . , . . . . . . . . ,10 Tschecho-slowakische forstwirtschaftliche Holchank ... 5 Tschecho-slowakische Dampfschlffahrt-Gesellschaft ... 4 Bioorapbia Fklmanstalt. . . : ■ ........ 2.5 Tschechoeslowaki ch'amerikanische Handelsgesellschaft . .10 Textil,a, Seidenwaren-Fabrik ........... 3.5 A-kuenb'anerei, Graslin . ........9.8 Sv'clörö F-rancais de Bois . , . . ........ 2 „Tlegrasia" . .... 1 Dürer. Gießerei und Maschinenfabrik . . . . . . . . 1,5 Wildsteiner Ton- und Sckiamoltcfabrik.5L Slex. In,- und Expor.tgcsillschaft.1 Holündustrie-Bank. Prag . ....2 Näbmaschmcniabrik. Sobeslau. ........... 2 Erste tschecho-slowakische MaschMMfabrlk für graphische . Industrie.. . . .. ..... . . . ... . ... . . 0.50 Tiefbobr-A.-G., Prag ...... ....... 4 Bereiniate Gerbereien, Kuklena . ......... 4 A,-G.fiir Warenaustausch mit dem fernen Osten . . 30 TexUlwcike Wofi Blnmberg Söhne . .6 ■ Landw rtichafil che Zinlerfabrik, Nozdialowitz . . . . 2- ' - »Fo;",'M>Mexvvat^Prchburg.> - . . ... » - - J* Wagaonle hanfiakt, Prag . ..-2.* ' Telegravhen-A'.-G.. . 2' ’ Zborowitz-Koj-temer Zuckerfabrik, . ..... . 32 Glühkörper-AG.^ , ' Erste schlesische Glasfabrik . ... . . . . ,. . . . M ' Hölläuduch-tichechifche Handelsgesellschaft'- . . . . . . 3 y.G. Lloyd. Berncherungsorsellschaft.. . .;2 i -.Wüblen-Handelspeselllchaft m Brünn. . . . 'f -. g^lachswinre'ei. Starkcnbach - ... - . - tX / andels-A-G.. Pra'g •* . 2 ' A-G. für Elcktufnm ung der Slowakei. . . . . . 4 - träger Holzbandel und Holzindustrie . . ... . > -'40 elchwaren-A.-G, Tabor.. . .2 .. Kerag, keramische Exvortg'srllfchaft. . o . Hkfifabnk. Mährisch-Ostrau .. •’ / Allaemeine Berstcheningsgesellschast, Brünn ^. . . . . » l Gräfin, Bleististiabnk. Budwers . . . ... - . - - * Tschechisch-gr echiscbe Handelsgesellschaft . . , . .3 Drachmen Fanto. tschechische Antcruehwungen.* £ 1 i „Tribmtrt", Ze>tnna . . . . ...2 Kunst- und Möbeltischlerei, Brünn. ..... . . . 2 Fomnier-Fabrik, Prag .. Judustr. Umeineliminwen, Aürinowes . ...... . 8 Im ganzen sind es 56 industrielle Unternehmmrgen» die teils schon ins Leben träten, teils in der Bildung begriffen und teils projektiert siud. Das Gesamtkaprtal dieser Neugründungen sunnmert sich'auf rund 270 Millionen Kronen. N-ch/rruckeng ordnet,stehenbieHanbelsgesellschasken(Exmprd Jmportgesellfchaflen) obenan. Mit dem größten Kapital (30 Millionen) wurde die A.-G. für den Warenaustausch mit dem fernen Osten gegründet, an her sechs hiesige Banken beteiligt siud. Dieser schließt sich mit einem Kapital von 10 Millionen Kronen die tschechisch-amerikaiüsche Handelsgesellschaft (Boska)' an. Unter Beteiligung - des Auslandes eutstanden zwei Handelsgesellschaften, und zwar hie vpnher Böhmischen Jndustrial-Bank gegründete holländisch-tsW^e> Handelsgesellschaft mit einem'Kapital von 3 Millionen, holländischen Gulden und die tschechisch-griechische Handels-A.-G'. mit einem Kapital von 3 Millionen Drachmen. Sonst wären zu erwähnen: 5 Holzindustrie-A.-G., 4 Textilunternehmun- A<m, 5 Maschinenfabriken,' 2 Hesefabriken, 2 Schamotte-, 2 Zuckerfabriken' (Umwandlung bestehender), 2 Telegraphen- .Anstalten, 2 Versicherungs-Gesellschaften .und schließlich 2 Selchwarenfabrilen. ' . Die lebhafteste Gründungstätigkeit entwickelte die Ztvnostenska Banka, bei der auch gegenwärtig noch zahlreiche industtielle Projekte' geprüft werben. In dieser Eine Studentin. Bon H. D. Nomberg. Aus dem Jüdischen übertragen von S i e g f r i e d Schmitz. (5. Fo,t^e!?ung.) Doch das enge Zimmer daheim wurde ihr noch enger, noch öder. Und die innige Freundschaft mit der Kratowa wurde — schwächer. In dem dnmpfen Zimmer befand sich jetzt außer den beiden Mädchen noch em Drittes, ein nicht gelüftetes Geheimnis — Ljubas unruhiges Gewissen. „Könntest du einen Mann heiraten, den du nicht liebst?" fragte Ljuba einmal ohne Anlaß ihre-Freundin. „Was redest du da, Närrin? 