Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 329 (21.12.1919)
- Date
- 1919-12-21
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 329 Wien. ymmta- Me»«r MorgenzeirrmA 2t. Dezrmd-e LSl- Sette 7 Kerker . veischälit durch Halle» L-^er vud Dunkelhaft au jedem IatmStaae der von ihm p- Üdim Bluttat. Johann Schweida rahm dm Nileils'p.uch vollkommen alcidtatfttd aui.« Berieidmer Dr. Melbiraer meldete.ge-e« dos Urteil die Nichtigkeitsbeschwerde und gegen das Strafausmaß btc Be« 'ckung an. , > . Einbruch in ein Stadttheater. . Der Bäckerachilu Anton Maier und der Zuckerbäckertzkhilfe Wilhelm B e r n e k batten am 15 Oktober auf..der dekanmen „SchleichhänLler-Bö'se" beim Hcttkl Wimderaer am Nmbangibtel T h.e a t e r k o st ü m e und Tckeatersckinuckgegenstände' um. 7 f)00 ©crfaitft. Es wurde wäler änlM'ch des Weiterverkaufes dieser Gegenstände um -ein BtcAiches - btcfcS Kau Preises eruiert, daß sie aus emcm qm 14. Oktober im S 1 a d t t k> e a t e r in Kre m s ver übten E/nbrnche herrübren. Maier und BerNek wurden dem K'eisgerrchte ur Krems eirgeliefert und waren dort des EitckruckdiebsialileS geständig.. Maier wmve m d r e i Ia,hren, Bernrk zu 18 M o n ä t e n fdjtocrcn Kerkers öcumeilt. i Der Münchucr Hochverratsprozetz. Berlin, 20. Dezember.' Der »Lokalanzeigcr* * Meldet ' aas München: Die Rührer der bayrischen Beamtenstewelkschüfl während der Münchner Räterepublik Jutndantmtat Sch m i e d t und Postsckretär Woll.f sind Nack mehrtägiger Äe,Handlung heute vom Volksgericht m München, einstimmig wegen Beihilfe znm Hochverrat zu je eine ruh albIahrcn Frst»mcshast mtt vierjähriger Bewährungsfrist nach fünf Monaten verurteilt wvrbm. KKW K Ü ES Off ÄFT ML R 0 §f A T V m Wien, I., laria TheresHrasse 10 1 Telephon 20-3-88. Kulanteste Durchführung Yon Transaktionen jeder Art. Warenlombardierimg, Abzahlungen, •' Llchecvrcifiungen, SpcBialabtciluog kür Polen. r « Der' WolkSwirL. Dke InlerrraLivRattsterrmg der Düttav. » Englands Wirtschaftliche Plane in Ungarn. Seit einigen Tagen weilt der englische Firianzmanu James Qu eenstvw in Budapest, um,' wie er einem ^Mitarbeiter des „Az Est" gegenüber Lüsttzrtö. wegen Durchführung der englischen Hönauplüne' persönlich Jnfvrnrationen einzuholen und die Verbandlungeu>einzüleiten. Ueber di« Pläne selbst leite Queens< pow folgendes mit: ........ - 'Ich Lin jetzt zum. viertenmalin Budapest. Schone zur Zeit dev Karolyi-Regjerung begann ich mich niit der Donaufräge zu beschäftigen, für die Mglmrd. seit mehr als einem halben Jahrhundert'da.^ lebhasieüe Interesse hat. Wir machen kein Hehl aus uttfmn 'Plänen. Unser Plan besteht ganz einfach darin, die. Donau zu internati>ü nalisier.en unb rü'Bütta-- pest eine Stelle zu errichten, die g.e zckt sein solch den Handel des Orients und des Westens zu vereinigen und zu zentralisieren. Zu diesem Behufs würden wir in Budapest große Warenlager errichtM. tzn diesen Lagerhäusern würden wir das Getreide stirb die Rohprodukte des.Balkans wre auch die Südfrüchte» Teppiche Asiens und überhaupt die Produkt« des Orients 'rinlagern, um sie dann an ihre Bestimmungsplätz^ zp expedierend ch Die-Durchführung unseres Planes ist jedoch nur ptM.denkbar, wenn die Donau internativual wird, ss ist unsere festeDbstcht, das Eisenbahnnetz pon Bnda-' Pest und Ungarn zu erweitern und den Last- und Eilgutverkehr um das Fünffache zu steigern, damit der Transitverkehr aus dem Osten ohne Störungen abgewickM werden könne. Im Zusammenhang damit habe ich persönlich noch den speziellst Plan, am Csepecker D-onauarm Den neuen, großen ZentralgÜterbahnhof.)