Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 326 (18.12.1919)
- Date
- 1919-12-18
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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v ' ' ■, ■ , ' \ » . . - gaglT _ Mm. S)oimgysmf _ Wiener Msrge«ze,nmA \ . 18 Dezember lvw Nr. S2V Sport. Vnktas. Die (fc'faflfitftyintflttt finden von nun an ieben Coimiafl uni 9 Uhr v«m»tisgs ftittt, Donnnölog den 18 d. M. VÜällt die Hertungsfitzuug und findet Svnntnden 81. d. M. um 9 Uhr mmnittaaS statt. Samsrag den so. d. M. findet im Stubhei«. Caft Prückl, eine Tanzuvtcrhattuug statt. Gäste VtSkomme«! ' Gerichtssaal. Die des Licht» mev Helzmaterialkmangels für das Gewerbe. In drastischer Weise schilderte gestern in einer Per« Folgen des Mangels an Beleuchtung-- und Heiz material für das Gewerbe. Dar in der Blindengasse im achten Bezirk« etablierte Klsidevnacher und Hausbesitzer Johann S ch i m a n e k hatte dem Derlagsbuchhündler Karl H a rbauer in der Pfeilgassevdie Mansardenwohnung gekündigt, weil er dkeselbe zur Vergrößerung seiner Schneidernierkstätte benötige. Er sei nämlich gezwungen, die Btückckeister, die früher als Heimarbeiter in ihrer Wohnung arbeiteten, Letzt in seiner Werkstiltte arbeiten zu lassen, weil sie in ihrer unbeleuchteten und unbeheizten Wohnung nicht mehr arbeiten können. Gegen dir Entscheidung des Bezirksgerichtes Josefstadt, womit diese Kündigung als «nwirlsam erklärt wurde, brachte Schimane! die-Berufung an das Zivillandesgericht ein, vor welchem gestern unter Vorsitz des OberlandeSgerichtsrateS Dr. Hellmer die Verhandlung hierüber stattfand. Der als Sachverständiger vernommene Borsteherstellbertreter der Wiener Schneidergenossenschaft, Matthias. F r i tz, bestätigte, daß die Wiener Stückmeister wegen vollständigen Mangels an Petroleum oder sonstiger Beleuchtung und wegen Unmöglichkeit, ihre Wohnung zu heizen, nicht mehr arbeiten. können. Scharenweise kommen diese Arbeiter täglich mit erfrorenen Händen in die GenasfenschaftSkanzlei und bitten, ihnen Petroleum und. Kohle oder Holz zu verschossen, was aber unmöglich sei. Andererseits seien aber die großen Schneiderkirmen. wie die des Klägers, auf diese Stückmeister, deren sie 60 bis 70 ober noch mehr beschäftigen, angewiesen und sie müssen sie daher, wenn sie nicht ihren Kundenkreis «inschränken, «der, was noch wahrscheinlicher sei, verlieren wollen, diese Leute tp ihrer Werkstätte beschäftigen. Mit den sechs bis sieben Arbeitern, die der Kläger bis jetzt in der' Werkftätte habe, könne er das Auslangen nicht finden, er müsse auch die früheren Heimarbeiter heranziehen. — Beklagtenvert.reter: Es gibt Schneidermeister genug, die mit zwei bis drei oder auch nur ml# einem Gehilfen arbeiten müssen und doch leben. — Sachverständiger: Gewiß. Aber wer für einen größere» Kundenkreis arbeitet und plötzlich seinen Betrieb einschrönkt, verliert daS Vertrauen der Kunden. Vergrößern darf er seinen Betrieb, aber nur nicht verkleinern. — Der - Gerichtshof gab der Berufung Folge und erklärte die Kündigung für wirksam, weil ein Geschästsuntcrnehmen auf dir Ausrechthaltung seines Umfanges bedacht sein müsse. Kläger habe daher die Wohnung des Geklagten nicht aus spekulativer Absicht, sondern nur deshalb gekündigt, um das Geschäft aus der bisherigen Grundlage weiterführen zu können. verbotene