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Wiener Morgenzeitung · 1919-12-30 · Heft 337 (30.12.1919) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 337 (30.12.1919)
Date
1919-12-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
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fl cttftit}) ( äw vreis 40 K»«rr Prauumerattouspreiie: Vie«: Zu« Mtzoken fte tue Expedition. L. Bezirk, Taborira&t 1 bis 3, oder itt einer BerschleiWeLe (Trafik): Monatlich . . Krone» RS.— vierteljährlich .. »»- Mit Postversand kür Wien n«d Oesterreich: wouatltch .. Krone» IS.— Tichecho-Glowakei: Monatlich .. Krone» A — vierteljährlich „ SV.-!«tschecho.slowanschrrWlihrttNg - Polen m»d Ungarn: Monatlich .. Skronen RS.-— in entsprechender Währung d«S . betreffenden L«iveS lener sann Preis 40 geller PränumeraÜ»»»« preise für Deutschland: Monatlich . . . Mark S.- Frankreich: \ Monatlich. . . FrankS S.— Italic»: -x Monatlich . . . - Lire S^-i Monatlich^.^^rankS S.^ Redaktion «.Administration) Wten,S.Bez.,Taborstr.1-L Detephone;- Administration^ 44»:^, Redaktion 4SS10.I ab 6 Uhr abendS Rr. 1630ij Postsparkaffenkonto 150.6W Nr. 337 Wien, Dienstag» den 30. Dezember 1919 1. Jahrgang ORaMB*aa*M»OTi Wilson der Schuft *; st. Wien. 30. Dezrnlber,. Unser Staatsamt für Äeußeres hat drei rote Bändll>err herausgegeben, sie enthalten die dihlömätischen Aktenstücke zur Vorgeschichte des Weltkrieges. Sie -enthalten die Geschichte unserer Schande. Man soll ^diese Bücher in Hunderttausenden von Exemplaren verbreiten ,rrnd unsere Jugend zwingen/sie p lesen und wieder zu lesen. Die junge Generation soll schaudernd ernennen, in welche Abgründe Völker geraten/welche sich von schurkischen Lakaien führen lassen,-sie soll erfahren, welche Schreien .sich hinter'der Demägogenlügtz! verbergen- .sie W sich gegen ^iese Mge 'wapptjem. Vielleicht wird die Jugend, welche diese Bücher liest, aus ihnen lernendie- Kater verachten. Tut nichts, sie. muß sie lesen., : Im dritten Bändchen fiydet sich ein Schreiben'DU-,' sons an Kaiser Franz Josef. Der Minister Graf^Berch-- tolb übermittelt es in „tiefster Ehrfurcht" seinem' .-allergnädigsten Herrn" und schreibt -gleichzeitig: dem'AllergnadiMen untertänigst die Antwort vor. Wilson schreibt : . „An Seine kaiserliche und königliche. Apostolische 'Majestät Franz Josef I., Kaiser von Oesterreich, König yon Böhmen, - Apostolischen König von Ungarn usw. - > - -! Großer und guter. Freund.! . ' > Ul-samtlichesHaupt -einet' der^ Unterzeichneten' Mächte der/Konvention im ■; Haag empfinde ich cs als mein . Vorrecht und zugleich? als meine' Pflicht,; auf Grund des Artikels M dieser Konvention, Eurer . Majestät im . Geiste der . apfrichtitzsten' Freundschaft anheimzustellen, daß ichjede' Gelegenheit, im Inter-, esse des.?'?enMMsMn'.'.FtWW^cIEely'.zu.^ dürfen, "W^st«rde>,beWßen' wurde, >sei-es--jetzt oder zu ejner? anderen als geeigneter erachteten Zeit, uin-damit Ihrer - Majestät und anderen Beteiligten zü dienen, und zwar in 'einer Weise, die mich 'zu-. dauerndem/Danke veb- . pflichten und eine. Periode der Glückseligkeit* sinlW .: \ folge haben würde.?’ V ‘ : / i/' / ■ " - /Gez.) Woodrow W ill s o n - - Washington, Vereinigte Staaten von Amerika, " - am 4. August 1914. ' - Die- Zlntwort, welche Graf Berchtold dem Kaiser vorschreibt, und die auch pünktlich abgeht, lautet: . . - " „Seine Majestät danken dein Präsidenten für ' seine - ft!eundschästliche Message, die den friedlichen Empfindungen entspricht, die. auch Seine k. u, k. Majestät während dessen ganzer Negierungszeit geleitet " haben. Oesterreich-Ungarn wird im Verein mit-seinen Alliierten die amerikanische Vermittlung' injenem Moment gewiß mit Dankbarkeit annehmen, wo die Wffenahre es.erlauben und der unmittelbare Kriegsjj&tf erreicht sein wird." - -9 "" , Das erwählte Oberhaupt von hundert Millionen freier -Menschen, "der Regent des mächtigsten Reiches, bittet in demütiger Form, bermittelii zu dürfe;«. Flehentlich ist seine Gebärde und sein Wort ist naiv, liebevoll. 1 Wilson der Schuft, der Geschäftemacher, der profitgierigo Nutznießer des Völkerscküachtens!?Mantz beachte das Datum! Noch waren keine Kanonen 'und Konservenge- - Liefert. Amerika bittet -stürmisch, den Krieg nicht - zu beginnen, es bittet also, die Chancen seinetz großen Geschäftes zunichte zu machen. Und doch tönte von allen deutschen Kathedern und Kanzeln, tönt noch das Lied . von der geldgierigen, blutsaugerischen Spinne überin großen Wassel, 'von Wilson, dem Häuptling der niedrigen Schächer. \? Di? Worte Wilsons drangen nicht« gleich zum alten Kaiser in Schönbrunn. Der allmächtige Lakai Berchtold fing " sie auf. Der Außenminister, von'dem vorher niemand etwas wußte. - Ein Nichts, von dem bei semS Amtsantritt gerade bekannt war, daß es sechshundert Anzüge hat und zwanzig gute Rennpferde laufen läßt, Mitglied der allerhöchsten Jagdgesellschaft, ist. Wie er zum Amte kam," ist unergründlich. Vielleicht hat dke besoffene Jagdgesellschaft'nach scharfem-Frühstück den Posten ausgewürfelt. Der übermütige Wichterhält das Schreiben des Präsidenten mnd beschließtvielleicht unter dem Gewieher seiner Kumpane, dem, Oberplebejer der hnndert .Millionen Plebejer eine Lektion zu erteilen. Vorerst soll er nicht einmal der direkten.Anrede getvürdigt werden, 'Mit dem Eishmich der Rede in dritter Person lvird der zudringliche Schulfuchs nngeblasen. In der Hofkünzlei .-liegen Formulare,' deren man sich 'Leün-.-ÄntwortU bedient, wem« die Tapezierergenossenschaft und die Pfeifeu- .Schneider zum allerhöchstes Äebürtßtag gratulieren. Gerade recht für de«« eingeüild'ctcr« Krämerbengel in Waibmaton. Dann nock...einen Aeb.ewu^ hochfendäley Witzes, sporenklirkender Satire. „Wo die Waffenehre es erlauben und der unmittelbare Kriegszweck erreicht sein wird!" Bis Völker, abgeschlachtet und niedergetrampelt seist, bis wir in. des Weges' Glorie thronen werden, dann magst du wieder inal Nachfragen, - schäbiger Friedestshausierer! So wird's' beschlossen und so geschieht's. Der alte Kaiser mag wäs immer? gewesen sein-' er hat aber nie. zu. rohem Schlachterivitz geneigt und rauflustig und kriegshurstig war er nie. Der freche Mbermut des' Kammerdieners - war - stärker als? sein müdes Alter sind 'im Dämmerzustand, hat er genickt. Oh, übei: die historische Gerechtigkeit! .Ein Reich mußte - zerfallen,' Millionen mußten ustter-' unsäglichen Martern - sterben. Wilson hat - sich krünk'.gekämpft, -um ein Ideal, den. Völkerbund,. Dr leidet die ' entsetzlichen Qualen dessen-, derdie Rettung. zum Greifen nahe sieht und-abgedrängt wird, weil das Gisp der Mattigkeit seine Glieder lähmt/ Aber Berchtold lebt und ist'gesund.'Seine Wieder; faulen nicht am Schmdastger, er streckt und räkelt .sie auf Schweizer Hotelterrassen, Eine Welt stirbt in Schmutz: und Schmerzen, aber der bestangezogene und .Hestberittene L-ümp Europas blinzelt frech in'die Älpensonne und hcrdet wohlig im würzigen Atem der Bergseen.' Man muß. diese Geschichte in alle Winde schreien, unsere Jugend , muß sie Hören, dämit sie " sich ' schütze vor-der Herrschaft der Schurkenim Lakaiemock. Dex amerikKuische- Kredit für . - - - - Em'opa. - BerLiü, 29. Dezember. Äre. dis „Deutsche ,.