« errichten, dex natürlich auch misi einem großenPersstiiest'- bahtthof verbunden werden könnte. Wir EnglLurd^rtt könnten in dieser Aktion.best 'Ungarn bloß ckit Kapital und mit Rühmatöriak helfen, weshalb - aus ..dfes«nchUüt«rt«^ckattsieü,..Myck.M^pfotz«iH..-finß,^ uns auch einen .enLsPrechenden Mutzen-, sichern wckiön. Ich' betone jüt«>ch ausdrücklich, baß Lll Dies porläusig nur Pläne sind, offiziell verhandle - ich'-hierüber riiiHi,' denn unsere Aktion hat' vorläufig privaten Charakter. treten können. — Ich bemerke schließlich, daß auch die Errichtung eines Ba.lkan-Fa hrkar tenbureaus in > Budapests sowie die. Schaffrmg von Vxpysitur-en mehrerer ntz l i s ch^r -u nd a m e d i k.aü tzs ch e t S d i tio n s f i r ni-e n in Aussicht geuoinmen - find.' Die -Wirkung M BerUaer -„Tchwapzea - - B?'N ><b schweren Kurö'ällca p« der Berliner Bölft stnb hauptsächlich hie Kolo i\ i <t l« und Balrr 1 apa p i «t e bet», vfsen wachen. Hk in mchrerm' Fsllen echigr Hnnderj WvieM - errnchten.. Bey«rstnSwert sst du Ruhe, Mk der stch di^e D-vH Vierung ans dem Bertinrr Btzcsenmarste abgrsvieii h ü. AtS GruAe der SniwrrhchA sind hanpisärhltchchiL pvu den DmschastSfteisch-'- DeMchlands'Msürchlcte Belmögenkadgabe, der. MckMng mdrh EUrLgu-sien der grvßxn IndastrrttmrP'ttehWmitzcn ünd die htvs:°- stchrnve Nntthkütien des FriedensveUxakes D;e - MLnrjrknirg auf W i e n z«Ate sich beretts im gestriMr P'.ivMer'chc,. drr ein starkes Ars^ebot mWics, rhue. daß rs jedoch zu AbschlLsiM gekommen wäre. ' ' . - DL? LMerA;a«ischr %\lft fBt bie Ind?« in , Psterr.! : Mit einem K»piL-rl vor- LZ MMsno« DvLap. . Der R e ro - O o r k t,\ Korrespondent ' des «Ämm WarLtttivsk'. >der:chiet wettere Gnsrihrilea übec cinr VersammlnnS der.-.DeirginK» -.aller, in Brtrachi Kommenden füdischeu Lor \\ «r. Vfö't i v rr r », in welcherchefchloffev,wirrde.- ' . der- I. e tri, ... . . . . . . - %t& m ä.n 11 n fitu soll. Las Kichüäl der-GeüNchatt wird .uumrdsr 10 Mrllioüen^Dollar . betragen,, welches jedoch im BedürMMs bis 'ztr, SS Milikonen'Dollar trbW:wrtdrn ’ soll. 'Zmrächst..»erden MYMiDsLiw zrirDlütchrnig.^ einer jürischm Tiöch^pvttgefWchastaboehvben.' Div Schrirtr ^rc ErlotiguM der ersarderlichrn Uom zesston sind., bei "tu Dof njfvi.-cit Regrerrma KerrilK untein&mi'itfst worden. tjvuiK M & r l!; l!' -erNär!e.Zoury'äkistkst' - ^egeük?v«r> baß von den W MiUron^ 'D-.-'lrar'ir Göstaw.nn Mnbelkbring 'des -Ha'ndels. in- W o. ltud'.. Lemb erg. Krahru nnk> Lubliu, iM.Mi Dollar, zi-w Rillchnfsung yon Klerdungsstircker und - rMDüH Dollar -x»r - Besteüttug von ' Weektttyk« mch. tnaffi nen öertvehiber Werbeti »öll-nj..Dir Redäll'on L'es ^Ziidisches BvU^, .welches. dt6e Meidung reprvduq-ert, /bemerkth'-rm, daß von die'en -.Cinzclhmen den lührerrden Mrfchru Krisen m n b.shtr vsstzni! nichts b-etnrmt tft. ÄSLrifchaMche Ne.chpLchtSy. - Die Bank oon Norwr^n erhöhte den Disko nt pq.i§;■»*■/« auf 6 und den V, o m l a r d z «.'n s>« ß vsa 6 auf .0'/, Prozent. ÄuL- B e r l i n wird umreldei : Uni «me endgiittrhr Uebersicht bet an das -Remr m stestrndr« Fordnirngen zu «emötzlicheü, «sch-nuj demnächst etwa Berprä«« n-- der RelchHleg-erung. yach.