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Wiener Morgenzeitung · 1919-12-21 · Heft 329 (21.12.1919) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 329 (21.12.1919)
Date
1919-12-21
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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« ©eBeT 48fett, Sonnta- ^^esbericht. GroWadtlegende. Ein alter Multimillionär fühlte fein Ende nahen. Er siatte ür seinem langen Leben, ferner goldl-ungrigsr« Derr-.andtschM manch Höfen Streich gespielt — nun erwarteten, sie MV brr.Wollust des .BorgenusseS den Tod des SchatzhüterF. .Der sonderbare alt« Multimillionär aber, der ihre HyKnenhsickr beutelustig auf sich gerichtet suhlt«, faßte einen merkwürdigen Entschluß, der ihnen das Geld entreiße» sollte', t . -And .bestieg eine Wiener. .Elektrisch:. .. . Alt, zittrig und hinfällig, stand er in« . überfüllten Wögen, von den Stößen geschüttelt, von Hol-Schleichhändlern bis zur Atemlosigkeit gepreßt. Bor ihm saß ein junger, kraftstrotzender Mensch, mit Lochenkop.f und KünstKrmasche, und laL, zuweilen träumerisch vllfbllckend, in einem Gedichtbuch«. Der-alte Mnltinrillionär mir feir.sm wunderbaren Man sah dem Jüngling flehend in die Augen: „Erlöse mich 'vvn fccm Golde, du junger Marsch. Es wird dich über Taufende empschoben, alt deine Wünsche werden im Nn erfüllt sein, Frauen, Glanz und Ruhm werden,denr Leben verschönern. Dies alles/wenn du dem alten Monns deine« Platz aübieteft.". Der junge Mensch fühlte den. Blick des Greises auf sich yerichtet) wandte jedoch indigniert'den Kops ab und sah sehnsüchtig auf das gegenübersitzende, wwirdcrschöne Mädchen. . Dpr GreiS. wandte sich mit Mühe um. und blickte mit lRyhrung auf die EngelS'-üge des Mädchens. Sie war billig, koch mit Geschmack gekleidet und las in.eirrer F-rlmzeitschrift. ' . Sie blickte auf und fein Auge flehte: „Erlöse mich voir dem Golde, o junge Blu'.ne. Prinzen werderr. dich liebän, Gscknz. wird, dich umgeben und du wirst.angebeteL wie Henny Porten sein. Dies alles, wenn du dem alten Manne deinen Platz.anbietest." Sie aber (weil sie schon wußte, was alte Herren 'Manchmal wollen),' rümpfte das Rüschen wird betrachtete Psylanders letzte Ausnahme.' - Da weinte der sonderbare M'irltimillionär in -seknern Innersten bitterlich und beschloß, fein Vermögen einem wohltätigen Institut zu vermaichen. Dieser Schmerz bli"b jedoch den Verwandten erspart, La er im Gedränge des AuZsteigens seinen Geist oufgab» , Ohne Yerket-r «rrd oh;re Llcht. Udvorsteherrde Einstellung des SreatzenborhrrverLetzres z« Weihnachten. — Katartesphale Lag« des EiebtriziLLtswsrhr-s. Gestern sind die letzten Pecsonerrzüge Nils ällcir Heutschösterreichischen Bahnen ab gelassen werden und -Mit ist der Verkehr für die Gliche bis zuin 29. Dezember eingestellt. Wien ist somit für mehr als eine Woche dom Ausland abgeschuitteu. Es ist müßig, über Hie in die Lebenslage eines jeden. Einzelnen tief einschnechdenden Folgen ein Wort zu verlieren. Man braucht nur auf die häßlichen Szenen Hinzuwersen/ welche, sich -inden letzten zwei Tagen auf den Wiener Duynhtzfen 4w»r Abgang der letzten Ziüge abgesprelt haben. . So drakonisch und traurig diese nonoendig ge- Hvrden? Maßnahme sich erweist, der Leide nskelch für Hw Wiener scheint' damit nicht erschöpft zu sein./ Der Wiener. Bevölkerung droht nämlich, durch eine aber-?' malige Verschärfung der soh.'ent is? gerade , zu den Weihnachtsfeiertagen ein neuer Schlag, der in seiner gfeuitä t»ie schwersten Folgen haben muß. Die Kohlen- -inläufe. sind, wie von maßgebender Stelle' mitgeleilt