AnsklSrungsfilm. Die Bayrische Filmgesellschaft hat einen sogsmürirten VürftlarungSfilm „Die ScelenvsrkSufer" hergestellt. Der Film wurde von der Polizei beanstandet und die Staatsanwaltschaft als Preßbehörde erkannte dahim daß der Film zu vernichten sei. Gegen dieses Erkenntnis hat die Bayrische Filmgesellschaft Einspruch erhoben und. über letzteoen wurde gestern vor dem Landssgerichte verhandelt. Erster Staatsanwalt Dr. Schwelt« vertrat den Standpunkt, der Film, den er als eine Schweinerei bezcichnete, die mit Aufklärung nichts zu tun habe, die Schamhaftigkeit und öffentliche Sittlichkeit gröblich verletze, sei mit Recht «ks Druckwerk beschlagnahmt worden, denn nach § 4 des Preßgesetzes falle alles, was durch mechanische oder chemisch« Erzeugung verviel sättigt werde, unter den bezüglichen Paragraphen, der seinerzeit sinngemäß auch auf Pfeifenköpfe und Sacktücher angewendet worden ist. Der Vertreter des Einspruches, Dr. Moritz 0t<nt« borg, führte aus, daß es aus die Tendenz des Films ankomme und nicht darauf, mit welchem Vorurteil er angesehen werde, denn unter diesem Gesichtswinkel sei auch der „Don Carlos" und der „Faust" nicht einwandfrei. Ihm sei. «0 aber weniger um die Widerlegung des Standpunktes, nach welchem der Film die Sittlichkeit verletze, zu tun, als vielmehr um die Aufhellung des Rechtsgruudes. Dieser biete ' keine Handhabe auf Vernichtung ’ des Films, denn es habe noch keine Verbreitung stattgefunden. Dev Film fei ein Wertobjekt, 100.000 Kronen wert; die Aufführung dieses FilmS fei in Böhmen und in Deutschland anstandslos gestattet worden. Rach zweistündiger Beratung entschied der Senat, daß dem Einsprüche teilweise Folg« gegeben werde. Einzelne näher bezeichne te Szenen des Films feien aber zu vernichten. Beide Parteien erhoben wider diese Entscheidung die Berufung. Die falsche Stenerkommission. DaS Urteil, Rach dreitägiger Dauer wurde gestern vor dem Schwurgerichte der ordentlichen Session die Verhandlung gegen hi« acht Angeklagten zu Ende geführt, welche teilweise wegen Betruges, teils wegen verschiedener Diebstähle angeklagt waren. Die Hauptangeklagten waren bet dem Kaufmann Heller als falsch« StenerkomMission erschienen und hatten «ns einem Rebenraume Schmuck und Einlagebücher im Werte von mehreren tausend Kronen. fortgetragen. Nach mehrstündiger Beratung erkannten die Geschwornen alle Angeklagten schuldig, nahmen, aber bei Margarethe Tschörrwr an, daß sie unter einem unwiderstehlichen Zwang gehanimt Hab«. Auf Grund dieses WahrspvncheS verurteilte der Gerichtshof Viktor Kamradek. zu einem Jahre, Otto Bernstein zu achtzehn Monaten, Friedrich Bernstein, JohannGebauer und Hermann Gelber zu je einem Jahre, Emauuel Kupfer zu zwei Jahren und Friedrich Wimmer zu dreieinhalb Jahren schwerem Kerker. Margarethe Tschörner wurde freiges prochen. tn aftft! Br-iS'aaen. tUfburntwctn inner Waramif, narbvänder tÜr alle Syklrme. erllklaPger Aarerial. Leop. Kurzer, Wien, 01L, Weslblihustraßt 23. Telebvov 81587. m Der VEswirl. Wirtschaftliche Ärachrichten. * AnS London wnd gemeldet: Der Silberpreis st eg gestslN nenerl'ch au' 78^!, Pence die Unze., — Nach einem Beschluß einer Nrrmlnisteüellrn Kommisston >n Prag soll w>eder die gebunden e^W t x t sch a f tmLed er emgeiiihtt werden. Die Zustimmung des HavdelömmistenumS steht allerdmtzs noch