Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 330 (22.12.1919)
- Date
- 1919-12-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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' Die wirtschaftlichen Notwendigkeiten und .die Ohnische Siedlung der einzelnen Völker in Mittelnnd^ Dsteuropa sind nun doch im Begriffe, Oberwasser zu Wommen über jene nationalchauvrnistisch und separatistischen Bestrebungen, welche chinesische Mauern zwiftpett den einzelnen Völkern. und Staaten errichteten, r;re zuerst zum Weltkrieg führten und . sodann jene schwere wirtschaftliche Kriseln Mittel- und Osteuropa chtzrbcüführten, unter der alle- Völker und speziell die Juden zusammenzubrechen drohen."Trotz alledem sehen lW jetzt wieder in . Deutschösterreich .wie in Tschecho- Hlowpkien, in - Ungarn wie in Polen, daß das jüdische' Holk in seiner Gesamtheit neuerlich — wie schon im Men. Oesterreich-Ungarn —•, als Sündenbock für die Äsungen.Konsequenzen einer verkehrten nationalen «und fyßialen Politik verantwortlich gemacht wird. Soweit siA bereits die Verhältnisse/gediehen, daß gerade-in Mgarn, dem gelobten Lande der Judenassimilation, des fpbenannten Judäomagyarsntumß,. -ein Minister .und noch dazu der Minister für die Nationalitäten, - Pro- Mor Dr. Jakob B l e y e r,' in.einem Interview sich - für einen Völkeransgleich auf antisemitischer Basis aussprach. Wir betonen aufZ nachdrücklichste, daß wir weit davon entfernt sind,' in jeder'positiven Betätigung des Christentums und in dem Streben nach einem VplkeraüZgleich auf dessen Grundlagen eine antisemitische Witze zu erblicken, um so' weniger, als auch das letzte 8jfc& jüdischer'Mhik der Völkeransgleich ebenso ist als W Schutz. derArm en,' Elenden und Enterbten, der Ge- .IHKchEMgÄ^^jeWHoiyn ^'MtzWiststcheu^-ÄstsöeutWg' And weWtz'Herqde erMHer^ HaiiptfoÄdrunpen^ der nationaliüdischen PoWk,-^ie Völkerverständigung sind die'! GewHrleistung'. eines nretrschenwürdigeu Dastzins für. jeden' manuell mrd geistig Arbeitenden bildet. ■\ linier diesen'Gesichtspmrfteir'musien wir -in-,einer Wlitik^' die für Fehler einzelner Gruppen unseres Volkes/ dis sie gemeinsam mit AnHhörigen anderer Na- Dualitäten/ RässÄr,'- Konfessrösien-. H«d' Klassen begehen,! W Juden in ' 'ihrer' 'GesamHeft-''verantw.ortlich macht - »M gegen', sie alle anderen NÄipnen in: einer christlWn Jnternätwnüle mobilisieren will, einen faktiösen ^asfenäntisemitismus, das - heißt "auch einen Abfall vomwahren Christentum erblicken: Es ist noch/ nicht ksstge Her, dätz^ ein. sehr'bewahrter Vorkämpfer chrift- -lrcher Weltanschauung zum Schreiber dieser Zeilen önißerte: ''„Angesichts des in .Menherrschenden Massen- DendD unter dem jüdischen Pröletarrate ' sowie weiters Mr diesbezüglichen Erfährungen d«r österreichischen Soldaten in Osteuropa während des Krieges, werde ,.ddch endlich das Märchen perstummen, daß Judentum .und Kapitalismus, Jude und - Ausbeuter, identische Begriffe seien.'