Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 331 (23.12.1919)
- Date
- 1919-12-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Giryele*e«Pt«»r Prels 40 H«ll«r Pränumeration««?«c!fe? Dien: Zum Abholer» m ne Ervedütou.U.Tabar- -raße I-7S, oder m riner verschleißstelle (Trafik): WonatliS, Kr. 12.- DievteljLhr.»» 3S.— MtPoflversanbfür Wien " und. Oesterreich: MonaUich Kr. 13.— . DscheKö-Slowakei: Kdnajttch Kr. S - Bierteljeiyr. »»2?.— intscherh.-llow«Wahrrng Nr. 331 rener V«k» Prannmerattonapreise f. d. Ausland, Pblen »md Ungarn: Monatlich Kr. 13.-«. m entsprechender _ Währung des betreffend« Landes. Deutschland: Monatlich Mk. Frankreich: , Monatlich FrkS.3.-e Italien: Monatlich Lire - Schweiz^ Monatlich Frks.2.-^ Wien» Dienstag» den 23. Dezember ISIS 1. Jahrgang Internationale Lösung der Valutakrise. .; —y, Wie ». TS. Dezember. < »Kerr Dr. Renner Rat mit seinem-Appell an die Dresse, wie überhaupt mit seiner ganzen Darstellung der Wariser Verhandlungen wenig Glück gehabt. Er hat keine gute Presse. Es zeigt sich überall das Bestreben. Las»von ihm in Paris Erzielte zu: bagatellisieren, und prav halt es hem Staatskanzler insbesondere vor,, daß seine Verbeugung vor Clemenceaü zu tief ausgefallen ist. Mtte der Staatskanzler sein Lob über den französischen Maatsmann nicht ausgesprochen, so wäre ihm dies von derselben Presse als unpolitisch angekreidet worden, die ihm heute Würdelosigkeit vorwirst. Die österreichische Delegation hatin Hans — .wie wir meinen — alles. prreicht, was sie erreichen konnte. unh es gebührt ihr «ur Dank und Anerkennung für. hie Strapazen der Reise Md für ihre patriotische Bereitwilligkeit, den schweren, Dang nach Canossa anzutreten..!! Vor der ReparationSkommisston Haben "die öfter« ^eichischen: Delegierten erklärt,? sie könnten, nicht mit ijeeren Händen nach Wien zurückkehren und Hatten ihre Demission > angeboten. Es ist ungewöhnliche daß eine Wgierung in der Hauptstadt eines fremden Staates vor einer Körperschaft ihrer Besieger . vom Rücktritt spricht. Aber diese Ungewöhnlichkeit ist eben durch die Situation Oesterreichs begründet.- Die Reparations- Lömmisston und der französische Ministerpräsident haben 4p«h die Schwierigkeiten anerkannt und der österreichischen Vertretung das gewährt, was die Entente irn Augenblick überhaupt gewähren kann. Die Entente hat Mit Hilferufen aus aller Welt zu tun. „Ueberall sollen Ws helfen", hat vor einigen ' Tagen Lloyd George im BMWM ist HoW- W Oesterteich»- Wir können Er ohne dkmerika mchl helfen!" . '? :/■ Das Kriegsekend ist wie^einHftiger Sumpft'Äer Hnmer weiter greift, ein Land nach dem andern erfaßt -» ' und alles Leben vernichtet,. Eine - Diskussion darüber, wen die Schuld an diesem UnglW trifft,, erscheint/jetzt unfruchtbar und führt nur zu neuer Erbitterung. Die -ganze Welt müßte sich vereinigen,^um, wenn auch nicht die'heutige, so doch die kommende Generation am. Leben M erhalten und ihr so viel Kraft izu geben,.daß.sie die ihr als verfluchtes Erbteil zufüllenden. Lasten und Schulden wenigstens notdürftig wirü tragen können. Der Wille zur Hilfe hat sich bisher-noch nicht überall mit' gleicher Intensität geregt. ES.gibt noch immer Re? . gierungen und Völker, welche die Gefahr der Infektion durch Armut und Not : nicht-erkennen; es gibt noch, immer Länder, in denen