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Wiener Morgenzeitung · 1920-01-05 · Heft 343 (5.1.1920) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 343 (5.1.1920)
Date
1920-01-05
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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ADeUU, en, Myntag r" elpackungens beschlagnahmt.^In der Wohnung, 2. Bez., Volkertplatz 5, Lür S, wurden 1613 Briefe Landtabak zu M Gramm im Besitze eines Ludwig Diamant vorgefunden. Bei der Haltestelle Wildungsmauer wurden zwei Leute *nit Rucksäcken angehalten, in denen sich 12.500 ägyptische. Zigaretten befanden. Die Leute nannten sich I. Zucker aus Toporow und Ad. Kellner aus.Tarnopol und gaben' an, von einem Budapester Kaufmann in Wien für je K. 100 dazu gedungen worden zu sein, bie Zigaretten über die Grenze zu schaffen. Bei Antonie Deutsch, 2. Bez., Große Mohreugasse 18, wurde ein Koffer, enthaltend 14.000 ägyptische Zigare t t e n, beschlagnahmt. Den Koffer soll ein gewisser Kamp f ans Budapest dort eingestellt haben. KVKSer MbrAettzeitUns^ »hi ymrrrrf TanTtmnrffir Jänner 19M vermögend gehalten hat. Das Geld hat aber die Frau im Bette versteckt gehabt, so daß es der Mordgeselle nicht finden konnte. Auch der Hausschlüssel fehlte, und es wurde angenommen, daß ihn der Raubmörder mitgenommen hat, um später in die Wohnung wiederzukommen und sich in größerer Ruhe das Geld zu suchen, reine Absicht, die er wegen der vorzeitigen' Entdeckung ' des Raubmordes dann «ufgegeben hat. Der dringende Verdacht der Täterschaft füllt aus einen etwa 22* bis; 24jährigen Burschen, der schon wiederholt als ^Hamsterer" bei Frau Kramer vorgesprochen und mit' ihrer Erlaubnis sogar in ihrem Hause genächtigt hatt< * Berenngrmg jüdischer Handelshochschüler 'ntni. E x p o c k a k a d e m i? e r). Programm derm dieser Woche deflmrienden imentgelttichm Vorlesungen: Montag von 4^bis 5 Uhr^Kontokorrentlehre (mit Prarlrkum), vou 5 dis 6 Uhr 0,'rlglnch.!viu:ul!i:urn. ..... .. . nur für •ÄUigtcitaeljOT« zur gewohnten Zur statt. Di-.nStag'UM -i!ikir nachmittags beginnt cm mmr Facbkurs über „Politische Arithmetik". Jnleressemen wollen sich wäiettkus bis Dienstag' 3 Uhr nachmittags beim ftuiöi eieromeu .stoü. Mauser mcibeu. Selbstmord eines Ministerialrates. Der veusionierir Pünisterlalrat Johann Zt.ezt. ein alter Herr von 75 Jahren, hat sich in seiner Wohnung echärigk. Die Uiiache der Tat ist die S o r g e n m d i e Z u! u n f t. ' * Mit einer halben Million flüchtig geworden. Nach einer telegraphischen Mitteilung der Polizcidirekrion Sarajevo ist von dort der etwa 40jährige Bankbeamte Erwin Kankowsky arw Sanskimost nach Unte'.schlagung einer halben Million flüchtig geworden. Er ist groß, schlank, blond, ha! wenig Haar und schlcppcudm Gang. "Acht Häftlinge entsprungen. In der Nacht vom 2. auf den 3. d. M. find aus dem Arreste des Bezirksgerichtes Landstraße acht Hüsttinge entsprangen, und zwar der 19jährige Isaak Di am and, der 23 jährige Leopold Antrrz, der 20 jährige Eduard F c k e s, der 16jährige Rudolf Holzer, der 19jährige Rudolf Fichtinger, der 