Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 329 (21.12.1919)
- Date
- 1919-12-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Er Hat Wem Volke, dessen Wohl und Wehe sein letztes Denken Mt, echtes gegeben: Herz und Hirn. Nun' auch das Heben» Politisches Wirken untergräbt die Kräfte, zehrt W Werden auf. Und das um so mehr bei dem jüdischen MlRker, an dessen Energie das maßlose Leid' des Volkes .Mstelt.- Mit 44 Jahren mußte Herzl ins Grab, Gabel Wh Mit 39 Jahren, Stand hat sein 60. Lebensjahr voll» Mpt. ' ' <Sr-ift einer der ganzen,,.stets-ihres Zieles bewußten Wlsner gewesen, der mit gesammelter, rastloser AufpsWamkeit seinem Lebenswerk nachhing. Einer der Hchnnerrm Feuerofen hat ihn Nordau genannt. Und Wklich ist Adolf Stands Leben stets das eines Rufers im..streit gewesen. Er hat den 'Gedanken der NenüissMeHes jüdischen Volkes als'jünger'Mann in sich auf-. Wommen und hat ihn durch lange Jahre mit stets. HeWr Glut verkündet. Er hat den Kampf gegen den WOsi Feindjüdischen' Lebentz, dieHeigheit der politiaH Men Felderlt, alle Hindernisse und 'SchwieriFeiten M dem' wuchtigen Impetus der Logff niederwerfend. Ec Mnd in der vordersten Reihe. Her Männer, die mit Mepdox- Herzl im Jahr«- 1897 das.Daselex Programm Maslamierten und die Lebensanspxüche des jüdischest VoMsHov der' gesamten, zivilisierten Welt, aufrollten. Me Schaffung der. Tribüne des ZipWenkongrDs war Me Tat. Und sie vollbracht zu haben ist mit ein Ver° Henst. des Mannes gewesen, dessen Tod wir heute" besagest. - . ' ' ■ ' Aber die große Bedeutung Stands,, der Wert seines Mseü, geklärten Urteilst, seine psychologische Erfassung hys Massenwillenszeigte sich erst in dem großen- Jahr,, das. den zum erstenmal zu allgemeinen Wahlen auf? Wstfanen Völkern Oesterreichs die. Existenz eurer - reifglßvordenen jüdischen Mtron. im Wen sinnfällig erwies. . Wastd hat mit dem /ganzeu Elan seines impulsiven Wssns immer von neuem den Gedanken in die Gehirne gehämmert, daß das jüdische Volk in den Ländern' des f hlüth seine politische Entwicklung auf der breiten chsis'.seipes Volkstums erkämpfen müsse, daß es vor her Streichung der nationalen Freiheit im Land der Bätet Wch einen politischen" Lärsterungsprozeß hindurchgehest' Mhr innerlich 'frei werden müsse. .Wif diesem Gebiet' des Mhtznskmnsifestunseres Volkes/ ist Stand ,nicht. allein, Whxer, sondern —und dies in noch höherem Gräde ^' Kehrer gewesen, der ganze Genercitionen einer he-' gdsterungsfähigen,' opferbereiten ' Äugend., geschult.' und M die. harten Tage vorbereitet haj, 'die jetzt Lsier^uys Mpstrmen sind. .Niemand kanndie Selbstlosigkeit, -die' stirstmermüde Ärbeitsbereitschaft dieses Mannes ermessen/ M keine Ruhe und kerpe Pauss/Wstts und 'Ws'da hsäx» Wenn iihn das .jüdische. Volk im Osten im/festen V^rauen auf sein Wort anrief.Sejne Reden/ ob - et Mn in der Sprache des Volkes, yv. er"/deutsch' 'pdier Mstisch sprach, waren an sich MeiskHwerke der Rtzetyrik.