wird, so tief gefunken, daß das Kohlenamt gezwungen war, den Industrien n^ch weniger Kohle zuzrrführen, ials es bisher ohnedies der Fall war, und die Gefahr besteht, daß, wenn nicht in letzter Stunde die von der Entente .zngefagte Hilfe eintrifft und die Kohleuzusch übe sich Nicht bedeutend bessern, , eine Katastrophe irr den Industriebetrieben unbedingt eintreten muß,' weil sie -um . völligen Stillstand gezwungen ist. . Mer nicht nu.r die. Industrie steht vor einer Katastrophe. Dem gesamten Wiener Brrkehrslelen und dem jedes Einzelnen droht, u i« eint Mitteilung aus der Direktion der städtischen Elektrizitätswerk lautet, auchvon dieser Seide «in neuer Schlag. Das Elektrizitätswerk steht ohne Vorrat da, seine Lage ist trostlos. Neben her gänzlichen Abschaltung der Industrie ist, wenn nicht heute stoch eure bedeutende. Besfe uirg in der Versorgung des Elektrizitätswerkes mit Kohle eintritt, die gänzliche Einstellung des Straßenbahn Verkehrs und die Absch a lt un g de s' e le k t ri s ch e n L1 ch te s zu gewärtigen. Es bestcht also die (Zefahr, daß Wien währenv der Weihnach.sfeiertage ganz ohne elektrische Strom dasteht. /Wknie, »r. Dezmib« M» «t SW ---------l«>.>wi».,.i.l^,|l,lli -.--■■■■.--"*■■».- ' ■ -M An die geehrten Leser der Wiener ' Tageszeitunsien! Di« Wiener Tageszeitungen waren bisher bemüht, dir, in Wien eingebürgert« Zustellung der Zeitungen inS Hans trotz der stets zunehmenden, fast unüberwindlichen Hindernisse' aufrecht zu ' erhalten. Irr der letzten Zeit haben sich die Verhältnisse jedoch derart gestaltet, daß. eine geordnete Zustellung der Zeitungen ins Haus infolge Mangels a» Tragerpersorml nicht mehr aufrecht erhalten werde« foww DieDerststLgyirg der Vfterreichifche« Tages» zeitungen mußte drrßer beschließest, in Wien voch f. ZLntttzr!SM an die Auftellung der Ieltunqen ins Ka«-s aufzulaksen. Arr die geehrten Monnrnten wird das höfliche Er. suchen gerichtet, ihre gewohnte Zeitung aus der nächst? gelegenen Derschjcißstelle (Trafik) zu beziehen und dort ihre Bestellungen so bald wie möglich anzumclden. Die Zustellung durch die Post bleibt -aufrecht. Die feit Monaten stetig anwachsenden Herstellungskosten der Wiener Tageszeitungen haben «ine derart große-Belastung jedes Betriebes geschaffen, daß zwischen den Herstellungskosten u«d dem Verkaufspreis ein uv« erträgliches Mißverhältnis entstanden ist. Um ihren Fortbestand zu ermöglichen, sind daher alle Wiener Tageszeitungen gezwungen, ihre Bezugs- und Verschleißpreise vom 1. Jänner 1920 an gemeinsam zu erhöhen. Die gefertigte Dereinignng hofft, daß die geehrten Leser der Wieoer Tageszeitungen die Gründe für dir notwendig gewordenen Preiserhöhungen würdigen werden und ist davon überzeugt, daß jeder Leser seiner gewohnten Tageszeitung treu bleiben wird. Die Bereiniguttg der österr. Tageszeitungen. Entsprechend 4 dem oben .bekamrtgegcberi««' Beschluß der Wiener Tageszeitungeu sieht sich, auch die Derttalirmg der „Wiener Morgenzeitung" veranlaßt, ab L Jänner 1920 die Zustellung rnS Haus aufzulasfen. Um eine entsprechende Belieserung der Trafiken und Ve^chleißstellen mit der notwendigen Anzahl vou Eremplare» durchführen zu können, werden die geehrten Abonnenten ersucht, der Verwaltung jene Verschleißstrlle Lckannizugdben, in det der Bezug der „Wiener Morgenzeitung" erwünscht ist. Be^nsMeiss: Ab 1. Jänner 1920 habe« folgende Abonnement» gebühre». Geltung: . Zum Abhole» in der Derschleißstelle «der im Ex» ped-itionSlokrrl: " monatlich ,»»»»»« K» 12.““ 1 vierteljährlich . . t.. „ 36.