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Wiener Morgenzeitung · 1920-01-03 · Heft 341 (3.1.1920) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 341 (3.1.1920)
Date
1920-01-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Girrsetevom-Lav: Ureis &® Keller Pemrumeratto«»-' preise: Wien: Au« Swljole» dt der Expedition, L Bezirk, Taborftraße 1 bis S, oder in einer Verschleißstelle (Trafik): Monatlich . . Krone« 18.— Bierteljiihrltch ,< »«.- MitPostuersand fSrMe« und Oesterreich; Monatlich .. Krone« IS.— . Tichecho-Äowakei: Monatlich .. Kronen &— Vierteljährlich „ 87.- in tschechs-slüwakischer Währung. Pole« und Ungar«: Monatlich .. Kronen IS — Ä entsprechender Währung deS betreffenden Landes rrner Giry-lr»emprär? , Ureis S« §tüS Pranumerattynspreise fixe Deutschland: Monatlich . . . Mark S.- Frankreich: , Monatlich. . . FrankS 3,- Jtalien: . Monatlich . . . . Lire S.- Echwriz Monatlich. . Redaktion u. Slduiiuistratioi Wien,L.As7».,Daborstr^l-S Telephone: Administrativ« 4-403!*», Redaktion 43910 rt'ü 8 Uhr abendö Str. ISS« Postsparkassenkonto 150.691 Wwweim>»naiiww Nr. 341 Men, Samstag, den 3. Jänner 1920 2. Jahrgang Der Zndenfrieden. k'. W i e n, 3. Jänner. . Die hoffnungslose Gesellschaft der deutschen KriegshDr aller Grade und Schattierungen, die >dem Gedanken der Gewalt rettungslos verfallen sind, hat sich nunmehr, da ihre Lust an der Verhetzung sich nach beendetem Kriege ein frisches Objekt suchen mußte, eine neue Weise zurechtgelegt: An allem Elend, dgs Deutschland der Charte Friede gebracht, ist Las Versagen des' Hinterlandes schuld: der revolutionäre Geist ^der Zersetzung, der sich während des Krieges in Deutschland eingeschlichen, bat die Front von hinten zermürbt., .Man wird sich außerhalb des Bereiches solcher Geistesverfassung an den Kopf greifen und nicht fassen können, wie Menschen, die ernst genommen zu sein Wünschen, zu solchen Fehlurteilen kommen;, aber es nützt nichts, m stner Provinz Deutschlands — und . sie ist leider sehr ausgedehnt — ist und bleibt man.unbelehrbar , und unfähig, auch nur über die bloßen'Tatsachen ein richtiges Urteil zu gewinnen. Weil die Entwicklung der Dinge ' sich in einer verhaßten Richtung .entwickelt hat, vergewaltigt man die Tatsachen, um einen Sündenbock zu. finden und der lauernden Reaktion das bequeme Stichwort, zu geben: Das Schlagwort vom --Judenfrieden" wird mit quälender Monotonie von allen rechtsstehenden Parteien und ihrer Kresse abgeleiert. Gewaltfrieden und Judenfrieden wird immer wieder identifiziert und hurch. einen leicht-zu durchschauenden logischen Kniff dem ..zersetzenden jüdischen Einfluß" '- an- Deutschlands- Not die Schuld gegeben. Hier ist seelische Oede, das ganze. Innenleben ist seit Anbeginn von dem zu einem Popanz' verzerrten Staatsbegriff erfüllt, Hier herrschb ein Sinn, . der aMralisch, jenseits von,G.utund Böse stehend, p.öM rrnMmkehr - zu denken. Aber auch in ' den Tatsachen? völliges Fehlgreifen: umsonst, wird man jenerj begreiflich machen wollen, daß Deutschlands Untergang be- ' siegelte war, als der Ring der Feinde .sich schloß, umsonst. Nachweisen, , daß., die Einsichtigeren unter den Heer- ' führern schon. 