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Wiener Morgenzeitung · 1920-01-06 · Heft 344 (6.1.1920) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 344 (6.1.1920)
Date
1920-01-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Ureis SO Kr«-r Präuumerations- Vteife: EH ex: Am« vbhokex i» der ExpcLitiv«, L. Bezirk, Taborftraße 1 bis 8, ober in einer Verschleißstelle (Trafik,: MonatitS,. . Kronen LS.— Vierteljährlich „ SS — Mit Postversand für Wien und _ Oesterreich: kvlonatlich «. Kronen IS.— _ Tschecho-Slowakei: Monatlich .. Kronnt k).— Vierteljährlich »V.- Äetschecho-slowakischerWährung? Polen und Ungarn: onatlich . . Kronen LS.— entsprechender Währung debetreffend« Lande» renrr Urels SO Helles' Prünumerations« preise für Deutschland: „ , Monatlich . . . Mark 5*— Frankreich: Monatlich . . . Franks S»— Italien: Monatlich .... Lire 3.— Monatlkch^^ä'rankS v' evaktion u. stldministration Wien,«.Bez.,Taborstr.1-S Seledlione; ülvministration Postspar kassenkvnto 150.6N -» . _SS» Nr. 344 _Wien, Dienstag, den 6. Jänner 1820 2. Jahrgang -.,-- Wie der Krieg vorbereitet wurde. --7. W i en, 6. Iänmr. Die Frage nach der schuld am Kriege wird wohl 'niemals geklärt werden. Die Sache liegt auch nicht so Einfach, daß man die furchtbare Last der Verantwortung auf einzelne Menschen wälzen könnte. Zweifellos waren Än allen großen und einigen kleinen Staaten Tendenzen an der Arbeit, eine friedlich? Beilegung der eit dem Deutsch-F anzö.ischen Krieg aufgetauchlen und vf,en gebliebenen Streitfragen zu verhindern und eine bewaffnete Austragung herbeizufühven, weil dieser Weg den ratlos gewordenen Diplomaten als der einfachste erschien. Die türkische, marokkanische' und das Balkanproblem wurden immer verwickelter, die Konferenzen und Reunionen der Mächte zeigten die entsetzliche Gedankenarmut der europäischen Politik, die zu einem willigen Werkzeug der internationalen Rüstungsindustrie Herab sank. Kurz vor dem Krieg hat es in Kiel einen Prozeß gegen Angestellte der Kruppschen Werke gegeben, in dessen Verlauf bas Zusammenwirken von Krupp, Terni, Schneider-Creuzot^ und Putilotv festgestellt werden konnte. In dem gewissenlosen Treiben dieser gerissenen Plusmacher bereitete sich das Gewitter vor und vielleicht würde eine Revision der Bücher dieser Kanonengießer die Publikationen der Buntbücher wertvoll ergänzen. . i i Aber wenn auch nicht nach' der Schuld von-Personen, sondern ^eher von Systemen gesucht werden kann, so tritt doch infolge dep vielen Enthülluügen, der jUkten und Memoirenwerke imyrer klarer heraus, daß .die Schuld an der .letzten Verrammelung des Friedens an dem halb oder ganz,uutokrgtW'waltenden Regie- . .EN^E-Wr-Ä^^hst^jiÄAchMivrSvurg^'' Berlin' -und.-. Wien stehen ist der erstem Reihe der Verantwortlichen. Während sich die Repräsentanten der.