./' . . . - - /! - /Konur 8s«pntÄm'. psrnl. .Währeird Msiere politischen Parteien, sich herumstreiten, das alte Wiederaufnahme der engttschrusfische» Verhandlungen. K o y e n h a g e n, 21. Dezember. Dle Ver- Handlungen zwischen 9' G r a d y und Litrsinow sind gestern wieder ausgenommen worden. O'Gradn wird aus privaten Gründen morgen nach England ab* reise«, nach Weihnachten jedoch wieder hierher zurückkehren. __ HooVev will Getreide nach Europa bringen. Paris, 21. Dezember. „Echo de Paris^ meldet ans Washington, daß sich H o o v e r gegenwärtig bemühe, ein Gesetz durchzubringen, das den G etrerd ever kauf nach E u r o p a mit langfristigen Krediten ae statt et. Er machtr geltend, daß LvMiMonen Menschen Ln ZenLraleuroya von einer Hungersnot bedroht sind. Schwere N iruhen würden dis Folgen lein, wenn die VevLinigten Staaten nicht Lebensmittel au? Kredit liefern würden« Amerika ktznne nicht mehrere Millionen Menschen Hungers sterben lassen, «uv weil sie -nicht DarZahlangen zu leisten vermögen. Paraderotz der nationalen und konfessionellen, der Nässen» und Klassenverhetzung. ■ durch welches bereits .OesterrÄch-Ungarn zugrunde regiert wurde, lustig in den '' einzelnen Nationalstaates weitergetummelt wird, ' schreiterr^ diese,- wirtschaftliches Katastrophe entgegen: Die-Völker und nicht in. letzter Linie die jüdischen- Massen.hungern/ frieren; Industrie, Gewerbe, jede geistige und physische Arbeit droht immer mphr in . Stockung' zu geraten, ^zumal da für eine ganze Woche auch der-Eisenbahnverkehr unterbunden wird. Sollte dies alles nicht endlich einmal nach fünf Jahren Weltkrieg, nach einer Kette von Revolutionen, eine warnende.Mahnung'- an die Staatslenker und Gesetzgeber sowohl der neuentstandenen Nationalstaaten wie der Entente bilden, in zwölfter Stunde daranzugehen, mit den letzten ihnen zur Verfügung-stehenden Kräften und der Liquidierung de/ traurigen Vergangenheit, dem kranken, zusammenbrechenden Oesterreich zu helfen, ehe es zu spät ist. Wohl ist es sehr erfreulich, daß man überall zu begrelfen beginnt, daß die durch Zerreißung des einheitlichen Wirtschaftsgebietes des Donaureiches für alle Donaüvolker'entstandenen Schäden nur . durch ein enges Wirtschastsbündnis wieder teilweise guttzemgcht werden können. Minder erfreulich aber ist es,, daß, ehe noch diese' Wirtschaftsbündnisstz zustande gekommen find, eine Gruppe von Politikern von einem deutsch-tschechischjugoslawischen Bündnis gegen die Magyaren und deutsch-magyarisch-polnischen Block mit eventueller.-Hinzuziehung, der-Italiener gegen die Slawen träumen,' kurzum, unter dem Gesichtspunkte der verschiedenes Parteisonderinteressen wieder Kombinationen auftauchen, die zu neuerlichen nationalen Kämpfen und Komplikationen sowie abermaligen wirtschaftlichen Absperrungen und zu erhöhtem sozialen Elend Mhrew müssen. , . So wünschenswert es auch ist, daß ein deutschtschechischer Ausgleich zustande kommt und so sehr wir auch die Anbahnung freundschaftlicher Beziehungen zu Jugoslawien befürworten und so sehr schließlich wir, wie in Vergangenheit, so in Zukunft, eine Wiederkehr, der/magyarischen und polnischen Oligarchenwirtschaft bekämpfen, so würden wir es doch als einen verhängnisvollen Fehler anfehen, wenn man Ungarn den Weg vei> | rammeln würde, in ein deutsch-ifchechisch-jugoslawische^ Wirtschaftsbündnis als paritätischer TeU einzutrttey.