Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 327 (19.12.1919)
- Date
- 1919-12-19
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 32- Wien. Freitag Wiener Morgenzsitrmg zu be.'ich en, die dann ihrerseits doch E inve rney men mit anderen S taaten, insbefondere mit Deutschland, Holland und cher Schweiz, betreifend das geplante Dumping-Geseh zu trefsen hkitte, da sich die Wirkungen eines solchen Gesetzes für Englandnicht. yuf dieses allein beschränken würden. . •»—>—J—;■ Bon der Jerusalemer/HavdersLamrner. Der Jerusalemer Handelskammer gehören, wie »Mhadaschoth Haares" brrlchtet, gegenwärtig 165 Mitglieder an, davon SS Inden, 53 Christen-,' 27 arabische Moslems. Die Handelskammer wnrdr im Mai unter Vorsitz des Militäraouverncurs eröffnet. Ueber seinen Vorschlag wurde ein Exekutivlomite aus zehn Personen eingefstzt, in welches unter Derltcksichtigung der im Handelsleben von Jerusalem , pirlenden Kräfte gewählt wurden: .vier Juden, zwei Christen, zwei AraberMoslems und ^zwei Offiziere. Die Araber empfanden diesen Vorschlag als eine, Zurücksetzung ihrer Gruppe,' worauf sie der Gouverneur einlnd, den Nachweis zu erbringen, das; diese Derhältniszahlen nicht den - tatsächlichen Verhältnissen entsprechen. Im Sinne eines gefaßten Beschlusses sind die Direktoren der Banken zu Vizepräsidenten der Handelskammer. .ernannt worden. In letzterer Zeit haben sich auch die Kaufleute von Hebron und Bethlehem der Jerusalemer Handelskammer angeschlossen, Wodurch die Zahl der Inden im ExekutivloMee um zwei gestiegen ist. Zur Zelt der Griinttnitg der Mudelskammer wurde auf Antrag der jüdischen Mitglieder die hebräische Ä p rache als der englischen gleichgestellte offizielle Sprach« der Handelskammer anerkannt. Vorläufig ist dieser Wichtige prinzipielle Beschluß praktisch wohl noch nicht zur Geltung "gekommen, dg die Korrespondenz und auch die Veryandluttgssprache bisher ausschließlichdie englische war, doch »ft in dieser Richtung bald eine Aenderüng eintreten und bfe in nächster Zeit heraus-,»gebenden Kammerstatnten.werden Nutzer in englischer auch in hebräischer Sprache gedruckt werden. Don der Donau bis zum Euphrat. . Dis „Times" verzeichnet als erstes bedeutungS- 'hM-Z Ergebnis der yn Förderung der Ausdehnung deS bl ich'n Handelz nach dem Frieden Ls eits gclro'sfenen Matznahiuen die'Grünoung cinsr Levan is-Hanoe löge fr lkscha ft mit einem Kapital von einer Million Pfund S.-kling. Das Ziel dieser Gesellsch.rft ist, unter den jetzigen Verhältnissen die. Tätigkeit der alten britischen Levante-HaudelSgcsellschaft, die den Handel mit Tiirkei im 16. und. 17. Jahrhundert begann und iy tz-n Händen hielt, wieder aufzunehinen. 