Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 328 (20.12.1919)
- Date
- 1919-12-20
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 80% known words query
- IRI
…/2979076-2979077-2979405--02892-2988461- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
3ir. b-iS, ittmu, «-UMSLüg ... ±J ^>ji> l »!><» i iMirtfchafttiche Nachrichten. . AnS L r m b e r 6 wird bcrtdjtct: feie Hauisrbclvetnmg der ■ ti d r ft«tu t> e 11 c n ft .t o n e, die sich ie t nn'yer Zen auf dem Geldmärkte in P ölen gellend tnackt, scheint ihren Holie» hui ft noch lange n dit übeifrfmttcn zu haben und man gewinnt »ep Eindinck. als sollte der Kmswerl der Krone jmen der volnischen Mark nreichcn. Die Kloncnknappbeit ist überall e ne so torol» gemordet', daß sie bereits m einer Art wirllrhaftllcher st a l a m i t a t ansmarten droht. Diese nittkivil'.diac Eriche nung fixier Kroncnhauste im Auge»blicke - einer allgemeinen Enlwer ung der Krone auf den anSländischen Märkten ist vor allem aber au» die Tatsache zm iickm'iihren. daß ch e Oesterreicknsch'nngm ifchc Bank iür Bolen e gei'tlich zu cyifticven aniaehölt hat, so.daß Polen nicht lo» keinen nei»en Ki pnenvorrat e» hält, sondern daß im Gegenteil ne ^polrinche Landes--Darlebenskaste bestrebt feit muß, alle erteichbareisBorräie zn kanzemr eren. nm die Alaats^rsten GalizrcnS «ck diesem ZaI'lnngsml.itcl zu sveisen. Ferner haben Vilniaipeluianien rm Lan>e der letzten Monate ftronmnote» mastendalt nach der Ukraine. Unganr, Rumänien und Jugoslawien anSgefilhrt. — Aus Bnda.pest wird gemeldet: In der Gtneraloersanimlnng der Kaichau-Oderbergtr Eisenbahn wurde mm Piästdonlcn Dr. Rndolf Sieghardt, zumBirep ästren'en Dr. Alexander Popovie g wlhlt. — De» GeschästLibickluß der Friedrich ft r « v v Aknenge kll'ckait in Essen schl eßt zum erstenmal.»eit dein Bestehen der GcsdbwaN mck einem Verlust von 86 Millionen Mark gegenüber 5 Millionen Mark G'winn im Bonakre ab. Der Be-tust wird mtt 16 Mrll onen Mark Gewinnvorirag vom Vorjahre und Entnahme von 20 Millionen Mark aus der Sonverrücklage. die »ich dadurch aut 10 Millionen Mark verringeit. beglichen. — „<2ttn" meldet aus Land o n, daß die sranzötrsche Anleihe in der Höhe von 40 Millionen Flanken nu März in G r o ß d r t t n n n i e » aukg legi werden wird. — Nach der »New AortTtmeS" hat Ho oder gestern beantragt, d»e Getre'devc»kehrSzentrale durch den-Kongr eß zu ei mächtigen. die Prei'e d<S stir dte hungernden miltclentvvcrischen Länder znnnveliend» Weizen- und M e h t e S z u ü h r r »v a ch e n. m ..<» v Sicherung der Vermögensabgabe — in der Tschecho-Sloivakei. » ,Aus Prag l^ird uns berichtet: Die lcmgerwartete Gesctz/Si.o^lle über die Sicherung der Brrn.ö^enZabgabe wurde endlich der Nationalverjammlung vorgelegt. D-e -Nähere Regelung der Dern:ö.-ensabgabe wird ernenn späteren Gesetze Vorbehalten. Damit a er der S.art nicht her Gesahr aufgesetzt wich, daß unehrliche Steuerzahler mit ihrem Bernrögen so umgehen, daß die spätere Ein-.ingnng der Steuer vereitelt wäre, räumt das Vorliegende Sicherungsgesrtz der Swurrverwaltuüg das Recht, ein, cher Partci einen schriftlichen, so,ort durchführbaren Au'trag auszuerlegen, dir Steuer zu garantieren.-Die Art der Gacauäe itzird durch eine Regierungsve ordnung näher bezeichnet werden^ Der Garantiebelrag soll nach der Gesetzesvv-la-^e bei einem reinen Vermögen nach dem Slande vom 1. März wie folgt festgestellt werden: über 20.000 bis 100.000 Kronen b Pr^ ent, über 100.000 bis 300.000 Kronen 10 Prozent, über 300.000 bis 600.000 Konen 15 Prozent, Wer 600.000 bis l.