aus. Das HandelSmrntstkrium halte stch unter der Bedingung, daß die Lcderindustrlcsten i% Mllroneu Paar Schuhefür die Armen hergehen, für -ben fictcn Handel mit Heder entschieden und soll jetzt endaM g Stellung zu dieser Frage Nehmend — Dre Dueltlv« der polmkchm Sraatsbahnen m Krakau gibt bekannt, daß am 1. Dezember der Güterverkehr zwischen. P ölen und Oester' reich und der Tscheche-Slowäker wieder ausgenommen wurde. Es biiiftn jrdock m Polen überOdrrbcrg pur'20 Waggons im Tage e i« t r e f s e n. In düse Zchl werden Kobleutrcmsporte. Rohölprodukte. die in ausländischen Zisternen befördert werden, die Zuge ..Polon>a"' und- „Wawel" und die FlüchtlmgSiransporte nicht eingei echn«i- Bei -er Anfnabme von Waren aus dem Auslande haben im Rahmen dieser Einschränkung 8 e b e» sm r t 1 e l, M a s ch i n e «und kan dw r rt s ch a f t l l ch e G e r ä t e.d en Vorrang. Iche Sendungmuß m-t emer Eritluhrbrwilltgüng, die dun Frackitbnef brigekchlosie« wird, versehen sein« . ^MWVWWM^WVAMLWVMWWWWWWWWWWAWWMWWVWWWWWMWW Kaum daß hie StaatSverwalkung eine eirischneidcrdr Nem erböbung der Personen- und Fmchtentarise verfügt hat, soll mit Februar 1930 die F a h r k a r t e nst euer um 20*l? aus 80% und die (F r a ch tst e u,e r hon U% auf 80% dch ©c» färdtlunpSvrelscs erhöht werden. Der jährliche. Nettomehrertrag kür den Staat w>rd aus etwa 150 bis 800 Millionen Kronen veranschlagt. — Wir stehen also vor einer neuerlichen Verteuerung deS Rctlens und der transportierten Waren. Man wagt unter solchen Umständen niebt mehr dre Frag^ wo der so vit ouge« .kündigte Abbau der.Pxelse-bleibt. Dalutenburse. Zufolge der neuerlichen Besserung unser« n « t e n 4,06, i* i x e K 18.10.' Dollar K 175.^ und AnSzahlungBerlink!. 890. Gin Verfichevr»nospräfl,renzuschl«fl. Durch Vollzugsanwk'süna erdal'en d e Versicherungsanstalten das Rechts einen Prämienzuschlag von b% l't> Lebensversicherungen und tü% bei den sonstigen Berstcherungen emzuhrben. Für kürwrkristiae LebenSve'ifichrrtmgen find Zuschläge von 10 oder 20% znlä'sig. Der Staat hatte m dieser Bersiigung, die selbstredend wieder den wirt'chastlich schwächeren Bersicherunasnebmer belastet, kein Recht. Siech hmtep dieser neUss'ltchen Mchlbelastung wieder eine md rekte-Steuer? Der Kbhlenabsatzim Oktober 1010 in derTschecho» Slowakei. Im Oktober 1919. beziehunasmkife in den ersten zehp Monaten gestaltete sich der Balinabtatz m Waggons wie spitzt i Oktober ' Jänner-Oktober m.w«. J919 fiCfiert iets 1919 gegen 1918 Nordwcstböhmen . . 78.962 -f- 12.557 728.874 25.982 Pillen . -4.238 + 1.805 41.475 + 1.77g Bu'chte-rad-Kladno.. 6.603 +- 1.671 66,441 416 Schatzlar-Schwadowitz 1.861 -ch- 569 Rossttz.— — Ostran ...... 23.758 -j- 4.954 284.576 86.6Y1 DombtüN-Karwin . . 8.579 — ' 1.722 74 805 — 29 493 Geschäfts au kstchr. Vom Wiener HandelsaexiLte wurde die der der Fi, ma Karl I « n h a u l e r. Gemilchtwaten« Handlung in Wien. kX., Berggcifie 21, angeordnrle OrschättS* aussicht «ns eigenen Antrag , ausg,«hoben. Beendete Konkurse. Vom Wiener Landesgmchte wurde der am 30. März 1919 über das.BcrmZgen derTovrmr<i .^rauNatallt - H o m o l f a, IV, Wiedner Hauvistraste 85, eiöstnete Koykurß nach Berte'lung ber Maste gemäß § 189 K.