'Sie wirk» für. eigene Rechnung oder mittels Tochtergesellschaften cht hyv ganzen Levante arbeiten, wo augenblicklich sich higünstigste Gelegenheit bietet, die Geschäf e der Handelshäuser der Mittelmächte dem britischen Handel zvznführen. ganz abgSsxhen von den neuen Absatzgebieten, die sich infolge des Krieges in Syrien, iMesopotalnicn und an «cöwo erschlo s n h.ben. Auch sind bereits Anordnungen zur Gründung von Lochtergeselkschaften in ©rU'äjcttfftüB, ÄegGten, im Dudan» in Mesopotamien, Serbien, Rumänien und Bulgarien getroffen. . ' , > „Wie man sieht," bemerkt hierzu die Pariser >«8*8nitiative Commerciale", „sind die Eng- Linder schnell bei ddr Hand, sich zu organisieren, um in den Ländern der Levante v o» de c Donau bis zum Euphrat den ganzen Handel an sich zu bringen und sich' so zum Nachfolger Deutschlands zu «lachen. Wir Franzosen müssen daher schnell und ener- ^sch handeln,'um dieses Zuvorkommen zu verhindern Md uns einen Anteil an dem wichtigen Levautehandel -« sichern." ___ , Balutentznrse. Jnr grstugm ft den Verkehr wa en fremde »MunoSmiNel «ne Klaniokeit höher.bewertet Brüllt wurden für T»t n o t r n K 8 -, Marknoten K 4.08, R u b e {* yste n R 2.86, Lire ll 18.88, Lollar K- I75.r^ Pfund Sterliüg K 6:0.— und. A u S zahl u n g Berlin kl Das Börsenarrangement für Jänner 1S20. D e A r r a n fl e nt m t * E» n r e r l u tt a f ii v den M o n a t Jänner t?2> wltd-fcstoefctzt wre fpljtt: .81. Dezembe'- 1919 Kästa und Aü'gabe. 5. Jänner 19>0 Meldungen^ 7. Jänner Eül-kteneuircicbnng. 13- Jänner Kassa und Angabe. 14. Jänner Meldungen, 15. Jänn« Esfefte icime chnnp. 19. Jü.mer Kassa und Aufgabe, 2l.'Jänner Mcldungkn. 22. Jänner Effekteneintelkimna, 26. Jänner Kassa nnv Aalyabe, 28. Jänner Meldungen, 89. Jänner Effcktcnemrclchung. 8.'Februar 1930 Kassa und Aufgabe. . . Erdölforschuuq, E>« bemeikmswerter Aufsatz' in der Londoner „F nancial T nies" des Direktors des Bcr-aweikbureaus der Vereinigten Staa'm über die'Erdölversorgung Nordamer-kas und diesSorgen. welche dre jn absehbarer Ferne .liegende Erich 8 p f n n g d« amerikanischen Erdötselder bei den Fachleuten hetvorrti l, führt ans. daß die mdttsti elle Entwicklung und das' allg-meme Gcdk-bm der Berein'gtcn Staaten au» einer genügenden Leii-rung von Erdöl beruhen. In der Zukunft wrd die Nachfrage nach Erdöl noch * u n e h m c ity Demgegenüber muß darauf hrngervrelrn werden, daß von den in den B e r- ' e r n i g 1 e n S l a a t e n überhaupt zur Bersijgnng stehenden Erdöllaa-rn 40°/0 bercnSer'chöpltsind. E t h e rabneh m ende n Förde r u n q steht ein slergender Bedarf grgrnübcr Was Nordamerika betrat, io wird die Erdo!- autb.-lite in den nächsten zwei. bis'- fünf Ich-en vermn l'ch ihre Höchstmenge erre-chm, Wtm dann'allmählich zurück-,ugchen. Um die daraus entstehenden Schwierigkeiten zu vermeiden, bleibt, nichts anderes übrig, alS den Berdiaucki vo» Erdöterz uinisstn durch bellcre Verwendung und schärfere Ausnmzrmg e r n- . z n s ch r ä n k e n. DieS kann aber nur aut wifs-nschaftlicher Grundlage geschehen; denn, nur durch eingehendste Ätbeir in den Laboratorien wird sich r.ststellen lasten. w<rs aus einem r^aste Rohöl hcrauögeholk und wie dies am svarsamsten' und vorte lhafesten im t ügememen wir tschartlichen Jntensse ausgenutzt werden kann. Unter einem anderen Gestcht°vuntte.wnd aus dir dr'Ngtirde Notrvend'gkcrt hrngewiesen, die D>csel?Mororen nach Möglichkeit zu vcrbesscrn und für' ihre weitere Verbreitung in Amerika zu sorgen. , Ferdknands - Norddahn. Dev BerwaltnngZrat der Ferd'mandk-Nordbahn A. - G. bat, in seiner gestrig tjt Sitzung beschlossen, die am l. Iiili d. I. nn'erbllebene Abschlag s z a h l u n g per & 53.59 nachrrihoken und per 8. Jänner 1929 eine weiter« Abschlagszalilung für das Geschäitsjabr 1919 per ,K 52.50 zu leisten, demnach den I 8 n n e re o n p o y. mit IC 105.