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Wiener Morgenzeitung · 1920-01-04 · Heft 342 (4.1.1920) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 342 (4.1.1920)
Date
1920-01-04
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 A>ren, üüiimag f Sünsuev Morg-rAzetnrnM 4 Loü\S Man kann ruhig sagen, daß Graf Apponyi der bewußte Vorkämpfer jener Richtung lvar, die heute in Ungarn ihre Orgien feiert. Einem Interviewer hat Graf Apponyi" vor einigen Tagen die Mitteilung gemacht, daß er demnächst eine Art politischer Autobiographie herauszugeben gedenke. In diesern tim fangreichen Werre, Las in ungarischer und englischer Sprache erscheinen werde, sei er gegen jedermann, aber anch gegen sich selbst mit unerbittlich strengem Urteil vorgegangen: er werde bei den FriedenSverhandlungsn aus diesem Material schöpfen. Trifft dies zu,'so wird Graf Apponyi vor seinen Richtern sich an die Brust schlagen und gestehen müssen, daß seine Politik es war. die die Rationalitäten den Ungarn entfremdet hat, daß sein unruhiger politischer Kurs, der schließlich in der berüchtigten Schulverordnung, die er als Unterrichtsminister des KoalitionS-KabinettS erlassen, den Kulminationspunkt erreicht hatte, und sie in ihren zentrifugalen Bestrebungen bestärken.mußte. Ist eZ wahr, daß Graf Apponyi sich zu einem wahrhast gerechten Urteil, gegen andere und gegen sich aufgeschlvungen hat, dann wird er den Alliierten, die, wie es schei'nt, noch immer nicht das Wesen des nngurischeu Problems erfaßt haben, gestehen müssen, daß eine magyarische Oligarchie Jahrzehnte hindurch die Juden, wenn auch gegen gute Bezahlung, physisch, moralisch und kulturell mißbraucht und ausgcöeutet l>at, um sie schließlich für die eigenen Sünden verantwortlich zu machen Cr wird ihnen erzählen müssen, daß man die Juden erst m die verstecktesten Nationalitatengegenden als Magyansternngspioniere Vortrieb, sie dem Hasse der unterdrückten Rationen proisgab, um ihnen dann, als die Bahn für die Magyaren freigelegt war, durch die Errichtung christlicher Kons'nmgsnossenschaften und Schaffung jndenfeindlrcher Organisationen da? Leben in diesen Gegenden unmöglich zu machen. Diese christlichen Konsumgenossenschaften gingen wohl in der Regel zugrunde, die eingezahlten Gelder der kleinen Leute wurden dcfrcmdiert oder verschleudert, aber der Judenhaß hatte sich im kurzsichtigen Volke in der Provinz festgesressen. ist dem Inden vom Dorfe in die Stadt, von der Provinzstadt nach Budapest gefolgt. So kam eS, daß die Inden mit Zustimmung der Regierungen aus den Dörfern und kleineren Städten immer mehr verdrängt wurden und daß schon vor dem Krieg 90 Prozent aller ungarischen Juden, die ehemals zu den produktivsten Elementen des Landes zählten, in Budapest zusammengedrangt waren und dort ein wirtschaftlich unsicheres, man möchte fast sagen wirtsck)aftlich krankhaftes Leben zu führen gezwungen waren. Aber Graf Apponyi wird weder dies, noch vieles andere aus der Geschichte seines Landes Vorbringen, sondern wird, wie ein gewiegter Kalksburger, mit rednerischem Blendwerk zu wirken und nachzuweisen suchen, daß die Magyaren die gerechtesten und selbstlosesten Politiker sind, daß die Nationalitäten sich unbändig darnach sehnen, unter die Herrschaft der Stephanskrone zurückzukehren und daß an all dem Unglück, das über Ungarn und die ganze Welt hereingebrochcn ist, nur die Juden schuld seien, deren Justifizierung man ruhig den ritterlichen Magyaren überlassen möge. Vielleicht wird er auch durchblicken lassen, daß das ungarische Volk einen „ungerechten" Frieden nicht ruhig hinnehmen werde. Dann wird man ihm in Renilln wohl klarmachen, daß er sich nicht im alten dualistischen Wien