1Ä.7 die Hoffnung auf. Sieg aufgegeben hatten,' urnsonst' auf die Opfer eines ausgebluteten Volkes Hinweisen, das seinen letzten Hmterlaudskrüppel dem zum menschenfressenden! Moloch gewordenen Vaterland rn den Nachen geworfen. hatte. Die. Dokumente s turmen sich zu Haufen und nun wird wieder ein & Aebermbericht vom Oktober 1918 bekanntem dern ein M sichtender General ausemandersetzt, daß die Zertrümmerung der deutschen Front-lediglich durch das -Uebergewrcht oes Feindes und die physische Erschöpfung, der »abgekämpften und verbrauchten" Mannschaften hervor- - gerufen ist. -Trotz allem aber werden Ludendorff.und seine Gesinnungsgenossen nicht aufhören, die Geschichte vom meuchlerischen „Dolchstoß" weiter zu verbreiten. Vor '.einigerHerr ist in der „Neuen Züricher Zeitung" anoedeutct worden, daß sich im September 1917-die Aussicht auf einen günstigen. Frieden bot, Berlin aber' auch von unverbindlichen Besprechungen nichts hören wollte. Und Max Harden hat jüngst in der „Zukunft" das Nähere erzählt: Ein bekannter englischer Politiker wurde . gebeten,'in neutralem Land mit einem deutschen Freunde unverbindliche Vorbesprechungen zu pflegen. . Deutschland sollte England nicht weiter zur maritimen Wett- . rüstung zwingen, auf „Dumping" verzichten, das heißt, mit dem England seit lange verstimmenden Mißbrauch brechen, im Ausland die Ware billiger ass in der Heimat' zu verkaufen, Methoden unlauterer Konkurrenz, die nur den Magnaten der 'Großindustrie zugutekamen und in England Haß gegen Deütschland weckten; Elsaß-Loth-. ringen sollte selbständig werden und nach angemessener Axist durch Volksabstimmung über seine Zukunft entjch'siden; Deutschland sollte durch Ueberseeland entschädigt werden, falls die Entscheidung zu seinen Ungünsten ausfiele; ' an Kriegskosten sollte nur Belgien entschädigt werden; dem Völkerbund sollten beide Mächtegruppen angehören. Wie man siehtein sehr anständiger Vorschlag,-günstiger.als die vierzehn Punkte und weit entftrni von dem „Siegfrieden", .an dem Muts,bland zu tragen hat. Aber Wilhelm lehnte scbroff ab: „Mein Haus hat. Preußen genracht, Preußen' hat Deutschland gemacht, und to\t Hehenzollern haben Elsaß- Lothringen dem-Reich erfochten. Mein'Haus Hohenzollern steht rrnd fällt mit km Reichsland; und fällt es, dann kommt eS schließlich auch nicht niehr darauf an. ob Deutschland aufrecht bleibt oder zugrunde geht." Po . nahm das Unheil seinen Lauf, zu Hekatomben . Ämten sich öte.Mta LndMMlL Tmm.w.he von. Sine KTue österrLichischeNoLenbank mit amerikanischem KapiLal. H a a g, 2. Jänner. Nach „New Times"' werden die BersiNZgLeu Staaten Oefterrerch einen Kredit tz.on 76 MiMonsn Dollar (ungefähr ISV, Milliarden ' Kronen) gewahren. Vieser Kredit soll Zur Errichtung einer-neuen Notenbank in Oesterreich verwendet werden. WiLssxr -zieht sich ins-Privat-:!ehen ZMÄLk. . Berlin,- 2. ^Jänner. Die „B^?stjche FMuüg"Meldet ans Kopenhagen r Dre.„TrMes" berichtet. aus N«w-Pvrlr, datzx Präsident Wilson sich völlig vom politische» Leben MrZckziehen wolle, wenn seine Präsidentschaft im März dieses Jahres Zu Ende gehe. Die Presse, erörtere eifrig'alle PräsidenLschafts- ZandidaLursn, Als Äsmokratischer Kandidat werde wiederum. Btyau genannt. Der üXKerikKNischs ÄMMdZA- '; Kredit ffe EuMM. - B e p l i n, 2. Jänner. Das „Berliner Tage-. LLa.Lt" berichtet arrs Basel-: Aus Wa.?hmgLou. 'wird gemeldetr-Das.Hmerikamschs National- Komitee -f^renrspärsthe FinanzieruRgen ist damit beschäftigt,-, ein A n L ei h e p r o f e k t 'WKMlld'esteUs- -.L M-LM-L.E «r-ünv^. .