20jährige Franz Fichtinger, der 18jährige Ernst Berger und der 21jährige Josef Pamperl. * 124:000 Kr^rren rutlockt. Dsr im Hobel „Tegetthofs" wohnhafte Handlungsgehilfe Rudolf Hücker lernte vor einiger Zeit einen Mann kennen, der sich ' für den Agenten Bduard Kollmann -ausgab und sich ihm zum Abschluß von Valutageschäften zur Verfügung stellte. Bür etwa vierzehn Tagen hat der Mann ihm tatsächlich für österreichische Kronen 30.000 Mk. verschafft. Durch den glatten Abschluß dieses Geschäftes in Sicherheit gewiegt, ließ sich Hacker am 3. d. verleiten, dem angeblichen Kollmann einen Betrag von^K. 124.000 anzuvertrauen, für den ihm Kollmann 31.000 Mark zu verschaffen versprach. Kollmann führte-am Z.d. M. den Hacker, in die Nähe der Börse und ließ sich um etwa 5 Uhr das Geld geben; er versprach, in einigen Minuten mit den Mark, die er in der Nähe im Depot liegen habe, wiederzukommen; aber Hacker wartete vergebens und - erstattete, als er emsehen inußte, daßer betrogen ist, die Strafanzeige. Der angebliche Kollman, der vermutlich Pole ist, ist etwa 30 Jahre alt, mittelgroß, schwarz, hat eingefallenes Gesicht und mehrere goldene Zähne. * Em Weiner „Hamsterer" als RauÄirrörhrr. Wie schon kurz berichtet, wurde am Silvestertag v. I. die 66jährige Häusleriu Anna Kramer in der Ortschaft Halkensiein in ihrem Häuschen ermordet und beraubt allsgefunden. Nach den Erhebungen dürfte der Täter rin Wiener „Hamsterer" gewesen sein, der schon wied erholt n-.it der Frau, die sich mit dem Schleich Handel zu befassen pflegte, Geschäfte aügsfchlofsen hat. Wir erfahren über die- Tat folgende Einzelheiten: Der Raubmörder dürfte es auf einen Betrag von K. 4800 abgesehen haken, da er die Ermordete für Die EnmhrARg. Ansere Ernährung. Auf dem Lebensmittelmarkt brachte auch der heutige Tag keine Entspannung. 'Die Lage ist auch weiterhin äußerst trist. ,,Stofa". StoaLsangeftekten-FürsorgL Austalt, reg. Geü. m. b. ,H. Ausgabe von „Stasa"-Pakclen au K 70,— und R 54.— nur gDü Borweimnz der ..Stafa'-Bezugsbücher mit bestimmten -JhUnmmi an bestrrnnrteu Berkaufstagen, und zwar:> 12. d. Mi vormittags 12.001 dio 13.000, nachmittags bis 14.000, 13. d. M. vormittags 10.0)1 bis 11.000, nachmittags, 11.001- bis 12.000, 14. d. M.- voriuutags 8001 bis 9000, nachmittags bis 10.000, 15. d. M. vormittags 6001'bis 7000,. nachmittags bis -8000, 16. d. M. vormittags 4001 bts 5000, nachmittags brs 6000, 17. d. M. nur vormittags 3001 brß 4000, IS. d. M. vormittags 1001 bis 2000, nachmittags biß 3000. SO. d. M. vormittags 1 bis 1000. Auf redes Buch nur ein Paket. Wer stch nicht au die bestimmte Tageseinteilung hält, wird Nicht bedient. „Staftt", Stratsangestelltcnsürsorgeanstaltr.Gen. m. b.H. Die, Mitgliederanmeldungen laufen täglich so stark ein,, daß selbst das fortgesetzt vermehrte und mir Ueberstunden arbeitende Personal mit der Ausstellung der Bezugsbücher nicht Nachkommen kann. Wir sind daher gezwungen, den Partrienverkehr in unserem Bureau für Mitgliederanmeldungen ab $. bis 16. d. M. zu sperren. -_ Literatur «^Wissenschaft. Theodor FoRtane und die J«den. (Zum 