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Wiener Morgenzeitung · 1919-12-24 · Heft 332 (24.12.1919) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 332 (24.12.1919)
Date
1919-12-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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I (VlMfTtft §t&tr frStttttctaUottt* preise r WIe»r 8m» «btzrien in llev edittsn, L vettrk, Tabor. Be ' 1 bi- 3, oder in einer _ «ttschleiSstelle «Trafik): Monattich .. Krone« 1*.- WertrrjShrttch .. at».- Mit Vastversanb für Wim und w Oesterreich: MMttrilich .. Krone« 18.— Tichecho-Slowakei: Monatlich .. Krone« 0.~ «iertekiStzr«ch „ S7- G» Ische cho.stdwaNscher Währung V-' Poken an» Ungarn: Monatlich .. Krone« 13.- M entftzrechender LSSHrnng der - ' Sttrefirnden Landes feu' ae 91«. 332 rener Wien, Mittwoch» den 24. Dezember 1S19 Mirxel-pempkarr Arrks ^LO Helle, Pränumerations» preise für Deutschland: . Monatlich . . . Marl LU isronkreich: , Monatlich . . Franl» 8>4 , Italien: Monatlich .... Sire 8*-*i Monatlich Schweiz: . - Kr an« «U Redaktion». Sldministratiofi Wten.».Be;.,Taborstr.1-S Telephone: Administration »4« rx. Redaktion 4»»l« ad « Uhr adendS Nr. 10301 ipostsparkafsenkonto 160. 1. Jahrgang Volschewikische Staatsbürger? Mischen Glaubens. ' m. W i e n, Si. Dezember. . V Zu >alre» Ländern und zu Men Zeiten haben sich Wische Assimilänten gefundenhie ihrem schwer um sinne Freiheit ringenden Volk-Himtückisch-..iir den Rücken fiele« und jeglichen Versuch her'Huden, sich dieSelbst- Hstimmung zu erringen, bei heu Machthabern als hochverräterisch denunzieren: Wir erleben jetzt eine Neuauflage dieser Tvagödve in Sywietrnßland. Bereits vor eitriger Zeit mußten wir berichten, daß dort diejüdisch- «ytionale Bewegung mehr und mehr mit behördlichen Hhilanen zu kämpfen .hat.' AnMstützt von jüdischen Mfimilanien^ besser gesagt: hauptsächlich «ruf. deren Bestechen ist die Regierung dazÜ übergegLngen, rnsbee Müdere, den zionistischen Bestiehungen, Schulgründungen tztsw),'die denkbar größten SMÄxigkeitsnVin-'chey^Weg zu! legen.. Etz hat ein Kleinkrieg eingesetzt, in-welchem sich'die Zionisten , nach besME'Ätäften wehrten,' und Mtz Mer Schikanen ist es ihnM bisher gelungen,, sich zü/behaupten:. Nvch im Iult: IZchä -vermochten sie bei W 'Sowietregierung die Veröffintlichung eine's Erlasses ßn-tzrwirken, in welchem unter Hiüweis.darauf, daß',^)iü. Muistifche Organisation duLch?chMleinziges.''Dekred der Svtvietregierung als kontrarevölNtipnar erklärte wdrden W, - angeordnet wurde, der'!gen«ümten -Partei ^w ären Äne Hindernisse.in.de« Weg. zw Men. : Aber i.er.- jüdische Ao.Umissar.. in Moskau, Dimansteiu,. einer der Hyupt- Wper inr. Kampfe , gegen den Ziovischus, arbeitete nach wie; -vor unermüdlich darauf, hinden Zionismus, bei MMegierung verdächtig zu mMen^' Pie Geschichte des «eU' V'olchs zeigt,-h-aß. deMtige Pepjuche, und^n^nw maiP ohne Erfolg üleihen.. Wenn man.'einsr.imperchl^ Mchtzn LEegiexung-'gegenüber'die'-AuheU'ALnge genug des Bolschewismus verdächtigt, so wlrw haS - schließlich, genau -D 'geglaubt, als -wenn man eiHr ^b-olschewikischen Re- Hiepurtg -gegenüber. . d ie Jud e n M'Träger der Ge'gentztzvpZution - hihnunzierL.' .Da^ Rezept, Nach.. tpelch em - z u verfahreü ist, ist primitivgenug/ Und während^ heute in Polen jede jüdischuativnale Regung als bosschewikisch ünchrhrückt wird, werden--dieselbN'.'