Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 336 (29.12.1919)
- Date
- 1919-12-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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V«ei« »O Stüit Pranumerattouspreise: Uteur Zum SNchole« kt der Gxtzrditiou, 2. Bezirk, Taborstrotze. 1 bis 3, oder ln einer ■ Bersihleißstclle (Trafik): Monatlich . . Kronen LS.— VterteljÄ-rlich „ S«.- Mit Poftversand kür Wim und Oesterreich: Monatlich ., Kronen 13.—. Lichecho-Slowakei: Monatlich .. Krönen O.-t BierteliäbrUch .. SV.- «tschrcho-slotvakischerWabelMg Polen und Ungarn: Monatlich. . Ltzrouen 13.— in entsprechender Währung deS - betreffenden Landes — Ureis SVÄWellee Pranrrmeüations« preise fLv - Deutschland: Monatlich . . . Matt 5.^ KraukreiK r" ' . Dlonatlich. . . JranlS 3.- . Italien: i Monatlich . . . . Are 3.^ SchweN: . Monatlich. .;■■>. Franks Redaktion u. Ad»»l«iftrattoi Wicn,S.Bez.»Tabi>rstr.1-S Telephone: Ädntinistratio« 44ft»st. Redaktion 43313 ab «UhrabeüdSRr.l«3yl Poftsparkassenkottto ILVM Nr. 336 Wien, Montag, den 38. Dezember 1919 1. Jahrgang Der Budapests« Putsch. —7. Wien, 29. Dezember. Alles, was gestern, aus Budapest gemeldet wurde,! bestätigt die Ansicht, daß es sich um eine bis zur Lächerlichkeit aufgebauschte Kleinigkeit handelt. Schält man aus dem Wust von Nachrichten, mit welchen die Wiener Friedrich-Presse aufwartet, den tatsächlichen Kern heraus, so ergibt! sich nur, daß ein gewisser Ladislaus S z a m u eich und zwei Brüder F e l m a r unter dem Verdacht verhaftet.wurden, daß sie den Kommunisten K o rw i n ° K l e i n aus dem Gefängnis entführen wollten». Alles andere, Dolch, Revolver, Giftspritze, Handgranaken sind Erfindungen gefälliger Polizistengehirne. . Die sozialistische Partei Ungarns spielt eine sonderbare Rolle. Sie steht im Koaliüonsverhältnis zu Horch y-Huszar und ist in der Regierung durch P e y e r übertreten. Sie schweigt zu den. täglichen Attentaten der Regierung auf hie primitivsten bürgerlichen Rechte, sieht den nächtlichen Verhaftungen der Kommunisten schweigend zu und weiß, kein Wort siber die Kecskemeter Massenmorde zu sagen.. Man Lat das Gebäude der «Nepszavä" zerstört und Peyer vleibt in der Regierung. Jetzt nimmt die Polizei bei der sozialistischen Partei / Hausdurchsuchungen vor und — die Partei protestiert dagegen, mit dem Attentatsplan, in Verbindung-gebracht zu werden. Sie ist! lammfromm und erklärt, daß sie nur mit gesetzlichen Mitteln agitiere. Diese Part ei ist auf dem besten -Weg zum gcisligen Anschluß an die Wiener Eoziald emokrüLen. die den "Mens ch e it r a u b durch .Mrthy-SpitzÄ ntM-.-'Äuld.EiunV.:-in...'-ex/ «Arbeiter-- Zeitung" gegen sie protestiert, und die wenn We „Rote Fahne" richtig meldet — sogar die A u.sli ef erun g tuf f if ch e rKriegsg efan gener ln Wi en an D eni Kin-O ff izi e r e ungestört vor sich gehen -läßt. .. - / Die Untersuchungder Budapestör Affenkomödie Regt in den Händen des Staatsanwaltes- T u r c z a n y i. Die gestrigen Meldungen wissen zu erzählen, daß der geistige Urheber der. Sache der Graf Michael Karolyi sein soll. Diesem verrückten Aristokraten wäre so was allerdings zuzumuten. Aber er ist gar nicht in.Ungarn --- wenn wir nicht irren, befindet er sich in Präg" — . und hat keine Möglichkeit, mit Budapest zu Verkehren. Da die ungarische Friedensdelegation