100. Geburtstage des Dichters.) Die Methode des jogenanrtten „wissenschaftlichen^ Antisemitismus, der in dem Literaten Adolf Bartels und dem Dilettanten Houston Stewart Chamberlain seine eifrigsten Vertreter gefunden hat, besteht von jeher vorzüglich darin, durch eine Reihe verschiedener, aus dem Zusammenhang herausgerissener, oft auch entstellter Zitate hervorragender Männer über das Judentum deren judenfeindliche Gesinnung zu „beweisen" Dieses'Treiben ist darauf gerichtet, Sand-m die Augen der urteilslosen Merige zu streuen. Bei. allen diesen Männern, von deren Aussprüchen die Antisemiten den ausgiebigsten'Gebrauch machen zu können glauben, lassen mindestens ebensoviel judenfreundliche als gegen die Juden gerichtete Aeußerungen anführen, so daß man jene Zitate weher als das Ergebnis rein wissenschaftlicher Forschung^ noch als das ihrer eigentlichen Grundansicht ansprechen, sondern vielmehr einer augenblicklichen Laune' ober einer jeweiligen politischen Stimmung zuschreiben könnte. Auch Theodor Fontane ist dem Schicksal mchentgangen — nach seinem Tobe natürlich erst —, von den Antisemiten als Gesinnungsgenosse in Beschlag genommen zu werden. „SDie Tatsache, daß der Dichter in den Sechzigerjahren dem Redaktionsstabe der Berliner konservativ-feudalen „Kreuzzeitung" angehört hat, sollte dafür wohl eine Art Stühe bieten. Nun war Fontane einmal Auslandsredakteur des ’ Junkerblattes, und zwar für den englischen Teil desselben. Mit welchem Wider- ' willen ihn.jedoch später die politische Haltung dieses Blattes erfüllte, beweist , der Umstand« baß er unvermittelt sein Anrt niederlegte. „Es ist gemein" heißt eS in einem Briefe, t welchem er.seiner Gattin diesen Schritt näher begründet „beständig große Redensarten im Munde, zu führen und nie eines gebotene Rücksicht zu üben, die allerdings von Juden und Industriellen, von allen denen, die in unseren biederen Spalten beständig bekämpft werden! oftmals und einfach geübt wird. Dieser Punkt war für mich der entscheidende' usw." j Zu der Zeit, als dtp von Stöcker inszenierte Bewegung in Berlin ihren Kulminationspunkt erreicht hatte, schrieb er seiner Frau (1885): „Was Du übers die Juden schreibst, ist richtig; man muß aber doch sehr! aüfpassen und -vieles, was nicht sehr nett ist, mit in den Kauf nehmen. Aber freilich, wo wüßte man das nicht? Und in Bezug auf einen selbst wird es wiohH ebenso liegen." , Man könnte noch eine Reih» anderer Briefstellen aus den verschiedensten Zeiten anführen, die unzwei-j beutig erkennen lassen, daß Fontane bei aller aufrichtig konservativen Gesinnung, die ihn gelegentlich auch ein verdrießliches Wort Über.eine ihm nicht zusagende poli^ tische oder gesellschaftliche Einzelerscheinung finden ließ'j dem eigentlichen Wesen des Judentums und vor allem dessen kulturfördernden Bedeutung volles VerständnÄ und Sympathie entgegenbrachte. Zu seinem Familien^ verkehr und seinen nächsten literarischen Freunden zählt« eine ganze Reihe von Juden. In seinen Romanen „DH Poggenpuhls", „Der Stechlin" sind die jüdischen Neben^ Personen mit wohltuender Objektivität und