Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 342 (4.1.1920)
- Date
- 1920-01-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2979076-2979416-2979420--03011-2988593- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
tftepf««»!«?!«** Nr-r- SO Krll«- PeL««meratio»»- preise: »leer Zn« »bholen in d» «ptdition, L Beziri, Lab»». Kratz» 1 bl- 8, »der in einer Lerschleltzsielle <Trafik): Monatlich . . «rouen 12«~» «ierteljithrlich 86.- Mit Postvrr^and für Wim mch Monatlich .. Krone« 13«— Lichecho-Slowakei; Monatlich .. Üronvn V.— «ierteljührlich „ LV.- inischkcho-flovokischerWührnng Palm nnd Ungarn: Siovatlich . . Kronen 18.— «tfprrmmder Währung de» betrrümdm Lande» rrnrr GfnftltvrmpUtr: Drels 50 SMsi? Pvünumerattonspreise für Deutschland: Monatlich ... Mark 8»—- Frankreich: Monatlich - . . FrankS 8«— Italien: Monatlich . . . - Lire S*- Schwriz: Monatlich . . . Franks Ä»—; Redaktion n.Sldmknlftvatioa Wten>S.B«s.,Taborfir.L-L Tele-Hon« Lldminiftratioa 440**, Redaktion LAttv, ab 6 Uhr abeudS Str. 16L01 Postsparkassenkonto 129.688 n«AM,UMWiMTitfy9*> fe**"«OMIN Nr. 342 Wien, SonnLng, Len 4. Zrinner 1920 2. Jahrgang ^~Hl<ini»'TWTTf llli'f "'II i 'I Wie ein Frieden nicht zustande kam. —y. Wien, 4. Jänner. Im Frühjahr 1918, kurz nach Beginn der letzten deutschen Offensive gegen die Linie Verdun—Amiens, an der auch österreichisch-ungarische Artillerie teilnahm, erzählte Clemenceäu im französischen Kammeransschutz, der Kaiser Karl habe im vorangegangenen Jahre, wenige Monate nach seiner Thronbesteigung, Frankreich ein Friedensangebot gemacht. Er habe dem Prinzen Sixtus von. Parma einen für den Präsidenten Poincare bestimmten Brief geschrieben, in dem er die Berechtigung der französischen Ansprüche auf Elsaß-Lothringen anerkannte. Diese Mitteilung Clemenceaus war als Antwort, üüf die Rede des Grafen Czernin gedacht, der in der österreichischen Delegation gesagt hatte, daß „wir bei Triest für Straßburg" kämpfen. Die Enthüllung lvixkte wie. eine Sensation. Kaiser Karl nannte ClemeNceau in einem Telegramm an Kaiser Wilhelm einen Lügner. Clemenceau wurde grob und antwortete mit ' der Veröffentlichung des faksimilierten Briefes. Czernin, der damals gerade mit General Hoffmänn und Kühlmann an dem Bukarester Gewaltfrieden arbeitete, fuhr im Salonzug nach Wien zurück und gab seine Demission. Sein Nachfolger, Graf Burian, suchte den üblen Eindruck durch das Zugeständnis abzuschwächen, daß tatsächlich auf Ersuchen der französischen Negierung in der Schweiz zwischen dem Grafen Nevertera und Armand unverbindlich und ohne Erfolg über den Frieden ge° . ’ Nun erfahren wir aus Pariser Mitteilungen den Hergang dieser Affäre. Prinz Sixtus, der bei Kriegsausbruch mit Hilfe Kaiser Franz Josefs Oesterreich verlassen hatte, dessen Armee er als Offizier angehörte, ging - Mrst zur belgischen, dann zur französischen Armee über. Fm Jänner 1917 berief ihn die Schwiegermutter des Kaisers Karl in die Schweiz und übergab ihm die schriftliche Friedensbitte seines kaiserlichen Schwagers. Die Sache kam rasch in Gang und vom 8. März angefangen wurde sehr eingehend über den Frieden verhandelt. Oesterreich verlangte Rückendeckung gegen Deutschland und ließ sich sogar dazu herbei, die Abtretung Konstantinopels an Rußland zuzugestehen, was die Preisgabe des türkischen Bundesgenossen bedeutete. Im Mai trat Italien in den Kreis der Verhandlungen und bot spontan den Frieden für die Abtretung des italienischen Trentins an. Auch Rußland