-Ententevölker, ' vor allem S^ Gvey, aus allen Kräften anstrengten, den österrnchiH-serbischen Konflikt zu lokalisieren und chen Strett? entweder vor einen europäischen Kongreß oher vor das Haager Schiedsgericht zu bringen, hatten die Kabinette von Petersburg, Berlin und Wien bereits den.festen Entschluß zum Krieg gefaßt. Die Staatsmänner der parlamentarisch regierten Ententeftaaten entstammten überall einer parlamentarischen Volks- Partei. In Deutsch .and standen Beihmann, in Oesterreich Graf Siürgkh und in Petersburg Sassonow außerhalb des Parteigetriebes und ihre Haltung zur Frage Krieg oder Frieden war nur von dynastischen und militaristischen Stimmungen diktiert. Nicht die Volksvertretung als Repräsentant der auf das'Schlachtfeld zu schickenden Massen galt ihnen als her Ortz, an dem sie die Entscheidung über ihre Schritte zu suchen hätten, nein, nur das Kabinett des obersten Kriegsherrn, der selbst . nicht einzurücken hatte und der Armee gegenüber nur . als.Dekorationsstück in Frage kommen konnte, sah' die -Beratungen der wenigen Männer, hie fern von Leben Wd Leiden der Bürger und Arbeiter, s dettr Ernflüß der auf .Ruhm und Lorbeer erpichten Generale unterlagen und unterliegen mußten, weil sie selbst keinen Willen mehr hatten. Zivrlkurage hat Bismarck von seinen Untergebenen gefordert und wenn nur etwas dieser Auflehnung in Bethm'ann oder Sassonow — von dem Lakai Scürgkh muß?män. überhaupt schweigen -7 vorhanden gewesen wäres dann hatten Wilhelm und Nikolaus die Ehrenwortgeschichte in privater Mensur austragen müssen. Der stärkste Druck wurde aber von Berlin ausgeübt. Dort war schon - lange Jahre vorher, von der alldeutschen Presse, die die ganze Welt ins die Pfanne hauen wollte, die nötige Stimmung gemacht worden, um dem Volke die Ueberzeugung beizubringen, baß Wilhelm der Herr der Welt werden müsse und daß alle Völker der Erde Feinde des deutschen Wesens seien. In diesem Strom plätscherte alles, in dieser Tonart klängen alle Lieder und alle Reden, diese Jbtze propagierten alle, die in Stein gehauenen Lächerlichkeiten, die jede deutsche Stabt verzierten. Solcher Jdeenpropaganda konnte sich auf die Dauer niemand entziehen und auch die klügsten Köpfe des Berliner Auswärtigen Amtes standen unter dem Druck der Suggestion, die ihr Kaiser durch seine schriftlichen Bemerkungen auf den geheimsten Ak.e.i ausübte. Der ganze Hochmut des Go t tes g uad e u me ns chen spricht ans seinen schnoddrigen Worten, ob er nun irgendwo Serbien als Verbrecher oder ei an Friedensvorschlag als Blödsinn bezeichnrtr. Man lese seine veröffentlichten Briese au den Zaren und man sieht die GeisteSverfass-'ne ^'r-' dem s«deS Mast der Dinge fehlt. Die ungarische Friedensdeiegation nach Paris abgereist. V^tid^ a y e ft, 5. Jänner. (Ung. Tel.-Korr.-Vm.) Die erste Gruppe der ungarischen FriedensdeZegation ist heute um 8 Ahr 50 Mrunten vormittags nach Paris a b g e r e i ft. Aus diesem Anlaß hatten sich im Bahnhof Ministerpräsident H u s z a r mit den M niftern S o m s f i ch und Heinrich, sowie General Soos eingefunden. Der Ministerpräsident hielt an den Führer der Delegation, Grafen Apponyi, eine Ansprache. Was unser harrt, sägte er, wird nicht nur das Schicksal des A^ärtnms entscheiden, sondern auch dis Dauerhaftigkeit des Friedens. Graf Apponhi erwiderte: Die Delegation geht mit unerschütterlichem V2rtrauen auf Gott und dir gerechte Sache der ungarischen Nation der LosrmZ ihrer schweren Aufgabe entgegen. Was immer aber auch die. Zukunft bringen mag, eines kann ich fetzt schon sagen: Das Schicksal der Nation wird sich nicht bei diesem Fried ensschluß ents che i d e n. Ein harter Friede für Angara. B u d a p e st, 5. Jänner. (Ung. Tel.-Korr.