— Einzelexemplar .... „ —.50 Postv«rsand für Wie» und Deutschösterreich: monatlich »«»»... K» 13.— Für die Tschecho-Slowarei monatlich K. 9.—, vierteljährlich K. 27.— tschecho-slowakischer Währung. . Die Verwaltung der „Wiener Morgenzeitung". Ungarische Agenten wollten Bola Kun ent» . rühren. . /Am 19. d. M., abends, wurden in Kqrlsteln die ungarischen Staatsangehörigen Ladislaus und Andrea- Gabor Horvath, die sich in der Nähe des Schlosses herum» trieben, von der Gendarmerie zur Ausweisleistung angehalten. Neber Befragen erllärten sie, daß sie mit einer Anzahl anderer Ungarn vor vier Tagen »ach Oesterreich ge» kömmen seien, um Bela Kun auö Karl st ein nach Ungarn zu entfülpren und dort den Gerichten zu übergeben. Zu diesem Behufe hätten sie sich über die Ortsder» HÄtniffe und di« Stärke der DewachungSmannIchaft der In« terniernngsstation an Ort und Stelle informiert. Sie gaben auch , zu, daß sie mit dem bereits vor einigen der Räteherrschast dem Terror.BataMon Nbor Szamuelhtz arigehort haben. Ueber Ersuchen der Polizeidireltion Wie» wurde er im Juni 1910zu welcher Zeit er in Mauer wohnt» von der BezirkShauptmannschast Hietzing und Umgebuntz auSgewiesen. Vom Bezirksgerichte in Liesing wird er «ege» BetvugeS gesucht. Ladislaus und AndreaS Gabor Horvath werden nach Wien gebracht und ebenso wie Malezik det» Gerichte cingeliefert werden. Raubmord au zwei Wiener Gastwirte». Ejn furchtbares Drrbrechen, d«S an zwei Wiener Gast wirten verübt worden ist, ist' gestern nachts zur ÄenntnkS der Polizei.gelangt. 'Die'beiden Wiener Gastwirte Aarl Webe«. Alsergrund, Althünplatz 2, und. Erhard Schmucker, NeubaN, . Burggasfe 129 etabliert, sind in das Weinland gelockt und' dort erncordet-und beraubt worden. Gestern nachtS erschichr der Sohn Webers beim Hauslommkssariat und teilte mit,' baß sei» Vater seit dem 17. d. M. ans Wien abgängig lei. Per Wirt fei, erzählte der Sohn, vou einem Manpe, rör ihm' Wein zu verkaufen versprach, in die Gegend vo» Ziersdorf gelockt worden^; «in zweiter Mirt habe sich w feiner Begleitung befunden und Leide Wirte sollten noch aO 1?. M. nach Abschluß des'Geschäftes nach Wien zurückkehrei^ Sie seien W gestern nicht gekommen. Während die Pvlizeh behhrdc die ersten Erhebungen zur Aufklärung des Der^ schwmdens dornahm, rief früh der Gendarmerieposte» Obe» Hollabrunn das Sicherheitsbureau an und,teilte, mih daß in dem Walde zwischen Radlbrunn und b r u^l n die beiden Wiener Gastwirte Karl Weber und Erha^ Schmucker ermordet aufgesunden wurden. Ofsenbar, fetztdie Gendarmerie hinzu, liegt ei» Raubmord vor. Di« Leichen wiesen Schußwunden auf. Die eine Leiche hatte ein«» Bauch- und einen Kopfschuß, die andere einen Brustschutz. Bst»» dm Täfern fehlt jede Spur.. , Abends wird uns berichtet: Im Laufe de- Nachmitta^ß hat das Sicherheitsbureau erhoben, daß der Täter maßlich ein drittes Opwr gesucht hat, auch einen Wirt. Vv« Einiger Zeit ist nämlich ein Mann, auf den die Person-» beschreibung deö Täters genau paßt, bei dem Gastwirt» Siegel ans den, Alsergrund, Boktzmanngasse, erschiene» ünb hat ihm das nämliche Anbot gestellt, wie de« Gastwipte Weber. Er hat dem Siegel.auch prei-würdige Wein» ans dem niederösterreichischeu. Weinland angeboten. De« Mann hatte sich Johann Hecht äuß RävrlSbach genannt. Er machte mil dem Wirte Siegel, der nicht so rasch aus da- Anbot einging, aus, daß er ihm nach Ebersbrunn Sfr. 67 schreibe, nach der Ortschaft, in deren Nähe die beide« Wirt» ermordet und beraubt worden sind. Dann gab der Man» auch an, daß man ihm an das Gasthaus im BahnhoH ZierSdprf telegraphieren könne. Es unterliegt