-O sstr beendet erklärt. '- Vom Wiener Handelsgerichte wmde hier am 10. Mai 1914 über da- Bermoam der unter der' Firma Btüder Stnler zum Petnch« der Wäschrwmenrrz"ngung' in Wwn, Vk, M ttelgaste 35. reg. Noe Dävid und Btniamin Stuler erSssnete Kontms m,t Zust mmüng sämtücher Gläubiger gemäß 8155 K.-O. für beendet erkläri. Auagleich. Bom Wiener Handelsgerichte wurde daS über die Firma Allgemetne Zellulotk'Berwertungs« g e s e l l s ch a s t m. b. H. in Wrcn, VI.. Cavistrangaste >Nr.2. eingeleiine AuSal^ch-Sve, fahren mlolge der am 13. D>zember 1919 eingdtrefweu Rechtskra-t tür - beendet erklärt. Die Gläub ger erhalten eine 7°-«ige Quäle. . zahtbar in sechs Monate« nach Rechtskrastbestängung des Ausgletchcs. Die Passiven betragen znka X 2,000.000,—. - ^7?! Wiener Börse. Nach dem erfolgten Rückschlag kam gn der gestrig?« ÄSüe ecke freundlichere Strwmung zum Durchbruche mit Rücksicht. Mf die Bcschlüste des Obersten Rates in Paus. Wiewohl -nbch im Anfangsstadlum . im Hinblick auf bte bevorstehende Versorgung einige Reserve vorherrschend war, machte sich im wr-tcrcn Verlaufe des Verkehrs eine entschiedene-Beste, ung geltend, welche namerstlich in den Banken-> werten lästiger zum Ausdruck kam. Im Vordergründe des ZntcrcsteS-standen Ocsterr. Kredrt-Akiren. die infolge von spekula-. tiven Käufen eine Stci^erung von X 92.— auszuwersen hatten» auch Länderbanl-Aktten, welche X 89.59profitierten.Im Schranken waren bei geteilter Tendenz eine ganze Reihe von Metten wesentlichen Kurs- Verschiebungen unterworfen. Karborundum gewannen & 150 —, die Aktien der Holzbandels-A -G. X 124.—. Berg- und Hüttenwerke Das Fluchgebet. Bon L. Hchaptpo. Aus dem Jüdischen übertragen, von Siegüird,S ch m i tz. I. Fürwahr, das war ein arger «Sturm gewesen. Doch werm man neun Fahre^att ist. vergißt man. bald den ärgsten Sturm; und der kleine Meir war einige Wochen vor Pessach neun Jahre alt geworden . .. Gewiß — durch die Stube zog stets stechender Zag, scharfe, frostige Luft, kalter Wind, dessen Eishanch dis Erinnerung weckte!. Doch Kkein-Meir lebte mehr ans der Gasse denn in der Stube'zu Hause, er lebte in den rauschenden, prächtig-lärmigen Gassen von New-Pork. Tarthlow und New-Aork! New-Aork halte Tartylow verschlungen und aus dem Gedenken gedrängt. Nur eine, schwache Erinnerung war geblieben, der Dämmer eines Traumes. Denn ~ mein Gott — wenn man neun Zsahre aft ist, vergißt tmm, bald den stärksten Sturms So war es denn ein Traum, doch — „Mutter, ein schrecklich böser Traum!" Man saß im Cheder und lernte. Man lernt« nur so anstandshalber, denn zur Zeit der Buß läge, wenn das „Schuljahr zu Ende geht, wird der Rebbe sehr nachsichtig und mild. Wie man. so damit beschäftigt ist, ums Lernen herumzukommen, cha. hört man plötzlich von der Gasse her Türen schlagen und Stimmen wirren, und durch die Fenster deS Cheders sieht man Juden auf der Straße wie wahnsinnig hm und herrennen, toll umhrrwirbrln» wie Blätter bei einem Sturmwind . .. Der Rebbe sieht daS unbegreifliche Treibe« tu der Gasse und sinkt auf seinen Sessel. Er wird totenbleich und sein« Unterlippe zittert — ein furchtbares, ängstliches Zittern .... Meie sah ihn seither nicht mehr. Später erzählte mmr ihm, der. Rebbe lei criLlaaen warden. Als. Meir dies hörte, empfand er weder Freude und hoch ha-je der Rebhe ihn oft geschlagen wie ein Rasender — noch Bangen. Er konnte sich, nicht recht klar machen: Was ist das eigentlich .Erschlage»"? . . . In