befinde, wo man stets vor jedem magyarischen Bramarbas zusammen' geknickt ist. Jttdermusrvesfrrrr^en in I«§osla«;en. Zwolge von NachnclNen, die Komitee der Jüdischen Delc-ationerr bei drr F kdenkksrckerenz a»s sicherer Quelle aus. Jugoslawien echnst, geben dir drnügen Behörden in der letzten Zeit gegen eine gieß-Zahl von in Jugoslawien wotmhasien Juden, welche seit langm Jahren >m Lande ansässig sind, m t Ausweisungen vor. D.rsc Maßnahme ist eine flc.orante Verletzung des von Jngoslnv'kn unterferk!g!cn Ver!rage§. dessen Auikcl lfr, Kapitel 1, ausdrücklich besagt, daß die O^sierrächer, Ungcuy oder Bulgaren, die ihren Wohnsitz oder ihr Heimaisrecht zur Zeit des Jnkratitretens dcS Vertrages aus jngoslawi ckem Tnrüruinm baden oder dort geboren sind, als Staatszugehörige vul vollen Rechten ohne sonstige Formalitäten anplerstnncn seien. Unter den AuSgewielenen finden sich Fronen Md Grrise, Heren Söhne m der ümiec des neuen Staates dienen. Ans» wcisungövcr'ikgungen sind sogar an Juden adressiert worden, dir seit erl'chrn Jahren t o t sind. t Die Ansgewie'rnen befinden sich in einer außerordentlich schwierigen Lage, da sie stin Nachbarland Über seine Grenzen läßt. Diese brutale Maßregel bat e'ne wahre Panik bei den Juden Jugoslawiens hervor geursen. die sieh in ihrer Sicherheit bedroht suhlen und dies i.m so m -hr, als sie >m V rsiaum aus die l.bnalen Tradckvnrn Serbiens nieruals ähnliche Btbandlung durch den neuen Staat erwartet fa&zry Das Komitee der Jüdischen Trlk-z'ccheme«/ bei der FritdenS/ konfrrenz Hai, gestützt ans authentische Tc-tiacsien. der Delegation deS S. H. S.-SlaakeS bei dir Frreden9ko«f>.rtnj er» dreZbezügliches M t m orandn in ü&cvrckit und weiter« Schutt; bei pol'..rschtn Prrsönüchkc m d.'ser Rrchtung mucmoamitn* Bsifchrrvikischer KampfLkricht. MovÄa«, 8. Jänner. lFankspruch.) An der Rvrd' mrd an brr Zlftstiremt Ausisiiiungrgcfechte und Ge!chsi^e«er. An der Södsront wmdm 4t» rrn'g 4?» Werft lüdwefilrch von Berdstsche« dir Städtchen f k o w und I a n o w r r o b e r t Wi) Werst südlich von Ki?i» wurde 89 o l o d a r k a besetzt. Per. o-i-i* Mik»> * ^>» v OUZmissioN des PMZTN Sixtus Paris, 2. Jänner. (HavaL.) Die Blätter verösftntlkcheu auszugsweise Dokumente, die morgen tu der „O pinion" erschrinen werden und aus die geheime Mission des Prinzen Sixtus von Parma im Jahr» 1917 bei KaHsr Karl von L^peZreich Bezug haben nnd dis nur unvollstäudig bekannt waren. Die' Dokumente geben über euren wichtigen Punkt dar Geschichte des Krieges Nufschluß. . Prinz SixtuS, der Sei AuSbrrrch deS Krieges mit Hilfe Keifer Franz Jo fess Oesterreich verlassen lounls, nm in französische Dienste zu trrlon, verließ am?S. Jänner die belgische Front und begab sich mit seiiwm Bruder in die Sch>»r»z, einein Rufe seiner Mutter, der Herzogin von Parma, folgend, dir ihm den Wunsch des Kaisers Karl mitgewllt halbe, seine Schwager zu sehen, um fWfj mit ihnen direkt ftbsr den Frieden zu besprochen. Im Verlauft dieses Besuches bestätigte ein. Brief des Kaisers Karl den von ihm M seiner Ll-rsubesteiguns gelegten JriedenSwuns.h. Prinz Sixtuverlangt, mit einer Dertrauensperson des Kaisers in Verbindung gebracht zu werden, und teilt seiner Mutter mit, er sei der Ansicht, daß die grundlegende« Friedeusbedinzungen sein müßten: klsft>LethrrnD^r,s an Frankredchs, HerrmsgaSe DelgK«S »rck kocblens nntz shliestttch UebcrgaSe «bpelS r.« R«rßÄ>«tz. Am ly. Februar IS 17, morgen-, trifft er wieder in Paris ein, um am IS., akersds, wieder nach der >, Schweiz mi reisen, wo sich ihm am 13. Februar «in Gesandter der Kai'erS mit rin?