keinem Zwei' H ‘ ^»ß der Mann der Raubmörder ist. , * -Makkabäer * Matinse» Die zionistische Bezirk seklionen Alsergrund und Währing veranstalten Sonntag de» 21. Dezember um V>U llhr vormittags im Fesllaäle de* BeznUo Vertretung Alsergrund iWädringerstrgße 43) eine Maktabärv Mariuse. Programm: Erönnüngsrede: Dr S ch a l r t.. Cho« des jüdischen - GesangvcrcmtS. Festrede: Gememderat Dokror E tz r l r ch. Reztthtiön: Oberregiffeur Egon B r ech « *. ,. * Schochmeister Wi«a«e* «estovbs«. An Warfcha» ck Ende vorigen MonarS dr* driannte jützrschr Schachmeister Simon W i n a w e r gestorben. * Vermählung. Med. Dr. Istdor Ludwig V r »«»tz Obmann des Vereines Kurfürsorge, hat sich mit Fräulem Minera P o h o r tz l l e s aus Jägerudorf vermählt. * Musiksedtio« de* Haknah. Heute, präzise 'MO ly» vormirlems. Probe im Bereinsjaa! des Sonzerchaufes» 14 Hem markt. Nütm und Instrumente «ttdrmgen. * Verloren. Samstag vannittagS gegen 10 Nhr wmpß auf dem Wege von der Taborstraße des «tat Hause Rr. 14 « der GiockeUgastr oder m den m diese» Hause destndtrchrn Deli« - ksilessengeschalt« eine kleine Geldbörse aus Hirschleder mir aeringe» GelLbe'rag verloren. In der Börse war überdies ein Brillant« ring mit lchrnalem, dünnen Goldreif enthalte«. Der zwei Karat schwere Stern ist in Srlber gefaßt. Abzugeden gegen gute Be^ lohnurig beim Hausbesorger, 11. Taborstroße Ssch 4. Stiege. 9 Ve*k««s »on südslawische« Geflügel, AuS dem dekmnten Vertrag mtt den jugoslawischen Staaten st«d kürzlich 5 Waggons Gestiigel. vor alle« Gänse und Enten^ ring langt, w lche aus Äulaß der Weihoachtskeiertage in W:en zur Ausgabe gelangen., Da daS Geflügel annerordeml'ch fettreich ist, wurdd veriügt. daß das Feit vom Flnsch ar,-geschmolzen und zur Verwendung rm Rahmen der allnemttnen FeNversorgang bererlgehalt«» wird.'Die Ädgabe der Geflügels erfolgt daher m zerteilte« Zu« stände. DieKleinverka«sSpre»se betrage»: Für daS Weich K 6ft.— vro Kilogramm, für die Leber A 100.— pr» Kilogramm, für daß. Junge K Sä.— pro Stück. Tagen in ^arlstein verhafteten Alexander Malezik in Ber» bmduntz standen und erklärten überdies, daßsich andere itntzarische Offtziere verpflichtet hätten, Bela ^kun und Genoffen in ihre Gewalt z« bringen. Alexander Gabor von Horvath weilte in der Zeit von Juni bis August 1618 mehreremale vorübergehend in Wien, stand früher im Dienste des von^der ungarischen lstäteregieruug nach Wien entsendeten Mikitärbevollmächtigten und soll in Ungarn zur Zeit * Ei« Zug mit holläudlsche» Llebeogabe« i» Wie«. Gestern obmds tras im Hüitrldorttr Bahnhvi tin Zug imt hoüändüchtn LttbeSgaben em. Es ,st dieder erste Te»l einer Zrrgsgarnitur von 60 Waggons, welche Reis. Mehl, Kar offeln, Bvttrr, Kakao, Kondrusmuch rmd andere hochwertige RahrnngS« mittel als wei'.ere LredeSgaben der Holländer nach Ären brmgen. Den Zlkg führen' der Dliekts* des Rotterdinner -Lloyd* de Reyß und der Deiegicr'e' des hollandüchen Roken KreureS Ä 0 d r « §. Beide Herrc» wurde» vom Vizebürgenneisttt Map W i «t e r im Scnmm der Sradt Wien auf das herzlM« begrüßt. Das Präsidium des American Joint Distribution Committee, Abteilung Wien, gibt tieferschüttert die traurige Nachsicht, dass sein Mitglied nach langem schweren Leiden am 20. Dezember im 50. Lebensjahre verschieden Das Leichenbegängnis findet Montag den 22* Dezember um 10 Uhr 20 Wn« vormittags vom 3. Tofe des Zentralfriedhofes (israelitische Abteilung) statt, Wien, 20. Dezember. Präsidium des American Joint Distribution Committee, Abteilung Wien»

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