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Wiener Morgenzeitung · 1919-12-20 · Heft 328 (20.12.1919) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 328 (20.12.1919)
Date
1919-12-20
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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"Seite H Men. Tamstäg Wienev Morgenzeumrs iiia^ Neue Wiener Bühne. <• Auch ein Fortschtckt. An bte Grelle der öd?u ckckhasicn JargcmftUcke im. Stile der'Ersenback Possen sind die Schwänke Armin r? r i e d ma « n s. tzttrctcn, die rrenltche. und recht witzige AttZschnlite aus dem nach Wien verpflanzten jTibifdVin Provlurmilreu auf die Bühne -ringen. Auch b<\$ neue Lusiivtel t*.on Armin Frredma n n und Achwig N e r z. „Doktor Stieglitz^, gehört in diese Kategorie absolut -orenfrcrrr Jargon«, schwanke und crw:cke wahre HeiterkeiMürme. Einige uidische Figuren, udr^gens auch die emcS jungen Adelten, sind köstlich gezeichnet. und die Zwiegespräche streckenweue sehr Urne! haltend. :Selbstvcrüandlich fehlt es' auch nicht an sentimentalen JMerrue.-zis, . sie. sind aber niemals geschmacNos und aflsu rühr selig. In der Mitte des zweüen AkteS gibt cs einige uberflüsnge. gar nicht kurzweilige Stellen, die absallm,.. aber, dafür. den sehr gclnngencri driiten Akt heben. Herr St ä r k und Herr J e r» f c n spielen 1 zwei jüdische Familittthäupter.ganz ausgezeichnet lind wenn sie ml dritten Akt Domino spielen (emi Banr, ante der ^KlabriaßPariie") .kommt das Publrlum auf seine Rech- ' nung. Minder gelingt Frau Reustadter die ohe Beita Blau,, eine sehr gut gesehene indische Fraumgestalt. die mit wenigen. Strichentzekenuzcichnct ,st. Besonders zu loben auch Herr Lodritz,- der den jungen Hcrin Leo Brich von Brietzheim sehr amüsant -' spielte. Natngns der Autoren dankte.Herr Armin Fckcdmaunsmddl fluten Bei fall und. niusrie-auch nach dem dritten Abschluß häufig nor der Rümpe etschemen. * - A. Neue Mrrfikt. Die. Registr'ierang untv ÄZertung btt mitsikalischsn. Erscheinungen ist heute vor allem -in die Hände des Tagesfchrif.stellers gelegt, der selte.r dazu gelangt,'aus den ihn überflutenden Eindrücken jene Quintessenz zu zieh n. weiche dir Charakteristik der musikalischen Gegen- . wart ergeben könnie. Nur wenige unter den führenden Geistern der Musikkritik geben von Zeit zu Zeit in größeren Arbeiten Bericht über die wahrhaft bewegen-' den Kräfte, die an. der Formung des.,Gesamtbildes der künstlerischen Epoche tätig sind. Unter ihnen genieß: ls'aul Vetter größtes Ansch^on, nicht zuletzt wegen der vorurteilsfreien Art, mit der er dem Stiefkind des. Publikums, der modernen' Musik, gegenttbersteht. In einer Schrift her jüngsten Zeit*)..läßt ec . sichi. zu den'wich.igstrn Krggen der musikalischen Neu'.eit per-, nehmen imb gibt ein zwar persönlich gesärvres, Mer irr den Grunegügen richtig gesehenes Bild von den rrformatorischen ^'strebungen in der Musik. Was er zunächst gegen die Sünden des kapitalist'.schsir Konzertbetriebe» vorbringt, wird