man gleichmütig und ruhig Ulsieht, wie des Nachbars Haus niederbrennt und die immer näher kommenden Feuerzeichen mißachtet. Aber selbst wenn sich alle' Nationen in dem ein» mutigen - Entschluß zusammenfinöen - würden, dem verhungernden Mitteleuropa Brot und Arbeit zu schaffen, so ist noch sehr daran zu zweifeln, ob sie auch die Kraft aufbringen könnten, die zum Wiederaufbau notwendigen Riesensummen zur Verfügung zu stellen. Ganz Europa , ist an den Rand des Abgrundes geratenund so erschöpft, daß es aus eigener Kraft seine Wirtschaft nicht wieder Herstellen kann. Alle europäischen Siegerstaaten sind zu. Schuldnern Amerikas geworden, das ihnen gegenüber Rücksicht zeigen lnutz, um sie nicht bis zum Konkurs zu-drängen. Amerika handle Zinsen für die Kriegsschulden seiner europäischen Bundesgenossen stunden müssen und muß seine Mittel bereitstellen, um den. immer dringlicher werdenden Kreditgesuchen entsprechen zu können. Frankreich verlangt 700 - Millionen Dollar, England hat eben erst 250 Millionen Dollar in Amerika aufgeuonuuen, von denen es.aber wieder 40 Millionen Pfund Sterling-an Frankreich hat verborgen müssen,-'so daß es über kurz oder lang wieder an die amerikanische Finanzwelt wird appellieren müssen. Dazu kommt noch die Belastung Amerikas durch den hohen Dollarkurs, von dem-man stzgar die Ausschließung Amerikas vom europäischen Ge- - schüft befürchtet, was zu einer Verschlechterung der amerikanischen Handelsbilanz sichren müßte. Da es nun im wirtschaftlichen Leben für gewöhnlich mit FrennWäst yicht gut bestellt ist, so befürchtet liia:? in den Kreisen per Westmächte eine Lockerung der Entente. Die französische und die italienische Volkswirtschaft leidet außer.- ordentlich unter.dem schlechten Stand der Wechselkurse pnd hat schon vor einigen Machen sehr ernste VorWunyen nach London gelangen lasten. s.Die 'italienischelAo-' gierung hat nun den Vorschlag gemacht, die Valutafrago MMtsLuM m ÄsLL. M will Die rumänische Iudenfrage im Friedensvertrag. K 0 p e n h a g e n, 21. Dezember. - (Zionistisches Bureau.) In dem von Rumänien unterfertigten Friedensvertrag befindet fi^h auster den allgemeinen Bestimmungen über die Minorirätenrechte folgender Artikel r . »,Rumänien verpflichtet sich, ohne jede weitere Formalität alle auf rumänischem Gebiete Wohnenden Juden» welche sich nicht auf eine andere Staatsangehörigkeit berufen könne», als vollberechtigte rumänische Staatsbürger anznerkennen.^ Die allgemeinen BestLmmunrzen über die Rechte dev MinoritäLen sind rmzefähr mit jenen im pol tt i s che n V ertrug identisch, Loch-sind die Artikel LV und 11, die die Fra^e der jüdischen Schulen und der SsbLatruhe im spezieKen behandelten, ausgelassen. Die KMeManifche Hilfe für . ' Oesterreich. ' Mn KuNÄerL-MiLionen-WoSLar-KrsdiL fLir LeLensmitteL für MiLteleuropa. London, 22. Dezember. ' Dis „Timest meldet ans New-Pnk: S-chätzseßiretar Glatz ersuchte den Kongreß, die Ermächtigung dazu zu erteilen, daß die Zahlung der Zinsen für die den Alliierten gewährten Anleihen um .zwei bis drei Jahre «mseesetzt rvsrds, um durch diese Maßnahme den Gesrendsmgsprozeß WMMdVl W beschrermigeü. Fsrusr dringt Glich energisch auf WWung' OM Lebens* Mitteln für die verhungernde« Völker in Europa, besonders Oesterreich und P o l e rr. England Habe dis B s reinigten Staaten