ÖOÖ.OJO Kronen 20 Prozent, über (1,000.000 und höhrr 25 Proben.. , ■ j Doch dem nach dein Mürzgesetze der Konskription unterzogenen Vermögen dürfen nur Schulden und Lasten ttarf) dem Stande vom 1. März in Abzug gebracht worden und nur jene, die mit dem E gentum. das der Komk-.iplionutt erzogen' wurde, in wirlschtlftlichem Zu ainmenhunge stehen. D e Hö e des Vermögen stellt die Staatsverwaltung sicher. Ist keine Gefahr vorhanden, kann eine kurze Frist der Packet gegeben werden, damit sie ihr Vrrmögrn nachweist. Ein Rekurs ist zwar ^möglich, hat aber kein« aufschiebende Kraft. Eine Ue'chwcrde an den obersten Verwaltungsgerichtshof gegen die Entschrioung des Berusungsamtes ist nicht züiäsjiz. Zn einer Au lassckng o er einem Wechsel der Gesellschaft in irgend eine an e.e R chtssorm wird die Dewilligu ig der ko.upe eu.en Steuerverwaltung notwendig sein. Wer nach der Kundmachung dieses Gesetzes ein Uiltcrtlehiuei» erwi bt, garantiert für die Verlr.ögencst.ner, in'oweit durch die Uebertragung des- Unternehmen) die Einbringung der Steuer beim alten Eigentümer gefährdet sein wird. Atsergrund u. Währing Sonntag den 21. Dezember 1919 um Vgll Uhr vormittags im Festsaal der Bezirks Vertre tung Alsergrund, IX. Bezirk, Währing er Strasse 43 toM PROGRAMM EroSTnungsredc: Dr. Schallt. Chor des jüdischen Gesangs Vereines. Festrede: Gmderat t)r. Ehrlich. Rezitation: Oberregisseur Egon Brecher Aenderimg bet Haute-- tmö Lederbew!rt<chaftmrg. Im heutigen Staatsgesetzblatt wurde Line Vollzugsänweisung des Staatsamtes für Handel und Gewerbe. Industrie und Bauten verlaulbart, durch welche, eine Aenderung'der Hänle- und Lederbewirtschaftung angebahnt wird. Der bisherige allgemeine Anbotszwang für Haute und Leder wird aufgehoben. An dessen Stelle tritt eine vertragsmäßig« Ablieserungspflicht jenes Leders, welches aus den bisher durch die zentrale Bewirtschaftung zugewkesenen Häuten und Fellen gege.bt wird. .Zur Sicherstellung dieser Abl'.e> rung an die beuischösterceichische Ledcrstelle wird erne allgemeine Beschlagnahme des Leders verfügt. Die Pr«is^ für Leder, welches für VolksbekleidungSzwecke abgegeben wird, find um 20 Prozent und für das sonstige vorbehaltene Leder um 60 Prozent erhöht worden. ,Ai; - Ern^nernng des DansprlbUegtums. Die Brrbantlungen übcr dw Berlängnnng des Puvileoiums otr Oestei rnchlsch-ungarckchrn Bank stnd. im großen und' ganzen abgcichloff.n und dürficn in dm näcksten Tagen perfekt werden. DaS Pirvilegium. welches am 81. h. M. abläuit, wird auf ntefjmt Mdnale in das nm« Jahr hinein verlängert werden. Der Dermin sür bte Erneuerung w.rd auf unbestimmte Zeit lest« gesetzt melden, biS eine neue gesetzliche Regelung der Bankfrage vollzogen se.n wrd. Der fornulle Abschluß der Verhandlungen wird «ach ■ der Rückkehr des SlaatsfrkrelLrs Dr. Reisch von Paris rrsolgen. Wie t>ertontet, wird die Ernennung dcS früheren Ministers .Dr. Alexander Spltzmülier zum Gotwerncur der Ocsterreichikch-ungaestchen Bank heute- oder morgen vollzogen werden. Die Ernennung dieses Manu-s wave krm glücklicher Akt der Re« gierung. Dr. Sp-tzml'ller »st als Aimcher einer der heilloseste« politischen Diletkänien beS alen Systems gewcsen und femr Beteiligung an der Bordereau-Ge'chichte im Falle Kranz