- Wer womit er ^das Herz deS Volkes eroberte, dastwar .sein Glaube an das Volk, seine Zukststft und sein Werden. W/ ' ganze jüdische Volk war .' ihm ein 'einzige heWosiene Einheit, deren Lebensziele dieselben sind wie M anderer Volker: Freiheit und. eigenes Leben. Das waEMänds Programm,'für düs er gelebt und gestritten, daspr vielen Tausenden von Menschen verkündet, hat.! .. Und es ist wohl das. Schönste, das man einem Mann naMüsen kann, wenn er.auf immer scheidet,, das Beste, dH'er, sich selbst sagen kann, chenn er zum ewigen Mchsummer die Äugen schließt: omniy tzch sterbe nicht ganz! Die vielen, zu denen er gesprochen hat, die den Sturmhauch seines »Geistes perspürt haben. viMen im Sinne dessen leben, was er, sie gelehrt/ hat, tznd dem Ziele zustreben, das er nicht nkehr' erreichen MsM-'-DÄ. KrMrjt des jüdischen Volkes. ' Renner vor der Natisnalversammlung. -j-y. Wien, 21. Dezember. Mit einem der letzten Züge, die noch die Verbindung ' Wiens mit der übrigen Welt aufrechterhalten, ist gestern ' die österreichische Bittgesandtschast aus Paris zurück- ( gekehrt. Knapp nach ihrer Ankunst ist die Absperrung^, der Hauptstadt eingetreten/ die bis fast zum Jahresende isoliert bleiben soll. Für die-kommenden Tage steht außer» dem die völlige Einstellung des Elekrizitätswerkes und > der Straßenbahn zu befürchten und nur die drei Entente».' Züge, die wöchentlich zwischen Paris und Warschau .über > Wien^ laufen, werden der Welt die Nachricht bringen, daß die Zweimillionenstadt noch am Leben ist. Welcher Art dieses Leben ist, davon gibt sich die Welt keine Rechenschaft. Sie wird sich vielleicht auch nicht durch die heute mitgeteilte Todesstatistlk dieses ersten Friedensjahres in ihxem Gleichmut stören lassen," die einen Rückgang der Lebendgeburten um 70.000, ein 'Anwachsen der Todesfälle an Tuberkulose um fast 200 Prozent, und? einen Gesamtabgang von 121.308 Personen' feststellt.' Das sind Ziffern, die'.sich von den Resultaten der Feldher'rentätigkeit des Krieges nicht allzuweit entfernen. Das große Sterben - dauert fort, General- Winter und General Hunger.führen das Konunando und in der Auslandspresse sind die Nachrichten aus dem sterbenden -Wien schon seit langem zu einer ständigen Rubrik geworden, die dem neugierigen Leser anschcuilich schildern, wie eine üm Herzen Europas liegende Massensiedlung von Menschen -in Elend verkommt/ und. alle Begleiterscheinungen des fortschreitenden Ruins vor aller Augen entwickelt: Finstere Straßen,, kalte Herde, Einbrüche, Revolverknallereien, Kannibalismus^ politische ■ Verzweiflung, Di« Vorlage wird ohne Debatte angenom«eh. EisenvahnverkehrSstener. ' Abgeordneter Dr. Gürtler berichtet darüber.? Wird ohne Debatte angenommen. Die Funktionsdauer der Kammermitgtteber, / - Wird nach einem Bericht des Abgeordneten Parti? biS zum '81. S/latd 1920 betlängert. Tilgung der Folgen militärgerichtlicher DerurteNuuge». Abgeordneter P o l k e berichtet über. einen Gesehen!« wurf betreffend die. Folgen-miütärgenchtlicher Verutterlungen. Wird ohne Debatte angenommen.' ' /.v; V N . Das Budgetprovisoriüm. . . Abgeordneter Prof. Dr. G ü r t l e r berichtet über daA ^echsmonatliche'Bndgetprodisorium.. ' Während der Rede des Referenten betritt Dr.-R-.öün tt mit den Kabinettsmitgliede.cn den Saal. '>/. - Rede des Staatskanzlers Dr. Renner: .' ' ' . In einer Hinsicht ist/das Ergebnis dieser Reise ,eln ü ol l e r Erfolg: in P o l r ti s ch e r. , Der Krieg. W/ ewe Kluft zwischen den> VolkernXgeschäffsn.' Nun endlich ist diese Kluft einmal überbrückt, und . ich kann feststellen,. h^iß Hie Aufnahme, die wir in Paris: gefunden haben, eine , außerordentlich. freundliche und wohlwollende, war. In crn d-e-r/e r Hinsicht,, in bezüg, auf. die. m a t,c-r i e ile n Ergebniffe^chri'ngt. .unsere Reise nur / einen Teilerfolg. Jedenfalls har unsere > Negierung .in einer Z w u ng s:.a.g tz. gehandelt, ' - ' v :■ ' . Es . war ganz, unmöglich/ durch, Borstellungen,?die - hiev