« Briefe desselben v-orstellt. Der Gesaudw erklärt, daß inrrch die ersten Borschlitz« dalebhafte Interesse des Kaisers gews kt worden fti. 8r glaube, daß der Friede auf dieser Grundlage geschlossen werden könnte, und bitte den Prinzen eindringlich, tatkräftig dahin zu Wicken, uin den Frieden herbeiznsühre». Am *1. Februar stellt sich der tHesaudte mit mehreren Dokumenten wieder ein unb bittet den Prinzen Gixtus im Einverständnis nrit dem Grafen Ezernin, der von den Unterhandlungen in KevnNäS grstj-t worden war, n«h Wie« zu lvmmen. Am 8. März wird Prt»s E-xtuS &om tfat««chftmKM nud silerbringt zwei Akienstäcke, eine Note der Grafen Czevnin, dio als ung-nau, farblo) und zu diploinatifh bezeichnet wird, und zwei ,Rot:u d«4 Kaisers Karl, die als zureichend und deutlich erklärt werde«. Die Kote des Grafen Tzernin erklärt daS BkudniS mit Deutschlnnd für uriauflöSbar .und einen Geparatsri»den siir unmßzlich. Graf Czernin vevlaugt Garantien gesenäber Serbien und versichert nur^ das», Oesterreich keine Einwendung gegen einen Bcrzicht Deutschlands auf Elsaß- Oothriugen erhebe. Belgien müsse wiederhergestellt werden; die Kosten hierzu müZten alle Kriegführenden tragen. LftiwrS aber überreicht Prinz SixtuS eine persönliche Erkkäcunz deS Kaiser« Karl. Präsident Poincarä verlangt eine Abschrift derselben, die der Prinz verspricht. Dar dritte Punkt dieser gelftkLP, und persönlicher» Now, dsS Katars kautet: Wir werden Frankreich unterstützen und auf Deutschland nach Kräften einen D r u c! a u s ü b e n. Der vierte Punkt lautet: Wir haben die größten Sympathien für Belgien und wissen, daß ihm ein Unrecht widerfahren ist. $Sir sind Belgien eine Wiedergutnrachung deS entstandenen Schadens schuldig. Der fünfte Punkt lautet: Wir sind nicht in den Händen Druis.hlandZ und l>rben trotz des deutschen Druckes nicht mit Amerika gebrochen. Unser einzige- Zi«l ist, die^ Monarchie in ihren gegenwärtigen Grenzen zu erhalten. , Präsident PolncarS findet in dieser ge heimenRote eine Basis für Berhaudluugen und kündigt an, daß er sie Vriand, dem König von Englaicd und Lloyd George Mitteilen werde, aber er sieht ein Hindernis auf italienischer Seite. Er entwickelt vtnsehend Frankreichs Lage Italien gegenüber und fürchwt .sogar italienisch« Mitteilungen gegenüber Deutschland. Am 13. Mar; erfolgt cftre neue Zusammenkunft mit Poincars. Briand findet, daß die Note Tzerninnicht tu B«tr<ucht komme, daß aber der Komineutar de« Kaisers die Grundlage zu einem Meinungsaustausch enthalte. Der Prinz begibt sich neuerdings irr , die Schweiz, wo er zuerst t«n Vraftn Erde ly i trifft, der'von Kaiser Karl geschickt ist, und der eine« von Oesterreich anzunehnrenden Entwurf mit folgenden Punkten übergibt: Rückgabe Elsaß-Lothringens an Frankreich und Unterst ü p n n g F r a n l-r e i ch s, W. i e d e r h e r st e l l u n g u n d Entschädigung Belgiens, Wiederherstellung der Souveränität Serbienmit einem Zugang zum Meere, U n t e r k, a rr d l u n g mitNustla n d Üb c rK o n sta n tin o p eI in we lche rVezie hu ng Oesterreich seinen Verzicht aus sprich ^militärischer Waffenstillstand, Versprechen der Entente zu r H i l fe an Oesterreich, falls sich Deutschland mit Gewalt dem Abkommen entgegensetzen wolle. In den: Schreiben an den Kaiser drängt der Prinz daraus, baß dieser die Grundlagen der Note annehmen sollty» Auf dringliche Einladung deS Grafen Erdödy begeben sich dir Prinzen SixtuS und Lader nach Wien, wo am 28. März insgeheim eine Begegnung mit dem Kaiserpaar in Laxenburg stattfilidet. Kaiser Karl erklärt, daß in Deutschland dar Dogma vom Endsieg im* erschntterlich sei, daß er das llnmögiiche versuchen werde, Deutschland zu einem gerechten Frieden zu bewegen, daß er aber entschlossen sei, wenn dieser Versuch vergeblich bleibe, sich dem Wahnwitz deS Nachbarn nicht