-Bm.) Ministerpräsident Huszar stattete heute dem General F rauchet d'E spereh im GeLLuds der französischen Mission einen Besuch ab. Zm Laufe der Anterredung bestätigte der General, daß der Friede für Arrgarn sehr h a r t s e i n werde. Mach dem Friedensschlntz wertz^ 0t.ßi .fMNMWkWDsrWL ZegenWer .Angär« weitgehende LohalMt veknuden und dem Lande behilfttch) fein/ sobald als möglich geordnete VerhalLniffe zu schaffen. Er warne jedoch die Angarn ««or jedem a b e n L e n e r- L i ch e n A n t e r n ehme n, ' wei^ dadurch gerade das GegentäLL erreicht würde. , Vertagung der Helsingfors- KGnfereuz. .'' Paris, 5. Jänner. (FunLfpruch.) Ans Stockholm wird gemeldet, Latz dis HeLsingfors- Ksnferenz der Lastrfchen Staaten wegen gemeinsamen Vorgehens gegen Sowretrntzland bis zum 15. Immer v e r t a g ö worden ist. Nussisches ArrederrsanboL an Polen. Krakau> 5. Jänner. (Privat.) Der Warschauer Korrespondent des „Eias" meldet, datz das polnische Ministerium des Aentzern sich schon feit einer Woche im Besitze der Originalnote der russischen Sowietrsgieruug befindet, in der Rußland Friedensverhandlungen anbietet und feine Bedingunaen bekanntgibt. Die Antwort der polnischen Regierung wird erst nach der Heimkehr des Ministers des Aeußern erfolgen, der bekanntlich zurzeit in Paris weilt. Er hatte schon durch sein Ausplaudern des französisch-englischen Angriffsplanes gegen Rußland Entsetzen erregt. Sein Telegramm an Krüger, seine gegen die gelbe Gefahr gerichteten Zeichnungen, seine Reden an . die Generäle brachten immer wieder die Welt in Aufregung. Was soll man aber sagen, wenn man in seinem Brief an Nikolaus vom 30. Mai 1898 liest, wie er den großen englischen Plan eines alle Großmächte umfassenden Bündnisses behandelt: als eine private Angelegenheit seines'Hauses. Nebenbei läuft die wichtige Anfrage: „Wirst Du die früheren Uniformen und Knöpfe wieder einführen?" In einem späterer! Briefe nennt er Clemenceau und dessen Freunde „Lumpenpack und Pöbel". „Loubet und Delcassä sind zweifellos' erfahrene Staatsmänner, aber da sie nicht Fürsten oder Kaiser sind, so kann ich sie in einer Bertranenssache nicht aus den gleichen Fuß wie Dich stellen!" So wie hier in privaten Schreiben sprach Kaiser Wilh.'lm ösf?n'lich und tatsächlich waren bürgerliche Politiker skr ihn immer nur „KerlS". Dieser Mann behrrrschie Deutschland und instruürte Botschafter. Es mußte zum Krieg kommen. Die Enthüllungen des PrinZen Sixtus. Psinearös Instruktionen. ■— Die vier Pnukte- Haag. 5..Jänner. Hollandsch Nieuws Bureau mcU bet: Der jetzt hier vorliegende Londoner „Daily Telegraph" vom 2. d. M. bringt den ersten Teil der Enti-i hüllungm des Piin^en S i x t u s von Parma, wodurchj die Mitteilungen der Agence Havas in wichtigewPunktew eine Ergänzung er'ahren. ' . ' In Itz Unterredung mit dem Prinzen Sixtus am? 8. Mäxz 1917 gab P o i n c a r 6-folgende J-.strnktionenr. Der Kurs, den Sie zu verfolgen haben, ist der: Sie^ haben von Ocst-rreich die Zustimmung zu vier wesentlichen Punkten zu erhalten . und diese in strengstem Geheimnis an England und Rußland mitzuteilen und' zu fragen, ob man zu einem Einvernehmen bezüglich des Mschlusses <ewes -gr'Hefm>'i/'T.rsfsrrstMst>Lödes gelangen könnte. Rußland nur Krieg um 'den. Besitz von Konstaniinopel. England will nichts? v o n Oesterreich- und. dasselbe