ÄÜ.jgetÄpr«^AeWÄg"mer-.e^. Wird sich nach . "Ms"-LyasWrMsn' dgü Eirropa - zu gbrÄkrhüsudeu KredttM be^ 'schMgch, Äis W auf My MLMoneu'ÄoÄar. PMüfeu. Htch^Äpu seien 3V0 Mlliynen Dollar ^'zür MüterMtzüng. Ältt'tele'urypLs.LeftiMHUtL "Wegen vre Masserchrnrichtrmgerr irr 'Budapest. SowieLrußlcmd kündigt Gegenmaßregelu an. .^ Moskau, 29. Dezember. ' (Fankspruch.) Der Pollsronnfiissär iür oÜswärtlgr .Angelegenheilcn. Tschi t s cheri tt» . hat ober Dcuisch-Altcnberg an die ungarische Regie«ung folgenden Funkipruch gerichtet: W«r verlangen aufs' t it L s ch i e d e n st e unter Androhung der schärfsten G e g emin a ß r e g e l und aller durch die Lage gebotenen Schritte die i ch.t auZ f ü h r u n.g der über Otto K o rv in verhängten Todesstrafe. (Korvin nmrbe bekanntlich am Montag hlngerichtet.>- Em italienischer Pxytest ffsgen die Mastsnhmrichtnngerr . -? i« 33iil»npeft. > Wie«» 29. Dezember. Die Vertreter der Gemeinden ' Mai l an d, B olo.gn aund R eggiv E mi li a, der Provinz B o -lv-g u a sowie der Äibeirerörganisalionen R av e« n a s, welche gestern 600 Wiener Kinder nach Italien geleiteten, haben, vor ihrer Abreisefolgendes Protesttelegramm an Admiral H o r t f h,, den Ministerprändenteu H u S z a r, an den Bürgermelster von ,B u d äp e st und an die italienische Mission in B u d a p e st abgcsandt. Die Gefertigten, welche nach ^Wien kamen, um eine Tatver menschlichen Solidarität zu vollbringen rmd Hunderte von Wiener Kindern -nach Italien zu geleiten, sind sicher, daß sie die Gejühle und Gedankxn des italienischen. Volkes zum-Ausdruck bringen, indem sie die sosortige Einstellung der Hlnrichstmgen und Verfolgungen des ungarischen Proletariates fordern. CSemeneearr über seine ÄvndoAer Ver- - ' / . '-hand^nngen-'. Die Or'lLutfvagerr. — Finanzielles. — Das Schicksal ÖstgaLiziens. — StacheLvraht M«r Rutzlanv. — Die innere Politika Paris, 24. Dezember. ^Verspätet eingelangt am 29. Dezeniber.) Aus den« ausführlichen Bericht über die Rede, die Climen e o au . in Beaitllportnng - der Interpellation Kachln in der K«rmmer gehalten hat, ist -noch solgetldes hervorzuhebcn: - . - Bezüglich:- Lev Londoner Reife fuhrie. Clemenceau aus, er -habe.sie auf H-ondere Einladung Lloyd Georges nniernotnmen, um die ' - ' Orten fragen z» Lesprech en,. in denen keine Einigung möglich schien^ Heute aber sei gerade das Gegenteil der Fall. Die Eistigung scheirre ganz sicher. Die Gruildlinien des ersten Uebereinbommens seien, schon feftgestellt und Lord Curzon und Bert Helot seien damit betraut, dir einzelne» Wunkstr SbfcM guszuh-tWev. Clemencecm führte weiter aus, daß in Lorchyn auD flnanzielle Fragen berührt ' .! : worden seien, und er könne versichern, daß auch' hier eütitz Einigung näher sei als je. Schwierig zu behandeln! sei die F i-u m a n e r F r a g e gewesen. Clemeneeau hofft/ daß die Lösung ln kurzer Zeit noch geftrnden^wsrde. ^7'.