ist noch' zu sehr in der Eunnrrung, als daß man gerade .diesem Manne rin so imchüges Amt anvertrauen sollte. Grotze Transaktion der Angärischen tzökzdank. Ans Budapest wnd -emeldrt; Unter dem Namen „FofeaUt Socl^tÄ ar'oj'ima pfr l’h dusiMa e fl Comm' rcio del Lotmm*«11 hat ficht am 11. d M. in Mailand mte Aktiengescllschast für Hokpnvustrte und Handel konstitmcrt, welche auch dre Ungarische Holzliank ans eine btcitc stnanztellr Grundlage stellt, indem sie d->ren größere Geschäfte übernimmt. DaS Stammkapital der neuen Gesellschaft hcftcht aus voll (ingezahlten 60 Millionen Lire, verteilt auf bvv.000 Stück tUtoi zu je 100 Lire Nominale. Den Ak ior.ören der Holtbank ist eine nambaste Betetliguna nt» oestchert In das Din'kionum wmden pewablt: M'Nisier S'lvio C r e s p t. PuÜidcnt Giuseppe Töplitz, Inies E h ev a l r e r. Direktor der 8s gus cks Pari» «t dw Pays vs», Robrrta A d l e r und Mar-oni P e t r o n i, Direktoren der Ba ca Italiana di C'^dHo Comnitrcinlf, Camillo C a st i g l i o n i, Sir Dalriel Da» i s/o n, Mitglied des rnglücken Unterbauf-S, GraiCailo Porr o, Friedrich D e u 1 s cht Äladar Fon Sgv. Dr. Oskar Goldfinger und Bela G r o s z. Zum Prästdenxn wurde S'lvio C r e s v ». zum Bi-eprästdenten Cantillo Castialioni und Jules C h e v a 1 l e r gewählt. Zum Genrraldtrektor wurde Aladar F o n a g y ernannt. Dalntenkurse. Jin gestrigen freien Verkehr bewegten st., die fremde» Zahlungsm'nel zumeist auf dem letz'gemddctetr Nwearti ES notierten : li-e t tt o t e n 6.—, Markno t e n 4.1SÜ Rübe knoten 2.65, Lire l'tt.80, Schweiz erRote» 17. —, Dollar 17?.— und A u S z a h l u n g B erl in 8.87^ Aendeeansen in den Ausfuhrverbote« DeuHch-t kandS.'Dre deutschen Zollstellen sind, rrmächtigt. die handelst üblichen Proben von Waren, auch soweit sie nicht nur zum Ge-i brauch als solche v'Nvendl ar sind, ohne Bewilligung zur Äusfnbö zuzulasscn. AnSgrnomuien stnd Edelmetalle «nd Waren daratlS) Lebensmittel, Cbcmrkalien und Arzneinnttcl, soweit sie einem Auötubrvcrbot nnterl'tgen. Dte Ausfuhr von Lcbensm>ttel-< Paketen ist von einer Ausfuhr bttvilbgung abhängig, die vout Reichskonm ffär iür Aus-und Elnsührbclvi-lligiingen in Brrll» ertelU werden kann. ^' Einfuhrverbot für Model in der Schweiz, ftutt! Schweize, Meldungen hat die. Schwei; cm E>niuhlve^bot für Möbel crlafsen, wovon ohne Rücksicht auf Berkawsabschliiste alle Senkungen betroffen werden, d>e am 15, d. M. dte Grenze nicht Lbeischriiten haben. — Diese Maßnahme richtet sich nicht nur gegen Importe aus Oesterreich, sondern vornelMlich gegen dir Deutschen. Von den GetreidemärLten. Die gestern erfolgirn Schneeiäll'? /lewäbien nun den Saaten doch cinige-maßeu Schutz, so daß bet nicht .zu langem Anhalten hcS Frostes dicse fernrrt Schaven erleiden we den. Das Geichä't auf dem hicstgen Platz ist völlia ins Stocken geraten, da du bisherige» ohnehin ipärlick)e« Zuichübe iastgä nzlkchausblerbcn. Eiiizelne Zniallspattien in Futteral titeln er?.:'lim der der herrschenden Fuilernot denn auch jeden glsordrrtrn Preis. ' >4 Ausgleiche. Dom Wiener Handdsgerickte wm de die im Ausgleichsverfahren der Füwä S o l l/U j, Maschmen- »nd Metallwarenfabrik A.-G., Zweigniedellafsnng in Wien, die' für den' 23. Tercmber ISIS anbexamnte Ausflse'chstag'litznng ans Ant'ag des» AnSglechsverwalters Balemi» Kadlecik auf den 18. Fcbriigr!9;!