— emzulören, womit das bisher übl-che Ausmaß der A'^chlagszablung ans dis abgelarüene Geichät'sirhr rn-cicht wird. Die Gesellich.rft bat bereits im FrUhsahr 1919 bei den. von ihren ehemaligen Bahnl'nlen durchwgcnen Staaten tOcsterrerch. Ti'checho - Slowakei und Polens die A u teilung der Einlösungsrenten und die Leistung vorläyfiger An;ahtimgcn im Verhältnisse dentn jedem der drei Staaten gelegenen .BelriebSkilometer an« gere.rt, wonach m runden Ziffern von der T f ch c ch o - 2 1 ow a k e r 71, vonPolen 15 und von O e st e r r e i ch 14°/» der Renten m übernehmen wären, Dre Tschecho-Sloivaket und ^esterreich haben b:e so «rechneten Anteile lÜr das erste Haldjichr 1919 rn abgernndeten Benagen, bereits an die Geiellschrst ae?ah!t und hilisichtlich des zwe ten Halbjahres 1919'analoge Zusagen gemacht: auch seitens des poliirschcn Staates liegt eme Zusag'aus Provisorriche Anzahlung vor. Bo» den OetreidemLrkten» Wlen, 18. Dez-ml-er. Die Lage am den Gvtre dimärkren ist nnv rän'dert. Ü berall herrscht rege N rckisiagc und demmtolge ist auch die Tend>-nz 'est. Ans dem hiesigen Plane ist na'ürtich für die wenigen Piodukte. welche dem freien Handel zur Vertilgung stehen, ebenfalls äußerst dringender Bedarf vorhanden, doch imrnoeit es an Ware. P>e Bersorgringsauöstcht.'n h n'ichtli!, des Brotgrt.cides stnd noch inimer u n a it ri ft i g mib cs tft auch zw«-,frlhasr. ob die rolle Bror- und Mcblqno.re nächste 'Woche verabfolgt UKtbtn kann. Das plötzlich here-ngebrochcne strenge Frostweuer gibt zn Bedenken Anlaß, da dw Saaten der fchiiscnden Schneedecke knt hehren. ' Wiener Börse. Di« gestrige Börse war von einer reservierten Haltung ge« tragen nm Rücklicht aut die b vorftehende Verimgung der kominenden Fercrtage und nicht in letzt« Linie wegen des Erg biristcs der Pariser R-lie des Slaatslunzlers Dr. Rennr Der Grund'.on , des Marktes' war ab« dennp.-h. irotz des wes-nkstch 'rednz'erien Verkehrs, lest Von den Kirlrslewenen waren Alpine-Aktien, die Ak^en der rK'ttvplabrik und S!o^a-Aktrcn begehrt und höher, ferner setzten Salgokohlcn ihre Au wärtsbewegung * ott und er? 19. Dezember 191k ® f6tlie f , -—--—--;-% n zielten neuerdings eine Steigerung, van K 355.—. Schwächet lagen lediglich be-de.Kredit'Attren, während die Lbrigm Krt gonttl sich zumeist auf.dem .le'?'gemeldeten Rweau bewegten. Im Schränker war wird« eine oe eckte Tendenz vorw rltend. Mit einer kräftignl Avance von K 700-—zeichneten stch Prager Ecken-Aktien > ferner waren einzelne Brauer-Aktien b-gehu und höher» Die Akl'en.dcr Fezfäbriken wurdkn nm l< 409.— vstd ' Gälipa' ü» K 960— in dre Höhe geletzt. Auch einzelne Zucker-Akftrtt wurden mit größeren Steigerungen bedacht. Avancen waren 'ferner "aus dem TranSvorlmgrnt wahrnehmbar. Bgschtehrader lit. A prosttrerten K 459.—, Nord» brrtm K 950.** und Nrvigäzione K 500.