-ge^'> ^nszüaVhsiLen, ■< ist» . K r e d L-t s.' < die europirischen Länder zur- G r l e i ch t e v n tt g des sm eri-ka nisch eu Exporthandsls 'gewähren Zu können. Dem Komitee gehören unter anderen der gswesene Präsident Taft, William- M o r gast'' sowls - fünfzehn -weiters hsrvorrKäeude /Persönlichkeiten M. - Eduard Fileue, einer der.VireLtorsn der VmrÄeshaKdelskammer der VereinigLeu Staaten, hat einen Entwurf für eme grotze 'Anleihe zur. Gewährung von Krediten' an dis.europäischen Länder äusgearbsiLst und schlägt vor,--5-Nollar- AutsilscherÄe äuszugeden, um so eine weitgehende VeteiLigung an der Anleihe zu ermöglichen. Es ist auch eine große Propaganda geplant. Brest und Bukarest verrammelten jeden Weg zur Verständigung. > ' Die Revolution hat Deutschlands politische Fafsade einigermaßen übertüncht und die Menschen, die sich gleichgeblieben sind, werden nicht müde, die, Revolution anzuklagen, die nicht Ursache, sondern Folge ist, und, weil. die Revolution etliche jüdische Führer hatte, deren jüdische Nerven - und jüdisch-menschheitliches. Weltgefühl sich endlich gegen so viel Vergewaltigung des Menschentums aufbäumten, wird das Märchen vpm jüdischen Verrate einem politisch unreifen, weil der Freiheit ^und des Selbsturteils ungewohnten ' Volke immer wieder aufge». tischt. Die törichte Legende kchrt in allen Tonarten wieder und die Verhetzung geht so weit, daß in einem jüngst bekannt gewordenen Rundschreiben des Ersten , Staatsanwaltes von Berlin die Behörden auf die systematisch betriebene antisemitische Propaganda aufmerksam gemacht werden, „die geeignet ist und vielleicht auch den Zweck hat, in einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise verschiedene Klassen dev Bevölkerung zü Gewalttätigkeiten gegen einander öffentlich anzureizen". Das Rundschreiben stellt einige präzise-Fragen, um über die Art der Hetze ein Bild zu bekouimen. Dies alles ist natiirlich für Blätter von der Art der „Deutschen Tageszeitung" Grünh genug, gegen die Regierung los-! zuschlagen und ihr vorzuwerfen, daß sie Ausnahinebestunmungen fiir das Judentum durchsetzen soll. Nein, dieser Friede ist kein Jüdeufriede, ebenso wie der Krieg, kein Judenkrieg war. Geistige Simplizität,- die befriedigt ist, wenn sie die Erscheinungen der Geschichte durch irgendein Schlagwort erklären kann, hat je nachdem dem Imperialismus, Militarismus oder Kapitalisnlus die Schuld am Zusammenbruch von Europas "Wirtschaft und Kultur gegeben.' Aber wtr' Jlchen,. die wir uns iJiii der Lehre P.ov' der Mlresiheitdes menschlichen Willens nicht zu befreunden vermögen, der ' wohl durch die Realität beeinflußt und gebunden wird, aber doch frei , ist in seinen Entschließungen nach der * Seite des Guten und des Bösen, wissen, daß es nicht die Systeme allein sind, sondern die Menschen und ihre geistige Entwicklung, welche zu dem Debakel geführt haben. Zweitausend Jahre Christentum haben diese Selbstzerfleischung Europas'Nicht zu hindern vermocht, weil seine.Lehren verschüttet oder ins Gegenteil verkehrt wurden. Längst hat das Christentum aufgehört, ' eine revolutionäre Macht zu sein und aus einer Religion der Liebe und dem Glauben der Armen wurden Lehren entwi-ckelt. die sich als die stärksten Stützen der bestehenden - Ordnung erwiesen. Eine verhängnisvolle Dualität zerstörte alle Hoffnungen und während man alles-.Grotze ' und Sittliche auf den Himmel verwies, segneten die Priester der Kirche die Mordwerkzeuge ein. So konnte sich ein Menschentypus entfalten, der sich gutchristlich' dünkte und in semer Mentalität das nackte Heidentum verkörperte. Jener Typus, der im deutschen Durchschnittsbürger seine deutlichste Ausprägung gefunden hät. „Es war der