benachrichtigt, daß es bereit sei, sich an dem R n t e rst ü tzungswe r k für O e ft e r r e i ch z u bet eilig sn. > 9t e m - V d r k» 21. Dezember. (Reuier.) Der Präsident der G treidekorporation. Barnes, hat dem Plane H 0 0 v e r s, an Mittelen rosa Le Leus mittel auf K r e di t unter Bsnützrmg des Kapitals der Getreide- Korporation zu Liefern, zugestimmt. Er schlägt vor, daß der Kongreß die ErmLchLigung zu einer Anleihe von IW Millionen Dollar für diesen Zweck erteilen möge. eilten internationalen Valutakongreß nach Rom einberufen, der eine Einigung sämtlicher-Staaten der Welt über die Geldfrage versuchen soll.' Es ist noch nicht bekannt, wie sich die anderen großen Staaten Europas zu diesem Vorschlag stellen und wie ihn insbesondere Amerika behandeln will. Ein solcher Kongreß hätte nülmich neben seinem wirtschaftlichen auch einen politischen Charakter. Es müßte die-Frage untersucht werdeü, ob den unterlegenen Völkern durch die Frredensvcrträge nicht Lasten aufgebürdev worden sind, die ihr ganzes wirtschafliches Gefüge sprengen konnem Der Valutakongretz müßte, wenn er seine Aufgabe an der Wurzel erfassen will, den Anstoß zur Revision der Friedensverträgo bilden, weil man bei dem heutigen Stand der Dinge gar nicht mehr von Siegern und Besiegten sprechen katm, sondern nur von einem allerdings sehr merklichen Unterschied im Niveau ^>er Kriegsfolgen. Der Kongreß müßte auch das Augenmerk der verantwortlichen Führer des Obersten Rates auf das Grtmd- Problem Europas richten, auf die russische Frage, von deren Klärung allein die Sicherung des Friedens abhängt. So lange der Krieg im -Osten unter den Augen und mit der wohlwollenden Unterstützung der.Ententestaaten fortdauert, so lange kann weder Rußland noch die übrige Welt gesunden, weil sie von dorther unaufhörlich bedroht wird. Komrnt man mit Rußland zum' ' Frieden und überläßt, man es den russischen Völkern, sich ihren Staat und ihre Wirtschaftsform nach ihrem eigenen Gutdl'mken einzuricksien,. dann kann das reiche russische Land mit seinen Getreide» und Bodenschätzen sich erholen und dem völlig ausgesogesten Mitteleuropa Brot liefern. Da3 österreichische Elend ist nur ein Teil des großen WeltunslückZ. MMiÄ tßsrn Lik aar^s Welt sich wieder ordnen wird. Es kann aber gemildert werden, wenn man Oesterreich Kredit gibt und nach dem amerikanischest Beispiel die Zinsenzahlung stundet. Dr. Renner hat die Versicherung erhalten, daß die 'Entente schon in ganz kurzer Zeit über die Gewährung eines Valutakredites und über die Freigabe einzelster Gebiete der Staatseinkünfte zu Verpfändüngszwecken an private Konsortien schlüssig werden wird. Es besteht kern Grund, an der Aufrichtigkeit dieser Zusage zu zweifeln./ Wenn die Entente auf diese Weise die Situation Oesterreichs erleichtert, so bedeutet das schon sehr-viel für uns ' und wäre eine ansehnliche diplomatische Errungenschaft Dr. Renners, dessen Reise ohnehin schon ein' großer politischer Erfolg war. Denn die Anbahnung diretter. Besprechungen'und lvertvosier persönlicher Beziehungen' ist im gegenwärtigen Augenblick für Oesterreich von außerordentlichem Wert, da sie den kommenden Annäherungsverhandlungen in Prag und Agram ttt glücklicher Weise präludiert. : " Die Vorspr^rche der Vertreter der deutschen bürgerlichen Parteien bei her tschLcho-sLowakischen