—. Lediglich Anstroc Amtricana wurden 100.— billiger abgegeben, ferner warep , einige Nebenwene billiger erhältlich. Im großen ganzen «aH d-r Verkehr b S zum Schluffe gering. Renten lagen aut behauptet. Im übrigen verweisen tm ans nachstehende Schluvknrse: Industrie-Unternehmungen. Allgemeine Bamgekellschgft 759.— t—10.-), Unionbau 585.- l-l- 10->,WienerBau. gcsellschas1558.—21.-),Wienerberger Ziegel 1812.— (+ 62.—)^ Licsinger Brauerei 1890.—-- (4- 1'0.—\ Aussig Cbem. 3399.— (—51.—), Brosche Spmtus 2509.—75.—V Holzhandels^ gesestfchaft 1698.— (4- 23.—), A. S. G. Union Elcktr. 1155.-- (+ 5.50', Siemens Schuckert 933.— »+ 8.—). Alvlnc 3W5.7+ (+85.—), Berg u. Hünen 9009.— (— —Poldibütte 2l 80.--! (- 20.—l. Prager Ecken 7309.— (+ 700.—), Rlmanmrand 2795.— (+ 10.-)/Skodawerke 1730.- '+ 55.-t), Waffenfabrn 8175.- (+175.—), Salgo TarjaNer 3695.— i+355.—), STrifmW Kohlen 269.) 95 l-Uug. Allgem Kohlet» .tzlvv.-* (+109.-). Nrikanh 3580.- (- 20.-). Westböhm. 3475.-- ' + 50.—). Brünn« MaichiNen 1550.— * 1 + 45»—)» Hcrdll 648.— i+ 88-). Lokomotiv Sigl 1398.— (+ 73.—)^ Simmermg« 910.— «+ 25.—', Levkam 1340.—. (+ W>.rr\ Karpaiheü 11 699.- (+ 40.—), Galizia 13.500.- (+ 999.— Fe sabrcken 9659.— (+ 400.—i, SchoeÜrr Zuck« 3785;— (+ 18.).—), Türkenlose 1290.- (+20.-', Kruvv A.-G 1390.-^ + 60-'. 'HuftPtr 1640. — (- 1.-'. Fratwerke 159!).- (+25.-)^ Peitsch« Magnesit 19.710.— (+ 10.—), Schönpnestnet 2880.-; (+ 200.—), Äustto-Ämerikana 6309.— (— 109.—). j Transport-Unternehmungen. Adrrcr 6919.—<— — Ausng-Tepliver 43!-0.— — —Buschtehrader lit. A 42 0.— (+ 459 — , Busch:eirader lit. B 2100.— (+ 90.-', Donau-Dampft 9900.— (+ 480.-), Ferdrnands-'Rordb. 11.950.— (— 950.—)^ Navigazione 10.009.— (+ 500.—), Staatseckenbahn 3745,—■ i+5.—j, Lombarden 481.- (— 8.—r,. 8% Südbahn-PrioH 1080.— (+ 12.—', Staoksbalm-Gcnußsch. 1782.— (+ 4.-^)j , Stenten. Mai'ente 58— (+ 1.—), Fedruancnte'99.— (-.50', Oesterr. K.onettiente 81.75 (— —.75), Ungar. Goldrenle 250.— (— —), Ungar. Kronenrent'e 114.50 (-> —.50). Banken. Anglo 798 — >+ 7.—). Bankv«em 704.—\' .+ 13.—), Boöeirüed't 1679 - +20.—). Kredit-Anstalt 1075.-, r— 20.— r, Ungar. Kredit 1358.— r— 37.-), Derostten 735.*- (+ 25.—), Landcrbank 1170.— '+ —.50), Nuionbank 755.H t + ,5.—\ ^erf«hrSbftrtf 667. — (+ t—). ZivrrostenSkck 1554.—I '(+ 4.—), Bosnische Landesbank 580.— (— 20.—). Innsbrucker Warenbörse. Innsbruck, 13. Dezember. An der heutigen Warenbörse »vareii angcbotcn: Garne, Bauinwslle. Han', Jute, Sardinen, v'gerabil.iche Oele und Fct'e. Südfrüchte. Kerzen, Oelluchen. ^Kunsthonig. Tee-.dachvappe. Eichenfän«. Nachfrage bestand nach Heu, Stroh und sonstigen Furttrnülleln. . Prazer Dörfer Prag» 18. Dezember. Bei ruh g-'M Verkehre nnd fteinm llnrsätzen begegneten an der heutigen Börse nur Danek-Aktre» . lebhafterem Interesse. . Es ichlo'tcn (Geldkurse): 4°/» Fttiheitsanleihe 99,25» 5*/» Anleihe der Stadt Prag 103.10. 4<Y9 höhn». Hypothekenvsandbriese i. G. 101.50. die'esbcks, i. K. 192.-. dreielben 3'/,»/a 93.50, ' Fondsicheine der Lande-'bank des Königreiches Böhmen^ 98.