jeder ehrlich Gesinnte gern unterschreibe:!. Leider vergißt^er'hißgugufügen, daß die Ko'nzertagenruren. zwar die großen'Massen mit rnusi-, kalischer Nahrung-— und oft mit minderwertiger — speisen, daß es aber daneben der Initiative von Vereinen und Einzelpersonen -oftmals glückt, dem musikalischen Fortschritt wertvolle Dienste, zu leisten. Für Wien sei hier ans die Tätigkeit he.s „Anbruch" und des iSchönberg-Vereines. verwieseni Als Bertrcier dös. Kapi-- talismus in dec Musik wird auch Richard Strauß von Bekker scharf aufs Korn genommen und seine berufliche . Tätigkeit erleidet schärfte Kritik. - ' Von der Betrachtung des MtagsbetriebeS wendet, sich der Autor den geistigen Kräften der neuen Musikbestrebungen zu. Als wichtigste erscheinen ihm jene Tendenzen, die auf Erweiterung des tonalen und har-' manischen Besitzes unserer Musik gerichtet sind. Es zeigt sich, daß neben den Spekulativen physikalischer'' Natur, wie es die Versuche mit Viertel-, Sechstel-, usw.» Tonen sind, hauptsächlich die Tonleitern der primitiven Völker und die Ganztonleitern auf die Melodik Einfluß genommen haben. (Zu diesen Exotismen wird vielleicht in absehbarer Zeit das jüdische Melos zu rechnen sein.) Daß diesen neuen Grundlagen auch ein« neue Melodienbildung zu entsprechen hat und , welche Fortentwicklung' sie im Kunstwerk der Zukunft zu nehmen , hätte, wird in klarblickend Darstellung des Näheren ausgesührt. Belker zeigt inlch einzelne Typen moderner.. Musiker auf, die als Träger des Fortschrittes anzusehen sind. Dehussy und Busoni,. Schreker und Schönberg, Max Reger und Gustav Mahler reiht er unter dies« ein, vergißt auch nicht den großen Reformator — Bert- Hoven — zu nrnnren, der die kühnsten Neuerungen int Keime schon vorweggenommen hat. Sftifc trefflichen. Worten über die Berechtigung einer solchen Histort-- graphie der Moderne schließt BekkerS Untersuchung,- die mit Gewinn von ejne« gelesen werden wich,- die. sich -der neuen Musik grundsätzlich verschließen, aber auch von jene«, gegen die sich Beethovens Worte richteten: „Das Neue und Originelle gebiert sich von selbst, ohne, daß man darnach suchet." Dr. Konrah M ar il.' WM, veranstaltet Montagden 22. Dezember 1919 um 4 Uhr nachm, in den Olympia-Pi-aehi»ölen, l., Rothgasse 8, : eine grosse mit nngcMlessionäer - Tasx^unt©2^5ialtuag« Der Reiiicrtrar ist fiir unbemittelte jüdische Hochschüler und jüdische Meim AcAdctnfca bestimmt.v PROGRAMM: Bläser-.-lior des Tonkünstlerorchestew „HatiVwah“, Tri. Rena Pfiffer, Voiksoper, Frl. Marie Kouran, Klavtenrirtuostn, Frl. I»onka Wolf, Kon erisfinget in, Frl. Erna ttaudek, VioUnvirtttosln, Herr Karl Neumanu .VoJItsoper, Herr Emst Tauber, Volksoper, Herr Rudt Mei stnltlnger, . ■ ,; ’ Votktoper. ' _■.' Kartenvorvorkauf: Wr. Morgenzeitung, tl., Taboirstr. 1» R. L6wit. I., Rotenturmstr. *?, Kartcnbureau ,,Aida", II., Taborstr. 5, ttnd Jüd. Hochsebn 1- ' ausschiiss, IX, Alserstr. 