unter Führung des Grafen. Ap p onyi, eines der langwelligsten Schwätzer ganz Europas am 5. Jänner nach Paris abgeht, wird es wohl bald .mitder. ganzen Herschwörerfabel still werden. Denn in Paris hat man' sür solche Dinge wenig Verständnis. Gx-Kaiser Wilhelm arbeitet an einer Verteidigungsschrift. Berlin, 29. Dezember. Die „Vossische AsiLung" meldet ans Paris r Der „MaLin" bringt hsyte einen Artikel über W'rlbelm H. Seit der Veröffentlichung des KauLsktz-Dnches, schreibt das Blatt, habe Wilhelm mit der Äedigierung seiner Verteidigung, die er zweifellos dem König von England vorlsgen wolle, begönnen. Auch der Kronprinz stehe ans der Liste der auszu- 7 liefernden Personen, und zwar werde er wegen Plünderung, wegen Mordes und Diebstahls angeLlagt. Mitzglürktes Attentat auf den Vize- König von Irland. Dublin, 28. Dezember. (Reuter.) Heute morgens ist ein Angriff auf die. Wohnung des Vize- Königs unternommen worden. Ein Offizier, der Wache wurde getötet/ ebenso einer der zwölf Angreifer. Vier Personen, die der Teilnahme an dem Angriff verdächtig sind, wurden in Haft genommen. Das Qamm des Armen. Im Jerusalemer «Doar Hajom" ricbtet M.^Sckernkin den foloenden offenen Brief an die „arabischen Nachbarn": ' Mögen uns unsere. Feinde nunmehr nach Hetzenslust zu nuterdrucken- und zu'!berauben.trachten, aber ckerp, Wub und keine Geivalttat vermag uns jemals-sine Schatze.zu nehmen, ÄH iwü'! in unserem ttallonalm. SchrisUum besitzen. Eine, dieser Perlen ist wohl die Botschaft des Propheten Nathan. an König David und -, das durch seinen tiefen Sinn Und dle Schönheit seines Stils mtsgezeichnete Gleichnis: In ein« Stadtlebten zwei Männer, ein reicher »nd ein armer. Der Reiche hatte Schafe und Rinder in großer Menge Der Arme aber hatte gar nichts, außer einem kleinen Lamm, das er gekauft hatte: und er ernährte es und es'wuchs auf mit ihm und mit seinen Kindern zusammen. V.on fernem Dr'oteaß cs und aus seinem Becher trank es und in seinem Schoße schlief es- und es war ihm wie eine Tochter. Da kam ein Wanderer..zu dem reichen«Manne; dom tat es leid, von seinen eigenen Schafen und von seinen Rindern eines zu nchmen/um es zuzurichten für den . Gast, der zu chm gekommen; er nahm das Lamm des armen Mannes und richtete es zu für seinen Gast. Da erglühte der Zorn Davids über den Many gar heftig und er sprach zu Nathan. So wahr der Ewige lebt/ der Mann ist des Todes schuldig, der dies tut! Und das Lamm soll er vierfach bezahlen. Daiür, daß erliefe-Sache getan und weil « nicht mitleidig war. Da sprack Nathan zu David: „Du bist der Mann ..." / - „Du bist der Mann!" so ipüßle heute ein Prophet unserer'' arabischen Nachbarn und Stammverwandten zürufen, .die'sich deä Aufbau unseres jüdischennationalen Heimes im Lände unsere Väter, dem Lande unserer Liebe seit unzähligen Geschlechtern e«fc' gegenstcllen.! ’ Diese unsere Verwandten hahen glücklich ihre Befreiung un! Selbständigkeit wiederei langt. Ihr Land — das schone,-gliicklichi Arabien — ist ihnen als Besitztum znrückgcgeben. .Dre Bodenstachi. ihres Landes bietet zehn Millionen Menschen reichlich Raum zr freier Lebenscntfaliung und da gcgmwartig bloß der. fünfte £etr iicicr Seelenzahl im Lande lebt, gibt cs da noch Platz für viell Millionen Araber, die ms Land kommen, sich da ansudeln uni tzte Erträgnisse des Landes