Aberglaube unserer Bildungsschichten an Blut und Eisen, ihre unablässige Verhöhnung von Weltfrieden und Weltverständigung, was unvermeidlich zu einer solchen allmächtigen Verkörperung militärischer Diktatur sowie zu den entsprechenden grundfalschen Be- - rechnungen und damit eben zum völligen Zusammenbruch führen mußte." So urteilt Professor F. W. Förster, einer der wenigen wahren Christen Deutschlands. Aus solchem Christenkrieg, aus einer noch immer unveränderten '^Gemütsvqrfassung, die den Siegern wenig!. Gewähr für künftige Friedensabsichten bietet, konnte auch kein Judenfrrede entstehen. - Ein Judenfriede wäre einer zu nennen, , aus dessen -Satzungen ,allenthalben die . - Idee, absoluter Gerechtigkeft' und' wahrer Menschenver- -^ Lrüderung'^^ hervörleuchtete, jene- Idee, die dem jüdlscheN Genius eingeboren ist und in den Propheten ihren .leuchtendsten Ausdruck findet. . Deutschland hät seiner- . 'zeit einen Frieden^ haben können, der mit mehr Fug, ein Judenfriede zu nennen gewesen wäreeinen, der neben der auferlegten' Sühne für das Begangene kaum eine Ungerechtigkeit. enthalten hätte. Nun, da Gewaltgeist und Uebermut ihn verschmäht hat, ist es das Derkehrtßste von der Welt, über den Juöenfrieden zu zetern. Und das.Geschrei, das natürlich bei den Geistesverwandten in Oesterreich Nachahmung findet, entspringt einem Geiste der Unduldsamkeit, Unmenschlichkeit und Unvernunft, der die Zukunft des schwergeprüften deutschen Volkes von neuem bedroht. DeutschböhmLsche Absage an die ' AssiMilaLionsjnden. In ihrer Bedrängnis haben sich die deutschen, Parteien in der Tschecho-Slowakei zusammengeschlossen.. Radikale und liberale Gruppen haben sich in der deutschen Nation alp artet vereinigt. Auf dem kürzlich abgehaltenen Reichsparteitag hielt der Partei-- sefretär R v s e n L erg eine Rede über das - Berhältnis zu anderen Parteien, in welcher er. wie has Ostrauer . ,,Jüd. VolkZblatt" meldet, unter anderem ausführte: Die Judensrage war in den letzten Jahren immer: mehr zum „Blümchen Rühr-rnich-nicht-an" 'geworden. -- Es war allmählich eine völlig unklare Lage entstandet Dann kam der Krieg mit seinen Erscheinungen an der. - Front, 'in der Etappe und im.Hinterland. Wer^ nicht s an der Front war, kann nicht sagen, welche Erbitterrmg gegen das Judentum -laut und durch die Berichte der Urlaub er immer mehr verstärkt wurde. Es waren Mannschaft und Offiziere, welche in gleicher Weise die Forde-. rung ausgesprochen haben, dqß nach dem Kriege, mit dem Judentum'gründlich Abrechnung 'gehalten werden. müsse. Es bot deshalb eine große. Ueberraschung, als . wir nach dem Zusammenbruche zurückkamen und die, ersten Monate - um die Judensrage herumgegange« , wurde, wie die . Katze um den heißen Brei. Dir Juden- -- frage besteht aber und-! sie muh angegangen werdein^ Wir tvollen in dem Inden den freien Staatsbürger, aber niemals den deutschen Volksgenossen anerkennen. ' Wir lehnen jede politische, kulturelle und wirtschaftliche, Führung auch durch die. jüdische Presse entschieden ab. -Wir dulden nicht mehr, -daß das deutschböhmische Volt' von Juden gssführt wird. Wir haben nicht die'Herrschaft des Adels und des arischdeutschen Großkapitals! abgeschafft, um unter das Joch der Juden zu kommend Wir können nicht vergessen, daß es der Einfluß des/ Judentums gewesen ist, welcher schuld daran ist, daßs, eS zu diesem jämmerlichen Zusammenbruch ge komme« LL m ZuMr M M.

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