28. E» DonmrStaa den 25:; »Dir Jahrtanfen d n a ch t^, Zlnwna Vz3 Uhr imchmitiaps : AuNreleN Harry Walden e r K ö n i a d c s ii e b e n sk' lOskar Wilde), Anfang Uhr; ^ntag o n 26.: Mli'chenvorlesüng HMy Walden »nü lebenden Bildev», Anfang */23 Uhr naclimiitogs Äußreren Harry Walden „D e r d r i t r e G a t i e". Anfang 6 Uhr; Samstag den 27.: Auftreten Hany W^en „Der K 8 n i gd e s Lebens Mskar Wilve), Anfang Uhr: D>,e Freie jüdifche Volksbühne bringt he u X c nn i c n t r B ii r g e r t h e a 1 e r zum erstenmal ..D e r.D o r f S j r n g" (Fankel Bojlev Drama m 4 Akten von Leon K o d r i n, zur Ansfithrung. Beginn 2 Uhr. MüNtag den 22. d. M. findet ' in der I ü'd i f ch e n B"ü h n ew ll. TakorÜraße 12, eine Channkafeier stall. Die Festrede halt Herr Dr. Mcier G e y er. Zur Aufführung gelangt der erste. Att des DramaL #($ ot t, Mensch und T.e u f e von G - r d i n. ferner „A g e n t e n" vop Schalom Ak'ichein. Aüßeköeur G e s a n g s v o r t r 3 g e 'der Damen Weintranb-Graß G-lücksmann und der Herren Deut sch und - S t r e n g. Beginn 6 Uhr abendS. Karlen imw^oroerkaw an der Theaterkasse und im Kartenbureau „Dda7,!l. Tad'mstraße, 5i - Das hebräische Konzert. Ei» stilvolles Konzrrt bereitm dcr „Kws Oestcrreich der jüdischen Turn- 'und Sportvrreare" und . die „Hehrärsche. . AibeitSzentrale" für ihre M äkkob ä er f ei e r Vor, welche Dienstag den '23. d. M. im großen M u s i k v e r e i v S sag k e stattstydet. Zur 'Ausführung fldanflor unter Mitwirkung des S y m p hvnieo r ch e st e r s, der E h .o r v e r 11 h i n u n ^Professor Luis Di:s ^Orgelst und Jakob'K o st r o v (Gesang), Kompositionen von S. B'r a 's l a v. s k y. Dr. O-1 t o A b e l r S hält die Festredd und Dr? D a v rdR v t h d l u m eme hebräifche Aw'prache. , ArassteKuntzseröMunK. Der Oelterreichifche Künstler- -bund er öffnet am 21. d M. bei C. "I. Wawra, llt.,' Lochrmger« ftraße Nr. 14, fe ne Herbstausstellung. , ' i Vorlesung' der literarischen Gruppe dev KnustpeMenrfchast, Die „L i t e r arisch e G r u v P e de r'. K u n st g e m-e i n i ch a f t" .tvot znm erstenmal nick einem Abend au.die Oestewlichki'it.. an welchem nchen Dichtungen der berens belimn:en E chrifrsstflcr MlfreV' G r ii n e w ä l d, Emil' L u c k a- und Fcl>r B i a u n Werfe brö jungen Dram nikers' V-’ö * P t c v o w s k y und eindrucksvoll« Muk von Hanns M a r g n l'i e s .zrim Vorirdgrgelangtes Der Schan'v efer Kack E t tck i y g e r ,laZ einen Art aus PrerowZkys Drama „Die Wüste", , der - kehr beifäklig' aMaenoinmctt wurde. Den lyrischen Gcd'kckiten Hanns Lstargulies'/ist wohltuende Schlichtheit und ausgesprochene Eigenmt nachzuiühmen. Die Damen .Martha T r e b i t s ch und Estkabrib M a r k u s vom Deutschen Volks« thLaler erwiesen sich gls feinfühlige Interpretinnen.' - '' * , '. * j 1 HeinrichMargulies, „Kritik des Zionismus^. D-ekts Buch wird weit 1ibe>- die jüdischen Kreise hmaus Jnteresie rrwi'cken. Es enthäll eine Tlieone deS sozialen Lebens, welche die Frage nach der Abarenzung nvischen Gesellschaft und' Gemeinschaft /»'einem iüuM L'chte rrscheinen' läßt' und die Anwendbarkeit von Gcmriiischütsfordeilmgeil aui das ^Leben etncr Gesamtheit 'mündlich unterfuckt.' H nemgcbeltei m'ein harmonisches Bild der Plnlo ovh'.e, der Ge'ch'chte und der, Nat on, emfallct sich der Ge- ^aNkengong zum Gimidrisi eines dimensionalen. 