^Wrsh^.ngen im-!benachharten, Sowietrpßland als.itn^riallstisch und anti- ' holsHswikisch verfglgt,- Das Hauptverdienst hieran. .gebührt! dem -erwähnter Dimanstein,- welcher/ am. 12/ Sep- Müder d. I. in der. offiziellen - Regierungszeitung ' ^Prawdu" einen Aufsatz veröffentlichte, dessen Aeber- - Mrift lautete: „Die jüdischen Imperialisten." Dieser Mufsrß, chefseuMschÄnen-,!MßeD'HuMdn/'errSg!s,-- stellt M zionistische Bsweguutz- "gewMrmaßen- M' eine''Art MÜLMg da!r, der' Miglich von den imperialistischen PntLntestaaten! gestützt werde-, Hyb 'welcher mit -WaffentzewÄtder eingeborenen Bepölkernng - PalästinH eine AMchh/rrscha-st aufoktvohieren wolle. Zwei Täge Mch .Neck' Erscheinen des Artikels,wurbew.sLttiWchelich^.trogsrad anwesenden Mitglieder des! zionistischen - Z-üntral-' lomitees verhaftet, -um von dev ./.AußerordentlichenMont''/ rüifsron zur Bekämpfung der - Konterrevolution" 'verhört > ürrö. abgcurteilt - zu' werden. Glücklicherweise'- gelywg / eS damals rech 'zeitig, bei der^Moskauern Reg'.erung'S,chritte' zw ' ünternehme-n, die zur Freilasfung der VcrhgHten . /-sühEen. Gewannnran schon.hieraus'den ^Lindruch, daß die-'Sowietregierung alSsolche dem Zionismus gegenüber gar nicht so -versolgüngsw'ütig ist, sondern daß' - Mdiglich die unermM'ch's'Wharbeit des jüdischen 'Köm- ' MssarS und - seiner assimilatorischen Gefolgschaft' die -ganzen Verfolgungen Hervorruft, so wird -dieser ^Hiudruch durch die neuerliche' antizionistische Aktion - M Bolschewiken, über welche wir-im gestrigen Mörgew- .?.l.Hatt berichtettzn, nur noch bestärkt. DNxch einen Funk- ' sprüch wurde an alle Juden.der Erde ein.Aufruf erlassen, sich nicht der. zionistischen -Partei-anzuschlietzen. . Dieser - Aufruf, dessen Inhalt ziemlich weitgehend mit hem erwähnten Aufsatz von Dimnnstein imher „Prawda" Ühereürstimmt, dürfte auf. den. gleichen Verfasser zurückzusü-hren sein und in der Tat wird er auch, nicht von her Sowietregierung, sondern vom „Kommissariat für i'fraelitischmatiönale Angelegenheiten^ unterzeichnetl das . heißt' also von Dimanstein, und außerdem hat sich ^er Hauptverband der jüdischen Kommunisten der Aktion vngeschlossen. Diese Feststellung ist von großer Bedeutung. Es handelt sich nicht um eine Regierungsäktion, -sondern wir erleben wieder einmal das traurige Schauspiel, daß Juden die" jüdische Bewegung in den jewrili- Ländern als vaterlandsfeindlich denunzieren und sich die denkbar größte Mühe geben, die von Natur uu8 viellcichvorhauoene Loyalität der Richijuden der iübischen Bewegung gegenüber zu Mtergroben. Der Oesterreich erhält keine Kohle aus der Tschecho-Slowakei. Die Prager VerhandlA" ergebAislss Pra 23. Dezember. *4 ch die heutigen D espre chungen der E Ls enbahn> und o h lenfach le ute führten zu keinem für Oesterreich brauchbaren Ergebnis, da die tschechische Eisenbahnbertvaltung erkiSrte, unter deu gegenwärtigen BerhLltniffen, insbesondere im Hinblick auf die eigene Berlrshrsnot, beim besten Willen antzergewShnliche Verkehrsmaßnahmen zng tt n ft e n O e st e r r e i ch s n i ch t t r e ff e n zu können. Die Kohlensektion des tschechischen Arbeitsminifteriums war ebenfaAs nicht in der Lage, die österreichischen Wünsche nach a u gen b l ick l i ch e r A u sh i l f e zu erfüllen. Das einzige, was erzielt werden konnte, ist hie vorläufige weitere Anerkennung des am 31. Dezember ablanfenden Kohlenvsrtragss. Die nachmittägige Fortsetznng der gestrigen Besprechungen in der f v a n z ösi f chen G ef an d tsch aft konnte daher trotz eifriger VemÜhungen des den Vorsitz führenden ftanzöfischen Gesandten zn keinem greifbaren Ergebnis führe«. Die Wiener Vertreter find heute a bg er e ist, am während der Feiertage eine neue Grundlage für tecStere B erh an d ln«gen zu finden. Die AnSwvrL der EnLente au DeuLschlauD. Paris, 23. Dezember. (Funksyr.) Die