gilt von Frankreich. Es liegt im Interesse Frankreichs^ Oefterrrich-Ungarn nicht nur zuerhalten, sondern es! auch auf Kost n Deutschlands zu vergrößern. (Schlesien oder Bayern.) Wir, also Frankreich, werden nie ew$l Frieden mit Deutschland 'schließen? NeVer^dki-vier-,■ .. gibt der Brief, den Prinz Sixtus am -Itz./Mäxz cm Kaiser Karl .schrieb, näheren Aufschluß. Erstens: Oestevreich erkennt das. Recht Frankreichs,aus;'Msaß-LoLh-'' ringen, wie Frankreich es früher besaß, -an. OesterreichsUngaNr wird 'all-s yhn\/ UM die Ansprüche Frankreichs in dieser/Richtung zu unterstützen. Zweitensr 'Belgien muß seine Souveränität unter der jetzigen Dynastie! vollständig zurüürrhalten. Es. muß alle seine afrikanischen ' Besitzungen zurückbekommen, ohne einer Ent" schädigüng." zu präjudizieren, die es für die' erlittenem Verluste erhalten -muß. . Drittens: Oesterreich-Ungarnj erklärt sich bereit, die serbische Souveränität.unter devj jetzigen Dynastie wieder herzustellen. Als' Zeichen seiness güten Willens und, uM Serbien einen natürlichen Zu^ gang zum Tldriatischen Meer zu verschaffen, ist Oesters rcich-Ungarn bereit, Serbien die albanischen Gebiete ■in übergeben/ die es jetzt besetzt halt. Es ist. weiters bereit, freundschaftliche Beziehungen mit Serbien da-^ < durch zu sichern, daß es Serbien große wirtschaftlich^ Konzessionen macht. Viertens: Oesterreich-Ungarns spricht die Wsicht aus, Vorbesprechungen mit Ruß^ land zu begi:rnen, und zwar auf der Basis,daßj Destev-i rcich-Ungarn sich bezüglich Konstantinopels uninter^ essiert erklärt, wofür es das heute von Rußland besetzte! i österreichisch ungarische Gebiet zurückerhält, Es folgt^.. dann die Reife des Prinzen Sixtus naÄ'-. Wien. Erj.. brachte von dieser Reise -eln.'n Brirs Kaiser "Karl 1 ■ mit. Ln dem die drei ersten Punkte . Poincerüs ange^. nommen werden, während der vierte Punkt bezüglich! Rußlands einer Revision unterzogen werden soll: , Ein Bericht über die Wiener Reise des Prinzen! bildet den Schluß der Veröffentlichungen. Nach diesem Berichte trafen sich der Kaiser und der Prinz amt 23. März in Laxenburg. Nach der Unterredung mi^ dem Kaiser hatte der Prinz eine Ü berredung mit dem Grafen Czernin, die etwa 20 Minute^-'uerte. Czernin blieb sehr kühl und zurückhaltend und gab dem Prinzen! keine genauen Einzelheiten. Am nächsten Tage fänbf dann, wie bereits bekannt, neuerlich eine Unterredung ^zwischen dem Prinzen und dem Grafen Czernin statt./ Czernin gab auch hier seine Zurückhaltung noch nicht! auf. Am Abend desselben Tages.überreichte dann Kaiser. Karl dem Prinzen Sixtus einen Brief mit den Worten:/ Hier sind die versprochenen Einzelheiten. FaksimilT der A.KLenstüür-L. Paris, 5. Jänner. Die „Illustration" brlugt di<ö Faksimile einer Reihe wichtiger Aktenstücke, die ii« der Veröffentlichung über die Mission des Prinze« Sixtus von Parma in der „Opinion" enthalte^ waren, insbesondere der Kaiserbriefe und der zweiten? handschriftlichen Note Czernis vom gleichen Datums dem 9. Mai 1917. Die ausdrückliche Anwendung d«tz' Wortes „Separatfrieden", dad in d»m stanzt? fischen Text d-rc Notizen des Prinzen GixtuS vorkomm^ ist in dem deutschen Urtext, der in der „JlluI Yration" photographiert ist, nicht enthalt»«.

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