Ö, vo'Milrogs 10 Uhr. Zimmer 100, dicscs Gerichtes rrstteckt. — Dom Landesgerchre Wien, ,nde das ArSaleichs* verfahren über das Vermögen des. gewesenen RalerihandlcrS Hermann R a u m a « n. IX.. L'<chtenste>nsti aße 182, ein.geleitkL AusgleichSkomm stör: OLGR. Dr. Anton Cbwo.ka. Ansgle chs-» Verwalter: Bnibold Kohn, 1, Sterngasi«' 3. Anmeldefrist: 20. Jänner 1920. AusgleichSlagsatzpng: 28. Jänner 1920, 11 Uhr. , _ Wiener Börse. DaS Interesse an der gestrigen Börse galt den vnaarifchen Werten, wckche bei lebhaften Umsätzen und regerer Nachfrage größere Steigungen anfzuwkisen batten. Eine namhafte Avanti bis 2100.— um K I03’l— fricltdt die Altem der Ungarvchen B-nk- und Hardelskie'ell'ckaft. ferner prosttierten Ungarische Kredit X 172.—, Salgo Kohlen X UV.— und Mmomuravher. welche «r Be-.ugsr^cht mrt einttfv Ab'chlag von l( 140.— gehandelt winden, gewannen X -ü. D>e Übrigen Gebiete lagen zwar ruh oer. mrt Rückstcht auf die bevorstehenden Feiertage, doch war' die Grundstimmuny dos Marktes fest im Hinblick auf d>e glatte Erledigung der B.rsorgung und pßn.Meldungen auS Paris üben erne entgrgrnkommende Haltung Amerikas in vee Kredrttrage für Dkutickösterreich. Im Schranke« war wieder «ne geteilte Trnhtnz wahrnehmbar. Schissabitwnte lagen fest; Damvfichiff gewannen K loro.—, Nord bahn K S'>0.—. Navigazionr K 500.—, ferne« erhöhten sich Bera- und Hüttenwerke nnt K. 600.— und ßneiinget Brauerei um K 250.—, wogegen Beincher Maqnestt K 210.—, Karvathtn-Petr oleum K 290— nnd Galizia K 360.— billiger nhäl l ch waren. Di« Renten lagen durchwegs fester and eiltfbtttr stck um l * 4 bis 4*/». Im übrigen verweisen wir auf nachstehende Schlußkms«: ' . Indufteie-rinteenehmuuge«. Allgemeine Oaugesell» . schüft 760.— (+ 10.-), Wiener BaugeseMaft 569.50 (+ 7.50), Wienerberger Zieacl 18^5.— (- 87.—), L.estngcr Brauerei 1550.— (+ 2.l 0 . Sarvirvvek Aktien-B» auerci 2066.-7- <-^ Ausstg Ehem. 8425.- (+ 26.-), Brosche Splr,ms 88M—150.—). Karborundum 3( 00.- (— —tzolzhandelsgesellschoft 1750.— '+ 52—), Siemens SchuckM 920.— (—18.—), A. E. G. Union Elostr. l!90.— 85.— , Alpine 3045.— (— 40.—), Anstna Email 1970.— *-v-\ Berg u. Hütten 9600.— (+600.— , Poldlbistt« 2275.— (— 115.—), Prager Eisen 7276.— (— 25.—), Mmamurany 9750.— (+ 96.—) ex Bezug, Skodawerke 1726.- i- 4.—Wastensabrik 8800.— i -t- 1-25 —), Salgo Tat inner 3805.— + 110.—), Sfttfatter Kohlen 2725- <+ 25.-', Ung. Allgem. Kohlm 6300,- (-»- r00.—), Urikany 3500.— (— 80.-?-), Westböhm. 8600.— ^+ 125.—), Brimnet Maschinen 1602.— i+ 52 —X Heidt 641.- (— 7.-). Lokomotiv Sigl 1420.— (+ 82.-), Simmeringer 964.— \+ 24.—V Levkam 1845.— (4- 5.-—), Karvatb-n 11 400.- (— 260.—), Galtzia 18.200.- (— 300.—), Fe sabrsten 2850.— s— —Schoeller Zucker 3750.— i— 85.—), Böhm. Zucker 4030.- (-.—), Oesterr. En'en» bahnverkedr 1k 72.— {-.—), Turkmlose 1275.— (— 15.—\ Kruvv A.-G 1402.- + 12.-), Ruston 1612.- (— 88.-). Fiatwerkr 1625— (+ 85.—), Dertscher Magnesit 10.500.— (— 210.-), Schönpnesener 2900.— (+ 50.—), Auftro-Ameritana 6300.— (- Das Fluchgebet. Bon L. Schaplro. ' Au8 dem Jüdischen Übemagen von Siegsrild Schm r tz. ' (Schluß.) Mit blinzelndem Auge wies sie auf die Mutter. Da erst merkte Meir, daß die Mutter stärker und chreiter war als sopst. Er yatte aber keine Zeit, dem Gedanke» nachzugeyen: Im Zimmer klang das Krachen zerbrochenen Geschirrs. Die Mutter blieb wie gebannt, der^Aatee trat in die Tür. „Geht!" ' Seine Stinrme machte die Scheiben der Fenster erbeben, als wäre ein schwerer Wagen Über die Ga;"e gerollt. . - Erschrocken drückt^ sich die Nachbarin zur Tür hinaus. ' ' IV. ■ "■ K '.