in W)e'n'erhoben, oder durch solche, die im schriftlrchenWege an den Obersten Rat geleitet wurden, die' Gefahpeü-.'Wsw» legen. Wir haben die''Gesandten in Wien gebeiew UM' den Weg zu bahnen. Cie. haben uns alle Tore in Paris Hofsnet und von dieser Stelle aus. sage ich ihnen, meinen Dank-dafürl Am meisten überrascht , waren .wir durch 'die 'Aufnahme,.'dje die hon Europa Und-von OefterrLich verlasseil ist, den Bericht des Staatskänzlers über diu Ergebnisse seiner Pariser. Fahrt. erwartet. Die Volksvertreter des. flachen Landes zeigten.wenig Interesse. Sie läßt dev Zustand Wiens ungerührte und die Sorge, rechtzMg aus der armen Stadt zu entkommen, Ist. ihnen wichtiger gewesen. Der prunkvolle Herrenhaussaal mit. .-seinen glatten Martnorwänden, an denen kein Wort haften bleibt, war fast leer ..... , - ■' ■’ Der Bericht des Staatskmrzler^ laütete, nicht sehr -ermutigend.. Wir werden , etwas KohR aus .der Tschecho» ' Slowakei und aus dem Saargebiet, etsvas Getreide aus Jugoslawien ethalten.. Bezüglich des Kredits dementierte Dr.. Renner alle bisher genannten Ziffern/ da sie. den Tatsachen weit vorauseilen.' Erst am Ende-der-nächsten Woche werden die Beschlüsse des. Obersten Rates bekannt werden. Politisch freilich ist die Reise. sehr wertvoll gewesen. Der/ Weg der direkten mündlichen Aussprache ist freigemacht worden und wird aller Voraussicht r^achnichtmehr. Werlassen werden. Schon im Jänner will : Dr. Rennec neuerlich nach Paris reisen, um den mit solcher Mühe hergestellten Kontakt zu verstärken. In die Zwischenzeit fallen die, Besprechungen der einzelnen . ^ntentestäaten über da^ österreichische Problem^ und be». - sonders über die Kreditfrage und di.e damit zusarnmenhängende Versorgung Oesterreichs mit- Lebensmitteln und.Rohstoffen, tvobei die Entente ün dem Grundsatz l festhält, daß die int Frieden von Sarnt-GermaiN' -be» : stimmten l Grellzew unverrückbar sind und weder durch 'die Äbfallsgelsiste der-Alpenländer, noch durch Ungarn verletzt werden können!. - . Nachstehend der Sitzungsbericht: ' / - Präsident-S ei tz eröffnel die Sitzung nur tza'b-»-1 llhr.' Der Abgeordnete /Landeshauptmann-Slclldcrn-.'Ä r ü-b e r auS^LiNz^W-lein'Mcmd!tt üiädergelegt.: ' . Notenbank. . . ,' Die 'Tagesordnung' wird umgestellt und zunächst das Gesetz 'betreffend das Notenbankwesen in Verhandlung gezogen, worüber -Abgeordneter A l l i n a referiert. ■ ■ - Abgeordneter Ä r as t stellt den Nesolutiopsanicag,. einen Beirut zu schaffen, der sich mit der Sauieruya unserer: Valuta beschäftigen soll. Die Vorlage - wird an ge n o mm e n, - die R.esoluiien Ärafft abgelehnt. , N . MiliLLrbosoldungSübergangZgeset; Hierüber berichtet Abgeordneter Schon.steiner.' ' Staatssekretär Dr. Deutsch erklärt, daß er d-rrrnächst. das Militärabbaugesetz dem Hause . vorlegen, wird. Die^ Generalität wurde im November vorigen Jahres sofort i:r Pension gesetzt,, insgesamt 480 Mann. Damit begann der Abbau dH Wehrmacht. 