-Zsec jeder, der irgendeine Förden«»fi an daS Reich, mls KriegSorchi.ägcu und Abmachungen zu steten hm., drei?- inmrhaw von d r er M o n a ke » «rmnetden MW. rordrigerr-atts drr Ansprüche verwilen. Für NS8 N b Sta ti.p' gilt 'die Frrft ryn S 8 abre n — Aus Warschau wird öerrchlet: Mr polnische IjapdeS. DarkcbenSkasta emitneF vom 12. d. M. fangen neue Ein-Marknvten. Die Noien sind vom ISIS dauert und wagen dir Untrrschlitten der damaligen Duektwu der Darlehenskaisa. ' Die Wirtschaftliche AnnNherung an die ' Tschecho-Slpivakei. Der. Wrrt'chosikvc, Sand der Industriellen, Kauileute rml Oftonbe r!brnd''n Dcut'chäster^cichs hat btschlosien, im Hinblis ajp.die htve.nrebendrn oistzrellen Brrbandlungn! Über eine um MfaN'gen WrrMästsbnndnlste führende Annäherimg' Vesterre'chi!, <m^-^ie77D'chech»'2tolimr«tinden erste« , Tage« . bei Momtt-Z Jänners eme öffentliche Disk uff i o i «M Wes, Thrrna, abmbalttn.^ Außer den Vertreter, '..E-' '.-WDd'rl' ^..- ..vnd. 7- Industri«'. beider Staaten^ giß Mhrriäxjl. / Borat beiten dir' Teimab» ' Mchitmter tuherhiscker Funktionäre und österreichischer Relsorst als wflhifchrmlrch. Das bnlch die Diskussion gewonnene Materta fqkk , her i nrr Zerl. der ojsiuellen Derhandlungen nach Pragad . reisendch/Vervandsdelegättsn als Grvndlaae für die Beratung 'rä>t 8en 'Bektretern der tschechischen Industriellen und KäusleÄ ^bierien.-.Die Aktion drS BcrbankeS «rfieut sich wettgedend« /ÜHerMtzyng - von .olnziestkr tschechischer Sette und wird auch ii / P-r-Ä-ff - der. Unterstützung deß döniaen HandclßministenumS teib haivg.-werden. . .Tan und Ott der Llshäsion worden m kürzeste» - W chrkanntgegebctt werden. - Antrag attf Ersetzung einer Geld- und LNährungsLoMMisfion. , Ätzgeordnrter Kraft hat in der gestrigen Sitzung da i NttkgNaiversammlaüg bei der Bi.rhandl>mg dcs Notrnbankgesrtzet dm Antrag enst ErnseirMg einer ständigen Kommlssiö« für dal Geldmch Wäblttugswesea gestellt. Diese Kommission »$; u t cfj t■; a n f Parlamentarier beschränkt fein Z>ie rrngestempetteu Banknoten. ''Dir.G«ieralsinanzdirrkt»o« für die Slowakei Ke MgMen . wichtigen Erlast herausgegeben: Gcniäsi dtn. Vw? stimmimgen des Artikels 206 des Friedensvertrgges sind dre ft iMmdcnLandern sich befindlichen ungestempelte« Bayknvteu dg /Oesterreichisch-unaauschen Bank nui durch Oesterreich und Uugay zu Honorieten. In jenen Fällen, in denen dre tschecho-flowyvW Aepubtik diese Banknoten abstempeln oder austauschen (abkavsts» wKche, ist sie laut Artikel 806 des Friedensvertrages verpflicht^ - selbe wie all« anderen der ReparationSkommrssion adzuftibre» 'wobruch d-e eigene.Staatsschuld ohne jedwede Bergü'EMW /würde. Das Fmonzministermm in Prag hat miitels Eiiss vo» lM. KovMrber ISIS, Zahl 99.540, anher bekanntgegeven. baß avk . dr^frä Gründen ein mtterrr Abkaus lUmrmrsch> der ungestempelter Banknoten nicht bewilligt wird, und es werden daher alle litt’ geftenwetten Banknoten, welche durch Reifende (auch eigene S'taatA angchöngr anö der Fremde eingeführt werden, aus,der Grenz des tschrchv-ssowakischen Staates bedingungslos brschlggnahm und als. Mglmsien des tschecho-slowalische» Staates für vrv f a l l t « ciUiut. Der Ablauf und Umtausch der ungestentpÄiiei . Banküptru '.vitd am 25. d. M. eingestellt. Brichlagnahmle ungd stemvetti' Banknoten werden durch die Zollämter den zuständig«! Slerittämtern akgesüdrt. welche dieseldeu direkt an die Zenträd Stuatskasse \n Prag zu übersenden haben. 