Freundlich?! keit behandelt. Fontane wußte auch ganz genau, bei wem er zuerst und in weitestem Maße Verständnis unv Liebe gefunden hatte und hat dies auch gelegentlich seines 75. Geburtstages, in. einem damals vielbvH sprochenen Gedichte „An meinem Fünfundsiebzigsten^ drastisch genug zum Ausdruck gebracht. Mit ironischem Befremden schildert er in diesem Gedichte, baß an seinews Ehrentage von dem gesamten preußischen Adel, u dessen historische und dichterische Verherrlichung gera ec sich so weitgehende Verdienste erworben hatte, fi buchstäblich „keine Katze" seiner erinnerte. „Aber," heiß es dann weiter: die zum Jubeltag da kamen, 1 Das waren doch sehr andere Namen, ft Auch ,sans peur et reproche' ohne Furcht und DadM Mer fast schon von prähistorischem Adel: ti| Die auf,berg' und ,heim' sind gar nicht zu fassen,'^ Sie stürmen ein in ganzen Massen,, Meyers kommen in Bataillonen, . Auch PollackS und die noch östlicher wohnen' Abram, Jsak, Israel, Alle Patriarchen sind zur Stell*, - Stellen mich freundlich an ihre Spitze, Was sollen mir da noch die Jtzenplitze? Indem bin ich was gewesen. Alle haben sie mich gelesen, Alle kannten mich lange schon Und das ist die Hauptsache-., . Koinmen Sie, Cvhnl"/! In neuester Zeit ist auch' über das FreundschaftZE Verhältnis Fontanes zu seinem einstigen Tunnelgenvssen Wilhelm Wvlfsohn durch dessen Sohn, den Dvesi dener Schriftsteller Wilhelm Wolters, etwas Näheres in die Oefsentlichkeit gelangt. Mit diesem seinem jübfc schen Freunde stand Fontane fast zwanzig Jahre (1842 bis 1861) in regem Briefwechsel. Aus dem, was hiev bekannt geworben ist, ersieht man, mit welchem selbst^ losen Eifer Wvlfsohn um FontaneS schriftstellerischen Erfolg bemüht war, wie er ihm wichtige Verbindungen mit Dresdener Redaktionen und seinen Erstlingsgedichten einen zahlenden Verleger — es' war zufällig ein jüdisch^ Verleger, Katz in Dessau «- verschaffte. -j Dr. S. Gew'ilrz«),.. Kleiner Anzeiger Lurgidesrek. Ruit.« v. LesteLLureaa: -Tri esw Minna von Bnrnhelvr Beginn S Uhr Ende 8 Uh: ypemtdesirr. tri'.ih-ii. BesteWirremi: Tel. L4S.L75 Die Boheme. Beginn \!J6 Uhr Ende e Uhr vsttrroper. Hvnmanns Erzählungen Vegimr Uhr Ende 9 Uhr vemsedrrvokMdeaier. 2eI«56on Ne. 810B7 Pfarrer von Krrchfeld. Der 7igini« %C UCc ' Ende 8 Uhr firner ^amtnmpleu. fbitattumfitahe au. %mni. v .’j.ni« 6 Uhr Ende 8 Uhr Is§etttr(!tek Theater. Die Taute avS Hsufteur D»«inn » Ukr Snd« I yhr Neue Mener Wdne. H, Wasagaffc Vi. Gekdznnber. Beginn Vr.6 Uür Ende 8 Uhr Wiener fonattdesttr. Die lustiqen Wsiber von Windsor. Beginn & Uhr - Ende 8 Uhr iienairranceSDne. . VII., Nnibalkgaffe ^ö. Der König deS Lebens Beginn Vfi Uhr Ende 8 Uhr UMener NemWenyaur. IX., Nubdorfrryratze 4—e. Der Liebestimfel. Beginn V«e Ubr Ende » Uh: Larl-rvester. Johann Nestrvy. . bsjrLAnS-Ldesrer. ^nffeu-Telephon Nr. 8»£0, 18004 WaS Mädchen träumen. Beginn ilß Uhr Ende S, Uhr Jfpol50“theater. Mix;i Jweren», - Jvsef König Die Dame vom Zirkus und der neue Jcinnn-- LllriiltÄeil Beginn 1ii"! Uhr. Werrer Büröertbeate?. Streng rit. 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