schloß sich der Friedensoffensive an. Ende Mai war alles wieder vorbei. So nahe also stand man am Frieden! Das Ausscheiden Oesterreichs wäre das natürliche Ende des Krieges gewesen, denn Deutschland hätte nicht mehr weiter schlagen können. Aber die Kreise Deutschlaiids, die damals auch über Oesterreich herrschten, wollten keinen Frieden. Sie hatten ja eben das Wilsonsche Friedensangebot sabotiert und die billige Forderung Englands nach einer offenen Erklärung über Belgien lachend abgelehnt. Innerlich wußten sie ja — wie man aus den Feststellungen des Untersuchungsausschusses erfahren hat — schon seit der ersten Marneschlacht, daß der Krieg nicht gewonnen werden konnte. Aber sie duldeten nicht einmal das Wort Frieden und ihre Presse ,'ibergoß jeden, der sich gegen eine Fortsetzung des Mordens wehrte, mit ihrer Jauche. Auf der Gegenseite wollte man den Frieden. DaZ beweist eben die Mission des Prinzen Sixtus, die leider scheiterte. Kaiser Karl hatte den guten Willen, aber er war zu schwach. Seine Macht stand nicht mehr fest, seine Minister nicht mehr Herren der Politik. Das Armee-Oberkommando, frech und übermütig durch die Siege, die es unter deutscher Führung errungen hatte, stand vor dem Tor zum Frieden. Oesterreich konnte fast unversehrt aus dein Krieg zurückkehren, Deutschland hätte einen feinen militärischen Erfolgen ehrenden Frieden erhalten. Aber die Militärkaste wollte nicht. Einen Liefen Einblick /hat man' schon nach dem jiingsten Notbuch,des Wiener Auswärtigen Amtes. in die Sudelküche der Diplomatie, tun können. WaS man aber jetzt aus den Pariser Publikationen' erfährt, muß jeden mit Entsetzen erfüllen. Was wäre wohl geschehen, wenn diese Verhandlungen offen vor aller Welt geführt worden wären! Die Völker Mitteleuropas hätten nicht geduldet, daß man nochmal» wie im Jahre 1914 in ge- , Heimen Zirkel!', über ihr Schicksal entscheide. Die Par- Der Krieg zwischen Japan ,, und SsWieLrAßland. Berlin, 3. Jänner. Das „8,Ahr-WLSld- MttLL" Meldet aus Genf r Die Pariser Ausgabe der „Chicago Lrrbrrrre" meidet ems Tokio: Des Kampf zwischen Le« Japaner« nnd Len WoSschewLLerr ist irr ganz DstsiLirien entbrannL. ZapLnifche Truppen haben die Volschswiks« am B a l k a 11 e c anssgriKen. WerfAche pr Hebung des KrmreR- Zmd Markkurses iN der'SchWeiz. Berlin, 3. Jänner. (Korr.-Vur.) Die B. Z. out Mittag" meldet aus Zürich: Die in Zürich zur Hebung d-eS Mark-, beziehungsweise des Kronenkurses gegründete Verwertungsstelle für ausländische Währungen berichtet über ihre Ziele: - " Die Markbesitzer m der Schweiz sind meist kleine Leute, die den größten Teil der Mark (doS gleiche gilt von der Krone) zu hohen Kursen gekauft haben und die bei jedem weiteren Sinken dieser Werte kopflos werden und zu jedem Preis verkaufen. Weit mehr durch die große Zahl dieser Verkäufer als durch die in ihren Händen befindlichen Beträge werden die Kurse tiefer nnd tiefer gedrückt. Es wird sich nun darum handeln, dieses Material vom Markte fernzuhalten nnd durch feste An» lägest zu binden. In welcher Weise ist nun diese Anlage rein geschäft- Unternehmeu fern MlWWwMMrMlautend, in beliebigen Beträgen, Nicht unter'1090 Mark oder 8000 Kronen ausgeben, und zwar 6 Monate festverzinslich mit 4,5 Prozent, 12 Monatefestverzinslich mit 5 Prozent und zwei Jahre festverzinslich mit 5,5 Prozent. Die Schuldbriefe sotten auf den Inhaber lautest und z« jeder Zeit verkäuflich mrd Lelehnbar sein. Als Deckung dienen ihnen sämtliche Aktiven der