'zionist scheu Denl'ysttmS. Pu-is gebunden . K 19.20. Zu beziehen durch N^Löwrt, Verlag, Wim, l. Fleisch markt 1, / D-s Programm ver Olympiade 1929. . An^ dem nunmehr.festgestellten Programm sind nachstehende Weltkäinpfr und Zeitein.eilungen zu erwähnen: 1. bis 10. Aprtl Eishockey und FigurcnlaufW, 11. bis 14. Juli Segeln, 24. b:S öl. Juli Armeeynd JagMießen, 15. Jttli bis 2. August Pferdepolo, ö. bis 8. Angust Bogenschießen^ 4. und 10. August Rad* fahrerwölckämpfe, 15. bis 8S. August Stadtonwoche (Laufen, Sprtngen und Werfen, Tauziehen, .Marathonläufen Brüssel— . Antwerpen), 15. bis 38. August Lawn»Tm»>S, 18. bis SS. August griechickh-romifcher Rinalampf und englisches Boxm» 27. biL öl. August freicr Ningkamps, 21. Augnst biS 8. September Fechte», 29. August his 5. Scplember. BerbandSfußball. SS. August bis 5. September Rugby, . 24. bis 27. August moderner Fünfkampf. 22. bis 29. August Gymnasttk, 80. August bis v. September Landhockcy, 6. bis-12. September Pferdcweitkämpf«, 22. bis 29. September Schwimmkämpfe, 22. biS LS. September Wett-- utder». ' .... Aus den Theatern. -? . Im T h« a t e r l n d e r I o s. e f st a d t wckd die Lustspiclkomödte „Die Tunte anS Honfleur" UM&Jaht« d’Uönfl^ur") von Paul Gavaul^ vorberoteV Die Erstammyrung sinvet Dienstag den 2S. d. M. statt. Die Hauptrolle» werden datgestrlli von den Damen Weber, Grade, Schletnttz und den Herren Nerz, Strobl, Rhoden, Mahr. An der R e n a i s s a n e < - B ü h n t gelangt Montag den 22.-- d. M. zum erstenmal ^Die bessere H L l i r r", Schwank ,u drer Akten von Franz A tno l d und Ernst Bach, zur Atüführtmg. Beginn 6 Uhr. — Der wcuere, Sprelvlan laultt : DienStag den SS. d. M : „D i eb esse 11 Hüls t r", Anfang « Uhr; Mittwoch dru St. : Gefchlojscv *1 aKru« Muttk'. EM Ml; Verlag, Berlin IM. Di« Prag«« „0(av!d" i«. Ztatte«. Die Mechische Master mannsmack soll, wi' vetkamet, am 1., 4. und 6'. Jänner in Mailand. Turin und Genua W'ctismelr gegen dortrge-Münn-- schajien äustragcNv: Die inJrage kommmdr» Gegner sollen zp Riicksp,clkn. d«e im Ftühjahr in Prag stutlzusinden Härten, ver-- pfnchtct worden Irin. Hauptverbünv für Körp^rsport. Der bisherige Zentrolverband für .gtmeinsame Spor.t'.nteresscn hat m seirldr gesteh staNgestmdenen Sitzung eine Aendeiung seiner Satzungen vorgenommch, die m, de? Hauptsache einen Wechsel dcS Namens und^.deS bishßutzey iDtlegilritnsystemS beinhalte«. Auf deyl HaupiveibandSt'ag drS.. Verbandes, her nunmehr den Namen H ä ü p,t v ]'tf’N rt h sl! t K Sr per s p o r f iühre« wird, werden je zwei Vertreter jedes dem Hauvtverbande üngrhörigen SvorwerbaitdeS stimmberechtigt sein. Der Hauvtverbandstaa wud 29. Dezemdee