Vertreter der fünf Mächte haben gestern abends nnter dem Vorsitz Clem eneeaus die Antwortnote an die deutsche Regiernng ferLiggsstellt. Die Minister Locheur und Leygnes und Generalsekretär Dutasta waren der Beratung zugezogsn worden. Die Antwortnote hat einen f e h r e n t s ch i e d e n e n T o v. Deutschland müsse seinen guten Willen zeigen nnd das Protokoll vom 1. November Auterfchreiben, wonach Deutschland sich verpflichte, 40V.0VÜ Tonnen Hasenmaterial als Ersatz für die in Seapaflow zerstörte Flotte abznliefern. Sollte durch die Nachforschungen der Entente erwiesen werde», daß, wie die deutschen Sachverständigen behaupten, das verlangte Material mit dem in den deutschen Häfen tatsächlich vorhandenen nicht Lbereinstrmme, so werde diesem AmstanÄ seinerzeit Nechnnng getragen werden. — Diese Note wurde hrate morgens durch Dutasta mit einem Kommentar der deutschen Delegation; überreicht. liermrg ist falsch'. Die zionistische Organisation hah in. ihrem all/inigen Bestreben, Palästina für das jüdbi ' sche,Volk zu erhalten, mit denjenigen Mächten zu vev< handeln, in deren Händen das Schicksal des Landes liegt. Bisher war immer nur die Rede davon, bast der. Völkerbund selbst die Souveränität über PaläHi stina.ausüben sollte. Mer selbst wenn Palästmä eine englische Provinz wird, so kann man auch dann noch keinerlei Rückschlüsse auf die Einstellung desj' Zionismus „dem Sozialismus gegenüber ziehen. Der Zionismus ist nicht ein sozialer, sondern ein nationaler Begriff. Den sozialen Fragen gegenüber veri hält er sich genau so wie den geistig-religiösen gegen-j über neutral. Er will das ganze.Volk vertreten unb| das Volk besteht sowohl aus Kapitalisten wie aus-Sozialisten. Wenn aus der Tatsache der freundschaftlichen Beziehungen, welche zwischen der zionistischen Organs sation und England bestehen, noch keineswegs gefob« gert-werden darf, daß der Zionismus imperialistisch sei, so kann es aus dem, was der Zionismus praktisch , in . Palästina beabsichtigt, noch viel weniger getan we» den. In dem Moskauer Funkspruch ist die Rede ba|»o«J daß jüdische Millionen in Kteinasien gegen das Selb (ft bestirmuunasrecht des türkischen Volkes kämpften. Bei darf das einer Widerlegung, bedarf es erst eines Hin-j weises darauf, daß dpr Zionismus überhaupt nichtÄ anderes ist, als ein Kampf für das Selbstbestimmung^! »echt des jüdischen Volkes und überhaupt nicht ein Kampf gegen etwas außer etwa gegen die Ässi^ milation? Die weitere Behauptung aber, daß die doxß ansässigen Araber ausgewiesen werden sollen, ist so! sehr aus der Luft gegriffen, daß^nicht einmal diel Araber selbst in ihren häufigen Veröffentlichungen-gegen den Zionismus sich -dieses Argumentes bedienen. Auch -Wv' -zeig^>fich»wiedMLM,. daß Wische Denunziante« stets, ersindungsveicher sind -als die ärgste« Mntisemijav Die judenreine ungarische Friedens« delegatton. . Em offiziöses Budapester Commumque gibt eine genamz Liste der Mitglieder der Friedensdelcgation bekannt, .welche be-«! rufen fein wird, in Paris die Friedensverhandlungen zu'i führen. In der eigentlichen Friedensdelegation, das heißt unters denjenigen Mitgliedern, die, fei es als direkte Beratung^ terlnehmer oder als Sachverständige, auf den . Gang detz Friedensverhandlungen einen Einfluß werden üben können,^ ist kein einziger Jude. Selbst in der Gruppe der JournaUsteNbefindet sich nur ein einziger Jude, Max Brody. Diese Juden-i reinheit der Friedensdelegation wird in Paris um so peinlicherj! "aufsallen müssen, als die- Regierung bei der ZusammensetzuliAj der Sachverständigengruppe peinlichst darauf bedacht war, daH in derselben sämtliche m Betracht kommenden Nationaltätech nnd. nationalen Siedlungen, wie die Szekler, Siebenbürgen! Ungarn, Sachsen, Slowaken, Nuthenen, Ungarn im südlichen!! Grenzgebiet, Schwaben aus dem südlichen Grenzgebiet, Serben,^ westungarische Deutsche, ja sogar die Wenden eine Vertretung! finden, andererseits auch die in Ungarn anerkannten Kulte.! durch ihre Vertreter in Paris ihre Wünsche Vorbringen können.