dieser Unttarhött entschwand ihm die Frage Überhaupt, wt-s der.Rebbe, den er nach und nach ganz vergaß ... Da erst begann der Tä»',: Zwei. Tage verbracht« man im Babehaus — Meir, ein paar seiner Mitschüler und einige Große — ohne Spch'o und Trank und ohne Vater und Mutter... Mau ließ ihn nicht heim, und als er einmal mit lautem Geschrei nach Haus« Kr gehen verlangte, da wäre er fast ersticht tvoyden. ttitb' er schluchzte und zitterte, denn er könnte sein Weluen nicht bezivingen. Einigeckale schlief «r in dieser Zeit ein, und wenn er aufwachte,, hatte sich nichts geändert. In all, dem Schrecken gab es mrv ein Wort „Gojtm" — bas Mir eine klare Vorstellung von etwas wahrhaft Schrecklichem gäb. Alles andere war ihm ganz Unklar, und er hatte auch eigentlich nichts gesehen. Als dann alles vorüber war, kam lauge niemand» ihn zu holen. Endlich brachte ihn ein fremder Jude heim. Weder Vater noch Mutter sagten ein Wort, als käme er jetzt aus dem Cheder wie all-e Tage. Im Zimmer war alles zerschlagen. Der Vater hatte eine verrenkte Hand und ein wundes Gesicht. Di« Mutter lag im Bette. Ihr blondes Haar war ver«. rauft, die Augen blickten schläfrig-müoe, ihr Gesicht Ivgr bleich und schmutzig, unt> ihre ganzir Figur war; irgendwie verdruckt und zerbügelt, wie ein ungeordnetes Bett. Der Bai«r ging schweigend im Zimmer auf und ab mit gesrnklem Blick; seine Hand hing in einer^ weißen Binde, die sich vom Hals über die Brust zog. Und als Meir plötzlich, von. jäher Furcht gepackt, zu weinen begann, da blickte ihn der Vater bloß einen Augenblick an mit düster-rauhem Blick und kckritt weiter wortlos im Aimmer auf müd ab. Drei Wochen später waren sie auf der. Fährt nach Amerika. Während der hanzen. Fahrt pav die- S«e stürmisch. Die Mutter lag stets unten auf ihrem Lager und litt an fortwährenden Brechkrämpfen. Meir sslisb von der Seekrankheit verschont. Der Vater ging fortwährend -auf und afr, auf und ab auf dem Deck, selbst im ärgsten Regen» bis man ktm und das Dock säubert«.; Meir erinnert sich eines mibegreifttchen BE Kvmnlnifses: Einmal machte ein Mensch auf dem Schiffe üne Bemerkung über den Vater *-<- vielleicht war es nur eine Grimasse, vielleicht lachte er, Gott weiß! -~ Der Vater blieb stehen und sah ben Mensch-cn an, nichts mehr, er sah ihn bloß an. Der erschrak, wich zurück und bekreuzte fkh, und seine Lippen beweg den sich zitternd. . . Meio selbst war erschrocken, als er sah, wie sich des Vaters Gesicht verz-errt«, wie seine Zähne knirfchten und Mte seine Augen aus dem Kopfe glühten. So harte der kleine Mnc den Vater nie gesehen- Bald darauf ging der Vater wieder auf dem Deck auf und ab, den Kops gesenkt, den Kragen des Rockes aufgestülpt. die Hände über den gebeugten Rücken gekreuzt. Als sie dann in New-Aork ankamen, da schwindelte «S Meir vor den Augen. Und bald darauf ver» wandeiie sich Tartylow ln einen Tvaum * •. n. - , D'yr Winter'begann. Schnee kam, frischse, weißer, weicher Schnee, und da erst begann daS Leben. Dev kleine Mir wurde ein „Boy"; „Boys" gehen in die „School", werfen Schneeballen, rutschen fröhlich auf frischen Glitschen, machen Feuer inmitten der Gasse — und keiner sagt ein böses Dort. Daheim wird Essen und Schlafen so rasch als möglich erledigt, und. das Leben, das rechte Leben wird <mf der Gasse gelobt» (Fortsetzuvg folM