- Die Lage in der Ukraine. Der Ukrainische Pressedienst teilt folgende Aeutzr»- rungen des Chefs des Ukrainischen Pressebureaus Doktor Valerian Brendzan über die gegenwärtige.Lage i» * der Ukraine mit: In der Ukraine ringen gegenwärtig drei große Gruppen um die Macht: die ukrainisches nationalen Truppen im Bunde mit den ausständischew ukrainischen Bauern, die hauptsächlich im Rücken dev geschlagenen Armee Denikins operieren, die Armee De--, nikins und die russischen Bolschewiken,. die nach heit: neuesten Radiomeldungen die StA>te Kiew, Poltaw« und Charkow eingenommen'haben und in breiter^ dichter. Front gegen Denikin offensiv Vorgehen. , - : .Die Lage De ni kins in der Ukraineist unhäLp-i bar. Gegen diesen zaristischen General,- der die.Vfi». einigüug der Ukraine mit GroßrUßlarch : und die Wiederausrichtung des Zarismus anstrebt« haben sich die ukrainischen Bauern im Süden des: Landes erhoben und seMe.. Front vollständig zermürb^ Denikin besitzt heute in der! Ukraine keine einheUüchei ‘ feste Front mehr. Einem wohldisziplinierten und ge<^ schulten Gegner, wie es die russischen Bol s chewike« ' sind, wird" Denikin auf. die Dauer nicht stand halten können. . Diese Haben nach Niederwerfung der Armeen Koltschaks und Judenitsch' ihre ganze Macht Kgen. Denikin geworfen und überfluten neuerdiirgs die Ukrairm mit ihren Heeren. , j Mn Teil der ukrainischen Armee, die unter berm Oberkommando des PräsÄenden des ukrainischen Direk-j toriums, Ataman P e t l j u r a, steht, - ist gegenwärtig , aus der Kampflinie gezogen. Der Flecktyphus, der sich in der Ukraine -rasch ausbreitete, warf die Kerntruppen der Armee Petljnras auf das Krankenlager und so mußte Petljura seine Truppen zurückziehen, um ihnen- Zeit zur Ruhe und Reaktivierung zu gönnen. Petljura, der; in ständiger Fühlung mit den ukrainischen Insurgenten steht, Lefmdet sich gegenwärtig in Warschau,:um Bv-? Gedanken vor Weihnachten. > i' Bon De. Max Jnnymart». '.... Die Christenheit rüstet sich zur Feier ihres schönsten Höstes.' Friede und allumfassende-' Liebe sind das Wahr- Mchen dieser Tage, 'ln. denen bis Geburt de) christlichen Erlösers jubelnd begangen wftrd. Den Kindern und der Familie gehört dieses Fest.- Eine Stimmung pqü ganz besonderer Erhabenheit./umweht die Weihenacht im rauben Winlerklima des nördlichen Europa. Draußen die Natur ist kalt und tot, traurig schütteln die kahlen Bäume ihre weiße» Wipfel, der Frost knarrt Ünter den Füßen, und drohend heult der Sturmwind tzürch die Straßen. Aber innen! Warm knistert's vom Mrd und hell slackert's um den festlichen Tisch. Darauf sisht ein Baum im grünen Frühlingsschmuck, seine Wüten sind glitzernder Tand, ber im Lichte buntsarbi- ^gckr Kerzen silbern und goldig, schimmern. Freude auf yllen Gesichtern, lachende ^kürderaugen. der Klang schöner Weihelieder —welch eine Stimmung! i Wir stehen außerhalb dieses Festes, und wer von rjys je das Wohlgefühl eines.stillen Saböattages geßlosiet hat, der ahnt, welch eimp unvergänglichen Dust yex Tannenbaum ins .Herz des Chrrstenkindes. strömen Mt- Keine Ahnung davon aber haben jcme Juden, hje mitfeiern; sonst könnten sie üicht du ' plump« ßlufdringlichkrit en