Vereinigung nebst dem eingezahlten Kapital, dessen Höhe nicht genannt wird. Die Bereinigung hat' die Zuversicht, durch KurZgewinne Dividenden und sonstige Einnahmen bis zum Zeitpunkt des Wiederverkaufes der Mark- oder Kronengelder einen Zins von durchschnittlich 5 Prozent zahlen zu können sowie eine Dividende, welche je nach den Umständen 4 bis 10 Prozent erreichen kann, bei völliger Sicherheit des Kapitals. Die Mark- und Kronenanlagen der Vereinigung sollen hauptsächlich in Aktien weltbekannter deutscher Ünternehmungeu gemacht werden. gestützt durch die Kraft der Nationen seines Reiches, den Frieden erzwingen und seinen Thron sichern können. Daß er sich der Geheimdiplomatie und ihren Methoden verschrieb, daher später von Deutschland zu schimpflicher Lüge gezwungen werden konnte,' hat seiner Autorität mehr geschadet als, eine verlorene Schlacht. Welche Rolle, spielt aber Graf Czernin in dieser ganzen muffigen Atmosphäre? Er wußte von. dem Schritt des Kaisers, er hatte selbst in einer Note den Sonderfrieden angeboten. Und trotzdem führt er jenes Demissionsschauspiel auf, das den Käfter, nach höfischer Terminologie den kaiserlichen Herrn, vor Oesterreich als armseligen Tropk. vor der übrigen Welt als feigen Lügner verschimpfierte! Gibt eS denn in diesen Kreisen keine Ehre? WaS immer an Not und, Kummer uns der Krieg gebracht hat, für. eines sollten wir dankbar sein: ftir die EnthWung der gebyrenen Diplomaten. BAdKPestk?. W i nt; l, Jauner. Morgen begibt sich die ungarische Friedensdelegation unter Führung des Grafen Albert Apponyi nach' dem französischen Städtchen Neuilly, um für das besiegte Ungarn den Richterspruch der Sieger entgegen?,!!- nehmen. Soll man den Erklärungen, und Versicherungen der ungarischen Regierungsmänner Glauben schenken, so muß gesagt werden, baß noch niemals eine Friedensdelegation mit so viel Hinterhältigkeit in die Friedens- Verhandlungen eingetreten ist, wie die imgarische,>und daß kein Bevollmächtigter eines Staates jemals einen Frieden so offenkundig mit der ‘:-rv; ''o m^ntaU.»., den Vertrag nicht einznhalten, geschlossen hat, wie eS Graf Apponyi namens der ungsri scheu Ration tun wird/ Seitdem die gogsnssärtigen Lenker dar Geschicke de8 flammte bätten sewwchM #Jf KMx Karl fflfa t unaariübsn pW WMMM m GswMM schreiten, seitdem das .„wiedererwachte Ungarns der letzte Rest einet verkrachten Gentry, sich' alle Mühe gibt, Ungarn gewaltsam aus de« Liste der zivilisierten Länder zu streichen,. wird in dem armen irregeleiteten ungarischen Volk der Wahn genährt, daß dieser neue Kurs nicht nur die Befreiung deS Landes vom jüdischen Einflnß, sondern auch ditz territoriale Integrität der alten Stephanskrone herbei^ führen werde. Erst jüngst hat die plötzlich christlich« national gewordene „Erdekes Ujsag" ihren Lesern mit magyarischer Phantasie eine Vision vorgegaukelt, wie Horthy spätestens im Jahre 1922 in Klausenburg ditz Revue über die ungarische Nationalarmee abhalten, wie Friedrich vor einem Danderium ungarischer Puszten-' reiter in Preßburg einziehen werde. Das ist wohl nicht die Stimmung, in der ein Volk gewillt ist, Frieden zu halten. Mit dermaßen aufgepeitschten Volksinstinkten schafft man einen dauernden Herd der Unruhe, einen unersättlichen Heißhunger nach immer neuen Kriegen, immer frischer Beute. Vorläufig reichen ja die Juden zur Stillung dieses künstlich gezüchteten Blutdurstes hin, auch die Massenhrnrichtungen von Kommunisten mögen eine Zeitlang die Forderungen der