Einbringen und genießen möchten Mit aufrichtiger Freude haben pur die' Nachricht vüu der Be< freiung der Araber ausgenommen, aus vollem Herzen sandten w'n ihnen mit unseren brüderlchen Grüßen die Versicherung, daß wü gute, treue Nachbarschaft halten wollen und bereit seien, an de»» wirtschaftlichen und geistigen Aufblühen des arabischen Staatemitzuhclsen, w'.e es unsere Väter seinerzeit in den-Ländern'de? Kalifen getan haben. ■ Auch für Mesopotamien ist die Zeit der Freiheit,- de« materiellen und geistigen Entwicklung gekommen. Auch dort ckelü eine arabi'che Siedlung von fast zwei Millionen Seelen aus;einer Flache, die in absehbarer Zeit geeignet sein wird^).chp dreißiß Millionen Menschen zu ernähren. Auch diesem arabischen Lands winkt eine fruchtbare, glänzende Zukunft und auch diesem entboter Wir unsere freundschaftlichen, aus ehrlichem -Herzen stammende, Brudrrgrüße. - ' V - Auch die Syrer, zählen sich' zu den arabischen Moslems. Ihre. Zahl beläuft sich auf rund drei 93111110nett. <tltf' eilten«! Gebiete, daS geeignet wäre, das drei- und vierfache, ihder i heutigen Seelenzährzmi erhalten. ' Ihr' Land ist fetl und.. ' fruchtbar, reich an" 'Wassergüellen uüd Schätzen, die noch! -.verborgen im Schoße der Erde der Erschließung harren. .Dort ist ein weites Gebiet für energievolle Tätigßdit, durch die unzählige Generationen .hindurch Hrmderttauseriden von Arbeitern und geistig---Schaffenden Reichtum, Glüch und geistige. Befriedigung gesichert werden könnte: ' ' > . Eng verknüpft tvar die Seele unserer Naüchr mit - einem ansehnlichen Teile Syriens, der laut den Versicherungen btzr Heiligen Schrift mit einbezdgen war in die Grenzen bet nationalen Mission, die den Vorvätern der Nation über« tragen worden war. Libanon und Hermon sind umworben wie mit einem f8lütenhan$ ' bet schönsten Lieder' unseres , Volkes, dem Hohelied und den Psaltern. Gleich Tabor und ' Karmel sind diese ewigen Berge den Gefühlen jedes Judmr nahe. Aram-Zoba und Aram-Damesek waren wiederholt innerhalb der Grenzen des Volkes Israel, lange bevor ein Araber seinen Fuß aufsie setzte. König Salomo erbaute die Stabt Tadmur in der Wüste hinter Damaskus auf dem.Wege, der Sieges-ReML irr Paris. ,, , In „La Bainotte" entwarf Mister , .. Grinche kürzlich dieses Stimmungsbild: .. . I. S zen-e. Im. Vordergrund eine Tribüne, aus der ein schwitzender Minister eure Rede hält. Choristinnen tanzen einen Reigen .um ihn. Ausder Ferste' kommen die Klänge eines Leierkasteus, der best Gassenhauer ,Mabelon" spielt. Minister (mit großen Gesten' und suHtelnden Dänden): „Was nrüsfen wfr tun, um das durch fünf Kriegsjahve erschöpfte Land wieder - aiffzurichten, um die Produktion zu steigern, die wiederum die teuren Preise mildern soll, unsire. Wunden heilest wird, unsere Pninest beseitiKsn kattn. Momüsset afbetien, apbeitett, jarbeiten!" / si Ehov'; ' "j ' y «■ ( - „Und so.drehen,wir.ünS iist KeeiZ'herii:.;. ' Immer nach der alten Weise, ., ' \ \ ’ Freuen uns des lauten Dideldum.' ' ) Wir sind jung, nöch^ keinemGrdise!"