rvlS Nr. 328 auS zwei Dritteln aus Delegierten der verschiedenen Berbäudi und aus einem restlichen/ Drittel pan Förderern und > untep stutzende» Mitgliedern bestehen, denen jehoch pur beratend! Stimme zukommt, Eine ernste Verletzung km Futzballsport. Der Zustand des Rudollshüget-Tormannes B r a z d a, der sich ,tn Wettsvtrl gegen die Amaleme zwet Rippen gebrochen hat. hat sich dadurch verschlechtert, dgß-eine Rippensellemzündtmg hmztt» getreten »st. Aus dem Fnhballveeband. Mckte Jänner findet dit ordentliche General Versammlung des Fußballvcrbandes statt, iß welcher wichtige Statutenänderungen vor genommen werde» dürfte». Vor allem toll wieder der größte Teil der vor eine« Halde» Jahre geschaffenen Ünterausschüste aufgelöstwerden, de sich die Dezentralisierung der Geschäfte nicht bewährt bat. DsttLurse 1» Htetzlng (Ober-Yt. Veit.) Der AlyerÄ Skivrrn» (I. Bezirk. Wollzcile 82, Telephon 6116, Geschäfts! stunden Montag, Mittwoch und Freitag von */*& bis V,7 Uhtj veranstaUet bei günstigen Schneeverbältnisfen an jedem Samstag um ö Uhr nachmittags und jedem Sonntag von 9 Uhr vormitt;agS an ein UebungSlaufen für Anfänger und Vorgeschrittene Zusammenkunft der Teilnehmer im Skidepot, XUI. Bezirh Hietzing« Hauptstraße 130, wo dir Sportgeräte den Wuüei hrndarch verwahrt bleibtn kisnm«.- Sportklub Hakoah. Heut« findet um 7 Uhr abr«Ü eine wichtrge Styung des Fußbattausschustcs statt. ( . Hakoah. D r e M a t k a b ä e r f e i e r d e r I n « ß! Mannschaft findet am 20. d. M.. nachmittags 4 Uhr, up Souterrain des Cafä „Nolenturm" („Gaudeamus") statt. Dübners Aursulon der Stadt Wien Dostsl - 1kon;ert Domanskr Zs e i n < A ü e ' : - - --- . -3 Gerichtssaal. Vom Schleichhändler zum Raubmörder " Die Bluttat in der Starhemberggaffe. Im Hanse Wieden, Stachemberggasse' 5, wurdd MN 3. Mai die 71jährige KammerdienerSgattin Luise Pawltf in der Küche ihrer Wohnung ermordet ausgefunden. Rach längeren Nachforschungen stellte die Polizeibehörde fest, daU der inr. selben Hause wohnende 21jährige Privatbeamte Johann S ch w e i d a die Tat begangen und Bargeld und Schmuck, geraubt hat. Schwcida beschuldigte zunächst den Schlossergehilfen Johann Zidek deS Verbrechens, und erst aU dessen Unschuld nachgewresen wurde, bekannte er die Tat. Aus, Grund der Beweisergebnisse der Voruntersuchung hat die Staatsanwaltschaft gegen Schweida die Anklage auf meuchlerischen Raubmord und auf Berleumdnng erhoben. Di« Verhandlung begann gestern unter dem Vorsitze deS Landes^ aerichtsrateS Dr. Biziste vor dem Schwurgerichte. Diq Anklage vertritt Staatsanwalt Dr. Soos, als Verteidig«! fungiert Dr. Melbinger. . 