zrt opfern, sondern einen Separatfrieden zu schließen. Zur Anerkennung der Rechte FrnnlrrichS auf Elsaß-Lothringen ist der Kaiser bereit. Eine Antwort betreffs KonstanticropelS wird Vorbehalten, weil die russische Revolutisn begonnen hat. Der Lösung der polnischen Frage steht der Kaiser symp«1hisch gegenüber. In Serbien verlangt er nur die Rnterdrückunq geheimer Gesellschastett. Serbien solle eine entwicklung-reiche Zukunft gesichert werden. Rumänien segensiber soll der statugu« ante gelten. Kaiser Karl teilt schließlich mit. daß Bulgarien rn-geheim mit den Ententemächten verhandle. Italien gegen über ist er zu Konzessianen bereit und erbittet sich die Vermittlung Frankreich-, Enzlandr und Rußlands. In diesem Augenblick tritt Graf Czernin ein. Dir Verhandlungen werden eisig und hinterhiilii?,. Der Prinz verlangt eine genaue Präzisierung, die der Kaiser für don nächsten?lbend verspricht. Am Morgen deS 34. März erfolgt der Ve» jwä, deS Vrasen Ezermn. DciS Gespräch ist wiedirr hinteri Wlig. Am Abend überreicht Kaiser ein Schreiben mit I gencmon Festlegungen und dem Versprechen, die Italiener! nar-lärrfia »licht änzugrerfsn. Der Kaiser drückt in dem Schreiben seiwe Bewunderung für Frankreich aus und verspricht, die gerechten französischen Ansprüche hinsichtlich E i f a tz - L v t h i i n 01 h 8 unterstützen zu wollen. Rach der Rückkehr nach Paris am 81. März begibt sich Prinz SixtuS. nach dem Eltzfee, wo er d u r ch e i n e G e h e i mtür eingoführt wird^ Cambvn und der Abgeordnete Ribyck wohnen der Unterredung, bei. Der Prinz berichtet über feine Mission und seyte die Ansichten des Kaisers bezüglich eines rnsstsch-französisch-engNfchtösterreichischv» Bündnisses f auseinander. ' M- Am 6. April wird Prinz Sixtus von Cambon noch ein» rnal empfangen. Jngmifchen hatte Ri bot in Folkostone eine Zusammenkunft »nit Lloyd George, bei der er ihm von dem Schritte der Kaisers Mitteilung machte. Am 12. April findet eine Zusammenkunft zwischen Poincäre und dem Prinzen SixtuS statt, bei weicher diesem mitgeteilp wird, daß England dem Plane günstig gesinnt sei. Jedoch wird der Ansicht Ausdruck verliehen, dag die A vi fieru ng,JtallenS von der Angelegenheit nicht länger verzögert werden dürfe. Ribot unterstützt diese Auffassu,lg. Prinz Srxtus fürchte aber JndiSlretiouen seitens Italiens. Ribot und Lloyd George setzen sich mit Sonnino in Verbilldung, der die Gebietsallsprüche Italiens in vollem Umfailge aüfrechtcrhält. Da Deutschland seine Veröffentlichungen über die unerschütterliche Einigkeit zwischen Kaiser Wilhelm und Kaiser Karl vervielfacht« befürchtet Pvincare voy seiten deS letzteren t in Doppelspiel. Die Unterredungen zlvischen Prinz SixtuS, Canlbon und Lloyd George werden fortgesetzt. Im Verlaufe derselbcu schreibt SixtuS an Kaiser Karl und beschwört ihn, eiiwn Beweis zu liefern, daß er guten Willens ist. Am 28. April fährt Prinz SixtuS in die Schwelg zurück, wo er von Erdet hi im Zug erwartet wird. Letzterer reist »nit dem Schreiben des Pcilrzen nach Wien, von wo er a»n 24. Mai mit einer Nachricht zurückkchrt, die dazu angetan ist, die Welt in Stauilen zu versetzen. Der Kaiser dn'lckt dann die Versicherung aus, daß man sich über über« triebene italienische Forderungen nicht mehr zu beunruhigen brauche, da ein Abgesandter EadorriaS vor drei Wochen in Bern gewesen sei, um dem österreichischen Gesandten den Frieden anzubieten unter der Bedingung, daß daS italicilisch sprechende Trentino abgetreten werde. Weiterö hatten Depeschen vom 14. April anS Nom gemeldet, daß Cadorna die Möglichkeit einer österreichischen Offensive nicht ins Auge fasse, Rußland seine^rfeltS hatte Oesterreich den F r i e d e n a n g e b o t