^ - . Minister (mit Pathos und -Begeistent i»A „Die - Regierung, meine Herren und Damen, wird afle Maßnahmen treffen, um das Äert''chev..mationälestlM;Mr>' geburt unterstützen zu können. Wirwerdensivoch. größer^ Feste feiern * dürfen, als sie - uits bisher sieschicben waren .. ." . -. . ''.V .; Thor: . * . " „Und so drehen tvir'uns' uu herniri ' . ‘ v lt«b. wir freuen uns des Dideldum 'Minister (mit Tränen in den Augen und Welt schtnrrz (in der Stimme): „Bürger! Das Morgenrot einer -neuen Zeft. glänzt verheisinngsvoll. Hoffen wir jans diese bessere Zukunft! — Die Berichte des Acker- Jn den zerstörten Gebieten haben schon dieses Jahr Brennessel und. Löwenzahn geblüht. Reines, kristallklares Qttellwasser rieselt in den Gängen der Bergwerke, putzige Feldhasen springen über die Eisenbahnschienen, kein Ungetüm einer Lokomotive stört mehr ihr Spiel.. Die Schweine steigen im Preis, ergo werben sie wertvoller und vermehren den Reichtum des Landes. Unsere sportliebende Jugend haben wir in die liitalischen Steppen, in.die serbischen Sümpfe, in die Ebenen Ungarns geschickt. Welches Land sorgt noch so für Heu Heldenmut seiner Söhne? — Der Frank, unsere nationale Münze, kursiert in der ganzen Welt-; um ihm neue Absatzgebiete zu eröffnen, haben wir seinen Preis zu Reklamezwecken auf 45 Centimes ermäßigt. — Kürzlich hat ein.hervorragender Vertreter, unserer Landwirtschaft gesprochen und gesagt: das Schaf, sieht gut aus; das Geflügel vermehrt sich und die Ochsen werden immer fetter. Also geht es uns schlecht? Es/lebe die Repubsik!" . (Der Redner wird gefeiert und beglückwünscht. Mit ftöhlichem „Dideldum"-Gesang trägt ihn der Chor in die>Kulisse. . Auf . der Bühne bleibt ein dichterisch ^veranlagter Arbeiter zurück, der also grübelt:)^ „Wenn mur die liebe Sonne lacht -— —! Dann wird die Aehre blond und schwer, -Der Pfirsich reift in roter Pracht, Kartoffeln werden mehr und mehr . Und alles liegt, in ihrer Macht. Wozu" noch Arbeit: ich -bitte sehr?" i (Cr geht höhnisch grinsend ab.) II. Szena. Eist Mattn kommt mit seinem Eselwageu gefahren. Ist diesem Wagen sind Mengen von Butter,. Eiern, - Diese kommen aus allen Kulissen heraus, fallen von den Soffiten, ebre dicke Hausfrau kriecht aus. dem Souffleurkasten. ' Die Kun b-t n: „Verkaufen Sie das? Nirr schnell Der Preis ist uns Nebensache.^- . ., Der Händler: „Frische Eier, meLne.Herr^ schäften (garantiert von vorgestern), sechs Franks das. Dutzend! Sechs Franks haben wir gesagt; wer spricht?" Ein eleganter Herr: .„SechsfünMg!" . - -. Eine Dame mit Reiherhutr „Sieben!1 Ein Gastwirt: „Ncun!" . ' . . .(Eß beginnt ein-lustiges Lizitieven. Schließlich' erwirbt her entzückte Gastwirt die Eier, das Dutzends zu .128 Franks.) ' V Gastwirt: Mn großartiges Geschäft!. Ich kaon eine Eierspeise-zu fünfzig Franks, verkaufen ". (Reibt sich die Hände.) ' , Ein Zweifler: „Wer wird das bezahlen?^. Gastwirt: „Wer? S ie, alle und schließlich' Mein Eierhändler!" -l~ (Nach den Eiern wird Butjer verkauft: M FranU. bas Viertelpsund.' Dann Spinat: 15 Sous für das Blatt- Dann. Kartoffeln: 2 Franks per Stück. Schließ lich. ist der Wagen des Händlers leer-).-. - s! Di e K u n d e n: ./Verkaufen Sie uns Herr'.; Händler!" / 1 ' : | Dev Händler: „Um Ihnetp,eine Freude :zu! machen: ich habe leere Kartoffelsäcke, zerbrochen« Cier^! schalen, einige ^Papierdüten. Wer kauft?; Vollständiger' i Ausverkauf!"; ' :: —- " Die Kunde«. .Hundert Frank»t Fünfhundert! Tausend!" - . - (Der Händler verkauft sogar d«S Stroh a«S fitmrit Wag^n. Dann kommt seine Frau mit einem neufK voller WWÄifltev.. M MMtz iM MM. WLkMMMMWM MLMichM. M fciÄ Ml mkm