weihen. waS anderen heln.l M- Ahr Fest ist kalt und leer, »veil ihm der^mystische Zauber l'fc» Neligion upd bft völkische IWerliesernng sehlsn. Der Nadelbaum auf ihrem Tisch steht da wie ein trockenes Holz, ohne Se^le, ohne Leben, und trauert dahin, wie die Palme in einer Schneelandschaft. Ein schwarzlocki'geZ Mädchen spielt ohne innere Teilnahme das Lied von der stillen.Nacht- Bewegungen der Finger gnstatt der Bewegung m des Gemüts/ In diesem Milieu , wird das- Erhabene lächerlich, und so wirkt die unfreie, herzlose Nachahmung aus Juden als Geschmacklosigkeit, auf Christen als Taktlosigkeit. Wer's nicht fühlt, tvird's schwer begreifen. In irgendeinem Schubfach des Gewissens regt sich allerdings 'auch beim Weihnachtsjuden unterm Christbaum gelegentlich ein Schuldbewußtsein. Dann hat er das Bedürfnis, sich vor den Menschen — nicht vor sich selbst — zu rechtfertigen. Bald heißt es, di« Weihnachtsfeier sei nicht eine eigentliche chrsst ich«, sondern eine urgermanische' Sitte. Das läßt sich hören. Denn weshalb soll sich der Jude mit seinem Germanenstolz nur ' auf dem Schlachtselde . des Nassenkampses und nicht auch unterm Weihnachtsbaum blamieren? Aber andererseits ist es'doch eine etwas delikate und undankbare Aufgabe für einen Juden, den ins Christeutum übernommenen Brauch germanischer Vorzeit seines christlichen Geivande's zu entkleiden' und »vieder mS Heidentum zu verweisen. Bald heißt es, man,feiere nur der Kinder wegen, als ob man von. jeher gewöhnt sei, den Kindern jedes «nbilckge Verlangen zu erfüllen, und als ob die höchst« Weisheit der Pädagogik darin Läge, .in der Erziehung der Kinder VrmÄvienloiiakeit walten zu lassen. Wie auch immer die Begründung^ lauten möge, ft« ist töricht und unwahr! Der Christa bäum im Judenhause ist nichts anderes als eine fffn* vische Nachahmung — und nicht die einzige. Alle Feste der Juden werden mißachtet, und alle Feste der Christ«^ werden mitgeseirrt, weil man für beide kein Verstand-! nis., hat. In den Kreisen jener jüdischen Zeloten ist es ja schon Sitte geworden, am Totensonntag, dis- Graber der Angehörigen zu besuchen und zu bekränze«. Tut man düs auch wegen des Germanentums.'oder: der Kinder wegen? ' > Den gebildeten und aufgeklärten .Inden ist , das! unheilige und < unwahre Gebaren ihrer . entartete» Stammesgenossen ein ewiger Gegenstand des AbscheuH und des Schinerzes. Der jüdische Kalender ist so reiitz an Feiertagen ernster und . fröhlicher Art, unsere Fest«^ ehrwürdig durch die jahrtausendalte Ueberlieferung,. pnb! Familienfeste von solcher Innigkeit und Schönheit, da>r' mir es nicht, nötig haben/ die Kostgänger anderer Völker zu-sein. Gerade alljährlich um Weihnachtenbereuet die Judenheit eine Gedenkfeier vor, die ein« der glänzendsten Zeiten ihrer Geschichte verherrlicht. Chanukak Ein geistliches Fest ist es und zugleich ein weltliches^ Gott kämpft wider die Götzen. Sein Schwert ist dev Arm des Makkabäers, der die Heidenaltäre vernichtet^ die Feinde des Judentums vertreibt und bas Gesetz vo« Sinai wieder hersteklt. In weltlicher Sprache auS» gedrückt: Der gottbegnadete Jude Makkabi, angeekLlk von der widerwärtiaLN BieümLchana frsmdländiLchM &