e n. Prinz Sixtus «teist neucrdiugS nach Wicn> w» er Sich überzeugt, daß der Kaiser entschlossen ist, seineft flan durchzulämpfen,-daß er aber Sicherungen verlange.. ras Czernin' spricht diesmal offtner. Er erklärt, daß dadrohende Auftreten des deutschen Haupt» uartierS^ ihn nichts eiiischüchtern könne und b<ij} er erhan d l u n g e n v'e r l äuge. Der Kaiser übergibt dem Prln',en neuerdings ein Handschreiben, in welchem der Abschluß de- Fri;de,lS gegen den 15. Juni in Aussicht geuummcit zu sein scheint. Der Bvief lautet folgendermaßen: Laxenburg, 9. Mai 1917. , Mein lieber SixtuS l Ich stelle mit Befriedigung ftst, baß England und. Frankreich meine Ansichten über bei» europäischen Frieden in deren rvesentiichen Grundlagen teilen, jedoch fetzen sie mir ihren Willen entgegen, einen Frieden nicht abe ruschließen, ohne daß Italien daran teilnimmt. Italien hat doch eben daS Ersuchen an mich gerichtet, einen Frieden a b zu sch l ie ße n. ES verftchtst auf alle seine unannehinbarcn Ansprüche, die auf eine Eroberung der slawischen Länder an der Adria auSgiirgen. ES reduziert seine Forderungen auf das Tirol italienischer Zunge. Ich habe die Prüfung dieses Verlangens verschoben, bis zu dem Zeitpunkte, wo Du nttr die Antwort Frankreichs und Englands über meine FriedenSanbahnung überbracht haben wirst. GrafErdelyl wird Dir meine Gesichtspunkte und die meiner Minister zur Kenntnis bringen und hinsichtlich der verschledeireu Punkte klarlegen. Das gute Eluvernehmen der Monarchien Englands und Frankreichs in einer so großen Zahl wesentlicher Punkte wird — davon bin ich überzeugt — die letzten Hindernisse aus dem Wege räumen, um zu einem ehrenvollen Frieden zu gelangen. Ich danke Dir für Deil»e Mitwirkung bei dem von mir unternommenen FriedenSanbot, das ich im Gesamtinteresse unserer Länder unternelnna. Dieser Krieg, wie Du es hier schon sagtest, legte Dir die Pflicht aus, Deinem Namen und der großen Vergangenheit des HnuseS treu zu bleiben, zuerst, indem Du auf dem Gchlachtselde Verwundete pflegtest und nachher für Frankreich mitkämpfte ft. Ich begreife Dein« Haltung, und obschsn ich durch Eceiguisse, für die ich in keiner Weise verantwortlich bin, von Dir -^trennt wurde, bleibt .meine Zuneigung zu Dir aufrecht. Ich behalte mir die, Möglichkeit vor, daß, fall- Du es wünschest, ein anderer Vermittler meine Denkart direkt und persönlich Frankreich uud England übermittelt. Ich bitte Dich zuck «chtzlß, an mein« lebhaft« und brüderliche Zuneigung rur » glauben. Eine beiliegende Rote deS Grafen Fzrrnin vn'-angt für denFall vonGrenzberichtigungen Garantien Hinsicht Kch der Unversehrtheit der Monarchie. Er versichert, daß, wenü diese Bedingungen von der Entente anerkannt worden^seien Ocster reich einen Sonderfrieden abschließen könne. Nach der Rückkehr aus Wien am 20. Mai hatte Prinz SixtuS mu P o i n c o r e und Ribot ein neue Zusammenkunft. Letztere» machte eine Einwendung bezüglich der FriedenSversuch« JtalirilS. Die Besprechungen zwischen dem Prinzen tzixtu- und Ribot wurden in sehr eindringlicher Weise geführt Ribot riet aber ab, mit Lloyd George darübe» zu sprechen, da dieser in seinen Entschließungen zu vov eilig sei. Prinz SixtuS antwortete: Ich muß aber eine Antwoft an Kaiser Karl mitbringen. Ribrt erwiderte: Gewiß, abe» er hat Weile. < Prinz SixtuS reiste dayn nach London, sprach a»n 88. Mai mit Lloyd George, mit dem er sich zum König begab unli eine Zusammenkunft der Staalsoberhäuptcr GroßbritannienL Frankreichs und JcalionS bvrkchlug. SixtuS fuhr sodann Paris. Da zerschlug sich ak ls s und da« kaiserlich« Schreiben vom 0. Mai blieb nnbeaulwortet. VIA.-*!IWMff

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