4 ' Der Angeklagte bezog die Arbeitslosenunterstützung und brachte sich durch Schleichhandel fort. Er erzählt, tzv habe den Entschluß gefaßt, bet Frau Pawlik einen Elnbrue» zu verüben, da er meinte, »daß in der Wohnung niemand! anwesend sei. Zu seinem Entsetzen sah er Frau Pawlik in der Küche beim Herde stehen. — Vors.: Was ist nunl geschehen? — A'ngeN.: Ich habe in meiner Aufregung den.HamM« genommen und auf die Pawlik losgeschlagen. —« Vors.: Wie oft? — An ge kl.: Das weiß ich nicht mehr^ — Dorf.: Die Aerzte geben, an, haß mindestens zwei wuchtige Schlüge geführt wurden; die Schädeldecke der Frau war zertrümmert. Was Haben Sie dann gemacht? - Anaekl.: Ich bin ins Zkabinett und habe ein Geldtäschchen mit 88 Kronen zu mir gesteckt. Bors.: Sie hatten aber^ ‘ um in das Kabinett zu gelangen, ein Hindernis zu üb«- winden. Sie müßten über den Körper der. sterbenden Fra» steigen. — Angekl.: Das weiß ich nicht mehr. — Bors.: WaS ist dann' geschehen? — Angekl.: Ich bin voms Kabinett in daS Zimmer, habe einen Kasten erbrochen und daraus ein Stück Leinwand ^»nd mehrere Schmuckstücke genommen. — Do-rs.r Und dann? — Angekl.: Dayn Kp ich auS der Wohnung fort. — Bors.: Noch nicht! Der Körper der Frau hat vier Stichwunden aufgewiesen.- Ineiyer der Wunden ist noch das Messer bis zuin Heft gesteckt,. — Angekl.: Ich weiß nicht mehr, was ich gemacht We, meine Aufregung war furchtbar. — Bors.: Aber-bei.de» früh««n Verhören haben Sie «S gewußt. Sie haben angegeben, Sie haben im Zimmer das Röcheln der Fraltz aus. der Küche gehört und ihr dann die Stiche in. dich Brust vnsetzt. . ' . Verteidiger Dr. Melbinger (zum Angeklagten): Be^ reuen Sie Ihre Tat? — Der Angeklagte beginnt zu weine» und sagt dann: „Ich bereue -meine Tat aufs tiefste. Meinj Leben würde ich hingeben, wenn ich die Frau leberw machet könntck." In der NachmittagSverhandlustg wurde mit der Zeugew einveruavme begonnen. Die Bedienerin Adelheid Wazek, welche die Leiche der Frau Pawlik zuerst aufgefünlwn hat,, schildert sie als. herzensgute Frau-, die jedermann gefällig war. Auch den Angeklagten und seine Mutter habe sie wiederholt mit Geld und - Lebensmitteln unterstützt. Unter den Leuten, welche nach dem Mord« sich am Tatorte eintefunden hatten, befatro sich auch Schweida. Er^ richtete irostwortaan die Tochter und sagte: „Trösten Sie sichl, Fräulein! Jhre>Mutter ist schon tot. Jchifühle mit Jhnen^ ' denil ich habe ja auch eine Mutter. Ich weiß, was es heißt,, die Mutter zu verlieren." , Der Angeklagte springt nach diesen Wortep erregt auf und ruft dov Zeugin zu: „Das ist nicht wahrk Das habe ich nicht gesagt." — Zeugin (mit vollstev Bestimmtheit): DaS ist bestimmt wahr. — Auch die Tochter dieser Zengrn, FranDdr Wazek, und dis Tochter der Ermordeten, Frau Mathilde H a aS, bestätigten, daß Schweida diese Trostworte gebraucht. hat. Die Tochter der Ermordeten'gab als Zeugin auch an, ihre. Mutter habe sW kurz vor ihrem Tode dahin geäußert, Schweida fei ihp unheimlich Und seine Besuche äußerst unbequem. •— D« ZMtge Johann Zsbek bestätigte, daß ihn ver Angeklagte ausgekvrdert habean einem Einbrüche bei.Frap Pawlik teilzunehmen, 'doch hielt der Zeuge dleö nur für eine . „Rwerei". Hieraus wurde die Lerhandlung ab gebrochen unk, devsn Fortsetzimg ans heute bestimmt.

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