Regierung. Prag, 22. Dezember. Wie die Blätter melden,/ wurde Dr. Lodz man gestern vom Ministerpräsi-? denten empfangen und überreichte ihn die Denkschrift - der deutschen Barteten. Dr.. L 0 d g m a n hielt sich fast zwei Stunden beim Ministerpräsidenten auf. Im Lauft ,, des gestrigen Nachmittags und - Abends fanden 55«*, . ralungerr des Beirates /des deutschen A r be it/s-' blocks' sowie der Vertreter der deutschen Parteien statt, die Mitglieder'der heute beim Ministerpräsidenten erscheinew.en Delegaftou sind. ' - ' Heute mttlags wurden Dr. Lod gma n und dir' ' Veptre.j:er der eamzeknen' Karterenvq-M wist e rp'^'f'jLP«refti^-FlGfLrrgen.;1 , Das Memorandum dr« deutscheu Parteien. : Prag, 22. Dezember.. In dem gestern von Doktor Lodgman dem Minifterprüsiden'.en Tusar überreichten Mett'o.randum der im deutschen Arbeitsblock vereinigten. Parteien heißt es unter anderem.: Die nationalem deutschen Parteien-der Subetenländer haben uns beauf-- ttagt. Ihnen, Herr Ministerpräsident, die Unhaltbar feit der jetzigen Verhältnisse vor Augen ZN führen und darauf hinzuweisen, daß das deutsche Volk den gegenwärtigen Zustand als eine fortgesetzte Beleidigung und Herausforderung betrachtet und nicht gewillt ist, ihn länger zu ertragen. Jeder-' Demokrat muß uns zustimmen, wenn wir es ablehnend als Objekt der Po'itik zu dienen, die staatlichen Lasbem und die bestehenden t r 0 ft l 0 s e n W r r t s ch a f t s v e r-?^ h ä l t n i f | e# ruhig zu 'tragen, von Gesetzgebung und' Verwaltung, ja jeglichem Einfluß auf das öffentliche Lehen aber ausgeschlossen zu sein. Wr kommen mik den heute vorzulegenden Beschwerden keineswegs als Bittende, sondern im vollen Bewußtsein unserer Verantwortung mit dem Hinweis darauf, daß das Verhält^ nis der beiden diesen Staat bewohnenden Volks-, stämme nur dann gebessert werden kann, wenn d-aÄ : den Deutschen in so vielfacher Beziehung widerfahre -Unrecht wieder gutgemacht wird. ' j- Sodann befaßt sich die Denkschrift mit der atCgH '■ meinen Wirtschaftslage und stellt unter anderem feft^ baß die deutschen Bezirke ihrer Ablieferungspflicht wert! mehr gerecht geworden sind als die" Landwirte in denj tschechischen Gebieten. Weiters behandelt das Memo-! randum die politischen Verfolgungen, die - EntlafiungE ' öffentlicher Angestellter, deren Wiederansteilurrg unv Ent^ . schädigung gefordert wird, und verlangt bezüglich öe§} Schulwesens, daß noch v>or Zusammentritt der ver-isassunggebenden Versammlung die unverzügliche Aus*! . hebun g der bestehenden Diktatur in Schurs Angelegenheiten veranlaßt werde. Ferner wkrdidarauf hingewiesen, ,daß in den deutschen Gebieten nochj ■ immer tschechische Besatzungstruppen sind, was eine den Staat unnütz belastende und für die deutschen Gebiets unerträgliche Maßnahme bedeute, sowie daß die ans!' - der Revolution hervorgegangenen tschechischen National-^ Ausschüsse bis zum heutigen Tage da und dort ihr Utt< . wesenftreiben. Endlich behandelt die Denkschrift dft Ber--< folgungen wegen des Gebrauches der deutschen Sprache,! fordert, die Zurückstellung der beschlagnahmten Geld-j mittel und schließt: Wir stehen auf den: Standpunkt, daß alle Maßnahmen des öffentlichen Lebens von eine« ordnungsgemäß gewählten Nationakvevsummlung befchlosfen oder beeinflußt werben müsssL d.ielrm MiLtsüunkte gusLeh-iü».