2Der kann das^ „Ich könnte es auch nicht," sägte Ljuba still, als spräche sie mit ihrem eigenen Herzen. Nach einer Weile fragte sie weiter: „Wie meinst du? Kann man einen Mann lieben, per schon viel, viel geliebt, viele Frauen le>ssen hat?" „Pfui! Wie gemein!" antwortete die Kratowa. „Solche Leute gefallen mir auch nichts" sagte Ljuba und versank in/ Gedanken, Weinsteins Gesicht stand ^hr vor Äugen in allen Einzelheiten ... * ■ Dr. Weinstein schrieb an demselben Tage,-an dem Ljuba bei ihm gewesen war und er ihr die Geschichte von der mißlungenen Eheunterjochung erzählt hatte, seinem Freunde in Berlin einen langen Be-ef. Dieser Freund, ein armer, kranker Maler, stand ihm sehr nahe. Er schrieb ihm viel über seine Lage und gedachte auch . Ljubas: „Aus Langeweile habe ich die Bekanntschaft einer jbtudentin gemacht. Jüdin, Revolutionärin. Ein reizenb«g Geschöpf: graziös, klug und offen in allem und jedem; und mi die Hauptsache ist: jung — jung! ,. wflS. sir redet, kommt bei ihr reizend herauf, auch, wenn sie abgestandene Phrasen, gebraucht. Sie Ml den geburtshilflichen Kurs machen und dann auf äin Dorf, unter Bauern arbeiten und sie zu Revolutionären machen. Wenn ich darüber lache, wird sie eifervoll böse, schwatzt allerlei Unsinn und ist dabei lieb, Du kannst Dir gar keine Vorstellung davon machen. Nur keine Angst, ich bin nicht/verliebt. Aber eines weiß Weyn ich wirklich' mal'mit dem Heiräten Ernst mache, aus' '.unserer jüdisch-bourgeoisen Sphäre nehme ich kein?. Wenn ich so aus sie blicke, dann geht 'es mir, Gott weiß wie, durch den Kopf: Wenn ich Kinder haben soll, dann nur von solch einer. Und doch — Du. mggst es glauben oder nicht — es gibt Momente, wo ich sie ansehe und erschrecke: Ich ^>mme mir vor wie ein wildes Tier, das sich aus wehrlose Begte stürzen will. Ich weiß nicht, wie ich Dir das'begreiflich machen soll. Ich bin 34 Jahre alt, mein Herz ist kalt — und da ist ein junges, frisches Mädchen mit all ihrem Jugendglauben, voll von aU ihren Hoffnungen. Das Mes kann mir gehören, weil ... weil ich reich bin. Gemein, niedrig, unmenschlich, was? Wenn sie«.mich liebte, läge der Fall anders. Aber sie liebt mich, nichts das fühle ich aus ihren Reden, aus ihrem Bück. Doch --. vielleicht täusche ich mich? Woher soll M -verlebter und vom Leben zrr- -mürbter jüdischer Äourgwis di^ sichere ErLenutuis hrines Liebesbesitzes nehmen?; i Uebrigens — die .Tonart ist nicht neu- Und Ljuba Fiedler (das ist ihr Name) ist ein schönes, liebes Geschöpf. Ich sehne mich jetzt nach ihr ..." IV. „Mach' mir keinen blauen Dunst vor, Ar^a.wer.- , Ich weiß schon, was des heißst: ,Jch will nicht heiraten? Warum tust du so geheirnnisvoll? Sag' es mir, ich bitte dich: Wann werde ich die Ehre haben, deine Zukünftige kennen zu lernen? .'., Du wirst mich doch mit ihr bekannt machen?" / So sprach Frau Sonjas Dr. Alexander WeinsteinZ Schwägerin, eine schöne, junge Frau, brünett, mit hcllblitzenden Augen und typisch-jüdischen Gesichtszügeu. Obwohlsie bei'sich zu Hause war .und es kemeu Gast gab außer ihrem Schwager, war sie doch mit etwas kokettem Geschmack gekleidet. Ihre Bluse war ein wenig ausgeschnitten, um den schönen Hals schlang sich. Hn rotes Band, an ihren Ohren trug sie große Boutons und an den Fingern blitzten mehrere Ringe. Sie lächelte, und öffnete dabei ein wenig den Mund, daß ihre schmalen, weißen Zähne hervorlugten. „Was fällt Sonja eigentlich ein? -Wer hat das gesagt?" protestierte Dr.' Weinstein. „Alexander, ich Bitte dich, halte mich nicht zum Narren. Ich bin dir doch nicht ganz fremd . Ich ^möchte mein: künftige Schwägerin kennen lernen. W'e? Schämst du dich vielleicht oder hast du Angst, man könnte dich hindern? Nein! Du mußt mich mit' ihr.bekannt machen. Du mußt! Du mußt!"' - Dabei klopfte sie mit ihrer runden, kleinen Hand zweimal auf Pen Tisch, lachte und zeigte ihre schhuen Zähne. Dr, Weinstein antworte.te nicht, sah nach ihrer Hand und fragte: „Ah! Sonja hat einen neuen RtvA! Laß sehen!" Sie duzte ihn stets. Er aber, tat das selten., Getvöhnlich sprach er sie weder mit „Du" noch mitj „Sie" an. Sie hielt ihm die Hand hm und streckt« ihm einen runden, weiblich-vollen Finger entgegen,/ an dem ein lichter Stein funkelte. (Fonsetzung folgt.)

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