ä T-räne'lg lag das Festkleid um Vater ,md Mutder, es paßte n-cht zu ihre». Gesichtern. Traurig sah der „Scder^ aus, w:e das Mahl vor Beginn des Tischahbeaw. Untz alAvMcir mit farbloser Stimme, wie ein gemie eer Frechder, seine vi.'r Fragen spr ch, da drück e eö ihm daS'Herz ab: um ihn war es so still wie tm Tetnpel,,, wenn «itte Waise zum erstenmal das Totüngebet spricht ... Die Lippen der Mutter bewegten sich tonlvs; von Äeh zu Zeit befeuchtete jle ihren Finger and wendete ein Blatt uni, und von Zeit zu Zeit rollte eine große,, schwer«, glänzende Träne über ihr schönes, verhärmtes Gesicht und fiel auf ihr Gebetbuch, auf das weiße Tischtuch, auf ihre Kleider. Der Bater isah nicht zu ihr hin. Weiß er wohl, daß sie weint? . . . Und so ganz eigenartig liest er die Haggada: Er sagt ein paar Worte im vollen Tonfall, und plötzlich bricht er ab, «ft mit einem Röcheln, als schnürte eine Hand seinen Hals zu . . . Dann blickt er schweigend in das Buch oder sein Blick irrt im Zimmer umher, ohne Ziel und ohne Seele . .. Wieder beginnt er, und wieder bricht er ab .. . Man atz fast nichts, das Tischgebet sprach jeder leise für sich. Plötzlich sagt der Vater: „Meir, öffne die Tür!" „Gieß' deinen Grimm über sie. Die Völker, die dich nicht kennen!" Schauer schütteln MeirS Körper. Eine fremde, unbekannte Stimme drang von einem Ende des Zimmers zum anderen, raste zwischen den vier Wänden und schlug an sie wie ein gefangener Vogel an die Wände seines Ka'igs. Meir wandte seinen Blick dem Datee zu — und seine Haare standen ihm zu Berge: Steif und starr, wie eine gespannte Saite ragte über den Tisch eine schreckliche, dunkle Figur in weißem Kittel, und auF einem b.auncu, su ch bar verzerrten Gesichte glühte» I in unheimlichem Feuer zwei Augen. Dis Zähn« j knirsch en, dje S iinrne wurde zum Gcbrüll e.nes wilden j Tieres, das nach warmem Blut und zuckendem Fleisch giert. Die Mutter war. aufgesprungen. Sie zitterte an allen Gliedern. Dann sah sie den Vater an und warf sich vor ihm nieder, krampfte sich mit den Händen in seine» Kittel und schrie jammervoll: „Schtoime, Schlojmek Schlag' mich doch tot! Ich bitte dich .. . Oh, id) Unglückliche! ... Meir fühlte, wie sein Innerstes sich zuckend drehte, als hätte eine Nie enhand mit spitzen Fingern sich hinein gegraben und wild daran gezerrt. Sein Mund verzerrte sich und ein kindlieh-erschreckter Schrei entriß sich ihm. Tartylow wirbelte plötzlich toll vor seinen Auien. Verstörte Juden hetzten durch die Gasse, dev Nebbe faji blaß auf. seinem Sessel und seine Unterlippe bebte. Me Mutter lag auf ihrem Bett wie ein zerworfcnes Gewand. Meir fühlte mit schärfte Klar-« heit: das alles ist nicht vorüber, es fängt erst an^ und das Unglück, das wahre, schwere Unglück kommt erst; jetzt, jetzt bricht es über das Haus, über dis drei Häupter wie ein Dounerschlag — und whder entriß sich ihm ein Schrei, ' ein Schrei wilden, hilftoftnr Schreckens... Einige Nachbar» — es waren Italiener — standen im Korridor hinter der offenen Tür- Sie sähe» die unverständliche Szene und und flüsterten erschrecktunverständliche Szene und flüsterte», erschveckt-verwundert un^reiua:lder. Im Zimmer raste noch immer Stahl, bald mit dem verbissenen Acch;en dessen, fc« Mörderhaud erstickt. 9974