—, von derselben 4,/a®/0 Kowwurralschuldscheine 101.25, dieselbe» 4°/0 i. K. 97.10, dieirlben i.G 97.19, von derselben Melioralionsscheine i. K. 06 50, 4°/« böhm. Sparkassenpsandbrrefe tl 0.—» 4V8^o mähr. Hyvotheftnvsandbrleke 102.45. dies. Iben 4% 100.75, 4*/a0/f> mähr. Landcskuliurbatt'Kommunalobligatio.nen 100.—, dieselben 4°/«. 93.50, 4°/, Pmndhriefe d« 1. mähr. SparkE 100.70, 4°/a Schuldscheine d« Zentralbank der döhm. Sparkassen 93.75, Prager städt. Sparkasse 83.5o, i%°U Schuldscheine der Z vnostenska Banka 101 75. — A f 4 , e n: Amylon 705.—, Welibiän Picken 1845.-^-. Böhm. Altierrbrauerer Budwrrs 8240.—, Beramann 1780 —, Ceska Banka617.*-,Böhm.Agrarbank755.—, Mähr. Agrar- und Industnalbank 827. Bodenkreditbank 672.—, Bobern abank 905.—, P'älrr.-schlcs. Bank 700.—, Zivnosienska Das Fluchgebet. Bon L. Schqpiro. Aus dem Jüdischen übertragen von Sttgstred Schm i tz. (1. Fortsetzung.) Malter, stechender Hauch zieht zn Hause durch die 88tube und macht sich unheimlich. Der Vater, esn grosser schlanker Mann, mit dunklem Gesicht' und schrvatzem Part, war stets ein großer Schweiger gewesen, selten Lonnte man von ihm ein karges „Hörst du, Zippe?" hören. Doch jetzt war sein Schweigen grauenhaft. Die Mutter war stets das gerade-Gegenteil gewelen; kedhast, beweglich mit Gliedern und ZunIö, stets huschte sie durch) Zimmer wie ein. muniereS Böglern und ihr: ^Schlohme. hast du schon gehört?" und ihre Geschichten,' ihr Plaudern und Be eich.en hatten nie e'nEnde gehabt. .Doch plötzlich aile) wie verwandelt. Der Vater geht rasch, unheimlich rasch in der Siuöe hin und her, und Mutter wendet den Kopf wie ein Kind.nach ihm und blickt ihm nach, als wollte sie jetzt und jetzt etwas sagen, luud es wagte sich nicht Über ihre Lippen. In ihrem Blick lag ettvaS anderes als früher» etwas Neues — was nur? . .. Etwas .. etwas .. wie in dem Blick „MiSzkas", des Hundes, mit dem Meir gern spielte, dort, in der Äamnstadt. Manchmal, wenn Meir in der Nacht aus dem Schlaf erwachte, da hörte er — oder schien cs ihm, nur so? -7die Mutter schluchzen und dabei zog der Vater auf seinem Bett an seiner Zigarre, zog sv stark an seiner Zigarre! — und eS war schrecklich zn schek, wie ein Feuerring aufglühte ckn deru finsteren Zimmer und wieder erlosch, aufglüh.e^wie von selbst und in her Luft schwebt^ über dem Platze, wo Bate'rs schrparzer Kopf wohl lag .. . Doch Klein Meirs Augen schließen sich, im Kopf irren . dumpf wirre Bilder, die Mutter, ein glühender Feüerring. daS Zimmer verstießen in eins, zerfließen und versinken irgendwo — und Klein-Melr schläft .., Während dieses Winters war die Mutter zweimal krank, einmal zwei Tage, das zwcitemal vier Tage lang. Beide Male sah sie zum Erbarnren aus. Ihr Antlitz glühte, in die blutende Unterlippe gruben sich ihre schmalen, weißen Zähne. Und doch sp rach ein wildgrauenhaftes Stöhnen von döm Geheimnis' furchtbaren Leidens. Und oft hatte sie Brechkrampf, wie auf der Seefahrt. . In dieser Zeit blickte sie zum Bater hin. Nichc mehr bittend. Nein, das war ein anderer Blick; das war — was lag nur tii bem Blick? — Miszka hatte sich einmal einen Dorn in die Pfote gestochen; er knurrte und brummte