-^. Es reisen mit der Delegation Delegierte der katholischen, detz. reformierten und der evangelischen Kirche A. B., nur. die Juden sind die einzigen, die bei den. wichtigen Verhandlungen' Zentr-alverein 'deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens erklärt, daZ der .Zionismus ünvereinbar sei-mit dein na!ion-.iken Deutschtums Die österreichische israelitische „Union" behauptet dasselbe für.Oesterreich und in Rußland, wo die nationale Phrase nicht mehr zieht, erklären die bolschewikischen Staatsbürger jüdischen Glaubens den Zionismus als konterrevolutionär. Der Typus ist überall der gleiche. Nur die Argumente -wechseln.. Und das ist das Wesentliche daran: denn es erweist, daß die .Argumente gekünstelt und daß allein der jüdisch-denunzia!arische Haß geg-m das nationale Judentum die Triebfeder all dieser Aktione«. ist. So demaskiert, sich auch dieser heimtückische Angriff lediglich als assimila o ischer Racheakt. Me'zn wir ihn parieren wollen, so gehört das .eigentlich mehr in unseren Kampf gegen die Assimilation und bedeutet keineswegs für uns die Notwendigkeit zu einer neuerlichen prinzipiellen Auseinandersetzung mit dem Bolschewismus an sich. Aber da die falschen Urteile, die' zoü als wirksame Argumente gegen den Zionisnnrs ' betriebsam verbreitet werden, in weiten Kreisen verführerisch wirken, sei hier noch kurz auf' die Sache selbst eingegangen. Der Zionismus, wird behauptet, sei heute cin Bundesgenosse Englands, und da Eug- 'land im Orient eine ausgesprochen imperialistische Politik betreibe, sei auch der Zionismus nur ein Justrument dieses. Imperialismus. Aber schon diese Forniu» in Paris weder als . Nationalität noch als Konfession zu Worte kommen dürfen. . j Gewiß sind auch die als Vertreter der oben angeführten Nationalitäten Mitgenommenen nicht die wirklichen, bevollmächtigten Vertreter ihres Volkes, sondern als von detz Friedrich-Horthy-Huszar-Zlegierung geeichte Sachverständ-ge. als Kronzeugen und Helfershelfer für die in Ungarn inaugurierte chauvinistische Politik zugelassen worden. Sollte etz wirklich Schamgefühl fein, was die ungarische Regierung davon abgehalten hat, auch nicht einen Vertreietz^der Judenschaft nach Paris mitzunehmen, oder hat sich in Ungarn kein Jude gefunden, der nach den schrecklichen Tagen der Befreiung Ungarns durch die Navonalarmee den traurigen Mut gehabt hätte, dieser Negierung vor dem Forum der Entente die Mauer zu machen? Noch haben die Judenverfolgungen und Plünderungen jüdischer Geschäfte auf dem flachen Lande in Ungarn nicht aufgehört, noch immer werden der wachgcrufenen Raub- und Mordgicr der unzufriedenen magyarischen Bevölkerung die Juden als billige Beute hingcworfen und das. ist es eben, waS vo^ Europa verheimlicht werden soll. . Die ungarische Regierung hat ihre ganze ZuknnftSpolitik auf die Jttdcnfrage, .oder, wie sie es. in negativem Sinne daritcllt, aus die Durchselrnng der christlichen Msral in Ungar« eingestellt. Für diese Pc>litik will die ungarische Neuerung die Sanktion erhalten, politische, rernloriale und wictschafiliche. Vorteile erringen, ohne oder dem »uö dem künfilgan ösfint-

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