1 Bvvfenverkehr i« der Weihnachtsntoche. Mittwoch den 24.,' DonmrMag den LS. ünd Frettag den 86. d. M-' b ii terbterbt der Börferiveikchr', bageaen findet ausnahmSi wMe «UN Samstag den 27. d. M. von Vall brk V-»S Uhr der Verkehr statt. Anmeldung dev durch die feindliche Besetzung Verursachten Schäden in Ungar». Die ungarische Regierung hat eine allgemeine Aufnahme der Schaden, die in einzelne!; Gegenden dcS Landes die feindliche und insbesondere die mmänö fche Besrönng verursachte, angrordnet. Interesienten erhalte« nähere Aufklärungen bet der Schutzsielle für deutschosterreichifchtH Brtmögen im Ausland, Wren, l. Stubenring 10. Iinssutzermaßisuug der Wiener Sparkaffen. 8lli Wiener Spar kästen haben den Beschluß gefaßt, im Hinblicke aus dre Berimerlmg der Betrirbsführung' vom 20. Jänner 1920, ab den USHer geltenden Zinsfuß von V/fUavH S*/9 zu ermäßigen. Für neue Einlagen werden nur 8% Zinsen bewrlligt. Börse für landwirtschastliche Prvdukte.' Wie«, 20. Dezeniber. Mrrg.-Bcr.) An der heutiaea Vechenbörf« könnte sich der Verkehr nur äußerst schwerfällig . Messias' Feit?) ' Von Z. L. Perez. _ > j Ans dem Jüdischen von Siegfried Schmitz. | Alle jüdischen Stähle und. Städtchen Galiziens haben ihren Verrückten; auch in deck.Orte, wo ich meine Kindheit verbrach «, fxhlte er nicht. - s Natürlich hatte unser - Verrückter, wie alle seine. „Standesgenossen", vor niemandem.UnH. .Mder vor den Gemeindehäiiptern, noch vor dem Rabbi und seinem . Gerichte,' nicht einmal vor deck Totengräber -n- und der ist doch der stille Schrecken selbst der Reichsten und Mächtigsten. Dagegen zitterte das ganze Städtchen, die Gemeindegeivaltigen^nn') alle „Just.umenie der -sellig- Zkeil", .selbst der Totengräber vor unsereni Derckitt^en, und Tür und Tor schloß sich vor ihm. Der arme. Verrückte hatte keinem je ein’böses Wort gesagt, keinen auch nur mit dein kleinen bingec berührt; und doch schrie ihm alles nach, wo er sich zeigte, man schlug ihn «st und die Gassenjungen warfen Steine und Kot ihni nach. Tiefes Mitleid mit dem Verrückten stieg in mir auf. Es zog mich mächtig zu ihm;' ich wollte zu ihm sprechen, ihm ein freundliches Wort sagen, ihn trösten, ihn streicheln — doch war es mir nie möglich, an seine Seite zu treten. Denn Kot und Steine, die um ihn sausten, Hütten auch mich getroffen. Ich war ein kleiner, artiger Junge und trug stets schöne Anzüge; auf deren Herkunft —' sie waren aus Lemberg oder Krakau — ich stolz war. Aengstlich mied ich Schmutz und Kot’ auf meinem Anzug; darum kam ich deck Perrückten nicht nahe. Das S-ädtchen, in welchem meine Eltern wohnten, wo meine jungen Jahre vergingen im stolzen Bewußtsein des Besitzes von Anzügen aus Lemberg ’ oder Krakau, war eine Festung, umsponnen von Gräben, *) Aus dem bei R. Löwit, Wien, erschienenen Buche: S9tl»4>*t Q«ih Sß.uc£X*. _&{u4 hielftC uufr. itütt 1212» . Wasserfurche». Mauern und Wällen. Ans den Wällen ' . standen Ge sch sitze, und Soldaten mit geschultertem Gewehr bewach cn sie und uiarschckrLrü er.ist «ft'd fdj«vcinettb mit gemessenem Schritt auf und ab, auf und ad . . .. Wenn sich di« Nacht niederstuckke, wurde^ die eiserne ‘ Brücke aufgezogen, die-über dein Muß vor ck:rn Städtchen lag, die Tore wurden, verschlossen; bis