8955 Gagisten blieben übrig von den aktiven GagisteN. Mehr als 6000 Berufsinsteroffrziere blieben erhalten! Nunmehr wird der Abbau rascher erfolgen müssen. Die Staatsregiernng wendet sich an alle, um. die ausscheidenden Offiziere in anderen Stel!una.en der» wenden wollen, Me Mögen dazu helfen! maller Färbungen, die Presseohne Wsnahme.A)at untz gehört. Wir waren lnwenigen Stünden -rri -- Hauptorgatten der französischen öffentlichen^ MemWHs und. wir danken dies einer Einrichtung, die in unsereMMplozna-! > tischen Dienste neu ist und die hier zum-ersten Male-Gelegen< het hattesich zu bewähren:.Der Mnrichtung ,unserer P r e s s e - A t t a ch e e §. . -; - . Die französische Presse hat sofdrt 'verstand'en,tzhätz uyS> zu helfen - n i ch't. mehr in 'erster' Linieeine Sache ds'r ' Psstt'ikist, sondern ' -V - r ' , eine Sache der Menschlichkeit, und sie. haben unsere Bitten und Vorstellungen auch'M-Mfgefaßt und unser Verlanaen nach, nnmittelbarer . ernder Hilfe, .ich kann' Nicht anders sagen,, mit ElaWuntH»^ stützt./Auch ihr gebührt unser Dank. Der. Nnfall^HsHvHl' ceaus sührte dazu, - daß ’ wir; wenigstens fofort in her. - ' - Reparati'vnSkotnmWo»' ' ' -1 ..n'-'.'y zu Mörte. kanwm ' Wir hatten Gelegenheit, vor diHerr-Fach^ köx^ez:schaft< unsere Sache zu führen.-Ich hahe dort. oiHÄge,« . meinen Zusammenhänge unserer BoWernährusig ] und' unserer: Staats- Und Volkswirtschaft dargelegt. DietzRepara-!' tior^srömünssion hat uns Lereitwilligst. angehört' ürch^fofork Unseren 'Bericht.zum Gegenstand eines eingehend^. Stu«. dülms .gemacht, um nach "dem -/Zusammentritt, -Rates ihrn sofort,- Bericht .guerstatten. Endlich .kam^Elemenceau zuruck, und'ich Muß^tatsächlich bekennen, datz . ich aufsfroudigste übev'rascht war, sofort nach seiner Nückichr<diH ,Einladung.vörzusindeü»'-H'n-'inseiner Privatwohnung>zn-'bH suchen. Ich.hatte,Gelegenheit, zunächst dem Präsidentsm vorH geftM zu .werden und habe zunächstdie ErnährünMugei und' die Notwendigkeit der Kredite vargetragen üH->^lleS.- ändere. zurückgestellt. Ich kann diesem außerorWtlicherr' Mannch der trotz seines' Unfalles sofort diese' AüWsstz'eWst » üufgegrrffcn und den Obersten Rat sogleich aüf. den. Mchftim Tag eiüberufen hat, nicht ayders als .- -'"I meine menschliche und meine politische BewundeHi»A> :. ' zollen. Am nächsten Morgen trat der Obersts. Rat>indev PrivaUoohnung ClemeneeauS zusammen.. Ich häbe.' Obersten Rat in einer Rede meüle Bitten vorgetriWn, - die ja hier auch publiziert wurden. Im Namen deS.'PGKeH Rates erösfnete nun der. Vorsitzende des Orgämsmipus- ' Komitees der Reparationslommission, daß der ObHM-RaL schon Beschluß gefaßt habe- und in fünf Punkten fei-M Minurlg zusammünfasse. . . Auf Grund der Eröffnung des Ministers L.chuchHüv.- häSe ich sofort das Wort erbeten und zu den MtzMnen' Punkten Stellung genommen. Ich habe insbesondere^'vüj--dem - Obersten Rat mit« .allem Nachoruck. klärgelegt> augenblickliche Aushilfe immer nur ein Leben von dex.Liänd in 'den Mund,', ein Leben von Tag zu. Tag möglich Macht, ' daß-die Aufwendungen, die zu diesem Zwecke gechacht sind, so notwendig sie sind,- dennoch unsere Lage im ganzen nicht bessern können und den Zustand-nicht behebet^ daß wir' uns selbst aufzehren und daß wir deshalb den größten' Nachdruck^ auf eine' dauernde, syftelnatische.Äbhllfe legen müssen/ welchs.' uns nicht nuu Tag für Tag das Brot verforgt, sondern uns-, in den Stand setzt, zu arbeiten,--selbst unser Brot zu verdienen und ans eigener Kraft unsere Verpflichtungen deml Auslande gegenüber - zu erfüllen. Die Worte, die darauf , yon.^ Clemenceau und Loucheur gesprochen v wurden, lassen vp-i kennen, daß der Oberste Rat diese unsere Absichten begreift! und würdigt und daß er uns darin unw^stützen will. j - - Wir. haveu erreicht, daß uns die Tschecho-Slswakei] 750 Waggons Kohle in .den nächsten .zehn Lagen. liefst.«..! j nnd. M Pendtzlvorwhr. Whrisch-Kftrg^—WM tote m Frieds .4#;-: . . \ 1!' m '!/;! i'tn. \i r -