^'-;-«• Äeber OstgaNzie» ' sagte Clemeneeau, er habe dem Nachfolger PaderewskiH in Paris, dem polnischen Delegierten Pa Le k, bas sprechen'gegeben, die ostgalizische Frage noch einmal vor die Könsereuz in Behandlung zu ziehen. Er- Hab« dies auch in .London durch gesetzt. Ein neuer Text betresseud Ostgalizien sei der Konferenz vorgelegt bon ihr angenommen-worden. ' : ,; In diesem "Augenblick unterbrach B'a r th'o u dÄ Rede Clemenceaus und sagte: Eine Sorge beschäftiA uns vor allem: Es ist unmöglich, baß in London > ' «Ws Wer Rußland gesprochenwurde. Clemeneeau erwiderte: Wir werden mit Sowietregierung k e i u e n F r i e d e n schließen mit ihr nicht verhandeln.! ' Deputierter Da re nee ruft: Also sind' wir Sowietrußland im Kriege? - Clemeneeau erklärte hierauf, daß Frank ebenso wie England die Kosten einer weiteren aktive Kriegführung gegen Sowietrußland nicht tragen, könnt manhabe, sich daher geeinigt, Sowietrußtand, wie. El menceau es genannt habe, , > Mit einem Stachckdvrcht einzNzSuu««. Wfr Wlsen„das bolschetvikische Rußland verhindern,. Gif- HrVpä" zu ' sturzerr'7 Ein Maßen,' MWfW ' M Blut, Mnne die angeblichen Machthaber des russischen Volkes und die französische Republik. Man habe also! rings um Sowietrußland' einen Stacheldraht gespannt müsse .aber acht geben, daß Deutschland nicht hindurM schlüpfe. - Die Polen müßten die Wache gegen btu Bolschewismus beziehen. Die polnische Armee zähst: ungefähr eine halbe Million Mann. Die Tschecho-Slowaken verfügen über 150.000 wohlausgerüstete Soldaten und dann.^rechne Clemeneeau auf Rümäni«^ mit dem Man nach einigen Schwierigkeiten zu einen, vertrauensvollen Uebereinkommen gelangt sei. Schließlich bleiben dje Jugoslawen, deren Zwietracht mtt Italien eine Brandfackel für Europa bedeutet hätte, ab« glücklicherweise befänden sich die Italiener-und die Jugoslawen auf dem Wege der Verständigung. Nitti hege des Wunsch, sich mit den Serben zu vertragen. ./i Was die innere Politik anlange, bedürfe tS vor allem der Ordnung und Methode. Als Clemeneeau die Regierung übernommen habe,- sei in der Partei Cachins das Wort gefallen, er bedeute eine Gefahr fsir die nationale Verteidigung. Ebensowenig.aber, er? klärte Clemeneeau, wie er ein« Gefahr für die natis^ nale Verteidigung bedeutet habe, bedeute, er jetzt, eine Gefahr für die Arbeiterklasse. Die neuen Verfaffungsgesetze in der Tschrcho-Slowakei. Brürm, 29. Dezember. Die „Lidovö Novknh" bringt eirte kurze Inhaltsangabe der Verfassungsgesetze, die von bc4 Regierung demnächst der Nationalversammlung vorgelegh werden sollen. Darnach besteht die Verfassung vor' aller^ aus folgenden Teilen: Wahlordnung für Parlament und Senat, Zusammen^ setzung und Jurisdiktion des Senates und Errichtung ba? Gau- und Bezirksämter, Sprachengesetz und die sogenannt^ Verfassnngsurkunde.! i Zum Schutze der Verfassung wird er«. Wahlgerich^ «nL ein Berfassungsgericht errichtet. .s Der tschecho-slowakische Staat proklamiert sich altz dernokratische Republik, mit einem vom Parlament und vo«ü Senat gewählten Präsidenten'an der Spitze. Die legislativ^ nnd administrative Tätigkeit der. Landtage wird aufhören^ Der Präsident der Republik hat das Recht, beide Kamine«^ aufzulösen. Er und die Mitglieder der Regierung könnerü mit Dreiviertel-Majorität. der Stimmen des Abgeordneten^ Hauses in den Anklagezustand, verseht werden. Der Präsident ka«m ein von der Nationalversammlung beschlossenes Gesetzt zurückweisen. Falls aber beide Kamrnern. mit Zweidritteln Mehrheit auf ihrem Beschlüsse bestehen, muß die Berlaut-i barung des Gesetzes erfolgen. Während der Dauer der?! Auflösung der Kammer, wie in der Zeit vom Ahlarrf dev? Wahlperiode bis zu den Neüwat)len werde«« unaufschiebbarst Maßnaym' «, mch wenn sonst ein Gesetz hierzu erforderlich sm sificm. Uchtzehngliedrigen AMchrch duWgesühr^

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