Volksmassen nach! Blutopfern befriedigen. Aber schließlich wird auch der? letzte Kommunist gehenkt oder eingekerkert, der letzte; unschuldige, kleine Jude um feine Existenz gebracht sein^ dann wird Ungarn der Schauplatz einer Revolution werden, die unter dem Deckmantel der Wiederherstellung der Stephanskrone einen Imperialismus zum Zieles haben wird, der seit Jahrzehnten der Traum, des unga-i rischen Adel» gewesen ist. , j. Eingeweihte, die die Vorgeschichte der weißen Gegen-!, revolution in Ungarn, kennen, wissen es, , daß all 'lpäs"f)i3 - jW iO-ÜWätn.'gescheheniE' programwgemE. nach dom großen Plane geschieht, der hier in Wien inj den letzten Wochen von dem Geheimbund der adelige« Emigranten aus Ungarn entworfen worden ist. Die Ein-i geweihten wissen, daß die Werbungen in die National armer, besonders wenn es sich um Offiziere handelt^ unter Zeremonien vor sich ging, die an die alten Vlrltbündnissß erinnern. Man weiß, daß jeder Offizier den Eid leisten muhte, nicht eher zu ruhen und selbst um den Preis seines Lebens dafür zu kämpfen, daß erstens die; Integrität deS alten Ungarn wiederhergestellt und zwei^ tens der letzte Jude aus dem ungarischen öffentlichenwirtschaftlichen und kulturellen Leben verschwunden sein wird. Die Mitglieder. dieser nationalen Liga mußten sich verpflichten, diese Ideen, auch im Aüslande zu pro-; pagieren und an der Aufrichtung einer christlichen Inter«' nationale mitznarbeiten, deren einziger Zweck es ist, die Welt von den demokratischen Ideen, deren Träger; die Juden aller Lander seien, zu befreien. . i In Ungarn hat sich also in der gegenwärtigen Regierung gewissermaßen eine Weltzentrale des Rückschritts) etabliert, von wo aus dauernd ein die Welt beunruhigen-; der Kampf gegen Fortschritt, Menschen- und Volksrechts geführt werden soll. Dieses Ungarn wird Graf Albert Apponyi jn Neuilly vertreten und für dieses Ungarn wird er bei; den Alliierten Nachsicht oder gar Gerechtigkeit zu wirken trachten. Graf Apponyi ist der letzte Europäer;, in jenem Kreise ungarischen Adels, der im christlich« nationalen Block die Auferstehung der Macht und der; Vorrechte jener Oligarchie erhofft, die den Krieg verschuldet, den Krieg verloren hat und schon heute einen neuen Krieg vorbereitet. Graf Apponyi ist zweifellos' der beredsamste Sprecher des alten ungarischen Parla«; ments gewesen» aber ebenso sicher ist eS, daß es Ungarn niemals einen unverläßlicheren Politiket, einen labileren politischn Charakter gegeben hat^ als den' Grafen Awert Apponyi. Aus der Jesuitenschule in Kalks--; bürg hervorgegängen, hat er zunächst in der Siebeiiunö'i.; sechziger-Partei versucht, zur Geltung zu kommen. Etz erwies sich bald als destruktives Element, das es weder mi$; dem Dualismü dem Liberalismus ehrlich meinte.^ Dem Dualismu'ultmpoitete er stets Schwierigkeiten und den Liberalismus.— m irvnittierte er durch feine klerikal-/ antisemitischen Bechen RcgieuSein katholischer Klerikalis-f mus, verschärft dHm« Schuss hohen Grad persönliche«! Eitelkeit, brachte ihnar, in persönlichen Gegen-! satz zum protestantisckniSe-A 93 ptifc der TiSza-Wekerle? MS er plötzlich in tix/*' 5 Z < ^mdvierziger-Pattei! hinüberschwenkte und 'dor^ ^ngen, unfruchtbaren Kmnps ftir die ungarische ArNl?esprache und das rotweiß-grüne Portepee führte, blieb er sich nur insofernetreu, daß er selbst in dieser politischen Gruppe, deren moralisch« Grundlage eben die achtnndvierziger demokratischen Grundsätze waren, nicht aushörie, seine