zum Morgen war das Städtchen vsft her'Wergesi-Welt erbarmungslos abgeschnitten. Denn vor jedem der festverschlossen«!n Tore stand ein Posten in grimckrn Wakfen. Erst bei Tag. würde das Städtchen wieder frei atls seiner .Haft. Man konnte nach.Herzenslrtst aus- , und eingehen, durfte im Deich vor der Stadt baden,' sich hin strecken auf feein grünen Ufer und weit über die Erde oder geradeaus in den hohen Himmel schonen, wie man wollte. Rientand hinderte uns, ckentand schalt und leine Sorg«'gab es. Nur bei Nacht mußte es still im Städtchen sein >— je war es befohlen — alles Regen nnb Bewegen, alles Ans- und Eingehen lvür verboten. Oft dachte ich im stillen: Welche „Gnade", daß man , wenigstens de» Mond bei Nachr.zu «ns einläht ... Ich werde nie vergessen, wie es in meinem Städtchen Nacht wird: Sowie bb A<endschatt » kommen. ' kriecht ein Schänder über qlüs hin. Menschen untz Häu'er ziehen, sich gleichsam furchtsam ein. J'tzt geht die B.ückeckmpor, die Eisenketten winden sich kreisckend MN riesige Rüder: das Schpeien des Stahls dringt in' harten, abgerissenen Töir.n durch alle Ecken und Enden der Sjadi, und der Ton führt durch alles gell durch. Dann fällt Lar um Tor zu. Immer und immer ge- . schieht dasselbe, und doch er^it^ern jedeschal alle Knie, ' müde Stümpsheit legt sich ans alle Gesichter, alle Augen löschen ihre» Glanz» di« Lid,er fertrim sich, das Herz stockt «ine» Augenblick, selbst der Atem wird unhörbar . . . Dann beginnt der RuNdzang der Patrouille; die Schkeppsäbel schlagen klirrend an die hohan Stiesel, die Bajonette ftuchreu drohend und » ballend töne» Stümne«: -Wer da^ Darauf, mach t$ wrderiönen: „Sladtbewotzuer" sonst ginge eS nicht gut ab. Und nur wenige wagen es, aus ihren Mauer» ydrvvr»vkriechett... * Ich badete vor der Stadt. Ich verschallte mich fc» den Hickmel, wersann mich in lange Gedanken und vergaß die nahe Nacht- Plötzlich sah ich die Brücke entpyrgehen und die Dwe fiele» zu; die^Töne schlugen grausam an mein Ohr, grauenhaft an mein Her^. „Vorbei! N«n muß ich die Nacht vor der Stccht verbringen! . . " Und es war sonderbar: Wenn ich da« heim in meinem Bette lag, träumte ich Nacht für Nacht von der weiten, freie» Welt außerhalb deck Festung; und als sich nun mein Traum erfüllte, evgrisf mich der Schreck, Kopf und Herz lagen ckirU Streite. Dar Kopf rief: „Sei ruhig! Genieße die rein» freie Lust, den tveiten Sternenhimmel!" Das Herz aber sprach anders, undeutlich, mit Zucken und Zittern. Uno ein nebelhafter Dunst stieg vom Herzen in beU Kvos empor und hüllte seine Freiheitsgedanken mehr und mehr ein; sie wurden dunkler und undeutlicher, und bald vernahm ich sie nicht mehr. Es klang mit? in den Ohre«, es flimmerte vor d.en Augen. Jedes schmale Schatten eines Zw.igeZ, jedes- Säuseln eineA Bliittchens tr^eb mir Schreck und Schauder durch Augo und Ohr ins Herz. Es warf tnich zur Erde, und ich,' bürg meinen Kopf im Sande. Ob ich" schlief ober nicht, wie lange'ich' dalag, weiß ich nicht. Plötzlich vernahm ich. neben mir ruhiges? Muren. Ich sp-ang aus. Zwei wohlbekannte tief'chwarL« Augen blickien voll und herzensgut auf mich. Es war der Verrückte „Was tust denn du hier?" fragte ich; meine Stünntt Nang unfrei. ,^Zch schlafe nie in der Stadt . entgegneW er, und sein Blick war/weich, ftine Stimme so brudevtzut, daß aller Schreck von nur wich. /