wild und vLrbissen und sog an der Pfote, als wollte er sie verschlingen samt dem Dvrn. Damals wurde auch der Vater anders. Er ging nicht mehr durch das- Zimmer, ec rannte hin und her. Die ZigÄrre zwischen seinen Zähnen rauchte unaufhörlich. und statt der eine» Wolke» die stets starr um seine Stirn gelagert war, jagten viele, vwle Wolken um die tiefe» Furchen, und zwischen leuchteten manchmal Blitze auf und erloschen jäh. Er' sah nicht hin zu Mutters Lager, und beide hatten für Meir reinen Blick. Und Meir fühlte sich elend und verlassen. Und es'war sonderbar! Gerade in;enen Tagen zog es Meir so sehr nach Hause. Astif der Gasse war es wie. immer, und im Zimmer war es damals wie im Tempel vor dem Schoserblasen, wepn so viele große Väter, den. TaliS über den Kopf gezogen, daste.h'en und aller Atem stockt, und von weiter Ferne erhebt sich -mit mächngem Dringen und Klingen ein lan3gezogener Hornton und zieht gebieterisch über die geftnkttn Häupter ... Ditz Mutter wurde die beiden Male gesund. Und immer legte sich wieder e.n.dünkelgrauer Schatten über das Haus. Der Later wurde finsterer als früher, und die Mutter sah ihn noch ergebener, noch bumpi-dutüsnder an als sonst. Meir lief wieder ans der Stube hinaus .in dis lärmende Gasse, IH. i- Der weiße Schnee wurde seltener und sel^ener^' In der Luft begann etwas Nsues zu werden — was? es war, konnte der kleine Meir sich nicht erklären. Ge fühlte'nur, daß eS etwas Gutes war, und alle Leuie iw ' der Gasse freuten sich daran; das sah er an ihren Gesichtern; sie wurden alle hell.und freundlich. Am Tage vor dem Pessachfest hatte sich der Hjmme! zu Hause erhellt. Die Gasse und die Stube re'.chtrn sich die Hand durch die F^n'ter, die zum erstenmal offen wa--en. Meir wurde da5 Herz leicht. Va^er und Mutter rüsteten zur Feftesfeier. Die Vorbe.eitungen waren armselig: leine K^str für Mazzoth' mit ihrer gutmütMN Breite gab es; ein Paket kalte, alte Mazzoth kam in die Stube. Das Faß'mit dem sorgsam bereiteten Borscht stand nicht im Winkel, und nicht wie sonst blinkte die Decke aus ungebleichter Leinwand traulich vom Fa^'se herüber. Keine altbekannte« ve.staubten Gesäße wurden vom Boden geschleppt. Alles anders: Der Pater brachte das GLschirr von der Güsse, neu und billig erhandelt . . . Dennoch wehte der Hauch des Frstes durch das.Haus und'wärmte das Herzchen Meirs mit der alten, guten Heimlichkeit. Des Vaters Antlitz hatte sich etwas erheitert. Als er die Gefäße reinigte, da blickten wohl seine Äugen noch etwas zerstreüt, doch seine Lippen lagen so, daß man sah: jetzt, jetzt werden sie lüchelnx.'sie sind bereit. Die Mutter huschte fast-so wie sonst durch die Stube in die Küche und wieder zurück, es huk und chriet. in den Pfannen^ und die Töpfe Urtb Teller plauderten und gurgelten und summten und surrten, stnd stolz blickte Mütter, als eine Nachbarin kam, einen Topf zu borgen. Meir blieb fast immer bei der Mutter. Die Nachbarin kam, nahm ihren Topf, die beiden Frauen warfen ein paar Worte hin über das nahe Fest, und dann sagte die Nachbarin: „Ei, ei, gar bald wirdL Freude bei euch geben!" (Lottßwuna.kolat^